Beschreibung des Oberamts Aalen/Kapitel B 8

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Hofen,


Gemeinde III. Klasse mit 657 Einw. a. Hofen, Pfarrdorf mit 184 Einw. wor. 2 Ev. b. Attenhofen, W., 164 Einw. c. Fürsitz, Hs., 11 Einw. d. Goldshöfe, W., 42 Einw. e. Kellerhaus, Hs., 2 Einw. f. Oberalfingen, W., 245 Einw. g. Wagenrain, H., 9 Einw. – Katholische Pfarrei die Evangelischen in Parz. a. sind nach Aalen eingepfarrt; Parz. g. ist Fil. von Hüttlingen.

Dieser ziemlich langgestreckte Bezirk, etwas nordöstlich von Aalen, wird gegen Norden von Hüttlingen, gegen Westen von Wasseralfingen, gegen Süden von Unterkochen begränzt, im Norden aber von den | Schultheißereien Schwabsberg und Westhausen, Oberamts Ellwangen, im Südosten von der Schultheißerei Waldhausen, Oberamts Neresheim.

Die bewohnten Orte liegen auf der Liasebene am Fuße des Hertsfeldes, sowie an und auf den Vorhügeln dieses Alptheils, im Gebiete des braunen Jura; bedeutende Waldungen aber dehnen sich noch über den Rücken des Gebirgs auf dem weißen Jura aus. Es fehlt nicht an Wasser, das jedoch nur einige unansehnliche Bächlein bildet; die Seen bei den Goldshöfen sind gegenwärtig ganz unbedeutend. Die Brunnen sind theils laufende, theils Pumpbrunnen.

Die einzelnen Wohnorte sind weitläufig gebaut, in Hofen selbst großentheils massive Häuser, aber auch sonst im Erdgeschoß gewöhnlich von Stein, meist zweistöckig und mit Ziegeldächern.

Feldbau ist weitaus vorwiegende Beschäftigung der Bewohner; nur wenige der gewöhnlichsten Handwerke finden sich.

Der Boden ist – schon gemäß den geognostischen Unterschieden, verschieden. Am Braunen findet sich vorzugsweise Wald nebst Ödungen; einige Strecken sind zwar kultivirt, aber wegen des außerordentlich steinigen Bodens wenig fruchtbar (Attenhofer und Oberalfinger Markung). Am Fuße des Gebirgs dagegen finden sich besonders an den Bächen vorzügliche Wiesen und recht gute Ackerfelder, theils lettig, theils mit Sandboden, wie z. B. beim Wagenrain. Dinkel, Roggen, auch Waizen und Haber, sowie etwas Wicken werden gebaut und zwar flürlich. Das Brachfeld wird wenig benützt. Die Güterpreise sind – für den Morgen Acker circa 80–100–125 fl., für Wiesen 275–300 fl.

Zehnten und sonstige Gefälle (an Ellwangen oder jetzt das Kameralamt, Wellwart-Laubach, Pfarrei Hofen und Stiftungspflege Wasseralfingen) sind alle zur Ablösung angemeldet. Der Zehnte war sehr getheilt. In Hofen und Attenhofen gebührte großer und kleiner sammt Blut- und zum Theil Obstzehnten der Pfarrei Hofen, ebenso in Oberalfingen, nur daß hier das Kameralamt und die Kaplanei Oberalfingen einen Theil des großen Zehnten gemeinschaftlich bezogen. Von den Goldshöfen gehörten kleiner, Obst- und Blutzehnte wiederum der Pfarrei, vom großen Zehnten aber nur ein Theil, während ein anderer Theil dem Kameralamt und der genannten Kaplanei; – ein dritter Theil zu 1/6 dem Kameralamt, 3/6 der Herrschaft Niederalfingen (jetzt Staat), 2/6 (1837 von der Pfarrei Hofen angekauft) der Pfarrei Hüttlingen zustand. Ebenso vertheilte sich auch der große Zehnten vom Wagenrain, während den kleinen, Obst- und Blutzehnten | ebenda die Pfarrei Hüttlingen mit der Herrschaft Niederalfingen je hälftig bezog. Heuzehnte wurde gar keiner entrichtet.

Der ganze Bezirk bildet (Wagrain, Hüttlinger Parochie, ausgenommen) eine Parochie, zu welcher jetzt noch Brausenried und Heimathsmühle (Gem. Wasseralfingen) gehören, früher aber auch Wasseralfingen selbst mit den meisten seiner Filialien (bis 1834). Die Pfarrei reicht jedenfalls bis ins 13. Jahrhundert zurück und gilt für eine Stiftung der Herrn von Ahelfingen. An der Schule ist bis jetzt ein Lehrer. Die Kinderzahl fordert jedoch Aufstellung eines zweiten. In bürgerlicher Hinsicht gehörte der Bezirk früher zum fürstl. Ellwang. O.A. Wasseralfingen, und wurde erst 1845 von dieser Gemeinde losgetrennt und zur eigenen Schultheißerei erhoben. Ursprünglich befand sich hier eben der Mittelpunkt der Herrschaft Ahelfingen, nämlich Hohenahelfingen, eine stattliche Burg auf einem gegen Norden vorspringenden Vorhügel des Hertsfeldes, mit weiter Aussicht. Gar nicht unwahrscheinlich ist, daß schon die Römer hier ein Kastell hatten; jedenfalls stand im Mittelalter hier eine starke Veste, mit einem hohen, viereckigen Berfried aus gekropften Quadern, die Mauern gegen 9 Fuß dick, der Eingang in beträchtlicher Höhe. Ein tiefer Ziehbrunnen ist erhalten. Im Bauernkrieg, oder nach andern im 30jährigen Krieg, soll die Burg zerstört worden seyn; doch stehen noch stattliche Mauerreste (namentlich von dem Burgmantel gegen Süd und West) innerhalb deren ein Bauernhof liegt und auf der Spitze des innern Raums das Haus eines Söldners. Diese Wohnungen werden jetzt dem Weiler Oberalfingen beigerechnet. Ganz in der Nähe war früher ein Hochgericht.

Hier müssen wir den Stammsitz der Ahelfinger Edelfamilie suchen, von welcher schon oben A. VII. S. 147 ff. die Rede war. Im Anfang des 13. Jahrhunderts erscheint zuerst ihr – und also auch der Burg Name, seit dem 14. läßt sich ein zusammenhängender Stammbaum in zwei Linien entwerfen. Es saß hier die Ulrich’sche Linie und zwar der ältere Zweig, welcher zuerst nur von Ahelfingen, seit 1350 von Hohenalfingen sich genannt, das ellwang. Mannlehen war und später an Ulrich V. (vom Horn) kam, der zu Wasseralfingen seinen Wohnsitz nahm und die Stammburg an seinen Vetter Ulrich VII., von der Konrad’schen Linie, verkaufte, 1404 – so jedoch, daß auch seine eigenen Nachkommen immer noch von Hohenalfingen sich nannten. Von den Zubehörden wurde blos der Weiler bei der Burg in den Verkauf eingeschlossen, weßwegen ein weiteres Gebiet zur Burg erst durch Käufe wieder gebildet wurde, was mit Buch, Baiershofen, Dettenroden, der Hälfte von Westhausen u. a. geschah.

| Zu einem politischen Ganzen hat Kaiser Siegmund 1431 diese Güter gemacht, durch sein Privilegium aus dieser Herrschaft 12 Schöffen zu wählen, welche unter einem Ammann richten sollen, in schwereren Fällen zum Ellwanger Gerichte ihre Zuflucht nehmend.

Die Grafen v. Wirtemberg hatten 1384 von den Brüdern Ulrich und Göz v. Ahelfingen zum Horn das Öffnungsrecht auf ihrer Burg Hohenalfingen, sowie in ihrer Hälfte der Burg Wasseralfingen verschrieben erhalten zum Danke dafür, daß sie ihnen die Wiedererstattung des von den Herren v. Suntheim in Besitz genommenen Hohenalfingens zuwege gebracht hatten. Dieses Öffnungsrecht löste 1406 der Käufer Ulrich VII. ab, indem er seine Hälfte von Rechberghausen den Grafen zum offenen Haus machte.

Die Hohenalfinger Konrad’sche Linie ist im Mannsstamme 1513 mit Philipp v. A. ausgestorben, und obgleich Kaiser Max selbst seiner 5 Schwestern sich annahm und zuletzt als allgemeiner Oberlehnsherr – bei versagter ellwang’scher Belehnung – denselben das Schloß Ahelfingen verlieh, so wußte sich doch der männliche Lehenserbe, Wolf v. A. vom Ulrich’schen Stamm im Besitz zu erhalten und 1518 überließen ihm durch Vertrag jene Erben das Schloß Hohenalfingen mit Allem, was dazu gehört. Aber er blieb der letzte seines Stamms und mit seinem Tod zog Ellwangen das eröffnete Lehen ein und bildete aus seiner ganzen Herrschaft das O.A. Wasseralfingen.

a) Hofen, ein Pfarrdorf, liegt 1 Stunde nördlich von Aalen, in einem kleinen Seitenthälchen des Kochers, seit der Straßencorrection aber ganz abwärts von der früher durch den Ort ziehenden Chaussee. Die meisten Häuser des Ortes sind ziemlich groß und von freundlichem Ansehen.

Schon z. B. 1397 wird Hofen „das Dorf“ genannt; ursprünglich eine Zubehörde der Burg Hohenalfingen, war der Ort seit deren Verkaufe 1404 mit Wasseralfingen verbunden. Er gehörte ganz ungetheilt, mit aller Obrigkeit, Geboten und Verboten, Gericht und Buße seiner ahelfingischen, nachher Ellwangen’schen Herrschaft, der auch die Hintersassen der Pfarrei und Stiftung vogt- und gerichtbar gewesen sind.

Die Pfarrkirche zum h. Georg und Laurentius steht nordwestlich am Dorfe, hoch und frei und ist 1762–75 im Style jener Zeit hell und geräumig erbaut worden. Neben ihr steht die ältere St. Ottilienkapelle. Die Baulast liegt der Heiligenpflege ob. Am Pfarrhaus hat der Pfarrer selbst zu 1/3 diese Last, 2/3 der Staat. Das Patronatrecht ist von Ellwangen, das sich 1328 auch diese Pfarrei incorporiren ließ, auf die Krone übergegangen. Gegenwärtig hat hier der Dekan einen Sitz und ist die Oberalfinger Kaplanei in ein ständiges Vikariat | zu Hofen verwandelt worden. Der Gottesacker wurde erst 1839 von der Kirche weg westlich vor den Ort verlegt.

b) Attenhofen (einst auch Auten-, Oten-hofen), ein Weiler am Fuße des Braunenbergs, welcher zu dieser Markung gehört, 1/4 St. von Hofen entfernt, ist – fast ganz wellwartisch. Da jedoch die Hrn. v. Wellwart dieses Besitztum bekommen haben 1389 – durch Ulrichs I. Gemahlin, M. v. Rechberg, Ulrichs IV. v. Ahelfingen Wittwe, so gehörte ohne Zweifel auch dieser Ort ursprünglich zur Herrschaft Ahelfingen.

Nur ein Unterthan, ein Gut, das 1480 von B. Lutz, Vogt zu Stauffeneck, erkauft worden, wurde wieder ahelfingisch, später ellwangisch, weil aber der Weiler ganz umschlossen lag vom O.A. Wasseralfingen, sprach die Propstei die hohe Obrigkeit an, und die Herren v. Wellwart haben dieselbe auch 1662 in possessorio zugestanden, gegen das gleiche Zugeständniß für sie in Affalteried und Mantelhof. Im Besitze war die ältere Linie der Hrn. v. W. und zwar späterhin der Fachsenfeld-polsingische Zweig, von welchem eine eigene Nebenlinie „zu Affalteried und Attenhofen“ sich genannt hat. Aus dieser hat Heinrich Wilhelm v. W. die beiden Weiler, gegen Übernahme von gewissen Zahlungsverbindlichkeilen, seinem Vetter Ludwig Karl v. W.-Laubach 1816 eingeräumt und 1828 völlig abgetreten. Neben Atthof: wird in ältern Lehenbriefen das – abgegangene – Faulenlehen genannt.

c) Zur Markung Attenhofen gehört, 1/2 St. von Hofen entfernt, der Fürsitz, welcher als wellwartisches Försterhaus erst im vorigen Jahrhundert erbaut wurde.

Ein anderes Jägerhaus wurde 1587 in Folge eines den Hrn. v. Wellw. zugestandenen Gnadenjagens, jedoch unter allerlei Widerspruch, 1587 erbaut auf dem Braunen, mit circa 8 Jauchart neugereuteten Ackerlandes. Um 1668 war daraus ein Schafhaus geworden, das aber späterhin abgegangen ist. Die Grundmauern sieht man noch oberhalb des Fürsitzes.

d) Goldshöfe, ein Weiler von jetzt 4 Höfen, auf einem Hügelrücken frei gelegen und von der Ellwanger Poststraße durchschnitten, 3/8 Stunden von Hofen.

Der „Goltz- und Golshof“ (z. B. 1401) theilte ganz die Verhältnisse Hofens.

e) Das Kellerhaus liegt 3/8 Stunden von Hofen an demjenigen Punkte der Chaussee, wo dieselbe von Aalen her nach Ellwangen und Nördlingen sich scheidet und ist in neueren Zeiten erst als Wirthshaus erbaut worden.

f) Oberalfingen, 1/2 St. von Hofen, am Fuß des Hohenalfinger | Burghügels und theilweise selbst auch am untersten Abhang des Berges ziemlich zerstreut gelegen, ist die unmittelbare Zubehörde der Burg und hieß ursprünglich „der Weiler unter der Burg“, dann selber auch Hohen- und später Ober-Alfingen. Die Kapelle zu St. Georg und St. Katharina scheint die Burgkapelle gewesen zu seyn. Außer ihr stand im Weiler eine Kapelle zum hl. Sebastian, welche 1740 von der Gemeinde ist neu erbaut worden zur Ehre des hl. Hubertus, dazu gehörte ein eigenes Kaplaneihaus (1790 verkauft) sammt einer Heiligenpflege mit 2 Gütern in Oberkochen. Diese Pfründe war gewöhnlich einem ellwang. Canonicus übertragen, ist aber wieder ausgefolgt worden und wie oben gesagt in ein Vicariat zu Hofen verwandelt, nachdem sie zwischenhinein zur Pension ehemaliger Conventualen war verwendet worden, welche excurrendo von Ellwangen aus den Gottesdienst besorgten, der noch immer in der Kapelle gehalten wird.

In der Nähe lag einst ein Gut Eichelberg, auch Eichspitz und Eichholz genannt.

g) Wagenrain, 3/8 Stunden von Hofen, auf der Höhe jenseits des Mittelbaches. Dieser alt ahelfingische Hof gehörte wie Hofen seit 1404 zur Burg Wasseralfingen.




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