BLKÖ:Zandomeneghi, Luigi

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Zanchi, Joseph von
Band: 59 (1890), ab Seite: 157. (Quelle)
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Zandomeneghi, Luigi (Bildhauer, geb. zu Colognola, einer wenige Meilen von Verona gelegenen Ortschaft, am 20. Februar 1778, gest. in Venedig am 15. Mai 1850). Sein Vater Pietro entstammte einer angesehenen toscanischen Familie, die sich Giandominici schrieb, welcher Name vom Venetianer Dialekt in Zandomeneghi verwandelt wurde. Die Familie war allmälig ganz verarmt. Luigis Mutter Catarina war eine geborene Gonzati aus Montecchia. Bis zu seinem 18. Jahre verrichtete er untergeordnete Dienste, da brachte der Vater selbst den 18jährigen Jüngling, dessen Neigung für die Kunst verbunden mit ungewöhnlichem Talente sichtlich hervorbrach, 1796 nach Venedig zu dem unbedeutenden Bildhauer Giovanni Ferrari Toretti, bei dem übrigens kein Geringerer als Canova die ersten Elemente der Kunst, in welcher derselbe später so groß geworden, erlernt hatte. Bei Toretti selbst erlernte Luigi nicht eben viel, aber mit ihm zugleich befand sich bei dem Meister der junge Giacomo Gabardi, der Sohn wohlhabender Eltern, mit dem er sich befreundete, und in dessen Familie er gastliche Aufnahme fand. Gabardi (gest. in Venedig am 6. August 1850 im Alter von 76 Jahren) bildete sich selbst zum tüchtigen Künstler, und dieser war es, der unseren Zandomeneghi in dessen künstlerischer Entwickelung wesentlich förderte, während derselbe unter Toretti’s alleiniger Leitung wohl verkümmert wäre. Mit Gabardi gemeinschaftlich übte sich Zandomeneghi, ungeachtet es sein Meister nicht gern sah, im Zeichnen nach der Antike, im Modelliren danach und machte glänzende Fortschritte. Copien nach einigen bei einem Antiquar vorgefundenen Antiken meißelten er und sein Freund so täuschend nach, daß sie von Kennern für Originale gehalten wurden. Dabei bildete sich Luigi auch wissenschaftlich aus, lernte und studirte die alten Classiker und vertiefte sich in die herrliche Literatur seines Vaterlandes. So erwarb er sich denn auch Gönner und Freunde, die ihn unterstützten, unter anderen den Staatsinquisitor Girolamo Ascanio Molino und den Fürsten Degli Obizzi. Aber mit dem Fall der Republik änderte sich die Sachlage, und des jungen Künstlers Aussichten verschlimmerten[WS 1] sich sehr. Nichtsdestoweniger ließ Zandomeneghi den Muth nicht sinken, verdoppelte Fleiß und Eifer und vollendete 1804 das Modell eines Genius der schönen Kunst, der das Bildniß Canova’s krönt. Canova, die schöne Arbeit würdigend, lehnte die Krone für sich ab und wollte sie auf der Büste Tizian’s sehen. Aber auch dieser Erfolg nützte dem jungen Künstler wenig; Bestellungen fanden sich noch immer nicht ein, und er war genöthigt, seine Arbeiten [158] Künstlern zu überlassen, die besser vom Glück begünstigt waren als er. Endlich, 1812, gelang es ihm, die Leitung der Bildhauerschule am Arsenal zu erhalten; aber der Sturz der italienischen Regierung machte auch dieser Dienstleistung ein Ende, und Zandomeneghi sah sich wieder auf seiner Hände Arbeit gestellt, deren Lohn kümmerlich genug ausfiel, wenn auch die Arbeiten selbst eines Besseren vollauf würdig waren. Zunächst führte er gegen Taglohn ein Basrelief in Marmor aus, das den „Triumph der Religion“ darstellte. Er arbeitete es im Auftrage G. Battaglia’s, es war zum Geschenke für Papst Pius VII. bestimmt und wurde reichlich bezahlt. In desselben Künstlers Auftrage vollendete er zu den Gesängen Ossian’s Zeichnungen und Stiche, welche dann 1817 ohne Angabe seines Namens veröffentlicht wurden. Endlich hatte er doch so viel zurückgelegt, daß er sich 1816 nach Rom begeben konnte, wo sich Canova des jungen Bildhauers hilfreich annehmen wollte. Aber in seinem Künstlerstolze lehnte Luigi dessen Anerbieten ab und suchte sich selbst helfen, ermuthigt durch die Anerkennung seiner Leistungen, die ihm allmälig zutheil wurde. Eine „mit einem Delphin spielende Najade“ richtete zunächst die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf den Künstler. Canova, Thorwaldsen, Cicognara und Andere würdigten das gelungene Werk, das später in den Besitz der Familie Manstein zu St. Artemio bei Treviso gelangte. Auch Byron’s volle Anerkennung fand dieses Werk, durch welches der Dichter und der Bildhauer bald in nähere Beziehungen traten. Dieser Schöpfung folgte das Monument für Fr. Pajola, einen der berühmtesten Steinschneider jener Tage, durch welches er sich zunächst die Aufnahme in das Athenäum von Venedig und 1819 die Professur der Bildhauerkunst als Nachfolger Pizzi’s an der Akademie der bildenden Künste Venedigs errang. Nun folgte eine stattliche Reihe von Basreliefs, Statuen, Büsten und Gruppen, von deren vorzüglichsten wir S. 159 eine Uebersicht geben. Doch erhob sich sein schaffender Geist ebenfalls über die Grenzen seiner Kunst: so ließ ihn gelehrte Forschung mehrere mechanische Instrumente erfinden, und zwar einen Compaß zur Skizzirung der Punkte einer Statue, und einen solchen für die ionische Voluta, für welch letztere Erfindung er vom Institut der Wissenschaften und Künste in Venedig mit der goldenen Medaille ausgezeichnet wurde, und einem von ihm construirten Wagen zum Transporte großer Massen über schwierige Wege ohne Beihilfe von Rädern wurde der Preis zuerkannt. Auch auf schriftstellerischem Gebiete war Zandomeneghi thätig, und in einem Werke: „De Bello nella pittura e nella scultura“, das er 1834 herauszugeben begann, vereinigte er mehrere Abhandlungen über das Schöne; dann schrieb er noch Vorträge über Anatomie und Aesthetik. Alle diese Bestrebungen fanden mannigfache Anerkennung und gewannen ihm die Freundschaft hervorragender Männer, unter denen wir Aglietti, Rauch, Tenerani, Canella, Pindemonte, Foscolo, Carrer, Perticari, Monico, Ladislaus Pyrker, Hayez nennen. Verschiedene Vereine der Künste und Wissenschaften, so die Ateneen von Treviso und Bassano, die Concordi von Rovigo, die Akademien von Wien und Mailand, die Academia Atestina und die Congregazione de’ virtuosi al Panteon di Roma erwählten ihn zum Mitgliede. [159] Seine Majestät der Kaiser verliehen ihm die goldene Medaille und den Rathstitel der kaiserlichen Akademie der Künste, wozu sich als höchste Anerkennung seiner Leistungen der Auftrag gesellte, den von ihm gearbeiteten Entwurf für ein Denkmal Tizian’s, das in der Kirche ai Frari in Venedig aufgestellt werden sollte, auszuführen. Auch mehrere Schüler hat Zandomeneghi zu Künstlern ausgebildet, die ihrem Meister in der Folge Ehre machten, so außer seinen beiden Söhnen Peter und Andreas die Bildhauer De Martini, Casagrande, Ferrari, Fraccaroli, Giarcarelli, Marzure, Rinaldi u. s. w. Bis in sein hohes Alter war er künstlerisch thätig, da nahm ihm am 14. Juni 1847 ein Schlaganfall den Meißel aus der Hand, und der Meister konnte nicht mehr selbst schaffen, aber sein Geist blieb fortan thätig, bis Luigi infolge eines zweiten Falles am 15. Mai 1850 für immer die Augen schloß.

Uebersicht der vorzüglicheren Arbeiten Luigi Zandomeneghi’s (der in deutschen Werken auch öfter Sandomenichi genannt erscheint). „Das Denkmal für Carlo Goldoni“, im Vestibül des Teatro la Fenice. – „Das Denkmal zum Andenken von Greppi“. – „Die Apostel“, in der neuen Kirche Santa Chiara in Venedig. – „Zwei große Basreliefs mit Scenen aus der Odyssee“, für Cav. Papafava. – „Das Ruhmesdenkmal für Canova“. – „Die Büste Canova’s“, für das Ateneo von Treviso. – Die Büste Cicognara’s“, für die Akademie der schönen Künste in Venedig. – „Die Büste der Giustina Michiel Renier“. – Die Gruppen der „Wohlthätigkeit“ und des „Vertrauens“, für den Dom von Castelfranco. – „Das Denkmal für Grigno“, für die Kirche in Cittadella. – „Das Denkmal für General Bianchi“. – „Der Friede“, Basrelief für Cav. Aglietti. – „Das Monument für Frau Breindl, in der Kirche S. Michele in Murano. – „Der Triumph des Bacchus“, Basrelief für Valentin Comello. – „Canova“, Colossalbüste aus Bronze für Herrn Patacca in Liverpool. – „Zephyr und Flora“. Gruppe für Jacob Treves. – „Das Grabdenkmal Valentinis-Mantica“, auf dem Friedhof von Udine. – „Die vier Evangelisten“. Colossalfiguren für den Dom in Castelfranco. – „Die Büste der Frau Grego-Treves“. – „Die Colossallöwen und Basreliefs“, für die Ausschmückung der Façade des Theaters in Belluno. – „Die Melancholie“. Colossalstatue für Frau Rosmini in Triest. – „Der Triumph von Triest“. Gruppe, 24 Fuß br., 18 Fuß h., zur Ausschmückung des Tergesteums. – „Die Welttheile“, für das Palais Metternich in Triest, – „Das Grabdenkmal Dreghichievich’s“, auf dem griechisch illyrischen Friedhof in Triest. – „Die Büste des Girolamo Morpurgo“ in Triest. – „Büste des Rathes Guidini“ in Venedig. – „Die Büsten von Scamozzi“ und „Poleni“ für das Institut der Wissenschaften, der Literatur und der Künste in Venedig. – „Helene“, Büste für den k. preuß. Leibarzt Graff. – „Die vier Elemente“, Kindergruppe für Cav. Giuseppe Reali in Venedig. – „Diana und Endymion“, für den russischen Gesandten Tatitscheff in Wien, kam nach Sanct Petersburg. – „Colossalbüste des Armeniers Raphael“, Gründers des armenischen Collegiums in Venedig. – „Porträtbüste der Frau Persico geborenen Papadopoli“. – „Monument für Renier-Persico“ in Motta. – „Porträtbüste des Francesco Gualdo“, Rathes und Secretärs der Kunstakademie in Venedig. – „Große Monumentalgruppe, bestehend aus drei Statuen und Basreliefs“, für den Finanzminister Jussuf Bei zu Alexandrien in Aegypten. – Das großartige „Denkmal für Tizian“ in der Kirche ai Frari in Venedig; Zandomeneghi machte den Entwurf des Ganzen und meißelte von den Figuren die Statuen der Malerei, der Graphik, des 19. Jahrhunderts, dann das große Basrelief „Die Himmelfahrt Maria“ und den monumentalen Theil; die Statuen der Architectur, des 16. Jahrhunderts und des geflügelten Löwen sind von seinen Söhnen. In Arbeit hatte er, als ihn der Schlag rührte, mehrere Statuen für die Kirche Maria delle Grazie in Este – die Statue eines jungen Mädchens für Cav. Reali – ein Kind für Cav. J. Treves – die Porträtbüste des Cardinalpatriarchen [160] von Venedig, Monico – die Büste der Herzogin von Berry – die Büste des Grafen Martinengo und noch mehrere andere Sculpturen von geringerem Belange.
Quellen. Beltrame (Francesco Dr.). Cenni illustrativi sul monumento a Tiziano Vecellio aggiuntavi la vita della stesso e notizie intorno il fu professore di scoltura Luigi Zandomeneghi (p. 125–136). – Nagler (G. K. Dr.). Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München, 8°.) Bd. XXIl, Seite 212.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: verschlimmmerten