Beschreibung des Oberamts Brackenheim/Kapitel B 16

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Meimsheim,
mit Bellevue, Hof, untere Schellenmühle, Haus, obere Schellenmühle, Haus, und Stärkefabrik, Haus.
Gemeinde II. Kl. mit 956 Einw., wor. 38 Kath. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Michaelsberg eingepfarrt. Seit Januar 1873 Sitz einer Postexpedition. Etwa 25 Minuten südöstlich von der Oberamtsstadt gelegen.
Am östlichen Saume des Zabergäus, wo der Stromberg und der Heuchelberg sich am weitesten von einander entfernen und einem fruchtbaren Flachlande eine große Ausdehnung gestatten, hat Meimsheim am linken Ufer der Zaber eine sanft gegen Süden geneigte reizende Lage gefunden. Der ansehnliche, gedrängt und ziemlich regelmäßig angelegte Ort ist von gut unterhaltenen gekandelten Straßen durchzogen und gewährt mit seiner einige 100 Schritte außerhalb (nördlich) gelegenen stattlichen Kirche eine sehr freundliche Ansicht. Manche seiner Häuser haben hübsch gearbeitete steinerne Erdgeschosse aus dem vorigen Jahrhundert. Durch den Ort führt die Landstraße von Lauffen nach Brackenheim und überdieß gehen gut unterhaltene Vicinalstraßen nach Kirchheim, Bönnigheim, Botenheim und Hausen, dem Ort seinen Verkehr nach allen Richtungen hin sichernd. Steinerne Brücken führen innerhalb des Orts eine über die Zaber und eine| über den Mühlbach, außerhalb des Orts eine über den Hausener Bach, eine über die Zaber an der Straße gegen Kirchheim und eine über dieselbe zur Schellenmühle und zur Straße nach Bönnigheim; eine hölzerne Brücke besteht bei der unteren Mühle und überdieß sind auf der Markung noch 7 hölzerne Stege angelegt. Die Unterhaltung der steinernen Brücken hat, mit Ausnahme der zur Schellenmühle führenden, welche der Mühlebesitzer unterhält, die Gemeinde; die hölzernen Brücken und Stege aber werden, außer dem Steg in den Stebachwiesen und dem bei der Burgermühle, von Privaten unterhalten.

Die einst dem heil. Martin geweihte Pfarrkirche hat, wie schon angeführt wurde, außerhalb des Orts eine freie etwas erhöhte Lage innerhalb des ansehnlichen ummauerten Begräbnißplatzes und bildet mit den zwei vor dem Kirchhofeingang stehenden großen Linden eine besondere Zierde der weiten Umgegend; eine dieser Linden hat an der Erdfläche 35′, und 4′ über dem Boden 30′ Umfang, die Höhe beträgt etwa 60′ und die mächtigen, weit ausgereckten Äste ruhen auf starken hölzernen Stützen. Der Baum, wohl gegen 1000 Jahre alt, ist theilweise abgängig und einzelne Äste von ihm sind hohl, dennoch grünt er jedes Jahr frisch und treibt reichliche Blüthen. Um die Linde läuft ringsum eine steinerne Bank, auf der sich Sonntags gerne die fröhliche Jugend singend niederläßt. Neben diesem Nestor der Bäume steht eine etwa 100 Jahre alte Linde, die einst die alte abgegangene ersetzen wird. Beide sind Sommerlinden.

Die Kirche, laut Inschrift (s. u.) 1461 wieder erbaut und eingeweiht ist in schönem spätgothischem Stile gehalten, nur die Mauern der untern Geschosse des Thurmes scheinen älter zu sein; dieser, im Osten des breiten Schiffes stehend, bildet den vorderen Theil des halbachteckig schließenden hohen Chores; gegen oben geht der Thurm ins Achteck über, das von gothisch gefüllten Spitzbogenfenstern durchbrochen wird, und endigt in ein achtseitiges Zeltdach; seine Verhältnisse sind kurz und breit, doch bietet die Kirche namentlich durch den schönen hohen mit Strebepfeilern besetzten und von edel gefüllten Fenstern erhellten Chor ein sehr anmuthiges Bild. Rechts am Südeingange steht: 1455 penich (Pfenich, eine in M. erst ausgestorbene Familie), ohne Zweifel der Name des Baumeisters, und nicht weit davon ist ein Wappenschild mit drei Hirschhörnern (Württemberg) eingemauert. Auf dem Westgiebel sitzt ein gothisches Steinkreuz. Das breite Schiff wird von einem hölzernen Tonnengewölbe, der höhere Chor von einem trefflichen Rippenkreuzgewölbe bedeckt; auf dem einen der zwei Schlußsteine ist das Lamm Gottes, auf dem andern prächtiges Knollenlaub ausgemeißelt. An der Südwand des Chors steht über einer Flachnische:

hoc templum reedificatum et dedicatum anno domini 1461 sub plebano iohanne.

| Ferner sind noch zu erwähnen ein vorzügliches lebensgroßes gothisches Krucifix, ein uralter Taufkessel, und die Grabplatte eines Geistlichen: Anno domini 1458 obiit Bertholdus magnus … Rechts am Chore liegt die hübsche netzgewölbte Sakristei mit zwei gothisch gefüllten Fenstern nach Süden, und in der Südostecke mit der Inschrift: Anno domini 1515, dem Jahr der Erbauung; hier sieht man auch den in der Thurmwand eingemauerten so schön und klar geschriebenen römischen Grabstein (s. S. 153), während der andere an der Kirche befindliche Römerstein den Fundamentstein ihrer Südwestecke bildet. Links an den Chor stößt ebenfalls eine gothische Kapelle, die alte Sakristei genannt; sie ist bedeutend älter und wird von Rippenkreuzgewölben bedeckt, auf deren zwei Schlußsteinen das Lamm Gottes und eine Rosette dargestellt sind; auch sieht man hier ein sehr altes achteckiges romanisches Kapitell, das ohne Zweifel an der früheren Kirche angebracht war.

Von den drei Glocken auf dem Thurm hat die größte die Umschrift:

Gegossen von Heinrich Kurtz in Stuttgart 1859, und die vom Ortsgeistlichen gedichtete Strophe:

Gleich’ mir nur nicht, du Christenherz,
Daß du seist wie ein tönend Erz,
Wie fromm auch meine Stimme schallt.
Bleib’ ich doch selber todt und kalt.

Auf der zweitgrößten Glocke steht: Anno 1772 goss mich Peter Becker in Stuttgard; auf der dritten: Gegossen von Heinrich Kurtz in Stuttgart. 1852, und die Strophe:

Der Herr bricht ein um Mitternacht,
Jetzt ist noch alles still,
Wohl dem der nun sich fertig macht
Und ihm begegnen will.

Im Jahre 1759 schlug der Blitz in die Kirche; ihre Unterhaltung ruht auf der Gemeinde. – An der ausgedehnten Kirchhofmauer fallen die großen schöngeschafften Quadersteine auf, die noch z. Th. von römischen Bauten herrühren mögen.

An der zur Kirche führenden Straße steht das laut Inschrift 1743 erbaute stattliche zweistockige Pfarrhaus, auf dessen First alljährlich die Störche friedlich nisten. Die Unterhaltung hat der Staat. Das zunächst des Pfarrhauses gelegene Schulhaus enthält im unteren Stockwerk zwei Lehrzimmer, im oberen die Wohnung des Schulmeisters und im Zwerchhaus das Zimmer für den Lehrgehilfen. Überdieß sind noch vorhanden ein Rathhaus, unten noch alt, an der Ecke mit einem Wappenschildchen und am zugemauerten Rundbogen der Nebenseite mit der Jahreszahl 1595; ferner eine Kelter mit 4 Bäumen| zwei öffentliche Backhäuser und ein Schafhaus, einst Zehentscheuer, mit der Jahreszahl 1738.

Sehr gutes Trinkwasser liefern 5 öffentliche Brunnen (4 laufende und ein Pumpbrunnen) und mit Einschluß der Schellenmühle und Bellevue 3 Privatbrunnen (1 laufender und 2 Pumpbrunnen). Unter den laufenden Brunnen ist bemerkenswerth der unterhalb des Rathhauses stehende sehr stattliche, vierröhrige und höchst wasserreiche; er ist im Renaissancestil gehalten, hat einen großen achtseitigen Steintrog und eine reich und hübsch verzierte Säule, diese geschmückt mit dem herzogl. württembergischen Wappen, mit Köpfen und Fruchtsträußen, und bekrönt von einem korinthischen Kapitell, an dem vier Vögel sitzen; unten am Schaft sieht man vier große Speimasken und LH. Auch die Markung ist sehr quellenreich, besonders auf der Südseite des Orts, am sog. Wasserrain, von dem auch das Wasser in eisernen Deicheln den laufenden Brunnen im Orte zugeleitet wird. Eine periodisch fließende Quelle befindet sich in dem sog. Weidachfeld. Über die Markung fließen die Zaber und der Stebach, auch Ziegelbach genannt. Früher bestanden einige Seen im sog. Saubach, die nun trocken gelegt sind und als Gärten benützt werden.

Die kräftigen und wohlgebauten Einwohner, von denen gegenwärtig zwei über 80 Jahre zählen, sind geordnet und finden ihre Nahrungsquellen in Feldbau, Viehzucht, Wein- und Obstbau. Von Gewerben nennen wir außer den gewöhnlichen Handwerkern, von denen nur die Schreiner auch nach außen arbeiten, die Cichorientrockenfabrik von Gebrüder Frank, die Borten- und Schnurfabrik von Kirn, die Verfertigung von Kunstfeuerwerk von Kleinknecht, eine Mühle innerhalb des Orts mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang, sowie einer Schwungmühle, außerhalb des Orts die obere Schellenmühle, die untere Schellenmühle und eine Stärkefabrik (s. hier. unten); ferner bestehen im Ort 4 Schildwirthschaften, ein Kaufladen und 3 Kramläden. Die Vermögensumstände der Einwohner gehören zu den besseren des Bezirks, der vermöglichste Bürger hat einen Grundbesitz von 72, der sog. Mittelmann von 10, und die ärmere Klasse von 2–3 Morgen. Die Einwohner besitzen auch Güter auf angrenzenden Markungen, und zwar auf Kirchheimer und Hohensteiner, in den meisten Fällen 1/2–1 Morgen, in einem Fall aber 50 Morgen, und auf Stockheimer und Haberschlachter Markung einige Morgen Weinberge, die zwei Bürgern gehören.

Die ziemlich große Markung hat, mit Ausnahme der unbedeutenden Gehänge gegen das Zaberthal und der Ausläufer des Strombergs, eine flachwellige, beinahe ebene Lage und einen fruchtbaren, leichtsandigen, tiefgründigen Lehmboden, und nur die Ausläufer des Strombergs bestehen aus den untern Keupermergeln, die hier| durchgängig mit Vortheil für den Weinbau benützt werden. Im Zaberthal unterhalb des Orts werden Werksteine aus einem Lettenkohlensandsteinbruch gewonnen, und weiter thalabwärts in den sog. Hälden besteht ein großartiger Muschelkalksteinbruch, der Straßenmaterial für die weite Umgegend liefert. Früher wurden bei der ehemaligen Schleifmühle Versuche auf Steinkohlen in der Lettenkohlengruppe, doch ohne Erfolg gemacht.

Das Klima ist mild und begünstigt den Anbau aller in Württemberg üblichen Kulturgewächse, zuweilen schaden Frühfröste den Reben und feinern Gewächsen, dagegen ist Hagelschlag sehr selten, weil die Gewitter auch hier wie im ganzen Zabergäu von dem Strom- und Heuchelberg abgelenkt werden. Diese günstigen natürlichen Verhältnisse verbunden mit dem Fleiße der Einwohner haben den landwirthschaftlichen Betrieb sehr gehoben, und immer noch sucht man durch fleißige Düngung, bei der auch Gips, Asche und Guano in Anwendung kommen, und durch die Einführung verbesserter Ackergeräthe (Brabanterpflug, eiserne Egge, Walze) den Ertrag des Feldes zu steigern. Zum Anbau kommen außer den gewöhnlichen Cerealien Kartoffeln, sehr viel Futterkräuter (dreibl. Klee und Luzerne), Angersen, Welschkornfutter, Wicken, Mohn, Hanf, viel Zuckerrüben und Cichorie.

Von den Felderzeugnissen können über den eigenen Bedarf jährlich verkauft werden: 600–700 Scheffel Dinkel, 2–300 Scheffel Gerste, 50–100 Scheffel Haber, 5–600 Centner Kartoffeln, 10–11.000 Centner Cichorie und 12–1400 Centner Zuckerrüben. Der nicht ausgedehnte, nur auf 150 Morgen sich erstreckende Wiesenbau liefert ein nahrhaftes Futter, das im Ort verbraucht wird. Weinbau wird auf 170 Morgen getrieben, in denen der Bogenschnitt eingeführt ist. Auf den Morgen kommen etwa 2800 Stöcke meist Silvaner und Elblinge, die einen milden, aber nicht aufs Lager sich eignenden Wein liefern und der den meisten Weinen des Oberamtsbezirks gleichkommt. Der höchste Ertrag eines Morgens beträgt 8 Eimer und die Preise eines Eimers bewegten sich in den letzten 10 Jahren von 18–70 fl. Der Wein wird meist ins Oberland abgesetzt.

Die Obstzucht ist nicht besonders ausgedehnt, doch erlaubt sie in ganz günstigen Jahren einen Verkauf nach außen von etwa 2000 Simri; man pflanzt hauptsächlich Luiken, Kasselerreinetten, Schreineräpfel, viel Pomeranzenbirnen, die sehr gut gedeihen, Palmischbirnen, Knausbirnen und etwas Zwetschgen. Die Jungstämme werden meist in den Weinbergen selbst nachgezogen.

Die Gemeinde besitzt auf der Markung keine eigenen Waldungen, dagegen hat sie mit mehreren Gemeinden gemeinschaftlich Antheil an dem auf Leonbronner Markung im Stromberg gelegenen| Allmandwald, dessen jährlicher Ertrag der Gemeindekasse eine Rente von etwa 300 fl. sichert. Außer dieser aus Holz erlösten Summe bezieht die Gemeinde aus 20 Morgen Weide nebst der Herbstweide ein Pachtgeld von 585 fl., aus dem Pfercherlös 500 fl. und aus 37 Morgen Gemeindegütern 1022 fl. 57 kr.

In gutem Zustande befindet sich die mit einer Kreuzung von Neckarschlag und Simmenthalerrace sich beschäftigende Rindviehzucht, welche durch 3 Farren von gleicher Race nachgezüchtet wird. Der Handel mit Vieh ist nicht von Belang. Ein Ortsschäfer läßt auf der Markung im Sommer 200, im Winter 400 St. Bastardschafe laufen und verkauft Wolle und Schafe auf den Märkten in Heilbronn und Kirchheim.

Der Bedarf an Schweinen (halbenglische- und Landrace) wird selbst gezogen.

Das Fischrecht in der Zaber hat die Gemeinde, die es aber wegen Mangels an Fischen seit vielen Jahren nicht mehr verpachtet.

Das Vermögen des Ortsheiligen beträgt an Kapitalien 3376 fl. und der Schulfonds 140 fl., während die besonderen Stiftungen nicht von Belang sind.

Wie noch heute bei Meimsheim viele Straßen zusammenlaufen, so entwickelte sich schon zur Zeit der Römer hier ein namhafter Straßenknoten, der die Wichtigkeit des Orts schon damals hinlänglich verräth. Römische Straßen führen unter der Benennung „Heerstraße“ eine von Meimsheim an Hausen vorüber nach Nordheim und weiter zur römischen Niederlassung bei Böckingen, eine zweite in nordwestlicher Richtung auf den Heuchelberg und eine dritte nach Botenheim und weiter auf der rechten Seite des Zaberthals bis Güglingen etc. Außer diesen führt ein ehemaliger Römerweg unter dem Namen „gepflasterte Straße“ gegen Lauffen und einer unter der Benennung „alte Heerstraße“ nach Kirchheim, auf letzteren ist die Vicinalstraße von Meimsheim nach Kirchheim größtentheils gegründet. Endlich ist noch der sog. „Lauerweg“ zu nennen, der an der Grenze zwischen den Markungen Bönnigheim und Meimsheim auf eine lange Strecke Magenheim zu hinläuft und dessen erste Anlage vermuthlich auch den Römern zugeschrieben werden muß. Abgesehen von dieser letzteren Straße, führten bei Meimsheim 6 Römerstraßen zusammen und hier lag auch eine namhafte römische Niederlassung, die sich von der Kirche über die Steinäcker und besonders über den Steinegarten, wie auch über einen an die Steinäcker stoßenden Theil des Orts erstreckte. Hier fand man allenthalben Grundreste von römischen Gebäuden, Fragmente von röm. Gefässen, Ziegeln, Heizröhren, dann Münzen und auf dem um die Kirche gelegenen Gottesacker stieß man auf ein röm. Hypocaustum; auch ist in die westliche Kirchhofmauer ein Postament von einem Hypocaustum eingemauert.

| Die interessantesten Überreste und sprechendsten Beweise von der Ansiedlung der Römer bei Meimsheim sind die zwei an der Kirche befindlichen röm. Denksteine, von denen der eine in der Mauer innerhalb der Sakristei eingemauert ist und nach der darauf angebrachten Inschrift von einem Sohn seinen verstorbenen Eltern gesetzt wurde; der andere, erst im Jahr 1838 von Finanzrath Paulus entdeckte, bildet den südwestlichen Eckstein in der Grundmauer der Kirche und wurde nach der darauf befindlichen Inschrift dem Kaiser Caracalla wegen eines über die Deutschen erfochtenen Siegs in den Jahren zwischen 213 und 217 n. Chr. zu Ehren gesetzt (über beide Inschriften s. den Absch. „Römische Alterthümer“). Ohne Zweifel stand an der Stelle der jetzigen Kirche einst ein römischer Tempel, von dessen Trümmern die Kirche theilweise erbaut wurde und wodurch glücklicher Weise die beiden Inschriften erhalten blieben. Bemerkenswerth ist die Volkssage, daß in dieser Gegend die Heiden eine große Schlacht geschlagen haben, eine Tradition, welche durch die Inschrift des dem Kaiser Caracalla geweihten Denksteins bestätigt wird. Unter der Scheune des Friedrich Holzwarth wurden regelmäßig angelegte Reihengräber mit menschlichen Skeletten und Waffen aufgefunden, die uns nachweisen, daß bei Meimsheim bald nach dem Abzug der Römer die Alemannen sich festsetzten. Auch der auf der Markung vorkommende Gewandsname Schelmenrain deutet auf eine alte Begräbnißstätte.

Auf der südlich vom Ort gelegenen Anhöhe, das Burgstättle genannt, fand man in neuerer Zeit Grundmauern, Ofenreste etc.; hier stand wohl die Burg der Herren von Gemmingen. Nach der Volkssage soll an dieser Stelle schon öfters ein weiß gekleidetes Burgfräulein gesehen worden sein, und unter den Hälden, an der Lauffener Straße beim unteren Wässerungswehr habe sich früher ein Reiter ohne Kopf gezeigt, aber in den bodenlosen Löchern auf den Wiesen sollen Roß und Reiter versunken sein.

Zu der Gemeinde gehören:

Bellevue, hat etwa 20 Minuten südlich von Meimsheim eine hohe freie Lage, von der man eine reizende Aussicht genießt. Der Hof besteht aus einem von Kaufmann Ronden in Bönnigheim 1841 aus einer ehemaligen Kleemeisterei geschmackvoll umgebauten Wohnhaus nebst einigen von dem jetzigen Besitzer, Christian Fröhlich, erbauten Ökonomiegebäuden. Das einige 100 Schritte entfernte Wasch- und Backhaus wurde aus den Überresten eines ehemaligen Jägerhauses hergestellt. Der in der Nähe gestandene z. B. 1634 erwähnte Landthurm ist abgegangen. Zu dem Hof gehört ein 61 Morgen großes Gut (56 Morgen Äcker und 5 Morgen Weinberge), das von dem Besitzer im Dreifeldersystem rationell bewirthschaftet wird.

Die obere Schellenmühle, etwa 6 Minuten unterhalb des Orts an der Zaber gelegen; sie ist eine Mahl- und Kunstmühle| mit 4 Mahlgängen, einem Gerbgang, einer Schwungmühle und einer Rollgerstenmühle mit 3 Roll- und 3 Schälgängen, sowie mit einer Hanfreibe. Etwa 10 Minuten von hier thalabwärts liegt die

untere Schellenmühle mit einem Gerbgang und 3 Rollgerstengängen, nebst einer Ölmühle mit 4 doppelten Pressen.

Die Stärkefabrik, liegt bei der unteren Schellenmühle.

Der Name des Ortes wurde in früherer Zeit Meginbot(d)esheim, Megenboteshain, Meinboldisheim (1188. Cod. Lauresh.), Meigensheim (1254), Megenshain (1255), Megensheim (1262, 1265, 1272), Meinsheim (1265. Cod. Hirs.), Menbotzheim (1323), Meimotzhain (1332), Memolzheim (1351), Memmetzheim (1379), Meymtzheim (um 1450), Meginsheim, Mebossheim (Cod. Hirs.) u. s. w. geschrieben und ist auf Meginboto zurückzuführen, was von dem althochdeutschen megin, magan, = groß, stark, und dem Mannsnamen Boto herkommt.

Sieht man von den bereits dargestellten Spuren der Römer und von den fabelhaften Chroniknachrichten über ein früheres Vorkommen des Ortes in der Geschichte ab (vgl. Klunzinger 1, 8 u. 9), so wird derselbe zuerst genannt durch die Besitzungen mehrerer Klöster an ihm, so vor Allem des Klosters Lorsch. Es schenkten dahin verschiedene Huben, Mansen, Häuser, Wiesen, Leibeigene u. s. w. „in Meginbotesheim in pago Zabernachgowe“ den 19. Mai 788 ein gewisser Fravirat, den 16. Febr. 793 die öfters genannte Hildburg, den 19. Dec. 795 Drageboto und sein Bruder Liutfrid, den 20. Sept. 805 Wolfmunt und seine Gattin Waldrat (Cod. Lauresh. nro. 3522. 3525–3527). Dem Kloster Hirsau schenkten um 1110 Wecil von Meimsheim 4 Huben, Gertrud von M. 1 Hube, Eggehard, Bruder Schwiggers von Eberdingen 1/2 Hube, in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts Zeisolf von Brackenheim 1/2 Hube (Cod. Hirs. fol. 36b, 42b, 69b). Das Priorat Reichenbach erhielt hier Güter und Leibeigene durch Mangold von Leimbach, welche Schenkungen dessen Bruder Heinrich bestätigte, sein Enkel Guntram zuerst beanstandete, allein später in Folge von Entschädigung durch das Priorat auch bekräftigte; ferner erkaufte es Grundstücke von Hermann von Bilfingen (Reichenbacher Schenkungsbuch aus der Mitte des 12. Jahrhunderts im Wirt. Urkb. 2, 401). Das Kloster Rechentshofen erkaufte im J. 1260 von den Testamentsexekutoren des Vogts Walther von Laufen um 200 fl. Zehenten, Äcker, Weinberge, Gülten u. s. w. hier und in Löchgau, welche früher dem Kloster Maulbronn gehört hatten, und verkaufte den 24. Nov. 1323 einen jährlichen Zins von 6 Malter Roggen, 6 Malter Spelts, 6 Malter Haber aus seinem größeren Hofe allhier an den Haller Bürger Rügger Brediger (Mone 4, 439 und 5, 195). An das Kloster Herrenalb vergabte der Edelknecht Werner von Münklingen den 7. Jan. 1332 all sein| hiesiges Gut, worüber Ulrich von Magenheim Vogt war, (Mone 6, 205) und den 11. Nov. 1343 einen hiesigen Hof (St.-A.). Endlich hatte wenigstens in späterer Zeit das Stift Odenheim hier einen Gülthof (St.-A.).

Nach dem Ort nannte sich in alter Zeit eine adelige Familie. Als deren Mitglieder kommen vor: um 1110 Wecil und Gertrud (s. ob.); um 1160 Heinrich und sein gleichnamiger Sohn als Zeugen Adelhelms von Schwaigern (Cod. Hirs. 50a); den 1. März 1254 Jutta, Gemahlin des Ritters Heinrich Binzherre; den 16. Nov. 1255 S. v. M., Kanoniker zu Sindelfingen (St.-A.); im Sept. 1262 Konrad als Beschädiger des Domkapitels zu Speier in dessen Gütern zu Horrheim (Remling Urkb. 1, 295); den 1. Sept. 1265 Konrad, Großkeller zu Herrenalb, Zeuge des Markgrafen Rudolf I. von Baden, den 26. Okt. 1265 Konrad, Vogt von Vaihingen, genannt von Meimsheim, Zeuge Gottfrieds von Vaihingen, den 24. Sept. 1271 dreier Herrn von Elchesheim, den 22. Nov. 1272 der Adelhaid Wittwe Werners von Lehningen (Mone 1, 357. 358. 377. 479).

Als weltliche Besitzer allhier erscheinen außer den schon genannten: gegen Ende des 12. Jahrhunderts die Pfalzgrafen von Tübingen (s. u.); Konrad von Magenheim, welcher den 30. Mai 1279 einen hiesigen Hof an das Erzbisthum Mainz abtrat (Remling Urkb. 1, 359), Heinrich von Hausen im J. 1341 Besitzer eines Hofes (St.-A.)

Württemberg kommt gegen Ende des 14. Jahrhunderts als hier berechtigt vor, ohne daß über die Zeit und die Art seines hiesigen Erwerbes etwas Genaueres bekannt wäre, möglicherweise überkam es denselben mit Brackenheim u. a. Orten von der Familie Magenheim. Graf Eberhard der Greiner zog die allhier gelegenen Güter des Hans von Ruchsingen Bürgers zu Heilbronn als verfallene Lehen ein, weil derselbe die Belehnung nicht nachgesucht hatte; der deshalb mit der Stadt Heilbronn entstandene Streit wurde jedoch den 19. Jun. 1379 durch Schiedsleute dahin entschieden, daß diese Güter württembergische Lehen seien (Steinhofer 2, 414). Sowohl in der Widdumsverschreibung der Gräfin Antonia von 1380 und in der Erbhuldigung von 1383, als auch bei der Verpfändung von Niedermagenheim um den Wendepunkt des 14. und 15. Jahrhunderts wird der Ort aufgeführt (s. ob. S. 208).

Allein Württemberg besaß nicht ausschließlich die Herrschaft allhier, sondern auch die Familie von Gemmingen hatte Theil am Orte, vielleicht ursprünglich Pfandbesitz von Württemberg her. Den 27. Dec. 1402 versetzte Konrad Dachs, hiesiger Kirchherr, Kanzler und Schreiber der Herrschaft Württemberg, an Dietrich von Gemmingen um 200 fl. die Pfandschaft, die er bisher von Fritz von Urbach, seiner Gattin Anna von Sachsenheim, und von Ripp von Wil gehabt hatte, betreffend Güter, Zinse und Gülten zu Meimsheim, innerhalb und| außerhalb der Markung. Den 31. Jan. 1512 verglichen sich Württemberg und die Familie Gemmingen dahin, daß kein Unterthan des einen Theils ohne Erlaubniß seiner Obrigkeit in den Bezirk des anderen ziehen dürfe, Erbfälle ausgenommen, beim Wechsel von Gütern in der Regel die Lasten derselben bleiben sollen etc. Den 5. Okt. 1517 verkauften Ritter Stephan von Venningen und seine Gattin Margarethe von Gemmingen ihren Theil am Ort mit aller Obrigkeit, Gerechtigkeit und Herrlichkeit um 200 fl. Rh. an Plicker von Gemmingen. Den 20. Dec. 1554 wurde wegen steter Reibungen zwischen den württemb. Vögten und denen von Gemmingen wiederum ein Vergleich abgeschlossen, wornach der gemeinschaftliche Schultheiß auch ferner von Württemberg ernannt, aber beider Rechte gleichmäßig zu wahren im Beisein der Gemmingen verpflichtet und das Vogtgericht ebenfalls von Württemberg besetzt werden solle, bei Abhaltung desselben aber Gemmingen zugegen sein dürfe; dazu kamen noch Bestimmungen über Kelter-, Fischereirechte, Einkommen aus der Gerichtsbarkeit, Jurisdiktionsverhältnisse bei den württembergischen und gemmingenschen Unterthanen u. s. w. (Reyscher Statutarrechte 540).

Den 20. Aug. 1585 traten nun aber die Gemmingen ihren Antheil an den niederen Gerichten und Freveln mit allen Zugehörungen, Rechten und Gerechtigkeiten, Gefällen und Unterthanen zu Meimsheim an den Herzog Ludwig von Württemberg ab, und durch den Landtagsabschied vom 17. Aug. 1618 wurden die neu erworbenen hiesigen Unterthanen der Landschaft inkorporirt (Landesgrundverfassung S. 383).

Der Ort hatte ein eigenes Stabsgericht, zu welchem bis 1585 auch Dürrenzimmern gehörte (s. dieses).

Schon im J. 1399 wird hier die Koppenmühle als dem oben genannten Konrad Dachs zinsbar aufgeführt (St.-A.), 1554 die Schellen- oder untere Mühle, im Landbuch von 1624 die Sengen- (oder obere) Mühle, die Mittelmühle und die Schellenmühle, von welchen die erste und die dritte noch heutzutage bestehen. Eine damals bereits abgegangene Schleifmühle bestand zwar 1634 wieder, heutzutage jedoch nicht mehr.

Die sehr alte Kirche und der Kirchensatz gehörten ursprünglich dem pfalzgräflich tübingenschen Haus. Allein zum Zweck der Erbauung des Klosters Bebenhausen vertauschte Pfalzgraf Rudolf von Tübingen diese Kirche mit allen Rechten und Zugehörungen in Gegenwart und mit Zustimmung des K. Friedrich I. und seines Sohnes K. Heinrichs VI. im J. 1188 an den Bischof Ulrich von Speier, welchen Tausch K. Heinrich noch den 29. Jun. 1193 bestätigte (Wirt. Urkb. 2, 253–55. 296). Doch veräußerte Speier diesen Besitz in der Folge wieder, und den 17. Febr. 1323 trat Ritter Herter von Herteneck, nachdem die Kirche in Folge des Todes des| Pfarr-Rektors Diether Herter erledigt worden war, ihr Patronat an den Grafen Eberhard den Erlauchten von Württemberg schenkungsweise ab. In den J. 1339–1402 wird Konrad Dachs als Kirchherr hier genannt (s. ob.) Bei der Landestheilung von 1442 wurde festgesetzt, weil die in Graf Ludwigs Theil fallende hiesige Kirche im Anschlag von 1000 fl. verpfändet, so solle sie, wenn sie ledig werde, von beiden Grafen und ihren Erben geliehen und genossen werden; wolle Graf Ludwig sie allein verleihen, so stehe ihm das frei, nur müsse er dem Grafen Ulrich seinen Theil des Anschlags herauszahlen (Sattler Gr. 2. Forts. S. 151). Den 27. Apr. 1444 zahlte Graf Ludwig dem seitherigen Kirchherrn Ulrich von Kirchheim für Überlassung der Kirche 250 fl. baar aus und verschrieb ihm noch ein Leibgeding von jährlich 50 fl. und den 10. Sept. 1463 verglichen sich die Grafen Ulrich und Eberhard wegen der Widerlegung für diese Kirche (St.-A.).

Im J. 1351 werden unter den anderen Geistlichen der Gegend aufgeführt: der Pfarrer zu M., der jetzo Erzpriester ist, und sein Kaplan zu Dürrenzimmern und zu Hausen (s. ob. VII. 2) Hausen war bis 1468, Dürrenzimmern bis 1475 und Neipperg bis 1476 Filial der hiesigen Pfarrei. Neben der Pfarrei bestund hier eine Frühmesse, welche im J. 1508 ein gewisser Blasy inne hatte.

Die hiesigen Zehenten waren größtentheils württembergische Lehen verschiedener Familien. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts erscheint Ulrich Schwelher, wie schon vor ihm sein Vater Berthold Schwelher, hier als lehens- und zehntberechtigt, und hatte Götz von Mönsheim hier 1/9 der Zehenten, welches noch im J. 1404 Gottfried von Mönsheim besaß. Im J. 1392 hatte Hans von Heimerdingen Antheil am hiesigen Wein- und Kornzehenten, verkaufte ihn im J. 1444 um 1124 fl. Rh. an Hans von Nippenburg, im J. 1650 erhielt Johann Konrad von Varnbüler diesen Zehentantheil und vererbte ihn auf seine Familie bis in die neueste Zeit. Die Familie Sachsenheim kommt im J. 1395 als hier zehentberechtigt vor, ihr Besitz ging im J. 1472 an die Liebenstein über, allein den 5. Jul. 1575 vertauschte Bernhard von Liebenstein sein Achtel Frucht- und Weinzehenten, wie er es von der Herrschaft Württemberg zu Lehen getragen, an Herzog Ludwig von Württemberg. Im J. 1428 hatte Wolf Maiser von Berg 1/12 des großen Korn- und 1/9 des Weinzehenten als württembergisches Lehen, welches im J. 1462 an Kraft von Hailfingen, 1530 an die Gebrüder Lamparter, 13. Mai 1553 an Dr. Kaspar Beer, 15. Nov. 1592 an den Kanzler Hieronymus Gerhard kam und dem letzteren den 1. Apr. 1595 von Herzog Friedrich geeignet wurde. Endlich hatte auch der Brackenheimer Spital 1/16 am großen und kleinen Zehenten, Schul- und Surrogat-Zehenten und Weinzehenten auf hiesiger Markung, trat dasselbe jedoch den 19./20. Juli 1844 im Tauschweg an die Staatsfinanzverwaltung ab.


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