Beschreibung des Oberamts Besigheim/Kapitel B 12

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Kaltenwesten,
Gemeinde II. Kl. mit 1570 Einwohner. a. Kaltenwesten, 1526 Einw., worunter 12 Kath. b. Liebenstein, Schloß, 14 Einw. c. Itzingerhof, Weiler, 7 Einw. d. Pfahlhof, H., 23 Einw. – Evangel. Pfarrei; die Kath. sind nach Thalheim, O.-A. Heilbronn, eingepfarrt.

Mit den letztgenannten 3 Parcellen hatte bisher der Hauptort Eine Markung. Aus Anlaß der Vollziehung des Gemeinde-Verband-Gesetzes vom 18. Juni 1849 ist aber in neuester Zeit für Liebenstein, den Itzinger- und den Pfahlhof, welche nun eine Theilgemeinde von Kaltenwesten bilden, eine eigene Markung ausgeschieden worden.

| a) Das marktberechtigte Pfarrdorf Kaltenwesten liegt auf der Hochebene am Anfang einer Schlucht, welche in das nur 1/4 Stunde westlich vorbeiziehende Neckarthal einläuft, 924′ über der Meeresfläche. Der unregelmäßig angelegte, ziemlich unebene Ort, dessen Gebäude meist alt und unansehnlich sind, ist mit einer Mauer umgeben, an der 3 Thore sich befanden, welche erst in den letzten Jahrzehenden abgebrochen wurden. Im östlichen Theil des Orts liegt etwas erhöht die im Jahr 1844 nach einen von dem Oberbaurath v. Gaab entworfenen Plan massiv erbaute Pfarrkirche, zu deren Haupteingang steinerne, halbmondförmig angelegte Treppen führen. Die Kirche selbst, welche in einem mit romanischen und gothischen Formen gemengten Baustyl schön und entsprechend ausgeführt ist, hat hohe, rundbogige, in den Bogentheilen gothisch gefüllte Fenster und stumpfwinklige Giebel mit Rundbogenfriesen. Über dem an der Nordseite angebrachten Haupteingang wölbt sich ein Rundbogen mit hölzernen gothischen Füllungen und über demselben ein in Stein ausgeführtes Frontispice; an den beiden Seiten des Portals stehen halbe, mit Krabben und Giebelblumen verzierte Spitzsäulen. Innen ist die Kirche weiß getüncht und hat freundlich bemalte Emporen, welche von hölzernen Säulen, deren Kapitäle blau bemalt und mit Gold verziert sind, getragen werden; die bläulicht getünchte Kanzel ist mit vergoldeten gothischen Ornamenten ausgestattet. Die ebenfalls schön verzierte, übrigens etwas kleine Orgel wurde im J. 1847 von der Gemeinde um 1800 fl. angeschafft. Der massive, noch von der früheren Kirche herrührende Thurm, dessen unteres mit einem Kreuzgewölbe versehenes Stockwerk ehemals als Chor diente, ist viereckig und geht gegen oben in ein Achteck über, an welchem schön ausgeführte gothische Fenster sich befinden und über dem ein steinerner Kranz um den Thurm zieht. Über dem Kranz erhebt sich noch ein unbedeutendes, erst später aufgebautes, hölzernes Stockwerk, dem ein spitzes, mit Schiefer gedecktes Zeltdach aufgesetzt ist. Von den vier Glocken wurde eine im Jahr 1524 von Bernhard Lachmann in Eßlingen gegossen. Die übrigen, ebenfalls sehr alten haben theils weder Schrift noch Zeichen, theils eine nicht mehr zu entziffernde Umschrift. An der Ostseite des Thurmes ist etwa 20′ über der Erdfläche das Steinbild eines Bischofs, der in der rechten Hand den Hirtenstab und in der linken ein Buch hält, angebracht. Die Aussicht vom Thurme gehört zu den schönsten und ausgedehntesten des Bezirks; das Auge überblickt hier ein Panorama, welches von dem Stromberg, dem Heuchelberg, von den Bergen bei Heidelberg, von dem Odenwald, den Löwensteiner, den Mainhardter und den Welzheimer Bergen begrenzt ist; innerhalb dieser Rahme übersieht man das freundliche Neckarthal, das Zabergäu und einen großen Theil der zu beiden Seiten des| Neckars sich weit ausdehnenden Hochfläche. Von den 33 sichtbaren Ortschaften, Weilern, Burgen etc., sind insbesondere zu nennen: Lauffen, Bönnigheim, der Michelsberg, der Steinsberg bei Sinsheim, der Katzenbuckel, der Wartberg bei Heilbronn, der Langhans bei Beilstein, der Wunnenstein etc. Die Baulast der Kirche hat die K. Hofdomänenkammer, welche auch die Kosten des jüngsten Neubaus mit etwa 25.000 fl. bestritt.

Der 1846 erweiterte Begräbnißplatz liegt außerhalb (östlich) des Orts; der frühere um die Kirche gelegene, wurde in einen schönen Garten umgewandelt.

Zunächst der Kirche steht das Pfarrhaus, welches wie der Begräbnißplatz und das nachbemerkte Schulgebäude von der K. Hofdomänenkammer zu unterhalten ist und 1824 neu hergestellt wurde. Das in der Nähe des Pfarrhauses gelegene Schulhaus mit Lehrerwohnung, ist ein solides, gut erhaltenes Gebäude; an der Schule unterrichten ein Schulmeister, ein Unterlehrer und ein Lehrgehilfe. Eine Industrieschule besteht seit 1842. Am westlichen Ende des Orts stehen unter einem Dach die hofkammerliche Kelter und eine Zehentscheuer; übrigens sind auch eine Gemeindescheuer und zwei Gemeinde-Backhäuser vorhanden. Das stattliche, auf massiven Rundbögen ruhende Rathhaus mit Thürmchen und Uhr wurde 1751 erbaut; unter demselben entspringt eine reichhaltige Quelle, die aus drei starken Röhren den ganzen Ort mit vortrefflichem Wasser versieht und deren Ablauf überdieß noch eine kleine Wette speist, von welcher die Übereich nebst einigen andern Zuflüssen einen Theil des ehemaligen Ortsgrabens mit Wasser füllt. Außer dem Hauptbrunnen sind noch 4 Pumpbrunnen vorhanden.

Vermöge der hohen Lage des Orts ist die Luft gesund und rein, daher auch die Einwohner sich im Allgemeinen einer guten Gesundheit erfreuen und selten von epidemischen Krankheiten heimgesucht werden. Viele Personen erreichen ein Alter von 70–80 Jahren und sterben dann an Nachlaß der Natur, ohne je krank gewesen zu sein. Die Einwohner sind verständig und gewandt im Umgang, und könnten sich im Allgemeinen bei mehr Sparsamkeit in besseren ökonomischen Verhältnissen befinden. Ihre Haupterwerbsquellen sind Ackerbau, Weinbau und Viehzucht.

Die Markung ist, mit Ausnahme der Gehänge gegen das Neckarthal und einiger Seitenthäler desselben, ziemlich eben und hat im Allgemeinen einen etwas leichten, fruchtbaren Diluviallehmboden, dem theils der Hauptmuschelkalk, theils die Mergel der Lettenkohlengruppe zur Unterlage dienen. Im südlichen Theile der Markung, in der Nähe von| Liebenstein und dem Itzinger Hof, wird der Boden etwas schwer, thoniger und minder ergiebig.

Im System der Dreifelderwirthschaft, mit beinahe ganz angeblümter Brache, baut man die gewöhnlichen Cerealien, so wie Erbsen, Linsen, Wicken, Welschkorn, Hirsen, Kartoffeln, Futterkräuter (dreiblättrigen Klee, Luzerne und Esparsette), Angersen, Hanf, Mohn aber wenig Reps; nach der Ernte wird in den Stoppelfeldern häufig die weiße Rübe gezogen. Auf den Morgen rechnet man Aussaat 6–7 Sri. Dinkel, 3–4 Sri. Haber, 2–3 Sri. Roggen, 3–4 Sri. Gerste, ebenso viel Einkorn und 2–3 Sri. Weizen; der Ertrag wird durchschnittlich zu 8–9 Scheff. Dinkel, 5–6 Scheff. Haber, 3–31/2 Scheff. Roggen, 5–6 Scheff. Gerste und 5–6 Scheff. Einkorn per Morgen angegeben. Die über den eigenen Bedarf erzeugten Früchte werden meist im Ort von Bäckern und Bierbrauern aus Stuttgart, Ludwigsburg etc. aufgekauft oder auf den Heilbronner Markt geführt. Der geringste Preis eines Morgens Acker beträgt 120 fl., der mittlere 250 fl. und der höchste 400–600 fl.

Der Wiesenbau ist unbedeutend, dagegen der Anbau von Futterkräutern und Angersen sehr ausgedehnt; die Wiesen sind ohne Wässerung zweimähdig, im Neckarthal öfters nur einmähdig und liefern ein leichtes Futter. Der durchschnittliche Ertrag eines Morgens beträgt 20 Ctr. Heu und 6–8 Ctr. Öhmd; die Preise der Wiesen bewegen sich von 200–600 fl. für den Morgen.

Der Weinbau, in rothen und weißen Elblingen, Sylvanern, Trollingern und neuerlich Clevnern bestehend, liefert ein gut mittelmäßiges Erzeugniß, das sich wohl auf das Lager eignet; die Reben, von denen man 2000 Stöcke auf den Morgen pflanzt, werden bezogen. Der durchschnittliche Ertrag wird zu 6–7 Eimer angegeben und die Preise eines Eimers betrugen in den Jahren 1846 40–60 fl., 1848 18–22 fl., 1849 15–20 fl. und 1850 12–16 fl. Die besten Lagen sind die Schloßberge, der Neckarberg, die Konsten und theilweise die Zimmern. Ein Morgen Weinberg wird in den Bergen mit 400 fl. und in der Ebene mit 320 fl. bezahlt.

Die Obstzucht wird in bedeutendem Umfang getrieben; außer den vielen in der Nähe des Orts liegenden Baumgärten sind auch an den Straßen, meist Mostsorten tragende Bäume gepflanzt; übrigens werden auch feinere Kernobstsorten und von Steinobst Zwetschgen, Kirschen etc. gezogen, namentlich werden auch Aprikosenbäume vor den Häusern und in den Weinbergen gepflanzt. Der Wallnußbaum ist ziemlich häufig. Eine Baumschule hat der vormalige Ortsgeistliche Mondon| angelegt und mit einer schönen Maulbeerhecke – zu etwaiger Seidenraupenzucht – umfriedigt. Das Obst wird meist im Ort selbst verbraucht.

Die Gemeinde besitzt etwa 100 Morgen Waldungen, im 20jährigen Umtrieb; der Ertrag derselben, welcher nicht als Bürgergaben vertheilt wird, sondern in die Gemeindekasse fließt, beträgt jährlich 200–300 fl.

Eigentliche Weiden sind nicht vorhanden, dagegen wird die Brach-und Stoppelweide an einen Schäfer jährlich um etwa 300 fl. verpachtet.

Die Rindviehzucht, welche sich mit einer kräftigen Landrace (Neckarschlag) beschäftigt, ist gut und ziemlich ausgedehnt; zur Unterhaltung und Anschaffung der Zuchtstiere und eines Ebers ist ein Ortsbürger gegen Nutznießung des Farrenguts verpflichtet. Übrigens ist die Zucht der Schweine nicht von Belang und auf den eigenen Bedarf beschränkt. Überhaupt ist der Handel mit Vieh unbedeutend. Die Schafzucht wird von dem Pachtschäfer, der Bastarde auf der Markung laufen läßt und dieselben im Ort überwintert, betrieben; die Wolle kommt meist nach Heilbronn zum Verkauf. Ziegen werden nur von einzelnen unbemittelten Familien der Milch wegen gehalten. Die Bienenzucht dehnt sich auf 61 Stöcke aus.

Die Gewerbe dienen, mit Ausnahme einer südöstlich vom Ort gelegenen Ziegelhütte, nur den nöthigsten örtlichen Bedürfnissen; Schildwirthschaften sind 2 und Kramläden 3 vorhanden.

Vicinalstraßen gehen nach Winzerhausen, Heilbronn, Ilsfeld, Gemmrigheim und Ottmarsheim; die Entfernung der nächsten Eisenbahnstation (Kirchheim) beträgt 3/4 Stunden.

Der Ort hat das Rechte jährlich 3 Vieh- und Krämermärkte, und zwar den 7. Januar, den 25. März und den 25. Juli, abzuhalten.

Über das Vermögen der Gemeinde, welche ziemlich Schulden hat, und der Stiftungspflege siehe Tabelle III. Einige Schulstiftungen im Kapitalbetrag von 55 fl. spenden Schulbücher für arme und fleißige Kinder. Früher bestand ein beträchtliches Pium corpus, das ein eigener Beamter verwaltete und nun an die Königl. Hofdomänenkammer übergegangen ist.

Das Ortswappen ist ein Waschholz.

Das Hofcameralamt Lauffen hatte auf der Markung den großen, kleinen, Heu- und Weinzehenten zu beziehen, sämmtliche Zehenten sind nun gegen ein Ablösungskapital von 32.425 fl. 8 kr. abgelöst worden.

An sonstigen grundherrlichen Abgaben wurden schon im J. 1836 1 fl. 47 kr. Hellerzinse und Küchengefälle und 339 fl. 56 kr. Frohngelder für 3156 fl. 24 kr. abgelöst.

| Dermalen hat das Hofcameralamt noch zu beziehen Gülten: Roggen 82 Scheff. 3 Sri., Dinkel 81 Scheff. 11/2 Sri., Haber 94 Scheff. 3 Sri., Erbsen 3 Sri. Landachten: Roggen 7 Scheff., Dinkel 21 Sch. 4 Sri., Haber 28 Scheff. 6 Sri. Bodenwein: 21 Eimer 4 Imi 71/2 Maas.

Auch die Stiftungspflegen Lauffen und Heilbronn, sowie der Freiherr von Sturmfeder haben noch einige Grundgefälle anzusprechen.

Zur Pfarrei gehört der Pfahlhof. In früherer Zeit, 1582–1636, waren auch Diacone hier angestellt, welche zugleich Schulmeister waren und deren geräumige Wohnung jetzt das Schulhaus bildet.

Das Patronat und Nominations-Recht zur Pfarrei hat die Krone.

Der Ort hatte früher ein eigenes Malefizgericht und noch wird 1/2 Stunde nördlich vom Dorf eine Stelle, wo der Galgen stand, das Hochgericht genannt.

Bei der Anlage der Vicinalstraße nach Gemmrigheim ist man auf alte Grabstätten gestoßen, welche außer den menschlichen Skeletten noch Ringe von Bronze und alte Waffen enthielten.

Kaltenwesten (richtiger Kaltenwestheim) gehörte ursprünglich den Grafen von Lauffen, wenigstens war Westeim eines der Widumsgüter, womit der Erzbischof Bruno von Trier (1102–24), ein geborner Graf von Lauffen, das von ihm gestiftete Kloster Odenheim mit Einwilligung seines Bruders, Graf Poppo von Lauffen, ausstattete, wozu am 5. März 1122 K. Heinrich V. seine Bestätigung ertheilte (Wirtemb. Urk.-Buch 1, 350–52). Dies ist die früheste Nennung des Orts. Sonst hatte noch von Klöstern und Stiftern das Stift Backnang bereits im J. 1245 ein hiesiges Besitzthum.

In späterer Zeit erscheinen mehrere Adelige hier begütert; Else von Urbach, Gemahlin Cunzens von Smalenstein, hatte um 1390 ein hiesiges Erbtheil (Sachs, Baden 2, 194). Die Hauptbesitzer waren aber die Herren von Liebenstein (s. diese), es erscheint sofort die Hälfte des Dorfes als Eigenthum, welches zum obern und untern Schloß Liebenstein gehörte; die andere Hälfte besaßen beide Schlösser unter gräflich Ebersteinischer Landesoberherrlichkeit; im 16. Jahrhundert (1511, 1518, 1550, 1569, 1583) wurden die Herren von Liebenstein belehnt mit dem halben Dorf zu Kaltenwestheim, mit hoher und niederer Gerichtsbarkeit und aller Zugehörde, mit Ausnahme des zur Markgrafschaft Baden lehnbaren Zehenten und einiger Höfe etc. Im Jahr 1660 erscheint als Lehensherr der Graf von Gronsfeld, bei welchem die von Liebensteinschen Unterthanen in K. Schutz suchten, als sie sich gegen ihre Herrschaft empörten, und welcher das dominium directum in K. den 18. Nov. 1676 an Württemberg abtrat.

| Württemberg hatte schon vor dem Jahr 1442 Antheil am Dorfe; wenigstens erscheint dasselbe im genannten Jahre bei der württembergischen Landestheilung im Antheile Graf Ulrich’s (Steinhofer, Württemb. Chron. 2, 827); der Hauptsache nach kam es bleibend an Württemberg erst in den Jahren 1673 und 1678 in zwei Käufen mit dem Schlosse Liebenstein (s. unten) und wurde Kammerschreibereigut. Doch hatte die Ritterschaft Kanton Kochers noch die Steuer (solche wurde im Jahr 1759 von 199 fl. 46 kr. auf 253 fl. 24 kr. erhöht) und behielt im Vergleich mit Württemberg vom Jahr 1769 das jus collectarum cum omnibus juribus annexis ausdrücklich eingeräumt (Cramer, Wetzlar. Nebenstunden 112, 601). Als im Jahr 1805 diese ritterschaftlichen Rechte ihre Endschaft erreicht hatten, kam den 17. Oct. 1806 durch Staatsvertrag mit Baden noch an Württemberg „die Lehenherrlichkeit über das halbe Dorf Kaltenwestheim, welches Albrecht von Liebenstein und Graf von Gronsfeld an Württemberg gebracht haben.“

b) Schloß Liebenstein, hofkammerliche Domäne, Sitz eines Hofkammer-Försters, früher des ehemaligen Staatskellers, liegt 1/4 Stde. südlich vom Mutterort auf einem zwischen zwei Thälchen hinziehenden, steil abfallenden, schmalen Bergrücken und war somit von Natur auf drei Seiten fest; die südöstliche, zugängliche Seite ist mittelst eines tiefen Grabens künstlich befestigt worden.

Liebenstein zerfällt in den alten (untern) und in den neuen (obern) Schloßtheil; ersterer ist von den Ringmauern und Gebäuden des neuen Schlosses umgeben und befindet sich gleichsam in dem unteren Hofraum des letzteren. Das alte Schloß selbst stand auf einem Muschelkalkfelsen, der mit Graben und Wall umgeben war; ein alter viereckiger, noch gut erhaltener Thurm und die Grundreste von drei Gebäuden, welche an denselben angebaut waren oder in dessen Nähe standen, zeugen noch von der ehemaligen Festigkeit der alten Burg, deren Ausdehnung übrigens nicht sehr bedeutend gewesen zu sein scheint. Der Thurm ist sehr hoch und bis zu den noch erhaltenen, gegenwärtig mit einem einfachen Zeltdach versehenen Zinnen massiv aus Muschelkalksteinen erbaut; an der nordöstlichen Seite desselben befindet sich, etwa 20′ über der Erdfläche, der rundbogige Eingang, welcher in den Thurm auf einen massiven Fußboden führt, in dessen Mitte eine viereckige Öffnung angebracht ist, durch welche man in das unterste Gelaß, das Burgverließ, gelangte. Nahe an dem Eingange, an der nordwestlichen Innenwand, sieht man noch die Reste eines Kamins und Kaminschooßes, ähnlich den in den Besigheimer Thürmen vorkommenden; im Übrigen bestand der Einbau des Thurms nur aus Holz, was die in Stockwerkhöhe über einander an den Innenseiten der Wände hervorragenden Kragsteine, auf denen hölzerne| Böden ruhten, hinlänglich beweisen. Der gegenwärtige Holzeinbau wurde erst in neuerer Zeit, um den Thurm bis zu seiner Zinne wieder zugänglich zu machen, ausgeführt. An der südwestlichen Seite des Thurms hat sich ein gedoppeltes Rundbogenfenster erhalten, das in der Mitte durch eine Säule getheilt ist.

Das neue (obere) Schloß, wie auch die großartigen Nebengebäude desselben, sind sämmtlich massiv im Renaissancestyl mit Staffelgiebeln etc. erbaut und stammen meist aus dem Ende des 16. Jahrhunderts. Das eigentliche Schloß bestand ursprünglich aus zwei Gebäuden, von denen das eine gegenwärtig der hofkammerliche Förster bewohnt, während das andere anstoßende (früher das Jägerhaus genannt) einem der Gutspächter zur Wohnung eingerichtet ist; die übrigen Gebäude dienen theils als Wohnungen, besonders aber als Ökonomie- und Stallgebäude.

Am nördlichen Ende des Gebäudecomplexes steht die ehemalige Schloßkirche, ein schönes, mit prachtvollen Bildhauerarbeiten verziertes Baudenkmal aus der Übergangsperiode von dem gothischen in den Renaissance-Baustyl, das übrigens täglich mehr seinem Untergange entgegen geht. Die Kirche bildet ein gleichseitiges Rechteck; an der Vorderseite (südöstliche Giebelseite) befindet sich der Haupteingang nebst einem Seiteneingang und zwei im gothischen Styl gehaltene, in den Bogentheilen gefüllte Spitzbogenfenster. Über dem Haupteingang ist das Liebenstein’sche Wappen und etwas höher seitwärts St. Jakobus angebracht; den Giebel zieren in Medaillons die sehr kunstreich aus Stein gearbeiteten Brustbilder des Königs David und Karl’s des Großen. Der Giebel selbst ist ein verschnörkelter, mit Spitzsäulen verzierter Staffelgiebel, auf dessen Spitze eine Figur mit Fahne in der rechten Hand steht. Das Innere der Kirche ist sehr heruntergekommen, einzelne Theile, namentlich die Emporen, drohen den Einsturz, andere, wie Kanzel und Altar, sind bereits verschwunden. Die Decke besteht aus einem zusammengesetzten Tonnengewölbe, das durch zwei Renaissancesäulen unterstützt wird; an den Stellen, von denen die Gewölbebögen ausgehen, sind, als Consolen dienend, Brustbilder von Moses, Johannes etc. angebracht. An der nordöstlichen Seite der Kirche steht ein achteckiger Thurm mit gedrücktem Zeltdache, der bis an den Fries des Kirchenschiffs nur ein halbes Achteck bildet und sich erst gegen oben als selbstständiger Thurm erhebt. Der untere Theil, das halbe Achteck, dient als Chor und ist mit Strebepfeilern, zwischen denen sich spitzbogige, gothisch gefüllte Fenster befinden, versehen; das Innere desselben hat ein Gewölbe, dessen Gurten von Renaissancesäulen ausgehen und an der obern Kreuzung, einen Schlußstein haben, auf dem das Liebenstein’sche Wappen mit der Umschrift: „Albrecht, Johann, Philip, Ravan, Conrad. Alle von|
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Kapelle zu Liebenstein.

Liebenstein 1590“ abgebildet ist. Die Kirche ist Eigenthum der kön. Hofdomänenkammer, der auch die Unterhaltung derselben zusteht. An der Kirche lag der ummauerte Begräbnißplatz, welcher gegenwärtig als Baumschule benützt wird.

Ein zweiröhriger Brunnen spendet vortreffliches Trinkwasser; der Ablauf desselben stürzt sich über eine hohe Mauer hinab und speist eine unterhalb derselben angelegte Wette.

Die hofkammerliche Domäne Liebenstein war von der Kammerschreiberei durch Tauschvertrag vom 8. Juni 1812 an die Oberfinanzkammer zum Cameralamt Großbottwar abgetreten worden, kam aber durch Tauschvertrag von 1819 wieder an die königl. Hofdomänenkammer.

Das Maiereigut begriff 390 Morgen, wozu in den Jahren 1846 und 1849 von den zu dem Itzinger Hof gehörigen Gütern noch 107 Morgen erworben wurden, so daß dasselbe nun 497 Morgen groß ist.

Die Güter liegen, mit Ausnahme der Gehänge gegen zwei nicht bedeutende Thälchen, ziemlich eben und haben im Allgemeinen einen fruchtbaren, mit Sand gemengten Lehmboden, der gegen den Itzinger Hof hin etwas thonig und strenger wird.

Das Gut, welches von der königl. Hofdomänenkammer an zwei Pächter um jährlich 4765 fl. verliehen ist, wird im Dreifeldersystem mit| zu 2/3 angeblümter Brache rationell bewirthschaftet; neben den gewöhnlichen Cerealien kommen noch Wicken, Ackerbohnen, Erbsen, Futterkräuter, Angersen, Kartoffeln und ziemlich viel Reps zum Anbau. Der durchschnittliche Ertrag eines Morgens wird zu 8 Scheffel Dinkel, 5 Scheffel Haber, 4 Scheffel Gerste, 31/2 Scheffel Reps, 150 Simri Kartoffeln, 50 Ctr. Klee etc. angegeben.

Die Wiesen, welche durchgängig zweimähdig sind und nicht bewässert werden können, ertragen im Durchschnitt pr. Morgen 30 Centner Futter. Früher wurde auf etwa 4 Morgen Weinbau getrieben, der aber längst abgegangen ist; der Platz ist mit Kirschenbäumen ausgesetzt worden, und wird gegenwärtig als Weide benützt. Die Obstzucht, welche sich meist mit Mostsorten, etwas Tafelobst, auch Zwetschgen, Kirschen u. s. w. beschäftigt, ist bedeutend, indem ungefähr 3000 Obstbäume auf dem Gute sorglich gepflegt werden. In mittelguten Jahrgängen beträgt der Kernobstertrag etwa 2000 Simri und nur in reichen Obstjahren kommt Obst nach Außen zum Verkauf.

Was die Viehzucht betrifft, so werden etwa 12 Pferde und 90 Stück Rindvieh gehalten, welche letztere der Simmenthaler- und Landrace angehören. Die Milch, so weit sie nicht in die Haushaltung erforderlich ist,| kommt, zu Butter und Schmalz bereitet, an Händlerinnen von Heilbronn, Ludwigsburg etc. zum Verkauf. Käse wird nur zuweilen bereitet.

Auf dem Gute hält man etwa 200 Hämmel, welche, wie auch die Wolle, theils in Heilbronn, theils auf dem Hofe selbst an Händler Absatz finden.

Liebenstein ist im Jahr 1843 von Kirche und Schule zu Ottmarsheim getrennt worden und in den gleichen Verband von Kaltenwesten eingetreten.

Im Sommer 1851 wurde von den Pächtern zu Liebenstein in Folge einer Anforderung des Vereins für Errichtung von Schulen für Ackerbauknechte eine derartige Anstalt übernommen, indem sich die Pächter verpflichteten, 12 arme Knaben vorzugsweise aus Rettungsanstalten heranzubilden, welche vom 14–18 Jahre bei ihnen zu verbleiben haben. Diesen Knaben und einem von dem Vereine bestellten Aufseher, haben die Pächter unentgeltich Kost und Wohnung zu reichen, wofür jene die ihnen angewiesenen Arbeiten ohne Belohnung zu verrichten verpflichtet sind. Die Betten und Kleidungsstücke werden von dem wohlthätigen Verein angeschafft, welcher mit der unmittelbaren Leitung der Anstalt, ein Lokal-Comite beauftragt hat.

Liebenstein (von der gleichnamigen Burg im Elsaß, unweit Pfirt, wohl zu unterscheiden) ist die Stammburg der nach diesem Schlosse sich nennenden Herren,[1] welche zur Grafschaft Vaihingen gehörten (Reichsständ. Archiv. Urkunden 1750. 1, 25). Ihr Wappen besteht in einem von Silber und schwarz viermal quergetheilten Schilde, auf dessen Helm zwei Büffelhörner jedes ebenso getheilt sind; die Helmdecken sind außen schwarz, innen silbern. Das Geschlecht blüht noch heutzutage; ihm ist das Patronat und war bis in neueste Zeit die Gerichtsbarkeit zu Jebenhausen zuständig. (Vergl. über dasselbe die Beschreibung des Oberamts Göppingen, S. 257.)

Der älteste bekannte Stammherr ist Reinhard, welcher um 1200 lebte, wenigstens beschenkt Gertrud, Schwester Albert’s von Liebenstein, im Jahr 1243 das Kloster Maulbronn mit einem Hof zu Großglattbach zum Gedächtniß dieses ihres Vaters, ihrer Mutter Junta, ihres Gemahls Rüdiger und ihres Bruders Berenger. Der bereits genannte Albert| ist Zeuge den 15. Jan. 1235 in Wimpfen in der Urkunde K. Heinrich’s (VII.) für das Kloster Schönthal; er stiftete das Dominicanernonnenkloster Itzingen (s. unten) und starb im Jahr 1261. Auf ihn folgte Albert II. (im Jahre 1309 genannt). Im Jahr 1320 verkaufte (zunächst verpfändete) Engelhard von Liebenstein die halbe Burg Sternenfels sammt Zugehör für 400 Pf. an Württemberg. Hans von Liebenstein trat 1344 in Dienste des Erzbischofs von Mainz (Würdtwein, Subs. 6, 198). Konrad von Liebenstein kommt vor 1354, 1361, Albert III. 1382, 1391,[2] Albert IV. 1416, 1426, Fritz Albert’s III. Sohn war württembergischer Vogt in Marbach 1419–24.

Mit Peter’s I. († vor 1445) Söhnen, Peter II. und Konrad, theilte sich das Geschlecht in die Linie des obern und untern Hauses.

Im obern Hause thaten sich hervor Jakob von Liebenstein, 1504 bis 1508 Kurfürst von Mainz (Joann. Res. Mogunt. 1, 813–7), sein Bruder Peter erhielt 1492 und 1497 1/4 Bönnigheim von Kurmainz verpfändet; Moritz, des letzteren Sohn, befehligte unter Sebastian Schertel im kaiserlichen Heer Karl’s V. Diese Linie, welche das Schloß Magenheim und andere von Württemberg zu Lehen trug, erlosch schon im J. 1657 mit Friedrich Albrecht, worauf das Bönnigheimer Viertel an Kurmainz zurückfiel, die übrigen Güter sich aber an das untere Haus vererbten.

Im unteren Hause hinterließ Hans, des Stifters Konrad Sohn bei seinem im Jahr 1524 erfolgten Ableben sieben Söhne und zwei Töchter; vier der Söhne wurden geistlich, und nur einer derselben, Raban, mainzischer Amtmann zu Olm und Algesheim, pflanzte den Mannsstamm fort; er errichtete gleich im J. 1524 gegen Veräußerung, Veränderung und Zertrennung einen Familienvertrag. Philipp, Raban’s Sohn, bekam wieder alle Güter des untern Hauses zusammen; Philipp’s Söhne, Johann Philipp und Konrad, besaßen jeder das halbe Schloß Liebenstein und halb Kaltenwesten; darauf erhielt wieder Alles zusammen des obengenannten Konrad’s Sohn, Philipp Konrad I. († 1658), welchem auch die Güter des obern Hauses bei dessen Aussterben anfielen.

Philipp Konrad I. hatte drei Söhne, Philipp Reinhard, Philipp Konrad II. und Philipp Albrecht, deren Vormünder im Jahr 1664 halb Stetten sammt Zugehör für 31.000 fl. an Württemberg verkauften. Diese drei Brüder schlossen im Jahr 1666 eine Erbeinigung, welche der älteste, Philipp Reinhard, nicht lange mehr überlebte. Hierauf kamen die zwei übrigen Brüder in Streit und zuerst veräußerte Philipp Albrecht| an Württemberg das obere Schloß in Liebenstein mit einem See (2 Morgen haltend, ob Itzingen liegend) und der halben Herrschaft für 50.000 fl. und 230 Ducaten den 4. Sept. 1673; dieser Kauf wurde 1675 bestätigt, aber erst am 14. Juni 1679 völlig in’s Reine gebracht. Philipp Konrad II. aber verkaufte, beziehungsweise vertauschte, seine halbe Herrschaft (wobei das untere Schloß L.) ebenfalls an Württemberg und erhielt dafür 13.000 fl. 230 Ducaten, halb Köngen mit dem kleinen Weidwerk, Gülten in Kirchheim und Ensingen, den 28. Mai 1678.

Die Herrschaft Liebenstein, welche somit an Württemberg kam und dem württembergischen Kammerschreibereigut einverleibt wurde, bestand aus dem Schloß und Städtlein Liebenstein, Kaltenwesten (siehe oben), Ottmarsheim (theilweise Lehen von Württemberg), dem Kloster Itzingen, halb Holzweiler, Gütern und Gefällen in Ilsfeld und Auenstein. Es wurde eine eigene Kammerschreibereibeamtung mit der Benennung Stabskellerei errichtet, welche im Jahr 1807 aufgehoben und mit dem um diese Zeit neu gebildeten Hofcameralamt Lauffen vereinigt wurde. (Über die späteren Änderungen s. oben.)

An der hiesigen Kirche, in welche vor Zeiten der Itzinger Hof eingepfarrt war, stunden bis zur Zeit des dreißigjährigen Krieges eigene Pfarrer, welche zugleich Pfarrer zu Ottmarsheim waren. Daraus wurde Ottmarsheim Pfarrsitz, wohin Liebenstein als Filial gehörte, bis es neuestens nach Kaltenwesten eingepfarrt wurde.

c) Itzingerhof, ein Weiler, 1/2 Stunde südöstlich von Kaltenwesten an einem ganz leichten Abhange gegen das Seebronnen-Thal gelegen. Der nur aus einigen Bauernwohnungen bestehende Ort, welcher ein Filial von Ottmarsheim ist, hatte früher ein Dominikaner-Nonnenkloster, welches Albert von Liebenstein († 1261) nicht lange vor seinem Tode stiftete, ferner eine Kirche mit der Familiengruft der von Liebenstein (s. unten). Die Kirche und das Kloster sind nun beinahe spurlos verschwunden, indem die Überreste derselben im Jahr 1807 von der k. Hofdomänenkammer auf den Abbruch verkauft wurden; von der ersteren ist noch ein vereinzelt stehendes Fragment einer Mauer vorhanden, in der sich ein ruinirtes Fenster aus der Übergangsperiode von dem romanischen in den germanischen Baustyl befindet. Unweit derselben steht ein Theil der ehemaligen Kirchhofmauer mit drei im Renaissancegeschmack gehaltenen, kapellenartigen Nischen, von denen eine das gut in Stein gearbeitete, lebensgroße Standbild Conrads v. Liebenstein enthält, welcher den 4. März 1620 in seinem 54 Lebensjahre starb.

Gutes Trinkwasser liefern zwei Pumpbrunnen und überdieß fließt nahe am Ort ein kleiner Bach vorüber, welcher früher zu einem ansehnlichen See geschwellt wurde, der die Fische für das Kloster beherbergte.

| Die landwirthschaftlichen Verhältnisse sind so ziemlich die gleichen wie bei Liebenstein, nur ist der Boden etwas weniger ergiebig; übrigens liegen die Güter von dem Itzinger Hof und von Liebenstein zum Theil vermischt unter einander.

Der Itzinger Hof, welcher in den Jahren 1673 und 1678 für die Kammerschreiberei mit Liebenstein erkauft wurde, war bis zum Jahr 1776 in Zeitpacht gegeben und von dieser Zeit an einen Erbpächter erbbestandweise verliehen. Von den nach und nach eingetretenen vier Theilhabern des durch die Gesetze v. 1818 aufgehobenen Erblehens hat die königl. Hofdomänenkammer drei in den Jahren 1846 und 1849 ausgekauft und die auf diese Weise erworbenen 107 Morgen Güter mit der Domäne Liebenstein vereinigt (s. bei Liebenstein), so daß nur noch ein Theilhaber des früheren Erblehens, mit einem Besitz von 18 Morgen und einem Wohnhaus mit Scheune, auf dem Hofe sich befindet.

Die zum Hofe gehörigen Güter sind zehentfrei. Das ganze, aus 125 Morgen bestandene Erblehen hatte aber zu dem Hofcameralamt Lauffen jährlich zu reichen: an Geld 50 fl., Roggen 4 Scheffel, Dinkel 26 Scheffel, Haber 13 Scheffel und bei Veränderungsfällen 2 fl. Laudemium je von 100 fl. Kaufschilling oder gerichtlichen Anschlag. Der schuldige Antheil des gegenwärtig noch auf dem Gute befindlichen Theilhabers ist bis jetzt nicht abgelöst; dagegen haben die in einigen Gültfuhren bestandenen Frohnen seit dem Gesetz von 1836 aufgehört.

Die Kirche, an welcher im 15. Jahrhundert eine Pfarrstelle und eine Frühmesserei bestunden (Würdtwein Subsid. 10, 336), wurde dem hiesigen Kloster bei dessen Stiftung incorporirt, wozu der Bischof Heinrich von Speier im Jahr 1262 seine Bestätigung ertheilte.

Das Kloster erhielt bald nach seiner Gründung Weinberge bei Canstatt, Güter bei Fellbach und Thalheim etc. Als es gegen Ende des 13. Jahrhunderts mit dem in Lauffen vereinigt wurde, wollten die Herren von Liebenstein das Patronatrecht in Itzingen wieder an sich ziehen, Markward von Canstatt, Canonicus in Sindelfingen, aber brachte es dahin, daß sie es dem Kloster ließen (1299); im Jahr 1406 verglich sich das Kloster mit Peter und Fritz von Liebenstein, daß deren Familie das Recht haben sollte, für einen ehrbaren Priester zu bitten, wenn das Kloster noch keinen gewählt hätte. Wenn jedoch Streit entstünde oder die Nonnen bereits einen gewählt hätten, ehe die Liebensteiner ihre Bitte vortragen, so solle die Wahl der Nonnen gültig sein.

Von Kloster Lauffen erhielt im Jahr 1407 Peter von Liebenstein einen hiesigen Hof zu Erblehen.

Die ältere Schreibart ist Utzingen, wofür in der Urkunde von 1299 Huzzingen steht.

| d) Der Pfahlhof liegt in einem anmuthigen, stillen Waldthälchen (Pfahlhof-Thal) 1 Stunde südöstlich vom Mutterort an der Vicinalstraße von Winzerhausen nach Kaltenwesten.

Auf den Hof, jetzt aus einigen ansehnlichen Gebäuden und einer Gastwirthschaft bestehend, werden aus den Gegenden von Backnang, Murrhardt etc. Weinpfähle zum Verkauf gebracht, daher der Name und die Entstehung desselben. Im J. 1722 ließ nämlich die herz. Kammerschreiberei das Wirthshaus nebst Ökonomiegebäude und 50′ tiefem Schöpfbrunnen inmitten der Liebenstein’schen Waldungen erbauen, um den Fuhrleuten, besonders denen, welche Pfähle und Schnittwaaren in die Gegend und in das Zabergau bringen, ein Abstandquartier zu verschaffen. Mit dem Wirthshause wurde eine kleine Meierei von etwa 60 Morgen Gütern verbunden, welche theils von dem Schloßgut Liebenstein abgetrennt, theils durch Ausstockung eines Waldstücks und Cultivirung öder Flächen gewonnen wurden.

In den ersten 50 Jahren wurde das Gut mit der Wirthschaftsgerechtigkeit und dem Recht zum Pfahlhandel je auf eine Reihe von Jahren verliehen, im Jahr 1772 aber in Erbpacht gegeben.

Später haben die Erblehenbesitzer das gegenwärtig vorhandene zweite Wohnhaus mit Scheune aufgeführt, und das Ganze ist nun in Folge der gesetzlichen Lehens-Eignung Privatgut geworden.

Unfern des Hofs wird ein Walddistrict „Geiselhausen“ genannt, in welchem man noch Spuren von Grundmauern und einen Graben findet; auch heißt es in dem Überschlag zur Erbauung des Pfahlhofs unter Anderem, daß die Steine zu dem Bauwesen in einem nahe gelegenen Wald von einer 21/2′ dicken Fundamentmauer genommen werden. Nicht weit von dieser Stelle befinden sich 2 Grabhügel (s. den allg. Theil).


  1. Nachrichten über diese Familie gibt die Deduction: In Rechten gegründete Vorlegung derjenigen rechtsgültigen Ansprüche und Gerechtsame, welche die freiherrliche Familie von Liebenstein auf die 1673 und 1678 an das herzogliche Haus Württemberg gesetz- und vertrag-widrig und ohne lehenherrlichen Consens, also null und nichtiger Weise veräußerte Herrschaft Liebenstein als ihr Stammhaus hat, entworfen von Joh. Ludw. Friedr. Freiherrn v. Liebenstein, 1773. Fol.
  2. Im Jahr 1390 hatte Else v. Urbach, Gemahlin Cunz von Smalensteins, Gut und Erbtheil an der Burg L. Sachs, Baden 2, 195.


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