Beschreibung des Oberamts Brackenheim/Kapitel B 13

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Klingenberg,
mit Bahnwärterhaus,
Gemeinde III. Kl. mit 438 Einw., wor. 1 Kath. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Sontheim O.-A. Heilbronn eingepfarrt. 21/4 Stunde nordöstlich von der Oberamtsstadt gelegen.

Der nicht große, gleichsam nur eine Straße bildende Ort zieht sich vom linken Neckarufer in ein enges, schroffes Seitenthälchen (Klinge) des Neckarthals ziemlich weit hinein und wird von dem unbedeutenden Klingenbach der Länge nach durchflossen, der bei starken Regengüssen und schnellem Schneeabgang zuweilen einigen Schaden verursacht. Die unregelmäßig und etwas weitläufig hingestellten Wohnungen sind meist klein und verrathen auf den ersten Blick die minder günstigen Vermögensverhältnisse der Einwohner. Auf der Anhöhe (Schloßberg) zwischen dem Neckarthal und dem Seitenthälchen erhebt sich das gräflich Neippergische Schloß mit seinen großartigen Neben- und Ökonomiegebäuden, an der Stelle wo früher die Burg der Herren von Klingenberg, von der nur noch ein Stück Mauer und theilweise der Burggraben vorhanden sind, stand. Das hübschgebaute Schloß enthält vier für die Herrschaft eingerichtete Zimmer; in den Jahren 1858 und 61 brannten einige Ökonomiegebäude nieder. – Von hier aus erschließt sich dem Auge eine sehr anziehende Aussicht in das Neckarthal bis nach Heilbronn und an die jenseits des Neckars gelegenen Löwensteiner Berge mit ihren vielgegliederten, rebenreichen Ausläufern. Auch das aus Muschelkalkfelsen bestehende sehr steile Thalgehänge ist nicht ohne Reiz. Am Fuß des Schloßbergs stehen etwas erhöht die Kirche und das freundliche, massiv erbaute dreistockige Pfarrhaus, von dem man ebenfalls eine reizende Aussicht genießt. Durch Vergleich vom 15./22. Aug./5. Sept. 1863 zwischen der gräfl. Neipp. Standesherrschaft und der Stiftungspflege übernahm die letztere gegen eine Abfindungssumme von 6651 fl. 54 kr. die Baulast. Es liegt daran ein sehr schön angelegter Garten, der die Kirche umschließt, deren Südseite von den üppigsten Reben umwuchert ist. Die Unterhaltung der Kirche und des Pfarrhauses liegt der Gemeinde ob.

Die einfache kleine Kirche wurde zum größten Theil 1736 erbaut, diese Jahreszahl samt dem Neippergschen Wappen steht über dem nördlichen Eingang, über der Hauptthüre liest man 1593. Das| Schiff wird von einem hölzernen Tonnengewölbe übersprengt, der rechteckige Chor, vielleicht einst gewölbt, ist spätgothisch und hat geradgestürzte gothische Fenster; südlich daran stößt die schöne Sakristei, auch mit gothischen Fensterchen und einem Rippenkreuzgewölbe, auf dessen großem Schlußstein das Neipperg’sche Wappen ausgehauen ist. Stifter dieser Kapelle waren Wilhelm von Neipperg und seine Gemahlin Anna von Schwarzenburg.

Die Namen Wilhelm und Anna samt ihren Wappen und der Jahreszahl 1508 stehen an der vom Chor hereinführenden hübschen geradgestürzten Stabwerkspforte. Auf dem Boden der Kirche liegen einige nicht mehr leserliche Neipperg’sche Grabesplatten, und über dem halbrunden Triumphbogen sieht man ein altes gothisches Krucifix. Von den zwei verzierten Glocken auf dem mit einer Kuppel bedeckten über dem Westende des Schiffes stehenden Thurme hat die größere die Umschrift: Soli Deo Gloria. Me fecit Samuel Mezger Heilbronnensis 1768.

Die andere:

Klingenbergs besondres Glück
Bringet mich in dis Geschick.

Beide Glocken wurden unter Pfarrer Bertsch gegossen.

Der Begräbnißplatz liegt seit 1816 außerhalb des Orts an der Straße nach Nordheim.

Ein neues Schul- und zugleich Rathhaus wurde im Jahr 1852 an der Straße nach Heilbronn erbaut; es enthält außer den Gelassen für den Gemeinderath, ein Lehrzimmer und die Wohnung des Schulmeisters. Eine Kelter mit zwei Bäumen ist vorhanden.

Die Landstraße von Heilbronn nach Brackenheim führt durch den Ort, und zur nächsten Eisenbahnstation Nordheim beträgt die Entfernung 1/4 Stunde, auf der Fahrstraße aber 3/4 Stunden. Über den Klingenbach führen 4 kleine steinerne, von der Gemeinde zu unterhaltende Brücken. Eine Fähre besteht über den Neckar.

Sehr gutes Trinkwasser liefern hinreichend zwei laufende und zwei Pumpbrunnen; die laufenden Brunnen werden von einer etwa 6 Minuten oberhalb des Orts in der Lettenkohlengruppe entspringenden Quelle gespeist. Überdies befinden sich noch einige Quellen auf der Markung von der die sog. aus einer Felsenspalte hervorkommende Ortsteinquelle am Neckarthalabhang zwischen Klingenberg und der Eisenbahnstation Nordheim stark inkrustirt und Kalktuff absetzt.

Die Einwohner finden ihre Erwerbsquellen in Feldbau, Weinbau, Viehzucht und viele unter ihnen als Arbeiter in den Fabriken zu Heilbronn und auf dem gräflichen Schloßgut. Von den Gewerben sind kaum die allernöthigsten vertreten und nur einige Maurer, Zimmerleute und Weber arbeiten auch nach außen. Eine Schildwirthschaft und zwei Kramläden bestehen. Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind ziemlich mäßig; es besitzt der vermöglichste Bürger 65,| der Mittelmann 10, die ärmere Klasse 1–2 Morgen und einige gar kein Grundeigenthum. Gemeindeunterstützung erhalten 2–3 Personen. Auf Böckinger Markung haben die Ortsbürger etwa 400 Morgen Güter. Die Gemeinde selbst gehört zu den unbemittelteren des Bezirks, da sie mit Ausnahme des Pachtgeldes mit 30 fl. aus Allmanden, keine Gemeindegüter und keine sonstige Einnahmen hat, dagegen besitzt Graf Neipperg auf der Markung 308 Morgen (223 M. Äcker und Gärten, 70 M. Wiesen, 15 M. Weinberge) zerstreut liegende Güter, von denen 291 Morgen ein Pächter gut bewirthschaftet, während die Weinberge und Wiesen in Selbstverwaltung stehen.

Die kleine, mit Ausnahme der Gehänge gegen das Neckarthal und dessen Seitenthälchen, beinahe ebene Markung, hat einen fruchtbaren, aus sandigem Lehm bestehenden Boden und günstige klimatische Verhältnisse, indessen schaden wegen der frühen Entwicklung der Vegetation Frühlingsfröste ziemlich häufig; Hagelschlag gehört zu den Seltenheiten. Kies- Sand- und Lehmgruben sind vorhanden; ein am Neckarthalabhang oberhalb des Orts gelegener Kalktuffbruch wurde zum Bau der Eisenbahn gänzlich ausgebeutet. Zunächst dem Dorf stehen Kalkbreccienfelsen an, die jedoch nicht benützt werden.

Die Landwirthschaft wird mit Anwendung des Brabanterpflugs so gut als thunlich betrieben, indem einer noch kräftigeren Entwicklung derselben der Mangel an Wiesen, die meist der Grundherrschaft gehören, entgegen steht. Man baut in größtentheils willkürlicher Bewirthschaftung die gewöhnlichen Cerealien, dann Kartoffeln, Zuckerrüben und wegen Mangels an Wiesenfutter viel dreiblättrigen Klee und Luzerne. Von den Felderzeugnissen werden, mit Ausnahme der Erträge von den gräflichen Gütern, jährlich etwa 500 Scheffel Dinkel, 400 Scheff. Gerste und 100 Scheff. Haber auf der Schranne in Heilbronn abgesetzt. Der Wiesenbau ist unbedeutend und überdieß erzeugen die meist trockenen Wiesen wenig, jedoch gutes Futter. Ausgedehnter ist der mit Drollingern, Elblingen, schwarzen Rißlingen und Silvanern sich beschäftigende Weinbau, der in der gewöhnlichen Bauart fleißig betrieben wird; man pflanzt 2400 Stöcke auf den Morgen und bezieht sie den Winter über. Der durchschnittliche Ertrag eines Morgens wird zu 4–5 Eimern angegeben. Der Wein ist mild und in geringeren Jahrgängen etwas gesuchter als in besseren; er kommt hauptsächlich nach Heilbronn, Stuttgart und ins Oberland zum Verkauf, und seine Preise bewegten sich in den letzten 10 Jahren von 30–50 fl. per Eimer. Die nicht ausgedehnte Obstzucht beschränkt sich hauptsächlich auf die um das Ort gelegenen Baumgärten und die an den Straßen gepflanzten Obstbäume; man pflanzt Luiken, Goldparmäne, Knausbirnen, Palmischbirnen, Frühbirnen, wenig Zwetschgen und etwas mehr Kirschen. Die Jungstämme| werden meist selbst nachgezogen. Das Obst wird im Ort verbraucht und nur in ganz günstigen Jahren kommt ein geringer Theil auf dem Markt in Heilbronn zum Verkauf.

Das Weidrecht auf der Brach- und Stoppelweide hat die Grundherrschaft, deren Gutspächter den Winter über 200 Stück feine Bastardschafe laufen läßt.

Die Rindviehzucht wird in kleinerem Maßstabe aber befriedigend betrieben; man hält einen tüchtigen Neckarschlag, der durch 2 Zuchtstiere, die der Pächter des Schloßgutes gegen 80 fl. Entschädigung von Seiten der Gemeinde hält, nachgezüchtet wird. Der Pächter selbst hat 50–60 Stück Rindvieh und 8–10 Pferde aufgestellt. Der Handel mit Vieh ist unbedeutend und der Milchverkauf nach Heilbronn nur bei dem Gutspächter von Belang.

Die Fischerei in dem Neckar auf Weißfische, Barben und Aale ist Eigenthum der Fährenbesitzer, welche sie mit dem Recht den eigenen Bedarf zu fangen an Heilbronner Fischer verpachtet haben.

Von Spuren aus der Vorzeit nennen wir die römische Heerstraße, die von der röm. Niederlassung bei Böckingen auf den Heuchelberg zog und die nördliche Markungsgrenze von Klingenberg berührt. Eine weitere Römerstraße kommt unter der Benennung „grasiger Weg“ von der röm. Niederlassung bei Meimsheim her und führte nördlich an Klingenberg vorüber nach Böckingen. Bei Anlage der Eisenbahn wurde in der Mitte des Abhangs gegen das Neckarthal, zwischen Klingenberg und der Eisenbahnstation Nordheim, eine römische Wasserleitung entdeckt und in der Nähe ein tellerartiges römisches Gefäß, auf dem zwei röm. Münzen lagen, gefunden. Etwa 1/4 Stunde westlich von Klingenberg stand auf dem Acker des Georg Kos ein röm. Wohnplatz, von dem man noch Mauerreste, röm. Ziegel, Gefäßefragmente etc. auffand. An der röm. Heerstraße 1/4 Stunde nördlich vom Ort und in der Nähe des Orts sind Reihengräber, die mit Steinplatten umfriedigt waren, aufgefunden worden. Der sog. Landgraben, jetzt großentheils eingeebnet, lief auf eine großen Strecke an der schnurgeraden südwestlichen Markungsgrenze hin, bis zum ehemaligen Landgraben.

Der Ort verdankt seine Entstehung der früher hier befindlichen Burg Klingenberg, dem Sitze einer seit dem Ende des 13. Jahrhunderts vorkommenden Adelsfamilie. Als Glieder dieser letzteren werden namentlich folgende genannt: Remboto, Renbot, (miles) den 10. Aug. 1293 Zeuge Albrechts von Ebersberg beim Verkauf seines Dorfes Sweikheim (Jäger Heilbronn 1, 61), im Dec. 1295 des Markgrafen Friedrich II. von Baden (Mone 2, 450), den 3. Febr. 1297 Siegler in einer Urkunde der Gertrud, Schwiggers von Gemmingen Tochter (Mone 4, 353); Beringer von K. den 30. Apr. 1296 Besitzer eines Hofes und steinernen Hauses in der Stadt Laufen (St.-A.);| Wolfram im J. 1298 pfälzischer Burgmann zu Wiesloch (Klunzinger 4, 76); im J. 1311 übergibt er Hellergülten zu Hausen an seine beiden im Kl. Laufen befindlichen Schwestern Elsbeth und Margarethe, welche in den Jahren 1309–1323 als solche Klosterfrauen erscheinen (St.-A.). In der Folgezeit vorkommende Namen sind: Friedrich, an Adelhaid von Canstatt vermählt, † vor 1312; Hans 1330, 1334, im J. 1372 unter denen, welche den Städtehauptmann Grafen Ulrich von Helfenstein gefangen nahmen (Sattler Gr. 1. Forts. 235) 1447; Reinbot um 1360–1376; Wilhelm 1345; Beringer 1359, 1362; Engeltrud, Gemahlin Gerolds von Gemmingen 1359; Pele, Gemahlin Georgs von Enzberg 1379 (Mone 5, 222). Zu den jüngsten Gliedern der Familie gehören: Konz, Konrad, Gemahl der Anna von Sachsenheim, † um 1427 (Schannat Ep. Worm. 1, 289); Anna, in den J. 1399–1411 Gemahlin des Edelknechts Rudolf Kammerer, in den J. 1428–1440 des Syfried Osterbrunn von Riexingen. In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts verschwindet die Familie aus der Geschichte. Als Wappen führte Reinbot von K. im J. 1297 „einen dem Reichsadler ähnlichen sich aufschwingenden Vogel, auf dem linken Ort einen einfachen Helm, auf welchem ein Ambos“ (Mone 4, 354), Wolfram von K. im J. 1311 einfach jenen Adler (St.-A.).

Den Namen Klingenberg hatten aber auch einige andere Adelsfamilien, deren Mitglieder mit der hiesigen nicht zu verwechseln sind: die Schenken von Klingenberg am Main und die thurgauischen Klingenberg, welchen einige Jahrhunderte lang die Feste Hohentwiel gehörte; insbesondere die Namen Heinrich, Kaspar, weisen auf Angehörigkeit zu der letztgenannten Familie hin.

Unbedeutender oder nur vorübergehender Besitz der Familie war z. B. folgender. Im Oberamt Brackenheim: zu Hausen an der Zaber und Nordheim (s. die Ortsbeschreibungen). Im Oberamt Besigheim: zu Laufen ums J. 1360 Theile am Wein- und Kornzehnten (Sattler Gr. 4. Forts. Beil. 224). Im Oberamt Heilbronn: zu Böckingen im J. 1362 Güter verkauft (Jäger, Heilbronn 1, 155), 1405 1/6 kleinen und Kornzehenten mit Zustimmung des Lehensherrn, des Grafen von Eberstein, verkauft. Im Oberamt Ludwigsburg: zu Holzweiler 1411 Güter ans Stift Backnang vermacht (St.A.); Theile am Korn- und Weinzehenten zu Thamm und ein Theil an Thalhausen, die Anna von K. ihrem Gatten Rudolf dem Kammerer (s. ob.) gegeben, im J. 1399 an Württemberg verkauft (Steinhofer 2, 554). Im Oberamt Marbach: zu Auenstein um 1360 die Hälfte des großen und kleinen Zehenten als ein von Vaihingen herrührendes württembergisches Lehen (Sattler a. a. O. 222).

Die Burg Klingenberg war ein Lehen der Familie vom Hause Baden, ohne daß jedoch die Zeit und Art des badischen Erwerbs bekannt wären. An dem Kriege, welcher im J. 1360 zwischen K. Karl IV. und den Grafen Eberhard dem Greiner und Ulrich IV. von Württemberg ausbrach, war auch der Besitzer der Burg, Reinbot von K. auf Seiten der genannten Grafen betheiligt und daher wurde| seine Burg, ohne Zweifel durch die im Heere des Pfalzgrafen Ruprecht befindlichen benachbarten Städter, zugleich auch „von Raubs wegen“, gebrochen. K. Karl gestattete darauf den 31. Okt. 1360 der Stadt Heilbronn die Steine von der Burg zu ihrem Nutzen und Bau zu verwenden, verbot den 1. Febr. 1361 den Wiederaufbau derselben und erlaubte Reinbot von K. nur „ein schlechtes Viehhaus von Holzwerk“ an ihre Stelle zu setzen, ohne Gefahr für das Reich und ohne Schaden für die Städte Heilbronn, Wimpfen und Weinsberg, daher diese Städte jede Erbauung eines Burgstalls an diesem Orte, sie geschehe von wem sie wolle, sollten wehren dürfen (St.-A.). Strenge scheint jedoch obiges Verbot nicht befolgt worden zu sein, denn schon im J. 1389 verliehen die Markgrafen Bernhard und Rudolf von Baden den hiesigen Burgstadel mit dazu gehörigen Gütern, Gülten und Waldungen an Konrad von Schmalenstein (Mone 2, 105), wobei diese Unterbrechung des Besitzes der Ortsfamilie allerdings nicht näher erklärt ist. Kurfürst Friedrich I. (1449 bis 1476) ließ in dem Vorhof der Burg wegen eines Streits reisige Knechte gefangen nehmen (Klunzinger 4, 78), und in den noch erhaltenen Lehensreversen seit Anfang des 15. Jahrhunderts ist auch stets von dem Burgstadel die Rede. Im J. 1577 nahm Philipp von Neipperg hier einen neuen Bau vor, worauf die Stadt Heilbronn mit Berufung auf jene Urkunde K. Karls IV. sich an Weinsberg wandte, allein der jetzige Herr von Weinsberg, Herzog Ludwig von Württemberg, glaubte keine Einwendungen gegen den Bau erheben zu sollen.

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In den letzten Zeiten der Familie Klingenberg kam die Burg in den Besitz der Familie von Neipperg. Den 5. Jan. 1407 empfing nemlich Eberhard von Neipperg vom Markgrafen Bernhard I. von Baden die Lehen, „die Hans von Klingenberg gehabt hat zu Klingenberg und zu Nordheim … 1021/2 M. Ackers, 34 M. Wiesen, 1 Pfd. Gelds von dem Wasser, 2 M. Wydachs, das Burgstadel zu Klingenberg, 20 M. Holz auf dem Heuchelberg, 1/6 und 1/4 an dem Zehenten zu Münchingen“; hiezu kaufte er noch den Antheil Konrads von K. an diesem Lehen und erhielt auch diesen den 19. Jan. 1417 von Bernhard zu Lehen, und zwar: „Klingenberg die Burg ganz und gar mit diesen nachgeschriebenen Zugehörungen, mit Namen die Kirch und den Kirchensatz und den Zehenten zu Klingenberg, was der getun mag, item die Fischentz daselbst, item 290 M. Ackers, item 28 M. Wiesen, item 10 M. Weingarten, item den Garten an der Bache, item die Hofstatt an der Burg, item den Baumgarten an dem Burggraben“. Hiezu kamen nach den Lehensreversen vom 16. Febr. 1476 das Holz genannt Prämich (auf Nordheimer Markung) und vom 11. Nov. 1679 der Blutbann. Dadurch ist noch der Inhalt des neuesten Lehenbriefes über Klingenberg, nemlich des| vom Markgrafen Karl von Baden-Durlach am 5. Nov. 1726 dem Grafen Wilhelm Reinhard von Neipperg verliehenen, gegeben. Den 27/28. Sept. 1753 verglichen sich nun aber Markgraf Karl Friedrich von Baden und der genannte Graf von Neipperg dahin, daß, solange der Graf und dessen eheliche männliche lebensfähige Leibeserben vorhanden sein werden, das lehensherrliche Obereigenthum samt dem ganzen Feudalnexus quiesciren und in soferne aufgehoben sein solle, mithin der Graf und seine Erben die bisher zu Lehen empfangene Burg Klingenberg und beide Dörfer Klingenberg und Adelshofen (bad. B. A. Eppingen) in Zukunft ebenso als ihr freies Eigenthum inne haben, nutzen und behalten, folglich auch nicht schuldig sein sollen, das Lehen bei den gewöhnlichen Fällen zu muthen, zu empfangen, oder einigen Dienst, er habe Namen, wie er wolle, davon zu leisten. Beim Mangel solcher Descendenz solle der Heimfall ipso jure eintreten. Die Güter sollen integrirende Bestandtheile der Markgrafschaft Baden-Durlach bleiben und weder ganz noch zum Theil verpfändet, versetzt, veräußert, geschmälert, mit Lasten belegt oder sonst deteriorirt werden dürfen: bei Strafe des Verlusts des Lehens. Den 14. Jun. 1754 wurde dieser Vergleich vom Kaiser Franz I. bestätigt.

Das Dorf Klingenberg entwickelte sich allmählig unterhalb der Burg, als deren Zugehörung, ohne daß sich dies im Einzelnen genauer feststellen ließe. Die Ober- und Herrlichkeit, d. h. das jus circa sacra, alle malefizische, auch hohe und niedere Civiljurisdiktion, besaß die Familie Neipperg. Ein wirkliches Hochgericht bestand zwar nicht, doch war ein hiezu gewidmeter Gerichtsplatz vorhanden. In Criminalsachen wurde nach der peinlichen Halsgerichtsordnung K. Karls V., in Civilsachen nach dem gemeinen Recht gesprochen, ausgenommen Testaments-, Erb- und Gantfälle, für welche das württembergische Landrecht angewandt wurde. Zur Abhandlung der Municipalsachen war ein mit einem Schultheißen und 6 Richtern besetztes Gericht vorhanden; auch gab es eine eigene Dorfordnung. Die evangelisch-lutherische Confession war die hier allein recipirte.

Das Ortswappen ist das neippergische.

Aus der Geschichte des Ortes kann folgendes hervorgehoben werden: Am 26. Mai (25. Jun.) 1693 rückten Franzosen vom Heere des Marschalls de Lorge an den Neckar vor, bezogen ein Lager bei Böckingen, Klingenberg und Groß-Gartach, unterhielten an diesem und dem folgenden Tage ein heftiges Feuer gegen die Stellung des Markgrafen von Baden, aber mit sehr geringem Erfolge. Am 28. Mai (7. Jun.) rückten mehrere Abtheilungen Franzosen durch die Schlucht bei Klingenberg an den Neckar, um den Übergang zu versuchen; sie begannen 2 Brücken zu schlagen, wurden aber durch eine Abtheilung des markgräflichen Heeres mit Geschützfeuer so kräftig| empfangen, daß sie sich zum schnellen Rückzug entschlossen und die Schiffe im Stich ließen (v. Martens 530).

In Folge der Mediatisirung der Reichsritterschaft durch den Schönbrunner Tagesbefehl Napoleons I. vom 19. Dec. 1805 und die Rheinbundsakte vom 12. Jul. 1806 kam das ganze zum Ritterkanton Kraichgau gehörige ritterliche Lehen unter die badische Landeshoheit, allein durch den Staatsvertrag vom 13. Nov. 1806 trat Baden dasselbe an Württemberg ab.

Die hiesige Neckarfahrgerechtigkeit, zum neippergischen Lehen gehörig, wurde ursprünglich nur mit einem Nachen, seit 1786 mit einem Wagenschiff ausgeübt, allein im J. 1852 verkaufte der Graf von Neipperg dieses Überfahrtsrecht, sein Fischwasser und Ausschleifrecht nebst Zugehörungen allhier (soweit nöthig, mit lehensherrlicher Genehmigung) an Johannes Rößle daselbst.


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