BLKÖ:Wurzbach-Tannenberg, Theodore Edle von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 59 (1890), ab Seite: 26. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Theodora von Fiedler-Wurzbach in der Wikipedia
GND-Eintrag: 116499982, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Wurzbach-Tannenberg, Theodore Edle von|59|26|}}

Wurzbach-Tannenberg, Theodore Edle von (dramatische Künstlerin, geb. zu Lemberg in Galizien am 6. Februar 1844), Tochter des Verfassers dieses Lexikons. Da ihr Entschluß, sich der Bühne zu widmen, trotz der gegentheiligen Vorstellungen ihres Vaters, der, ihre schriftstellerische Begabung erkennend, sie dem weniger aufreibenden Berufe der Schriftstellerin[WS 1] zuwenden wollte, nicht zu erschüttern war, erhielt sie dann auch eine sorgfältige dahin abzielende Erziehung. Noch wurde früher das Urtheil der mit dem Vater befreundeten Hofschauspielerin Julie Rettich und des damaligen Directors des kaiserlichen Burgtheaters, Heinrich Laube, eingeholt, und da Beide das dramatische Talent der jungen Dame anerkannten, betrat sie am 12. Mai 1863 im Prager ständischen Theater zum ersten Male die Bühne. Nachdem sie an verschiedenen Bühnen mit großem Beifall gespielt, kam sie im Jahre 1876 zum Hoftheater in Dessau, wo sie durch zehn Jahre die Zierde der Bühne und der Liebling des Hofes und des Publicums war. Wie schon im Eingang dieser Skizze bemerkt ist, zeigte Theodore frühzeitig eine nicht gewöhnliche schriftstellerische Begabung, und die illustrirte Frauenzeitung „Der Bazar“ brachte wiederholt Arbeiten aus der Feder der Künstlerin, [27] so: „Das Geheimniß. Eine Humoreske“ [1861, S. 321] und „Junker-Studien“, mit 18 Illustrationen von C. K. [1862, S. 320]. Im Jahre 1874 vermälte sie sich mit dem Schriftsteller Karl Fiedler (geb. 1834, gest. 7. September 1887), der mehrere Stücke: „Frauenherzen“ (1871 in der Reclam’schen Universalbibliothek, Nr. 360), „Goethe als Recrut“ (1873), „Vom Regen in die Traufe“ (1873) und das Drama „Francisca Seidwitz“ (1883) zur Aufführung brachte und auch drucken ließ. Ungleich größere Bedeutung besitzt er aber als Dramaturg und erregte mit seinen beiden Werken: „Das Theater, was es war, was es ist, und was es werden muß“ (Leipzig 1875, 2. Aufl. 1877) und „Die Gesammtgastspiele zu München“ (1880) in den betheiligten Kreisen großes Aufsehen. Er geißelte darin das an den größeren Theatern, namentlich Hofbühnen tief verbreitete Protections- und Cliquenwesen und vielerlei andere tiefgreifende Mißstände, wodurch er wohl der Wahrheit die Ehre gab, für sich aber nichts weniger als Freunde gewann. Seit vielen Jahren leidend, kaufte er 1886 die Besitzung Koglgut in Lausa bei Losenstein in Oberösterreich, um sich dort der Bewirthschaftung desselben zu widmen. Seine Hoffnung, in ländlicher Muße zu genesen, erfüllte sich nicht, vielmehr machte sein Leiden raschere Fortschritte, bis er 1887 im Alter von 53 Jahren demselben erlag.

Illustrirte Frauen-Zeitung (Berlin, kl. Fol.) X. Jahrg., 16. September 1883, Nr. 18. – Allgemeine Zeitung (München, Cotta, 4°.) 18. September 1887, Nr. 259, S. 3821.
Porträt. Unterschrift: Facsimile des Namenszuges: „Theodore Fiedler von Wurzbach“. Aug. Schubert (gez.) in der „Illustrirten Frauen-Zeitung“ 1883, Nr. 18.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Schrittstellerin