Beschreibung des Oberamts Biberach/Kapitel B 37

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel B 35 Beschreibung des Oberamts Biberach Kapitel B 38 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
37. Gemeinde Steinhausen,
bestehend aus 23 Parzellen mit 501 Einwohnern.
1) Steinhausen, kathol. Pfarrdorf, 41/4 Stunden östlich von Biberach, mit 127 Einwohnern, C. A. und F. A. Ochsenhausen. Die Grund- und Lehengefälle sowie die Zehenten bezieht der Staat, mit Ausnahme von Englisweiler, in| dem ganzen Gemeindebezirk. Das Patronat ist königlich. Der Bezirk gehörte vormals zu Ochsenhausen.

Steinhausen liegt an der Rottum, von Waldungen umgeben; zur Unterscheidung von andern gleichnamigen Orten wird es auch Steinhausen an der Rottum genannt. Der Ort, der eine Schildwirthschaft hat, ist sehr unregelmäßig gebaut; die Gebäude haben meist noch Strohdächer. Clima und Boden sind kalt und rauh. Der Nahrungsstand ist mittelmäßig. Als Nebenerwerbsquelle wird die Musselinstickerei betrieben. Der Ort hat eigene Waldungen (s. S. 115), eine Schule und Schulhaus, eine hübsche Kirche – Wallfarths-Kirche mit einem Marienbilde, dem schon 1392 das Zeugniß gegeben worden, daß es sich „seit unfürdenklichen Zeiten durch Wunderzeichen gnädig erzeigt.“ Die (jetzige) Kirche wurde 1673 von dem Kloster Ochsenhausen gebaut. Die Baulast derselben und des Pfarrhauses liegt nun auf dem Staat; den Kirchensprengel bilden die Gemeindeparzellen.

Steinhausen gehörte ehemals mit Oberstetten und den umliegenden Plätzen den Herren v. Oberstetten, welche auf dem benachbarten Schloßberg ihre Burg, Oberstetten genannt, und die Herren v. Mungoltingen zu Nachfolgern im Besitze hatten. Steinhausen selbst hieß ehemals auch Oberstetten; zur Unterscheidung von dem weiter unten noch jetzt so genannten Oberstetten wurde es Ober-Oberstetten geheißen, während das letztere Unter- oder Nieder-Oberstetten hieß, s. Oberstetten. Unter dem Schlosse scheint noch ein zweiter Sitz, Steinhaus genannt, gestanden zu haben, was Anlaß zur späteren Benennung des Orts gegeben hat. Bei dem Schlosse stand eine Pfarrkirche, Alahußen genannt, in welche die Herrschaft Oberstetten eingepfarrt war. Unten, wo jetzt die Pfarrkirche steht, stand eine Feldcapelle, zum Steinhaus genannt, mit dem wunderthätigen Marienbild.

Nikolaus, der erste Abt von Ochsenhausen, kaufte 1392 von den Vormündern der Söhne des Lutz v. Mungoltingen Schloß und Weiler Ober-Oberstetten nebst Kirche und Kirchensatz, Unter-Oberstetten, soweit das Kloster nicht schon im| Besitze war, Güter in Regglisweiler und Englisweiler, die Vogteien in Hirschbrunn, Rottum, Dissenbach (jetzt Annahof) etc. mit allen Rechten um 1040 Pfund Heller. Der Abt ließ hierauf Schloß und Kirche abbrechen und neben der Capelle zum Steinhaus eine neue Kirche aufbauen, auf diese die pfarrlichen Rechte übertragen und in ihr auch das wunderthätige Marienbild aufstellen. Von dieser Zeit an verschwand der Name Oberstetten und es trat dafür der Name Steinhausen an seine Stelle. Mit dieser Zeit begann aber auch erst eigentlich die Entstehung des Dorfs, und die Ochsenhauser Chronik nennt es daher auch ein neues Dorf – villam modernam. Die Kirche war dem Kloster einverleibt und wurde von dort aus versehen; erst 1803 erhielt Steinhausen einen eigenen Pfarrer.

Zu Steinhausen unmittelbar gehören folgende drei einzelne Wohnsitze (2 bis 4):

2) Schloßberg, Hof mit 5 Einwohnern. Hier stand einst die Burg Oberstetten.

3) Sct. Anna, Capelle und Haus, nördlich von Steinhausen, mit 8 Einwohnern. Die Capelle wurde von dem Abt Johannes Ernst (1585–1593) erbaut. In derselben ward auch das wunderthätige Marienbild aufbewahrt, nachdem die Kirche zu Steinhausen im 30jährigen Krieg zerstört worden war, bis es 1673 mit großen Feierlichkeiten wieder in die neue Kirche versetzt wurde.

4) Weiherhaus, Haus mit 7 Einwohnern.

Sodann gehören zu der Gemeinde Steinhausen:

5) Ehrensberg – Ernesperg, Ernsperg, – kathol. Weiler mit 107 Einwohnern, 1/2 Stunde von Steinhausen. Der Ort hat seinen eigenen Gemeindehaushalt, s. S. 115. 1304 schenkte Conrad, Graf von Kirchberg, dem Kloster Ochsenhausen zwei Höfe mit Vogtrecht, 1392 kaufte Ochsenhausen das zu Rottum gehörige Pfarrgut in Ehrensberg und 1520 kaufte das Kloster die Zehenten in Ehrensberg. Zu Ehrensberg gehören die drei folgenden Parzellen:

6) Bedershof, Hof mit 6 Einwohnern.

7) Emishalden, kathol. Weiler am Ölbach, bestehend aus drei Höfen oder Häusern, wovon aber nur zwei, nämlich ein Wirthshaus und eine Säge- und Ölmühle mit 18 Einwohnern| hieher gehören, das dritte dagegen dem Oberamt Leutkirch zugetheilt ist. Die Ursache dieser auffallenden Theilung ist, daß das letztere Haus ehemals dem Kloster Roth gehörte, während die beiden andern Ochsenhausisch waren. Übrigens ist der Graf v. Wartemberg-Roth Grund- und Zehentherr nicht bloß von dem vormals Kloster-Rothischen Theil, sondern auch schon seit 1808 in Folge des Rentenablösungs-Vertrags mit Metternich von dem Ochsenhausischen Antheil, s. S. 154.

8) Kammerlander, Hof mit 10 Einwohnern.

9) Englisweiler – Enklysweiler, Angerschwiler, – kathol. Weiler mit 103 Einwohnern, 1/4 Stunde von Steinhausen. Einen kleinen Antheil am Zehenten hat die Pfarrei Ellwangen. Auch Englisweiler bildete vormals mit Zugehör eine eigene Gemeinde, und hat daher noch seinen eigenen Gemeindehaushalt, s. S. 115. Schon im Jahr 1310 besaß das Kloster Ochsenhausen vier Höfe in Englisweiler; ein anderes Gut kaufte Ochsenhausen mit der Vogtei 1392 von den v. Mungoltingen mit Oberstetten etc, s. o., und 1491 tauschte das Kloster Ochsenhausen zwei Höfe von Jakob Schad von Mittelbiberach gegen Güter in Aßmannshart und Baltringen ein. Einige Güter waren östreichisches Lehen und als solches nach dem letzten Lehensverzeichnisse im Besitze der Bauern Matthäus und Johann Maucher, deren Geschlecht schon 1456 damit belehnt war. Zu Englisweiler gehören:

10) Schindeler, Hof mit 12 Einwohnern und

11) Ziegelhütte.

12–22) Hirschbronn, kathol. Weiler mit 93 Einwohnern. Einen kleinen Antheil am Zehenten haben die Pfarreien Ellwangen und Roth. Auch Hirschbronn hat seinen eigenen Gemeindehaushalt wie Englisweiler etc. Nach den Ochsenhausischen Annalen ist Hirschbronn das schon bei der Stiftung des Klosters vorkommende „Isesuendi“. Das Kloster kaufte 1392 die Vogtei von den v. Mungoltingen, s. Steinhausen; zu Hirschbronn gehören folgende zehen Einödhöfe:

Angeles, Burren, Fink, Lippes, Stadelhaus,
Beckes, Döses, Hofmeisters, Martens, Wäsele.
23) Löhlis, ein kathol. Weiler, Filial von Ellwangen, Oberamts Leutkirch. Der Weiler liegt auf der Oberamtsgrenze und besteht aus zwei Höfen, wovon aber nur der eine, der ehemals Ochsenhausisch war, mit 5 Einwohnern zu dem Oberamt Biberach gehört, während der andere, der Wurzachisch ist, dem Oberamt Leutkirch und der Gemeinde Ellwangen zugetheilt wurde. Da die Güter beider Höfe untermischt durch einander liegen, so wurde| bei der Vermessung der ganze Fächenraum zu dem Oberamtsbezirk Biberach geschlagen. Übrigens würde der ganze Weiler am angemessensten zu Ellwangen getheilt.