BLKÖ:Zimmermann, Alexander

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Zimmermann, Albert
Band: 60 (1891), ab Seite: 114. (Quelle)
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Zimmermann, Alexander (Laborant am Probirgaden in Hall in Tirol, geb. zu Hall 1798, gest. daselbst in den letzten Tagen des Februar 1887). Der Lebenslauf dieses schlichten, doch unter allen Umständen sehr denkwürdigen Mannes ist ungemein einfach und bald erzählt. 14 Jahre alt, trat Zimmermann in den Dienst der Salmiakfabrik bei der k. k. Salinenverwaltung in Hall. Bald erwies er sich als sehr geschickter und denkender Arbeiter. Er lernte die Wirkung der Bestandtheile der Luft, des [115] Wassers, der Temperatur u. s. w. auf andere Stoffe aus eigener Beobachtung kennen, verfolgte mit lebhaftem Interesse die Vorgänge bei Krystallisation von Salzen und las dann auch in seiner freien Zeit aus ihm zugänglichen Büchern Alles, was ihn in das Gebiet der Chemie und Physik führte. In den späteren Jahren wurde er als Laborant in den Probirgaden übersetzt, wo seine vorzügliche Begabung für so sublime Manipulationen, wie sie die Bestimmungen des Gehaltes der Erze an Gold, Silber, Blei und Kupfer erheischen, so recht zutage trat. Dr. Hlasiwetz, der berühmte Professor der Chemie, der seinerzeit in Innsbruck lehrte und öfter das Haller chemische Laboratorium besuchte, war erstaunt, als er den einfachen Mann in Ausübung der Arbeiten am Probirofen sah. Wir können uns nicht in eine nähere Darstellung seiner Arbeit und in die nur dem Fachmanne verständlichen, aber den ganz subtilen Scharfsinn dieses schlichten Arbeiters bekundenden Einzelnheiten einlassen und verweisen darum auf die unten angegebene Quelle. Zimmermann erreichte das selten hohe Alter von 89 Jahren, von denen er 60 Jahre die treuesten und besten Dienste leistete, wofür er mit dem silbernen Verdienstkreuze ausgezeichnet wurde. Als er dann als Laborant in dem ehemaligen k. k. Hauptprobiramte 1872 in Pension trat, führte er noch durch fünfzehn weitere Jahre die Proben der Braunkohlen- und Salzsorten für die Saline aus; diente also im Ganzen 75 Jahre dem Staate. Seine Bezüge – und daraus erklärt sich die Ueberschrift seiner Biographie „Ein minderer Diener“ – im activen Stande waren wöchentlich: ¾ Metzen Weizen, ¾ Metzen Roggen, 9 Pfund Schmalz und 9 fl. Bargeld; als Pensionist bezog er monatlich 15 fl. 21 kr. ohne Naturalien! – Es war ihm auf die Empfehlung des Professors Hlasiwetz 1856 von einem Fabrikbesitzer am Rhein eine weit vortheilhaftere Stelle angeboten worden. Er konnte sich aber nicht entschließen, seine Vaterstadt zu verlassen. In seinem „Ein minderer Diener“ überschriebenen Nekrolog heißt es: „Unter dieser Bezeichnung erscheinen in den Personallisten ärarischer Montan-, Forst- und auch anderer Aemter diejenigen Männer aufgeführt, denen die unmittelbare Aufsicht und die ersten Aufschreibungen über das Arbeitspersonale obliegen. In dieser Kategorie befinden sich nicht selten Männer, die wahre Muster ihres Standes genannt werden müssen. Welchen moralischen Einfluß dieselben auf den ganzen Arbeiterstand auszuüben vermögen, weiß nur derjenige vollständig zu würdigen, der an der Leitung großer Arbeitercomplexe mitzuwirken in der Lage ist. Und welchen Werth hat es nicht für den Beamten in jener verantwortlichen Stellung, wenn er sich unbedingt auf Aufsichtsorgane verlassen kann, denen in ihrem ganzen Thun und Lassen nur ihr Pflichtgefühl zur Richtschnur dient.“ Mein Werk ließ wiederholt – ich verweise nur auf die Biographien J. Oettl [Bd. XXI, S. 34], Friedrich Sachse von Rothenburg [Bd. XXVIII. S. 28], Balthasar von Ziernfeld [in diesem Bande S. 72] – „höheren Dienern des Staates“ Gerechtigkeit widerfahren, es will auch einmal einem minderen Diener, wie unser Laborant Alexander Zimmermann es ist, gerecht werden.

Tiroler Bote (Innsbrucker polit, Blatt) 1887, Nr. 49 und 64: „Ein minderer Diener“.