BLKÖ:Wimmer (Zimmermeister)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wimmer, Wolfgang
Band: 56 (1888), ab Seite: 230. (Quelle)
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13. Ein Wimmer, dessen Taufnamen wir nirgends verzeichnet finden, war ein schlichter Zimmermeister in Preßburg, der im vorigen Jahrhunderte, und zwar in der zweiten Hälfte desselben zur Zeit Kaiser Josephs II. lebte, und dem ein Blatt in der Geschichte der Kunstmärtyrer gebührt. Von früher Jugend erlernte das Zimmermannshandwerk – vielleicht war es seines Vaters Geschäft – dem er trotz ungewöhnlicher künstlerischer Begabung, durch drückenden Mangel sich zu erheben unvermögend, Zeit seines Lebens verfallen blieb. Trotz alledem aber und bei völligem Mangel an höherer Bildung fühlte er sich zu Leistungen gedrängt, die allgemeine Bewunderung erregten. So ist unter Anderem der Dachstuhl der evangelischen Kirche in Preßburg sein Werk. Dieser, von einer seltenen Kunstfertigkeit, wird von Architekten als eine Merkwürdigkeit bewundert, so leicht und luftig, so alles Eisens bar ist er errichtet. Auch erbaute Wimmer die kunstreiche Wasserleitung auf dem Schloßberge, und das Modell einer stehenden Brücke über die Donau in Preßburg, welches er ausgeführt, erregte die Aufmerksamkeit des Kaisers Joseph, der es nach Wien bringen und in einem Saale der Hofburg aufstellen ließ. Das filigranartige schlanke dünne Modell besaß in seiner ungemein sinnreichen Zusammensetzung doch solche Festigkeit, daß ein Kürassier in Wehr und Waffen darüber ritt, ohne daß es zusammenbrach. Der Kaiser beschenkte den geschickten Zimmermeister mit hundert Ducaten. und auch die Ausführung im Großen ward festgesetzt, unterblieb aber aus unbekannten Ursachen. Doch Wimmer, der aus dieser Arbeit die Befreiung aus den beengenden Fesseln seiner Armut erhoffte, gerieth darüber in Schwermuth, die ihn nicht mehr verließ. Noch construirte er in diesem traurigen Zustande, in welchem er auf die unfruchtbarsten Gedanken verfiel, ein Perpetuum mobile. Alle freie Zeit, die ihm von der Arbeit an den Zimmerplätzen, welche er verrichtete, um nothdürftig sein Leben zu fristen, übrig blieb, verwendete er zu diesem Mechanismus und [231] brachte auch einen solchen zustande, denn thatsächlich ohne Uhrmechanismus bewegte sich seine Maschine fort und fort, aber nur 24 Stunden, dann blieb sie stehen. Wimmer aber verlor darüber den Verstand. So wurde er achtzig Jahre alt, man sah ihn an den Straßenecken stehen, neben sich sein Perpetuum mobile, das er den Kindern, wenn sie aus der Schule kamen, zeigte, an dem Erstaunen der Kleinen sich ergötzend. Eines Tages fand man den achtzigjährigen Greis an einen Eckstein gelehnt, das Haupt vornüber geneigt, als schliefe er. Da der Schlaf lange dauerte, versuchte man es, den Greis zu wecken, vergebens – er war todt; mit dem Perpetuum mobile in den Händen war er entschlafen. [Frankl (Dr. L. A.). Sonntagsblätter (Wien, 8°.) III. Jahrg., 1844, Nr. 39: „Aus Preßburg: Donner, Kliegl, Wimmer“.]