BLKÖ:Zamoyski, Thomas (1594–1638)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 59 (1890), ab Seite: 150. (Quelle)
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19. Thomas (geb. im April 1594, gest. 8. Jänner 1638), der einzige Sohn des Hetmans und Kanzlers Johann aus dessen vierter Ehe mit Barbara Tarnowska. Die Freude über die Geburt dieses Sohnes war in der Familie sehr groß. Der Kanzler errichtete sofort zu Gunsten desselben ein Fideicommiß und nannte eine in der Nähe des Schlosses Zamoisc angelegte Stadt, die anfänglich nach seinem Wappengeschlechte Jelita Jelitów hieß, nach dem Taufnamen seines Sohnes Tomaszów. 18 Jahre alt, 1612, beendete derselbe seine Studien, dann nahm er unter dem berühmten Hetman Żółkiewski Kriegsdienste und kämpfte in rühmlichster Weise gegen die Tataren. Bald darauf wurde er zum Abgeordneten für das Tribunal und dann zu Belz in den Landtag gewählt, 1613–1617 ging er auf Reisen und lernte auf diesen einen großen Theil Europas kennen, kam auch nach Paris an den Hof Ludwigs XIII., nach Neapel, nach Rom, wo er von Papst Paul IV. ansehnliche Privilegien für die Zamoyski’sche Akademie erlangte. In Italien schrieb er auch sein Werk über Befestigungskunst. Reich an Kenntnissen und Erfahrungen heimgekehrt, wurde er Wojwode von Podolien. im Alter von 24 Jahren Senator. Dann zog er neuerlich in den Krieg gegen die Tataren, in welchem er wieder mit Auszeichnung kämpfte, aber auch wegen Eigenmächtigkeit in der Kriegsführung Zurechtweisung von Seite seines Oberfeldherrn sich zuzog. 1619 wurde er Wojwode von Kiew, schloß im nämlichen Jahre mit den Kosaken den Vertrag von Rastawice und ging nun auf Brautschau. Seine Wahl fiel auf Katharina aus dem berühmten Geschlechte der Ostrorog, mit welcher er 1620 die Hochzeit feierte. Nun folgten für das Reich stürmische Tage, in welchen Zamoyski ebenso Mannesmuth wie Staatsklugheit bewährte und ob seiner Treue im Vertrauen seines Königs wuchs. Nachdem er verschiedene Sendungen geschickt ausgeführt hatte, 1622 als Deputirter zum Tribunal, 1625 als Commissär zu den Kosaken, 1626 in den Krieg gegen die Schweden, überall sich durch Umsicht, Staatsklugheit und Tapferkeit bewährend, wurde er zunächst Vicekanzler und 1628 Starost von Krakau, welches er sofort bei den obwaltenden Wirren in Vertheidigungsstand setzte. 1635 noch zum [151] Großsiegelbewahrer des Reiches erhoben, starb er in dieser Stellung im Alter von erst 44 Jahren. Thomas war als Kriegsheld, Staatsmann, durch seinen Muth wie durch seinen Scharfsinn gleich ausgezeichnet. Sein Vaterland, für das er Geld und Blut opferte, liebte er über Alles und folgte, wenn es galt, dessen Rufe. In den letzten Jahren suchte ihn infolge der Kriegsstrapazen schwere Kränklichkeit heim. Im Uebrigen war er polnischer Edelmann vom Wirbel bis zur Zehe, fromm und wohlthätig. Kirchen baute er zu Jampol und Rosków, Krankenhäuser zu Rowno, Krasno und Tarnopol; reich bedachte er die Zamoyski’sche Akademie; in Zamosc führte er die Franciscaner ein, und den Jesuiten verschrieb er zur Erbauung einer Kirche in der Ukraine und zur Durchführung der kirchlichen Union ein Capital von 70.000 Goldgulden. Er besaß ungewöhnliche Kenntnisse, darunter die der türkischen Sprache, für deren Erlernung noch sein Vater Johann Sorge getragen. Aus seiner Ehe hinterließ Thomas Zamoyski außer zwei Töchtern einen Sohn Johann. Von den Töchtern heiratete Griseldis Constanze den Fürsten Michael Jeremias Wisniowiecki und wurde so Mutter des nachmaligen polnischen Königs Michael; die zweite Tochter Johanna Barbara verehelichte sich mit Alexander Koniecpolski. Der einzige Sohn Johann, der zwölf Jahre alt war, als der Vater starb, vermälte sich mit Marie Casimira de la Grange d’Arquien, welche als Witwe zur zweiten Ehe schritt mit Johann Sobieski, dem nachmals als Johann III. und Befreier Wiens von Türkennoth so volksthümlich gewordenen Könige Polens, den sie gleichfalls überlebte. Sie segnete 1707 zu Rom das Zeitliche. Thomas Zamoyski’s Selbstbiographie hat Aug. Bielowski herausgegeben, Severin Golębiowski Denkwürdigkeiten aus den Briefen des in Rede Stehenden zusammengestellt und in der Warschauer Bibliothek (Biblioteka Warszawska IV, 1853, veröffentlicht. – Zurkowski (Stanisław). Zywot Tomasza Zamoyskiego kanclerza W. Kor. napisal – – Wydał Alexander Batowski [z rękopismu w zbiorze Wiktora hr. Baworowskiego, nakład i wlasnaść tegoż] (Lwow 1860, zaklad narod. im. Ossolińskich, XXI S., 4 Bl., und 403 S., gr. 8°.). – Encyklopedyja powszechna, d. i. Polnisches Conversations-Lexikon (Warschau, Orgelbrand, gr. 8°.) Bd. XXVIII, S. 264 u. f. – Porträt. P. Overradt exc. 1606; P. v. Isselburg </t>fec. (Fol.).] –