Beschreibung des Oberamts Calw/Kapitel B 41

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Würzbach,
Gemeinde III. Kl. nebst einer Sägmühle und Naislach, 290 Einw.; Pfarrfilial von Altburg.


Die beiden in eine Gemeinde vereinigten Orte haben eine gemeinschaftliche, übrigens sehr ausgedehnte und meist bewaldete Markung.

Würzbach ist auf der Hochfläche zwischen der Enz und der Nagold, und im engeren Sinn zwischen der kleinen Enz und der | Teinach an dem Beginn des Würzbach-Thälchens in einer sanften, wiesenreichen Einsenkung in weit von einander stehenden, freundlichen Häusergruppen, in einer Ausdehnung von 1/4 Stunde hingebaut. Unterhalb des Orts schneidet das Thälchen tiefer ein und trennt das nur einige 100 Schritte entfernte Naislach, das auf der entgegengesetzten Seite des Thales auf einem wohlgerundeten, steil abfallenden Vorsprung liegt.

Naislach, welches der Sitz eines Revierförsters ist, besteht nur aus wenigen, meist ansehnlichen, mäßig von einander entfernten Bauernwohnungen.

Auch die Gebäude in Würzbach tragen das ächte Gepräge wohlhäbiger Ländlichkeit und blicken in ihrer meist weißen Tünchung freundlich zwischen Baumgruppen und üppigen Wiesengründen hervor.

Die in der Mitte des Orts gelegene kleine Kirche, welche die Stiftungspflege zu unterhalten hat, ist in einem einfachen Style erbaut und der Chor derselben schließt mit einem halben Sechseck. Auf dem First des Langhauses sitzt ein hölzernes Thürmchen mit schlankem Zeltdache (Dachreiter). Vor dem Eingang steht ein uralter steinerner Weihkessel, ein Zeuge von dem hohen Alter der Kapelle, welche ursprünglich hier gestanden hatte.

Ein Begräbnißplatz ist gegenwärtig noch nicht vorhanden, die Gemeinde beabsichtigt aber demnächst einen anzulegen; die Verstorbenen wurden bis jetzt zu Altburg beerdigt.

Das sehr ansehnliche, im Jahr 1844 neu erbaute Schulhaus enthält ein geräumiges Schulzimmer, die Wohnung des Schulmeisters und ein Zimmer für den Gemeinderath.

Auch ein Armenhaus ist vorhanden.

Ein laufender und mehrere Schöpfbrunnen versehen den Ort mit gutem Trinkwasser, das jedoch in ganz trockenen Sommern schon so nachgelassen hat, daß das Wasser 1/4 Stunde unterhalb des Orts bei der Mühle geholt werden mußte; in Naislach tritt weit öfter Wassermangel ein und die Einwohner sind dann genöthigt, ihr Wasser ebenfalls bei der Mühle zu holen. Der südlich vom Ort beginnende Würzbach fließt der Länge nach durch den Ort, versiegt übrigens häufig.

Die im Allgemeinen körperlich ansehnlichen und gesunden Einwohner theilen sich in Bauern und Taglöhner; ihre Erwerbsquellen sind Feldbau, Viehzucht und besonders ein namhafter Besitz an Waldungen. Der Feldbau ist wegen der rauhen Lage und des minder fruchtbaren, zum Theil naßkalten Bodens, nicht sehr ergiebig und | steht im Ertrag um 1/4 hinter dem auf der angrenzenden Markung Röthenbach zurück. Auch die Art und Weise des Anbaus der Felder, auf welchen das Brennen noch allgemein üblich ist, gleicht dem in Röthenbach, nur wird hier kein Dinkel gebaut und die Obstzucht in geringerer Ausdehnung betrieben.

Die eigentlichen Bauern befinden sich in guten öconomischen Verhältnissen und die Taglöhner finden viele Gelegenheit zum Verdienst, namentlich in den Waldungen. Der ausgedehnteste Güterbesitz in einer Hand beträgt 50 Morgen Felder und 100 Morgen Waldungen; der Mittelbegüterte besitzt etwa 30 Morgen und 60 Morgen Waldungen. Die Preise der Güter bewegen sich bei den Äckern von 40–80 fl. und bei den Wiesen von 80–300 fl. per Morgen.

Der Wiesenbau ist ausgedehnt, liefert aber wegen des meist nassen, moorigen Wiesengrunds geringes, häufig saures Futter. Die Wiesen können mit Ausnahme der sog. Ackerwiesen bewässert werden und ertragen 20 Ctr. Heu und 10 Ctr. Öhmd per Morgen.

Die Rindviehzucht ist mittelmäßig und kann wegen Mangels an Streu und kräftigem Futter nicht in der Ausdehnung gepflegt werden, als sie für die Zwecke der Landwirthschaft erwünscht wäre. Es wird hauptsächlich eine gewöhnliche Landrace gehalten, für deren Nachzucht 2 Farren, der eine in Würzbach, der andere in Naislach aufgestellt sind und von Bürgern Namens der Gemeinde verpflegt werden. Das Vieh wird zuweilen auf die Herbstweide getrieben.

Die Schafzucht ist unbedeutend und eigentliche Schweinezucht besteht nicht, indem die Ferkel auswärts gekauft und meist für den eigenen Bedarf gemästet werden.

Vicinalstraßen führen nach Reichenbach zum Anschluß an die Calw-Wildbader Landstraße nach Agenbach und nach Röthenbach.

Zu der Markung gehören etwa 60 Morgen Torfgrund, der von der Finanzverwaltung an die Stadtgemeinde Calw in Gemeinschaft mit einigen Bürgern von 1840–1850 verpachtet war und ein erprobtes Feurungsmaterial lieferte.

Die Gemeinde ist im Besitz von etwa 1500 Morg. Waldungen, die jährlich 900 Klafter ertragen, hievon erhält jeder Bürger 3 Kl.; der Rest wird verkauft, was der Gemeindekasse eine Einnahme von 2000–4000 fl. sichert. Überdieß wurden im Jahr 1852 von 900 Morgen Gemeindewald jedem eigentlichen Bauern 50 und jedem Taglöhner 5 Morgen ausgetheilt, auch erhielt für eine frühere Holzgerechtigkeit jeder berechtigte Bauer 51/2 Morgen Wald.

Gemeindeschaden wird keiner umgelegt und nur 6 Personen erhalten | dermalen Unterstützung von Seiten der Gemeinde (über das Vermögen der Gemeinde- und Stiftungspflege s. Tab. III.).

Die zur Gemeinde gehörige Sägmühle liegt etwa 1/2 Stunde nordwestlich von Naislach.

Bei Naislach stand früher ein fürstliches Jagdschlößchen, welches namentlich zur Zeit der Auerhahnenfalze zum Aufenthalt diente; dasselbe ist nun bis auf einen Schutthügel abgegangen. Herzog Eberhard III. ertauschte 1645 von Jacob Friedrich von Bouwinghausen dessen Auerhahnenfalz zu N. gegen anderweitiges Jagen.

Würzbach und Naislach hatten gleiche Schicksale wie Zavelstein. – Ersteres kommt schon im Anfang des 9. Jahrhunderts unter den Neidensgütern des Klosters Hirschau vor. Diesem Kloster erlaubte Graf Eberhard von Württemberg im Jahr 1411 in Würzbach eine Kapelle zu weihen, doch mit Vorbehalt aller Rechte der Mutterkirche.

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