Beschreibung des Oberamts Crailsheim/Kapitel A 4

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Wohnorte.




Orte.
A. Zahl, Gattung und Areal.
Der Oberamtsbezirk zählt im Ganzen 184 Wohnplätze, worunter 1 Stadt, 21 Pfarrdörfer (3 davon mit Marktgerechtigkeit), 4 Dörfer, 1 Pfarrweiler, 104 Weiler, 22 Höfe und 31 einzelne Wohnsitze; dieselben vertheilen sich auf 26 politische Gemeinden, wovon 10 II. Klasse [1] und 16 III. Klasse mit 150 Markungen. Das Areal der Ortschaften umfaßt nach den Ergebnissen der Landesvermessung vom Jahr 1835 ⇒ 4762/8 Morgen = 150,10 ha.|
B. Lage, Größe und Beschaffenheit.

Die zahlreichen, aber meist kleinen Ortschaften des Bezirks liegen theils im Jagstthal und den Abhängen der Seitenthäler, theils auf der Hochfläche ob dem Jagstthal und in dem stark bewaldeten Hügelland zwischen der Bühler und Wörnitz.

Fast im Mittelpunkt des Oberamts auf dem rechten Ufer der Jagst, jenseits welcher in neuster Zeit durch die Bahnhofanlage der Grund zu einem neuen Stadttheil gelegt ist, liegt die Oberamtsstadt Crailsheim an der Einmündung des Truiden- und Lohbachs; nicht weit davon in südwestlicher Richtung der Pfarrweiler Altenmünster; ferner liegen im Jagstthal von Süd nach Nord: links Randenweiler, der Mündung des Seegrabens gegenüber, rechts an der Mündung des Reiglerbachs Stimpfach, weiter unten links an der Mündung des Klingen- und Steinbachs Steinbach, sodann Jagstheim, der größte Ort nach der Oberamtsstadt bei der Einmündung der Speltach; beim Einfluß des Flachbachs liegt auf dem rechten Jagstufer Ingersheim.

In den rechten Seitenthälern liegen von Süd nach Nord: Im Thal des südlich außerhalb des Bezirks einmündenden Rothbachs: Rechenberg mit Connenweiler, dahinter in den Wäldern Krettenbach, Wildenstein (Wasserscheide zwischen Donau und Rhein), Wäldershub, Matzenbach, auf der Höhe zwischen Rothbach und Seegraben: Hörbühl.

Im Reiglersbachthal liegen: Gerbertshofen, Weipertshofen und Siglershofen; oben auf der Höhe: Schüttberg und Bergbronn. Am Degenbach: Alexandersreut.

An dem in den Truidenbach mündenden Hummersbach liegt in den Wäldern Westgartshausen und am Mühlbach, der weiter oben in den Truidenbach fließt, Goldbach.

An dem durch die Teufelsklinge der Jagst zufließenden Kreuzbach Beuerlbach und oben auf der Höhe Rudolfsberg.

Auf der Höhe ob der Jagst zwischen dem Kreuz- und Entenbach liegt Satteldorf, an letzterem Sattelweiler, Neidenfels und Burleswagen.

Im Thal der Gronach, welche unterhalb Beeghof entspringt, folgen sich Ellrichshausen, Bronnholzheim, Gröningen, oberhalb der Jagst bei ihrem Ausfluß aus dem Bezirk: Bölgenthal.

Endlich an der Brettach: Triftshausen.

In den linken Seitenthälern liegen:

| Auf der Höhe am Ursprung des Zobach und Henkenbach: Mainkling, am Steinbach Honhardt; beim Einfluß des Lanzenbachs in die Speltach liegt Oberspeltach, auf der Höhe: Waldbuch. Daselbst zwischen Bezen- und Maderbach das hochgelegene Gründelhardt, an dem in die Speltach fließenden Stettbach liegt oben Hellmannshofen, weiter unten Stetten und Unterspeltach. An der Maulach liegt der Weiler gleichen Namens und Onolzheim.

Am Ursprung des Sauerbrunnenbachs auf der Höhe liegt Roßfeld, am Schmidtebach Tiefenbach; am Grund liegen Triensbach und Erkenbrechtshausen.

In der Südwestecke des Bezirks liegen Markertshofen und Hinteruhlberg, welche durch den in die Bühler mündenden Nesselbach mit dem Kocher in Verbindung stehen.

Der östliche Theil des Bezirks, dem Stromgebiet der Donau angehörend, begreift folgende Orte:

Am Zusammenfluß des Kesselbachs (auf der Höhe Seelgenstadt) und Haselklinge, Leukershausen, sodann am Langenbach Bergertshofen, Unterstelzhausen, Marktlustenau, Riegelbach.

Westlich von Leukershausen, Mariä-Kappel und Haselhof, südöstlich am Asbach Wüstenau, am Brühlbach in den Wäldern Waldthann, beim Einfluß des Rothbachs Tempelhof.

Südlich davon liegen am Ursprung der Roth Neustädtlein, Röthlein und Bernhardsweiler, weiter abwärts Lautenbach, Ober- und Unter-Deuffstetten.

Die größten Gemeinden sind der Einwohnerzahl nach Crailsheim, Jagstheim, Unter-Deufstetten, die kleinsten Westgartshausen, Rechenberg und Leukershausen, dem Areal der Ortschaften nach die größten sind Honhardt aus 23, Crailsheim (eine Parzelle) und Gröningen aus 10 Parzellen bestehend, die kleinsten Unter-Deufstetten mit 2, Rechenberg mit 7 und Goldbach mit 1 Parzelle.


Gebäude.
A. Anzahl und Gattung.

Das Brandversicherungskataster von 1883 weist 4190 Haupt- oder Wohngebäude und 4327 Nebengebäude, zus. 8517 Gebäude auf im Brandversicherungsanschlag von 17.953.580 M.

Zu öffentlichen Zwecken dienen 278 Gebäude, worunter 27 Kirchen, 2 Synagogen, 9 Kapellen, 56 Rath- und Schulhäuser, 90 Spital-, Kranken- und Armenhäuser, 6 Stationsgebäude,| 21 Bahnwärterhäuser und 67 sonstige Gebäude. Unter den Wohngebäuden befinden sich 12 Schlösser und 92 Amtswohnungen für Staats- und Gemeindediener, darunter 41 für Lehrer und 26 Pfarrhäuser.

Auf 1 Wohnhaus kommen durchschnittlich 6,46 Bewohner; die meisten mit 9,8 in Crailsheim, die wenigsten in Matzenbach mit 4,7 (s. u. Tab. I).


B. Bauart und -Material.
Der Mangel an geeignetem Steinmaterial und der Reichthum an Holz in einem großen Theil des Bezirks sind die Ursachen, daß derselbe an Holzbauten reicher ist als die benachbarten Oberämter. Zwar sind die neueren Wohnungen meist auf steinernem Untergrund mit Riegelfachwerk aufgebaut, besonders in der bäuerlichen Nordhälfte, aber die Wetterseiten sind meist mit Brettern verschalt. Die Seitenwände der Scheunen bilden vielfach große Bretter. Ziegeldächer sind allgemein. Die Wände sind meist ganz verputzt, wie in Crailsheim und wie die kleinen saubern Häuschen in Unter-Deufstetten; in den reicheren Bauernorten ist das Balkenwerk sichtbar und bemalt, was einen guten Eindruck macht. Die eichenen Eckbalken sind vielfach geschnitzt und mit Jahreszahlen versehen. Besonders reich an schönen großen und alten Holzhäusern ist Tiefenbach. Die Bausteine kommen theils aus dem Jura, theils aus dem Keuper, für Innenwände gewinnen die aus Schlacken hergestellten hohlen Backsteine Eingang. Die architektonisch werthvolleren Gebäude im Bezirk stammen meist aus älterer Zeit. Der größte Theil der Kirchen auf dem Lande ist im 18. Jahrhundert stillos umgebaut, der Chor zugemauert und Altar, Kanzel und Orgel über einander an die Ostwand des Schiffes gesetzt. Hervorragend an architektonischem Werth sind die Stadtkirche in Crailsheim und der Chor der Kirche zu Mariä-Kappel, sowie das alte Schloß zu Rechenberg, ein mächtiger Holzbau, auch Schloß Burleswagen. Weiterhin sind zu nennen: das Schloß und die Kapelle zu Crailsheim, die Kirche in Gröningen (Chor), Gründelhardt (Chor), Ingersheim (Chor), der große Chor der nicht vollendeten Kirche zu Bernhardsweiler, die Kirche zu Lustenau (mit romanischen Spuren), das Schloß im Tempelhof und das neue Schloß in Rechenberg (beide Renaissance), sowie die Kirche daselbst, die Kirche in Stimpfach (Rokokko), Triensbach, Waldthann| (Chor) und Westgartshausen. Würdig restaurirt ist, soweit es der stilverderbende Umbau im 18. Jahrhundert zuließ, die Kirche zu Onolzheim. Von neueren Gebäuden sind besonders der große Bahnhof in Crailsheim, einige Häuser in der Wilhelmsstraße daselbst, sowie die Kirche in Unter-Deufstetten und die Kapelle in Hinteruhlberg hervorzuheben.


C. Werths- und Eigenthumsverhältnisse.

Der Werth sämmtlicher Gebäude beträgt nach dem Gebäudekataster von 1883 bei 3877 Haupt- und 4319 Nebengebäuden, zus. bei 8196 Gebäuden 19.350.250 M., worunter 25 Haupt- und 29 Neben- zus. 54 Gebäude mit einem Katasteranschlag von 567.200 M. nur zu Amts- und Gemeindeumlagen pflichtig sind. Nach dem Brandversicherungskataster vom Jahr 1883 dagegen zählt der Bezirk 4190 Haupt- und 4327 Neben- also zus. 8517 Gebäude im Versicherungswerth von 17.953.580 M., so daß der durchschnittliche Werth eines Gebäudes nach dem Steuerkataster auf ca. 2361 M., nach dem Brandversicherungskataster auf 2108 M. sich berechnet. Von sämmtlichen vorhandenen Gebäuden befinden sich im Eigenthum des Staats 61 Gebäude, der Amtskörperschaft oder der Gemeinde gehören: 149, den Stiftungen 81 Gebäude.



  1. Gemeinde II. Klasse sind die Gemeinden von 1000–5000 Einwohner, III. Klasse Gemeinden bis 1000 Einwohner, I. Klasse haben über 5000 Einwohner.


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