Badenweiler (Graf)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Graf
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Badenweiler
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 265–268
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[265]
Badenweiler.

In dieses Thales Gründen
Möcht’ ich ein Plätzchen finden,
Ein Hüttchen mir zu bau’n;
Um oft vom Traubenhügel

5
Des Rheines Silberspiegel

Nach Herzenslust zu schau’n;

Alsatia zu erblicken,
Den himmelblauen Rücken
Des Vogesus zu sehn;

10
Umweht von Blüthendüften

In duftigfeinen Lüften
Die Ferne zu erspäh’n.

Ich würde Blumen brechen
Und an kristallnen Bächen

15
Im Schatten mich erfreu’n;

Dann bei des Mondes Helle
Auf moosbelegter Stelle
Schlief’ ich zu Träumen ein.

Bei meinem stillen Lauschen

20
Spürt’ ich der Geister Rauschen,

Der Engel leisen Flug;
Es tönen süße Lieder,
Entschlafne kämen wieder
Aus ihrem Aschenkrug.

[266]
25
Des Römmerbades Trümmer,

Der Bergruine Flimmer
Im Abendsonnengold,
Des Heilquell’s Segenskammer,
Dem Schacht, dem Eisenhammer,

30
Ist meine Seele hold.


Natur! mit alter Kunde
Stehst du im Schwesterbunde,
Erquickst hier Geist und Sinn;
Frei von der Sorgen Schwarme

35
Ruh’ ich in deinem Arme,

Du Freudenspenderin!

Ich steige auf zum Blauen,
Die Welt umher zu schauen,
Die mir sein Gipfel zeigt.

40
Ich wall’ im Wiesenthale,

Wo an dem Todtenmahle
Aus Grüften Leben steigt.

Der Römer und der Ritter
Erscheinen im Gewitter

45
Vor Gottes Wolkenthron;

Nun ruhen ihre Schwerter,
Wo herrlicher, verklärter
Nur glänzt der Edeln Lohn.

Auch nach dem hohen Hause

50
Von Bürglen’s froher Klause

Richt’ ich der Wandrung Ziel;
Fern von dem Weltgetümmel,
Schweb’ ich empor zum Himmel
In heiligem Gefühl.

55
Ich habe mir erkiesen

Die Dörfer, Haine, Wiesen,
Vom Bögelhof zu sehn;
Den Neuenfels zu suchen,

[267]

Dann unter Schweighofs Buchen

60
Zur Ruhe einzugehn.


Schau’ Neuburg’s alte Veste,
Umfächelt von dem Weste,
Wo Weimar’s Bernhard schied;
Seh’ Müllheim’s Feld und Reben

65
Und seines Marktes Leben,

Horch’ froher Winzer Lied. –

Suchst du ein stilles Eden,
Laß Badenweiler reden,
Wirf dich in seinen Schoos.

70
Laß Hohen ihre Beute,

Wo dieses Thales Leute,
Durch Einfalt nur sind groß.

Wie freundlich sind die Kinder!
Viel williger, geschwinder

75
Dient hier die Achtsamkeit,

Als in dem Fürstensaale,
Beim Tanz und reichen Mahle
Der schnöden Ueppigkeit.

Bei froher Gäste Regen,

80
Bald lieblich im Bewegen,

Bald treulich in der Ruh,
Fließt hier von manchem Guten,
Wenn Herzenswunden bluten,
Des Trostes Balsam zu.

85
Gesundheit wird dem Kranken,

Und traurige Gedanken
Vergehn wie Nebelduft.
Des Badquells Wunderkräfte
Sind Stärkung zum Geschäfte,

90
An das die Zeit uns ruft.


Noch bleibt der Geist gefangen,
Dem Freiheit im Verlangen

[268]

Mit steter Flamme glüht.
Mein Segen diesem Orte,

95
Bis einst die schöne Pforte

Mich zu den Sel’gen zieht.

Pfarrer Graf.