Beschreibung des Oberamts Ehingen/Kapitel B 2

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2. Alberweiler mit Grafenwald.
a. Alberweiler,

ein kathol. Pfarrdorf, theils auf einer Anhöhe, theils in einem Thälchen an einem Bache gelegen, 4 St. von Ehingen mit 310 Einwohnern, C. A. Ochsenhausen, F. A. Albeck[1]. Grund- und Patronatsherr ist der Graf von Stadion-Thannhausen; die Zehnten hat die Pfarrey;, von 8 Jauchert der Staat.

Gefälle beziehen: der Grundherr 945 fl. 7 kr., der Heilige 57 fl. 49 kr., die Pfarrey 39 fl. 47 kr., die Gemeinde 22 fl. 20 kr.; zusammen 1065 fl., und zwar 411 fl. 37 kr. Geld und 64 Sch. 71/2 Sr. Roggen, 741/2 Sch. Dinkel, 541/4 Sch. Haber.

Alberweiler ist ein Rittergut, das vormals dem Ritterkanton Donau einverleibt war. Es ist Mannlehen, hat 78 M. Wald, worin der Gutsherr die Jagd hat. Sein reiner Ertrag ist zu 1143 fl. berechnet.

Der Ort liegt nur 2 Stunden von Biberach und wie| die Karte zeigt, ganz eingeschlossen von dem Oberamt Biberach. S. 4. Die Kirche wurde 1504 neu gebaut; die Baulast des Pfarrhauses hat die Pfarrey. Zu der Pfarrey gehören Grafenwald und der kathol. Theil von Röhrwangen, Oberamts Biberach. In dem Ort befindet sich seit 1817 auch eine Industrieschule. Nach der Pfarrchronik bestand der Ort anfänglich aus 7 Fischerhütten, einer Capelle, und einem Caplaneyhause. Die beyden Thäler nach Ost und West waren Seen. Auf einem Bühl, in einem der beyden Seen, stand ein kleines Schloß. In den Jahren 1059 und 1067 wurden die Seen trocken gelegt, und 4 Höfe erbaut. Die ersten Besitzer des Orts waren die Herrn von Hundbiß (Humpiß). Sie stifteten 1019 die Caplaney, und diese wurde 1092 zu einer Pfarrey erhoben. Von den Hundbiß kam A. an die Herrn von Warthausen, und nach ihrem Aussterben als östr. Lehen an die Schad von Mittelbiberach, zuletzt an die von Stadion. Wilh. v. Stadion hatte schon 1468 einen Theil zu Lehen; Wolf Dietrich v. Stadion erhielt 1587 vollends das Ganze, mit der niedern Gerichtsbarkeit, auch den Kirchensatz, welchen die Renner von den Schad bekommen, und 1532 gegen die Eignung eines Hofs in Allmendingen Östreich überlassen hatten. 1806 kam A. unter Würt. Landeshoheit.
b. Grafenwald,

ein kathol. Weiler, 1/2 Stunde von Alberweiler und Filial davon mit 41 Einw. C. A. Ehingen, F. A. Albeck. Grundherr: Graf Schenk v. Castell; s. Berg.

Zehnten, der große gehört 1/2 der Grundherrschaft, 1/2 der Pfarrey, mit Ausnahme von 61/2 M., wo ihn die Pfarrey allein und von 91/2 M., wo ihn der Staat hat. Der kleine Zehnte gehört der Pfarrey allein.

Gefälle bezieht der Grundherr 14 fl. 55 kr. in Geld und 243/8 Sch. Dinkel, 123/8 Sch. Haber.

Der Ort liegt auf einer Hochebene mitten in Waldungen und hat auch daher, und von den Grafen von Berg, welche da ihren größten Forst hatten, seinen Namen; er kommt in ältern Zeiten auch unter dem Namen Bergerwald| vor. Die ganze Gegend, wo jetzt Grafenwald steht, war einst Wald; erst ums Jahr 1581 wurde ein Theil davon ausgerottet, und der Anfang mit Anlegung von Höfen gemacht. Der Ort kam mit der Pfandschaft Berg und Schelklingen 1681 an die Gr. Schenk von Castell. S. Ehingen.


  1. Diejenigen Orte, deren Eintheilung nicht bemerkt ist, gehören zum Decanat und C. A. Ehingen.