Beschreibung des Oberamts Canstatt/Kapitel A 2

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II. Geschichtlicher Überblick.


a. Ältere kirchliche Verhältnisse.

Wir schicken den politischen Verhältnissen hier die kirchlichen voraus, weil sich jene aus diesen erklären. Der Bezirk von Canstatt ist unstreitig einer von denjenigen, wo das Christenthum am frühesten in den diesseitigen Gegenden, wahrscheinlich schon unter den Römern, Wurzel gefaßt hat. Es gehören namentlich die Kirchen der Stadt Canstatt zu den ältesten des Landes, wie dieß schon aus dem großen Umkreise erhellt, der in dieselben eingepfarrt war. Gleichwohl hat man von einer Kirche zu Zatzenhausen viel ältere Nachrichten, als von jenen, denn, wie wir nachher sehen werden, ist derselben schon i. J. 789 gedacht. Der ganze Oberamtsbezirk gehörte bis zur Reformation zu dem Bisthum Constanz, und fiel in diesem unter folgende Eintheilung:

1. Archidiakonat vor dem Wald.

Landkapitel Canstatt. Mit Ausnahme der beiden nachgenannten Pfarreyen gehörte der ganze Bezirk zu diesem| Capitel; dasselbe wurde auch das Landcapitel Schmidheim oder Waiblingen genannt. Eine Urkunde von 1273, worin des Capitels zuerst Erwähnung geschieht, ist gesiegelt mit dem Siegel nobilis viri Ulrici Comitis de Wirtemberg et Sigillo Capituli nostri de Smidehain. In einer Urkunde von 1280 stehen dagegen als Zeugen: B. Decanus in Altenburc (b. Canstatt), der Camerarius in Mülhausen, die Plebani und Viceplebani in Uffkirchen, Kannestat, Durenken (Türkheim), Weiblingen und Schmidheim, ceterique confratres capituli Weiblingensis. Der Name „Landcapitel Canstatt“ ist aber der häufigere. Der Grund der verschiedenen Benennung ist zweifelhaft, daß es nicht in dem Wechsel der Dekane lag, ist schon früher nachgewiesen worden. Nach einem Document ohne Datum verlieh Graf Ulrich den Priestern von dem „Capitel des Dekanats zu Cannstatt" die Gnade über ihr Eigenthum frey zu verfügen.

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Das Capitel war eines der größten in dem Bisthum Constanz; es umfaßte über 60 Pfarreyen. Ein Verzeichniß derselben ist in Neugarts Episc. Const. und mit Ergänzungen in der Schrift: Canstatt und seine Umgebung von Memminger, zu finden. Das Neugartische Verzeichniß ist übrigens nicht ohne Mängel, es wird z. B. Sindelfingen in das Kapitel gesetzt, das zu dem Capitel Böblingen gehörte, und von Neugart selbst auch unter diesem Capitel wieder aufgeführt wird. Die Grenzen des Capitels liefen von der Höhe hinter dem Schlosse Würtemberg nach Uhlbach und längs dem Bache nach Ober-Türkheim hinab, von da hinüber nach Hedelfingen, das jedoch ausgeschlossen blieb, und nach Roracker, sodann über den Bopser weg, hinüber auf den Hasenberg und an die Quellen der Glems, sofort an dem linken Ufer der Glems hinab, und von diesem hinüber nach dem Asberg und rechts von diesem und an Egolsheim vorüber, oberhalb Weihingen über den Neckar, von da über die Höhe zwischen der Rems und der Murr nach der Wißlauf und an dieser hinab ins Remsthal oberhalb Schorndorf, von hier endlich über die Höhe des Schurwalds| wieder gegen das Schloß Würtemberg hin. Diese Grenzen sind merkwürdig, denn sie scheiden zugleich auf einer langen Linie die Diözese Constanz von der Diözese Speyer, und waren auf dieser Linie zugleich die Grenzen zwischen Allemannien und dem alten Ost- und West-Franken. Auf der Seite von Schorndorf grenzte die Diözese an die von Augsburg an.

II. Archidiakonat Alp.

Landcapitel Eßlingen oder Nellingen. In dieses Capitel gehörten die Pfarreyen Schanbach und Hedelfingen.

Eine gänzliche Veränderung brachte in diese Eintheilung die Reformation. Letztere wurde in dem Bezirke zu gleicher Zeit wie in dem übrigen Herzogthum eingeführt. In dem damals edelmännischen Dorf Stetten geschah ihre Einführung noch etwas früher, in Mühlhausen dagegen später und die gleichfalls edelmännischen Orte Hofen und Oeffingen blieben bei der katholischen Kirche. Aus dem alten Landcapitel wurde in möglichster Übereinstimmung mit den weltlichen Amtsbezirken evangelische Dekanate gebildet, die kath. Orte wurden nachher dem Landcapitel Neuhausen zugetheilt. Die Parochial-Verhältnisse erlitten im Laufe der Zeit, wie wir bei den einzelnen Orten sehen werden, ebenfalls manche Veränderungen. In der ersten Zeit nach der Reformation von 1540 bis 1560 war der Pfarrer zu Felbach Dekan.

2. Ältere politische Verhältnisse und Bildung des Oberamtsbezirks.
Bey keinem Bezirke ist es weniger zweifelhaft, als bey dem von Canstatt, daß die Römer darin geherrscht haben. Die Beweise wird einer der folgenden Abschnitte liefern. Wie lange die Römische Herrschaft gedauert habe, ist ungewiß, immer aber mag sie mit abwechselndem Glücke von der Mitte des zweyten bis in das vierte Jahrhundert bestanden haben. Nach der Vertreibung der Römer fiel der Bezirk bald unter fränkische Herrschaft, jedoch behaupteten sich die alten| Allemannischen Herzoge noch als Herren darin, bis das schwere Gericht zu Canstatt 746 sie vollends unterdrückte. Um diese Zeit scheint der Bezirk von den fränkischen Herrschern incamerirt worden und längere Zeit königliches Eigenthum gewesen zu seyn, bis allmählig theils in den königlichen Beamten, theils in den mächtigern Gutsbesitzern wieder eigene Herren entstanden sind. In den Jahren 708, 746, 777 wird Canstatt, 779 Oeffingen 788 und 789 Zatzenhausen mit Namen genannt.

Der Gau, wozu der Bezirk gehört hat, ist sehr ungewiß, überhaupt haben sich die ältern politischen Verhältnisse fast gänzlich verwischt. Und doch forscht man um so begieriger darnach, da das Stammschloß Würtemberg in dem Bezirke gelegen hatte. Nur von zwey Orten ist noch urkundlich der Gau bemerkt, zu dem sie gehört haben, von Zatzenhausen und Oeffingen, wenn anders unser Oeffingen gemeint ist. Es kommt nämlich in dem Lorscher Codex ein Uffingen 779, und Zatzenhausen 789, als im Neckargau gelegen vor. Eben dieses Zatzenhausen aber wird in den Bebenhäuser Annalen mit Viesenhausen, Kornwestheim, Zuffenhausen etc. in den Glemsgau gesetzt. Ludwig reliq. Mss. VI. 258. Somit hätten wir zwar die Namen zweier Gaue; allein die Benennung Neckargau hatte unverkennbar nur eine topographische Bedeutung, und eben so scheint auch der Name Glemsgau, wenn nicht immer, doch schon frühzeitig keine politische Bedeutung mehr gehabt zu haben, da er sogar unter zwey Herzogthümer vertheilt war.

Wenn die Beobachtung richtig ist, daß die kirchliche Eintheilung in Übereinstimmung mit der politischen gestanden und die Gaue den Landcapiteln entsprochen haben, so zeigen uns die oben bezeichneten Grenzen wenigstens noch den Umfang des Gaues an, wozu unser Bezirk gehört hat. Innerhalb dieser Grenzen liegt das Remsthal, von Schorndorf an, bis zur Ausmündung des Thals; es liegen darin namentlich die Orte Winterbach und Waiblingen. Nach einer Urkunde von 1080 aber schenkt K. Heinrich IV. dem| Bisthum Speyer Duo praedia in pago Ramesdal sita, videlicet Winterbach et Weibelingen in comitatu Popponis. Kremer Rhein. Franzien S. 87. Hier hätten wir also einen Remsthalgau mit einem Gaugrafen Namens Poppo und mit Orten, welche zum Canstatter Landcapitel gehört haben, zu Canstatt selber aber befand sich die alte Mahlstätte, deren Andenken sich in dem Landgericht daselbst erhalten hat, s. Canstatt. Man wird dadurch zu dem Schlusse berechtigt, daß der Remsthalgau derjenige Gau gewesen sey, der dem Canstatter Landcapitel entsprach, und dessen Gaustätte Canstatt war. Indeß kommt man auch hier wieder auf Zweifel und Anstände: Zatzenhausen und alle weiter nach Westen jenseits der Canstatter Höhen gelegenen Orte des Landcapitels: Gerlingen, Möglingen, Münchingen, Ditzingen, gehörten zu dem Glemsgau. Man muß also entweder sich der gewagten Vermuthung hingeben, daß dieser Strich später erst zu dem Canstatter Landcapitel geschlagen worden sey, oder aber annehmen, daß die Benennung Glemsgau, und vielleicht eben so auch die von Remsgau keine politische Bedeutung gehabt habe und daß beyde Namen wieder blos geographische Bezirke bezeichnen, welche theilweise zu dem Canstatter Gaubezirke gehört haben. Zu der letztern Vermuthung wird man um so mehr veranlaßt, als 1) Zatzenhausen schon unter den Römern in der nächsten Verbindung mit Canstatt gestanden, 2) die Mahlstatt des Canstatter Gaubezirks sich auf derselben Höhe, welche den Glemsgau und Remsgau geschieden haben müßte, zwischen Canstatt und Zatzenhausen, sich befunden hat, und somit auf der äussersten Gaugrenze sich befunden haben würde, was nicht wahrscheinlich ist.

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Aus den Gaugrafschaften entsprangen die erblichen Grafschaften der mächtigern gaugräflichen oder anderer vom Glücke begünstigter Häuser, und so scheint auch die Grafschaft Würtemberg aus der alten Gaugrafschaft des Bezirks, wenigstens was die gräflichen Rechte betrifft, hervorgegangen zu seyn. Nach der oben angeführten Urkunde hieß der Graf in dem| Remsthalgau 1080 Poppo. Sein Geschlecht ist unbekannt, weder vor noch nach ihm kommt ein Gaugraf vor. Dagegen erscheint kurze Zeit nachher, 1090, der Name Würtemberg, und die Besitzungen, welche man nachher bey dem Würtembergischen Hause findet, stimmen genau mit dem bezeichneten Umfange des Landcapitels C. überein, wozu auch das Remsthal gehörte. Nur der Bezirk jenseits der Canstatter Heiden, der zum Glemsgau gerechnet wurde, gehörte ursprünglich nicht zu ihren Besitzungen, er scheint schon frühe losgerissen und erst in späterer Zeit von Würtemberg erworben zu seyn. Ursprünglich herrschten, wie Alles annehmen läßt, über diesen Bezirk die Grafen von Calw mit ihren Stammsgenossen, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie schon unter den fränkischen Königen hier festen Fuß gewonnen haben[1].

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In dem diesseitigen größern Bezirke aber waren mit wenigen Ausnahmen die Grafen von Würtemberg allein Herren. Es gab zwar mehrere adelige Geschlechter, namentlich die von Stetten, v. Rommelshausen, v. Felbach, v. Mühlhausen, v. Altenburg, v. Brie, v. Stein, v. Cannstatt, v. Berg, und v. Bernhausen, aber sie standen mit ihren, überdieß meist sehr beschränkten, Besitzungen, alle in einem untergeordneten Verhältnisse zu Würtemberg; höchstens möchten die von Bernhausen, welche Roracker und Sillenbuch besaßen, auszunehmen seyn. Sie sind auch nebst den Schilling von Canstatt das einzige Geschlecht, das sich bis auf unsere Zeiten erhalten hat. Klöster gab es keine im ganzen Bezirke, das benachbarte Stift| Beutelsbach ausgenommen, das jedoch immer in bescheidener Beschränktheit erhalten wurde. Wohl aber hatten manche auswärtige Stifte und Klöster an dem Besitze des Grundeigenthums, „in optima terrae medulla,“ Theil zu nehmen gewußt.

Der alte Vogtey- oder Amts-Bezirk Canstatt erfuhr im Laufe der Zeit mancherley Veränderungen; nach einem Landbuche von 1624 bestand er damals aus folgenden Orten: Canstatt, Felbach, Hedelfingen, Münster, O. Türkheim, Roracker, Rommelshausen, Rotenberg, Sillenbuch, Uhlbach, U. Türkheim, sodann Zuffenhausen und Kornwestheim, die jedoch ursprünglich nicht dazu gehört haben. Bey der Bildung des Oberamts Ludwigsburg 1718 kamen Kornwestheim und Zuffenhausen von Canstatt an Ludwigsburg, dagegen Feuerbach von Stuttgart, Weil im Dorf von Leonberg, und Schmiden von Waiblingen an Canstatt; 1736 wurde Feuerbach wieder Stuttgart zugetheilt, Canstatt erhielt dagegen 1737 Beutelsbach. Auf die Beschwerde der Schorndorfer, daß Beutelsbach von dem Juden Süß verhandelt worden sey, wurde es 1739 zurückgegeben, und dafür Canstatt Zuffenhausen wieder zugetheilt, letzteres 1762 jedoch abermals davon getrennt. 1754 kam der neuerworbene Ort Hofen unter den Canstatter Stab, 1807 wurde Weil im Dorf an Leonberg zurückgegeben, und dafür der ritterschaftliche Ort Mühlhausen und der hofkammerliche Ort Zatzenhausen mit C. verbunden; 1808 kam von Waiblingen das Dorf Hegnach, und von Eßlingen das vormalige Stabsamt Stetten mit Stetten, Schanbach und Lobenroth an das Oberamt; 1810 endlich wurde auch der von Bayern abgetretene Ort Oeffingen damit verbunden, Hegnach dagegen wieder an Waiblingen abgetreten.

3. Besondere Schicksale des Oberamts.
In Folge seiner Lage war der Bezirk immer allem Kriegsungemach ausgesetzt. Die Vertreibung der Römer, der Zug Attilas, die Kämpfe zwischen den Franken und| Allemannen, so wie die spätern unter den Hohenstaufen etc., der verheerende Zug des K. Rudolph 1286 und 1287, der Angriff auf den Grafen Eberhard I. durch Conrad von Weinsberg 1311, die nachherigen Städtekriege, die Vertreibung Herzogs Ulrichs durch den Schwäbischen Bund, wie viel Ungemach brachten sie nicht über den Bezirk! Mehr als einmal ward selbst die darin gelegene Stammburg zerstört. Minder hart, als manche andere Gegenden, scheint der Bezirk durch den 30jährigen Krieg betroffen worden zu seyn; aber deßwegen war die Noth und das Elend, das dadurch verbreitet wurde, immer noch unbeschreiblich groß. Eben so wurde die Gegend durch die verheerenden Einfälle der Franzosen 1688, 1693 und noch 1707 hart heimgesucht. Besonders schwer aber lasteten die letzten französischen Kriege auf ihr. Die Amtsstadt war derjenige Etappenplatz, auf welchen die Heere unaufhörlich von allen Seiten zuströmten. Es gibt fast keine Nation und keine Waffe, bis auf die Bogenschützen hinaus, deren Bekanntschaft die Einwohner des Bezirks nicht gemacht hätten. Im Jahr 1796 war sie kurze Zeit selbst der Kriegsschauplatz, und am 21. July fiel hier das blutige Treffen vor, wovon bey Canstatt noch weiter die Rede seyn wird. Die meisten Amtsorte litten dabey mehr oder weniger durch Plünderung. Durchmärsche, Einquartirungen, Lieferungen und Leistungen aller Art waren von nun an bis ins Jahr 1816 das Loos des Bezirks. Was in den ersten Jahren, so lange das österreichische Heer noch auf eigene Kosten lebte, erworben worden war, das ging nun alles vielfach wieder verloren. Das öffentliche und Privat-Vermögen ward auf eine Weise erschöpft, die man kaum für möglich halten sollte. Der Kriegsschaden von Stadt und Amt belief sich schon bis 1798 auf eine Million Gulden. Innerhalb 8 Jahren zwischen 1798 und 1811 wurden 800.633 fl. Amts- und Gemeinde-Schaden auf die Amtsangehörigen umgelegt, daneben wurden noch von den Körperschaften ansehnliche Schulden gemacht. Die Zahl der Einquartirten belief sich allein von 1809 bis 1811 auf 336.817 Mann, 71 Generale und 12.975| Offiziere, mit 193.826 Pferden. Die der folgenden Jahre war nicht geringer, 1812 zog das große französische Heer nach Rußland durch, ein zweites im Frühjahr 1813, im Winter 1813/14 das russische und nach ihm wieder ein österreichisches. Von jedem Heere verweilte immer ein Theil auch längere Zeit in Canstatt, s. Canstatt.
3. Alterthümer.
a. Römische.

Straßen. Wie noch jetzt Canstatt der Mittelpunkt aller Hauptstraßen des Landes ist, so war es schon zu der Römer Zeit. Ein alter Weg zwischen Canstatt und Münster heißt in den Lagerbüchern noch „der Heidenweg,“ eine über das Altenburger Feld bey Canstatt hinführende alte Straße „die Steinstraße,“ ein von Zatzenhausen ausgehender alter Fahrweg, „der steinerne Weg.“ Kenner des Alterthums aber wissen, was diese Benennungen zu bedeuten haben, und mehrfach angestellte Untersuchungen und zufällige Beobachtungen bestätigen ihre Bedeutung. Auf der Berghöhe hinter Rotenberg zieht eine Straße in der Richtung nach Hohenstaufen hin, die noch jetzt zwischen der Catharinenlinde und dem Weiler Rüdern die „Römerstraße,“ weiterhin die Kaiserstraße genannt wird. Oberhalb Hedelfingen bey Weil wurde 1819 die Entdeckung eines vollkommenen römischen Hochsträßes (Stratum) gemacht, und zu Canstatt wurde ein den Straßengöttern geweihter Altar gefunden, wovon weiter unten die Rede seyn wird. Im Ganzen lassen sich folgende Straßenzüge erkennen, die von Canstatt ausgegangen sind, und ohne Zweifel Römisch waren:

1) über Waiblingen nach Aalen, und an die Teufelsmauer; 2) über die Höhe von Rotenberg nach Hohenstaufen, und über Geislingen, Altenstadt an die Lone, ad Lunam; 3) über Weil nach Köngen, einem bekannten Römersitze; 4) über die Altenburger Höhe und die Solitüde durch den Hagenschieß, wo die Straße in ganz gerader Linie fortlief, nach Pforzheim, noch im vorigen Jahrhundert die Poststraße;| 5) über Zatzenhausen nach Besigheim, und 6) über Münster und Mühlhausen nach Marbach.

Dazu kommt wahrscheinlich als 7te Straße noch diejenige, deren Spuren man in dem Schönbuch gefunden hat und die Canstatt mit Rottenburg, einem römischen Hauptsitze in Verbindung setzte.

Gebäude und andere Denkmäler. In und um Canstatt, auf allen den oben genannten Punkten fand man auch und findet noch täglich mehr oder weniger bedeutende Baureste, welche römische Abkunft verrathen und die Wichtigkeit der römischen Niederlassung beweisen. Zu Canstatt etwa tausend Schritte von der Stadt in der Nähe der Uffkirche, wurden zu Anfang des letzten Jahrhunderts, als man die ersten fossilen Knochen ausgrub (was nach neuern Untersuchungen nicht auf dem Seelberge, sondern nördlich von diesem an der Waiblinger Straße geschah) auf einem Hügel, sechseckige 8′ dicke und 80′ lange Mauern ausgegraben, welche von Sattler für die Grundmauern eines Römischen Tempels erklärt worden sind, wahrscheinlicher aber die eines R. Castells waren[2]. In dem Frösnerischen Badgarten zu Canstatt wurden 1818, aus Veranlassung einer neuen Fassung der Mineralquellen, römische Ziegel und Deichel, ein Kessel, Hahnen, römisches Geschirr, römische Münzen und die kleinen Stütz-Säulen eines Wärmebodens mit Mauerwerken ausgegraben, lauter Gegenstände, welche beweisen, daß schon die Römer bei den dortigen Quellen eine Badeinrichtung hatten. Römische thönerne Wasserleitungs-Röhren wurden auch früher schon in der Stadt und Vorstadt ausgegraben, in der letztern vor einigen Jahren auch ein Basrelief in Werkstein, die Minerva und den Merkur mit dem Beutel darstellend. Auf dem Kahlenstein, jetzt Rosenstein genannt, wurden bey den Grabarbeiten in der letzten| Zeit unweit des abgebrochenen Chaussee-Hauses auf der Brag die Grundmauern eines Gebäudes mit einem Estrichboden aufgegraben und 20 Schritte davon fand man 2 Brennöfen, ganz nach Art der altrömischen erbaut, weiter hin wurden ein gemauerter runder Schöpfbrunnen und in und um denselben Kohlen, römische Ziegel, Bruchstücke von römischen Gefäßen, besonders von der feineren Art, viele römische Münzen und andere Gegenstände entdeckt. Am reichsten aber an römischen Denkmälern ist das Altenburger Feld, dessen Name schon auf eine römische Niederlassung hinweist, s. Canstatt. Das ganze große Feld steckt hier noch voll von Mauersteinen, obgleich seit Jahrhunderten und bis auf die neuesten Zeiten eine Menge derselben, darunter auch mehrere Säulen schon ausgegraben worden sind. Auf der Oberfläche des Feldes liegen überall umher die Trümmer römischer Gefäße aller Art, römische Münzen werden noch jetzt alljährlich gefunden.

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Zu Zatzenhausen ist schon i. J. 1701 auf einem erhöhten Platze, nördlich von dem Dorfe, der Jungweingart genannt, der ungefähr 80 bis 100 Morgen hält, und sich schon durch seine Lage und Angränzung unterscheidet, der Grundstock eines großen Gebäudes mit mehreren Zimmern entdeckt worden, das für ein römisches Bad erklärt wurde, jedenfalls aber römisch war. Eine ausführliche Beschreibung davon ist bey Sattler in dessen ältester Geschichte S. 236 zu lesen. Schade, daß die darin gefundenen Gegenstände, worunter auch solche mit Inschriften gewesen seyn sollen, zerstreut und verschleudert worden sind. Auf demselben Platze wurden 1819 und 1824 wieder die Reste von andern Gebäuden, Zimmer mit Gußböden und bemalten Wänden, gleich den Zimmerwänden in Pompeji und Herkulanum, und mit derselben Feuerungs- und Heizungs-Einrichtung ausgegraben, die wir nachher noch weiter kennen lernen werden. Es wurden auch verschiedene Gegenstände von Eisen und der Angabe nach eine 2′ hohe Figur von Marmor, die aber zerschlagen wurde, dabey gefunden. Zwey| Brustbilder in halb erhabener Arbeit auf Sandstein besitzt der Verfasser noch. S. Würt. Jahrbücher 1825, S. 70. In Zatzenhausen selbst sind an den Häusern noch ein antiker Kopf und ein Basrelief mit 3 menschlichen Figuren eingemauert zu sehen.

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In der Beschreibung des Dorfs Mühlhausen wird gezeigt werden, wie auf den beyderseitigen Anhöhen von der Ausmündung des Feuerbach-Thals in das Neckarthal sehr wahrscheinlich einst zwey römische Castelle oder Wachthürme gestanden haben. Auf dem dortigen Felde sind auch schon viele römische Münzen und andere Gegenstände gefunden worden. Im J. 1816 wurde zwischen Mühlhausen und Zatzenhausen „beym Nußbäumle“ der Grundstock eines Gebäudes ausgegraben, dessen ganze Einrichtung seinen römischen Ursprung verrieth. Die Grundmauern wurden in einer Länge von 160′ verfolgt, ohne daß man das Ende erreichte. Die Tiefe des Gebäudes war 65′. In diesem Raume wurden noch 11 Gemächer aufgedeckt, welche beynahe alle mit einem bemalten Gyps-Anwurfe bekleidet waren. Bey zweyen, insbesondere aber bey dem einen, fand man noch die vollkommene Einrichtung eines Hypokaustum, (von unten erwärmte Stube) mit Canälen, welche hinter einer Gypsbekleidung in den Ecken des Zimmers hinaufliefen. In einem entferntern Gemach wurden noch 2 Mauerheerde gefunden, in deren einem, wie in dem Bade zu Zazenhausen, ein Kessel eingemauert gewesen zu seyn scheint. Man wollte deßwegen auch dieses Gebäude für eine römische Badanstalt erklären. Allein alle die Einrichtungen, welche auf diese Vermuthung leiten können, hatten offenbar blos den Zweck der Zimmerheizung, und zwar der Heizung durch Dämpfe oder erwärmte Luft, deren Plinius schon erwähnt[3]. Vermuthlich war dieß auch bey dem s. g. Zazenhäuser Bade der Fall; man findet auch weder an dem einen noch an dem andern Ort eine Quelle. Von sonstigen| Gegenständen fand man in dem Gebäude mehrere Scherben von dem rothen R. Geschirr mit Namen, schöne Glasstücke, einige R. Münzen, einen anderthalb Fuß hohen Merkur von Bronze. Nähere Nachrichten über die ganze Entdeckung sind mit einem Risse zu finden in den Würt. Jahrbüchern 1818, S. 100 u. f. Daß das Gebäude nicht allein stand, beweisen andere Mauerreste, die weiter hin überall noch in dem Boden stecken, und es verdient noch bemerkt zu werden, daß der ganze Bezirk den Namen „Mäurach, Mäurich“ führt, eine Benennung, die auch anderwärts vorkömmt, wo röm. Baureste gefunden werden, und die zu Zatzenhausen in „Weyhrich“ verwandelt worden ist. Zu Hofen heißt noch ein Platz zwischen der Kapelle und dem Neckar „im Heidenschloß“, und es sind von Zeit zu Zeit Mauerreste daselbst ausgegraben worden.

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Geschirre und Münzen. Überall in der Umgegend von Canstatt, hauptsächlich aber auf dem linken Neckar-Ufer auf dem Altenburger Felde, zu Zatzenhausen, Mühlhausen werden auch, wie bereits bemerkt worden ist, Töpfergeschirr und Münzen in Menge gefunden. Von den Gefäßen tragen viele den Namen der Töpfer. Neben dem feinsten Tafelgeschirre wurden Reste von Amphoren ausgegraben, welche einen Umfang von 6 bis 7 Schuh anzeigen. Die feinern Gefäße sind von der schönen rothen s. g. Samischen Erde, meist mit erhabenen Figuren geziert. Merkwürdig besonders ist die von dem Verfasser selbst 1817 auf dem Altenburger Felde gemachte Entdeckung einer Töpferwerkstätte, bey der sich außer den Resten von Brennöfen und einer Menge zum Theil mißrathener Gefäße, sogar noch die Töpfergruben mit zubereiteter Erde gefüllt, fanden. Diese Entdeckung liefert den Beweis, daß die R. Gefäße theilweise wenigstens bey uns an Ort und Stelle selbst verfertigt worden sind. In der Nähe des Platzes liegt auch noch ein gemauerter runder noch ungefähr 50′ tiefer Schöpfbrunnen verborgen. Auch ist unter anderem zu gleicher Zeit mit Epheu bekränzter Silenkopf von Bronze gefunden| worden. Die Münzen sind theils eherne, theils silberne und goldene. Sie gehen von den letzten Zeiten der Republik bis in das 4te Jahrhundert herab; sogar von dem Kaiser Honorius wurden in Canstatt noch 2 Goldmünzen gefunden, die jedoch schwerlich von den Römern selbst zurück geblieben sind. Die meisten Münzen sind von Kaisern und Kaiserinnen aus dem 2ten und 3ten Jahrhundert, die allermeisten von Antoninus Pius, der von 161 bis 180 regierte.

Grabstätten. Ein merkwürdiger Begräbnißplatz ist von dem Verfasser 1817 mit ganzen Reihen von Gräbern auf dem Altenburger Felde bey Canstatt entdeckt worden. Es fanden sich hier in jedem Grabe regelmäßig 2 Lampen, ganz denen ähnlich, wie sie in Pompeji und Herkulanum gefunden werden (Lucernae sepulcrales), meist von Thon, eine auch von Glas, Aschenkrüge, Trink- und Eß-Geschirre, Salbengefäße, R. Münzen (zur Überfahrt in das Schattenreich), Reste von Kohlen und verbrannten Gebeinen, Reste von Holz, eiserne Nägel (von dem Loculus) und Thierknochen von den Leichenmahlen und Opfern. Die von Kohlen schwarz gefärbte Erde war der Leiter für die Nachgrabungen. Ausführlichere Nachrichten von diesen Entdeckungen sind zu finden in den Würt. Jahrbüchern 1813 S. 100 u. ff., und 1820 S. 172.

Auch an dem Wege bey Zatzenhausen wurde im vorigen Jahrhundert eine Reihe von Grablagen gefunden; sie waren nach Sattlers Beschreibung (Ält. Gesch. S. 510) an beyden Seiten gemauert und mit steinernen Platten zugedeckt, und in denselben lagen ganze Todtengerippe. Ein großer Hügel bey der Catharinen-Linde hinter Rotenberg hat sich durch Untersuchungen ebenfalls als Grabhügel ausgewiesen. Näher bey Rotenberg stand ein Tannenhügel, der einem künstlichen Aufwurf glich. Als er bey der Urbarmachung des Bezirks 1820 abgehoben wurde, fand man darin viele eherne Ringe von verschiedener Größe, eine große| Zahl kleiner Gefäßchen, 1 bis 2 Zoll große Figürchen von Menschen und Thieren, von dem gleichen Metalle gegossen, welche mit Haften zum Anfassen versehen, und wobey an den menschlichen Figuren die Geschlechtstheile besonders stark ausgedrückt waren. Weiter hin fand man 2 menschliche Gerippe, welche noch Ringe an den Fuß- und Arm-Knochen hatten, zu beiden Seiten des Kopfes des einen lagen je 2 rein goldene Ringe, auch wurde dabey eine mit einem Sandstein bedeckte und mit Erde oder Asche gefüllte Urne gefunden. Das zweyte Gerippe war mit Sandsteinen umgeben, die mit Holz gefüttert waren, auf diesen lag wieder ein großer Sandstein. S. Würt. Jahrb. 1820 S. 172 u. ff., und 1823 S. 141 u. ff. Übrigens ist durch neuere Untersuchungen dargethan worden, daß man dergleichen Grabhügel nicht durchaus für römische halten darf.

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Bilder, Altäre und Inschriften. Der Bronzebilder – eines Silens und eines Merkurs, der Basreliefs und anderer Bilder, die zu Canstatt, Mühlhausen und Zatzenhausen gefunden worden sind, ist oben schon erwähnt worden. Ein Basrelief in Werkstein, die Minerva und den Merkur mit dem Beutel darstellend, ist neuerlich in der Vorstadt zu Canstatt ausgegraben worden. Ein merkwürdiges Denkmal, dessen wir hier noch besonders zu gedenken haben, ist das in den Weinbergen zu Felbach aufgefundene Bild, wovon sich in Sattlers ältester Geschichte von W. S. 119 eine Beschreibung und Abbildung finden. Es ist ein Bild auf Sandstein in halb erhabener Arbeit, das eine männliche Figur, die einen Stier unter sich hält, mit verschiedenen Emblemen, 2 Genien mit Sonne und Mond, Hund, Schlange, Skorpion darstellt, welche auf den Mithras-Gottesdienst hinweisen. Zwey ähnliche Bilder mit der Inschrift: Soli Invicto Mithrae wurden zu Böckingen und Murrhard gefunden. Dieser Gottesdienst wurde nach übereinstimmenden Zeugnissen aus Persien unter die Römer verpflanzt. Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, daß er auch| unter den Deutschen diesseits des Rheins einheimisch war. Der Geburtstag des Mithras wurde am 25. December gefeyert; an demselben Tage, unserm Christtage, werden bekanntlich die Geschenke ausgetheilt, die in Gallien am Neujahrstage gegeben werden.

Altäre und Inschriften sind erweislich 4, und zwar alle zu Canstatt aufgefunden worden, drey davon werden noch zu Stuttgart aufbewahrt. Sie sind in Sattlers ältester Geschichte, Tab. IV. X. XXII. abgebildet und dort, so wie in Pregizers Suevia sacra S. 211 etc. beschrieben, und auch in meinem Canstatt weiter abgehandelt.

Der erste Altar ist auf dem Waiblinger Felde zu Canstatt gefunden worden und soll von Andreas Rüttel dem Herzog Ludwig zugestellt worden seyn. Er hat folgende Inschrift.


IN • H • D • D • I • O • M •

GENIO • LOCI • ET • FOR •
TUNAE • DIS • DEAB •
QUE • EMERITIUS
SEXTUS • MILES •
LEGIONIS • XXII •
PR • P • F • SEVERIA
NAE • B • F • COS • PRO
SE • ET • SUIS • POSU
IT • V • L • L • M •
MAXIMO • ET
AELIANO • COS •
IDIBVS • IANU
ARIS •

Der kurze Inhalt ist: Zu Ehren des Kais. Hauses und des großen Jupiters hat diesen Altar dem Schutzgeist des Orts, der Fortuna etc. Emeritius Sextus, Soldat der 22. Legion für sich und die Seinigen gesetzt unter dem Consulat des Maximus und Aelianus, 13. Jan. (223).

| Der zweyte Altar ist, wie Pregizer berichtet, an einer Kirchhofmauer zu Canstatt eingemauert gewesen. Seine Inschrift ist:

IN • H • D • D • IOVI
ET • IVNONI • REG •
GENIO • LOCI •
ET D • D • OMNIB •
P • SEDULIUS •
IULIANUS • MI
LEG • VIII • AUG • Ā
ToNINIANE • BF • CoS •
PRO • SAL • SUA • ET • SUOR.
STATITERATO • POSUIT • IMP
DIVIANTONINIAUGPEVR

Diesen Altar hat also dem Jupiter und der Juno, dem Schutzgeist des Orts und allen Göttern und Göttinnen gesetzt P. Sedulius Julianus, Soldat der 8. Legion. Eine kritische Beleuchtung dieser und anderer Inschriften wird in den Würt. Jahrb. 1831 H. 2. mitgetheilt werden.

Der dritte Altar hat folgende Inschrift:


IN • H • D • D •
BIVIIS • TRIVIIS • QU
ADRIVIIS • SATTO
NIUS • IUVENILIS
B • F • COS • PRO • Sa
LUTE • SUA • ET SUOR
UM • POSUIT • V • S •
LLM. ID • DEC • c r v

Ihr Inhalt ist: Den Göttern der Doppelwege, Dreywege, Kreuzwege hat Sattonius Juvenilis diesen Altar für sein und der Seinigen Heil gesetzt. Die drey letzten Buchstaben werden gelesen: Curator reficiendarum viarum (Straßenbaumeister); sie sind übrigens dermalen nicht| mehr auf dem Stein zu sehen, und es ist fast zu zweifeln, ob sie je darauf gestanden haben, da sie auch in ältern Abschriften fehlen. Pregizer hat C. R. R.

Ein 4ter Altar, der zu Canstatt gefunden worden ist, den aber Sattler und andere vaterländische Schriftsteller nicht haben, hatte die von Gruter, p. 6, 4., aus Apian p. 461, 1. mitgetheilte Inschrift:


IN H • D • D • IOVI
ET • IVNONI • REG •
ET • GENIO LOCI
ET . . . . . .
. . GERIONIS SR
VERVS MIL • LEG •
XXII ANTONIAN
BF • COS • PRO • SVA
ET • SVOR . . . .
. . . DIV . . . .
ANTON . . . . .

Der Sinn ist: dem Jupiter und der Juno und dem Schutzgeist des Orts hat Gerionius (?) Severus, Soldat der 22. Legion diesen Altar für sein und der Seinigen Heil gesetzt. Mehr darüber s. W. Jahrb. a. a. O.

Von einem 5ten Altare, den Juvenius Justinus der Fortuna geweiht hat, ist es zweifelhaft, ob er zu Canstatt oder wo sonst gefunden worden ist.

Nach diesen Denkmälern waren es die 8te und die 22te Legion, welche in unserer Gegend gestanden hatten, die erstere hat sich schon unter Cäsar hervorgethan, die andere in Egypten und bey der Eroberung von Jerusalem sich ausgezeichnet.

Nach der Vertreibung der Römer wurden ihre Werke meist zerstört, auf den Trümmern ihrer zerstörten Thürme und Castelle ließen sich die vornehmen Deutschen nieder,| und es entstanden auf denselben die meisten Burgen, die wir später kennen lernen.
b. Deutsche Alterthümer.

Grabhügel. Hieher gehören ohne Zweifel die oben erwähnten Grabhügel bey der Catharinen-Linde und bey Rotenberg, ferner die Gräber an dem Zatzenhauser Wege und andere hier und da aufgedeckte Grabstätten, die wir hier übergehen, weil sie nichts Seltenes enthalten.

Burgen und Ruinen. Außer den noch bewohnten neueren Schlössern zu Stetten und Mühlhausen und den s. g. Schlößchen zu Hofen und Oeffingen befanden sich, so weit man noch findet, in dem Oberamt folgende Burgen und adelige Sitze: Altenburg, Brye, Stein, Uffkirchen, Seeburg, Bragburg und Spielburg, diese alle in und um Canstatt; sodann Mühlhausen 2., Hofen, Oeffingen, Felbach, Rommelshausen, Stetten, Schanbach, Kernberg bey Rotenberg, Würtemberg, Hedelfingen und Roracker. Außer diesen 19 Sitzen mag es vielleicht noch andere gegeben haben, deren Andenken jetzt ganz erloschen ist. Nur von dreyen sind noch wirkliche Ruinen vorhanden, nämlich von Hofen, Schanbach und Stetten.

Abgegangene Orte. Solche sind: Altenburg, Uffkirchen, Stein und Erbenol bey Canstatt, Immenrode bey Felbach, Lindhalden bey Stetten, und der Hardthof bey Rommelshausen. Andere übergehen wir, weil sie sich nicht beurkunden lassen. Daß es einst, wie überall, viele zerstreute Wohnsitze gegeben habe, wovon zum Theil die einzelne Markungsbezirke noch ihre Namen haben, bedarf keiner Erwähnung mehr.

Der merkwürdigen Steinschrift von dem Schlosse Würtemberg wird hinten näher gedacht werden.

Die naturgeschichtlichen Denkmäler der Vorzeit sind in dem folgenden Abschnitt abgehandelt.


  1. Karlmann strafte auf dem blutigen Gerichtstag zu Canstatt viele allemannische Große um ihre Güter. Calw lag schon innerhalb der fränkischen Grenzen. Von den Besitzungen der Grafen von Calw bis in die Nähe von Canstatt zeugen auch ihre an das Kloster Hirschau gemachte Schenkungen; laut Urkunde von 1075 schenkte Gr. Adelbert v. C. dem Kloster, quae possidebat ad Wile (Weil im Dorf) cum villulis binis Grekkenbach et Blanda (beyde nicht mehr bekannt) et ad Biberbach (Feuerbach) ad Botenanch etc. S. Besold doc. red. p. 518, wo die Urkunde jedoch ziemlich fehlerhaft abgedruckt ist.
  2. Sattlers älteste Gesch. v. W. S. 146, 198 und 218. Leichtlen in seinem Schwaben unter den Römern. S. 160, will ein Amphitheater darin finden.
  3. S. Würt. Jahrbücher 1824, S. 189 u. f.
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