Beschreibung des Oberamts Ehingen/Kapitel A 2

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II. Geschichtliche Denkwürdigkeiten.

1. Frühere Verhältnisse.
a. Ältere bürgerliche Verhältnisse und Bildung des Oberamts.
Nachdem die Römer vertrieben waren, und das Land später der Fränkischen Herrschaft unterlag, zur Zeit der Gaugrafschaften, im 8ten und in spätern Jahrhunderten, war das Oberamt Ehingen größtentheils unter die Gaue, die Folkoltsbar und Albuinsbar eingetheilt, welche beyde aber wahrscheinlich nur dem Namen nach verschieden waren[1]. Einen Untergau davon bildete der Schwerzgau, und im 9ten und 10ten Jahrhundert kommt häufig der| Munderkinger Gau vor. Der südliche Theil des Oberamts (Oberstadion, Grunzheim, Oggelsbeuren) scheint zum Erchgau gehört zu haben.

Die Albuinsbar kommt in Urkunden mit folgenden Orten vor[2]. Berechach, Bergach, i. J. 788; Patinhova, Bettighofen, i. J. 838; Pileheringa, Kirchbierlingen, i. J. 809.

Die Folkoltsbar, deren Name sich vielleicht noch in dem Ort Volkersheim, ehemals Volkoltsheim geschrieben, erhalten hat[3] mit: Antarmarhingas, Emerkingen, 805 und 842; Marathale, Marchthal, i. J. 805; Pilaringas, wieder Kirchbierlingen, 776; Stiozaringas, Steußlingen, 776; Thalaheim, Thalheim, 776; Tatunhusum, Dattenhausen, 776; ferner Willenhofen.

Der Schwerzgau, pagus Suezza, pagellus, Suuercenhuntare, dessen Name sich noch in dem Weiler Schwörzkirch erhalten zu haben scheint[4] mit: Almunziga, Allmendingen, i. J. 966; Muntinga, Mundingen, i. J. 854; Stetiheim, Stetten, i. J. 854; Stiuzringa, Steußlingen, i. J. 854.

Der Munderkinger Gau, pagus Munteriheshuntare, pagus Mundricheshundera, comitatus Munticheshuntere, und, zuerst 792, Marcha Munthariheshuntari genannt, dessen Name von der Stadt Munderkingen herkommt[5] mit: Alamuntinga, Allmendingen, i. J. 961, und zu gleicher Zeit Adalharteshova, Allgershofen, wenn nicht Aderazhofen, Berchach, Bergach, Ehinga, Ehingen, Griesinga, Griesingen, Mose, Moosbeuren; Pillinthorf, Willenhofen? 792. Bergach, Kirchbierlingen, Steußlingen, und Allmendingen kommen unter 2 Bezirken vor: ein Beweis,| daß entweder der eine dem andern untergeordnet war, oder daß die Namen gewechselt haben. Die am häufigsten vorkommenden Gaugrafen sind die Grafen Chadaloch und Wago (805 etc.) Brüder, welche viele Güter in dem Oberamt an das Kl. St. Gallen vergaben, und nach allen Umständen große Allodialbesitzungen daselbst hatten. Sie waren Sprossen der berühmten Bertholdischen Familie, von welcher die Bertholdsbar ihren Namen erhielt. Nach ihnen findet man das Oberamt größtentheils im Besitze der, mit Burkhard I. i. J. 916 wieder hergestellten, Allemannischen Herzoge, welche ihren Sitz lange Zeit zu Marchthal hatten. S. Obermarchthal. Nach ihrem Erlöschen theilte sich der Oberamtsbezirk unter viele Herren; die angesehensten davon waren die Grafen von Berg, welchen 2/3 des Oberamts gehörten, nächst ihnen die von Steußlingen und von Amerkingen, oder Emerkingen. Die bergischen Güter, namentlich die Herrschaft Ehingen, zum Theil auch die Emerkingischen, kamen, wie wir später sehen werden, meist an das Haus Östreich, die Steußlingischen an Würtemberg; einen großen Theil des Oberamtsbezirks zogen allmählig die Klöster, insbesondere Marchthal und Zwiefalten an sich, der Rest blieb in dem Besitze des Adels, und so theilte sich am Ende der Oberamtsbezirk auf die oben angegebene Weise. Die Jahre 1802 und 1803, der Preßburger Friede 1805, die Rheinische Bundesacte 1806 und das Jahr 1810 vereinigten endlich Alles unter dem Scepter von Würtemberg, und es wurde daraus 1806 in Verbindung mit dem Blaubeurer Oberamts-Orte Rottenacker ein eigenes Oberamt gebildet, das 1808, von dem wieder aufgelösten Oberamt Urspring mit dem vormaligen Oberamte Steußlingen und (jedoch nur auf kurze Zeit) mit dem Stabsamt Justingen, 1810 von dem wieder aufgelösten Oberamte Zwiefalten mit dem damaligen Unteramte Obermarchthal und mehreren vormals Zwiefaltischen und andern Orten, so wie mit Orten des vormals Baierschen Landgerichts Söflingen vergrößert wurde, dagegen später aber auch wieder durch die Absonderung der| Fürstl. Thurn und Taxischen Orte i. J. 1823, in Beziehung auf Verwaltung eine bedeutende Verminderung erlitt.
b. Ältere kirchliche Verhältnisse und Bildung der jetzigen.

Unter dem Bisthum Constanz und dem alten Archidiakonat Alp waren die Pfarreyen des Oberamtsbezirks ehemals unter die 2 Land-Capitel Ehingen und Munderkingen vertheilt, in sichtbarer Übereinstimmung mit der alten Gaueintheilung[6]. Nur die Pfarreyen Erbach mit Donaurieden, Bach und Oberdischingen gehörten zum Land-Capitel Blaubeuren, Alberweiler zu Biberach, Rißtissen zu Laupheim. Diese uralte kirchliche Eintheilung blieb Jahrhunderte lang unverändert. Erst 1814, da man die Dekanate in Übereinstimmung mit den Oberamtsbezirken zu bringen suchte, wurde das Capitel Munderkingen aufgelöst und das von Ehingen auf das Oberamt ausgedehnt[7].

Die Reformation hatte wenig in dem kirchlichen Zustande verändert: nur die altwürt. Orte Rottenacker und Mundingen und später auch die Orte der Herrschaft Steußlingen und Ersingen, letzteres dem Ulmischen Frauen-Kloster gehörig, traten der lutherischen Lehre bey und wurden, mit Ausnahme des letztern, dem evang. Dekanat Blaubeuren zugetheilt. Eine Zeitlang war auch Kirchheim lutherisch, und in Öpfingen, wie in andern Freybergischen Orten hatte die Schwenkfeldische Lehre, wie wir später sehen werden, Eingang gefunden.

Die Zahl der Klöster im Oberamte war nicht bedeutend; es waren ihrer nicht mehr als 5: Marchthal, Oggelsbeuren, 2 in Ehingen und 1 in Munderkingen, wovon bey diesen Orten noch näher die Rede seyn wird.

2. Alterthümer.
a. Römische.

Straßen. Von 2 Straßen findet man in dem Oberamtsbezirke noch die Überreste, welche fast unverkennbar auf Römischen Ursprung deuten. Sie sind

| a. das Hochsträß, wovon ein ganzer Bezirk noch den Namen führt. Wir werden diese Straße bey den Oberämtern Blaubeuren und Ulm, durch die sie hauptsächlich hinzieht, ausführlicher beschreiben. In das Oberamt Ehingen zieht die Straße aus dem von Blaubeuren von der Markung von Ringingen in der Nähe von Altheim herein. Sie läßt Altheim eine halbe Viertelstunde rechts, und zieht durch die Felder und Hölzer von Schwörzkirch und Blienshofen, wo sich noch deutliche Überreste des Pflasters finden, allen Umständen nach rechts von Heufelden gegen Bergach in das Schmiechenthal hinab, wo sich ihre Spuren verlieren. Ob sie ein Theil der großen vielbesprochenen röm. Heerstraße gewesen sey, wie Buchner annimmt[8], wollen wir hier nicht untersuchen; bis zur Anlegung der Dauphinestraße i. J. 1770 war sie noch die Handelsstraße von Ulm nach Riedlingen etc. Wichtiger und bedeutender scheint gewesen zu seyn b. die Donaustraße, welche auf dem rechten Ufer der Donau, meist auf den dortigen Anhöhen hinlief und mehr noch, als die vorige die Merkmale einer Römer-Straße an sich trägt. Sie zieht von einer Gränze des Oberamts bis zur andern, nämlich von Rißtissen bis Oberwachingen bey Emerkingen. Von ersterem Ort an geht sie in gerader Linie durch den Öpfinger Wald, hinter Obergriesingen weg, zwischen Alt-Bierlingen und Schaiblinshausen durch, und die jetzige Biberacher Straße durchschneidend, nach Kirchbierlingen hin und von hier, an Bettighofen vorbey, durch einen Tannenwald über die Gränze nach Oberwachingen. Der Zug der Straße zeigt sich so deutlich, daß selbst die Geometer bey der Landesvermessung auf ihren Meßtischplatten sie in langen Strecken eingezeichnet haben, hauptsächlich bey Emerkingen, wo sie auch in unserer Oberamtskarte angezeigt ist. Wo die Cultur sie nicht zerstört hat, zeigt sich die Straße noch erhöht (als Hochgesträß) und aus einer| fest verbundenen Unterlage von großen Steinen bestehend, welche mit Kies überschüttet sind. Sie läuft in der Regel in schnurgerader Richtung hin, läßt die Orte meist zur Seite liegen, durchschneidet selten ein Gut, sondern bildet vielmehr fast immer die Gränze und häufig selbst die Markungsgränze, ein Beweis, daß sie älter, als die Orte und die Cultur selbst ist, wenigstens älter, als die Vertheilung des Grundeigenthums. In mehreren Lagerbüchern wird sie der Heidenweg, oder die Heerstraße genannt. Die Straße setzt über die Gränzen des Oberamts, einer Seits nach Dellmensingen und Oberkirchberg, anderer Seits durch das Oberamt Riedlingen fort, wo wir sie wieder finden werden.

Bauwerke, welche röm. Ursprung verrathen, finden sich ebenfalls mehrere in dem Oberamte. Längs der eben bezeichneten Straße hin liegen 4 Schlösser und Ruinen: Erbach, Berg, Altenburg bey Obermarchthal und Emerkingen, welche zum Theil noch alle Merkmale röm. Abkunft an sich tragen. Sie standen, vermuthlich als Wachposten, nicht nur unter sich, und weiter hin mit dem Bussen, in Verbindung, sondern beherrschten durch ihre Lage auch das Land weit und breit und insbesondere die rückwärts gelegene Straße. Dem Schloß Erbach gegenüber, auf der jenseitigen Anhöhe gegen Ulm, wurde 1821 von einem Bauer, der seinen Acker verbessern wollte, der Grundstock eines Gebäudes aufgegraben, das noch ganz die Einrichtung der bey Zatzenhausen und Mühlhausen aufgedeckten römischen Gebäude zeigte[9], insbesondere auch die Wärmekanäle und die Doppelböden. Man fand dabey auch Scherben von röm. Tafelgeschirr, mit dem Namen des Töpfers bezeichnet.

Röm. Münzen wurden mehrere auf dem Felde bey Emerkingen, bey Marchthal und insbesondere bey Rißtissen gefunden; sie gehen bis auf K. Valentinian und das Jahr 364 herab. Eine nähere Beschreibung von einem Theil derselben| hat Herr Kirchenrath Vannotti in den Würt. Jahrbüchern gegeben[10].

Inschriften und andere Denkmäler. Die merkwürdigsten Überreste röm. Alterthums finden sich zu Rißtissen an der Pfarrkirche. Ihre Entdeckung dankt man dem Herrn Kirchenrath Vannotti; von Ebendemselben findet sich auch eine ausführliche Beschreibung davon an dem angezeigten Orte, welcher wir hier folgen. Die Pfarrkirche wurde im Jahr 1784 von Grund aus neu gebaut. Zu diesem Bau verwendete man die Quadersteine der baufällig gewordenen ältern Kirche, und besonders des, wie die Sage lautet, in einem eigenen Styl erbauten Chors. Mehrere dieser Steine, die nun als Sockel des neuen Kirchengebäudes dienen, sind mit Figuren bedeckt, die mit vieler Kunst und Wahrheit bearbeitet sind, und den Stürmen der Zeit getrotzt haben; andere sind zum Theil zerstört und unkenntlich.

Auf der Südseite der Kirche ist ein Stein mit folgender Inschrift eingemauert:

IN H. D. D.
I. OM. ET DANV
VIO. EX VOT
O. PRIMANVS
SECVNDI VSLL
MVCIANO ET FABI
— — —

Der untere Theil der Inschrift ist in neueren Zeiten mit dem Spitzhammer ausgehauen worden. Doch läßt sich glücklicher Weise aus der Angabe der Consul noch so viel erkennen, daß das Denkmal im Jahr 201 oder 206 gesetzt worden ist. Herr Kirchenrath Vannotti erklärt in den Würt. Jahrbüchern die Inschrift also: In honorem Deorum Dearumque (sonst auch Domus Divinae) Jovi optimo maximo et Danuvio ex Voto| Primanus secundae Votum solvit lubentissime, Muciano et Fabi (ano, consulibus.) Wir bemerken dabey nur, daß statt Primanus secundae (Rottenführer der zweyten Cohorte) Primanus Secundinus zu lesen seyn möchte, da dieß ein röm. Familien-Name war, der auch auf Votivsteinen zu Mainz mehrmal vorkommt. Demnach hieße die Inschrift zu deutsch: Dem allgütigen und allherrschenden Jupiter und der Donaugottheit geweiht von Primanus Secundinus, unter dem Consulat des Mucianus und Fabianus, das ist im Jahre 201.

An der südwestlichen Ecke der Kirche, dem Erdboden gleich, ist ein 2 Schuh hoher Stein mit Bildern eingemauert, wovon 2 Seiten sichtbar sind, die 2 andern aber in der Mauer stecken. Auf gleiche Weise ist ein ähnlicher Stein auf der nordwestlichen Ecke eingemauert. Die Bilder auf diesen Steinen stellen 1) einen Jäger oder Krieger, an einem Spieße ein Jagdnetz auf der Schulter tragend, in ernstem Schritte, und vor ihm einen alten, seiner Äste beraubten Baum dar; 2) zwey Knaben, Genien, die ein, zum Todtenopfer bestimmtes Schwein an einer Stange tragen, und die gestürzte Lebensfackel in der Hand halten; 3) zwey Kinder, wovon das eine, wie es scheint, mit einem Kreisel spielt, das andere aber erschrocken zurücktritt, gleichsam abgefordert von dem kindlichen Spiele des Lebens; 4) zwey Figuren, eine weibliche, deren ausgestreckte Arme und Finger sich in Lorbeerblätter verwandeln, und eine andere in Lüften schwebende Figur, wahrscheinlich den verfolgenden Apoll, beyde aber die Mythe der Daphne, ohne Zweifel in Anwendung auf den Hingang in ein höheres Leben, darstellend.

Außer diesen und zwey andern Steinen, wovon die Abbildungen in den Würt. Jahrbüchern zu sehen sind, befinden sich noch mehrere Bilder in den Sockel der Kirche eingemauert und man muß schmerzlich die Zerstörung eines Denkmals durch unwissende Hände bedauern, welches vielleicht das merkwürdigste in unserm Lande war, und auf eine besondere Bedeutung des Orts, an dem es sich befand, schließen läßt. „Mir wird es,“ sagt Herr Kirchenrath Vannotti an| einem andern Orte, „immer wahrscheinlicher, daß auf der Stelle von Rißtissen einst das römische Aquileja stand.“ Wirklich begünstigen auch die darauf hinführende röm. Straße, die vielen röm. Münzen, die man dort immer noch findet und die Lage von Aquileja auf der Peutingerischen Karte, wodurch auch Mannert und Andere, ohne von jenen Denkmälern Etwas zu wissen, veranlaßt wurden, den Ort in der Nähe von Ulm zu suchen, diese Vermuthung in hohem Grade.

Da unser Zweck bey diesen Beschreibungen vor der Hand nur auf Beobachtungen und Sammlung von Thatsachen gerichtet seyn kann: so können wir nicht auf die Vermuthungen über die Lage mancher röm. Orte, die zum Theil in unserm Oberamtsbezirk angesetzt werden, und ebenso auch nicht auf die Streitfrage über den Zug der Peutingerischen Donaustraße eingehen; wir verweisen in dieser Beziehung vornehmlich auf 2 Aufsätze in den Würtembergischen Jahrbüchern: den schon genannten von Vannotti und einen andern von Herrn Gen. Vikariatsrath Jaumann 1824. H. II. sodann auf Leichtlens Schwaben unter den Römern. Freyburg 1825, wo alle Meynungen zusammengestellt sind. Daß Prugger und Buchner Clarenna bey Lautrach an der Lauter ansetzen, ist schon bey Münsingen bemerkt worden, und möchte sich leichter vertheidigen lassen, als in Ehingen Dracuina anzunehmen.

b. Deutsche Alterthümer.
1. Burgen und Burgruinen.

Außer 17 noch bestehenden Burgen und Schlössern, welche zum Theil aber neuern Ursprungs sind, nämlich:

Allmendingen. Mochenthal. Öpfingen, 2.
Altheim. Moosbeuren. Oggelsbeuren.
Emerkingen. Oberdischingen. Rißtissen.
Erbach. Obermarchthal. Rottenacker.
Gamerschwang. Oberstadion. Untermarchthal.
Granheim.

befinden sich in dem Oberamte noch:

a. Ruinen:     6.|
Briel. Oberdischingen. Reichenstein.
Neu Steußlingen, 2. Rechtenstein.
b. Ganz oder fast ganz verschwundene Burgen: 30.
Altenburg bey Obermarchthal. Donaurieden. Munderkingen.
Alberweiler. Ehingen. Nasgenstatt.
Allmendigen. Eschenbach bey Ehingen. Neuburg.
Altheim. Granheim. Rechtenstein.
Altsteußlingen. Griesingen. Schaiblinshausen.
Bach. Grunzheim. Sontheim.
Berg. Hundersingen. Stetten.
Bergach. Hochdorf bey Dächingen. Thalheim.
Dintenhofen. Kirchheim. Weisel.
Datthausen. Mittenhausen. Werdnau.

Die beyden Schlösser Marchthal und Oggelsbeuren, vormalige Klöster abgerechnet, zählte also das Oberamt nicht weniger als 51 adelige Sitze, und wir wollen nicht behaupten, daß ihrer nicht noch mehr waren, da fast jeder Ort seinen eigenen Herrn, manche auch drey, vier und noch mehr hatten. Von den alten Familien sind übrigens fast alle verschwunden; die ältesten sind jetzt noch die Stein, die Freyberg, die Spät und die Stadion.

b. Verschwundene Orte.

Man findet solche weit weniger, als in andern Bezirken, ohne Zweifel weil sich die Menschen weniger, als anderwärts in großen Dörfern zusammengezogen haben; die zwey einzigen sind: Unbilkofen und Undrachingen; welche in Urkunden des 11ten und 14ten Jahrhunderts vorkommen, vielleicht aber Ellighofen und Unterwachingen bedeuten.

c. Sonstige Denkmäler des Alterthums.

Grabhügel. Nordwestlich von Grunzheim befinden sich 34 Grabhügel in einem Laubholze und 7 auf dem Felde,[ws 1] welche sichtbar von Menschenhänden gemacht und ohne Zweifel alte Grabhügel sind. Noch ist keiner davon untersucht worden; es läßt sich also auch nicht bestimmen, ob sie römisch oder deutsch sind. Daß aber die Römer-Straße auch durch den Wald lief, ist oben schon bemerkt worden.

| Landgericht. Als ein nicht unmerkwürdiges Denkmal deutschen Alterthums haftet noch der Name Landgericht auf einem Bezirke, der sich auch durch seine Lage auszeichnet. Es ist eine schöne Hochfläche zwischen Mundingen, Kirchheim, Lauterach und Altsteußlingen, deren Name sich aus den ehemals im Freyen gehaltenen Gau- und Landgerichten erklärt. Der vordere Theil des Bezirks heißt das Todtenbuch. Im engern Sinn hieß ein besonders vermarkter Bezirk von etwa 60 Morgen Landgericht.



  1. S. Beschreibung des Oberamts Münsingen S. 8.
  2. Cod. Laur. T. III. 78; Neugart Codex. Dipl. Nro. 283, 66; von Arx Geschichte von St. Gallen I. S. 56.
  3. Neug. Cod. Dipl. Nro. 66, 155, 301; von Arx I. c.
  4. Neug. Nro. 758. 356.
  5. Neug. Cod. Dipl. Nro. 585, 745, 775, 118.
  6. Neugart Episc. Const. p. CXI.
  7. Beschreibung des Oberamts Münsingen, S. 12.
  8. Buchners Reisen auf der Teufelsmauer. Regensb. 1821. Heft II. S. 98.
  9. S. Würt. Jahrbücher 1818.
  10. S. Würt. Jahrbücher 1824. 1s Heft. S. 82 etc. Dort finden sich auch die röm. Heerstraße und die zu Rißtissen aufgefundenen Denkmäler näher beschrieben.
Anmerkungen [WS]
  1. Korrigiert nach Beschreibung des Oberamts Riedlingen S. 266: statt 17 Grabhügel in einem Nadelholz – lies: 34 Grabhügel in einem Laubholze und 7 auf dem Felde.