Beschreibung des Oberamts Calw/Kapitel B 38

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Teinach,
Gemeinde III. Kl., Dorf mit Bad und Gesundbrunnen, 475 Einw., wor. 9 Kath. – Pfarrfilial von Zavelstein; die Kath. sind nach Weil d. Stadt, O.A. Leonberg, eingepfarrt[1].


An dem Vereinigungspunkt des Röthenbachthälchens mit dem tief eingeschnittenen Teinachthale hat der kleine, in die Länge gebaute Ort, theils in der schmalen Thalebene, theils an dem Ausläufer des zwischen beiden genannten Thälern hinziehenden Embergs eine geschützte, sehr anmuthige Lage. Steile, mit üppigen Nadelwaldungen bewachsene Thalwände erheben sich gegen 700′ hoch über die wiesenreiche Thalebene, deren lebhaftes, saftiges Grün mit dem Schwarzgrün der Waldungen angenehm contrastirt. Durch das vielfältig gekrümmte Thal fließt rasch über Felsen und Geschiebe die muntere Teinach, ein klares, forellenreiches Gebirgsflüßchen, das den Ort mit 2 Armen mehrfach berührt und 3/4 Stunden unterhalb desselben sich mit der Nagold vereinigt. Im Ort selbst mündet der von Nordwesten herkommende Röthenbach ein, der übrigens in trockenen Jahrszeiten versiegt, dagegen bei starken Regengüssen und raschen Schneeabgängen öfters sehr schnell anschwillt und dem Ort gefährlich wird. Auch die Teinach tritt zuweilen aus ihrem Bett und hat namentlich im Jahr 1851 viele Gebäude unter Wasser gesetzt.

| Die Erhebung des Orts über die Meeresfläche beträgt am Eingang in die Kirche 1360 Württ. F. = 1199 Par. F. und die Entfernung von der nordöstlich gelegenen Oberamtsstadt auf dem nächsten Wege über Zavelstein 5/4 Stunden, auf der Landstraße dem Teinach- und Nagold-Thale entlang 2 Stunden. Der Mutterort Zavelstein liegt 1/4 Stunde nördlich von Teinach auf einem vorspringenden Bergrücken, auf dessen äußerster Spitze die großartigen Ruinen der Burg Zavelstein sich erheben[2].

Zwischen den Ortsmarkungen von Sommenhardt, Liebelsberg, Emberg und Zavelstein eingezwängt hatte Teinach bis zum Jahr 1818 keine ordentliche Markung; es war zunächst ein Bestandtheil von Zavelstein, mit dem es jetzt noch kirchlich vereinigt ist, und wohin auch die Verstorbenen beerdigt werden.

Teinach ist der Sitz eines Amtsnotars, welcher dermalen zugleich die Stelle eines Schultheißen versieht; auch wohnen hier ein praktischer Arzt und ein Wundarzt.

Außer der Brunnen- und Badanstalt besteht der Ort meist aus kleinen, mit steinernen Unterstöcken erbauten Wohnungen, die sich an den schmalen, vielfältig gekrümmten Ortswegen unregelmäßig lagern. Nur in der Nähe der Kirche und der Badgebäude erweitert sich die von Calw herführende Straße zu einem freien, ziemlich langen Platz, der von stattlichen Gebäuden umgeben ist und zwar in der Richtung von Osten nach Westen auf der linken Seite, von der Kirche, dem K. Palais und dem Brunnenhaus; auf der rechten Seite steht das Marstallgebäude, das Wirthshaus zum Hirsch und das kürzlich von dem Hirschwirt (Ulrich Mayer) zugekaufte ehemals Firnhaber’sche Haus, der neue Bau und das Badhaus. Im Westen schließt das große Badwirthschaftsgebäude den Platz ab und breitet sich mit seiner Fronte quer über denselben, während unter dem linken Gebäudeflügel eine Durchfahrt, zugleich Vicinalweg nach Breitenberg etc. geöffnet ist. Sämmtliche, auf 3 Seiten den Platz umschließende Gebäude sind durch bedeckte Gänge verbunden, so daß man von dem Marstall um den ganzen Platz herum bis zu der Kirche trockenen Fußes und geschützt gelangen kann, was bei ungünstiger Witterung eine große Annehmlichkeit für die Kurgäste ist. Auch die hinter dem K. Palais stehende sog. Lauberhütte ist mittelst eines | bedeckten Gangs mit dem Brunnenhaus verbunden und somit auch in den Complex der zur Kuranstalt gehörigen Gebäude gezogen.

Die Kirche[3], das erste der genannten Gebäude von 1662–1665 unter Herzog Eberhard III. in einem ganz einfachen Style erbaut, ist geräumig, durchaus im Rococcogeschmack ausgestattet und enthält außer einem in Stein gut ausgeführten Bild des Gekreuzigten, eine Art Altarschrank mit Flügelthüren, die sog. Turris Antonia darstellend, ein kabbalistisches Gemälde, von der Prinzessin Antonia, einer Tochter Herzogs Johann Friedrich (Schwester Eberhards III.), welche 1679 starb, gestiftet[4].

Die für Bad- und Brunnengäste dienenden, dem Staat gehörigen Gebäude sind insbesondere

1) das an die Kirche anschließende K. Palais oder das Herrschaftsgebäude zu Anfang des vorigen Jahrhunderts von Herzog Eberhard Ludwig erneuert und vergrößert, später von Herzog Carl und zuletzt von König Friedrich, dessen Tochter Katharina im J. 1808 als Königin von Westphalen mit glänzendem Gefolge hier wohnte, in | seinem Innern neu eingerichtet. Das lange, zweistockige, aus Holz aufgeführte Gebäude, theilweise über einem Arm der Teinach erbaut, enthält viele ansehnliche Zimmer, welche in neuerer Zeit für Kurgäste im Allgemeinen benützt werden.

2) Der auf der andern Seite stehende Marstall, früher für die Dienerschaft und die Pferde des fürstlichen Hofes bestimmt, dient gegenwärtig in seinen unteren Theilen noch zu Stallungen, in dem obern Stockwerke aber sind geringere Wohnungen für Kurgäste eingerichtet. An diese anschließend sind in Privatbesitz die Gebäude der Wirthschaft zum Hirsch, auf welche

3) der sog. neue Bau folgt, mit der früheren Kronenwirthschaft von Heinrich Firnhaber zum Staatseigenthum erworben, eine größere Anzahl freundlicher Wohnzimmer enthaltend, und anstoßend an das

4) Badhaus, ein in modernem Styl gehaltenes Gebäude, das in seinen unteren Theilen aus Stein, das obere Stockwerk aber aus Holz erbaut ist. Einige Stufen, zu deren Seiten steinerne, mit Blumen gefüllte Körbe stehen, führen zu den von runden Säulen getragenen Eingängen, neben welchen an der Vorderwand des Gebäudes Nischen mit Statuen angebracht sind. Der untere Theil des Gebäudes enthält 12 Gelasse, wovon eines die Badküche bildet, die übrigen aber zu Badkabinetten mit Hahnenbädern und halbversenkten Badwannen eingerichtet sind. Im obern Stock befinden sich Wohnungen für Kurgäste.

5) Das Brunnenhaus, dem Badhause gegenüberstehend, hat mit diesem die gleiche Façade, und vereinigt in seinem untern Raum, welcher ungefähr 9′ tiefer als das Niveau der Straße liegt, die älteren Mineralquellen in der Art, daß um diesen viereckigen, vertieften Raum eine Galerie lauft, von der eine Treppe zu den Quellen führt, welche in steinerne, mit hölzernen Deckeln verschlossene Kästen gefaßt sind.

An das als Trinkhalle dienende Brunnenhaus schließt sich auf der Westseite ein halbkreisförmiger Anbau, als kleinere Trinkhalle, in deren Mitte eine steinerne Brunnenschale angebracht ist, in welche 2 Röhren das durch Teichel hergeleitete Wasser der neueren Mineralquellen Bachquelle und Hirschquelle ergießen. Von diesen beiden Quellen sowie von der Wiesenquelle kann übrigens das Mineralwasser auch unmittelbar an seinem Ursprung aus Röhren getrunken werden, über welchen besondere Bedachungen angebracht sind.

6) Das Badwirthschaftsgebäude, an der Stelle des früheren Gasthofs zur Krone, welcher im Jahr 1835 mit 9 Morgen Gärten und Wiesen, einschließlich verschiedener Holzgerechtigkeiten, | um 23.000 fl. von Heinr. Firnhaber an den Staat verkauft wurde, in den Jahren 1841/42 neu hergestellt; dasselbe ist in guten architektonischen Verhältnissen dreistockig massiv von Stein erbaut, mit einem über dem Haupteingang von Säulen getragenen Balkon. Es enthält neben der Küche und den Wirthschaftsgelassen schöne geräumige Zimmer für die Kurgäste und einen kleinen Saal mit Ausgängen auf den Balkon. An die Rückseite des Gebäudes lehnt sich der im Jahr 1840 massiv ausgeführte neue Saalbau, dessen unteres Stockwerk eine geräumige Küche mit Kesseln zur Erwärmung des von den Quellen hergeleiteten Mineralwassers und 12 Badekabinette, von denen die 2 vordersten mit Douchen versehen sind, enthält. In den obern Räumen befindet sich ein großer, zwei Stockwerke hoher Saal, der mit Säulen und Decorationsmalereien reich geschmückt ist und als Speise- und Unterhaltungssaal dient.

Ein nächst dem Saalbau stehendes langes Gebäude enthält die zur Wirthschaft gehörigen Magazine, Stallungen etc.; auch befindet sich über dem Rindviehstall ein anständig ausgestattetes Gelaß, dessen Boden mit zahlreichen kleinen Löchern durchbohrt ist, um einzelnen Kranken die Kuhstallluft zuzuführen. Den westlichen Schluß dieses Öconomiegebäudes bildet die mit einem kleinen Gewächshaus verbundene Wohnung des Gärtners.

7) Die sog. Lauberhütte, ein 100′ langer, ziemlich breiter bedeckter Gang (Kursaal) hinter dem K. Palais und beinahe parallel mit demselben laufend, dient vorzugsweise zum Spazierengehen bei ungünstiger Witterung. An der Vorderseite des hölzernen Gebäudes führen mehrere Ausgänge zu einer aus schönwüchsigen Linden bestehenden Allee und an beiden Schmalseiten gelangt man durch Ausgänge zu freundlichen, mit Springbrunnen versehenen Anlagen.

8) Die Kaltwasserheilanstalt, im Jahr 1843 neu erbaut, liegt hinter dem zu Wohnungen eingerichteten sog. neuen Bau und ist mittelst eines bedeckten Ganges mit demselben verbunden; das Gebäude enthält ein geräumiges, 41/2′ tiefes Vollbad, vier Badkabinette (2 für das männliche und 2 für das weibliche Geschlecht bestimmt), 2 Douchekabinette mit Strahlregen- und aufsteigender Douche, wie auch eine Vorrichtung zu Begießungen. Von den Douchen ist die eine 12′, die andere 14′ hoch. Die Badräume werden aus einer reichen Quelle gespeist, welche sehr reines, wohlschmeckendes, süßes Wasser, mit einer Temperatur von + 71/2° R. liefert.

Von öffentlichen, der Gemeinde gehörigen Gebäuden ist das im unteren Theil des Dorfs gelegene Schulhaus zu nennen, welches im Jahr 1840 mit einem Aufwand von 3500 fl. neu erbaut | worden, wozu vom Staat 900 fl., durch eine unter den Badgästen veranstaltete Collecte 200 fl. beigetragen und der Gemeinde den 8. Januar 1841 noch eine Collecte in allen evangel. Gemeinden des Landes gestattet wurde. Das Gebäude enthält im unteren Stockwerk ein Gemeinderathszimmer und das örtliche Gefängniß, im obern die Wohngelasse des Schulmeisters und 2 Lehrzimmer, eines für die Volksschule, das andere für die Kleinkinderschule, neben welcher seit 1823 auch eine Industrieschule besteht.

Im Eigenthum der Gemeinde stehen ferner 2 Armenhäuser, ein öffentliches Waschhaus und ein Arrestgebäude.

Neben den Mineralquellen (s. über diese unten) ist der Ort im Überfluß mit vortrefflichem Trink- (Süß-) wasser versehen, welches fünf laufende Brunnen liefern. Unter diesen Süßwasserbrunnen zeichnet sich der vor dem Badwirthschaftsgebäude stehende durch seine Schönheit besonders aus; das Wasser desselben ergießt sich aus einer auf einer Säule ruhenden Schaale in eine unterhalb angebrachte, 10′ im Durchmesser haltende, aus einem Sandstein gearbeitete Hauptschaale. Ein zweiter Brunnen, zwischen der Kirche und dem Palais stehend, ist wegen des hohen Alters der Brunnensäule und Schaalen merkwürdig, welche Herzog Eberhard Ludwig aus den Ruinen des Klosters Hirschau nach Teinach versetzen ließ. Der Brunnen ist im romanischen Styl aus buntem Sandstein ausgeführt und hat 2 über einander stehende 12seitige Schaalen, von denen der Rand der oberen mit verschiedenen Thierköpfen geziert ist und die untere von 4 Löwenköpfen getragen wird.

Die Einwohner von Teinach sind im Allgemeinen körperlich unansehnlich und nicht selten dem Kretinismus unterworfen, der sogar in einzelnen ausgebildeten Formen auftritt; ihr Erwerb besteht, neben etwas Feldbau, meist in Taglohnsarbeiten theils im Ort, theils in den benachbarten Fabriken, in Dienstleistungen für Kurgäste, in Handel mit Sauerwasser und Einsammeln von Beeren in den Waldungen (Heidelbeeren etc.). Von Gewerben befinden sich nur die nöthigsten Handwerker und zwei Krämer im Orte. Auch bestehen im Ort 2 von der Teinach getriebene Mühlen, die obere und die untere Mühle je mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang. Zwei Sägmühlen an der Teinach, die eine auf Emberger, die andere auf Sommenhardter Markung gelegen, sind Eigenthum von Teinacher Bürgern.

Als besondere Erwerbsquellen für Teinach sind übrigens die neuerlich viel besuchten Brunnen- und Badanstalten zu betrachten. Die oben beschriebenen, dem Staate gehörigen Gebäude mit Gastwirthschaft, | Sauerbrunnen, Bädern nebst zugehörigen Gütern, Wiesen, Gärten, Parkanlagen etc. sind von der Staatsfinanzverwaltung in einem Gesammtpacht auf eine bestimmte Reihe von Jahren verliehen; der gegenwärtige Pächter ist Dr. Zipperlen von Stuttgart, welcher sich auch der Leitung der Kaltwasserheilanstalt widmet. Über die Kurzeit wird jedoch gewöhnlich von Staatswegen ein eigener Badarzt aufgestellt; auch hat der Oberamtsarzt von Calw von Amtswegen die Heilanstalten in Teinach überhaupt zu beaufsichtigen. – Zur Unterkunft für Badgäste dient auch der Gasthof zum Hirsch mit Bierbrauerei, ein gut erhaltenes Privatgebäude, das zwar eine weniger glänzende Einrichtung als die Badwirthschaft hat, jedoch von Kurgästen und Reisenden viel besucht wird.

Die klimatischen Verhältnisse sind günstig und die Luft ist frisch, erquickend und wegen der balsamischen Ausdünstung der nahe gelegenen, weit gedehnten Waldungen stärkend; sie stagnirt nie und ist dabei in beständig sanfter Bewegung, während die Berge vor heftigen Stürmen schützen. Den Sommer über herrscht meist eine gemäßigte Wärme, gegen Ende des Sommers aber sind die Morgen und Abende häufig kühl.

Der ziemlich fruchtbare Boden besteht an den Abhängen aus den Zersetzungen des bunten Sandsteins, in der Thalebene aber aus Alluvialgebilden (Humus, Sand, Gerölle etc.), welche sich über dem bunten Sandstein hier abgelagert haben, was die angestellten Bohrversuche hinlänglich bekundeten.

Die Ortsmarkung ist sehr klein, einschließlich des Gebäudeareals nur 601/8 Morgen, wovon ein großer Theil in Staatseigenthum steht.

Auch das Fischrecht in der Teinach, welche gute Forellen liefert, gehört dem Staat und ist an einen Fischer verpachtet.

Die Landwirthschaft beschränkt sich auf den Wiesenbau und den Anbau von Kartoffeln, etwas Hafer und Roggen. In Gärten und Ländern werden die gewöhnlichen Gemüse gezogen. Die Preise eines Morgens Acker bewegen sich von 120–200 fl. und die eines Morgens Wiese von 600–800 fl. Die Brodfrüchte müssen von Außen bezogen werden.

Die Obstzucht, welche sich meist mit späten Sorten, wie Luiken, Zipperlesäpfeln, Bratbirnen, Knausbirnen etc. beschäftigt, ist verhältnißmäßig nicht unbeträchtlich und liefert gewöhnlich guten Ertrag.

Der vorzugsweise aus einer rothen Landrace bestehende Rindviehstand ist nicht von der Ausdehnung, daß derselbe die Haltung eigener Zuchtstiere bedingen würde, die Kühe werden daher zu den Farren der Nachbarorte geführt. Auch der Handel mit Vieh ist von | keinem Belang, dagegen ist der Milchverkauf in die Badanstalt beträchtlich. Ziegen werden ziemlich gehalten und zur Badezeit auch Molken bereitet. Ebenso ist die Bienenzucht neuerlich im Zunehmen.

Durch Vicinalstraßen nach Zavelstein, Röthenbach, Ober-Kollwangen und thalabwärts zu der Nagoldstraße ist Teinach mit der Umgegend hinlänglich in Verbindung gesetzt.

Sowie die Einwohner, mit wenigen Ausnahmen, ziemlich unbemittelt, zum Theil arm sind, indem Mehrere Unterstützung aus der Gemeindekasse genießen, so besitzt auch die Gemeindepflege außer 12 Morgen Waldungen, die auf Sommenhardter Markung liegen, kein Vermögen, daher die jährliche Gemeindeschadensumlage, zu welcher übrigens der Staat von seinen hiesigen Besitzungen erheblich beizutragen hat, sehr bedeutend ist. Die Stiftungspflege besitzt ein kleines Kapitalvermögen und participirt an einer Stiftung der Königin Mathilde von Württemberg, welche in den Jahren 1818–28 mehreremal Teinach besuchte und in ihrem Testament verordnete, daß jährlich die Summe von 200 fl. der Gemeinde Teinach zukommen solle, wovon 150 fl. zur Vertheilung an die Ortsarmen und 50 fl. zur Abhaltung des Jacobifestes bestimmt sind. Außer dieser Stiftung besteht noch eine weitere von Herzog Eberhard III., welcher unterm 1. Juli 1674 ein Kapital von 1000 fl. mit der Verordnung stiftete, daß aus den Zinsen desselben alljährlich 250 Bäder an unbemittelte Kurgäste in Teinach nach dem Ermessen des gemeinschaftlichen Oberamts Calw verabreicht werden sollen.

Das eben erwähnte ländliche Fest, das alljährlich an dem Jacobifeiertage (25. Juli) hier abgehalten wird und nicht nur zur Belustigung der anwesenden Kurgäste Vieles beiträgt, sondern auch Fremde aus der Nähe und Ferne nach Teinach führt, ist der sog. Hahnentanz, Nachmittags 3 Uhr auf dem öffentlichen Platze mit einem Wettlaufe von Bauernburschen und Mädchen beginnend; diesem folgt ein Eselswettrennen, das oft zu komischen Auftritten Veranlassung gibt und große Heiterkeit erregt. Nun geht es an den mit Schalmeien-Musik begleiteten Hahnentanz; eine 9′ hohe Stange wird mitten auf dem Platze aufgestellt, auf deren Spitze in einem hölzernen Gitter ein Hahn eingesperrt ist. Unter diesem Käfig geht seitwärts ein hölzerner Arm ab, an dem ein Brettchen oder hölzerner Teller an Schnüren hängt. Auf dieses Brettchen wird ein mit Wasser gefülltes Glas gestellt und nun tanzen die Bauernbursche mit ihren Mädchen um die Stange, und von Zeit zu Zeit stellt sich ein Paar unter das Brettchen mit dem Glas; hier bückt sich das Mädchen, faßt ihren Tänzer an den Knieriemen, während dieser sich mit den Händen | auf die Schultern des Mädchens stützt und durch einen Sprung in die Höhe, den das Mädchen unterstützt, das Brettchen mit dem Kopfe zu erreichen und das Glas herunterzuwerfen sucht. Wem dieß zuerst dreimal gelingt, der erhält den Hahn, dem noch andere Gegenstände, wie Sacktücher etc. beigefügt sind, als ersten Preis. Zu den Kosten des Festes tragen gewöhnlich die Kurgäste etwas bei, übrigens wird der größere Theil derselben aus der schon oben angeführten Stiftung der verewigten Königin Mathilde bestritten.


Die Teinacher Mineralquellen.

Die Ansiedlung „Teinach“, welcher Name auch dem durchziehenden Bach zukommt, ist ohne Zweifel den hier entspringenden Mineralquellen zu verdanken, welche zu jeder Jahreszeit reichlich fließen. Die Schreibung des Orts aus sehr alter Zeit hat sich nicht erhalten; solche war wohl Taginach vom Mannsnamen Tag, Dag (Förstemann altdeutsches Namenbuch 1, 324. 1141) und Ach (Wasser).

Im J. 1345 erscheint er mit dem gewöhnlichen Namen für solche Quellen als „Wildbad“; damals behielten sich solches die Grafen von Württemberg vor, als sie Zavelstein verpfändeten; in einem Lagerbuch von 1523 wird „die Teinach“ „Vorstatt“ von Zavelstein genannt. Im J. 1472 verlieh Graf Eberhard im Bart dem Hans Huß, Bürger von Calw, wohnhaft in der Tainach, auf 10 Jahre lang den Wasserzins, das Bad daselbst und auch das Umgeld an der Tainach, da das Bad ist, um jährliche 20 Pf. 10 Sch., doch mußte der Pächter den Badbrunnen auf seine Kosten mauern und das Wasser des Sauerbrunnens von andern Wassern scheiden (Steinhofer Wirt. Chr. 3, 202). Herzog Johann Friedrich († 1628), unter welchem die Herrschaft die Badherberge sammt dem Sauerbronnen im J. 1618 für 2339 fl. erkaufte und für jährliche 75 fl. an Daniel Hammerbach verpachtete, ließ den Sauerbrunnen neu herrichten.

Die heilsamen Quellen, verbunden mit der stärkenden Luft und der reizenden Umgegend, haben schon in frühen Zeiten Leidende jeden Standes, namentlich auch des fürstlichen, nach Teinach geführt, um dort Genesung oder Linderung ihrer Gebrechen zu erhalten. Auch von den Mitgliedern des Württ. Regentenhauses wurde Teinach zu verschiedenen Zeiten besucht und schon die Herzoge Eberhard III. († 1674), Eberhard Ludwig († 1733) und Karl († 1793) kamen mehreremale als Kurgäste dahin, was auch zur Verschönerung und Erweiterung des Kurortes beitrug. Herzog Eberhard III. stellte die während des 30jährigen Krieges ganz in Zerfall gekommene Anstalt wieder her und ließ, wie oben erwähnt, auch die Kirche bauen, zu deren Erhaltung | er in seinem Codicill vom 1. Juli 1674 1000 fl. bestimmte. Insbesondere hatte Herzog Eberhard Ludwig, welcher den Sauerbrunnen alljährlich gebrauchte, sein Augenmerk auf Teinach gerichtet; er ließ, nachdem während seiner Minderjährigkeit den 1. Juni 1681 die „Herberge zur Krone“ von dem fürstlichen Kammergut an den bisherigen Bestandwirth Keppler von Calw verkauft worden war, das Herrschaftshaus und das Brunnenhaus in größerer Ausdehnung als zuvor neu aufbauen, den neuen Bau, den Marstall und die von einem Gebäude zu dem andern führenden bedeckten Gänge errichten. Auch die Anlage sämmtlicher Alleen und die Erweiterung der Lauberhütte sind sein Werk.

Im folgenden Jahrhundert, als im Herbst 1787 eine weitere starke Quelle entdeckt worden war, ließ Herzog Karl im J. 1788 viele Verbesserungen vornehmen. Die Wirthe konnten ihren Wein für billigen Preis aus dem Kammerschreibereikeller erhalten, doch sollten sie ihn rein und um billigen Preis ausschenken. Sogar ein Opernhaus von Holz ließ der Herzog errichten, nach kurzer Zeit aber wieder wegführen.

Indessen blieb es der segensreichen Regierung des Königs Wilhelm vorbehalten, Teinach durch Verschönerungen und Verbesserungen, sowie durch Erbohrung neuer Quellen, zu einem der besuchteren Kurorte in Württemberg emporzuheben. Die Verbesserungen begannen im Jahr 1835 und erstreckten sich hauptsächlich auf die Erbauung des neuen Badhauses und Verschönerungen der Gartenanlagen, hierauf folgten die Verbesserungen des Brunnenhauses, der Lauberhütte, die Herstellung des Saalbaues, des Badwirthschaftsgebäudes, der Kaltwasseranstalt, die Erweiterung des Brunnenhauses durch Zuleitung der neu erbohrten Hirsch- und Bachquelle, die Errichtung des Süßwasserbrunnens vor der Badwirthschaft etc.[5]. Durch die neuen Gartenanlagen, die sich mit den früheren sinnig verbinden, hat Teinach außerordentlich gewonnen; sie dehnen sich hauptsächlich in der Nähe des Badhauses, des Saalbaues und der | Lauberhütte aus und sind mit klaren Bassins, in deren Mitte frische Springbrunnen aufsteigen, noch besonders geziert. Zwischen der Lauberhütte und dem Palais ist ein mit alten kräftigen Linden besetzter Platz, in dessen Schatten Tische und Bänke für die Kurgäste errichtet sind. Auf einem Ausläufer des nordwestlich von Teinach gelegenen Embergs ist am Saume des Waldes ein geschmackvoller Pavillon, die Wilhelmshöhe genannt, erbaut, von dem man eine reizende Aussicht in das Teinach-Thal und an das gegenüberliegende malerische Zavelstein genießt. Ein schön geschlängelter Weg führt von Teinach durch Baumgüter nach der Wilhelmshöhe und von da gehen Fußpfade, an denen Ruhesitze angebracht sind, durch den Wald bis auf den Rücken des Bergs, auf dem der freundliche Ort Emberg liegt. Eine besondere Zierde Teinachs sind die prachtvollen Lindenalleen, die von dem Lindenplatz bei der Lauberhütte ausgehen und auf der rechten Seite des anmuthigen Teinach-Thales, anfangs über Felder und an dem Waldsaume fortführen, endlich in einen von Laub- und Nadelhölzern gemischten Wald eingehen und bis zur oberen Teinachbrücke fortsetzen; von hier zieht auf der andern Seite des Thals ebenfalls eine Lindenallee nach Teinach zurück. Dieser beinahe eine Stunde lange Spaziergang wird die große Tour genannt; die kleine Tour geht nur bis zur unteren Teinachbrücke und ist etwa 1/2 Stunde lang. An mehreren Stellen der Lindenallee sind Ruheplätze und freundliche Häuschen angebracht, überdieß findet hier der Wanderer verschiedene Inschriften, welche größtentheils in los herumliegende Felstrümmer eingemeiselt sind; sie rühren durchgängig von ehemaligen Kurgästen her und sprechen die dankbaren Gefühle derselben gegen Teinach[6] und dessen heilsame Quellen sinnig aus. Zur Zeit der Blüthe erfüllen diese zahlreichen Linden das ganze Thal mit Wohlgeruch.

Was nun die verschiedenen Quellen betrifft, welche das in seinen Bestandtheilen etwas ungleiche Mineralwasser, das theils zum Trinken, theils zum Baden gebraucht wird, im Überfluß liefern, so entspringen die älteren, längst im Gebrauch stehenden Brunnen in der Vertiefung des oben beschriebenen Brunnenhauses.

Das Mineralwasser quillt aus einer mächtigen Schichte von Sand und Geröllen des bunten Sandsteins hervor, in welche Sammelkästen eingelassen und ringsum mit Lettendämmen gegen das Eindringen von süßem Wasser verwahrt sind. In den Sammelkästen | steigt das Wasser bis zu einer Höhe von 21/2–3′ und fließt dann durch eiserne Röhren ab; die auf denselben angebrachten Deckel verhindern den Zutritt der Luft und die Entweichung des kohlensauren Gases.

In früheren Zeiten waren nur 4 Sammelkästen vorhanden, von denen man drei (Dächleinskasten, Mittelkasten und Wandkasten) zum Trinken benützte, den Badkasten aber bloß zur Bereitung der Bäder gebrauchte. Das überflüssige Wasser des Mittelkastens und des Wandkastens fließt in einen mitten im Brunnenhause angebrachten Behälter ab, welcher stets zu Jedermanns Gebrauch offen steht. Vom Dächleinskasten wird das überfließende Wasser in einen daneben stehenden, mit schönen Basreliefs gezierten, steinernen Brunnen geleitet, der die sinnreiche Inschrift „Aegrotos sano, sanos recreo“ trägt. Von diesem, im Jahr 1838 eingesetzten Brunnen, sowie von den zum Mittel- und Wandkasten gehörigen Ablaufsbehältern fließt das Sauerwasser in den Badkasten, wo es sich mit den Quellen dieses Kastens vereinigt. Eine weitere früher schon bekannte Quelle, die sog. Tintenquelle, wurde im Jahr 1824 auf’s Neue in einen Kasten gefaßt, aus welchem das überfließende Wasser sich in einen abgesonderten, offenen Behälter ergießt, von wo aus der Überschuß mittelst eines Kanals aus dem Brunnenhaus in einen unterirdischen Behälter geführt und zur Bereitung der Bäder gesammelt wird.

Sämmtliche Sauerwasserquellen, mit Ausnahme der Tintenquelle, stehen in einiger Verbindung mit einander, daher auch das Verhältniß der Wassermenge der einzelnen Kästen zu verschiedenen Zeiten etwas wechselt, und wenn einer der Trinkkästen bis auf eine gewisse Tiefe entleert wird, das Wasser in den andern Kästen durch die Ablaufröhren auszufließen aufhört. Übrigens sind die Quellen von nicht ganz gleichem Mineralgehalt und die des Dächleinskasten, als die kräftigste, wird vorzugsweise von den Kurgästen getrunken. Der Dächleinskasten mit 3 Quellen liefert in einer Minute etwa 4 württ. Schoppen Wasser, der Mittelkasten, mit 4 Quellen, liefert in einer Minute 41/2 Schoppen, und der Wandkasten mit 3 Quellen in einer Minute 3 Schoppen.

Die angeführten 3 Kästen ergießen zusammen in einer Minute durchschnittlich 111/2 Schoppen; übrigens lehrt die Beobachtung, daß die Teinacher Mineralquellen bei anhaltend nasser Witterung etwas reichlicher, bei andauernd trockener Witterung aber etwas spärlicher fließen, ohne jedoch jemals getrübt oder an ihrem inneren Gehalt beeinträchtigt zu werden.

Der Badkasten erhält sein Wasser theils durch eigene schwache Quellen, theils durch die Zuflüsse von den 3 andern Kästen, weßhalb | auch seine Wassermenge nicht genau bestimmt werden kann. Die Temperatur seines Wassers beträgt im Mittel + 7,9°.

In allen 4 Kästen ist das Wasser vollkommen klar und farblos, perlt stark und hat einen angenehmen, rein säuerlichen Geschmack ohne salzigen oder eisenhaften Beigeschmack.

Der Tintenkasten oder die Tintenquelle liefert in einer Minute durchschnittlich 11/2 Schoppen gelblichtes Wasser von einem zusammenziehenden, tintenartigen Geschmack und einem schwachen thonartigen Geruch; es perlt nicht und setzt, wenn es längere Zeit steht, gelblichte Flocken von Eisenoxyd ab.

Die übrigen außerhalb des Brunnenhauses befindlichen Sauerwasser-Quellen, welche die Heilmittel von Teinach in verschiedener Hinsicht vermehrt haben, sind in den letzten Jahrzehnten künstlich erbohrt worden.

Gegen das Ende des Jahrs 1838 wurde das erste Bohrloch nur 24 Schritte südlich von dem Brunnenhause hinuntergetrieben und im Februar 1839 in einer Tiefe von 881/2′ eine reichhaltige Quelle (Laubenquelle), deren Wasser dem der Dächleinsquelle ähnlich ist, erhalten; sie lieferte anfänglich 15 Schoppen, später aber, nachdem die Wiesenquelle erbohrt war, nur noch 5,12 Schoppen Wasser in einer Minute. Im Mai 1841 wurde das Bohrloch noch um 16′ tiefer getrieben und die Wassermenge stieg wieder auf 8 Schoppen in einer Minute, wogegen die Wassermenge der Wiesenquelle abnahm, weßhalb man die sog. Laubenquelle wieder zustopfen ließ.

Die in einer Wiese hinter dem Badhaus gelegene Wiesenquelle wurde in einer Tiefe von 137′ 4″ im Mai 1839 erbohrt; sie lieferte in einer Minute 22,6 Schoppen Wasser, ließ aber, nachdem in einer Entfernung von 300 Schritten ein dritter 140′ tiefer artesischer Brunnen eröffnet wurde, ganz nach, so daß man für gut hielt, diese dritte Quelle wieder zu verstopfen, und nun lieferte die Wiesenquelle 11,08 Schoppen in einer Minute. Auch durch die Eröffnung der Bachquelle (s. unten) wurde die Wiesenquelle sehr beeinträchtigt und erst, nachdem erstere höher gespannt war, nahm die Wiesenquelle wieder zu und liefert gegenwärtig 5 Schoppen in einer Minute. Das Wasser derselben ist ganz klar, es perlt stärker und hat einen erfrischenderen, säuerlicheren Geschmack, als die Wasser der alten Quellen, dagegen aber einen ziemlich starken Eisengeschmack, welcher dasselbe manchen Personen etwas unangenehm macht. Aus der Mündung des Bohrlochs steigen fortwährend zahlreiche Blasen | von kohlensaurem Gas (mit 5 Procent Stickgas gemischt) auf, und erhalten die Oberfläche des Wassers in beständiger Bewegung.

Die Hirschquelle wurde auf der sog. Hirschwiese 190 Schritte oberhalb des Brunnenhauses im Jahr 1841 in einer Tiefe von 88′ 2″ erbohrt; sie lieferte Anfangs 12 Schoppen, später durchschnittlich 6 Schoppen in einer Minute und zeigte nie einen Zusammenhang mit den andern Quellen. Das Wasser ist vollkommen klar, perlt sehr stark und hat einen äußerst angenehmen, rein säuerlichen Geschmack ohne irgend eine Beimengung von Eisen.

Die Bachquelle wurde im Jahr 1841 etwa 60 Schritte von der Hirschquelle und 300 Schritte von der Wiesenquelle in dem Bett der Teinach, der man eine andere Richtung anwies, erbohrt. In einer Tiefe von 59′ erhielt man die ersten Spuren von Sauerwasser, die sich bei 79′ und 85′ bedeutend vermehrten, von 113–127′ nahm der Zufluß in der Art zu, daß bei 127′ das Sauerwasser in reichlichem Strom hervorsprudelte. Während die Bohrungen auf die alten Quellen im Brunnenhause nicht den mindesten Einfluß zeigten, bemerkte man eine kleine Abnahme der Hirschquelle und eine sehr bedeutende bei der weiter entfernten Wiesenquelle, so daß diese nur noch 1 Schoppen Wasser in der Minute lieferte. Nachdem aber der Ausfluß der neu erbohrten Quelle um 2′ höher gespannt wurde, kamen beide Quellen in ihren gegenwärtigen Zustand. Das Wasser der Bachquelle, welche in einer Minute 20 Schoppen liefert, ist klar, perlt stark und hat einen kräftigeren, säuerlicheren Geschmack als alle übrigen Quellen, zugleich aber auch einen eisenhaften Beigeschmack, jedoch in etwas geringerem Grade als die Wiesenquelle.

Mit Ausnahme der Wiesenquelle, welche in den trockenen Jahren 1857 und 1858 bedeutend nachließ, sich jedoch in neuester Zeit wieder ganz erholte, hat in einer langen Reihe von Jahren die Ergiebigkeit der Quellen nur ganz geringe Schwankungen gezeigt. Die Wassermenge der älteren und neueren Sauerwasserquellen berechnet sich zusammen in der Minute durchschnittlich auf 44 Schoppen oder in der Stunde zu 4 Eimer 2 Maas württembergisch.

Betreffend die Wirkungen der Teinacher Heilquellen, welche theils zum Baden, theils zum Trinken benützt werden, so sind dieselben hauptsächlich belebend, stärkend, excitirend und tonisch wirkend. Vieljährige Erfahrung lehrt, daß sie sich in folgenden Fällen als ausnehmend heilsam erwiesen haben: bei allgemeiner Schwäche, sowie partieller Schwäche einzelner Organe und Functionen, Blutmangel (Bleichsucht), Krankheiten des Verdauungsapparats (Unterleibsleiden), Hysterie, Hypochondrie, Melancholie, Geisteszerrüttung, Krankheiten | des Sexualsystems, Nervenkrankheiten, Hämorrhoidalkrankheiten, Menstrualunordnungen, weißer Fluß, Nieren- und Blasenleiden, Arthritis, Rheumatismus, Scrophelkrankheiten, Krankheiten der Athmungswerkzeuge, Lungentuberculosis, gegen welche das Wasser, sowie auch gegen Geschwüre im Kehlkopf schon ganz ausgezeichnete Dienste geleistet hat, Hautkrankheiten, Wassersucht, Scorbut, Mercurialkrankheit etc. (s. hierüber die Gesundbrunnen zu Teinach, von Dr. C. F. Müller in Calw, 2. Aufl. 1846).

Die von Professor Dr. v. Fehling in Stuttgart im J. 1859 neu ausgeführten chemischen Untersuchungen der Teinacher Mineralquellen ergaben Folgendes:

I. Hirschquelle, Temperatur = 9,°0 C. (= 7,°2 R.)

100.000 Gramme Wasser enthalten

kohlensauren Kalk 67,465 Grm.
kohlensaure Magnesia 21,948
kohlensaures Natron 38,665
kohlensaures Eisenoxydul 0,235
Thonerde 0,126
schwefelsaures Natron 10,405
schwefelsaures Kali 2,000
Chlornatrium 5,376
Kieselsäure 5,454
151,671 Grm. Salze.
248,670 Grm. freie Kohlensäure.

1 Liter Wasser enthält bei mittlerem Druck und Quellentemperatur 1373,4 Cub. Cent. freie Kohlensäure.

II. Bachquelle, Temperatur 9,°8 C. (= 7,°8 R.)

100.000 Gr. Wasser enthalten

kohlensauren Kalk 71,569 Grm.
kohlensaure Magnesia 18,205
kohlensaures Natron 59,720
kohlensaures Eisenoxydul 0,766
kohlensaures Manganoxydul 0,116
Thonerde
Spuren.
schwefelsaures Natron 14,450
schwefelsaures Kali 3,246
Chlornatrium 7,390
Kieselsäure 5,770
181,232 Grm. Salze.
277,945 Grm. freie Kohlensäure.

1 Liter Wasser enthält bei mittlerem Druck und Quellentemperatur 1539,5 Cub. Cent. Kohlensäure.

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III. Tintenquelle, Temperatur = 11,°7 C. (= 9,°3 R.)

100.000 Grm. Wasser enthalten

kohlensauren Kalk 3,953 Grm.
kohlensaure Magnesia 1,560
kohlensaures Natron 1,017
kohlensaures Eisenoxydul 1,763
Thonerde 0,071
schwefelsaures Natron 0,203
schwefelsaures Kali 1,476
Chlornatrium 0,487
Kieselsäure 1,050
11,580 Grm. Salze.
9,797 Grm. freie Kohlensäure.

1 Liter Wasser enthält bei mittlerem Druck und Quellentemperatur 54,50 Cub. Cent. freie Kohlensäure.

IV. Wiesenquelle, Temperatur = 10,°4 C. (= 8,°3 R.)

100.000 Grm. Wasser enthalten

kohlensaures Eisenoxydul 1,870 Grm.
kohlensaures Manganoxydul 0,369
Summe der Salze
180,500 Grm.
285,170 Grm. freie Kohlensäure.

1 Liter Wasser enthält bei mittlerem Druck und Quellentemperatur 1582,97 Cub. Cent. freie Kohlensäure.

V. Dächleinsquelle, Temperatur = 9,°7 C. (= 7,°7 R.)

100.000 Grm. Wasser enthalten

kohlensaures Eisenoxydul 0,145 Grm.
Summe der Salze
101,900 Grm.
199,220 Grm. freie Kohlensäure.

1 Liter Wasser enthält bei mittlerem Druck und Quellentemperatur 1102,12 Cub. Cent. freie Kohlensäure.


  1. Die Monographien über Teinach und besonders dessen Sauerbrunnen, welchen letztern schon Tabernämontanus in seinem 1605 gedruckten Wasserschatz beschreibt, sind folgende: Joh. Leporinus Kurze Beschreibung des Deinacher Sauerbronnens Heilbronn 1642, öfters aufgelegt, zuletzt Stuttgart 1716. 8. Mich. Bernh. Valentini, Erinnerung vom Gebrauch der Sauerbronnen in Teinach. Gießen 1685. 8. Joh. Geo. Gmelin (diss. praes. Joh. Zeller) Acidularum Teinacensium examen per reagentia. Tub. 1727. 4. Joh. Andr. u. Georg Andr. Planer, Vatter u. Sohn, Ausführlicher Bericht von dem Deinacher Sauer-Brunnen. Stuttgart 1740. 8. Franc. Christian Lud. Fromann (diss. praes. Phil. Frid. Gmelin) de influxu fodinae Bulacensis in acidulas Deinacenses. Tub. 1758. 4. [Christian Jak. Zahn u. Joh. Georg Zahn] Deinach. Tüb. 1789. 8. Christn. Friedr. Schiler (Diss. praes. Chstn. Glo. Gmelin) Chemische Untersuchung der Teinacher Mineralquellen. Tüb. 1831. 8. Carl Fried. Müller, Beschreibung des Gesundbrunnens zu Teinach. Stuttgart 1834. 8. Dass. 2te verb. Aufl. Stuttgart 1846. 8.
  2. Vergl. die neuerlich durch Hauptmann Bach aufgenommene hier beiliegende Ansicht; eine ältere Ansicht von Teinach und Zavelstein enthält Merians Topogr. Sueviae. 1643.
  3. Der Stadtpfarrer in Zavelstein hat die Verpflichtung, während der Badezeit jeden Sonntag in Teinach zu predigen; früher bestund hier die Stelle eines Badvicarius.
  4. Abt Oetinger von Murrhardt († 1782) hat noch als Spezialsuperintendent in Herrenberg diesem räthselhaften Bild eine eigene Schrift gewidmet, betitelt „öffentliches Denkmal der Lehrtafel einer weyl. Würt. Princessin Antonia in Kupfer gestochen, dessen Original sie von den 10 Abgläntzen Gottes in dem Dainachischen Brunnen in einem prächtigen Gemählde gestiftet u. s. w. Tübingen 1763.“ (Neu herausgegeben – als Abth. 2. Bd. 1 von Oetingers sämmtlichen Schriften – von Ehmann, Stuttgart 1858). Nach Oetinger wollte die Prinzessin durch diese Tafel nicht nur den Kurgästen, sondern auch ganz Württemberg eine sichtbare Predigt halten 1) von der Dreifaltigkeit, 2) von den 7 Geistern Gottes, 3) von Christo; auch soll die Tafel bedeuten, daß wir in Christo das alte und neue Testament in einem Blick zusammenfassen lernen sollen. Über dem Mittelbild stehen in hebräischer Sprache die Worte Psalm 37, 4.: „Habe deine Lust an dem Herrn, der wird dir geben was dein Herz wünschet;“ unter demselben steht ebenfalls in hebräischer Sprache der Name der Stifterin und die Zahl 2005, welche nach der kabbalistischen Buchstabenrechnung aus dem Namen der Prinzessin herauskommt. Auf den Flügelthüren steht einerseits die Stelle Psalm 31, 20., auf der andern Johann Jacob Ströhlin Priester des Herrn zu Münster. Dieser Ströhlin, welcher die Prinzessin in der kabbalistischen Wissenschaft unterrichtete, war der eigentliche Erfinder dieser räthselhaften Darstellungen.
  5. Sowie für das seither zu großer Berühmtheit gelangte und vielbesuchte Wildbad, so wurden auch für Teinach in den Jahren 1835–42[ER 1] unter der Verwaltung des Finanzministers Herdegen (s. dessen Schrift „Württembergs Staatshaushalt“ v. 1848. S. 382 ff.) bedeutende Summen aus den damaligen Finanzüberschüssen nach Verabschiedung mit den Landständen verwendet. Überhaupt wird der von der gegenwärtigen Regierung für die Emporbringung des hiesigen Bades gemachte Aufwand (einschließlich des Ankaufes des Gasthofes zur Krone) im Staatsanzeiger vom 10. Jan. 1858 S. 54 auf 168.218 fl. berechnet.
  6. Eine z. B. von dem Regierungspräsidenten von Gemmingen († 1791) im J. 1786 gesetzt:
    Umbrosa vallis || limpideque fons || et garrule amnis || vosque amica nemora || aeternum valete.

Errata

  1. Auf Seite 350 ist in der Anmerkung statt 1839 zu lesen 1835. Siehe Berichtigung, S. 381.
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