Beschreibung des Oberamts Biberach/Kapitel B 23

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23. Gemeinde Laupertshausen,
bestehend aus 4 Parzellen mit 547 Einwohnern.

1) Laupertshausen – in alten Urkunden Labozhausen, Labolzhausen, Lobanzhausen, ein vormals Spital Biberachisches kathol. Pfarrdorf, 15/8 Stunden nordöstlich von Biberach, mit 203 Einwohnern, C. A. und F. A. Ochsenhausen. Grund- und Lehen-Gefälle bezieht der Spital Biberach, zu einem kleinen Theile die Orts-Heiligenpflege und Pfarrei. Die Zehenten beziehen der Staat, die Pfarreien Laupheim und Sulmingen. Das Patronat ist königlich.

Laupertshausen liegt in einem engen Thale an einem kleinen Bach, die Sau genannt, es ist weitläufig und schlecht gebaut, die meisten Häuser haben Strohdächer. Der Boden wie das Clima ist ziemlich rauh und kalt, übrigens ist der Nahrungsstand gut. Der Ort zeichnet sich durch eine große Sterblichkeit aus, s. S. 24, er hat 1 Schildwirthschaft und 1 Bierbrauerei. Der Pfarrsprengel umfaßt gerade den Gemeindebezirk. Zu Ende des 14ten und in der ersten Hälfte des 15ten Jahrhunderts war die Biberacher Patriciat-Familie Holzapfel von Herschheim im Besitz von Laupertshausen. Von Conrad Holzapfel kaufte 1468 der Spital Biberach den halben Theil des Dorfes, Kirchensatzes, Vogtrechts etc. um 625 fl. Der andere Theil blieb bei der Familie Holzapfel und wurde von dieser erst 1513 und 1516 an die Schad in Mittelbiberach verkauft. Von diesen kam er an die v. Ulm mit Mittelbiberach; den 30. April 1699 verkaufte ihn Johann Anton v. Ulm mit hoher und niederer Obrigkeit an den Spital Biberach. Der Kirchensatz war Lehen des Stifts Kempten, im Jahr 1701 kaufte ihn der Spital mit 800 fl. von dieser Lehenschaft los. Die Baulast von Kirche und Pfarrhaus liegt der Heiligenpflege, und subsidiarisch den Groß-Zehentherren ob. Der Ort hat eine Schule und eine Industrie-Schule.| 1791 stiftet Pfarrer Endreß 8000 fl. für Hausarme und andere wohltätige Zwecke.

2) Ellmannsweiler, ein kathol. grundherrlicher Weiler mit einem gutsherrlichen Schlößchen und einer Capelle, Filial von Laupertshausen mit 309 Einwohnern, 3/8 Stunde östlich von Laupertshausen. Grundherr ist der Graf Waldbott-Bassenheim, die Zehenten beziehen der Staat und die Pfarreien Laupertshausen und Mettenberg. Der Ort hat eine Brauerei und eine kleine Capelle, die von der Gutsherrschaft unterhalten wird. Die Einwohner haben zu 1/3 Antheil an der oben erwähnten Endraßischen Stiftung. – Ellmannsweiler bildete ehemals eine Ritterherrschaft, und steuerte zum Canton Donau. Es gab ein adeliges Geschlecht, das sich v. Ellmannsweil schrieb, und auch in der Liste der adeligen Bürger von Biberach erscheint. Im Jahr 1505 waren die v. Essendorf Besitzer des Orts, dann kam er an die Freiherren v. Freyberg zu Achstetten, von diesen an Reichlin von Meldegg, und dann durch Vermächtniß an Freiherrn Reichlin zu Fellheim, und endlich 1819 durch Kauf an Graf Waldbott-Bassenheim. Der Ort war vormals Kemptisches Lehen und lag in dem Warthauser Jagdbezirke, die hohe Jurisdiction stand dem Salmannsweilischen Pflegamt Schemmerberg zu, siehe Schemmerberg. Im Jahr 1806 kam der Ort unter würtembergische Landeshoheit.[1] Die Einwohner nähren sich mühselig meist von Taglohn; als Nebenerwerb wird das Sticken betrieben.

3) Ober-Schnaitbach, Hof mit 8 kathol. Einwohnern.

4) Unter-Schnaitbach, Weiler mit 27 kathol. Einwohnern, beide vormals Spital Biberachisch. Die Grund- und Lehengefälle bezieht der Spital Biberach, den Zehenten die Pfarrstelle. Der Spital Biberach erkaufte 1318 von Kloster Heggbach Ober- und Unter-Schnaitbach mit Neuenhaus, Burren und Holzmühle mit Gerichten und allen Rechten.


24. Gemeinde Maselheim

  1. Ellmannsweiler, bemerkt Herr v. Raiser, war ein Stift Kempten’sches Lehen, noch aus der uralten Dotation der Gemahlin Carls des Großen, Hildegard, herrührend, wie eine Menge nachbarlicher Besitzungen im Illergau, welche die Welfen zur Kempten’schen Advokatie genossen und daraus ihre Milites besoldet haben. Dieses Lehen wanderte unter Memminger Bürgern von Hand zu Hand. 1622 kam dasselbe um 23.000 fl. an die Familie der Reichlin-Meldegg zu Fellheim. Dasselbe wurde fortan mit Fellheim zugleich empfangen.