Beschreibung des Oberamts Canstatt/Kapitel B 9

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel B 8 Beschreibung des Oberamts Canstatt Kapitel B 10 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
9. Rommelshausen,


ein evangelisches Pfarrdorf, am Hange der Felbacher Höhe gegen das Remsthal ziemlich uneben gelegen, 2 St. östlich von Canstatt, mit 1305 Einwohner, Hof-Cammeral-Amt Stetten, F. A. Leonberg. Grundherr ist die Königlich Hof-Domänen-Kammer, den Großzehenten und den Heuzehenten bezieht mit ganz geringer Ausnahme die Königl. Hofkammer, eben dieselbe auch den Weinzehenten, den Kleinzehenten hat die Pfarrey zu beziehen. Die Grundgefälle betragen 78 fl. 18 kr. in Geld, 48 Sch. 1/2 Sim. Dinkel, 52 Sch. 51/2 Sim. Haber, 31 Sch. glatte Früchte, und 2 Eim. 14 Imi 7 Ms. Wein, welche die Königl. Hofkammer größtentheils, zum Theil die Stiftungs- und die Gemeindepflege des Orts und die Spital- und Kirchenpflege Eßlingen haben. An vogteylichen Abgaben hat der Ort jährlich 12 fl. 51 kr. zu entrichten.

Der Ort hat ein Rath- und Schulhaus. Die Pfarrkirche St. Veit wird halb von der Stiftungspflege und halb von der Gemeinde, das Pfarrhaus von der Hofkammer gebaut. Die Schule besitzt ein Stiftungs-Capital von 300 fl. für Bücher und Schulgeld. Die Pfarrey ist eine von den ältern, eine Urkunde, die Pfarrwiddumgüter betreffend, v. J. 1455 ist bey Sattler Gr. IV. Beil. 22. § 27. S. 101. zu lesen.

Der Wohlstand der Einwohner hat durch die vormaligen hohen Güterpreise empfindlicher als anderwärts gelitten. Die Nahrung beruht auf Ackerbau und Weinbau; der Ort hat auch mehrere Gewerbe, eine Ölmühle und Hanfreibe, eine Strohhutfabrik, und 8 Schildwirthschaften. Die Strohhutfabrik beschäftigte im vorigen Jahr an 100 Kinder und Erwachsene. Die Anstalt wurde von dem| Strohhutfabrikanten Knoblauch mit Hülfe des würdigen und um das Wohl seiner Pfarrkinder in jeder Beziehung treu besorgten Pfarrers Böhringer im Jahr 1827 gegründet. Anfänglich beschäftigte Knoblauch die Anstalt von Stuttgart aus, im Jahr 1829 ließ er sich selbst zu Rommelshausen nieder, nachdem er bei dem Dorfe ein ausnehmend schön gelegenes Haus nach Schweizer Art gebaut hatte. Sowohl er als die Anstalt hatten sich der besondern Theilnahme und Unterstützung des Königs zu erfreuen. Durch die neuere Nachbarschaft einer gleichen Anstalt zu Stetten ist der Stand der Rommelshauser Anstalt etwas erschwert worden, besonders da jene bis jetzt eine jährliche Unterstützung vom Staat genoßen hat.

Die Ölmühle steht 1/4 Stunde von dem Orte, an dem Haldenbach und der Straße nach Stetten; sie ist unbewohnt und wird nur zeitweise betrieben. Die Gemeinde besitzt ein nicht unbeträchtliches Waldeigenthum.

Rommelshausen ist ein alter Würtembergischer Ort. Es gab übrigens auch Herren von Rommelshausen, die ohne Zweifel ihren Sitz in dem Orte, da wo jetzt der Schafstall steht, hatten; ob aber dieselben je im Besitze von Rommelshausen waren, ist unbekannt; wahrscheinlich besassen sie nur das unter dem Namen Schafhof begriffene Gut, wiewohl auch dieser Besitz nicht beurkundet ist. Sie kommen nur kurze Zeit, und zwar zu Ende des 13ten Jahrhunderts, in Urkunden vor. 1270, da Eglof von Steußlingen seine Herrschaft den Grafen Eberhard und Ulrich v. W. zu Lehen aufträgt, sind Zeugen: Joannes de Rumeltheshusen et Dietherus filius suus, mit Wolf von Stetten, Reinhard und Gerold von Velbach etc. Sattler I. Beyl. 3. Eben dieselben erscheinen auch in demselben Jahre in einer Urkunde der Herzoge Ludwig und Conrad von Teck als Zeugen; 1271 ist der Vater mit Wolf von Stetten Zeuge bey der Schenkung der Grafen Ulrich und Eberhard v. W. an das Kloster Mariaberg Sulger I. 223; 1273 erscheint wieder Johs de Rumeltshusen mit dem Truchseßen Wolfram| von Stetten und a. als Schiedsrichter in einer Streitsache zwischen dem Kloster Madelberg (Adelberg) und der Stadt Waiblingen (Sattler Gr. I. S. 4), und ist derselbe Johannes Zeuge, da Graf Ulrich v. W. das Patronat der Kirche zu Ebersbach dem Ritter Egeno von Staufen eignet. Sattler Gr. I. B. 5. Ein Conradus de Rumoldshausen schenkte nach Sulger (I. 149) im Jahr 1179 dem Kloster Zwiefalten ein Gut zu Ehningen, und ist vermuthlich derselbe, der nach Sulger (II. 116) als Wohlthäter in dem Kloster begraben liegt. Wie Rommelshausen an die Königl. Hofkammer gekommen, ist bey Stetten gezeigt.

1

Der Schafhof, wo die Herren von Rommelshausen vermuthlich ihren Sitz hatten, steht auf einer Anhöhe. Er hängt zwar mit dem Dorfe zusammen; da er aber herrschaftliches Eigenthum ist, und mit dem vormaligen Stabsamt Stetten verbunden war, so wurde er bisher gemeiniglich als ein besonderer Wohnort aufgeführt. Er ist ein Maierhof, der der Königl. Hofdomänen-Kammer gehört und von dieser verpachtet ist. Seinen Namen Schafhof hat er nicht umsonst: es war vormals das Übertreibsrecht für eine Schafweide von 600 Stück an 17 Ortschaften damit verbunden und man möchte fast glauben, der Hof sey der Schafhof einer bedeutenden Herrschaft, sey es der von Beutelsbach oder von Würtemberg, gewesen. Die dem Weiderecht unterworfenen Orte waren Rommelshausen, Felbach, Stetten, Schanbach, Lobenroth, Beutelsbach, Schnait, Grunbach, Groß- und Klein-Heppach, Beinstein, Endersbach, Waiblingen, und zum Theil Rotenberg, Uhlbach und U.Türkheim. Im J. 1820 ließ die Königl. Hofkammer dieses Übertriebsrecht mit 9202 fl. ablösen, Rommelshausen, als der am meisten betheiligte Ort, bezahlte daran 3525 fl., Felbach 1120 und wieder in Gemeinschaft mit Rotenberg, Uhlbach und Untertürkheim 100 fl., Stetten 700 fl. Wegen des Landgefährt-Rechts, das dem Herkommen gemäß dazu gehörte, wurde nach Aufhebung dieses Rechts eine besondere Übereinkunft getroffen. Der Hof wurde 1694 von der Herzogin| Magdalena Sibylla drey Hofbauern für 1600 fl. abgekauft und hierauf mit der Verwaltung Stetten verbunden.

In der Nähe von Rommelshausen befand sich ehemals auch ein Hof „der Hardthof,“ auch „Hof zu Hardt“ genannt. Der Name hat sich noch in der dortigen Hardt-Kelter und in den Güterbüchern erhalten. Die dazu gehörigen Güter lagen theils auf Rommelshauser, theils auf Stettener Markung. 1294 empfängt Graf Eberhard v. W. von dem Kloster Madelberc (Adelberg) 100 Pfd. H. und läßt dafür bis zur Wiedererstattung derselben ledig und frey von der Steuer ein Gut zu Schorndorf, und von allen Diensten „den Hof der bi Steten lit, den man nennt ze hart.“ 1340 verkaufte Walgar von Bernhausen und seine Gattin Adelheid von Stein ihren zu Rommelshausen gelegenen Hardthof und 90 Morgen Äcker dazu gehörig an Heinrich Tüwinger von Eßlingen um 2041/2 Pfd.; 1412 übergaben Propst und Convent des Klosters Adelberg der Herrschaft Würtemberg ihren Hof genannt der Hardt, welchen die von Rommelshausen als Erblehen inne gehabt; 1568 vertragen sich Conrad Thumb und seine Hintersassen zu Stetten mit der Gemeinde Rommelshausen und der Fürstl. Rentkammer darüber, daß die hohe Obrigkeit über die Güter, so in den Hardthof zinsbar und in der von Stetten Zwing und Bännen liegen, der Herrschaft Würtemberg zustehen soll.


« Kapitel B 8 Beschreibung des Oberamts Canstatt Kapitel B 10 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).