Beschreibung des Oberamts Ellwangen/Kapitel B 16

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16. Rosenberg,
Gem. II. Kl. mit 2071 Einw. 1. Rosenberg, Dorf, mit Glassägmühle, Haus, 789 Einw., wor. 19 Ev.; 2. Betzenhof, Weiler, 16 Einw., wor. 13 Ev.; 3. Birkhof, Hof, 15 Einw.; 4. Dieselhof, Hof, 16 Einw., wor 2 Ev.; 5. Geiselroth, Weiler, 74 Einw.; 6. Herlingshof, Hof, 8 Einw; 7. Hinterbrand, Weiler, 58 Einw.; 8. Hochthänn, Weiler, 16 Einw., wor. 1 Ev., mit a) Zollhaus, Haus, 4 Einw., wor. 2 Ev., und b) mit Zollhof, Weiler, 91 Einw., wor. 75 Ev.; 9. Hohenberg, Pfarrweiler, mit Ohrsägmühle, Haus, 284 Einw., wor. 2 Ev.; 10. Holzmühle, Haus, 13 Einw.; 11. Hummelsweiler, Weiler, 237 ev. Einw., mit a) Farbhäusle, Haus, 3 Einw., b) Herlingssägmühle (Hällische Sägmühle), Haus, 9 Einw.; c) Mehlhof, Haus, 22 ev. Einw., d) Scheubenhof, Hof, 7 ev. Einw., e) Schüsselhof, Hof, 9 ev. Einw., f) Spitzensägmühle, Haus, 17 Einw., wor. 2 Ev.; 12. Hütten, Weiler, 71 Einw., wor. 3 Ev.; 13. Hüttenhof, Hof, 16 ev. Einw.; 14. Lindenhof, Weiler, 23 Einw., wor. 1 Ev.; 15. Ludwigsmühle, Haus mit Kaiserhütte, Haus, 21 Einw.; 16. Matzengehren, 48 Einw.; 17. Ober-Knausen (Schlüpfenhof) Weiler, 8 Einw.; 18. Schimmelhof, Hof, mit Schimmelsägmühle, Haus, 59 Einw., wor. 55 Ev.; 19. Tannenbühl, (Krauthof), Hof, 12 Einw.; 20. Uhlenhof. Hof, 19 Einw., wor. 16 Ev.; 21. Unter-Knausen, Weiler, 70 Einw.; 22. Willa, Weiler, 19 Einw., wor. 1 Ev.; 23. Zumholz (Gansers- und Webershof), Weiler, 17 Einw.
Parz, 4, 7, 9, 12, 13, 16, 19, 23 sind ev. Fil. von Adelmannsfelden, OA. Aalen, alle übrigen von Honhardt, OA. Crailsheim; Parz. 14 ist kath. Fil. von Bühlerthann, Parz. 21 von Jagstzell.
Der freundliche Ort liegt weitzerstreut und langhin an der Ellwanger Landstraße oder südlich davon, auf der Höhe, im Angesicht des eine Viertelstunde südlich vom Dorf ansteigenden | Hohenbergs, der auch die eigentliche Kirche der Gemeinde trägt. Die Filialkirche zum h. Franciscus im Dorf ist 1742 im Zopfstil erbaut und wurde 1882 gegen Westen verlängert. Am gut gemalten Altarblatt des Hochaltars: Maria mit dem Leichnam des Herrn, unten Verdammte in Flammen der Hölle, steht: Joseph Koch pinx. An dem Gemälde des linken Seitenaltars: der heil. Franciscus, vom Gekreuzigten die Wundenmale empfangend, steht: F. M. G(eiger) pistor Ellvaci 1745. J. A. Koch pinxit. Dabei das Wappen des F. M. Geiger. An der Decke sind Fresken, an der Seitenlehne eines Kirchenstuhls die Jahreszahl 1753. Außen an der Westseite der Kirche ein schwerer Metallguß mit dem Relief eines Heiligen, aus dem vorigen Jahrhundert; derselbe soll tief im Boden gefunden worden sein.

Der Begräbnisplatz wurde 1882 angelegt; das Rathhaus 1876, das Schulhaus 1842. Es unterrichten 2 Lehrer in R., einer in Hohenberg und einer in Hummelsweiler.

Trinkwasser ist reichlich vorhanden, 17 laufende, 150 Pump- und 3 Schöpfbrunnen. Wetten bestehen in allen größeren Parzellen. Die ganze Markung ist quellenreich; über sie fließen der Ohrbach, die Roth, der Birkenbach, Glasbach, Stadelbach, Einsiedelsbach, Fuchsbach. Weiher bestehen etwa 18, von 1/2–22 Morgen groß, außerdem liegen in verschiedenen Wiesenthälchen Überreste von Dämmen früherer Weiher.

Die Erwerbsmittel sind Feldbau und Taglohnarbeiten, besonders im Walde, das Schreiner-, Zimmer-, Maurer- und Schuhmachergewerbe ist stark vertreten; auch werden Holzschuhe und Besen verfertigt. Drei Mahlmühlen, sechs Sägmühlen, drei Bierbrauereien bestehen; die früher hier bestandene Glashütte ging vor etwa 10 Jahren ein (s. u.).

Der Name Rosenberg ist wohl eher von der Rose, einem im Mittelalter beliebten, poetischen, bald fingirten, bald aus der Phantasie an gewisse Örtlichkeiten künstlich gehefteten Namen – vergl. auch den westlicher gelegenen Rosengarten – als von dem althochdeutschen hros, heutzutage Roß, abzuleiten (s. Buck a. a. O. 220; Förstemann, Ortsnamen Sp. 852).

Die Geschichtserzählung bei Röder, Geographie und Statistik Wirtembergs 2, S. 174, in Rosenberg sei das Stammhaus der altadeligen Familie von Rosenberg gewesen, welche im Jahr 1401 ausgestorben und deren Herrschaft mit Geiselroth, Ober- und Unter-Knausen, Birkhof an Ellwangen gefallen sei, scheint sich | urkundlich nicht belegen zu lassen und die in weiteren Kreisen bekannten Familien von Rosenberg nannten sich jedenfalls nach einem anderen Orte dieses Namens (bad. BA. Adelsheim). Unser Rosenberg dagegen wird mit Sicherheit erstmals im Gültbuch der Propstei Hohenberg vom J. 1344 (s. u.), sodann im Verkaufsbrief der Herrschaft Adelmannsfelden, welche hier einen eigenen Mann besaß, vom J. 1380, weiter im Gültregister des Amts zu Zell vom J. 1403 (vergl. S. 548. 594) erwähnt und gehörte, soweit sich seine Geschichte verfolgen läßt, so auch nach der Topographia Ellvacensis von 1733 mit 1 Bauern, 3 Halbbauern, 4 Löhnern, 56 Söldnern (zus. 64) zum fürstlich ellwangischen Ammanamt. Wenn jedoch schon nach den Verträgen zwischen Ellwangen und Brandenburg vom 8. Nov. 1510 und 25./15. Nov. 1658 die hohe Obrigkeit dahier Gegenstand von Streitigkeiten war, so schob im J. 1796 Preußen auch hier die Grenzen seiner Landeshoheit ähnlich wie bei Jagstzell weiter vor, so daß von Rosenberg 5 Unterthanen unter dieselbe fielen, während 64 ellwangisch verblieben (vergl. S. 594. 315. 482).

Sonstigen Besitz betreffend erhielt den 6. Juni 1463 Heinrich von Stetten von Haldenmarstetten, Stettner genannt, solchen mit dem Schloß Thannenburg verkauft, bezw. verpfändet (vergl. S. 546), verkaufte jedoch den 17. Januar 1468 die Schenke und 6 weitere Güter zum Rosenberg, 3 zu Knußheim, sowie die Holzmühle mit ihrer Zugehörde um 460 fl. an die Liebfrauen-Stadtpfarrkirche zu Ellwangen, welche hinwiederum den 11. Nov. 1621 4 Weiher im Amt Hohenberg, den Glasweiher sammt der Sägmühle daran, den alten Weiher zu Knausen, das Farbweiherlein und das Feldweiherlein um 500 fl. an das Kapitel Ellwangen verkaufte.

Im J. 1622 wird eines hiesigen Zeughauses gedacht. – Eine Glashütte dahier wurde jedenfalls schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts vom Stift betrieben, im J. 1782 jedoch „als ein dem Stift sehr schädliches Etablissement“ aufgehoben, Haus und Güter wurden als Erbgüter verkauft, der Erlös mit 740 fl. vom Propst an die Wittwenkasse geschenkt. – Den 19. Juni 1798 wurden Rosenberg und Geiselroth wegen ihrer Viehweide verglichen.

Im laufenden Jahrhundert beschäftigte sich nach statistischen Erhebungen von den Jahren 1832, 1835 und 1836 ein großer Theil der Einwohner mit Verfertigung grober Holzwaaren, als Schachteln u. s. w. Potaschesieder gab es dahier 63, eine Glasfabrik von Ludwig Mayer und Cons., welche seit 1829 | bestand, hatte auch ins Ausland, so in die Schweiz, etwas nach Bayern und Baden Absatz (Württ. Jahrb. 1832 S. 170, 195; 1839 S. 339). Zuletzt im Besitz des Kaufmanns Eduard Zimmerle in Ellwangen hörte letztere im J. 1876 auf, da die Holzpreise zu hoch wurden und besonders die rheinischen Fabriken mit den dortigen Kohlengruben viel billigere Waare liefern konnten.

Betzenhof, Weiler, 4 km nordwestlich von R. gelegen, nach dem nahe gelegenen Hummelsweiler schulpflichtig.

Dieser Hof wird erstmals im Jahr 1634 (s. unten), sodann im Jahr 1710 im Besitz eines hallischen Unterthanen genannt und erscheint auch in der Topographia Ellvacensis von 1733 als hallisch. Er bildete einen Bestandtheil des Amtes Honhardt, kam jedoch mit diesem wie der hallische Antheil an Grünberg (vergl. S. 597) im J. 1796 unter preußische Landeshoheit.

Birkhof, Hof, 1 starken km westl. von R. links der Ellwangen-Bühlerthanner Landstraße. Er ist das im Gültbuch der Propstei Hohenberg vom J. 1344 (s. unten), sowie fürs J. 1463 bereits (S. 546) genannte Birken und erscheint im J. 1733 mit 1 Bauern beim Ammanamt.

Dieselhof, Hof, stark 3 km südöstlich von R., 1 km südöstlich von Hohenberg; nach Hohenberg schulpflichtig. Er soll im J. 1611 ellwangisch geworden sein (Korn, Geographie und Statistik a. a. O. 2, 46) und gehörte im J. 1733 mit 1 Bauern zum Ammanamte.

Geiselroth, Weiler, 1 km nordwestlich von R.

Der Name Geiselroth, auch Geyselrod geschrieben, dürfte auf den Stamm Gisal, unmittelbar aber auf den von diesem Stamm abgeleiteten Namen Gisal, Gisilo und rod (d. h. Rodung) zurückzuführen sein. Der Ort selbst wird das erste Mal erwähnt im Gültbuch der Propstei Hohenberg vom J. 1344 (s. unten), sodann als Heinrich von Stetten von Haldenmarstetten Stettner genannt im J. 1463 hiesigen Besitz von der Propstei Ellwangen verkauft bezw. verpfändet erhielt (S. 546) und den 11. Juni 1468 ein hiesiges Gut an die Heiligenpflege zu Ellenberg verkaufte; weiter mit Rosenberg in den Jahren 1658, 1798 (S. 691). In der Folge gehörte er im J. 1733 mit 4 Halbbauern und 3 Söldnern zum fürstlich ellwangischen | Ammanamt. Doch rückte auch hier Preußen im J. 1796 die Grenze seiner Landeshoheit vor, so daß 2 Unterthanen unter dieselbe fielen (vergl. S. 594. 315. 482).

Herlingshof, Hof, 1 km nordöstlich von R. Er erscheint im J. 1733 mit 1 Bauern beim fürstlichen Ammanamt.

Hinterbrand, Weiler, stark 4 km südlich von R., und 2 km südlich von Hohenberg am Nordfuß des Schönbergs, von Wäldern umschlossen; nach Hohenberg schulpflichtig.

Hinterbrand sowie Vorderbrand werden im J. 1733, jenes mit 2 Löhnern, 3 Söldnern, dieses mit 1 Bauern, als vohensteinisch aufgeführt und ersteres erscheint im Anfang des laufenden Jahrhunderts mit 7 Bürgern und im Ganzen 34 Seelen zu 5/7 als von onzisch, zu 2/7 als von gültlingisch.

Hochthänn, Weiler, 3 km westnordwestlich von R. gelegen, dazu gehört Zollhaus, Haus, und Zollhof, Weiler, ganz nahe nördlich von Willa (s. u.) gelegen, nach Hümmelsweiler schulpflichtig.

Hochthänn (wohl vom Tannenbaum abzuleitender Name) gab es in älterer Zeit zwei: ein Groß- und ein Klein-Hochthänn, indem in der Beschreibung des Ellwanger Bannforsts vom J. 1024 ein Hohentenne minus, aus Anlaß der Verpfändung des Schlosses Thannenburg mit Zugehörden in den Jahren 1463 und 1472 Hohentenn das mindere genannt wird. (S. 546). Wie sich beide zu einander verhalten haben, insbesondere wo das eine oder das andere gelegen gewesen, ob sie etwa jetzt in ein Ganzes verschmolzen oder das eine derselben abgegangen, ist nicht mehr zu erheben, auch schon die Vermuthung ausgesprochen worden, Klein-Hochthänn sei etwas nördlicher gelegen gewesen als das heutige Hochthänn (vergl. S. 301).

Im J. 1345 verkaufte Fritzen von Burleswagen Gattin Uta (Guta) mit ihren Söhnen Seitz und Ehrenfried und ihren Töchtern Burgsinde und Grete 4 Güter zu Hochthänn an die Abtei Ellwangen und nach Einlösung der verpfändeten Herrschaft Thannenburg (1472) verlieh Propst Albrecht am 18. Dez. 1504 dem Berthold Stephan einen hiesigen Hof.

Weiterhin erscheint im J. 1367 hiesiger Besitz als vellbergisch (S. 562): wohl der Hof, welchen Hans Bartholomäus und Hieronymus Gebrüder von Vellberg den 22. Febr. 1519 an die Markgrafen Georg und Kasimir von Brandenburg um | 100 fl. verkauften und an welchem Jörg Döbler zu Hohenthänn den 14. März 1532 das Erbrecht dem Markgrafen Georg gleichfalls um 100 fl. überließ; bildeten Eigenleute zu Hochden im J. 1380 eine Zugehörde der bis dahin ellwangischen nunmehr aber limpurgischen Herrschaft Adelmannsfelden (vergl. S. 548), und erwarb den 1. Okt. 1381 Sitz von Kottspiel ein hiesiges Gut um 9 fl. von dem Haller Bürger Hans Kurz.

Im J. 1733 werden überhaupt nur 2 Löhner zu Hochthänn und zwar im fürstlichen Amt Thannenburg aufgeführt und nach der Beschreibung dieses Amtes vom Jahr 1782 waren hier 2 Halbhöfe desselben, die fraischliche Obrigkeit stund Brandenburg, die übrige Jurisdiktion Ellwangen zu, Zehnt und Jagd waren brandenburgisch. – Der Weiler wird auch in den öfters erwähnten Verträgen der Jahre 1539, 1658 genannt und einige Einwohner dahier kamen wie zu Geiselroth erst im J. 1810 von Bayern an Württemberg (vergl. S. 483. 315).

Der heutige Zollhof ist wohl die schon 1539 erwähnte brandenburgische Zollstätte, 1658 die Zollstätte zu Hochthänn genannt, in welchem Jahre es gerügt wird, daß der Zollbeamte zu Hochthänn per abusum den Zoll im Wirthshaus zu Müllen erhoben habe. Im J. 1612 war Hans Burkhard markgräflicher Zoller zum Zollhof „beim Willen“ gelegen. Auch im J. 1733 wird der Zollhof mit 1 Bauern als brandenburgisch aufgeführt und 45 Einwohner daselbst kamen erst im J. 1810 von Bayern an Württemberg (vergl. S. 315).

Hohenberg, Pfarrweiler, stark 2 km südöstlich von R., am Ostabhang des Hohenbergs gelegen. Vom Gipfel des Hohenberges, welcher einer der höchsten Punkte im OA. Ellwangen ist, rings über seine Umgebung schön geformt, aber sachte aufsteigt, hat man eine großartige Aussicht (s. ob. S. 50 f.). Ohne Zweifel war der Berg in der Urzeit eine heilige Stätte, aber wohl ohne Befestigung, da seine Gehänge zu flach sind zur wirksamen Abwehr. Spuren eines sehr alten Weges lassen sich südlich von Leinenfirst her bis zum Berg verfolgen und wieder von ihm aus nordnordwestlich über Hellmannshofen zum Burgberg, im Oberamt Crailsheim, jener bedeutendsten vorgeschichtlichen, stark und umfangreich befestigten heiligen Stätte. Der Burgberg liegt 14 km (3 Stunden) in gerader Linie nordnordwestlich vom Hohenberg; ein zweiter Hohenberg oder Altenberg liegt 11 km westsüdwestlich vom Hohenberg an der westlichen Grenze des | Oberamts schon im OA. Gaildorf; er war mit dem Hohenberg durch die von West nach Ost ziehende Hochstraße, welche von dem oben berührten von Leinenfirst zum Hohenberg nördlich heraufziehenden alten Weg gekreuzt wird, verbunden. Die noch aus dem zwölften Jahrhundert stammende Kirche zum heil. Jakobus war ursprünglich eine dreischiffige Basilika mit einschiffigem Querschiff und mit halbrunden Apsiden am Mittelschiff und an der Ostseite der beiden Querschiffarme, schloß sich in der Planform ganz an die vielleicht 40 Jahre ältere, im ersten Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts erbaute Klosterkirche zu Klein-Komburg bei Hall. Nur die Hauptapside ist noch erhalten und von der am nördlichen Kreuzarm sieht man außen noch die Ansätze und den Sockel im Boden; statt der anderen steht jetzt die Sakristei. Auch ist die Kirche innen ihrer sie in drei Schiffen trennenden Stützen sammt den Hochschiffmauern darüber beraubt und liegt jetzt unter einem Dache, aber man sieht sowohl an der Westseite, als auch den beiden Langseiten noch die alte Bauart mit niedrigen Seitenschiffen. Diese sind jetzt erhöht und besonders das südliche von langen Spitzbogenfenstern durchbrochen. An der Nordseite sieht man noch 3 vermauerte Rundbogenfensterchen und gegen die Nordwestecke hin ein schönes Rundbogenportal mit steinerner Lünette (halbmondförmiger Steinplatte), darin ein schöner Palmettenfries umherläuft. Außen wird die Lünette von trefflich gebildeten Gliederungen und dann von einem normannischen Zickzack zierlich umfaßt. An derselben Nordseite ist eingemauert ein romanischer ungemähnter Löwe und ein Thierkopf; der unter dem Dachgesims des Seitenschiffes hinlaufende Rundbogenfries wurde weggespitzt. Die 3 östlichen Kreuzarme erhielten sich, wie schon gesagt, sammt der Hauptapside, fast vollständig; sie zeigen in der Höhe Rundbogenfenster und den Rundbogenfries. In ihrer ursprünglichen Gestalt muß die Kirche von reichem und edelklarem Eindruck gewesen sein. Innen ist der Chor in neuerer Zeit wirksam und feierlich ausgemalt mit Heiligendarstellungen von Maler Fr. Xav. Kolb in Ellwangen. Der rechte Seitenaltar im rechten Querschiffarm hatte ein großes Ölbild, inschriftlich Oswald Onghers pinx. 1700; jetzt Maria mit dem Jesusknaben: M. Kuen pinxit in Weißenhorn 1761. An der flachen Decke des jetzt einschiffigen breiten Langhauses ein mittelmäßiges Gemälde, Christi Himmelfahrt: A. Wintergerst inv. et pinx. An der Südwand, durch welche eine spätgothische Pforte hereinführt, sieht man einen alten großen | Krucifixus. – Einsam schön steht dieses altersgraue Heiligthum auf der stillen hochgelegenen, fast unbegrenzte Umschau gewährenden Kuppe des als eine sanfte Pyramide aus der Waldgegend leicht und beherrschend aufsteigenden Hohenberges, umschlossen von dem ummauerten Friedhof, auf dem bei alten Schmiedeisenkreuzen und einfachen Steindenkmalen spätblühende Blumen und breite sturmharte Lindenbäume stehen; – und ringshin der das Gemüth befreiende Blick an die fernen blauen Gebirgsränder; davor, mächtig ausgebreitet, das saftgrüne tannendunkle schluchtenreiche Gebiet des Virgundawaldes. Außerhalb der Friedhofmauer gegen Nordwesten ein alter sehr tiefer Pumpbrunnen in einem Häuschen. Vor dem Eingang im Osten links Meßner- und Schulmeisterwohnung. Im Jahr 1883 stiftete der hiesige Pfarrer Fuchs steinerne Stationen mit schönen bemalten gußeisernen Reliefs den Berg herauf.

Das Pfarrhaus, unten im Dorf, aber an dessen oberem Rand, wurde 1797 erbaut, hinter demselben ein großer, von Pfarrer Fuchs schön und sinnreich angelegter Garten mit einer Kapelle im Felsen. Die Kirche wird von der Gemeinde, das Pfarrhaus vom Staat unterhalten; auch ein Schulhaus mit einem Lehrer ist vorhanden; sowie ein Forsthaus, Sitz des Revierförsters; am Hintergebäude das Wappen des Fürstpropsts Wolfgang von Hausen. Im Kirchhof trifft man mannigfach auf Mauerreste. – Die zu Hohenberg gehörende Ohrsägmühle liegt 1 km nördlich am schönen, vom Wald umgebenen Weiher gleichen Namens.

In Hohenberg befand sich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine Propstei des Klosters Ellwangen: „praepositura de Alto monte“, deren Propst R. (? Reinboto) den 24. April 1229 als Zeuge in einer öttingen-ellwangischen Urkunde erscheint (Wirt. Urkb. 3, 259). Als weitere Pröpste werden genannt: 1329 Marquard von Ellrichshausen, er war den 2. April d. J. Käufer von Gütern zu Buchgern und einem Hofe zu Wütenbrunnen (S. 547) und zu seinem Seelenheil machte Abt Kuno von Ellwangen am 15. Juni 1336 mit 4 Pfd. Heller aus der Steuer zu Hohenberg eine Stiftung in die Propstei; 1384 Walther von Aufkirch; 1445 Beringer von Berlichingen. Auch in den kaiserlichen Privilegien vom 7. Nov. 1347, 5. Mai 1359, 29. Aug, 1444, 25. April 1454 wird „das Münster und der Kirchhof der Propstei ze dem Hohenberg und der Hof dabei oder darunter, des Propsts Hof genannt,“ erwähnt (S. 442).

| Einkommen, insbesondere Gülten, auch Zehnten, bezog die Propstei im J. 1344 namentlich zu Hohenberg (auch Tafern, Dorfrecht), Mühlen (d. h. Willa), Zumholz, Schönenberg (vergl. S. 641), Hütten, Mayerhorant, Lutstruth (OA. Aalen), Wernhersberg (vergl. S. 565), Onolsfeld (Onatsfeld OA. Aalen), Gaishardt, Wiprechtshofen (Weipertshofen OA. Crailsheim), Rechenzell, Raben (= Hof), Wütenbrunnen, Geiselroth, Rosenberg, Birken, Bösingen, Himmlingen (OA. Aalen), Morbach, Einsiedel, Ellwangen, im J. 1369 noch weiter zu Vordersteinbühl. Ablaßbriefe erhielt die Kirche den 27. Okt. 1332, 10. Juni 1489, die St. Jakobsbruderschaft dahier den 14. Aug. 1516.

Noch den 17. April 1435 war in einem Spruchbriefe zwischen Abt Johann, Dekan und Konvent von Ellwangen festgesetzt worden, wegen der Propstei Hohenberg solle es bei dem alten Statute verbleiben, allein wohl spätestens zur Zeit der Umwandlung des Klosters Ellwangen in eine Propstei wurde auch die Propstei Hohenberg in eine einfache Pfarrei umgewandelt. Im J. 1471 soll der erste Pfarrer Haßmann eingesetzt worden sein, in den Jahren 1476 und 1484 aber wird jedenfalls nur noch die St. Jakobs-Pfarrkirche zum Hohenberg genannt. Nach einem Vergleiche zwischen Propst Otto und Dekan und Kapitel Ellwangen vom 7. Sept. 1557 sollte die hiesige Pfarrei, nachdem die letzteren sie eine Zeitlang durch eine Person des Stifts und Chors hatten versehen lassen, in Zukunft durch einen eigenen Pfarrer ohne deren Beschwerde verwaltet werden. In den Jahren 1626 und 1627 wurde sie während einer ansteckenden Krankheit von Ellwangen aus versehen, 1627–1629 wegen Kriegszeiten von dem Pfarrer zu Jagstzell; 1635 mußte der Pfarrer vor den Schweden fliehen und erst 1659 wurde wieder ein neuer eingesetzt. – Bis 1858 war königliches Patronat, an dessen Stelle nunmehr bischöfliche Kollatur trat.

Mehrere Eigenleute des Klosters Ellwangen, welche zu St. Jakobsaltar in Hohenberg gehörten, nahm Graf Heinrich von Werdenberg den 10. Sept. 1333 auf Bitte des Abts in seinen Schutz und Schirm. – Unbedeutender Besitz gehörte im J. 1380 zur nunmehr limpurgischen Herrschaft Adelmannsfelden (vergl. S. 548). – Eine Schenke war im J. 1480 Lehen der Propstei Ellwangen. – Im J. 1621 wird ein eigenes Amt Hohenberg genannt, im J. 1733 aber erscheint Hohenberg mit 2 Bauern, 6 Halbbauern, 5 Löhnern, 10 Söldnern als Bestandtheil des fürstlichen Ammanamts.

| Holzmühle, Haus, 1/2 km nordöstlich von Hohenberg am Weiher; nach H. schulpflichtig.

Die im J. 1463 zur Burg Thannenburg gehörige und im J. 1468 von Heinrich von Stetten an die Stadtpfarrkirche zu Ellwangen verkaufte Holzmühle (vergl. S. 546) erscheint im J. 1733 mit 1 Bauern als Bestandtheil des fürstlichen Ammanamtes.

Hummelsweiler, Weiler, 21/2 km nördlich von R. im beginnenden Grumbachthal (s. u. S. 701 ff.). Die zu Hummelsweiler gehörenden 6 kleinen Parzellen liegen meist östlich davon zu beiden Seiten des nach Osten ziehenden Grumbachthälchens.

Ob Emicho und Heinrich von Wumprechteswiler, welche den 14. Febr. 1270 zugleich mit Herren von Westhausen und Zipplingen als Zeugen Graf Ludwigs von Oettingen erscheinen, (im 12. Jahresbericht des histor. Vereins für Schwaben und Neuburg für 1846 S. 10) mit Recht auf diesen Weiler bezogen werden, mag zweifelhaft sein. Wohl aber erscheint im J. 1367 hier schon älterer vellbergischer Besitz (S. 562), erwarb Jörg von Vellberg am 8. April 1427 von einigen Eßlinger und Haller Bürgern 2 Güter zu Humelswyler um 61 fl. Rh. und die vellbergische Familie befand sich in der Folge überhaupt im Besitz des Weilers. Denn am 22. Februar 1512 verzichteten hiesige Erbzinsleute auf Ansprüche an die Brüder Hans Bartholomeus und Jeronymus von Vellberg wegen eines von Ernfried von Vellberg dem ä. sel. in hiesiger Markung gemachten Sees; den 14. Dez. 1554 vergliech sich die hiesige Gemeinde „hinter Hans Bartolmeß von Vellberg gesessen“, mit der Schimmel Anna daselbst „hinter Hans Wolf von Rechberg und Maria von Rechberg geb. von Vellberg gesessen“ wegen Trieb und Tratt zu und um Hummelsweiler; aus einem Gut zum Neusatz bei H. verkauften Ritter Ernfried von Vellberg und seine Frau Guta von Burleswag den 6. März 1336 verschiedene Gülten um 57 Pfd. Heller an die Frühmesse zu Stöckenburg (OA. Hall) und Konrad von Vellberg verlieh den 9. Mai 1579 das Harzen in der Waldung der Neusatz bei H. sammt einem Seelein an Hans Mackh von Hegnenberg. Einen ansehnlichen Erwerb von den vellbergischen Erben machte die Stadt Hall den 19. Mai 1595 und der Weiler gehörte denn auch später mit Spitzensägmühle oder hällischer Sägmühle (Härlenssägmühle) zu deren Amt Vellberg, mit welchem es im J. 1802 an Württemberg kam.

| Nach dem Crailsheimer Stadtbuch von 1397–1559 lag der Weiler übrigens in dem von Crailsheim beanspruchten Centbezirk (Wirt. Franken 1, 39: VII, 555), wie er denn auch in dem Wildbanns-Vergleiche zwischen Ellwangen und Brandenburg-Ansbach vom 8. Nov. 1510 genannt wird. So scheint die württembergische Besitznahme bei Preußen auf Schwierigkeiten und Hindernisse gestoßen zu sein, denn der Ort kommt zwar z. B. in den Staatshandbüchern von 1804 (mit Härlenssägmühle) und 1807/8 mit 238 und 208 Seelen vor, allein auch in der Aufzählung der laut dem Staatsvertrag vom J. 1810 von Bayern an Württemberg abgetretenen Orte wird er mit 206 Seelen aufgeführt (vergl. S. 315).

Hütten, Weiler mit Kapelle, 5 km südlich von R., westlich am Schönberg, in stiller Waldgegend; nach Hohenberg schulpflichtig.

Hütten wird erstmals im J. 1344 genannt (S. 697). Güter und Gülten zu den vorderen und hinteren Hütten – wohl heutzutage Hütten und Hüttenhof – werden im J. 1380 als Bestandtheile der bis dahin ellwangischen nun aber limpurgischen Herrschaft Adelmannsfelden, Hütten und Hüttenhof im J. 1733 mit 3 Halbbauern, 1 Löhner, 4 Söldnern, beziehungsweise 1 Halbbauern als vohensteinisch aufgeführt. Ersteres war dementsprechend im Anfang des 19. Jahrhunderts mit 13 Bürgern und Einwohnern, im Ganzen 81 Seelen, von onzisch und von gültlingisch, 2 Unterthanen waren gräflich adelmannsfeldisch, d. h. wohl adelmännisch, Hüttenhof ein von jungkennischer Halbhof mit 1 Bürger und im Ganzen 10 Seelen.

Die Kapelle dahier wurde im J. 1780 auf Kosten des Pfarrers Jakob Stegmaier von Oberroth erbaut.

Hüttenhof, Hof, ganz nahe, südöstlich von Hütten; nach Adelmannsfelden schulpflichtig.

Lindenhof, Weiler, gut 4 km nordwestlich von R. am Rothbachthälchen; nach Bühlerthann schulpflichtig.

Der Hof ist bereits (S. 546) für die Jahre 1463/72 als „zu der Linden“ genannt worden und gehörte im J. 1733 mit 1 Bauern zum ellwangischen Amt Thannenburg. Im J. 1782 hatte Ellwangen die vogteiliche Obrigkeit, Brandenburg die fraischliche, Jagd und Zehnten.

Ludwigsmühle, Haus, mit Kaiserhütte, Haus, 3 km westlich von R. im tiefen Thal der Adelmannsfelder Roth.

| Die Ludwigsmühle mit einem dazu gehörigen Lehen erscheint gleichfalls schon im J. 1339 und gehörte im J. 1733 mit 1 Bauern zum Amt Thannenburg.

Matzengehren, Weiler, einen starken km südlich von Hohenberg, auch dorthin schulpflichtig. Der Weiler liegt ziemlich kahl, weit zerstreut, im Angesicht des Hohenbergs.

Der große Zehnte zu Matzengern wird im ellwangischen Gült- und Rechtsbuch von 1339 als von Alters her zur Burg Ellwangen gehörig genannt. Allein ein Hof, 2 Lehen, Gülten u. s. w. zu Azengeren bildeten den 7. Jan. 1380 ein Zugehör der Herrschaft Adelmannsfelden (vergl. S. 548) und so waren im J. 1733 2 Halbbauern, 3 Söldner hier vohensteinisch, im Anfang des 19. Jahrhunderts zwei Halbhöfe nebst 6 Nebenhäuslein mit 8 Bürgern, im Ganzen 41 Seelen, bernardinisch, 4 Häuslein adelmannsfeldisch, d. h. wohl adelmännisch.

Ober-Knausen (Schlüpfenhof), Weiler, 11/2 km nordöstlich von R.

Knausen überhaupt wird in den J. 1403, 1468, 1550 (vergl. S. 594. 596. 691) erwähnt und Oberknausen, auch früher schon Schlipfhof genannt, insbesondere gehörte im J. 1733 mit 1 Bauern zum Ammanamt.

Schimmelhof, Hof, mit Schimmelsägmühle, Haus, 1 km nordwestlich von Hummelsweiler, auch dorthin schulpflichtig; die Schimmelsägmühle liegt 1/2 km nördlich am Zobach.

Tannenbühl (Krauthof), Hof, 1/2 km südlich von Hohenberg, wohin auch schulpflichtig. Es gehörte im J. 1733 mit 1 Bauern zum Ammanamt.

Uhlenhof, Hof, 3 km westl. von R. auf der rechten Seite des Roththales; nach Hummelsweiler schulpflichtig.

Uhlenhof, früher „Uln“ genannt, kommt in den J. 1339 und 1463/72 erwähnt vor (S. 546) und gehörte im J. 1733 mit 1 Bauern zum Amt Thannenburg.

Unter-Knausen, Weiler, 2 km östl. von R., an der Straße nach Jagstzell; dahin auch schulpflichtig.

Der im J. 1463 Unter-Knusheim genannte Weiler (vergl. S. 546) gehörte im J. 1733 mit 4 Halbbauern zum Ammanamt.

Willa, Weiler, 3 km westlich von R. am Übergang der Ellwangen-Bühlerthanner Landstraße über die Adelmannsfelder Roth.

| Willa, früher Müllen genannt, kommt im J. 1251 als einer der Grenzorte des Limpurger Jagdbezirks, im J. 1339 (Güter und Lehen „zem Müllin“) unter den Zugehörden der Burg Thannenburg, im J. 1344 im Hohenberger Gültbuch, im J. 1463/72 bei der Verpfändung der Burg Thannenburg mit Zugehör vor (vergl. S. 302. 546. 697). Im J. 1410 bekannte Rudlin von Neuberg (OA. Crailsheim), daß er kein Recht an das Gut und die Schenke zu den Müllin habe, und versprach der hiesige Wirth, dem gnädigen Herrn zu Ellwangen alle Dienste, Gült und Treue, wie die anderen Hintersaßen des Klosters (OA.Beschr. Crailsheim 394). Als „zum Müllen“, auch „Wüllen“, wird der Weiler sodann in den ellwangisch-brandenburgischen Verträgen von 1539 und 1658 und im J. 1733 die „Mühle“, sowie ein Wirthshaus mit 1 Halbbauern als Bestandtheil des ellwangischen Amts Thannenburg aufgeführt. Doch gehörte im J. 1380 ein Eigenmann „zu den Müllen“ zur Herrschaft Adelmannsfelden und im J. 1796 kam von den damaligen beiden Unterthanen der eine unter preußische Landeshoheit (vergl. S. 548. 483. 315).

Zum Holz (Gansers- und Webershof), Weiler, 1 km südwestlich von Hohenberg, wohin auch schulpflichtig; mit kleiner hübscher Kapelle, über dem Eingang I. K. M. K. 1865; innen alte Holzfigürchen.

Zumholz, im J. 1344 erstmals erwähnt (vergl. S. 697), gehörte im J. 1380 zur Herrschaft Adelmannsfelden (vergl. S. 548); im J. 1733 wird 1 Halbbauer auf dem Gansershof als vohensteinisch aufgeführt und im Beginn des laufenden Jahrhunderts war Gansershof oder Zumholz ein einzelner Halbhof nebst 2 Unterthanenhäuslein, 1 Bürger, 17 Seelen, von bernardinisch. Doch werden auch im Jahr 1803 7 zum Stadtammanamt Ellwangen gehörige Seelen dahier als neu acquirirt bezeichnet (vergl. S. 482).

Wir fügen hier eine genaue Beschreibung der zur Kirchengemeinde Honhardt gehörigen im OA. Ellwangen gelegenen Parzellen: Hummelsweiler, Betzenhof, Hochthänn mit Zollhof, Mehlhof, Scheubenhof, Schimmelhof mit Sägmühle, Schüsselhof, Spitzensägmühle oder Rutsch an, die wir Herrn Pfarrer Volz in Honhardt verdanken.

Die ca. 400 Ev. aus der Schultheißerei Rosenberg zugetheilten Parzellen stehen in alter Verbindung mit Honhardt | und kommen schon im ältesten Kirchenbuch (von 1574 beginnend) vor, wenn auch einige unter anderen Namen, so Rauenburg für Schüsselhof (letzterer Name zuerst 1629, jetzt noch besteht der Flurname Rauenburg), Stöckers Sägmühle neben dem Namen Schimmelmühle (auch hier noch Flurname Stöcker), Steinbusch oder Steinenbusch für Mehlhof (letzterer Name seit 1700), Hällische Sägmühle, Walzensägmühle oder Hörlings-, Hörlensmühle ziemlich gleichzeitig (1589) gebraucht, jetzt Herlingsmühle. Auch der Name Rutschhäuslen für Spitzenhöfle, Spitzensägmühle ist alt (beide Namen gleichzeitig 1583). Neuhaus bei Hummelsweiler jetzt Farbhäusle. Wie in kirchlicher, so auch in politischer Beziehung standen genannte Parzellen seit alter Zeit mit den nördlich und nordwestlich gelegenen Landestheilen in Verbindung; Hummelsweiler war vellbergisch, damit später der Stadt Hall gehörig, welche hier auch die Landeshoheit hatte, nicht wie in Honhardt zugleich mit Ansbach, ebenso Rutschhäusle, Neuhaus. Zum hallischen Pflegamt Honhardt gehörten und standen unter gemeinsam hall-ansbachscher Landeshoheit: Schimmelhof, Betzenhof, Mehlhof, Scheubenhof, Schüsselhof. Unter Ansbach und Ellwangen gemeinsam standen Hochthänn, Lindenhof; ansbachisch war Zollhof.

Entsprechend dieser Zugehörigkeit zu fränkischen Landestheilen tragen auch jetzt noch die Evangelischen obiger Parzellen ein entschieden fränkisches Gepräge an sich, wenn gleich die Berührung und Vermischung mit Schwaben unverkennbar ist. Aber fränkisch ist

1. die Mundart, was der Eintritt in die Schule Hummelsweiler jedem Besucher deutlich zeigt. Es wird zwar nicht scharf is für ist gesprochen, sondern isch, aber nie schwäb. ischt; die Diphtongen eu und ei werden immer offen ai gesprochen; lang a wie ô: Vater = vôder, frâle = Großmutter; hêrle = Großvater, saldôt = Soldat, Kalrôbe = Kohlraben, strâb = Streu. Die Diminutivformen lauten im Plural ächt fränkisch – lich: Blümlich, Madlich, „In Harles gehen“ für Lichtkarz; zôchě für Docht, Golllichs für Talglicht. Die fränkische Vermengung von Dativ in Akkusativ macht in der Schule dieselbe Schwierigkeit, wie anderswo im Frankenland. Auch die fränkische Satzbildung: des wenn i gwusst hättgeld wenn i hätt ist durchaus gebräuchlich.

2. Die Tracht, soweit sie noch eine besondere ist, ist die fränkische Bandhaube und Florhaube beim weiblichen Geschlecht; | bei den Männern die bis zum Hals geschlossene Weste und das schwarze Halstuch, so daß nichts Weißes zu sehen ist.

3. Der Charakter ist gleichfalls mit dem fränkischen übereinstimmend: manierliches Auftreten, vorsichtiges Zurückhalten (i will awer nix gsôcht hawe), dabei hervortretend kirchlicher Sinn und Festhalten an väterlichem Brauch. So sind auch

4. die Gebräuche durchaus mit denen des Crailsheimer Bezirks übereinstimmend. Bei Taufzechen, Hochzeiten dieselbe Speiseordnung: Suppe, Voressen, Sauerkraut und Schweinefleisch, die Fleischportionen immer zum Mitnehmen für die Gäste eingerichtet. Sogenannte Zechhochzeiten (wo der Gast seine Zeche bezahlt) kennzeichnen immer den Hereingezogenen. Das Connubium findet im Ganzen fast nur mit fränkischen Gemeinden statt, viel seltener mit schwäbischen (Adelmannsfelden). Gemischte Ehen sind trotz des Zusammenlebens mit Katholiken von jeher äußerst selten. Von Sagen s. o. S. 161.

Geschichtliches erfährt man durch die Kirchenbücher nur aus der Zeit des 30jährigen Krieges. Nachdem schon 1632 ein Mann bei Hummelsweiler von herumstreifenden „spanierischen“ Reitern erschossen worden, desgleichen 1634 ein Mann von Betzenhof im Walde von Reitern erschossen, wird auch Hummelsweiler und Umgegend von dem „Einfall kaiserlicher Völker“ vom 31. August 1634 an und dann besonders in den folgenden Monaten nach der Schlacht bei Nördlingen schwer betroffen. Das Todtenbuch zählt unter den 430 Todten der ganzen Pfarrei für Hummelsweiler und seinen Zubehörden in der Zeit weniger Wochen 80 Todte auf, darunter besonders viele Frauen, Mädchen, Mägde u. s. w. Bei manchen steht der Beisatz: Im Garten hinter dem Hause begraben.

Was die Schulverhältnisse betrifft, so findet sich darüber folgender Eintrag des Pfarrers Sülzer vom Jahr 1778. Es ist in diesem Jahre der Schulmeister Joh. Joach. Heer in Hummelsweiler gestorben. Vor diesem war kein ordentlicher Schulmeister in Hummelsweiler, sondern die Kinder giengen (bis zum 10. und 11. Jahre) entweder gar nicht in die Schule, oder zu einem Gemeinsmann, der sich dazu brauchen ließ. Endlich kam es dazu, daß die Gemein sich resolvirte, ein Schulhaus zu bauen. (Mit 10 oder 11 Jahren kamen die Kinder in die Schule nach Honhardt, so noch bis 1830). Und da die Abendkirche, besonders zu Winterszeit von den Hummelsweilern niemals besucht wurde, so wurde auch dies ihr Vorhaben | gebilligt, mit dem Schulhaus ein Bethaus zu verbinden. Die Stadt Hall verwilligte dazu (24. Nov. 1766) 2 Baueichen und 8 Stammen weiß Holz gratis zu geben, sodann dem künftigen Schulmeister noch 1 Kl. Holz, mithin 2 nebst 2 Scheffel Dinkel und 2 Sch. Korn als ein jährliches Salarium, mit dem Bedeuten, daß wenn sie künftig einen Schulmeister annehmen, sie solchen vorderist E. Hochedl. Magistrat präsentiren sollen, um solchen gehörig exploriren zu können, ob er die nötige Tüchtigkeit besitze (Extr. Rathsprot.). Hierauf wurde nun gegenwärtig Schul- und Bethaus erbauet und ist ihnen die Weisung gegeben, daß alle Sonn- und Feiertag Nachmittags soll der Schulmeister einen Abendgottesdienst halten: es soll ein Lied, welches sich auf Tag und Predigt schickt, gesungen, nachhero eine Predigt verlesen und mit den kleinen Kindern der Katechismus durchgefragt werden.

Diese Lesegottesdienste bestehen noch, das Abfragen des Katechismus ist abgekommen. Der Geistliche hält keine Gottesdienste, etwa Taufen und Kopulationen auf besonderen Wunsch ausgenommen. Die 1767 eingeweihte Kapelle ist höchst einfach eingerichtet, hat einen sehr primitiven Altar mit einigen Figuren, Sitze noch aus Balken gebildet, eine kleine Empore. In den Kapellenraum eingebaut, so daß dadurch etwa stark 1/3 des Raumes überdeckt wird, ist die jetzige Schullehrerwohnung, auf Holzpfeilern ruhend. Dieselbe diente bis 1838 zugleich zum Schulzimmer, Schulstube und Wohnstube in einem Raum. Im Jahre 1838 wurde ein weiteres Stockwerk aufgesetzt, in welchem nun ein größeres Lehrzimmer gewonnen, auch der beschränkten Lehrerwohnung weitere Gelasse verschafft wurden. Das Dach hat seit 1767 einen Dachreiter mit 2 kleinen Glocken.

Einen eigenen Begräbnisplatz hat Hummelsweiler nicht, der gemeinsame Gottesacker für die ganze Kirchengemeinde ist in Honhardt.

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