Beschreibung des Oberamts Crailsheim/Kapitel B 16

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16. Rechenberg,
Gem. III. Kl. mit 509 Einw.; 1. Rechenberg, Pfarrdorf, 206 Einw., wor. 71 Kath., Fil. von Stimpfach; 2. Bautzenhof, Weiler, 25 Einwohner, wor. 11 Kath.; 3. Blindhof, Hof, 5 Einw.; 4. Connenweiler, Weiler, 175 Einw., wor. 110 Kath.; 5. Eichishof, Weiler, und Sägmühle, Haus, 67 Einw., wor. 26 Kath.; 6. Hübnershof, Weiler, 16 Einw.; 7. Kreßbronn, Weiler, 15 Einw., wor. 1 Kath.

Hart an der südlichen Grenze des Oberamts über dem Thale der Roth liegt Rechenberg in einem Kranz von Tannenwäldern. Das Dorf erwuchs aus einer Ansiedlung um das Schloß, hat sich allmählich in einer langen Gasse nach Nordosten ausgedehnt und schließt sich fast unmittelbar an die lange Häuserreihe von Connenweiler an. Die Häuser sind meist von bescheidener Größe und Bauart.

Eine gute Vizinalstraße führt zur Eisenbahnstation Stimpfach, weitere Vizinalsträßchen führen über Weippertshofen nach Crailsheim, nach Wildenstein und in das Oberamt Ellwangen. Hart am Rand des Berges, etwas tiefer als der Ort, steht das Schloß über einem großen See. Der Burggraben ist theilweise noch wohl erhalten. Das Schloß besteht aus dem alten Bau, einem mächtigen, 4 Stock hohen, wohlerhaltenen Gebäude mit 3 steinernen Stöcken aus 6′ dicken Mauern und einem Holzaufsatz mit schöner Vertäfelung und Pilastern, zu welchem eine Zugbrücke führte, und dem neuen Bau, einem im Renaissancestil gehaltenen Steinhaus, das sich unter einem rechten Winkel an die Südwestecke des alten Baus anschließt. Der alte Inbau mit seiner Holztäfelung und seinen Gipsböden ist noch wohlerhalten. An dem alten Bau ist ein kleines gothisches Fenster aus dem 14. Jahrhundert erhalten. Auf der Nordwestecke ist der neue Bau flankirt von einem ca. 17 m hohen Thurm. Im Garten zwischen dem alten und neuen Thurm steht noch ein kleiner dem | Einsturz naher Thurm. Auf der innern Seite des Eingangsthors ist die Zahl 1447 eingehauen, außen befindet sich ein Hirschgeweih. Eine starke ganz niedrige Renaissancesäule trägt die Bögen gegen den Hof heraus. Der neue Bau ist wohl von Heinrich Steinhauser und seiner Gattin Dorothea v. Wolmershausen, deren Wappen mit der Jahreszahl 1571 außen angebracht sind, erbaut. Die innere Mauer und ein Pförtchen, das Riet genannt, an der äußern Mauer haben die Jahreszahl 1755. Im alten Bau befindet sich die Lehrerwohnung und eine Privatwohnung, im neuen Bau zwei Schullokale und die Gelasse für die Gemeindebehörden. Das Schloß ist Gemeindeeigenthum, s. u. Gegenüber dem neuen Bau steht das ehemalige Forsthaus, jetzt Privateigenthum. Die ganze Gruppe gibt zusammen mit dem See, den Wäldern und dem Wiesenthal ein gar wohlthuendes, friedliches Bild.

Die 1619 erbaute, 1620 eingeweihte Kirche steht zwischen dem Schloß und dem eigentlichen Dorf, ein einfaches, aber würdiges Gebäude mit einem kurzen, dicken Thurm mit Zwiebeldach, auf welchem drei Glocken hängen, die große gegossen J. F. Wieland in Ulm 1860, die kleine, gestiftet von Mich. Zoller, Schuhmachermeister in R., gegossen von J. L. Reiner in Crailsheim. Die mittlere hat die Inschrift:

Aus Hitz und Feuer bin ich geflossen,
J. E. Lösch hat mich gegossen.

     Friedrich v. Berlichingen, episcopus, patronus 1772.

Im Thurm befindet sich die Sakristei, darüber der Läutboden und vor denselben der Altar und die Kanzel im Rokokostil. Um den Altar stehen der Wand entlang und liegen auf dem Boden eine Reihe zum Theil sehr schöner Grabdenkmäler der Herren v. Berlichingen:

1. Gottfried v. Berlichingen, geb. zu Würzburg 16. März 1622, † 1671 8. Febr. Wappen: Berlichingen, Thalheim, Geyer, Absberg, Berlichingen, Adelsheim, Geyer, Hutten.

2. Dessen Gemahlin Anna Aemilia v. Brandt, geb. 1630 21. Apr., † 1682 12. März. Wappen von Brandt, Rabenstein, Nothhaft, v. Weinberg, v. d. Kappel. – Wöllwart, Gleisenthal, Guttenberg.

3. Susanna v. Berlichingen, † 31. März 1631, mit den Wappen Berlichingen, Adelsheim, Thalheim.

4. Melchior Reinhard v. Berlichingen, geb. zu Rossach | 1587 27. Dez., † 1637 24. März. Wappen Geyer, Thalheim, Absberg.

5. Ulrich Christoph v. B., gefallen im Treffen bei Wiesloch 1622 7. April.

6. Marie v. B. geb. zu Möckmühl 1632 28. Jan., † zu Crailsheim 1651 4. Nov.

7. Anna Philippina v. B. 1639 1. ... 16 Jahre alt. Wappen Berl., Thalheim, Adelsheim.

8. Joh. Ulrich v. B., geb. 1680 31. Dez., † 1681 29. März.

9. Susanna v. Buttlar, geb. v. Berlichingen, geb. 1620 28. März, † 1675 5. Jan. Wappen wie 1. und drunter Buttlar und Berlichingen.

10. Otto v. B. zu Milz, † 1623 6. Mai.

Das Schiff enthält eine größere und kleinere Empore. An der Brüstung ist Isaaks Opferung, Elia’s Himmelfahrt, die Bergpredigt, der Sämann, die Samariterin, der 12jährige Jesus, die Himmelfahrt und die Himmelsleiter dargestellt. Ein großes Deckengemälde zeigt Mose, wie er die Schlange erhöht und Jesus am Kreuz als Schlangenüberwinder, ist aber ohne Kunstwerth.

Über den Bau der Kirche sagt eine Inschrift über dem Eingang in den Thurm Anno Domini 1617 haben der wohledel gestreng Melchior Reinhard, würzburg. Obermarschall, Rath, Rittmeister und Amtmann zu Lauda, und Ulrich Christoff, Leutenampt, beide Gebrüder von Berlichingen, das Schloß Rechenberg erkauft und anno 1619 diese Kirche Gott zu Lob, Ehr und Ausbreitung seines h. seligmachenden Worts von neuem erbauen lassen.

Unweit der Kirche, aber höher als diese liegt freundlich im Garten das wohnliche, 1764 von den Herren von Berlichingen erbaute Pfarrhaus.

Die Kirche und Pfarrhaus sind von der Stiftung zu unterhalten. Der Gottesacker liegt hinter Connenweiler gegen Blindhof und ist 1696 angelegt. Ein Armenhaus besteht. Mit gutem Trinkwasser ist der Ort durch 3 laufende, 22 Pumpbrunnen und einen Schöpfbrunnen versehen. Es besteht eine Wasserleitung mit eisernen, verzinnten Deucheln. Von Quellen ist besonders der Kappelbrunnen am Mühlweiher zu nennen. Die Umgebung von Rechenberg ist sehr reich an Wasser. Zum Schloß Rechenberg gehörten früher 35 Seen, mehrere sind | trocken gelegt und werden als Wiesen benützt. Die bedeutendsten sind der Mühl- und der Hammerschmidenweiher.

Bausteine werden von außen bezogen, dagegen ist ein Sandsteinbruch und mehrere Sandgruben im Betrieb.

Rechenberg hat sich in den letzten 30 Jahren gehoben. Die Vermögensverhältnisse sind mittelmäßig. Der Grundbesitz des Vermöglichsten ist 34 ha, der des Mittelmanns 4,4 ha, der ärmeren Klasse 3,9 ar. Auf angrenzenden Markungen haben die Ortsbürger 3,15 ha. Der Hauptnahrungszweig ist Feldbau und Holzmachen. Die Landwirthschaft leidet unter der starken Parzellirung und der geringen Ergiebigkeit des Bodens, der oben Sand, unten Lehm enthält, leicht und naßkalt ist. Von Getreidearten sind vorherrschend Dinkel, Roggen, etwas Weizen und Haber. Der Ertrag deckt den Bedarf nicht. Das Futtererzeugnis ist mittelmäßig, in den Thaleinschnitten auf den nassen Wiesen häufig sauer. Die Wiesen sind zweimähdig, Wässerung unbedeutend. Es muß noch Futter zugekauft werden.

Feinere Gewächse, wie Bohnen und Gurken, gedeihen nur in günstigen Jahren, da der Ort hoch gelegen und das Klima ziemlich rauh ist. Frühlingsfröste, Nebel, starke Winde und Gewitter sind nicht häufig. Wetterscheide ist der Hohenberg OA. Ellwangen. Der Obstbau beschränkt sich fast durchaus auf verschiedene Sorten von Kernobst und ist nicht ausgedehnt. Das Obst geräth nicht gerne und wird vorwiegend zu Most verwendet.

Die Gemeinde besitzt 20 Morgen Nadelwald, aus dem die Gemeinde in einzelnen Jahren 50–60 M. erlöst, meist wird der Holzertrag zu Wegbauten u. dgl. verwendet. Die Weide ist vorwiegend Brach- und Stoppelweide, ist aber gering und wird mit einheimischen Schafen befahren. Das Weiderecht hat der Gutseigenthümer. Pacht- und Pferchnutzung tragen nichts ein. Die Allmanden sind an die Bürger vertheilt. Die Güterstücke der Gemeinde mit ca. 1 ha werden zur Farrenhaltung gegeben. Die Rindviehzucht ist durch den Mangel an gutem Futter etwas gedrückt. Einige Bürger halten im Sommer 160, im Winter 100 Schafe von langhaariger Landrasse. Wolle und Thiere werden an Händler verkauft.

Fischzucht wird in den Weihern getrieben, die neuerdings mit Fischen neu besetzt worden sind. Das Fischrecht gehört den Müllern. Man gewinnt Hechte und Karpfen, die nach auswärts abgesetzt werden.

| Es sind 2 Sägmühlen, eine Mahlmühle mit 3 Mahlgängen und einem Gerbgang, eine schon 1591 bestehende Hammerschmiede, vorhanden. Auch sind 2 Krämer und eine Schildwirthschaft mit Brauerei im Ort. Von Gewerben sind Schuhmacher und Maurer am stärksten vertreten, letztere arbeiten vielfach auswärts.

Die Stiftung besitzt 8342 M. Kapital für kirchliche Bedürfnisse, für Schul- und Armenzwecke 151 M. Heinrich Steinhäuser hat für die Armen 2000 fl., seine Gattin und seine Mutter je 200 fl. gestiftet; das Kapital dieser Stiftung beträgt jetzt 4057 M., die Zinsen werden alljährlich an die Ortsarmen vertheilt.

Alterthümer. Im Eulenbuck, 1/2 St. nordöstl. von Rechenberg, soll ein Schloß gestanden sein. Eine Kapelle zum heil. Kreuz ist unterhalb des Schlosses auf der Kapellwiese abgegangen. Über den Schlößlesgarten zu Connenweiler s. d. Auf dem Hübnershof stehen 2 Kreuzsteine, auf dem einen eine Pflugschar, auf dem andern eine Pflugsech. Ein alter Postweg führte beim Hübnershof vorbei nach Dinkelsbühl, ein Todtenweg vom Eichishof nach Stimpfach. Der Königsweg, der von der Markung Rechenberg in die Ellwanger Forste führt, wurde auf Befehl K. Friedrichs für Jagdzwecke angelegt. Von Flurnamen sind zu nennen: Christfeld, Schoberfeld, Seisenbuck, Hain, Stainenfeld, Stainenberg, Bautzenfeld beim Bautzenhof.

Rechenberg (der Berg der Rehe vom mhd. rech) ist wahrscheinlich der Ursitz der alten Truchsessen von Rechenberg, Dienstmannen der Grafen v. Oettingen.

Der älteste Erkinger, dapifer de Rechenberg, erscheint 1229 zwischen Wernher von Ellwangen und Hugo von Sulz (OA. Gerabr.) als Zeuge für Graf Ludwig v. Oettingen, Mon. boic. 37, 227. 1238 steht Conradus dapifer de Rechenberg neben Marquard von Wiltingen, Reg. boic. 2, 281. Die Urkunde von 1229 spricht dafür, daß die Rechenberger ursprünglich eher auf unserem Rechenberg daheim waren, als auf Rechenberg zwischen Hohentrüdingen und Spielberg, wie H. Bauer annimmt, 25. Jahresb. des hist. Vereins für Mittelfr. S. 21 ff.; W. F. 5, 457, oder auf dem Bergvorsprung Rechenberg bei Simbrunn Bez.-Amt Dinkelsbühl. Rechenberg bei Hohentrüdingen wurde bald die zweite Heimat des Truchsessengeschlechts, das sich auch nach Willburgstetten, Limburg, Siebenbrunn (Simbrunn) bei Dinkelsbühl nannte. Ihre Regesten s. Steichele Bisth. Augsburg 3, 420 ff., 515. Konrad ohne den Titel dapifer 1240 23. Ap. mit seinem Bruder Fricko Z. der Grafen Ludw. v. Oettingen, Oet. Mat. 4, 331. dapifer 1242 5. April Zeuge Gr. Ludwig des Ä. und J. von Oettingen, St.A. 1248 Falkenstein cod. dipl. Nordg. pag. 45; 1250 20. März Z. für Gerung und Rabeno v. Eringen, St.A. München. Mai 1250 leiht Konrad IV. Geld, Oett. Mat. 2, 234. Konr. senior dap. 1252, Reg. | boic. 3, 19. 1254 ib. 3, 49. 1258 Konr. junior dapif. Wallerst. Urk. 1260 Z. Hertwigs v. Lierheim Wallerst. Urk. 1263 Z. Ludwigs von Oettingen. 1267 uxor Adelheid †, Reg. boic. 3, 281. 1270 Erkinger von R. Konr. dapifer. Konrad s. Sohn, Konrad und Ulrich genannt Frikken Z. für Gerung v. Eringen, Reichsarch. Hedwig v. R. Gattin Gottfrieds von Stetten 1297 und 1306, St.A.; W. F. 1848, 9. Unser Rechenberg verfiel damals wahrscheinlich (man denke an den Fall Konrad Schrimpfs von Oettingen S. 216) und wurde erst um 1400 wieder aufgebaut. Denn es ist kein Zweifel, daß unter Neu-Rechenberg, welches Erkinger v. R. von der Familie der Truchsessen von Limburg-Willburgstetten 1405 an den Burggrafen Friedrich von Nürnberg verkaufte, M. Zoll. 6, 279 unser Rechenberg zu verstehen ist. Dafür spricht, daß Neurechenberg als Lehen des Abts von Ellwangen bezeichnet wird, was unser Rechenberg war, wie denn auch Heinrich Steinhäuser, dem ganz unzweifelhaft unser Rechenberg gehörte, Steinhäuser zum neuen Rechenberg heißt (Bauer). Vergl. auch den Besitz der Truchsessen in Stimpfach.

Schon 1409 muß Burkhard v. Wolmershausen R. von dem Burggrafen erworben haben, denn in diesem Jahr vertauschte er mit Abt Sifried von Ellwangen eine Wiese bei der Blindmühle gegen eine zu Rechenberg. Zu der Herrschaft Rechenberg, mit der Burkhard v. W. von Abt Johann belehnt wurde, gehörte Hörbühel, der Hof zu Burkeler oder Kleinhof, Geiersberg (der Ropfershof Kb.), Konnenweiler, Blendheim (Blindhof), Langenberg, Buzenweiler (Bauzenhof), Vorder- und Hinter-Kreßbronn, der Hof zur Klingen, Gerbrechtshofen, Bergbronn, Deufstetten, Stimpfach, Waldrichshub, Lix, Weiprechtshofen, Gauchshausen, Hegninberg, Streitberg, Reiffenbach, St.A.

Georg Adelmann überläßt 1415 seinen Unterthanen zu Rechenberg und Connenweiler eine Weide. St.A. 1534 31. Mai erhält Jakob Steinhäuser von Propst Heinrich von Ellwangen einen Bezirk, um Säue, Bären und Rehe zu jagen. 1564 12. Dez. verspricht Heinr. Steinhäuser für diesen Jagdbezirk mit 2 gerüsteten Pferden Ellwangen zu dienen. St.A. 1794 verträgt sich Ellwangen mit der Herrschaft Rechenberg über die Weidepacht zu Rechenberg und Connenweiler und eine Schenkstatt. St.A. [ER 1]

Um 1480 ist Jörg Adelmann im Besitz von R., sein Sohn Wilhelm des Vaters Amtmann daselbst (A. U.). Jörg Adelmann der Ältere theilte 1502 seinen Besitz unter seine Söhne, Melchior erhielt Neubronn, Balthasar Schechingen, Georg jun. Rechenberg. Gab. Derselbe verweist 1506 seine Gattin Kath. v. Seckendorf mit ihrer Heimsteuer auf R., St.A. Hieronymus Adelmann verkaufte R. mit allen Zugehörungen an Propst Heinrich v. Ellwangen um 9000 fl., St.A. Derselbe veräußerte es aber 1532 als frei eigen für 9050 fl. an Jakob Steinhäuser von Neidenfels, ellwangischen Hofmeister, der 3000 fl. baar, seine Lehen zu Kotspiel und die von den Gundelsheimern erkauften Güter an Ellwangen gab, St.A. Er erlangte 1534 von Ellwangen einen Jagdbezirk, 1538 die Exemtion von anderweitiger Gerichtsbarkeit und ein Halsgericht für das Gut Rechenberg von Ferdinand I. (Seine Gattin Ursula geb. v. Hürnheim). Nach dem kinderlosen Tode des letzten Steinhäusers, Heinrich, | † 1608 zu Crailsheim, eines wohlhabenden Mannes, welcher von seinem Oheim Hans Walter von Hürnheim zu Innspruck in Gemeinschaft mit seiner Schwester Dorothea, der Gattin Wolfs Wilhelm von Knöringen, 8000 fl. geerbt hatte, St.A., fielen die ellwanger Lehen zu Connenweiler, O.-Deufstetten, Hahnenhof an den ellwanger Lehenshof zurück. Den allodialen Besitz beanspruchten zunächst Alexander, Marschall v. Pappenheim, Jakob Pistoris von Seiselitz, Hans Christoph v. Freyberg, Hans Philipp v. Crailsheim, Alb. Christoph v. Rosenberg, Joachim v. Trauschwiz, Wolf Wilhelm und Hans Ludwig v. Knöringen. Er kam aber an die Testamentserben Rosina Pistoris v. Seiselitz geb. Angelach zu 2/3, Hans Ulrich v. Syrgenstein auf Achberg, Marie Salome Vogtin von Altensummerau geb. v. Syrgenstein, Gabr. Dionys von Schellenbergs Kinder zu 1/3; dieselben verkauften ihr Erbe 1617 an Hans Philipp v. Crailsheim für 44.000 fl. Dieser trat aber das Gut alsbald an die Gebr. Melch. Reinhard und Ulrich Christoph v. Berlichingen-Neunstetten ab. Im Besitz der Herren von Berlichingen blieb das Rittergut bis 1840, doch hatte auch 1797 Graf Gustav v. Degenfeld und 1840 Graf Mandelslohe einen Theil daran erworben. In diesem Jahr wurde das Rittergut, angeschlagen zu 210.000 fl., mit 3194/8 M. 30 R. Güter, 1290 M. Wald vom Staat erworben, welcher an die Herren von Berlichingen den Neuhof und Halsberg bei Schönthal abtrat und das Schloß für 2000 fl. an die Gemeinde verkaufte, W. Jahrb. 1842, 90.

Der Besitz in Rechenberg war stets ein unruhiger. 1434 mußte sich Burkh. v. Wolmershausen mit Abt Johann von Ellwangen wegen streitiger Güter zu Rechenberg, Eichenrein und Reiffenbach vertragen, St.A. In den heftigen Streit der Adelmänner mit Ellwangen scheinen auch die Bürger von R. verwickelt worden zu sein; wenigstens erklärt 1493 Georg Adelmann, die That derer von R., welche Ellwangen in seinem Waldbesitz gestört hatten, thue ihm leid, St.A. 1515 gab Jörg Adelmann die Weide zu Stöcken an seine Unterthanen in R. und Connenweiler. 1654 machte Brandenburg den Herren von Berlichingen die niedere Jagd streitig und sprach 1674 die niedere Gerichtsbarkeit außerhalb des Fleckens, 1750 die Landeshoheit an, wurde aber 17(76–)84 durch kaiserliches Mandat abgewiesen, Preußen aber ergriff Besitz von Rechenberg 1796/97. Mit Ansbach kam Rechenberg 1806 an die Krone Bayern und 1810 an Württemberg.

| Im dreißigjährigen Krieg scheint R. ziemlich verschont worden zu sein. 1631 Juli flüchten Leute aus Rupersbach, 1632 Aug. aus Waldthann nach Rechenberg. Nur 1622 werden bayrische Soldaten im Quartier erwähnt.

1869 Nov. 28./29. brannte ein Haus, 1880 30. Mai ein Nebenhaus ab.


Kirchliches. R. war bis zur Reformation Filial von Stimpfach. Nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 reformirte Heinr. Steinhäuser. Der Gottesdienst wurde in der Kapelle unter dem Schloß gehalten, die aber 1501 noch nicht erwähnt wird. 1587 24. Juli verordnete Heinr. Steinhäuser testamentarisch, daß immer ein qualifizirter christlicher Pfarrer in R. zu halten sei. 1629 machten Ellwangen und der Bischof von Würzburg die Parochialrechte von Stimpfach wieder geltend.

Unter den Pfarrern hat sich Sperer 1675–96 durch seine eigenthümliche Predigtweise, die ihn um sein Amt brachte, das er aber 1714 wieder erlangte, einen Namen gemacht.

Pfarrer. N., ein Preuße, erster Pfarrer. Georg Huber von Burgbernheim 1580 wegen Flacianismus abgeschafft. Johann Faber. Steph. Hofholz 1589. Georg Rieder 1594. Joh. Knauer 1607. G. Wolmershäuser 1613–19. Hieron. Enslin von Bopfingen 1621. G. Lehmann 1635. M. Blümlein 1640. Joh. Rud. Haccius (Hagen) von Leinburg, Grafsch. Diepholz 1653. Gottl. R. Hagen, sein Bruder, 1661. Melchior Rauck, Mitglied des Pegnitz. Blumenordens, 1670. J. Fr. Sperer 1675, 1696 entlassen, geht nach Königsberg in Preußen und Sachsen. J. L. Husel 1696. Joh. G. Ryboth 1704. J. Fr. Sperer wiederum 1714. J. H. Kramer 1721. Joh. Kon. T. Caselmann 1742. Ch. Ph. Caselmann 1778. G. W. H. Bürger 1828. Lud. Mutschler 1837. Ed. Ch. Fr. Colb 1849. H. Th. Andler 1853. Bert. Fr. H. Hailer 1856. Gottl. Stiefel 1861. Gotth. M. Mayer 1872. Chr. Herter 1880.

Im kirchlichen Verband mit Rechenberg stehen außer den Parzellen der politischen Gemeinde die Parzellen der Gemeinde Matzenbach: Fichtenhof, Krettenbach, der Gemeinde Stimpfach: Hörbühl, der Gemeinde Weippertshofen: Gerbertshofen zum größeren Theil, aus dem Oberamt Ellwangen die Evangelischen in der Gemeinde Jagstzell.

1. Bauzenhof, ein Weiler mit 3 Familien in 2 Häusern, liegt ca. 2,5 km von Rechenberg frei über dem kleinen Eichisbachthal. B. gehörte in jeder Beziehung zum Rittergut R., gab aber den Zehnten nach Ellwangen. Im Unterschied | von Bauzenhof, OA. Ellwangen, das alt Bautzenrod hieß, erscheint B. 1429 als Buzenweiler, 1461 als Buzenhof. 1608 ist Streit zwischen B. und Steinbächlein am Wald wegen Hut und Trieb, Cr. Urk. Vielleicht ist B. jener vicus Pusenwilare, wo das St. Morizstift zu Augsburg 1183 Besitzungen hatte, W. U. 2, 228.

2. Blindhof, ein freundlich an der sonnigen Halde des Roththälchens gelegener Hof, ca, 1,3 km von Rechenberg entfernt, der stets zum Rittergut Rechenberg gehörte, aber nach Ellwangen zehntbar war. Der Hof hieß 1429 und 1461 Blindheim (Heim eines Blinden). Daneben erscheint die Blindmühle, vielleicht die nahe gelegene Eulenmühle. 1409 gab Burk. v. Wolm. 4 Tagw. Wiesen bei der Blindmühle an Abt Sifr. v. Ellw. zu Lehen und erhält dafür 4 Tagw. an der Blindmühle, welche zu des Abts Lehen in Ruggersheim (Riegersheim, OA. Ellw.) gehören, St.A.

3. Connenweiler, eine fast unmittelbar an R. sich anschließende Häuserzeile auf der sandigen Hochebene. C. alt auch Kunenweiler, W. eines Kuno, wenn nicht einer Kunne, d. h. Kunigunde, theilte die Schicksale von R. und gab den Zehnten nach Ellwangen. Zu Cunnenw. gehörte der Schummenhof und Klingenhof (1461 auch zur Klingen). 1655 wohnte Heinrich v. Buttlar mit seiner Gattin Susanna v. Berlichingen in einem kleinen Schlößchen in C., das 1732 noch bestand, und an das heute noch der Schlößlesgarten erinnert. (Vetter, Beschr. des OA. Cr. Manuscr.).

5. Eichishof mit Eichissägmühle, ein kleiner Weiler in einem Seitenthal des Roththales, 2,27 km von R., erscheint 1429 und 1461 noch nicht in dem Verzeichnis der Zugehörungen von R., dagegen ein Ort Langenberg auf der Flur Langenberg östl. von Eichishof. 1526 aber heißt der Ort der Hof zum „Aigen“ d. h. der nicht lehenbare Hof.

6. Hübnershof, ein einzelnes Haus von 3 Familien bewohnt, auf der Höhe zwischen R. und Weipertshofen. H. gab seinen Zehnten nach Ellwangen, gehörte aber zu R. 1461 Hübnershof genannt, heißt der Hof später auch Hiemers- und Heinershof. Nahe bei H. liegt

7. Kreßbronn, ein Weiler mit 2 Häusern, 2,5 km von R. mitten in waldreicher Umgebung. Kreßbronn (die Quelle, | an der Kresse wächst, Buck Fl.N.B.) gab den Zehnten nach Ellwangen und erscheint zuweilen getheilt in Vorder- und Hinterkreßbronn.

Errata

  1. Absatz eingefügt gem. Berichtigungen und Ergänzungen, Seite VI.
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