Beschreibung des Oberamts Ehingen/Kapitel A 3

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III. Natürliche Beschaffenheit.
1. Gebirge und Berge.

Die Alp ist das Hauptgebirge. Sie nimmt den nördlichen Theil des Oberamts längs der Donau hin ein, und greift mit ihrem Fuße bis an die Donau vor. Im strengen Sinne bildet das Kirchheimer Thal und das Schmiechenthal von dem Dorf Schmiechen an die Gränze. Fast gleichlaufend mit der Alp zieht auf dem rechten Ufer der Donau ein starker Hügelrücken von Rißtissen bis Rupertshofen und weiter hinauf. Als einzelne Berge zeichnen sich aus:

Der Stoffelberg bey Ehingen, ein runder, kugelichter Berg, über welchen die Straße von Münsingen nach Ehingen führt. Er bildet eine Art von Vorposten der Alp gegen Ehingen hin, hängt aber auf einer Seite mit der Alp ganz zusammen. Durch seine Lage und Höhe (s. u.) gleich begünstigt, gewährt der Berg eine ganz herrliche Aussicht, die einen großen Theil von Oberschwaben beherrscht, und bis an die Kette der Tyroler- und Schweizer-Schneegebirge reicht. Die Vorderseite des Berges ist unten angebaut, nach oben aber mit einer kahlen Heide und weiter hin mit Wald bedeckt. Etlich und achtzig Morgen der Stadt Ehingen gehörigen Ödungen wurden vor 6 Jahren mit Nadelholz angepflanzt.

Der Hochberg, Obermarchthal gegenüber, zwischen Thalheim und Reichenstein. Er liegt wie eine Halbkugel am| Hange der Alp rundum frey da, theils angebaut, theils Heide und Wald. Er ist minder hoch als der Stoffelberg, aber dennoch weit in das Land hinausschauend.

An schönen und weiten Aussichtspunkten fehlt es dem Oberamt auch außer diesen Bergen nicht. Zu den schönsten gehören noch das Schloß und das Pfarrhaus zu Erbach, die Anhöhe bey Blienshofen, der Öpfinger Kirchhof.

2. Thäler.
Das Donauthal ist das Hauptthal, in welches alle andere einlaufen. Es durchzieht das Oberamt in nordöstlicher Richtung, jedoch unter mancherley Krümmungen und Wendungen, worunter sich, wie die Karte zeigt, hauptsächlich dreyerley bemerkbar machen. Diese Krümmungen mit eingerechnet, beträgt die Länge des Thals von einem Ende des Oberamts bis zum andern, 144.100 Fuß oder 51/2 Meile; seine Breite und Tiefe, und eben damit auch sein Charakter, sind sehr verschieden. Von dem Eintritt in das Oberamt an, unter Zwiefaltendorf bis Untermarchthal ist es Gebirgsthal, felsig und mit Ausnahme einzelner Buchten, eng und tief eingeschnitten, indem es hier und bis Munderkingen den Hang der Alp durchschneidet. Unterhalb Untermarchthal erweitert es sich in einem großen Becken bey Algershofen, zieht sich aber bey Munderkingen in einer schmalen, jedoch ganz kurzen Enge wieder zusammen, und dehnt sich hierauf in dem großen Donauriede, das von Munderkingen bis an die Markung von Ehingen geht, neuerdings aus. Von Berg bis Nasgenstadt ist es wieder schmal, bey dem letztern Orte aber dehnt es sich in einem zweyten großen Ried aus, das bis an die Iller und weiter hinab zieht. Auf diese Weise hat das Donauthal von Untermarchthal an mehr den Charakter entleerter Seebecken, als eines Thals, die Seitenwände, besonders die südlichen, sind meist flach und unbestimmt, der Grund ist sumpfig, mit Torf und Moor bedeckt, und mit vielen sogenannten Altwassern und Abzugsgräben durchschnitten, weßwegen der Thalboden gemeiniglich| auch nicht Thal, sondern Ried genannt wird. Übrigens sind diese Riede seit neuern Zeiten größtentheils angebaut, und nicht nur zu Wiesen, sondern auch zu Äckern benutzt; selten aber sieht man einen Baum im Thale, nicht einmal eine Bekleidung des Flusses mit Weiden oder anderem Gehölze; auch liegt, außer Rißtissen und Ersingen, nicht ein einziger Ort in der Thalebene, sondern alle liegen an den Hängen zur Seite.
Donau-Nebenthäler.
a. auf der rechten Seite.

1) Das Rißthal, welches aber das Oberamt nur noch in seiner Mündung bey Rißtissen berührt.

Alle übrigen Thäler auf der rechten Seite finden sich in der südlichen Ecke des Oberamts beysammen, und ziehen fast alle, von dem Bussen abfallend, nach dem Stehenthal hin, mit Ausnahme des folgenden.

2) Das Dobelthal, wovon aber wieder nur das untere Ende bey Emerkingen zum Oberamt gehört.

3) Das Stehenthal, das bey Bettighofen ausmündet, und in mehreren Verzweigungen die erhöhte Südspitze des Oberamts durchfurcht. Es läuft über Unterstadion, zwischen Mundeldingen und Oberstadion durch, nach Moosbeuren und weiter hinauf und zieht, hauptsächlich von der südwestlichen Seite, mehrere Nebenthäler an sich. Wir bemerken davon

a. das Hundersinger Thal, das von Bettighofen über Hundersingen nach Dieterskirch hinaufläuft;

b. das Grunzheimer Thal, das von Unterstadion über Rettighofen, Grunzheim gegen Uttenweiler hinaufzieht;

c. das Mühlhauser Thal, das von Oberstadion über Mühlhausen und Oggelsbeuren gegen Rupertshofen hinaufsteigt;

d. das Ellighofer Thal, das von Moosbeuren über Ellighofen, Aigendorf nach Hausen und gleichfalls gegen Rupertshofen hinläuft.

Diese Thäler, meist Wiesenthäler, sind nicht ohne Ausdruck und haben einzelne schöne Theile. Der Stamm aber, das untere Stehenthal selbst, ist flach, sumpfig, und wie die meisten Thäler in dem aufgeschwemmten Lande Oberschwabens,| mehr breiten, von ehemaligen Strömungen, oder aufgestauten Gewässern hinterlassenen, Wiegen, als einem eigentlichen Thale ähnlich. Anders verhält es sich mit den der Alp und ihren Vorbergen angehörigen Thälern.
b. Auf der linken Seite.

1) Das Lauterthal. Es ist das schönste und merkwürdigste Thal des Oberamts, das aber diesem nur noch am Ende in einer Strecke von einer starken Reisestunde (16.800 Fuß) angehört, und schon bey Münsingen näher beschrieben worden ist. Wir haben hier nur noch ein Seitenthal zu bemerken, nämlich:

Das Wolfsthal, ein enges, durch schauerliche Felsenschluchten ausgezeichnetes Thal, das bey der Laufenmühle ausmündet, von da ungefähr 11/2 Stunden weit über Granheim hinaufläuft und seinen Namen ohne Zweifel, wie das benachbarte Bärenthal, von seinen ehemaligen Bewohnern hat, übrigens fast ohne alle Cultur ist.

2) Das Kirchheimer Thal. Es ist ein, größtentheils trockenes, Thal, das am Fuße der Alp, zwischen diesem und einem vorliegenden Bergrücken, hinläuft. Es beginnt in der Nähe von Marchthal, und zieht, an Kirchheim vorbey, über Schlechtenfeld nach Ehingen hinab, wo es sich noch an das Schmiechenthal anschließt. Es gehört noch ganz der Juraformation an, und hat einzelne schöne Bezirke. Der Grund ist meist Ackerfeld, die Seiten sind bewaldet und bieten häufig schöne Felsenmassen dar. Durch das Thal zieht die Vicinalstraße von Ehingen nach Lauterach, welche mit jungen, ein glückliches Wachsthum versprechenden, Obstbäumen besetzt ist. Äußerst malerisch steht mitten im Thale auf einem Felsenhügel die St. Josephs-Capelle von Kirchheim und weiter hinauf wird man durch den unerwartet schönen Anblick von Mochenthal überrascht. Das Thal ist ungefähr 21/2 St. lang, die Ausweitungen bey Kirchheim und Schlechtenfeld aber ausgenommen, in der Regel kaum 200 Schritte breit. Unterhalb Schlechtenfeld, von wo an es von einem Bächlein bewässert ist, bricht es in einer engen Schlucht quer durch den Bergrücken und tritt dann 1/2 St. vor Ehingen ins offene Land hervor. Eine auffallende Fortsetzung hat das Thal in dem sogenanten Bachthal, das von Mochenthal aus gegen Süden und durch eine Schlucht nach der Donau bey Untermarchthal hinab zieht, so daß das Kirchheimer Thal in seinem Anfang und Ende mit dem Donauthal zusammen hängt. Wenn| man das Land bey Untermarchthal, den gewaltsamen Durchbruch der Donau zwischen hohen Felswänden und die vorhergehende Bucht betrachtet, so wird man auf die Vermuthung geleitet, daß einst, ehe noch der Widerstand bey Obermarchthal überwunden war, die Donau in der erwähnten Bucht hoch aufgeschwellt gestanden und ein Theil derselben seinen Lauf durch jene Schlucht und das Kirchheimer Thal, somit an Ehingen vorbey genommen habe.

3) Das Schmiechenthal. Es ist ein Querthal der Alp, das zu dem Oberamte Münsingen bey Springen, wo mehrere Wurzeln zusammen laufen, beginnt und von da in östlicher Richtung über Gundershofen und Hütten nach Schmiechen herabläuft, hier sich schnell nach Süden wendet und über Allmendingen und Bergach nach Ehingen und durch Ehingen nach dem Donauthale hinzieht. Von Springen an hat es eine Länge von 75.600 Fuß oder fast 3 Meilen. Bis Schmiechen ist es sehr eng, von da erweitert es sich, und dehnt sich bey Allmendingen, wo es aus dem höhern Gebirge hervortritt in einer großen sumpfigen Bucht, dem Allmendinger Ried, aus. Diese Bucht, einst sichtbar ein See, schließt sich bey Bergach wieder, und das Thal läuft fortan nur als eine Furche im flachen Lande fort, bis es bey Ehingen noch einmal tiefer einschneidet, um das Donaubecken zu erreichen. So lang es durch die Alp hinzieht, ist es sehr tief eingeschnitten und hat einen ernst schönen Charakter, der besonders durch die Ruinen von Steußlingen und das auf Felsen stehende Schloß Justingen sehr erhöht wird. Merkwürdig ist der Durchbruch der linken Seitenwand bey Schmiechen, wodurch das Thal mit dem Achthal zusammenhängt, so daß man von dem einen Flußgebiet in das andere kommt, ohne auch nur die mindeste Steigung wahrzunehmen. Das Thal ist von der Schmiechen, von der es seinen Namen hat, bewässert, und ist fast durchaus Wiesenthal. Bis Hütten hinauf findet, wiewohl sparsam und nur in der Nähe der Ortschaften, Obstzucht Statt. Das Thal gehört 3 Oberämtern: Münsingen, Blaubeuren und Ehingen an. Im Ganzen liegen 9 Orte in dem Thale, wovon mit Einschluß von Sondernach und der Stadt Ehingen, 6 zum Oberamt Ehingen gehören. Vergl. die Karte.

Seitenthäler des Schmiechenthals.
a. Das Sondernacher Thälchen, ein kleines, romantisches Wiesenthälchen, worin Sondernach liegt, mit einer klaren, der Schmiechen zufließenden Quelle. Von Sondernach an zieht das| Thälchen in engen Schluchten und ganz trocken weiter hinauf und unter dem Namen Heuthal bis in die Nähe von Münsingen.

b. Das Grötzinger Thal, ein wasserloses, enges und tiefes Thal, das von Grötzingen und Weiler Steußlingen herabzieht. Die Straße aus dem Schmiechenthal auf die luther. Berge führt durch dasselbe hinauf.

c. Das Brielthal, ein gleichfalls trockenes, enges und tiefes, und zum Theil schauerlich felsiges Thal, das neben dem vorigen, zwischen Schmiechen und Allmendingen ausmündet, und bis Altsteußlingen und noch weiter hinaufläuft. Von diesem Thale, das auch das Brückener Thal, Rautelthal genannt wird, ziehen in der Nähe von Briel 3 Zinken nach den luther. Bergen hinauf, wovon der eine an Briel selber vorbey geht und sich um die wildschönen und abgeschiedenen Ruinen der Burg Briel herumschlängelt. – Minder bedeutende Thaleinschnitte, welche nach dem Schmiechenthal ziehen, finden sich noch mehrere.

4) Das Bacher Thal. Es zieht von Erbach durch die Vorberge der Alp gegen Ringingen und das Hochsträß hinauf, ist ziemlich flach, in dem Rennsal des kleinen Baches, wovon es bewässert ist, mit Wiesen, an den Seiten mit fruchtbaren Äckern bedeckt, und mineralogisch nicht unmerkwürdig. S. u.

3. Ebenen. Bezirke mit eigenen Namen.

Ob man gleich Würtemberg jenseits der Donau gemeiniglich sich als eine große Ebene vorstellt; so bieten doch in unserem Oberamte nur die Donauriede Ebenen im strengen Sinne dar. Die beyden bedeutendsten sind, wie wir oben schon bemerkt haben:

a. das Rottenacker Ried, das sich von Munderkingen, an Rottenacker vorbey, bis Berg und Ehingen hinabzieht, in einer Länge von 2 Stunden und in einer Breite von 3/4 Stunden und auch noch mehr, wenn man die sanft ansteigenden Flächen auf der südöstlichen Seite dazurechnet, welche oft ganz damit zusammenfließen.

b. Das Erbacher Ried, das sich einer Seits bis in die Nähe von Ehingen, andrer Seits bis an die Iller und noch weiter hinabzieht und mit den vor Erbach damit zusammenfließenden Ebenen der Roth, Westernach und Riß, deren| Betten kaum bemerkbar unterschieden sind, eine unabsehbare Fläche darstellt.

Bezirke mit eigenen Namen finden sich folgende:

1) Das Landgericht, dessen oben schon S. 14 gedacht worden.

2) Die lutherischen Berge. Derjenige Theil der südlichen Alp, auf welchem die altwürtembergischen und ebendeßwegen lutherischen Orte der vormaligen Herrschaft Steußlingen liegen.

3) Das Hochsträß, ein von der Alp durch die Blau, die Ach und die Schmiechen abgeschnittener Gebirgsstock mit vielen Ortschaften, der seinen Namen von der darüber führenden alten Hochstraße hat, größtentheils aber zum Oberamt Blaubeuren gehört.

4. Erdfälle und Höhlen.

Erdfälle, die in dem Oberamt Münsingen so häufig vorkommen, trifft man zwar auf der Alp auch noch in dem Oberamt Ehingen, jedoch selten an.

Höhlen kommen ebenfalls in den Felsen der Alp, so weit man sie aber kennen gelernt hat, nirgends von Bedeutung vor. Einer Erwähnung möchten verdienen:

1) Die Rechtensteiner Höhle, welche sich an der Thalwand gegen die Donau öffnet und von da schräg, wie ein Camin in dem Felsen, worauf die Ruinen von Rechtenstein stehen, in die Höhe zieht.

2) Die Kohlberger Höhle in einem Felsen des Kohlbergs, im Kirchheimer Thale, oberhalb Schlechtenfeld, ungefähr in der Mitte der Thalwand. Die Höhle hat einen, vom Thale aus sichtbaren, Eingang und ist ungefähr 20 Fuß tief und eben so breit und hoch. Ein Schuhmacher von Kirchheim soll lange Zeit Sommers darin gewohnt haben.

3) Die Schuntershöhle im Briel- oder Rautelthale, in dessen Felsen es mehrere Höhlen gibt. Sie ist ein Felsen-Gewölbe von der Größe eines geräumigen Zimmers und hat ihren Namen von einem gewissen Schunter, der| heimathlos, von 1780 bis 1785 mit seiner Familie darin gewohnt hat.

5. Gewässer.
a. Quellen.

An Brunnquellen fehlt es keinem einzigen Orte des Oberamts ganz, selbst auf der Alp nicht, und merkwürdig ist, daß auf den höchsten Höhen, wie auf den lutherischen Bergen, auf der hohen Eichhalde bey Altsteußlingen etc., nie versiegende Quellen sich befinden. Frankenhofen, Tiefenhülen und Granheim sind allein diejenigen Orte, welche zuweilen Mangel an Wasser leiden. Granheim, obgleich in der Tiefe gelegen, muß bey trockener Witterung sein Wasser in der Ferne holen, Frankenhofen und Tiefenhülen helfen sich theils mit Cisternen, theils haben sie Quellen in der Nähe.

Periodische Quellen, Hungerbrunnen, sind keine im Oberamte bekannt.

Mineralquellen gibt es 2, beyde aber von geringem Gehalt. Die eine ist ein Brunnen hart an der Schmiechen, bey Ehingen, der etwas eisenhaltig seyn soll und ehemals als Badewasser benutzt wurde, die andere ist die Käswasserquelle bey dem Käshof, welche nach der Angabe kohlensaures Gas, etwas kohlensaures Natrum, kohlensaure und schwefelsaure Gyps- und Kalkerde enthält, einen starken, durch den Namen bezeichneten, Geruch von sich gibt, und ehemals einer Bad-Anstalt ihr Daseyn gab. S. Käshof.

Als eine merkwürdige Quelle anderer Art verdient die Kirchheimer Quelle bemerkt zu werden, welche bey Kirchheim am Fuße des Landgerichts entspringt, und einen nicht unbedeutenden Bach bildet, der sogleich eine Mühle treibt, alsbald aber vor dem Dorfe wieder verschwindet und erst bey Ehingen in dem Weiherkessel, wie man wenigstens dafür hält, wieder hervorkommt, wo er neuerdings ein Mühlwerk treibt.

b. Flüsse und Bäche.
Die Donau ist der Hauptfluß des Oberamts. Sie| betritt dasselbe unterhalb Zwiefaltendorf, durchschneidet es quer in nordöstlicher Richtung und verläßt es wieder unterhalb Erbach und Wernau, nachdem sie in dem Oberamte mit allen Krümmungen einen Weg von 20.810 Ruthen, oder 8 Meilen, also 21/2 Meilen mehr als die Länge der Thalbahn ausmacht, beschrieben hat. Von ihrer nordöstlichen Hauptrichtung weicht die Donau mannigfaltig ab, und in der an sich schon mannigfaltig sich krümmenden Thalbahn macht sie selbst wieder ihre vielfachen Schlangenwendungen, so daß der Fluß häufig sogar eine rückgängige Bewegung macht, wie schon die Karte zeigt, und den Thalboden in eine Menge von Halbinseln theilt. Ebendadurch aber und da der Fluß sein Bett alle Augenblicke verändert und mit Hinterlassung von Sümpfen und sogenannten Altwassern sein neues manchmal bis in einer Entfernung von 1/2 St. wählt, geht außerordentlich viel Land verloren. Und doch ist der Fall des Flusses im Ganzen nicht so gering, als man aus diesen ewigen Krümmungen schließen sollte. Er beträgt von der Gränze bey Zwiefaltendorf, oder von der Mündung der Ach bis zur Mündung der Iller, 1 starke Stunde unterhalb Wernau, die Illermündung nach Weiß zu 1469 P. Fuß angenommen, 99 P. Fuß im Durchschnitt also auf 1 St. der Thalbahn 81/4 P. Fuß, somit immer soviel als z. B. der Fall des Neckars zwischen Rottenburg und Tübingen; und rascher noch, als selbst dieses Gefälle es mit sich bringen mag, zeigt sich, bey genauerer Beobachtung, der wirkliche Lauf des Flusses, was ohne Zweifel von der vollen Wassermasse herrührt, da die Geschwindigkeit eines Flusses nicht blos von seinem Gefälle, sondern auch von seiner Tiefe abhängt. Es ist daher wohl weniger der geringe Fall, als vielmehr die Beschaffenheit des aufgeschwemmten, lockern Landes, der flache, mit dem Flußspiegel fast wagerechte Boden der weiten Riede und der fast gänzliche Mangel an aller Uferbekleidung, was Schuld an jenen ewigen Krümmungen und Verwüstungen ist. Wir theilen hier noch eine nähere Übersicht von dem Gefälle der Donau, nach würt. Schuhen, innerhalb der bezeichneten | Gränzen, so weit es die Untersuchungen erlauben, mit, wobey wir bemerken, daß die Angaben von dem Gefälle bis an die Lautermündung auf genauen Abwägungen des Herrn Oberlieutenants Duttenhofer, die weitern aber auf barometrischen Messungen beruhen.
Benennung
der
Punkte.
Entfernung Fall des
Flusses.
Mittl. Fall auf 1000 F.
nach der
Flußbahn.
nach der
Thalbahn.
nach der
Flußbahn.
nach der
Thalbahn.
Achmündung ° ° ° ° °
Rechtenstein, Wehr 28.600′ 22.100′ 13,6 0,5 0,6
Obermarchthal, Wehr 7200′ 5800′ 5,4 0,7 0,9
Lautermündung 4800′ 4500′ 11 2,3 2,4
Schmiechenmündung 83.900′ 61.000′ 264 3,1 4,3
Illermündung 114.600′ 77.300′ 52 0,5 0,7
Zusammen 239.100′
=182/5 St.
 
170.700′
=13 St.
 
346
 
 
1,4
auf eine
18,8
2
Stunde
26,6

[ws 1]

Am stärksten wäre also der Fall von Obermarchthal bis zur Schmiechen.

Daß die Donau von Zwiefaltendorf bis Munderkingen die Vorberge der Alp durchschneidet und durch Kalkfelsen geht, von dort an aber ins Freye hervortritt, und nur noch einmal zwischen Berg und Nasgenstadt eingeengt, in weiten Thalbecken am Fuße der Alp hinströmt, erhellt aus der obigen Bezeichnung des Thals und aus der Karte. Aber eine kurze Betrachtung verdienen noch eben jene Becken. Es sind ihrer, wie wir gesehen haben, drey: das Obermarchthaler, das Rottenacker und das Erbacher. Aus jedem derselben ist dem Flusse nur ein schmaler Ausgang geöffnet, und sichtbar hingen die dadurch getheilten Höhen und Berge einst zusammen. Dadurch mußte der Fluß nothwendig zu eben so vielen großen Seen aufgestaut werden, bis er endlich entweder durch irgend eine Gewalt, oder durch allmähliges Ausspülen der Durchgänge auf seinen jetzigen Stand herabsank. Diese ehemaligen Seegründe, nun Riede, werden noch jetzt bey jedem Anschwellen| des Flusses, welches in Folge von Regen und Schneeabgang öfters vorkommt, schnell überschwemmt, und dergleichen Überschwemmungen verursachen häufig neue Flußbahnen.

Schifffahrt oder Flößerey findet auf der Donau erst von dem Einflusse der Iller an Statt. Dagegen gibt die Fischerey den Anwohnern einigen Erwerb; die Fische der Donau und ihrer Einflüsse werden wir weiter unten kennen lernen. Von Mühlen und Werken treibt der Fluß innerhalb des Oberamtsbezirks 5 Mahl- und 8 andere Mühlen; 8 Haupt- und 4 kleinere Brücken unterhalten die Verbindung zwischen beyden Ufern. Sie sind alle von Holz, sehr einfach gebaut. Sehr viele Orte liegen zwar an dem Donauthale, nur wenige aber, wie die Karte zeigt, an der Donau selber, und Untermarchthal ist der einzige, den sie durchschneidet. Die Donaueinflüsse sind:

a. von der rechten Seite.

1) Die Bronnach, ein ganz unbedeutendes Wässerlein; Ursprung bey Möhringen, am Bussen, Einfluß bey Mittenhausen.

2) Der Marchthaler Bach, nicht viel bedeutender; Urspr. südlich auf Marchthaler Markung, Einfl. durch eine tiefe Schlucht bey Obermarchthal.

3) Der Dobelbach oder Mühlbach. Urspr. in dem reichen Quellenbezirke des Bussen; Einfl. unterhalb Emerkingen, wo er eine Mühle treibt.

3) Die StehenStadionbach. Urspr. oberhalb Moosbeuren; Einfl. unterhalb Bettighofen. Den Namen Stehen oder Stadion erhält das Wasser erst bey Unterstadion, wo es eine Mühle treibt, nach der Vereinigung mit mehreren andern Bächen, und zwar sind diese:

a) der Ellighofer Bach, der von Hausen und Willenhofen herkommt, an Aigendorf und Ellighofen vorbey und bey Moosbeuren einfließt;

b) der Mühlhauser Bach, der von der Höhe bey Rupertshofen über Oggelsbeuren, wo er 2 Mühlen treibt, herab, durch Mühlhausen geht und bey Unterstadion sich vereinigt;

c) der Grunzheimer Bach, der von Uttenweiler herkommt, zu Grunzheim, wo er eine Mühle treibt, einen Zufluß von Dettenberg her aufnimmt, zu Rettighofen wieder eine Mahl- und 2 andere Mühlen treibt und ehe er noch die Stehen erreicht, sich mit dem Mühlhauser Bach vereinigt;

| d) der Hundersinger Bach, Mühlbach, der von Dieterskirch, ebenfalls vom Fuße des Bussen herkommt, zu Hundersingen eine Mahl- und eine Ölmühle treibt und zu Bettighofen einfließt. – Im Ganzen treiben also die Stehengewässer 6 Mahl- und 3 andere Mühlen.

4) Die Erlos. Urspr. bey Bettighofen, Lauf durch das Donauried, Einfl. bey Berg.

5) Die Riß, der bedeutendste Nebenfluß, der das Oberamt auf der Markung von Rißtissen berührt, durch Rißtissen, wo er eine Mahl-, Säge- und Gypsmühle treibt, und durch das weite Donauried, an Ersingen vorbey, wo er wieder eine Mühle treibt, in die Donau geht. In die Riß geht der Alberweiler Bach, der aber das Oberamt nur in seiner äußersten Spitze bey Alberweiler berührt.

6) Die Westernach, welche die Erbacher Riedmühle treibt, aber, wie noch mehr

7) die Roth, das Oberamt nur auf seiner äußersten Südostgränze berührt.

b. Donaueinflüsse von der linken Seite.

1) Die Lauter. Sie ist auf dieser Seite nebst der Schmiechen der Haupteinfluß, aber bey Münsingen schon von ihrem Entstehen an näher beschrieben worden. Innerhalb des Oberamts Ehingen macht sie mit allen Krümmungen noch einen Weg von 21.000 Fuß oder etwa anderthalb Stunden, und treibt 2 Mahl- und 2 andere Mühlen.

2) Der Weiherbach, ein kleines Wässerlein, das auf der Höhe bey Herbertshofen, wo sich ehemals ein Weiher befand, entspringt und unterhalb Dietenhofen einfließt.

3) Die Schmiechen, Schmieach, Schmiea, Schmie. Sie entspringt aus einer starken Felsenqelle bey den Springenmühlen im Oberamt Münsingen, berührt das Oberamt Ehingen auf der rechten Seite unterhalb Gundershofen, tritt nach 3/4 St. ganz in dasselbe ein bey Theuringshofen, verläßt es aber nach 1/2 St. wieder, und geht in dem Oberamt Blaubeuren, durch das Dorf Schmiechen, immer in östlicher Richtung fort, bis sie auf einmal nach Süden sich wendend, zwischen Schmiechen und Allmendingen aus der Alp hervor und neuerdings in das Ehinger Oberamt eintritt, und dann durch Allmendingen, an Bergach vorbey, ihren Lauf nach Ehingen, und von hier an westlich sich wendend, also in umgekehrter Richtung mit ihrer ersten Bahn, nach der Donau fortsetzt, in die sie sich 1/4 St. unterhalb Ehingen ergießt.| Die ganze Länge ihres Laufs beträgt nach der Strombahn 96.900 Fuß, oder 33/4 Meilen, gerade 1/2 Meile mehr, als nach der Thalbahn; die Wassermasse wird der von der Lauter nahe kommen; ihre Quellen liegen 1936 Par. Fuß, ihre Mündung 1515 P. F. über der Meeresfläche; ihr Gefälle beträgt also nach der Thalbahn im Ganzen 421 F. und auf eine Länge von 1000 F. 5′ 6″, oder auf 1 Stunde 72′. Das Gefälle ist also dem der Lauter ungefähr gleich. S. Beschreibung des Oberamts Münsingen. S. 41. Bey Theuringshofen macht sie sehr schöne Wasserfälle, hier, wie im Lauterthale, Gießel genannt; dagegen hat sie zwischen Schmiechen und Bergach und besonders in dem Allmendinger Ried sehr wenig Fall, vertheilt sich deßwegen hier auch in mehrere Äste und versumpft das Thal. Es findet bey diesem Ried dieselbe Beobachtung Statt, wie bey den Donaurieden. So lange die Öffnung bey Bergach und die Flußbahn weiter hinab noch nicht eingefurcht war, stand darin die Schmiechen zu einem ansehnlichen See aufgestaut. Die Schmiechen treibt 14 Mahlmühlen und 11 andere Mühlen und Werke, mit Ausnahme von 4 Mahlmühlen, alle im Oberamte und davon 14 allein zu Ehingen. Sonst wird sie auch, wo es nöthig ist, zur Wässerung benutzt.

Bemerkenswerthe Einflüsse der Schmiechen sind:

a) der Sondernacher Bach (Sondernach). Urspr. bey Sondernach; Einfl. 1/4 St. davon;

b) Allmendinger Bach. Urspr. nur 100 Schritte oberhalb Gr. Allmendingen; Einfl. unterhalb des Dorfs;

c) Heufelder Bach, ein ganz unbedeutendes Wässerlein, das aber zu Zeiten stark anläuft. Urspr. auf Heufelder Markung; Einfl. zwischen Ehingen und Bergach;

d) Weiherbach, Urspr. theils in den Weiherwiesen bey Ehingen, wo er eine kleine Mühle treibt, (s. Quellen) theils in einer Quelle bey Schlechtenfeld, Einfl. unter Ehingen, wo er noch ein Wasserwerk treibt.

4) Der Dischinger Bach, eigentlich 2 Bäche, wovon der eine von der Gegend von Niederhofen herkommt und durch Dischingen geht, wo er eine Mühle treibt, der andere von der Höhe von Öpfingen herzieht und unterhalb Dischingen, kurz vor dem Einfluß in die Donau, sich mit ersterem vereinigt.

5) Der Donaurieder Bach, ein unbedeutendes Bächlein von ganz kurzem Laufe.

6) Der Erlbach. Urspr. auf dem Hochsträß, 1/4 St.| von Bach, Lauf durch Bach und Erbach, wo er eine Mühle treibt, Einfl. bey Erbach. Der unbedeutende Bach schwillt bey Regen und Gewitter oft so an, daß er das ganze Thal überschwemmt und vor einigen Jahren ein Förster mit Frau und Knecht bey der Heimkehr von einem Scheibenschießen zu Erbach den Tod in seinen Fluthen fand.

Von allen diesen Einflüssen sind auf der rechten Seite nur die Riß, Westernach, und Roth, auf der linken die Lauter und Schmiechen mehr als Bach.

c. Seen.

Seen oder Weiher, wie sie in Oberschwaben genannt werden, gibt es in dem Oberamt nicht, den Schmiecher See oberhalb Allmendingen ausgenommen, der aber größtentheils zu dem Oberamt Blaubeuren gehört, und in der Regel mehr Sumpf als See ist. Daß es aber in ältern Zeiten mehrere und ansehnliche Seen gegeben habe, ist kein Zweifel; außer den über unsre Geschichte hinausreichenden 3 Donauseen und dem Allmendinger See (s. u.) kennt die Geschichte noch den Alberweiler See und nach diesen die Weiher bey Herbertshofen und bey Ehingen, deren bey den genannten Orten noch gedacht werden wird.

6. Höhe und Abdachung.
Die Höhe des Bodens in dem Oberamte wechselt zwischen 1475 und 2300 P. Fuß. Die größte Höhe erreicht er in der Alp, namentlich auf den luther. Bergen. Die Anhöhen auf dem rechten Donauufer sind zwar an sich nicht bedeutend, erheben sich jedoch durch ihr allmähliges Steigen bey Rupertshofen, als dem höchsten Bezirk auf dieser Seite, bis auf 1900 P. F. und drüber. Der niedrigste Bezirk ist das Donauried unterhalb Erbach; Erbach selber ist, so weit es im Thale liegt, der niedrigste Ort, Weiler Steußlingen dagegen der höchste, und mit diesem so ziemlich gleich sind Ennahofen, Grötzingen, Tiefenhülen und die nächsten Orte. Von beyden Seiten senkt sich das Land gegen die Donau und das ganze Oberamt liegt im Donaugebiete. Die untergeordneten Wasserscheiden lassen sich leicht durch die Karte auffinden. Unter| Verweisung auf die oben bey der Donau gemachte Bemerkung stellen wir hier noch einige, meist barometrische, Höhenbestimmungen von einzelnen Orten zusammen.
  P. F.   W. F.
Weiler Steußlingen, Kirchhof 2286 2592
Stoffelberg, bey der Capelle 2229 2527
Rupertshofen, beym Pfarrhaus 1851 2099
Mittenhausen, Donau 1772 2009
Rechtenstein, Donau über dem Wehr 1764 2000
Obermarchthal, ebenso 1759 1994
Lautermündung 1748 1982
Ehingen, Marktplatz 1606 1821
Ehingen, Schmiechen bey der Brücke 1561 1770
Erbach beym Pfarrhaus 1653 1874
Schmiechen Quelle 1936 2195
      –            im Dorfe Schmiechen 1692 1918
      –            Mündung 1515 1718

[ws 2]

7. Boden und Gebirgsarten.

Der Boden des Oberamts ist, wie fast überall sehr verschieden; diesseits der Donau, auf der Alp und an ihrem Hange hat er in der Regel die schon früher bezeichneten Eigenschaften, jenseits ist viel leichter Boden. Die luth. Berge zeichnen sich durch starken Lehmgehalt des Bodens und hauptsächlich durch einen weißlettigen Boden aus. Von dieser Art ist auch der Boden jenseits der Donau um Stadion herum, dagegen haben andere Bezirke, insbesondere die Donauriede und das Allmendinger Ried viele, zum Theil versumpfte, Moorgründe. In der Gegend von Rißtissen findet sich ein leichter, hitziger Sandboden, der dem Korn sehr unzuträglich ist. Auch am Fuße der Alp, in dem Kirchheimer Thale hat der Boden viel Sand, ist aber sehr fruchtbar. In manchen Gegenden besteht der Boden in nichts als tief aufgeschwemmtem, mit Sand und Lehmen vermischten Kiese.

Die Gebirgsarten sind Jurakalk, Mergelsandstein, aufgeschwemmtes Land. 1) Der Jurakalk ist| die vorherrschende Gebirgsart in dem ganzen, auf dem linken Donauufer gelegenen Bezirke. Er setzt bis an die Donau herab und mit dem Fuße der Alp an mehreren Stellen, wie bey Rechtenstein, Marchthal und Munderkingen auch noch über die Donau hinüber. Auch Ehingen steht größtentheils auf Jurafelsen. 2) Der Mergelsandstein, tertiärer, an die sogenannte Mollasse sich anschließender Sandstein, dessen Vorkommen man bisher übersehen hat, der aber nicht nur in dem Oberamt Riedlingen, wo noch besonders davon die Rede seyn wird und weiter hinauf, sondern auch in unserm Oberamte vorkommt, und zwar, nicht nur am Fuße der Alp diesseits der Donau, wie hauptsächlich in dem Bacher Thale, sondern auch jenseits der Donau, besonders gegen den Bussen hin, wie zu Hundersingen bey Stadion. 3) Das aufgeschwemmte Land kommt zum Theil noch diesseits, hauptsächlich aber jenseits der Donau vor, wo es, wie überhaupt in Oberschwaben die herrschende Gebirgsart ist. Es besteht vorzüglich in a) Gerölle, Sand und Leimen, bald mehr, bald weniger mächtig, oft nur in einzelnen Muhlden, wie bey Bergach, oft das ganze Land bedeckend und Hügel, Berge und Bergrücken bildend, wie auf dem rechten Donauufer und diesseits bey Ehingen, wo der Kußberg aus einem auf Jurakalk liegenden Kiesrücken besteht. Das Gerölle oder die Kiesel sind meist sehr groß und häufig so, daß man sie ihrer Rundung ungeachtet, statt Mauersteinen gebraucht. b) Kalktuff bey Rottenacker, Nasgenstadt, bey der Laufenmühle im Lauterthal und im Schmiechenthal bey Theuringshofen. Hieher gehört wohl auch der sogenannte Süßwasserkalk, der an und auf dem Jura wieder bey Rottenacker, bey Berg und hauptsächlich häufig und mächtig bey Erbach vorkommt, und mit einer Menge Conchylien vermischt ist. c) Moorland, womit nicht nur die obengenannten Riede, sondern auch die höher gelegenen Gegenden auf dem rechten Donauufer bey Griesingen, Moosbeuren etc. bedeckt sind. Übrigens hat dasselbe hier seinen Ursprung nicht sowohl in Aufschwemmungen,| als vielmehr in örtlichen, noch fortwirkenden Ursachen und ist meist vegetabilischer Natur.

8. Klima.

Wie die einzelnen Bezirke, so sind natürlich auch die klimatischen Verhältnisse sehr verschieden. Auf der Alp ist die Witterung rauh und windig, wie sie bey dem Münsinger Oberamt beschrieben worden ist, doch merklich gelinder, als dort, ohne Zweifel wegen der südlichen Neigung des Bezirks. Die Niederungen haben zwar ein viel milderes Klima, da aber auch sie schon ziemlich hoch liegen und die mittlere Höhe des Donauthals selbst schon über 1600 P. F. steigt: so läßt sich leicht einsehen, daß sie bey unserer Breite nicht mehr zu den mildern Bezirken gerechnet werden können. Erst mit Ende Aprils stellen sich in der Regel die ersten Frühlingstage ein und bis in die Mitte Juni’s sind die Nächte kühl und Frost und Reifen häufig. Letzteres ist um so mehr der Fall, da die Niederungen an einem Hauptübel – häufigen Nebeln leiden, auch die Ost- und Nordostwinde sehr häufig sind, und oft 14 Tage lang anhaltend wehen. Übrigens kommen die zärtern Gartengewächse, wie Bohnen und Cukumer und ebenso auch die feinern Obstsorten, mit Ausnahme der Pfirsiche, noch recht gut fort. Die Ernte tritt in den Niederungen fast 14 Tage früher, als auf der Alp ein, gemeiniglich gegen Ende des Juli, somit also immer eben so früh, als im Unterlande. Die Alporte und unter der Alp insbesondere Mundingen, Kirchheim, Ehingen, Allmendingen und Heufelden leiden häufig von Wetterschlag. Von den Wirkungen des Klima auf den Gesundheitszustand wird weiter unten noch die Rede seyn.

9. Natur-Erzeugnisse.
1) Mineralreich.

Metalle finden sich wenig; einzelne Erscheinungen deuten auf das Vorhandenseyn von Eisenerzen am Stoffelberg hin, und an und auf der Alp, namentlich zu Mundingen kommt Bohnerz vor. S. u.

Steine. Kalksteine und Geschiebe sind die gewöhnlichen| Steine, seltener Sand- und Tuffsteine; s. o. und an guten Bau- und Werksteinen mangelt es fast ganz. Der Jurakalkstein kommt in verschiedenen Abänderungen vor; in plattenförmigem Bruche bey Gr. Allmendingen; grobschiefrig und sehr thonhaltig mit vieler Beymischung von Sand und deßwegen auch leichter zu bearbeiten, unter dem Namen Glasstein, bey Ehingen, Alt Steußlingen etc. Am Stoffelberge findet man Feuersteine, ebendaselbst eine merkwürdige eisenfarbige Breccie; Kalkspath – gelber, stänglichter kommt in dem Jurakalk, und in den Brüchen bey Berg vor. Alle mögliche Ur- und Flötzgebirgsarten aber findet man in den Geröllablagerungen beysammen.

Von Erden findet man Ocher am Stoffelberg, eine Pfeiffenerde (Malergrundkreide) bey Niederhofen, Thonerde in vielen Orten, die beste, und von Töpfern sehr gesucht, auf den luth. Bergen bey Grötzingen und Tiefenhülen, auch bey Sondernach. Eine Art von Mondmilch, ein der Mondmilch sich nähernder Kalktuff kommt in den Sandgruben am Kußberg bey Ehingen vor.

Versteinerungen kommen in dem Jurakalk hier seltener, als anderwärts vor, dagegen finden sie sich in Menge in dem bezeichneten Süßwasserkalk, insbesondere bey Erbach, wo er fast ganz daraus zusammengesetzt ist; auch weiter hinauf an der Donau, bey Marchthal, Rottenacker etc. Es sind kleinere und größere Heliciten, bald von länglicher, bald von rundlicher, auch breitgedrückter Gestalt.

2. Pflanzenreich.
a. Hölzer und Sträucher. Die vorherrschende Holzart, sowohl diesseits als jenseits der Donau, ist das Laubholz. Auf der rechten Seite der Donau gibt es zwar auch Nadelholzbestände, sie machen aber weit den kleinern Theil der Waldungen aus. Dagegen finden sich hier viele aus Laub- und Nadelholz gemischte Waldungen, welche in unsrer Tabelle als Laubwaldungen eingetragen sind. Auf dem linken Donauufer| zeigen sich nur hier und da Fichten und Forchen mit Laubholz vermischt, oder auf kleinen Strecken vorherrschend.

Das gewöhnliche Laubholz ist die Buche; aber auch an Eichen und anderem Holz fehlt es nicht; die Eiche kommt, durch Lage und Boden begünstigt, besonders häufig an der Verflächung der Alp vor, vorzüglich in den Waldungen von Ehingen, (Osterholz). Außer Buchen und Eichen trifft man, sowohl diesseits, als jenseits der Donau, Birken und Aspen, und in den sauren und nassen Gründen jenseits hauptsächlich, Salweiden häufig an.

Der gefälligen Mittheilung der Herrn Oberförster Landenberger in Blaubeuren und Kuttler in Alpeck verdanken wir besondere Verzeichnisse der in ihren Forstbezirken vorkommenden Hölzer und Sträucher. Da sie aber außer der Lerche, welche jedoch nur in Culturen vorkommt, ganz dieselben Arten enthalten, wie sie schon das Verzeichnis bey Reutlingen S. 37 gibt, so verweisen wir hier auf jenes, und fügen hier nur noch einige Sträucher bey, und zwar:

Pfaffenkäppchen, Eyon. europ.; Felsenbirne, Mespilus amelanchier; Quittenmispel, Mesp. coton. Heckenkirsche, Lonie xylost. Seidelbast, Daphne mez. Waldrebe, Clematis vilalba; Heuhechel, Ononis spin. Sinngrün, Vinca maj. Mistel, Viscum alb. Auch kommen verschiedene Rosenarten, in jungen Schlägen der Färbeginster, genista tinct., auf den luth. Bergen der Wachholder, auf dem Stoffelberge das Heidekraut, ferner der Himbeer-, Brombeerstrauch etc. häufig vor.

b. Krautartige Pflanzen. Das Oberamt Ehingen gehört in dieser Beziehung zu den merkwürdigern des Vaterlandes, indem es auf der einen Seite mehrere der schönern Alppflanzen, auf der andern verschiedene Sumpfpflanzen enthält, von welchen manche in andern Gegenden Würtembergs nur selten vorkommen. Wir theilen hier aus einem Verzeichnisse, das wir dem Herrn Dr. Buzorini in Ehingen verdanken, das Merkwürdigere mit.

1) In den Altwässern der Donau finden sich: Hippuris vulgaris, Tannenwedel; Callitriche verna, Wasserstern; Potamogeton perfoliatum, Saamkraut; Cicuta virosa, Wütherich; Phellandrium| aquaticum, Wasserbörtylle, (die zwey letzten gehören zu den seltenen Pflanzen); Butomus umbellatus, Wasserlenschried, Hydrocharis Morsus rana, Froschbiß; Thypha latifolia, Kolben; Nymphaea lutea, Nixblume.

2) Auf dem Allmendinger Ried: Pinguicula vulgaris, Fettkraut, (gehört zu den seltenen Pflanzen); Eriophorum vaginatum et angustifolium, Dauengras; Primula farinosa, Schlüsselblume; Parnassia palustris, Pinnblatt; Pedicularis palustris, Läusekraut.

3) Am Schmiechersee und im Schmiechthal: Gratiola officinalis, Gnadenkraut; Cynosurus coeruleus, Kammgras; Dipsacus pilosus; Karden; Saxifraga Aizoon, Jacq., Steinbrech, auf Bergen im Schmiechthal.

4) Im Wald bey dem hohlen Felsen bey Ehingen und andern benachbarten Wäldern. Rhamnus saxatilis, Wegdorn; Viola mirabilis, Veilchen; Paris quadrifolia, Einbeere; Rubus saxatilis, Ranke (gehört zu den seltenen Pflanzen); Draba muralis, Hungerblume; Chrysanthemum corymbosum, Wucherblume.

5) Auf Anhöhen der Alp und in Alpwäldern. Gentiana lutea, Enzian; Euphorbia silvatica, Wolfsmilch (Wälder ob Allmendingen); Actaea spicata, Schwarzkraut; Digitalis purpurea, Fingerhut (selten), Arabis arenosa et hirsuta, Türkenkresse; Artemisia Absynthium, Wermuth; Ophrys Myodes L. (Arachnites musciflora Schmidt) Spinnwurz; Ophrys insectifera L. (Arachnites fuciflora Schmidt) Spinnwurz; Serapias lancifolia Ehrh. Zenke; Cypripedium calceolus, Frauenschuh (gehört zu den seltenen Pflanzen); Lilium Martagon, Lilie; Stachys alpina, Andornnessel; Arnica montana, Wolverley (gehört zu den seltenen Pflanzen); Alyssum montanum, Steinkraut; Coronilla coronata, Kronenpeltsche (gehört zu den seltenen Pflanzen); Hypericum montanum, Johanniskraut; Aquilegia vulg., Ackeley.

6) Außer den genannten finden sich. Utricularia vulgaris, Wasserschlauch, in Gräben bey Unterstadion, Emerkingen; Menyanthes trifoliata, Zottenblume, auf Wiesen zwischen Ehingen und Bergach; Impatiens noli-tangere, Springkraut, bey Stadion; Conium maculatum, Blutschierling, bey Ehingen; Tamarix germanica, Tamariske, bey Emerkingen, Unterstadion; Galanthus nivalis, Schneeglöckchen, bey Ehingen (selten); Scilla bifolia; Meerzwiebel, am Mühlweg bey Ehingen; Convallaria polygonatum et verticillata, Maiblume am Kohlenberg bey Schlechtenfeld; Convallaria bifolia, Bergacher Wäldchen; Hyacinthus botryoides, Hyacinthe, bey Frankenhofen; Anemone Hepatica et nemorosa, et pulsatatilla, Windblume im Eichhau; Fumaria bulbosa, Erdrauch,| bey Dettingen; Eupatorium cannabinum, Alpkraut, bey Unterstadion; Asperula odorata, Meierkraut, beym Käßwasser, und and. Orten; Cuscuta europaea, Flachsseide, bey Ehingen, Marchthal, Erbach etc. Chaerophyllum bulbosum, Körbelkorn, bey Berg, Obermarchthal etc. Ornithogalum luteum, Vogelmilch, auf Feldern an der Straße gegen Riedlingen; Polygonum Hydropiper, Wasserpfefferknöterich, Emerkingen u. a. Orten, Sedum Thelephium, Fetthenne, Bergach, Käßwasser etc. Geum urbanum, Nelkenwurz, Granheim, Ehingen etc. Aconitum Lycoctonum, Sturmhut, Wald beym hohlen Felsen; Coniza squarrosa, Dürrwurz, Stadion, Oggelsbeuren etc. Achillea Pharmica, Schafgarbe. Auf feuchten Wiesen bey Unterstadion etc. (selten).

An offiziellen Kräutern sind die Gegenden um Mochenthal und Mundingen und vorzüglich die dem Landgericht nahe gelegenen Waldungen sehr reich; es wachsen in Menge und werden von Kräuterhändlern entfernter Gegenden gesammelt: Betonica off. Valeriana; Polygala amara; Verbascum thapsus; Tormentilla er.[1].

Als unvertilgbares Forstunkraut zeichnen sich aus: Hypp. perfor. und hirs. Euph. veruc. und sylv. Vicia cracca und pilif.

Als eßbarer Schwamm verdient auch noch der Phallus esc. bemerkt zu werden, der in den Waldungen bey Mochenthal gefunden wird.

3. Thierreich.
Das Wild besteht in dem gewöhnlichen Hochwild und Niederwild – Hirschen, häufiger Rehen, Hasen etc. Schwarzwild findet man keines mehr. In den Felsenklüften der Alpthäler gibt es viele Füchse, auch Marder und wilde Katzen. Dächse, Iltisse, Wieseln etc. fehlen ebenfalls nicht. An und auf den Donauinseln halten sich hier und da auch Fischottern auf. Die Vögel sind bis an die Donau die gewöhnlichen;| mit der Donau aber beginnt der Aufenthalt zahlreicher Wasservögel – wilde Enten und Gänse, Riedschnepfen, Kibitzen, Aloböcke (gem. Meven), welche an der Donau, noch mehr aber weiter hinauf, theils einheimisch sind und nisten, theils als Zugvögel mit Eintritt des Winters in zahlreichen Schwärmen sich eine Zeitlang niederlassen. Zuweilen kommen auch solche Vögel an, die sonst nur in nördlichen Gegenden, am baltischen Meere etc. gefunden werden. Mehr davon bey Riedlingen. Von Raubvögeln finden sich: der gemeine Geyer, der Gabelgeyer (Milane), der Bussardfalke und rauhbeinige Bussarde, der Wanderfalke, Hühnerhabicht, Sperber etc.

Fische gibt es mancherley: Forellen in den Alpflüßchen; Hechte, öfters von 30–40 Pfund in der Donau und ihren südlichen Einflüssen; Karpfen – die berühmten Donaukarpfen, hauptsächlich bey Rottenacker; Druschen, häufig in der Riß; Berschinge; Grundeln; Groppen; Aschen; Schleien; Barben und Schuppfische, hier Bärmen und Alet genannt. Auch der Rothfisch steigt von der Iller bis an das Wehr von Rottenacker hinauf. Aale gibt es nur wenige, in der Riß. Krebse und zwar Edelkrebse finden sich in den Donaugewässern bey Nasgenstadt, Marchthal, Munderkingen und hauptsächlich bey Rottenacker, auch in der Riß.



  1. Wir ziehen diese letztern Angaben aus einem Aufsatze des Herrn Oberförsters von Moltke in Zwiefalten, dessen Vortrefflichkeit uns sehr bedauern ließe, daß wir ihn erst während des Drucks erhalten haben, wenn wir nicht später noch mehr Gelegenheit zu seiner Benutzung fänden.
Anmerkungen [WS]
  1. Korrektur in Beschreibung des Oberamts Riedlingen S. 266 lautet: S. 23 und 28 ist in Beziehung auf Gefälle und Höhenangaben die verbesserte Zusammenstellung in dem [dortigen] Hefte S. 36 und 46 zu vergleichen. Die Höhe von Riedlingen bezieht sich hier nicht auf die Straße, sondern auf den 2ten Stock in der Post.
  2. Korrektur in Beschreibung des Oberamts Riedlingen S. 266 lautet: S. 23 und 28 ist in Beziehung auf Gefälle und Höhenangaben die verbesserte Zusammenstellung in dem [dortigen] Hefte S. 36 und 46 zu vergleichen. Die Höhe von Riedlingen bezieht sich hier nicht auf die Straße, sondern auf den 2ten Stock in der Post.