BLKÖ:Wieser, Alois (1811–1874)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Wiser, Engel Ulrich
Band: 56 (1888), ab Seite: 67. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Wieser, Alois (1811–1874)|56|67|}}

2. Alois Wieser (geb. 1811, gest. in Unter-St. Veit nächst Hietzing bei Wien am 12. August 1874). Derselbe diente bei der niederösterreichischen Sparcasse in Wien, und zwar zuletzt als erster Cassier bei der mit derselben verbundenen allgemeinen Versorgungsanstalt. Ich kannte viele Jahre diesen merkwürdig schlichten, aber hochgebildeten und reich belesenen Mann, der etwas an den Sonderling streifte. Ich fuhr oft mit ihm von Wien nach Unter-St. Veit, wo er in einem der ersten an der Fahrstraße gelegenen Häuser – neben jenem, in welchem Freiherr von Rothschild den Sommer über zu wohnen pflegte – in einer ebenerdigen Wohnung seine Sommerfrische aufgeschlagen hatte, welche er alljährlich bis zu seinem Tode bezog. Da saß er an schönen Sommerabenden in der Thür seiner Wohnung, die in ein winziges an der Straße gelegenes Vorgärtchen führte, stets in Lecture vertieft, aus welcher ich ihn nicht selten aufstörte. Wieser war nicht bloß ein eifriger Bücherleser, sondern auch ein nicht minder eifriger Bücherfreund und hatte, da er kinderlos war, eine Bibliothek gesammelt, welche [68] nach Tausenden zählte und – freilich nur in der deutschen Literatur – die besten und ersten Ausgaben ihrer Heroen, aber auch sonst höchst seltene Curiosa und Curiosissima, wie ich mich durch Augenschein überzeugt hatte, enthielt. Dieselbe wurde, so viel ich weiß, durch seine Frau, die ihn überlebte, verkauft und in alle Winde zerstreut. –