BLKÖ:Woytzek, Matthias

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Woytjssek
Band: 58 (1889), ab Seite: 136. (Quelle)
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Woytzek, Matthias (Gemeiner im k. k. 6. Dragoner-Regimente Graf Horváth-Toldy, heute 12. Dragoner-Regiment [137] Erwin Graf Neipperg). Woytzek wurde in Mähren zu Anfang der Dreißiger-Jahre des laufenden Jahrhunderts geboren. In ihm wohnt eine Heldenseele, wie wir solchen nur in den Kriegen der alten Griechen und Römer begegnen, und da ihm als Gemeinen kein Ordenszeichen zutheil werden konnte, gleicht die Geschichte diese Ungerechtigkeit aus, und räumen wir ihm einen Platz in diesem Werke ein, worin er eine Stelle mit gleichem Fug und Recht verdient, wie Tausend der darin Genannten. Das k. k. 6. Dragoner-Regiment, welches im italienischen Feldzuge 1859 in Italien stationirte und in der Schlacht bei Solferino (24. Juni 1859) auf dem Kampfplatze stand, war während dieser Schlacht von halb acht Uhr Morgens bis spät Abends dem heftigsten feindlichen Geschützfeuer ausgesetzt. Die unverhältnißmäßige Ueberzahl der gegenüberstehenden Cavallerie, sowie die Menge der feindlichen Batterien machten es dem Regimente unmöglich, seine Treue und opferwillige Begeisterung für seinen obersten Kriegsherrn anders zu beweisen, als durch unerschütterliches Ausharren in der todbringenden Aufstellung, die ihm angewiesen war. Officiere und Mannschaft wetteiferten gleichsam in Muth und Kaltblütigkeit, während sie in dem verheerenden Feuer ungebeugt Stand hielten. Kein Mann war zu bewegen, Reih und Glied zu verlassen, selbst dann nicht, wenn es galt, Verwundete auf den Verbandplatz zu bringen, um nur der Verwendung zum Kampfe nicht verlustig zu werden. Und so dem feindlichen Feuer ausgesetzt, still zu verharren, bedarf es fast größeren Muthes, als dem Feinde auf den Leib zu rücken und auf ihn, der unser Leben bedroht, einzuhauen. Ein Beispiel seltener Kaltblütigkeit, sagen wir offen einziger Seelengröße, bietet in dieser Schlacht der Dragoner Matthias Woytzek. Gleich beim Beginne der Schlacht wurde ihm – der in der 4. Escadron eingetheilt war – durch eine feindliche Kugel der rechte Arm abgerissen. Ueberströmt vom Blute, blieb er ruhig in seiner Abtheilung und wollte, trotz dem Mahnen seiner Nebenmänner, sich verbinden zu lassen, nicht vom Platz weichen. Als der Escadronscommandant den Schwerverwundeten aufforderte, auf den Verbandplatz zu reiten, erwiderte Woytzek mit bescheidener, aber fester Stimme, „daß dies sein Platz sei, den er nicht verlassen werde, so lange noch ein Funken von Leben in ihm sei“. In diesem Augenblicke platzte ein feindliches Hohlgeschoß in der Höhe, und ein Bleistück fuhr Woytzek durch die rechte Schulter. „Jetzt werdet Ihr doch zurückreiten?“ fragte der noch dastehende Escadronscommandant den Wankenden. „Jetzt werde ich erst recht dableiben“ war die heldenmüthige Antwort, und unerschütterlich blieb der Brave auf seinem Platze, bis eine dritte Kugel sein Pferd niederstreckte, unter dem er ohnmächtig zusammenbrach.

Lorbern, gesammelt von den Soldaten des kaiserlich österreichischen Heeres im Feldzuge 1859. Nach officiellen Quellen (Wien 1863, Seidel und Sohn, 8°.) l. Heft. S. 15.