BLKÖ:Wolf, Alois (1772–1819)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wolf, Adolf
Band: 57 (1889), ab Seite: 262. (Quelle)
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Wolf, Alois (Virtuos auf der Guitarre, geb. in Wien 1772, gest. in Jassy 1819). Schon in frühester Jugend zeigte er große Neigung und Talent zur Musik. Bereits ein guter Violinspieler, [263] verlegte er sich mit einem Male, um 1790, auf die Guitarre, welches Instrument damals erst bekannt zu werden anfing, sowie die Kunst, es zu spielen, noch in der Wiege lag. Wolf, der bei der k. k. Banco-Hofbuchhaltung, bei welcher sein Vater in Diensten stand, eingetreten war, betrieb nun als Nebenbeschäftigung mit größtem Eifer das Studium der Guitarre. Innerhalb zehn Jahre brachte er es durch beharrliche Uebung so weit, daß er dieses sehr beschränkte Instrument zu einem concertirenden umschuf. Als er einmal mit einem Concerte auf der Guitarre in Begleitung des vollen Orchesters öffentlich auftrat; siegte dieselbe, und er wurde nun ein sehr gesuchter Lehrer auf diesem Instrumente, das immer mehr in Mode kam. Kein Künstler vor ihm hatte es bis zu solcher Vollendung gebracht. Nach seiner im Jahre 1802 erfolgten Verheiratung mit Anna Mrasek, einer Tonkünstlerin auf dem Fortepiano, wirkte er im Vereine mit ihr sowohl in Compositionen für sein Instrument, als auch in Concerten und durch gründlichen Unterricht, den Beide zahlreichen Schülern mit gutem Erfolge ertheilten. Als ihm dann seine Gattin durch einen frühzeitigen Tod entrissen wurde, entsagte er aus Liebe zur Kunst dem Staatsdienst, in welchem er es schon zum Rechnungsofficial gebracht hatte, und im Jahre 1812 verließ er seine Vaterstadt Wien und wohnte einige Zeit zu Klausenburg in Siebenbürgen. Nachdem er auf mehreren Kunstreisen im Inlande überall mit großem Beifalle aufgetreten war, ließ er sich 1817 zu Jassy in der Moldau nieder, wo er schon im kräftigen Mannesalter starb. Von seinen vielen Compositionen für die Guitarre, die er, wie bereits erwähnt, theils allein, theils[WS 1] gemeinschaftlich mit seiner Gattin geschrieben, und die sämmtlich in Wien im Stich herauskamen, sind uns bekannt: „Duo concertant pour violon et guitarre“, gewidmet der Frau Nannette de Malfatti (Wien, Steiner und Comp.); – „Thème avec six variations pour la guitarre seule“, gewidmet dem Prinzen Bretzenheim (ebd.); – „Amusement en forme de 13 Allemandes pour la guitarre“ (ebd., Cappi); – „Pièces favorites tirées de différents opéras et ballets trés faciles pour la guitarre et le pianoforte par L. Wolf et son épouse“, Cahiers I–III (ebd.); – „Sechs Ländler für 1 oder 2 Guitarren“ (ebd., Steiner); – „Menuet avec 2 trios pour guitarre et pianoforte“ (ebd., Cappi); – „Six polonaises pour guitarre et pianoforte“ (ebd., Mollo); – „Potpourri pour guitarre et pianoforte“, Nr. 1–6 (ebd., Cappi); – „Potpourri pour guitarre et pianoforte“ (Bonn bei Simrock); – „Sonate pour 2 guitarres“ (Wien, Steiner); – „Thème avec variations pour 2 guitarre et pianoforte“ Nr. 1, 2, 3, 4 (Bonn bei Simrock); – „Sonate pour 2 guitarres“ (Wien, Steiner); – „Thème avec variations pour 2 guitarres“ (ebd.); – „Thème pour guitarre et pianoforte“ (ebd.); – „Variationen für Guitarre und Violine“ (ebd.); – „21 Exercices ou petites pièces dans tous les tons majeurs“ (ebd., Cappi); – „12 Ländler“ (ebd., Steiner); – „12 Ländler und 1 Leiertanz“ (ebd.); – „Römischer Marsch“ (ebd.); – „Thème avec 6 variations in D“ (ebd., Mollo); – „Thème avec 6 variations in Am“ (ebd.); – „6 variations pour 2 guitarres“ (ebd., Cappi); – „6 variations in G“ (Braunschweig bei Spehr) und noch mehrere Thèmes und Variations, wovon er einige in Handschrift hinterlassen. „Alois Wolf“, obgleich der Gründer des Spieles auf der Guitarre als Concertinstrument, ist den musicalischen Lexikographen Gaßner, Gerber, Bernsdorf-Schladebach, [264] Bremer, Rieman gänzlich unbekannt.

Nach Aufzeichnungen in der Sammlung von Biographien, welche im Archiv des Musikvereines in Wien aufbewahrt werden.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: theis.