BLKÖ:Wolf, Andreas

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Wolf, Alois (Verweis)
Nächster>>>
Wolf, Anton Alois
Band: 57 (1889), ab Seite: 264. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 142479152, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Wolf, Andreas|57|264|}}

Wolf,Andreas (Arzt und Schriftsteller, geb. zu Großau in Siebenbürgen 13. October 1741, gest. in Hermannstadt17. August 1812). Er besuchte das Gymnasium in Hermannstadt, betrieb aber nebenbei Musik, insbesondere das Clavierspiel, worin er es zu großer Fertigkeit brachte, und das Studium der walachischen Sprache, als des Idioms eines großen Theiles der Bewohner seines Geburtslandes. Nach beendeten Studien wendete er sich zunächst dem Lehramte zu und versah von 1767 durch sieben Jahre das Amt eines Rectors an der Trivialschule zu Heltau; in der Muße aber, welche ihm sein Lehrberuf übrig ließ, beschäftigte er sich mit Musik und componirte mehrere Singstücke, zu denen er den Text selbst dichtete. Zuletzt für die Arzeneiwissenschaft als Lebensberuf sich entscheidend, bezog er im Frühlinge 1774 die Universität in Wien, von 1777 ab jene zu Tyrnau und ging dann nach Erlangen, wo er das medicinische Doctorat erlangte. Gegen Ende 1777 kehrte er nach Hermannstadt zurück, ließ sich daselbst nieder und übte die Praxis aus, bis er 1780 einem Rufe nach Jassy folgte, wo er zunächst bis Ende 1782 verblieb. Während des Türkenkrieges 1788–1790, dann 1794 durch zehn Monate und wieder 1795–1797 brachte er in der Walachei zu und erwarb sich durch seine ärztliche Behandlung in den vornehmstesn Familien von Jassy und den größeren Ortschaften dieses Landes einen bedeutenden Ruf als Arzt und zugleich ein ansehnliches Vermögen. In den anderen Jahren übte er seine ärztliche Praxis in Hermannstadt aus, wo er sich niedergelassen hatte. Als ihm eigenes körperliches Leiden den Krankenbesuch unmöglich machte, ertheilte er daheim oder schriftlich seinen ärztlichen Rath, die übrige Zeit aber verwendete er zu seiner Lectüre, zu Studien und seinen schriftstellerischen Arbeiten. Diese sind folgende: „De Vecte Roonhuyziano dissertatio inauguralis“ (Tyrnaviae 1777, 8°.); – „Siebenbürgisch-sächsische Hochzeitverse“ (Hermannstadt 1792, 8°.); – „Beiträge zu einer statistisch-historischen Beschreibung des Fürstenthums Moldau“, 2 Theile (ebd. 1805, 1. Theil mit 2 KK.; 2. Theil mit Autoren- und Sachregister von S. 227–260, 8°.); dieses Werk hat Wolf dem Erzherzog Palatin Joseph gewidmet, dessen schmeichelhaftes Erwiderungsschreiben die „Siebenbürgischen Provinzialblätter“, Bd. II, S. 100 enthalten. In der „Siebenbürgischen Quartalschrift“ veröffentlichte er: „Ueber einige erhebliche Hindernisse der Gesundheit in Siebenbürgen und besonders im Hermannstädter Bezirke“ [Band III, 208–240]; – „Ein Wort über Faschingskrankheiten“ [Bd. IV, S. 59 bis 88]; – „Was ist von der Oeleinreibung als einem neu entdeckten Heilmittel gegen Pest zu halten? und wie muß dieses gebraucht werden?“ [Bd. VI, S. 85–148, 193–218; auch im Separatabdruck (Hermannstadt 1798, 8°.)] – „Ueber den bei Lebelang neuentdeckten Wasserbrunnen nebst einer chemischen Analyse desselben“ [Band VI, S. 265–279; auch separat gedruckt Hermannstadt 1798, 8°.)]. In den letzten Lebensjahren steigerte sich sein Leiden [265] sehr, namentlich trat eine große Gedächtnißschwäche ein, was ihn nöthigte sich immer mehr allem geselligen Umgange zu entziehen, bis er an Entkräftung starb. Im Jahre 1799 hatte ihn die großbritannische Gesellschaft der Wissenschaften unter ihre correspondirenden Mitglieder aufgenommen.

Siebenbürgische Provinzialblätter (Hermannstadt, kl. 8°., Hochmeister) Bd. IV. S, 246–251.