BLKÖ:Zamoyski, Andreas Arthur Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 59 (1890), ab Seite: 144. (Quelle)
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2. Andreas Arthur Graf (geb. in Wien 2. April 1800, gest. 29. October 1874). Ein Sohn des Grafen Stanislaus aus dessen Ehe mit Sophie Fürstin Czartoryska, verlebte er die erste Jugend in Wien, dann kam er in das kaiserliche Lyceum zu Paris, von dort auf die Akademie in Genf, später in das polytechnische Institut daselbst, wo Oberst Dufour, der nachmalige Schweizer General, sein Lehrer war. Zuletzt bezog er die Universität Edinburg, auf welcher er insbesondere Mathematik, bürgerliche und Militär-Genie-Wissenschaften und bei Mac-Culloch Nationalökonomie betrieb. 1830 kehrte er in seine Heimat zurück, wo er alsbald mit den Verhältnissen derselben sich bekannt machte, ins öffentliche Leben trat, verschiedene Aemter übernahm und eine die Interessen des Landes fördernde Thätigkeit entfaltete. Unter diesen Bestrebungen brach die denkwürdige Erhebung der Polen aus, an der sich Zamoyski und andere Mitglieder seiner Familie betheiligten, bis die Niederwerfung des Aufstandes durch russische Bajonnete die Betheiligten zur Flucht ins Ausland trieb. Auch Graf Andreas flüchtete, kam nach mannigfaltigen Fährlichkeiten unerkannt nach Wien, erlangte daselbst eine Unterredung mit dem Staatskanzler Fürsten Metternich, in welcher es ihm gelang, denselben für die Interessen Polens zu gewinnen, aber zu spät, denn Frankreich und England hatten es abgelehnt, die Verhandlungen über die zum Schutze Europas gegen das immer mehr vordringende Rußland nothwendige Wiederherstellung Polens zu unterstützen, und das Project gänzlich fallen gelassen. Im Jahre 1832 kehrte Zamoyski in sein Vaterland zurück und widmete sich auf seiner Besitzung Klemensów ausschließlich landwirthschaftlichen Arbeiten und gemeinnützigen Bestrebungen, wie er deren immer schon lange vor Ausbruch der Revolution mit Energie und Erfolgen, selbst große Opfer an eigenem Vermögen bringend, betrieben. So hatte er in Warschau großartige Dampfmühlenanstalten und Eisengießereien, dann die polnische Dampfschifffahrtsgesellschaft ins Leben gerufen, deren Schiffe nunmehr die ungeheueren Mengen Getreide nach Danzig schafften, wohin dasselbe vorher durch die langsame und kostspielige Verflößung gebracht wurde. Indessen lag die russische Hand schwer auf dem Lande, in welchem es immerfort gährte. Als dann im Jahre 1863 während der Graf in Paris weilte, aus seinem Palaste in Warschau auf den General Berg ein Schuß fiel, wurde dieses Gebäude in einer allen Gesetzen der Civilisation Hohn sprechenden Weise auf Befehl Berg’s durch die russische Soldatesca vom Grund aus zerstört. Das inhaltreiche Leben des Grafen fällt außerhalb des Rahmens unseres Lexikons, daher wir in dieser Hinsicht auf die Quellen verweisen. Im Jahre 1862 schrieb er, von dem Großfürsten Constantin dazu aufgefordert, seine Ansicht über die Mittel [145] zur bleibenden Beruhigung Polens mit allem Freimuth nieder; die Denkschrift war eben nur ein akademischer Excurs, der russischerseits gelesen und dann ad acta gelegt wurde. Auch ist er Verfasser des Werkes: „System więzień poprawcych irlandzkich“, d. i. System der irischen Besserungsgefängnisse (Lemberg 1870, Millikowski, 8°., XXX und 635 S.). Wie er sich gegen die eigenthümlichen Beschwichtigungsversuche des zweideutigen Grafen Wielopolski ablehnend verhielt, bildete seinerzeit den Gegenstand weitschweifiger publicistischer Erörterungen, welche durch die Blätter aller Länder liefen. Der Graf lebte in letzter Zeit in Krakau, wo ihn auch der Tod ereilte. Man könnte ihn den polnischen Stephan Széchényi nennen, nur daß er von dem Unglücke verschont blieb, in Irrsinn zu verfallen, an widrigen Geschicken hat es ihm ebenso wenig gefehlt wie dem edlen Ungar, und verstanden ist er, selbst von seinem Volke, ebenso wenig worden, wie dieser, dessen Bedeutung erst, nachdem er gestorben war, begriffen wurde. Graf Andreas war (seit 16. September 1824) mit Rosa Gräfin Polocka vermält. Der Familienstand ist aus der Stammtafel ersichtlich. [Die Glocke (Leipzig, Payne, Fol.) 1861, Nr. 120. – Ruppius. Sonntagsblatt (Berlin, 4°.) 1879, S. 213 und 214 im Aufsatz: „Licht- und Schattenbilder aus Rußland“ von Albert Voelkerling. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1868, Nr. 12–18. Beilage. – Constitutionelle österreichische Zeitung (Wien, Fol.) 1863, Nr. 63 u. f. im Feuilleton: „Zamoyski und Wielopolski“. [Das Original dieses von Ch. de Mazade geschriebenen Artikels erschien zuerst in der „Revue des deux mondes“ 1863, wurde übersetzt und machte dann die Runde durch alle großen und kleinen Blätter des Continents.] – L’Illustration (Pariser illustr. Blatt. Fol.) 1863, Nr. 1076, S. 247: „Pillage du palais du comte Zamoyski“, mit Abbildung der Plünderung des Palastes auf S. 244. – Noworocznik narodowy na rok 1864, d. i. Nationales Neujahrbuch für 1864 (Wien, Sommer, 4°.) S. 26: „Andrzej hr. Zamojski“. [Porträts. 1) Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen in der „Glocke“ 1861, Nr. 120. – 2) Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen im „Noworocznik narodowy“ für 1864, S. 26.] –