Bauernfängerei

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Textdaten
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Autor: Julius Weil
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Titel: Bauernfängerei
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 425, 426, 428
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Bauernfängerei.


Eine Warnungstafel für „Potsdamer“ und die es nicht werden wollen.


Von Julius Weil.


Ich weiß nicht, ob es die Gewerbefreiheit macht, oder ob es im Geiste unserer Zeit liegt – niemals, scheint mir, ist die Zunft der Bauernfänger so zahlreich gewesen, als gerade jetzt. Sie ist meines Erachtens zu einer socialen Großmacht ersten Ranges geworden, welche ihre Vertreter in allen Kreisen der modernen Gesellschaft hat. Ich glaube mir deshalb die Anerkennung der dankbaren Mitwelt zu erwerben, wenn ich den Versuch mache, eine Naturgeschichte der Bauernfänger zu schreiben.

Seinen Namen hat der Bauernfänger von seiner unberechtigten Eigenthümlichkeit, „Bauern“ zu fangen. Unter Bauern sind aber nicht blos die Bewohner des platten Landes, die „Knollenpropper“ und „Stoppelhopser“, zu verstehen; sondern der Bauernfänger begreift darunter alle, welche von der Cultur des großstädtischen Lebens noch nicht beleckt sind und welche dem Raffinement des modernen Schwindels die Naivetät einer harmlosen Vertrauensseligkeit entgegensetzen. Er bezeichnet sie auch als „die Dummen“, „die Grünen“ und „die Potsdamer“.

Die Heimath der Bauernfänger sind vorzugsweise die Weltstädte; doch trifft man sie auch in der Hochsaison an Orten, wo der Reichthum und die Blasirtheit aller Länder sich Rendez-vous geben, also in Luxus- und Spielbädern. Ueberhaupt lieben sie ein buntes und volkreiches Treiben, um unbeobachtet und ungekannt ihre Schlingen zu legen. Diese Localverhältnisse vorausgesetzt, gedeiht der Bauernfänger in den Sümpfen der Gemeinheit, des Lasters und der höheren Liederlichkeit und nährt sich von dem Ueberfluß Anderer.

Es giebt nun in dem großen Thiergarten der Menschheit verschiedene Spielarten von Bauernfängern. Am häufigsten ist wohl die Kartenspielart, das ist diejenige, welche die Bauern durch Kartenspiel in die Falle lockt. Der günstigste Boden für diese Species ist die neue Welt- und Kaiserstadt Berlin, weshalb wir hier ihrem Gedeihen und Verderben ein wenig nachspüren wollen.

Rusticifex communis, der gemeine Bauernfänger, lebt in „Kaffeeklappen“ oder „Bummsen“, wo er bei Kümmel und Kümmelblättchen von den gewiegten Altmeistern der Kunst, den echten „Penn-“ oder „Sonnenbrüdern“, in der Lehre des socialen Ausgleichs erzogen wird. Einige von diesen Kellerlocalen sind ausschließlich dem Dienst der „Mogelgöttin“ geweiht und zu Hochschulen der Bauernfängerei auserlesen. Da versammeln sich die Wissenden und berathen in geheimnißvollen Reden gemeinschaftliche Unternehmungen, theilen die Beute und berichten über neue Fangmethoden. Solche Tempel, in denen dem Cultus des „Tempelns“ gehuldigt wird, sind der Polizei wohlbekannt und werden von ihr scharf beobachtet. Oft, wenn sie durch Zufall oder Verrath von einem großen Putsch der Templer Wind bekommen hat, umstellt sie bei Nacht und Nebel ihre Höhlen, dringt plötzlich mit dem Schlachtruf: „Im Namen des Gesetzes!“ in dieselben ein und hebt die ganze Gesellschaft auf – nämlich in dem Prytaneum am Molkenmarkt.

Dies die Wiege des Bauernfängers. In ihr erblickt er das Licht der Verbrecherwelt etwa in seinem achtzehnten Lebensjahre. Erst dann nämlich wird er ein „geborener“ Bauernfänger, wenn er einmal wenigstens vor Gericht gestanden hat und auf ein paar Wochen dingfest gemacht ist. Das ist die Kettenprobe der Zunft, die Feuer-, oder, wenn man will, die Wasser- und Brodtaufe des „Hochstaplers“. Nun wird sein Name in das Rothbuch der Polizei und das schwarze Register der Staatsanwaltschaft eingetragen und bekommt ein großes Kreuz †, welches Gift! Gift! bedeutet. Dies das Geburtsregister der Bauernfänger.

Von diesem Moment ist der junge Gauner zünftig und widmet fortan sein Dasein dem großen Kampf gegen Gesetz und Eigenthum. Er beginnt seine Carrière mit dem gefährlichsten und schwierigsten Posten, dem des „Schlepper“ – und beendet sie im Zuchthause. Der „Schlepper“ aber ist derjenige, welcher den Bauer aufsuchen und in den Hinterhalt locken muß, wo ihn dann die Helfershelfer weidlich ausplündern.

Ich bitte Dich nun, lieber Leser, laß Dich einmal von einem Bauernfänger „leimen“ – natürlich nur in effigie.

Du stehst eines schönen Tages in dem Hofe des Berliner Zeughauses, versunken in die Betrachtung der erschütternden Todtenmasken. Da wirst Du plötzlich aus Deinen Kunstträumen durch die Worte aufgeschreckt: „Von wem sind wohl diese Masken, mein Herr?“ Neben Dir steht ein höflich den Hut ziehender, anständiger Herr, welcher diese Frage an Dich gerichtet hat; und Du bist artig genug, ihm Rede und Antwort zu stehen. Der Fremde ist von liebenswürdig bescheidenen Manieren; mit der größten Offenherzigkeit gesteht er Dir, daß er Dergleichen noch nie gesehen, da man in seiner Heimath – Kyritz – kein Zeughaus habe. Du erwiderst darauf, daß Du ebenfalls nicht „von hier“ seiest, und bei der gemeinschaftlichen Wanderung durch die Säle, auf welcher der Fremde Gelegenheit hat, sich ziemlich unbewandert in der Waffenkunde zu zeigen, werdet Ihr einigermaßen bekannt miteinander. Als Ihr wieder im Freien seid, macht er Dir den Vorschlag, da er hier ohne jeden Bekannten sei, mit ihm nach dem Tempelhofer Felde zu fahren, wo heute große Parade stattfinde. Du willigst ein, und bald sitzt Ihr in dem Schüdderump, den man Berliner Droschke nennt. Während der Fahrt zieht der Fremde eine goldene Uhr heraus und bemerkt: „Das ist ja erst [426] zehn Uhr, die Parade beginnt um Elf, da könnte man inzwischen noch ein Glas Bier trinken. Bon!“ Es wird vor einem Locale angehalten, Ihr steigt aus.

In dem Restaurationszimmer ist es ziemlich leer; Ihr nehmt an einem kleinen Tische Platz. Nicht lange, so treten zwei Herren ein, setzen sich höflichst grüßend an denselben Tisch und knüpfen ein Gespräch mit Euch an. Es stellt sich heraus, daß sie Gutsbesitzer aus Posen sind, daß sie ebenfalls zur Parade wollen, daß diese indessen erst um elf ein halb Uhr ihren Anfang nimmt. Ihr kommt in eine sehr warme Unterhaltung, und im Laufe derselben erzählt der eine Posener, daß er gestern mit seinem Freunde v. Pompowski in einem Vergnügungslocale gewesen sei, in welchem er ein eigenthümliches Spiel gesehen habe; wenn er Karten da hätte, würde er es wohl nachahmen können. Der Posener Nummer Zwei erbietet sich, solche zu holen; bald kehrt er mit einem Pasch Karten zurück – und nun entwickelt sich jene herrliche Blüthe des niedrigen Bauernfanges, das „Kümmelblättchen“.

Kümmelblättchen ist ein Spiel mit drei Karten, welche offen hingelegt werden. Der eine Spieler merkt sich eine Karte, worauf ein anderer sie sämmtlich umwendet und durcheinandermischt, bis er sie umgewendet endlich auf den Tisch fallen läßt. Hat der erste nun seine Karte genau verfolgt und findet sie heraus, so hat er das Spiel gewonnen, andernfalls sein Gegner. Der Bauernfänger versteht es nun, durch allerhand Kniffe, namentlich durch Einschmuggeln falscher Karten, den Mitspieler so zu täuschen, daß er regelmäßig die richtige Karte verfehlt. – Doch kehren wir zu Deinem Abenteuer zurück.

Du hältst das Spiel für kinderleicht und gehst scherzweise auf einige Taillen mit niedrigem Einsatze ein. Der Posener Nummer Eins stellt sich entsetzlich ungeschickt an, und Du gewinnst das erste, zweite, dritte Mal. Da wendet sich das Glück, die Einsätze werden vergrößert, die übrigen Herren betheiligen sich gleichfalls beim Spiel – das Kümmelblättchen ist in vollem Gange und bald haben Dir die drei Bauernfänger – denn das sind die Cumpane, in deren Hände Du gefallen bist – Dein Geld, Deine Uhr, vielleicht gar noch Wechsel, Schuld- oder Ehrenscheine abgelockt und verschwinden allmählich einer nach dem andern unter Zurücklassung eines entsetzlichen Deficits. Du siehst Dich betrogen, und die Parade, die natürlich eine Fabel ist, verwünschend, kehrst Du mit geleerter Tasche, aber vermehrter Erfahrung in Dein Hôtel zurück.

Oft wissen die Gauner ihre Opfer noch lange Zeit in Täuschung zu halten und auf alle Weise Geld von ihnen zu erpressen. Sie nehmen dem Geprellten beispielsweise das Versprechen ab, die Spielschuld in einigen Stunden zu tilgen oder Sicherstellung zu besorgen, und verabreden einen dritten Ort, wo das Geschäft geregelt werden soll. Es sind Fälle vorgekommen, wo Fremdlinge wirklich so befremdend naiv waren, darauf hineinzufallen. Mitunter aber passirt dies dem Bauernfänger selbst, indem der Geleimte hinter den Schwindel kommt und mit der Polizei am Orte des Rendezvous erscheint, welche alsdann die „Sicherstellung“ freundlichst übernimmt.

Auf der Anklagebank benimmt sich der Bauernfänger tactvoll und als gekränkte Unschuld. Bei den Worten „Kümmelblatt“ und „gewerbsmäßiges Hazardspiel“ macht er ein höchst harmloses Gesicht; er heuchelt die größte Unwissenheit und behauptet, von den Karten nur die Land- und Paßkarten zu kennen. Aber das Gericht hat ihm längst in die Karten geguckt und entzieht ihn auf einige Monde seiner spielenden Beschäftigung – von Rechtswegen. Seine Helfershelfer übrigens pflegt auch der verdonnerte Bauernfänger, wenn ihn nicht gerade persönliche Rache leitet, niemals anzugeben, was in der Kunstsprache „alle machen“ heißt.

Die geschilderte Fangart ist die häufigste; sie ernährt den größten Theil der Bauernfänger. Eine andere, die wiederum zum Specialstudium einer anderen Classe gemacht wird, charakterisirt sich durch folgendes Manöver: Es sitzt Jemand, dem man den „Grünen“ ansieht, harmlos bei Mutter Grün im Thiergarten. Ein Herr kommt des Weges daher, sieht sich nach einem Ruheplätzchen um, entdeckt die Bank, auf der der Grüne sitzt, und nimmt neben ihm Platz. Alsbald kommt er mit ihm in ein Gespräch und entpuppt sich als ein „wollhabender“ Oekonom aus Mecklenburg, der einige Zeit sich in der Hauptstadt nach Kräften amüsiren will. Er erzählt von seinen Irrfahrten durch die Nachtlocale Berlins, von der Scylla Orpheum und der Charybdis Ballhaus und von den verschiedenen Circen und Schürzen, die alldort sein Wohlgefallen erweckten. Seine Ausdrücke duften etwas nach der unreinen Atmosphäre jener Locale; der Grüne aber lacht darüber und erzählt wohl auch eine kleine, stark gewürzte Anekdote. Da taucht plötzlich ein Mann aus dem Gebüsch hervor und kommt auf die Beiden zu. Der Oekonom aus Mecklenburg erhebt sich, hält den Grünen fest und wendet sich an den Dritten mit den Worten: „Sie sind Polizeibeamter; dieser Herr hat mir unsittliche Anträge gemacht, verhaften Sie ihn! Ich bin der Polizeirath Preller!“ Der Dritte macht dem Pseudo-Oekonomen seine respectvolle Reverenz und ersucht den Grünen, mit ihm und dem Herrn Polizeirath zur Wache zu gehen. Der Beschuldigte ist höchlichst bestürzt und versichert seine Unschuld. Jener aber bleibt bei seiner Beschuldigung, und der Geheimpolizist läßt ihn nicht locker. Dem Grünen wird angst und bange; er bittet, er droht – vergebens. Auf dem Wege zur Wache führt der Geheimpolizist ihm die ganze Schwere seines angeblichen Verbrechens vor die Seele, erinnert an Corny, Zastrow und räth ihm, die Sache lieber in Güte auszugleichen. Das unschuldige Opfer ist zu Allem bereit, und endlich kommt man dahin überein, den Grünen gegen eine bestimmte Summe freizulassen. – Nicht selten gelingt es den Bauernfängern, ihre „Potsdamer“ so einzuschüchtern, daß diese ihr Schweigen noch durch weitere Geldversprechungen erkaufen. Ja, es ist vor nicht langer Zeit ein Fall vor Gericht verhandelt worden, wo ein so Geprellter Monate lang Geldzahlungen an seine ihm vollständig unbekannten Dränger geleistet hat. Es ist dafür gesorgt, daß die Dummen nicht alle werden.

Eine andere Species von Bauernfängern sind die „Stellenvermittler“ oder „Cautionsschwindler“ – ein Product der modernen Reclame. „Bei sehr bescheidenen Ansprüchen“ und „unter äußerst günstigen Bedingungen“ wird in einem Zeitungsinserat ein junger Mann als „Geschäftsführer“ für ein „großes Haus“ gesucht. Geschäftsführer! Großes Haus! – sehr günstig. Sofort melden sich zahlreiche Jünger Mercurs, welche der Stellenvermittler nach Einziehung verschiedener Gebühren und Empfangnahme eines Provisionsscheines an den eigentlichen „Macher“ weist. Dieser erklärt sich bereit, Den oder Jenen zu engagiren, aber der Umfang des Geschäfts und die Größe der von dem Geschäftsführer zu übernehmenden Verantwortlichkeit zwingen ihn, auf einer Caution von einigen Hundert Thalern zu bestehen. In Erwartung einer ganz besonders ausgezeichneten Stellung wird sie, oft mit den größten Opfern, geleistet – und nie mehr gesehen. Denn das Geschäft, wie der verlockende Geschäftsführerposten erweist sich als purer Schwindel. Der Cautionsbetrug steht gegenwärtig im höchsten Flor und bildet einen Hauptbestandtheil der Criminalfälle; glücklicher Weise pflegt aber meist dafür gesorgt zu werden, daß dem menschenfreundlichen Cautionär und dem dito Stellenvermittler eine unentgeltliche Stelle in „Nummer Sicher“ vermittelt wird.

Die einzelnen Abarten der Bauernfänger, sehen wir, unterscheiden sich lediglich durch die Fangmethoden von einander; soviel Methoden, soviel Classen. Da giebt es Bauernfänger, die auf Landsknecht und Pharao reisen, in den feinsten Hôtels ihren Tempel aufschlagen und die eleganteste Vollblutgesellschaft um sich versammeln – und ausplündern. Ferner bestehen Associationen – ich weiß nicht, ob auf Actien, aber jedenfalls auf Schwindel gegründet –, deren Zweck ist, Waaren auf Credit zu entnehmen, um sie auf schleunige Weise an die „Ramscher“ oder „Meziekäufer“ zu verschleudern und darauf spurlos zu verduften.

Aus einer verwandten Gauneridee sind die Clubs der „Pfandverschieber“, der „Nepper“ und „Flederer“ entsprossen. Die Thätigkeit dieser Ehrenmänner besteht darin, als „heruntergekommene Familienväter“, „bedrängte Kaufleute“, „in plötzliche Verlegenheit gerathene höherstehende Beamte“ sich Darlehen zu verschaffen „gegen drei- und vierfache Sicherheit“, welche selbstverständlich in ganz werthlosen Gegenständen, als Weinen, Gemälden, unechten oder vergoldeten Geschmeiden und falschen Hypothekendocumenten besteht. Ihre Kunst äußert sich darin, diese Nichtse als Werthträger einzuschmuggeln.

Ich muß verzichten, die gesammte Bauernfängerei durch Aufzählung und Charakterisirung aller ihrer concreten Gestaltungen zu erschöpfen. Ich will mich vielmehr damit begnügen, zu den bereits geschilderten noch eine hinzuzufügen, die sich zwar äußerlich [428] vortheilhaft von den übrigen unterscheidet, aber ihrem Wesen – oder vielmehr Unwesen – nach die gemeingefährlichste von allen ist.

Diese letzte Art von Bauernfängern besteht aus gar reichen und wohlangesehenen Leuten. Sie haben Brillanten auf der Brust und Orden in den Knopflöchern; sie besitzen die schönsten Villen vor dem Thor, und wenn Du, lieber Leser, als ein bescheidener Mann zu Fuß Deine Straße ziehst, so kann es sich ereignen, daß ihre gummiberäderten Equipagen Dich mit Koth bespritzen. Dies sind die „Gründer“ oder „Actienschwindler“. Wie alle Bauernfänger haben auch sie es auf die Börse der Dummen abgesehen, aber sie erreichen ihren Zweck durch die Börse selbst. Man kann sie deshalb die Homöopathen unter den Bauernfängern nennen; aber wohlverstanden, nur der Methode, nicht den Dosen nach. Während der gemeine Gauner auf die Sinnenlust und den Leichtsinn der Menschen speculirt, rechnen diese „unbestraften Verbrecher“ auf ihre Habgier und Bornirtheit. Sie sehen die Welt als ein Actionarrenschiff an, an dessen Steuerruder die Gewinnsucht sitzt. Ihr ganzes Streben ist darauf gerichtet, Dinge zu ergründen, welche sich begründen lassen. Haben sie eins gefunden, so treten sie zu einem Consortium zusammen, schicken famose Lügenprospecte, in denen Aussichten auf fabelhafte Dividenden eröffnet werden, in die Welt, emittiren einige Milliarden Actien, und wenn diese, wie natürlich, überzeichnet sind, ziehen sie sich mit dem Gründergewinn in die Tiefe ihres Arnheim zurück, dem dummen Publicum das Reinfallen freundlichst überlassend. Es ist schwierig, diese Bauernfänger gründlich zu fassen, denn sie wissen sich hinter einem undurchdringlichen Wall von formellen Rechtstiteln zu verschanzen; aber man beginnt jetzt von allen Seiten mit Gesetzen dagegen anzustürmen – hoffentlich mit Erfolg.