BLKÖ:Weimann, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Weimann (Maler)
Band: 54 (1886), ab Seite: 16. (Quelle)
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Weimann, Joseph (Mechaniker, geb. zu Königgrätz in Böhmen in der ersten Hälfte des laufenden Jahrhunderts). Ueber den Lebens- und Bildungsgang dieses merkwürdigen Autodidakten auf dem Gebiete der Mechanik ist nichts bekannt; er hat auch in dieser Kunst, in welcher er eine seltene Fertigkeit entfaltete, nie einen Unterricht erhalten, wohl aber seit seinen Knabenjahren einzig und allein mit derselben sich befaßt. Von seinen verschiedenen Arbeiten, die alle ins Gebiet der Kunstmechanik fallen, ist vor Allem eine kunstreiche Uhr zu erwähnen, an welcher er zehn Jahre arbeitete, und welche er 1857 und 1858 zu Prag, Gratz und in anderen [17] größeren Städten ausstellte, wo sie allgemeine Bewunderung erregte. Sowohl die Idee, welche diesem Werke zu Grunde liegt, als die ganze Construction desselben ist Weimann’s ausschließliches Eigenthum. Das Ganze stellt eine Kirche mit zwei Glockenthürmen und eine Uhr in der Mitte dar. Im Hintergrunde erblickt man das Flachbild einer Landschaft. Die Uhr zeigt außer den Stunden und Minuten auch den Tag und Monat, den Eintritt und die Dauer der Jahreszeiten an; ferner veranschaulicht sie die Bewegung der Erde um die Sonne, die jedesmalige Stellung der Erde zum Thierkreise und den Lauf und die Phasen des Mondes. Ueber der Landschaft, die ihren Typus nach den Jahreszeiten ändert, geht die Sonne täglich zur entsprechenden Zeit auf und unter. Mit dieser Darstellung aus dem astronomisch-physicalischen Gebiete steht in dem Uhrwerke noch das folgende Automatenspiet in Verbindung. Jede Viertelstunde schreiten die zwölf Apostel, abgeholt von einem Hahn, der auf der Galerie unter der Uhr gleichsam Wache hält, über die Galerie, durch ein und dieselbe sich öffnende und wieder sich schließende Pforte aus- und eingehend. Früh, Mittags und Abends läutet ein Knabe auf einem der Thürme das „Ave Maria“. Dann kniet vor der Kirche ein Weib nieder, faltet die Hände, und ein Knabe zieht den Hut. Ist das Läuten verklungen, so nehmen Weib und Knabe ihre ursprüngliche Stellung wieder ein. Um zehn Uhr Vormittags wird in der Kirche Messe gelesen und um vier Uhr Nachmittags der Segen gehalten. Glockengeläute von beiden Thürmen ladet dazu ein; nun füllen die Betstühle in der Kirche sich mit Leuten, der Priester erscheint, verrichtet die kirchlichen Bräuche der Messe, geht jetzt zur rechten, dann zur linken Seite des Altars, hebt die Hostie, dann den Kelch empor, wendet sich um, breitet die Hände aus u. s. w. Nach dem Gottesdienst, der vom Orgelspiele begleitet wird, entfernt sich Alles wieder aus der Kirche. Sämmtliche Darstellungen entwickeln sich, wenn man die Uhr ihrem natürlichen Gange überläßt, ohne Nachhilfe regelmäßig, und stimmen die astronomischen Erscheinungen genau mit der Wirklichkeit überein. Wenn aber der Mechaniker sein Werk den Besuchern vorzeigt, so wird durch einen besonderen Mechanismus der Uhrgang beschleunigt und durch besondere Vorrichtungen die oben beschriebene Vorstellung in einer Stunde durchgeführt. Nach einer unserer Quellen wäre Joseph Weimann seines Zeichens Uhrmacher in Königgrätz; eine andere macht aus ihm einen Sonderling, bleibt aber die Gründe schuldig, warum sie ihn so nennt. Doch nicht, weit er ein ebenso schönes als merkwürdiges Kunstwerk ohne fremde Beihilfe zusammengesetzt und dadurch ein mechanisches Kunstgenie bekundet hat, das nur selten vorkommt?

Theater-Zeitung. Von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.) 1858, Nr. 188, S. 781. – Rumburger Anzeiger (Localblatt. 4°.) 1857, Nr. 36: „Eine neue Kunstuhr“. – Neue Zeit (Olmützer Localblatt) 1857, Nr. 202: „Ein mechanisches Kunstwerk“. – Bozener Zeitung, 1864, Nr. 185: „Eine kunstvolle Uhr“.