Beschreibung des Oberamts Balingen/Kapitel B 9

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9. Erzingen,


Gemeinde III. Klasse, mit 561 Einw., worunter 6 Kath. a. Erzingen, Pfarrdorf, 549 Einw.; b. Bronnhaupten, Hof, Staatsdomäne, 12 Einw. Die Kath. sind nach Dotternhausen, OA. Rottweil, eingepfarrt.

Erzingen liegt sehr freundlich an einer sanften Halde, die zum Thal der Steinach (hier noch Brühlbach genannt) abfällt, nachdem kurz zuvor die Quellbäche derselben vom kleinen Heuberg, wie von der Höhe von Dotternhausen und Dormettingen sich zusammen gefunden haben. Reicher Obstbaumwuchs, sowie die Aussicht auf die nahe Alb, verschönern die Lage des Orts, der freundlich und reinlich, mit manchen stattlichen, meist hell getünchten Häusern Wohlstand und Ordnung verräth.

Nahe der Ostseite liegt frei und freundlich, im wohlummauerten alten Kirchhof (der neue in schöner Lage nördlich vom Ort) die stattliche Kirche; ihr Schiff erhebt sich zwischen dem derbkräftigen Westthurm, der oben ein achteckiges Stockwerk mit Zeltdach hat, und dem schönen, außen trefflich erhaltenen spätgothischen Chor und wurde mit hohen Rundbogenfenstern 1833 neu erbaut (Inschrift über der Sakristeithür: Neuerbaut anno 1833 durch Bauinspektor Niefer. Pfarrer M. Glöckler, Vogt H. Wahrenberger).

Das Innere, mit flacher Stuckdecke und Emporen an den Langseiten, ist einfach, doch ansprechend; nur hat leider der Chor sein Gewölbe verloren und ist durch die Orgel auch in der Wirkung der Fenster beeinträchtigt, ein runder Triumphbogen führt in denselben, links und rechts davon sind 2 alte Schlußsteine: St. Georg und Maria, eingemauert. Auch ein verstümmeltes | Steinbild des jugendlichen Sebastian ist noch vorhanden. Der Thurm enthält drei neuere Glocken von 1779, 1787 und 1873. Die Baulast der Kirche hat die Stiftung.

Zwischen der Kirche und dem jetzigen Friedhof steht eine alte, gothische Kapelle, ein Rechteck, mit drei Seiten des Achtecks schließend. Die Westseite hat noch eine spitzbogige Thüre, die alten Fenster sind vermauert, das Ganze zu einem Schafstall mit Scheuerböden umgewandelt.

Östlich von der Kirche, mit herrlicher Aussicht auf den Eingang des Lautlinger Thals, liegt das wohnliche Pfarrhaus, von dem sich ein über 4 Morgen großer Pfarrgarten über das Thälchen des Haugenbachs hinüberzieht.

Die Unterhaltung des Pfarrhauses liegt zu 1/6 dem Staat, zu 5/6 der Stiftung ob.

Das Rathhaus ist von 1825, das Schulhaus, ein freundlicher Holzbau, von 1840, es enthält 2 Lehrzimmer und die Wohnung des ständigen Lehrers. Außerdem besitzt die Gemeinde eine Zehntscheuer, ein Armen- und ein Waschhaus.

Das Trinkwasser ist hinlänglich und gut; es wird von 3 laufenden, 3 Schöpf- und ungefähr 40 Pumpbrunnen geliefert; von Leitungen ist eine von Eisen, die anderen von Holz.

Die Schweizer Staatsstraße führt am Ort vorüber, Vizinalstraßen gehen nach Geislingen und Leidringen; 5 Brücken über den Haugenbach, Riedbach, Katzenbach, Bonthalbach und Brühlbach hat die Gemeinde zu unterhalten.

Dem Verkehr dienen 5 Schildwirthschaften, 2 Krämer. Von Gewerben arbeiten Schuster auch nach außen. Das Stiftungsvermögen beträgt etwa 5000 M.

Die kräftigen, soliden Einwohner, von denen 4 über 80 Jahre alt sind, leben in guten Vermögensverhältnissen. Der Vermöglichste besitzt gegen 80, der Mittlere etliche und 20 Morgen, einige nur die Allmande. Auf auswärtigen Markungen hat man gegen 30 Morgen.

Die ziemlich große, von Westen nach Osten lang gestreckte Markung gehört dem mittleren und oberen Lias an, ist meist lehmig und tiefgründig, im Ganzen mittelfruchtbar. Man gewinnt Straßensteine und Lehm.

Das Klima ist ziemlich rauh, mit starken Winden, häufigen Frösten und kalten Nebeln; Hagelschlag selten.

Die Landwirthschaft ist in gutem Stand; doch dürfte die Jauche noch sorgfältiger gesammelt werden. Der Wendepflug ist | der häufigste. Walzen und eine eiserne Egge sind vorhanden. In der Dreifelderwirthschaft wird 1/3 der Brache eingebaut mit rothem Klee, Wicken, Esper, Kartoffeln, Rüben. Flachs und Hanf wird nicht viel gebaut. Die Hauptfrüchte sind Dinkel und Haber. Klee wird viel gebaut. Von Dinkel sät man auf den Morgen 8, von Gerste 4, von Haber 6 Sri. und erntet je 7–8, 3–5, 3–6 Schffl. Dinkel kann im Betrag von 200 Schffl. auf die Balinger Schranne ausgeführt werden.

Der Wiesenbau ist ausgedehnt und sehr gut. Die Hälfte der Wiesen ist dreimähdig; der Morgen erträgt 30–40 Ctr. Heu und Öhmd.

Die Obstzucht ist sehr im Zunehmen. Das Obst geräth gerne, besonders Luiken, Reinetten, Knaus-, Wasser- und Bratbirnen, Zwetschgen. Es sind mehrere Baumschulen vorhanden, wovon eine der Gemeinde gehört, welche auch einen Baumwart hält. Jungstämme werden auch von Hohenheim bezogen. Das Obst dient zum Mosten und Dörren; auch wird ziemlich viel verkauft.

Die Gemeinde besitzt auf der Markung Roßwangen, OA. Rottweil einen mit dieser Gemeinde gemeinschaftlichen Nadelwald, welcher ihr jährlich 1800–2000 M. abwirft.

Eigentliche Weiden sind nicht vorhanden. Die Wiesen- und Stoppelweide erträgt der Gemeinde 12–1600 M. Pacht und 1000 M. für Pferchnutzung. Die Allmanden sind an Bürger zu lebenslänglicher Nutzung verliehen. Etwa 11 Morgen Wiesen verwendet die Gemeinde für ihre Farren.

Pferdezucht und Pferdehaltung ist mittel, die Stuten werden nach Balingen geführt.

Die Rindviehzucht ist in recht gutem Stande, die Gemeinde hält 3 Simmenthaler Farren. Stallfütterung ist allgemein, Viehhandel und -mastung nicht von großer Bedeutung.

Die Schafzucht wird von Einheimischen und Fremden betrieben. Es laufen im Sommer 300 Stück, welche auch Überwinterung finden. Die Wolle geht nach Tuttlingen und Kirchheim; die Schafe kommen nach Frankreich.

Schweinezucht wird mit etwa 20 Mutterschweinen englischer Race getrieben; 300 Stück Ferkel kommen auf den Balinger Markt. Auch Mastschweine werden verkauft.

Ziegen, Geflügel- und Bienenzucht ist nicht von Bedeutung.

| Der Name des Orts, welcher auf einen bisher nicht aufgefundenen Eigennamen Arzo (vom Stamme ard?) hinweisen dürfte (Förstemann, a. a. O. 2, 108), wird zuerst erwähnt, als derjenige einer hier ansäßigen, adeligen Familie, ohne Zweifel gräflich zollern-hohenbergischer Dienstmannen. Als Glieder derselben kommen vor: Wernherus de Arcingin, Erzingen im J. 1225 Zeuge Graf Alberts I. von Hohenberg (Wirt. Urkb. 3, 160), den 1. April 1246 zugleich wie der frater Burchardus de Arzingen desgl. des Edeln Hugo von Werstein (Monum. Hohenb. 17); Heinricus miles de Erchingen (wobei wohl ch falsch gelesen für cz) desgleichen im J. 1266 des Edeln Egelwart Docceller in einer Kl. Kirchberger Urkunde; Rudolf und Heinrich v. E. im Jahre 1290 gräflich zollerische Lehensinhaber von Gütern zu Täbingen (Oberamtsbeschr. Rottweil 533)[1].

Im J. 1341 erscheint H. Böcklen als, wahrscheinlich zollerischer, Vogt zu Ärzingen (Schmid, Hohb. 219 Anm. 2), den 3. Nov. 1403 aber kam Arczingen mit der zollerischen Herrschaft Schalksburg an Württemberg. (S. 279, vergl. auch S. 283.)

Nach Röders öfters erwähntem Lexikon von Schwaben zählte der Ort 440 Seelen.

Im März 1568 trafen Vogt und Gericht mit der ganzen Maierschaft „eine sehr nützliche Ordnung des Flecken Erzingen, wie ein jedweder ohne merklichen Schaden der Güter möge mit Mist, Garben und Holz fahren“. Den 2. Dezember 1573 verglichen sich die Gemeinde Erzingen und Hans v. Stotzingen zu Dellmensingen als Eigenthumsherr zu Dotternhausen und Roßwangen wegen des Jochhabers, welchen die Erzinger Maier von jedem Paar Stiere oder Joch Ochsen an die Eigenthumsherrn der genannten Orte seit alter Zeit zu entrichten hatten (Balinger Vertragsbuch), den 16. August 1605 die Gemeinden Erzingen und Dormettingen wegen etlicher Bannmarken, sowie eines gemeinen Triebs, Weidgangs und Brunnens auf dem Allmandfeld in Erzinger Zwingen und Bännen, die gemeine Halden genannt; den 28. Juni 1609 entschieden Untervogt, Bürgermeister und Gericht zu Balingen einen Streit zwischen den Gemeinden Erzingen und Endingen wegen eines Bahngrabens (St.A.). – (Über den Schwengershof vergl. S. 362).

| Dahier wurde als Sohn des Pfarrers Jakob Frischlin den 22. September 1547 geboren der bekannte Dichter und Philolog Nicodemus Frischlin, zeitweise Professor in Tübingen, den 29. Nov. 1590 bei dem Fluchtversuch aus dem Kerker zu Hohen-Urach zu Tod gestürzt (vergl. D. F. Strauß, Leben und Schriften des Nic. Frischlin. Frankfurt a. M. 1856[2]. Chr. F. v. Stälin, Wirt. Geschichte 4, 825 ff. Allgemeine Deutsche Biographie 8, 96–104. – In Strauß und der Allg. Biographie ist übrigens der Geburtsort unrichtig angegeben).

Was die kirchlichen Verhältnisse betrifft, so wird im J. 1275 der Vikar des in einer anderen Diöcese residirenden Pfarr-Rektors zu Ärtzingen (vergl. S. 228), im J. 1291 ein Rudolphus rector ecclesiae in Erzingen (Gabelkover), den 9. Febr. 1306 Wernherus rector ecclesiarum in Erzigin et Maiselstain genannt (Monum. Zolleran. 1, 121).

Ein Beguinenhaus wird hier im 15. Jahrhundert genannt; es bekam einen hiesigen Hof im J. 1415 geschenkt und wurde in Folge der Reformation aufgehoben. Laut des Urbar-Zinsbriefs über 1 Pfd. 10 Schilling Hllr., welchen Martin Linsemann zu Erzingen am 10. Mai 1548 ausstellte, hatte ihm Herz. Ulrich Haus, Hofraite samt der Scheuer und allen Zugehörden, welche dereinst den Beguinen gehört, verkauft und den letzteren auf deren Bitte ein Leibgeding bestellt (St.A., vergl. Sattler, Topogr. 391 und oben S. 297).

Parzelle:

Bronnhaupten, Staatsdomäne auf der Höhe des kleinen Heubergs zwischen dem Steinach- und Riedbachthal, 20 Minuten oberhalb Erzingen, nicht weit vom Ursprung des nordöstlich zur Eyach fließenden Kaltenbrunnenbachs gelegen. Der ausgedehnte Hof, mit stattlichen, weithin sichtbaren Wohn- und Ökonomiegebäuden gruppirt sich um eine gemauerte Wette und einen laufenden | Brunnen. Die Größe der Domäne beträgt 6557/8 M.; davon sind Gras-, Baum- und Küchegärten 216/8 M., Wiesen 1274/8 M., Ackerfeld 4691/8 M., Weiden 372/8 M. Die Bewirthschaftungsart ist die Felderwirthschaft mit 9jährigem Fruchtumlauf. Der Viehstand ist zur Zeit folgender: 2 Farren, 16 Zugochsen, 34 Kühe, 55 Stück Jungvieh, 7 Pferde, 17 Schweine, 476 St. Schafe.

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Der Hof, dessen Namen „Anfang, Quelle des Brunnens“ bedeutet (Buck a. a. O. 103), wird die ersten Male genannt, als im J. 1140 ein gewisser Hug dem Kloster St. Georgen all seinen Besitz zu „Brunnehoubiton“ übergibt (Zeitsch. f. Gesch. d. Oberrheins 9, 224) und als den 27. Oktober 1295 Ritter Konrad von Thierberg seine Leibeigene Mechthild, die Gattin Wernhers von „Brunnehoubeten“, dem Kloster Alpirsbach schenkt (St.A.; vergl. Glatz, Alpirsbach 273). In der Folge bildete er wie das nahe gelegene Erlaheim (siehe dieses) einen Bestandtheil der gräflich hohenbergischen, später österreichischen Herrschaft Kallenberg, welche im Beginn des 15. Jahrhunderts in truchseßischen Pfandbesitz kam. Doch erscheint er in der ersten Hälfte des folgenden Jahrhunderts vorübergehend im Besitz, wohl Afterlehens- oder Pfandbesitz, von Gliedern der Familien Bubenhofen, Hailfingen, Weitingen, Gültlingen und Stotzingen (s. unten Geislingen). Der österreichische Pfandinhaber der kallenbergischen Herrschaft, Truchseß Christoph, verkaufte den 11. November 1591 seine, bisher zu Brunhaupten gehabte hohe und niedere Oberkeit, Recht und Gerechtigkeit samt allem dem was darein und dazu gehörig, mit Grund und Boden, Zwing und Bann, Vogtgerichten, Geboten, Verboten, großen und kleinen Strafen, Freveln, Bußen, Rügungen, Fällen, Diensten, Wunn und Weid, Steg und Weg, Bronnen und Wasser, Besetzung und Entsetzung der Ämter, wie solches alles bisher zu der Herrschaft Kallenberg inkorporirt und gehörig gewesen – übrigens als rechtes Mannlehen vom Haus Österreich, nur die Weide als frei lediges Eigenthum – um 5050 fl. an Hans Jakob von Stotzingen zu Geislingen, welcher den 13. Januar 1593 von Erzherzog Ferdinand von Österreich mit dem neuen Erwerb belehnt wurde. Zur Zeit der stotzingischen Theilung des J. 1598 hatte Bronnhaupten eine „in Riegel gemauerte Behausung“, allwo Hans Ulrich von Stotzingen wohnte, ein kleines Pfisterhäuslein, eine Stallung zu 6 reisigen Pferden, 2 Scheuern u. s. w. Den 3. März 1610 verkaufte genannter | Hans Ulrich den Besitz an Hans Wilhelm Fauber zu Randegg, markgräflich burgauischen Obervogt der Herrschaft Gutenstein, welcher den 25. April 1612 von Österreich die Belehnung mit dem zum Ritterkanton Neckarschwarzwald steuernden Gute erhielt. Allein nach dessen, im J. 1616 erfolgtem Tode kamen die Vormünder seiner Erben nicht in der gebührenden Zeit um die Muthung ein und entschlugen sich auch des Guts, so daß Maria Jakobäa von Stotzingen und deren Vormünder wegen ihrer Schuldforderung nebst anderen Gläubigern mit Urtheil und Recht von dem Landgericht in Schwaben in das Gut immittirt wurden. Dieselbe vermählte sich mit Karl von Hohenberg zu Geislingen, dem vor der Ehe erzeugten Sohn des Markgrafen Karl von Burgau (vergl. OA.Beschr. Spaichingen 178), welcher auf sein Ansuchen von Erzherzog Leopold am 15. November 1621 mit Bronnhaupten belehnt wurde. Doch bekam bereits den 15. November 1625 Ulrich von Stotzingen zu Delmensingen in seinem und der Söhne seines verstorbenen Bruders Namen von demselben Erzherzog die Belehnung. Während des 30jährigen Krieges, als das Gut der Anna von Stotzingen geb. v. Freiberg und ihren Kindern zustund, wurde der Hof im J. 1632 dreimal, und zwar zweimal durch die Schweden, einmal durch die württembergische Wildberg-Nagolder Kompagnie, schwer heimgesucht, ausgeplündert und niedergebrannt, so daß das Gut lange Zeit öde und wüst liegen blieb; in der Kapelle trugen die Württemberger den Altar ab, stürmten und zerhieben die Bilder.

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Den 17. Januar 1652 wurden die stotzingischen Gläubiger in das Rittergut immittirt und 20./10. Dezember 1666/16. Februar 1667 verkauften sie dasselbe mit allen Rechten und Zugehörden um 3500 fl. an den Herzog Eberhard III. von Württemberg. Die neue Herrschaft errichtete einen Viehhof allda, zu welchem Zweck drei große lange Viehhäuser mit Scheuer, ein Wohnhaus und Käshaus erbaut wurden. Nachdem das Gut längere Zeit in Bestand gegeben worden, wurde der Kammerjunker Georg Friedrich Forstner von Dambenoy den 8. Juni 1702 damit als mit einem Mannlehen belehnt. Als derselbe jedoch kurz darauf die Stelle eines Haushofmeisters erhielt, erkannte er, daß die Melkerei, bei der sich damals 40 Melkkühe befanden, für die Hofkücheverwaltung fast unentbehrlich sei. Er gab das Lehen daher wieder zurück und erhielt dafür am 14. April 1703 ein Kammerlehen von 1000 fl., welches den 1. Juni 1736 auf 1200 fl. erhöht wurde und noch bis in die neueste Zeit im | Besitz seiner Familie verblieb. Übrigens strengte die österreichische Regierung zu Innsbruck, weil seit dem Erwerb des Guts durch Württemberg keine Muthung mehr erfolgt war, bald darauf einen Kaduzitätsprozeß an und noch die österreichische Jurisdiktionstabelle vom J. 1804 führt den Maierhof „Bremhaupten kurwürttembergischen O.Amts Balingen“ auf, mußte aber zugeben, daß der Besitzer, Württemberg, auch das Eigenthum behaupte, im Besitz der niederen Gerichtsbarkeit sei, daß er sich ferner in den Besitz des Gesetzgebungsrechts, der Steuer und des Waffenrechts gesetzt, und daß hinsichtlich dieser drei Punkte, sowie der Landeshoheit und des Blutbanns Streit zwischen Österreich und Württemberg herrsche. Im Übrigen war und blieb das Gut ein rentkammerlicher, unmittelbar unter Oberamt und Kellerei Balingen stehender Meiereihof, der Landschaft nicht steuerpflichtig (Ältere württemb. Adreßbücher; Andreäs Landbuch von 1736/44).

Durch Entschließung des Ministeriums des Innern vom 17. Juni 1852 ist die Staatsdomäne Bronnhaupten dem Verbande der Gemeinde Erzingen in der Eigenschaft einer Theilgemeinde einverleibt worden, worauf hinsichtlich der Regelung der hiedurch begründeten Verhältnisse am 23. April 1855, später neu zusammengestellte, Bestimmungen vereinbart wurden.

Unbedeutenderen oder vorübergehenden Besitz dahier betreffend kann folgendes erwähnt werden: Die österreichischen Pfandinhaber, die Truchseßen von Waldburg, gaben die hiesige, zur Herrschaft Kallenberg gehörige Weide, zu 350 Lämmern und 200 Schafen, als Lehen hinaus, so den 11. März 1501 an Wolf von Bubenhofen, den 8. Januar 1577 an Hans Jakob von Stotzingen zu Geislingen. – Gültberechtigt waren die Klöster Margrethausen, Berau, St. Blasien. Ersteres kaufte den 13. Januar 1345 6 Mltr. Vesen, 1 Mltr. Haber, 1 Pfd. 4 Schill. Pf., 2 Gänse, 3 Herbsthühner und 1 Viertel Eier von Benz Richart von Rotenburg um 551/2 Pfd. Hllr., Berau war nach einem Urbar vom Jahr 1365 im Besitz von 2 Mltr. Vesen, 2 Mltr. Haber und 8 Schill. Rottweiler Währung, welche später an St. Blasien übergingen. Beide Gülten nebst einigen Erblehengütern des Klosters Margrethausen dahier erkaufte der General Georg Schütz von Pürschütz zu Geislingen am 29. Sept. 1666 um 160 fl., beziehungsweise am 12. April 1667, allein den 22. Juni 1686 wurden sie von Karl Ferdinand von Rost zu Geislingen und seiner Gattin, der Tochter des Käufers, um 500 fl. an Württemberg wieder verkauft (St.A.). Endlich bezog auch die kl. alpirsbachische Pflege Balingen allhier Gülten und war Kloster Wittichen im Besitz von 2 Lehen- und Gülthöfen (Erneuerungen von 1564, bezw. v. 1582).


  1. Wohl nicht auf dieses Erzingen ist zu beziehen der Simon v. E. des J. 1486, welcher in der Geschichte des Hauses Geroldseck Urkk. 231 genannt wird.
  2. Das von Strauß (a. a. O. 558) nicht gekannte Schicksal Frischlinscher Descendenz betreffend kann bemerkt werden, daß Frischlins Sohn, gleichen Taufnamens, 1608–1624 Untervogt zu Liebenzell war und als solcher im J. 1622 das nahe gelegene Schloß Schwann OA. Neuenbürg im Verein mit Thomas Storck, Wirth im oberen Bad zu Liebenzell, um 5000 fl. kaufte. (Derselbe ist auch Verfasser einer „Instruktion, welchermassen in Württemberg die Inventaria verfertigt werden sollen“. Tübingen 1605. 4. – Ein bisher nicht gedrucktes Gedicht von Frischlin in Württ. Vierteljahreshefte für Landesgeschichte 1, 148).


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