Beschreibung des Oberamts Calw/Kapitel B 31

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Ottenbronn,
Gemeinde III. Kl., Dorf mit 343 Einw. – Pfarrfilial von Hirschau.


Nahe an dem obern Rande des rechten Nagoldthalabhanges liegt frei auf der Hochebene, in einer wiesenreichen Mulde der größere Theil des Orts, während sich ein kleiner Theil desselben eine ganz sanfte Anhöhe hinanzieht.

Der weitläufig in die Länge gebaute Ort besteht nur aus einer Straße, die sich im obern Theil des Dorfs beinahe rechtwinklig bricht und bis zu dem Ottenbronner Hof hinzieht. Eine gut angelegte Steige ist nach dem 1/4 Stunde westlich gelegenen Mutterort Hirschau angelegt und führt daselbst in die Calw-Wildbader Hauptstraße. Weitere Vicinalstraßen bestehen nach Unter-Haugstett und Neu-Hengstett; von letzterer gehen Straßen nach Simmozheim und Möttlingen ab. Von der Oberamtsstadt liegt der Ort eine Stunde nordöstlich.

Der nicht unfreundliche Ort erhält aus 2 laufenden und 5 Schöpfbrunnen sein Trinkwasser, das jedoch bei trockener Witterung häufig nachläßt, so daß das Wasser außerhalb des Orts, theils an dem 1/8 Stunde entfernten Brunnbachbrunnen, theils an dem 1/4 Stunde entfernten Essenbrünnle geholt werden muß.

Das Schulhaus, in welchem sich das Rathszimmer, ein Schulzimmer und die Wohnung des Schulmeisters befinden, wurde im Jahr 1856 von einem Privatmann erkauft und zu seinem gegenwärtigen Zweck eingerichtet. Eine Industrieschule besteht seit 1855, auch ist ein Armenhaus vorhanden. Am südwestlichen Ende des Dorfs stehen die Gebäude des Ottenbronner Hofs, welcher nebst 130 Morgen Feld im Jahr 1842 vom Staat an die Gemeinde | Ottenbronn für 19.000 fl. verkauft wurde. (Steck Hirsau 10.) Begräbnißplatz ist keiner vorhanden, die Verstorbenen werden in Hirschau beerdigt.

Die Hauptnahrungsquellen der im Allgemeinen geordneten und fleißigen Einwohner bestehen in Feldbau und Viehzucht; die minder Bemittelten suchen sich durch Taglohnen und Holzmachen Verdienst zu verschaffen. Einzelne treiben auch Handel mit Holz. Ihre Vermögensumstände sind ziemlich verschieden, indem einige sehr Vermögliche, die gegen 70 Morgen Felder und 90 Morgen Waldungen besitzen, vorhanden sind; etwa die Hälfte der Einwohner besitzt eigene Waldungen, und der mittlere Güterbesitz beträgt etwa 30 Morgen Feld; mehrere haben nur einige Morgen – einzelne gar keinen Grundbesitz.

Die nicht ausgedehnte, beinahe ebene Feldmarkung hat im Allgemeinen einen fruchtbaren, leichten, rothen Sandboden, der bei reichlicher Düngung sich für den Anbau von Dinkel, Hafer, Roggen, Kartoffeln, Kraut, weiße Rüben, Angersen, viel dreibl. Klee, Hanf und Flachs gut eignet; Gerste wird nur wenig gebaut.

Bei willkürlichem Betrieb wird der Flanderpflug und die Walze allgemein angewendet; zur Düngung der Felder benützt man außer den gewöhnlichen Düngungsmitteln auch Gyps und etwas Compost; übrigens ist das Brennen der Felder noch allgemein im Gebrauch. Bei einer ziemlich stärkeren Aussaat als in den nahe gelegenen Orten Alt- und Neu-Hengstett liefert ein Morgen durchschnittlich 6 bis 10 Schffl. Dinkel, 6–8 Schffl. Hafer und 4–5 Schffl. Roggen. Von den Felderzeugnissen werden hauptsächlich Kartoffeln, Hanf und Flachs verkauft; während man die Getreidefrüchte meist im Ort selbst verbraucht. Die Preise eines Morgens Acker bewegen sich von 60–200 fl. und die Wiesenpreise von 90–200 fl.

Der Wiesenbau, dem keine Wässerung zukommt, ist ziemlich ausgedehnt und liefert 25 Centner Heu und 10 Centner Öhmd per Morgen; die sogen. Ackerwiesen ertragen jedoch nur 10 Centner Heu und 2–3 Centner Öhmd.

Die verhältnißmäßig ziemlich ausgedehnte Obstzucht, welche sich hauptsächlich mit Luiken, Goldparmänen, Knausbirnen, Palmischbirnen, Bratbirnen, Holzbirnen und etwas Zwetschgen beschäftigt, erlaubt in guten Jahrgängen einen nicht unbeträchtlichen Verkauf nach Außen. Die Jungstämme zieht jeder Güterbesitzer selbst nach. Die Gemeinde besitzt gegen 80 Morgen Waldungen, deren jährlicher Ertrag für den Gemeindebedarf verwendet wird.

Die Weiden gehören mit wenig Ausnahmen 2 Bürgern, welche etwa 100 Stück Schafe darauf laufen lassen.

| Der aus einer rothen Landrace bestehende Rindviehstand ist ziemlich beträchtlich und wird durch 2 Farren, die ein Bürger Namens der Gemeinde hält, nachgezüchtet. Der Handel mit Vieh, namentlich auch mit gemästetem Zugvieh, ist ziemlich beträchtlich.

Eigentliche Schweinezucht besteht nicht, indem die Ferkel auswärts gekauft und theils für den eigenen Bedarf, theils zum Verkauf gemästet werden. Die Zucht der Bienen, der Ziegen und des Geflügels ist von keiner Bedeutung.

Über das Vermögen der Gemeinde- und Stiftungspflege s. Tabelle III. Gegenwärtig erhalten etwa 10 Personen Unterstützung von der Gemeinde.

Im Gemeindewald Oberholz befinden sich 6 wohlerhaltene Grabhügel; in der Nähe zieht die alte Straße von Simmozheim nach Hirschau, unter der Benennung „Herbichgäßle“ vorüber.

Ottenbronn kommt als Ottenbrunnan, in gleichzeitiger Aufzeichnung im Jahr 1075 erstmals vor in dem Bestätigungsbrief K. Heinrichs IV. für das Kloster Hirschau unter den Gütern, welche Graf Adalbert von Calw diesem Kloster neu hinzugestiftet hatte (Wirt. Urk.Buch 1, 279). Indeß wird der Ort schon unter den frühesten Widemsgütern des genannten Klosters aus dem Anfang des 9. Jahrhunderts aufgeführt (Cod. Hirsaug. 25a).

Die ursprünglich gräflich Calwische Hoheit über denselben war an die Markgrafen von Baden übergegangen, als den 23. Mai 1457 Markgraf Karl von Baden an das Kloster abtrat das Dorf Ottenbronn mit Beden, Steuern, Diensten, Holz, Feld, Wasser, Wonne, Weide und anderer Herrlichkeit, Gerechtigkeit und Zugehör, wie er und seine Vorfahren es bisher inne hatten, wofür er von dem Kloster Eigenschaft, Vogtei, Herrlichkeit, Rechte, Nutzungen und Gefälle in Unterhaugstett, Weiler, Schöllbronn und Hohenwart erhielt (Besold Docum. 568).

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