Beschreibung des Oberamts Biberach/Kapitel B 2

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b. Gemeinde Äpfingen,
451 Einwohner.
Äpfingen, ein kathol. Pfarrdorf mit 451 Einwohnern, 21/4 Stunde östlich von Biberach. Von drei Höfen bezieht die lehensherrlichen Gefälle die Heiligen- und Kirchenpflege des Orts. Äpfingen, ehemals auch Öpfingen und Epfingen geschrieben, ist weitläufig gebaut und liegt ziemlich eben an der Landstraße von Biberach nach Ulm; ein kleiner Bach, der Appenbach (genannt Saubach) durchfließt den Ort, der Bach schwillt oft so sehr an, daß er den größten Theil des Dorfes unter Wasser setzt. Eine im Jahr 1834 vom Staate neu erbaute steinerne Brücke führt über denselben. Der Nahrungsstand ist gut; 12.000 fl. Schulden, die der Ort 1803 von der Salmannsweiler Herrschaft übernehmen mußte, sind bis auf 1800 fl. abbezahlt. Im Ort ist eine Schildwirthschaft und Bierbrauerei. Die sogenannte Gemeindegerechtigkeit, in Feldern und Wald bestehend, ist Eigenthum der realberechtigten| Gemeinder. In die Kirche gehört der Weiler Barabein, eine Schule hat jeder Theil für sich. Früher war Äpfingen selber Filial von Sulmingen und hatte nur eine Caplanei, die aber wegen unzureichenden Einkommens lange unbesetzt blieb, bis jenes im Jahr 1810 von Heinrich Gotthard, Pfarrer zu Sulmingen, mit einer Stiftung von 1000 fl. aufgebessert wurde. Im Jahr 1817 wurde die Caplanei zu einer selbstständigen Pfarrei erhoben. Die Baulast von Kirche und Pfarrhaus hat die Heiligenpflege und nach ihr der Fürst. Die Heiligenpflege besitzt ein Capital-Vermögen von 15.975 fl. und einige Lehengüter. Es soll in älteren Zeiten auch ein Bad und eine Mineralquelle bei Äpfingen gewesen seyn. Der Ort gehörte dem Kloster Salem und bildete einen Bestandtheil der Herrschaft Schemmerberg, mit der es jedoch in späterer Zeit erst verbunden wurde. Ehe der Ort in den Besitz des Klosters kam, hatte er verschiedene Herren. Im Jahr 1281 verkaufte der Ritter Ulrich v. Essendorf alle seine Besitzungen in Äpfingen an den Bertholdum ministrum (Ammann) von Biberach.[1] 1318 verkaufte Heinrich Luitberger von Äpfingen alle seine Güter in Äpfingen an das Kloster Ochsenhausen, und 1365 verkaufte Ulrich v. Hörningen um 20 Pfund Heller ein Gut in Äpfingen an Gutenzell; 1385 verkaufte Eberhard v. Freyberg zu Achstetten seine Leute und Güter sammt Vogtrecht über die Sct. Blasischen eigenen Leuth und Güter, deßgleichen ein Holz allda um 300 Pfund Heller an Biberacher Bürger, und diese kauften 1392 von Ulrich, dem Gretter, von Andelfingen, Bürger zu Biberach, die Vogtei zu Äpfingen; 1390 kaufte das Kloster Heggbach um 60 Pfund ein Gut, das es 1442 an die Pfarrpflege Biberach um 170 fl. verkaufte. 1438 verkauften Hans Jaeck und seine Söhne von Biberach und 1444 Heinrich Tünchers Wittwe von da ihre Güter, Leute und Vogtei zu Äpfingen an das Kloster | Sct. Blasien. Von Sct. Blasien aber wurde das Dorf 1469 um 3800 fl. an das Gotteshaus Salem verkauft, welches schon 1439 im Besitz des großen Zehenten war. Unter Dorf ist aber hier wieder nur die Dorfherrschaft zu verstehen, denn die einzelnen Höfe waren lange nachher noch in verschiedenen Händen, namentlich der Brandenburg, der Schad und anderer. S. auch Schemmerberg.
  1. Ein Bischof Berthold von Würzburg soll 1184 dem Kloster Salem mehrere Güter in Äpfingen und wieder ein Bischof Berthold von Würzburg 1287 eben demselben Kloster mehrere Rechte im Dorf geschenkt haben. Das Letztere mag richtig seyn, aber 1184 gab es keinen Bischof Berthold von Würzburg.