Baden-Baden (Schreiber)

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Textdaten
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Autor: Alois Wilhelm Schreiber
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Titel: Baden-Baden
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aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 173–176
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[173]
Baden-Baden.

Umweht mich in Badens Thale,
Ihr Schauer der Vergangenheit!
Ich weile sinnend um die Maale
Der hingesunknen Heldenzeit,

5
Als von den heimathlichen Auen

Der tapfre Markmann Abschied nahm,
Und nun in die verlaßnen Gauen
Das Volk der Welterobrer kam.

Die lange diesen Boden schützten,

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Sie suchten fern ein Vaterland,

Und Roma’s goldne Adler blitzten
Zum erstenmal an unserm Strand.
Die Götter von der Tiber zogen
In Hertha’s unentweihten Hain,

15
Und unter stolzen Säulenbogen

Floß jetzt der fremde Opferwein.

Wo sonst die Eiche Wodan’s grünte,
Stand Hermes mit dem Schlangenstab;

[174]

Der Kaufmann nahte sich und sühnte

20
Mit Wasser, das der Berg ihm gab.

Der Marmor überzog die Schwelle,
Wo sich der Heilungsborn ergoß,
Und traurig murmelte die Quelle,
Da sie der kalte Stein umschloß.

25
Doch unsern alten Namen schirmte

Die teutsche Treu, der teutsche Sinn;
Das Bollwerk, so der Römer thürmte,
Fiel wie vom Blitz die Tanne hin,
Und seiner Tempel Hallen sanken

30
Und seines Donnrers Riesenbild,

Und um die Trümmer wob die Ranken
Gebüsch und Epheu schaurig wild.

Das teutsche Recht, es galt nun wieder
Mit teutschem Brauch im teutschen Land,

35
Der Mann, er reichte fest und bieder

An Eidesstatt die treue Hand.
Geschmückt mit jungen Eichenkränzen
Erhob sich neu der Felsaltar;
Das Horn, es rief zu Waffentänzen

40
Der Jugend gelbgelockte Schaar.


Und in des Markwalds Thäler kamen
Von Irlands Küste Pilger her,
Und einen neuen, großen Namen
Verkündete der Männer Lehr’;

45
Es bog der trotz’ge Alemanne

Vor ihnen demuthvoll das Knie,
Er kannt’ in ihrem Friedensbanne
Den Frieden ihrer Botschaft nie.

Des Götterhaines graue Eichen,

50
Sie stürzten von des Täuflings Beil;

Am Wege steht des Kreuzes Zeichen,
Und deutet ihm sein ewig Heil,

[175]

Das Feuer brennt auf seinem Herde,
Er schafft das Schwert zur Pflugschar um,

55
Denn mit dem Himmel wird die Erde

Zugleich sein schönes Heiligthum.

Jetzt bauen am Genesungsquelle
Die Jünger Ratfried’s einen Dom,
Und fromme Klausner ihre Zelle

60
Im Bührenthal, am wilden Strom;[1]

Es thürmen sich auf Felsenhöhen
Die Ritterburgen stolz und kühn,
Noch kann man ihre Trümmer sehen
Bedeckt mit Moos und Waldesgrün.

65
Ach! wie in dunkeln Traumgesichten,

Blickt die Vergangenheit mich an;
Die Zeit will freventlich zernichten,
Was sie nicht trotzig meistern kann.
Von fremder Sitte ward verdrungen

70
Die fromme Scheu, die strenge Zucht,

Kein fremdes Schwert hat uns bezwungen,
Doch Ueppigkeit, von Gott verflucht.

Vergiftet hat sie selbst die Schale,
Aus der dem Kranken Heilung floß;

75
Ha, siehe! wo beim Friedensmahle

Des Himmels Frieden sich ergoß:
Da walten jetzt der Hölle Schauer,
Da steht des Goldes Trugaltar,
Und Engel wenden sich mit Trauer

80
Vom Ort, der einst so heilig war.[2]


Wie frech jedoch sie sich erheben,
Die Mächte aus des Orkus Schoos,
Sie reißen nimmermehr das Leben
Von seiner starken Wurzel los.

[176]
85
Das Schlechte muß sich selbst zerstören,

Sein Sieg ist auch sein Untergang;
Der muß dem Tode angehören,
Den das Sirenenlied bezwang.

Noch leuchtet ja der Abendschimmer

90
Wie sonst in Badens Thal herein,

Der junge Lenz, er kehrt noch immer
Mit seinen Blumen bei uns ein.
Liegt auch der Quell in Schutt gebunden,
Er sehnt sich dennoch nach dem Licht,

95
Und hat er erst den Weg gefunden,

So hält die Erd’ ihn länger nicht.

Aloys Schreiber.

  1. Die Einsiedelei und Kapelle zu St. Wolfgang. Beide wurden 1816 abgetragen.
  2. Die ehemalige Lyceumskirche wurde[WS 1] abgetragen bis auf den Chor, wo dann die erste Spielbank hinkam.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: wunde