BLKÖ:Welten, Oskar

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Welt, Rosa
Band: 54 (1886), ab Seite: 252. (Quelle)
Oskar Welten bei Wikisource
in der Wikipedia
Oskar Welten in Wikidata
GND-Eintrag: 117278556, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Welten, Oskar|54|252|}}

Welten, Oskar (Schriftsteller, geb. in Lemberg am 30. December 1844). Oskar Welten ist ein Pseudonym und Doleschal der wahre Name des in Rede Stehenden, dessen Vater, wenn ich nicht irre, in kaiserlichem Dienste, und zwar in der Manipulationsabtheilung irgend eines Amtes zu Lemberg stand. Von drei Brüdern widmete sich der jüngste der Schauspielerlaufbahn; der älteste betrieb als Buchhändler mehrere Jahre in Luzern sein Geschäft, welches er nach seinem Tode der Witwe und dem Sohne hinterließ, die es unter dem wahren Familiennamen Doleschal noch zur Stunde führen. Der mittlere – unser Oskar Welten – beendete seine Studien in Lemberg, erlangte daselbst die philosophische Doctorwürde und widmete sich der Schriftstellerei. Auf diesem Gebiete schrieb er bisher eine erkleckliche Menge Theaterstücke und Novellen, aber erst durch den Kampf, den er gegen das gewerbsmäßige Verleihen von Büchern unternahm, und der sozusagen die Leihbibliothekenfrage auf die Tagesordnung stellte, machte er seinen Namen in weiteren Kreisen bekannt. Doch die mit großem Lärm in Scene gesetzte Angelegenheit, welche immerhin einiges Interesse einflößt, und in welcher gewiß die Verleger und Autoren, aber leider nicht das Publicum auf Welten’s Seite stehen, verlief zuletzt im Sande, und die Leihbibliothekenfrage ist ad acta gelegt; die Schrift aber, mit der er in dieser Sache zu Felde zog, führt den Titel: „Unser Recht gegen die Leihbibliotheken“ (Berlin 1884, 8°.). Zu Anfang der Siebenziger-Jahre lebte Welten in Wien und trat daselbst als geharnischter Kritiker auf, wie es einige Anzeigen darthun, die er in dem wenig gelesenen Blatte „Plaudereien“ zum Besten gab. Auch erschienen in dieser Zeit bei zwei Wiener Verlegern je ein Theaterstück im Drucke, und zwar: „Ein Weib der Revolution. [253] Tragödie in 5 Acten“ (Wien 1875, Hölder), wahrscheinlich dasselbe Werk, welches schon im Mai 1867 unter dem Titel „Charlotte Corday“ in Heidelberg über die Bretter ging und einen Achtungserfolg errang, und dann in Rosner’s „Wiener Theaterrepertoire“ das einactige Lustspiel „An der schönen blauen Donau“. Seit ein paar Jahren ist Welten in Berlin schriftstellerisch thätig und war daselbst als Mitredacteur an der Zeitschrift „Echo“ angestellt. Außer den bisher im Druck erschienenen Arbeiten führt Kürschner’s „Deutscher Literaturkalender“ für 1884 noch folgende Werke Welten’s, theils Novellen, theils Theaterstücke, an, doch können wir nicht angeben, ob dieselben überhaupt nur in Handschrift vorhanden sind und die letzteren auch zur Aufführung gelangten: „Eine Nacht gefangen“, Novelle (1869); – „Das Mondbild“, Novelle (1873); – „Chignon“, Novelle (1873); – „Eine Heirath auf Probe“, Lustspiel (1876); – „Brüsseler Spitzen“, Schauspiel (1876); – „Böses Gewissen“, Lustspiel (1878); – „Zerbrochene Gläser“, Novelle (1878); – „Rendezvous im Walde“, Lustspiel (1878); – „Scheidungsgründe“, Lustspiel (1878); – „Va banque“, Schauspiel (1881); – „Das Mädchen von Marconet“, Trauerspiel (1882); – „Genziana“, Lustspiel (1882); – „Monsieur En-passant“, Novelle (1883) und „Zola-Abende bei Frau von S.“ (1883). Vor etwa zwei Jahren sind von ihm bei Ißleib in Berlin mehrere Bände Novellen, vorwiegend realistischer Richtung, erschienen, sie führen folgende Titel: „Buch der Unschuld“ (Berlin 1885, Ißleib, 8°.); – „Nicht für Kinder“ (ebd., 8°.) und das Neueste: „Früchte der Erkenntniss. Ein neues Novellenbuch“ (ebd. 1886), mit folgender Bemerkung auf dem Titelblatte: „Das gewerbmäßige Verleihen dieses Exemplars ist bei Vermeidung einer Conventionalstrafe von Einhundert Mark versagt“. Es wäre immerhin nach den Proben des Maßstabes, den Oskar Welten als geharnischter Kritiker an fremde Werke legte, interessant, die Kritik zu lesen, die er über seine eigenen Werke schriebe, vorausgesetzt, daß er es in rein objectiver Weise thäte. Ich spreche diesen frommen Wunsch nicht etwa aus, weil eines meiner Werke vielleicht von Oskar Welten ungünstig beurtheilt worden; nein! Oskar Welten hat nie eines meiner Bücher recensirt oder kritisirt. In jüngster Zeit erscheint Welten als Mitarbeiter der in Spemann’s Verlage in Stuttgart erscheinenden, von Professor Kürschner redigirten Zeitschrift „Von Fels zu Meer“. Aus seinem Aufsatze darin: „Das Mekka für Lungenkranke“ (Görbersdorf im Schlesischen Gebirge) 1886/87, Heft 2, erfahren wir die Heilkräfte des in dieser Anstalt stattfindenden Heilverfahrens, dessen wohlthätige Folgen er an sich selbst erfuhr.

Deutscher Literaturkalender auf das Jahr 1884. Herausgegeben von Jos. Kürschner. Sechster Jahrg. (Berlin und Stuttgart, W. Spemann, 32°.) VI. Jahrg., S. 285.