Beschreibung des Oberamts Freudenstadt/Kapitel B 1

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B.


Ortsbeschreibung,


in alphabetischer Reihe der den Oberamtsbezirk bildenden 41 politischen Gemeinden oder Schultheißereien; jedoch unter Vorausstellung der Oberamtsstadt.

Die am Schluß beigefügten Tabellen gewähren übersichtliche Zusammenstellungen: I. der Bevölkerung, der Gebäude und des Viehstandes, II. des Flächenmaßes nach den verschiedenen Bestandtheilen, und III. des Steuer-Katasters, des Gemeinde- und Stiftungshaushaltes.

Die Oberamtskarte zeigt die geographische Lage der Orte.




Freudenstadt.
Gemeinde II. Klasse mit 5341 Einw., a. Freudenstadt, Stadt, 4796 Einw., worunter 34 Kath., b. Christophsthal mit dem K. Eisenwerk, Weiler, 474 Einw., c. Kniebis, diesseits der Straße, Weiler, 52 Einw., d. Langenhard, Hof, 7 Einw., e. Ziegelhütte, Haus, 12 Einw. – Evang. Pfarrei; die Katholiken sind bisher nach Heiligenbronn, O.A. Horb, eingepfarrt[1].


Die Stadt Freudenstadt (östlicher Kirchthurm) liegt unterm 26° 4′ 26,99″ östlicher Länge und 48° 27′ 45,64″ nördlicher Breite, 20 geom. Stunden südwestlich von Stuttgart. (Die Erhebung über dem Mittelmeer siehe im allgem. Theil.) Sie ist als Oberamtsstadt der Sitz des Oberamtsgerichts mit dem Gerichtsnotariat, des Oberamts | mit der Oberamtspflege und dem Oberamtsphysikat, des Dekanatamts und eines Postamts; der Sitz des Forstamts ist von der Stadt in das nahe gelegene Christophsthal verlegt worden. Überdieß wohnen in Freudenstadt noch ein Revierförster, ein Umgeldscommissär, 2 Rechtspractikanten, ein practicirender Arzt, ein Oberamts-Wundarzt und ein Oberamts-Thierarzt, auch bestehen daselbst 2 Apotheken.
Wappen der Stadt Freudenstadt.

Als Wappen führt die Stadt im rothen Felde zwei mit dem Rücken gegen einander gekehrte goldene Fische und zwischen ihnen ein schwarzes F und in goldenem Schildeshaupt ein vierendiges schwarzes Hirschhorn. (Die Fische sind von dem Wappen der Grafschaft Mömpelgard genommen, da der Gründer der Stadt von der Mömpelgarder Linie des Hauses Württemberg stammte.)

Strenge genommen liegt die Stadt an dem östlichen Saume des eigentlichen Schwarzwaldes[2] und zwar oben an dem Steilabfall gegen das Forbach-Thal (Christophs-Thal), gerade in einer Einsattelung zwischen dem Kienberg und der leicht ansteigenden, sog. Kohlstädter Hardt. Diese Einsattelung, über welche die Wasserscheide zwischen Murg und Glatt, oder, im weiteren Sinn, zwischen Rhein und Neckar zieht, bildet einen natürlichen, am leichtesten zu überschreitenden Paß über die Höhen des Schwarzwaldes, den schon die Römer benützten (siehe den Abschnitt Alterthümer). Im Allgemeinen ist die Lage der Stadt eine freie, namentlich den Ost-, Nord- und Westwinden sehr ausgesetzte, während der im Süden sich namhaft erhebende, bewaldete Kienberg den warmen Südwinden den freien Zutritt versagt. Die Stadt ist daher beständigen Luftströmungen unterworfen, und in Folge dieser, wie der bedeutenden Erhebung über die Meeresfläche, ist die Luft zwar sehr rein, aber scharf, und wird häufig die Ursache zu rheumatischen und entzündlichen Krankheiten, obgleich sie im Allgemeinen wegen ihrer Reinheit und der balsamischen, stärkenden Ausdünstungen der nahe gelegenen Waldungen gesund genannt werden darf. Die Ernte tritt um 3–4 Wochen | später ein als im Gäu und Frühlingsfröste schaden nicht selten den Obstbäumen; auch Hagelschlag, den man wegen der nächst der Feldmarkung sich erhebenden, bewaldeten Höhen nicht vermuthen sollte, gehört gerade nicht zu den Seltenheiten. Die alljährlich aus der Atmosphäre sich niederschlagende Feuchtigkeit (Regen, Schnee, Thau etc.) ist sehr bedeutend, die Menge des meteorischen Wassers ist z. B. hier doppelt so groß wie in Stuttgart (s. oben Abschnitt II. 5. Luft und Witterung S. 31).

Die Anlage der ziemlich eben gelegenen, ursprünglich für eine Festung bestimmten Stadt ist, wie ein Blick auf den der Karte beigefügten Stadtplan zeigt, vollkommen regelmäßig. In der Mitte derselben befindet sich der beinahe ein regelmäßiges Quadrat bildende, sehr ansehnliche Marktplatz, dessen Seiten jedoch, ohne Zweifel in Folge der etwas oberflächlichen Anlage der Stadt, nicht vollkommen gleich sind, so daß die Länge der östlichen Seite 762′, der westlichen 748′, der südlichen 751′ und der nördlichen 736′ – der ganze Flächenraum aber 144/8 Morgen 45 Ruthen beträgt. Diesen unverhältnißmäßig großen Marktplatz, welcher ursprünglich als Exercierplatz für die garnisonirenden Truppen dienen sollte, ließ Herzog Friedrich I. mit Zierbäumen auspflanzen; seine Absicht, in der Mitte desselben ein Schloß zu erbauen, kam nicht zur Ausführung. Im Jahr 1749 wurden einzelne Theile des Platzes zu Gärten angelegt und den Ortsbürgern um bestimmte „Canones“ zur Benützung eingeräumt; überdieß enthält er noch freie Räume vor dem Rathhaus und vor der Kirche, von denen der erstere nun als eigentlicher Marktplatz dient. Im Laufe der Zeit wurden auch einige öffentliche Gebäude auf demselben errichtet, die diesen schönen Raum, welcher bei geschmackvoller Anlage und guter Benützung eine besondere Zierde der ohnehin schmucklosen Stadt hätte werden können, sehr verunstalten. Im Jahr 1829 wurde der Platz von der Stadtgemeinde dem Staat um 3600 fl. abgekauft. Zwei schnurgerade Hauptstraßen (von Südost nach Nordwest und von Südwest nach Nordost), welche sich in der Mitte des Marktplatzes kreuzen, theilen die Stadt in vier Theile, und zwar in das Kirchen-Viertel, Altkaufhaus-Viertel, Rathhaus-Viertel und Kronen-Viertel.

Die 4 Seiten des Marktplatzes, wie die zwei Hauptstraßen bilden gleichsam die Grundlinien zur übrigen Stadt, indem mit jeder Seite des Vierecks 3–4 Straßen hinter einander parallel laufen und rechtwinkelig auf die Hauptstraßen einführen, so daß die Stadt gleichsam aus 3–4 in einander geschobenen Vierecken besteht (s. den Stadtplan). So schön sich die Anlage der Stadt auf dem Grundrisse ausnimmt, | so unzweckmäßig erscheint sie bei näherer Prüfung in der Wirklichkeit, indem nur die auf dem Marktplatze stehenden Wohngebäude eine freie Aussicht bieten, während die Bewohner der hinteren Häuserreihen die mit Cloaken versehenen Hinterseiten der Vorderhäuser im Auge haben, wozu noch der weitere Übelstand kommt, daß die wegen Mangels an Hofräumen hinter den Häusern auf der Straße angebrachten Düngerstätten die wünschenswerthe Reinlichkeit der Ortsstraßen beinahe unmöglich machen. Die Straßen sind mit wenigen Ausnahmen seit 1825 gepflastert.

Die meist mit steinernen Unterstöcken versehenen, in den übrigen Theilen aus Holz erbauten Gebäude, welche beinahe durchgängig nur 4′ weit von einander abstehen, sind sämmtlich mit der schmalen Giebelseite gegen den Marktplatz und die Straßen gekehrt und haben eine gleiche, an Architektur arme Bauart und häufig dieselbe Größe, was dem Ganzen eine drückende Eintönigkeit gibt. Die Bedachung besteht aus Ziegelplatten, und die Wände, wenigstens die auf der Wetterseite, sind mit wenigen Ausnahmen verschindelt. Die um den Marktplatz stehenden Gebäude haben in den unteren Stockwerken auf Rundbögen ruhende Arcaden, so daß man bei nasser Witterung trockenen Fußes um den ganzen Marktplatz kommen kann, was besonders in schneereichen Wintern von wesentlichem Vortheil ist. Dagegen wird den zurückstehenden unteren Stockwerken dieser Gebäude der Zutritt des nöthigen Lichts, wie der Sonne versagt und überdieß sind die über den Arcaden angebrachten Gelasse des zweiten Stockwerks kalt, indem die Böden derselben frei über den Arcaden ruhen. In den 4 Ecken des Marktplatzes standen ursprünglich 4 im Winkelhacken erbaute Hauptgebäude: die Kirche, das Kaufhaus, das Rathhaus und der Spital (s. hierüber unten), welch letzterer, nachdem ihn der Brand von 1632 verzehrt hatte, nicht wieder aufgebaut wurde. Von den ehemaligen Festungswerken der Stadt, deren Fläche jetzt größtentheils zu Gemüsegärten etc. benützt wird, sind noch ziemlich namhafte Spuren vorhanden und noch sieht man an mehreren Stellen nicht nur Überreste der Bastionen und Wälle, sondern auch der Gräben, welche dieselben umgaben. Besonders aber haben sich die 4 massiven, sehr festen, gewölbeartigen Thore der Stadt noch gut erhalten und zwar:

1) das an der östlichen Stadtseite stehende Stuttgarter Thor, welches auf eine sonderbare Weise mit aus Stein gehauenen Kanonen- und Mörserläufen verziert ist, indem diese wie Säulen an beiden Seiten des Durchgangs hinauf laufen; über dem Eingang befinden sich in dem Frontispice das herzogl. Württemberg’sche und das Öttingische | Wappen nebst der Inschrift E. H. Z. W. 1668. Die Gelasse über dem Thore sind zu oberamtsgerichtlichen Gefängnissen eingerichtet.

2) Das Straßburger Thor, an der südlichen Seite der Stadt, ist weniger reich verziert, enthält in dem Frontispice die gleichen Wappen wie das vorhergehende und die Jahreszahl 1678. Auf demselben befinden sich neben einer vermietheten Wohnung 2 Gefängnisse, eines für das K. Oberamt, das andere für das K. Oberamtsgericht.

3) An der Westseite steht das Murgthal-Thor mit der Wohnung des Oberamtsdieners und 2 oberamtlichen Gefängnissen; die Außenseite desselben enthält im Frontispice das Württ. Wappen und die Inschrift E. H. Z. W. 1631; die der Stadt zugekehrte Seite trägt die Zeichen F. C. H. Z. W. 1681.

4) Das Hirschkopf-Thor, an der nördlichen Seite der Stadt, mit der Jahreszahl 1622; auf demselben befinden sich 3 oberamtsgerichtliche Gefängnisse und die Wohnung des Oberamtsgerichtsdieners.

Von öffentlichen Gebäuden gehören a) der Gemeinde: 1) das Rathhaus, ein die nordöstliche Ecke des Marktplatzes bildendes, ganz massiv erbautes, sehr ansehnliches Gebäude mit Thürmchen, Glocke und Uhr, welches im unteren Stockwerk die Schranne, im obern aber die Gelasse für die städtischen Collegien und die Wohnung des Stadtschultheißen enthält. Früher gehörte nur das untere Stockwerk der Stadt, dagegen das obere der Amtskorporation, welche ihren Antheil im Jahr 1854 der Gemeinde unter der Bedingung unentgeldlich überließ, daß die Stadtgemeinde hiefür die Unterhaltung von 2 Irrenzimmern im Armenhaus übernehme. Das erste Rathhaus der Stadt wurde bald nach ihrer Anlage erbaut, ging aber nebst dem Korn- und Zeughause bei dem großen Brande 1632 zu Grunde und erst im Jahr 1670 kam es zur Wiedererbauung des gegenwärtigen Rathhauses.

2) Das mitten auf dem Marktplatz stehende Gebäude der Real- und Elementarschule, in dessen unteren Räumen die Gemeindeback-Einrichtung sich befindet, welches im Jahr 1840/41 mit einem Gemeinde-Aufwand von 7000 fl. neu erbaut wurde. Die an der Real- und Elementarschule angestellten Lehrer haben auf Kosten der Gemeinde anderwärtige Wohnungen.

3) Ein zunächst der Realschule stehendes Wachthaus enthält im untern Stockwerk den Raum für die Löschgeräthschaften, im obern die Wohnung des ältesten Polizeidieners und 2 städtische Gefängnisse.

| 4) Das Armenhaus wurde 1854 von der Gemeinde um 900 fl. angekauft und eingerichtet.

5) Das auf dem Marktplatz stehende öffentliche Waschhaus besteht schon längst und wurde im Jahr 1841 namhaft vergrößert.

6) Das in der nordwestlichen Ecke des Marktplatzes stehende, zuletzt für das Oberamtsgericht bestimmte Gebäude erkaufte im Jahr 1854 die Gemeinde von dem Staat um 3325 fl.; dasselbe ist alt, massiv erbaut und mit kollosalen Strebepfeilern versehen. Eine steinerne Wendeltreppe führt zu den oberen Gelassen des Gebäudes, welches ursprünglich das Arsenal gewesen seyn soll. Später diente es verschiedenen Zwecken, als Kaufhaus, Sitz des Forstamtes[3], des Oberamtes und zuletzt des Oberamtsgerichts; gegenwärtig haben die an den verschiedenen Schulen angestellten 5 Unterlehrer freie Wohnung in dem Gebäude, während der übrige Theil an Privaten vermiethet wird.

7) Die Zehntscheuer, welche früher dem Staat gehörte, wurde vor etwa 6 Jahren von der Stadtgemeinde angekauft.

b) Der Amtskorporation gehört: die auf dem Marktplatz angenehm gelegene Wohnung des Oberamtsarztes, welche im Jahr 1854 wesentlich verbessert und verschönert wurde. Merkwürdiger Weise steht dieses Gebäude gerade auf der Wasserscheide, so daß die westliche Traufe desselben ihr Wasser in den Rhein, die nördliche in den Neckar sendet.

Folgende Gebäude sind Eigenthum des Staats, welchem auch die Unterhaltung derselben obliegt:

1) Die massive Pfarrkirche, welche ebenfalls in die langweilige Regelmäßigkeit der Stadt eingepaßt wurde, erhielt auf einem, von den Bergleuten aus St. Christophsthal zu diesem Zweck ausgesuchten Felsen ihre Stelle in der südwestlichen Ecke des Marktplatzes und zwar in der Figur eines rechten Winkels, dessen einer Schenkel (Flügel) sich der südlichen, der andere der westlichen Häuserreihe des | Marktplatzes anschließt. Die Erbauung dieser Kirche, zu welcher der berühmte Baumeister Schickard von Herrenberg († 1634) die Pläne entwarf, welche ebenso sehr gegen die Regeln des Kirchenbaus wie der Symbolik verstoßen, fällt in die Jahre 1601–1608[4]. Dem damaligen Geschmack entsprechend finden sich an der Kirche, wie an den beiden Thürmen neben vielen Renaissanceverzierungen in den Bogentheilen mit Maßwerk gefüllte, spitzbogige Fenster und Eingänge, an den Vorderseiten aber rundbogige Arcaden. Über den 4 Eingängen sind Begebenheiten aus der biblischen Geschichte in Hautrelief ziemlich gut ausgeführt und zwar über dem östlichen das Paradies, über dem nördlichen die Sündfluth, über dem südlichen Moses mit den Gesetzestafeln und über dem westlichen die Geburt Christi. Die beiden massiven Thürme, von denen je einer am Ende der beiden Flügel steht, sind in ihren unteren Theilen viereckig und gehen gegen oben in Achtecke über, auf den mit Blech beschlagenen Bohlendächern sitzen sogenannte Laternen; unterhalb der obersten Stockwerke sind Umgänge mit steinernen, im spätgermanischen Geschmack ausgeführten Geländern angebracht. Der obere (östliche) Thurm[5] hat eine Höhe von der Erdfläche bis zum Kirchthurmknopf von 162′; der untere (nördliche) scheint niederer zu sein, weil er um 10′ tiefer steht. Auf dem letzteren hängen 4, ein harmonisches Geläute gebende Glocken mit folgenden Umschriften: 1) Bernhart Lachmann gos mich, Osanna heis ich etc. 1500; 2) die 4 Evangelisten-Namen, 3) die 4 Evangelisten-Namen und die Jahreszahl 1451 und 4) O rex glorie Christe veni cum pace (die kleinste, aber wohl die älteste). In das Glockengestell ist die Jahreszahl 1603 eingeschnitten. Auf den Thürmen genießt man nicht nur eine anziehende, sondern auch eine sehr ausgebreitete Aussicht über die weit gedehnten Gebirgshöhen des Schwarzwaldes und an einen großen Theil des Steilabfalles der schwäbischen Alp.

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Das helle und geräumige Innere der Kirche ist durchaus im | Renaissancegeschmack ausgestattet; eine bekannte Merkwürdigkeit dieser Kirche ist, daß die männlichen und weiblichen Zuhörer einander nicht, dagegen beide den Geistlichen sehen können, indem von den in einem rechten Winkel zusammenlaufenden 2 Flügeln der eine dem männlichen, der andere dem weiblichen Geschlecht angewiesen, die Kanzel aber in der Spitze des Winkels selbst angebracht ist. Die Decke bildet ein ziemlich gedrücktes, aus Holz ausgeführtes Netzgewölbe, das ohne alle Unterstützung mittelst eines künstlich construirten Hängwerks gehalten wird. An den Kreuzungen der blau und golden bemalten Gurten sind in Stuck gearbeitete Wappen mit heraldischen Farben angebracht, und zwar in der Mitte, der zwischen beiden Flügeln liegenden Vierung das herzogl. Württemb. Wappen, um das sich zunächst die Wappen der damaligen regierenden Fürsten, welche mit dem württembergischen Fürstenhause in Verbindung standen, lagern. Weiterhin, in der Richtung der beiden Flügel, sind alsdann die Wappen der Klöster, Städte und wichtigsten Marktflecken des damaligen Herzogthums Württemberg angebracht. In den übrigen Theilen ist die Kirche weiß getüncht mit Ausnahme der Emporen, deren Brüstungen mit 26 in Stuck ausgeführten, lebhaft bemalten Bildern aus der biblischen Geschichte geziert sind. Die von einem Engel getragene Kanzel zeigt in Stuckarbeit an dem Stiegengeländer die 4 Evangelisten und an der Kanzel selbst Moses und Johannes; auf dem Schalldeckel steht Christus, welcher den bösen Geist, in Gestalt einer Schlange, zu Boden tritt. An dem Altar sind die 12 Apostel in Hautrelief dargestellt; hinter demselben erhebt sich ein vortrefflich aus Holz geschnittenes, lebensgroßes Bild des Gekreuzigten, welches aus dem Kloster Alpirsbach herrühren soll und erst im Jahr 1851 restaurirt wurde. Im Jahr 1848 erhielt die Kirche eine neue, von dem Orgelmacher Weigle in Stuttgart verfertigte, in gothischem Geschmack schön gefaßte Orgel mit 20 Registern, welche an der Emporkirche gegenüber der Kanzel aufgestellt wurde[6].

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| Einen interessanten alterthümlichen Schatz besitzt die Kirche an dem, aus dem Kloster Alpirsbach in dieselbe versetzten Taufstein, welcher aus dem 11. Jahrhundert stammend im rein romanischen Styl ausgeführt ist. Derselbe ist hohl und hat die Form eines etwas gedrückten Pokals, dessen oberste Weitung 4′ 8″ Durchmesser hält; die pokalförmige Schale des Taufsteins ruht auf einem viereckigen Postament, an dessen Ecken folgende Figuren angebracht sind: an zwei derselben je 2 auf einander sich lehnende Löwen, an der dritten ein einzelner Löwe und an der vierten eine entsetzlich verkrümmte menschliche Figur. Das Äußere der Schale ist mit roh gearbeiteten, seltsame Figuren darstellende Reliefs ausgestattet. Wir beginnen mit dem Hirsch, welcher eine Schlange verschlingt; weiterhin erscheint eine Thierfigur (vielleicht ein Wolf), dessen aufgeschlagener Schweif mit einem Kleeblatt endigt. Diesem steht ein einhörniges Thier entgegen, das mit einem Fuß auf einem Menschenkopf steht, von dem 2 lange sich hinausschnörkelnden Zöpfe und 2 ungestaltete Arme ausgehen; von letzteren faßt der eine das einhörnige Thier am Fuße, der andere ein drachenähnliches, geflügeltes Ungethüm an dem mit einem Kleeblatt endigenden Schwanze. Über der Schwanzspitze des Drachen ist ein hundartiges Thier mit einer Schlange im Munde angebracht, dessen langer Schwanz mit einer Pfeilspitze endigt. Der Hals des Drachen ist mit dem Halse eines zweiten ganz ähnlichen Ungethüms verschlungen; neben dem einen der Drachenköpfe, von denen jeder ein Dreiblatt in dem Rachen hat, zeigt sich wieder ein Menschenkopf mit spitzem Bart und lange hinausgeschnörkelten Zöpfen; die von demselben ausgehenden Arme halten einerseits den einen Drachen am Halse, anderseits den zweiten am Schwanze. Über diesen räthselhaften Figuren steht oben am Rande der Taufschale mit | sehr alten, zum Theil seltsamen Majuskeln folgende Inschrift: Evomit infusum homo cervus ab angue venenum[7].

Als weitere Merkwürdigkeit sind die in der Kirche aufgestellten, ebenfalls aus dem Kloster Alpirsbach dahin gebrachten, durch Conrad Widmann von Calw im Jahr 1488 prachtvoll geschnittenen Chorstühle anzuführen[8]. (Literatur: Andreä Veringer’s historische Beschreibung und Vorbildung der neuerbauten Kirche zu Freudenstadt. Stuttgart 1627. 8. Wieder gedruckt Nagold 1836. 8.) Der 21/2 Morgen große, mit einem Tannenhag umfriedigte Begräbnißplatz liegt hinter der Ziegelhütte außerhalb des Straßburger Thors. Ein weiterer Begräbnißplatz, der sog. Kauppen-Kirchhof, welcher nur für die adelige Familie der Kauppen bestimmt gewesen sei, lag außerhalb des Murgthal-Thors.

2) Das Oberamtsgerichtsgebäude, ein zunächst des Stuttgarter Thors stehendes Haus, welches im Jahr 1805 in einem modernen Styl erbaut und nebst Garten im Jahr 1853 von dem Staat um 7500 fl. dem Kaufmann Kierecker abgekauft wurde.

3) Das Oberamteigebäude mit dazu gehörigen Ökonomiegebäuden frei und angenehm auf dem Marktplatz gelegen und diesen verunstaltend; Oberamtmann Gentner ließ dasselbe in der ersten Hälfte seiner Amtsführung, welche von 1765–1792 dauerte, erbauen.

4) Das gut erhaltene, im Jahr 1803 neu erbaute Dekanatgebäude unfern des östlichen Flügels der Kirche und

5) das Diakonatgebäude unfern des nördlichen stehend.

6) Das ältere Schulhaus, ein großartiges im Winkelhacken erbautes Gebäude, früher die Wohnung des Dekans; in demselben befinden sich jetzt außer den Wohngelassen für den Präceptor, die lateinische und deutsche Knabenschule.

| 7) Das neue Schulhaus, im Jahr 1829 erkauft und neu eingerichtet, in der Nähe der südwestlichen Ecke des Marktplatzes, es enthält neben den Schulgelassen für die Mädchen auch die Kleinkinderschule. Eine kathol. Kirche ist gegenwärtig (1857) im Bau begriffen.

Noch ist der ehemaligen Kaserne zu erwähnen, welche in einem Winkelhacken in der zweiten Häuserreihe hinter dem Rathhaus zur Zeit der Befestigung der Stadt erbaut wurde und dem von 1670 bis 1750 in der Stadt garnisonirenden Militär als Wohnung diente. Das große Gebäude kam 1770 in Privathände und wird gegenwärtig von 15 Familien bewohnt.

Auch besitzt die aus etwa 100 Mitgliedern bestehende Schützengesellschaft das 1846 erbaute, außerhalb der Stadt an der Ostseite gelegene Schießhaus, in welchem von Zeit zu Zeit Schießen abgehalten werden.

Als ansehnliche Privatgebäude sind zu nennen: die Post, das Gasthaus zur Linde, die Apotheken von Haug und Zilling, und das Andreas Adrion’sche Haus.

Mit vortrefflichen, sehr reinem Trinkwasser, das 19 laufende Brunnen liefern, ist die Stadt hinreichend versehen; die auf dem Marktplatze stehenden Hauptbrunnen sind: 1) der 4röhrige, in der Mitte des Marktplatzes errichtete Wachthausbrunnen mit dem Standbild des Neptun und der Jahreszahl 1763. 2) Der 2röhrige Rathhausbrunnen auf dem freien Platz vor dem Rathhause; er trägt nebst der Jahreszahl 1780 die Statue des Herzogs Carl, in der einen Hand das württembergische Wappen, in der andern ein Füllhorn haltend. 3) Der 2röhrige Brunnen zunächst dem öffentlichen Waschhaus mit dem Standbild der Themis; die übrigen in den verschiedenen Theilen der Stadt zerstreut liegenden Brunnen, von denen 8 erst im Jahr 1850 errichtet wurden, sind minder bedeutend und je nur mit einem Rohr versehen. Sämmtliche Brunnen erhalten ihr Wasser aus 2 Quellen, welche in dem vordern und hintern Langenwald entspringen und mittelst 2400 St. 16′ langer Teichel etwa 11/2 Stunden weit hergeleitet werden. Zur Aushilfe bei Feuersgefahr sind auf dem Marktplatze 4 Wetten angelegt. Außerhalb der Stadt befinden sich auf diesseitiger Markung noch mehrere Quellen, von denen der Langenbrunnen im Forbachthal, der Ursprung der Lauter auf dem Schöllkopf und der Brunnen auf dem Hirschkopf die bedeutendsten sind; auch der Forbach und der Mannenbach entspringen auf der Markung.

Was die Bevölkerung betrifft, so zählte die Stadtgemeinde im Jahr 1853 3. Dezember 5562 Ortsangehörige, nämlich 2792 männliche, | 2770 weibliche, wovon 227 (143 männliche, 84 weibliche) im Auslande wohnten. Die Zählung des Jahres 1846 ergab 5328 (2672 männliche, 2656 weibliche) Ortsangehörige, davon 5295 evangelischer, 33 katholischer Confession. Die Zählung desselben Jahres ergab 4978 Ortsanwesende (2448 männliche, 2530 weibliche), wovon 1931 unter, 3047 über 14 Jahre alt waren.

Im Jahr 1832 war die Zahl der Ortsangehörigen 3790, davon waren 261 ortsabwesend, dagegen 127 Fremde ortsanwesend; wonach also die Ziffer der ortsanwesenden Bevölkerung 3656 betrug. 1852 belief sich dieselbe auf 5228 (2604 männliche, 2624 weibliche), wobei 297 Angehörige ortsabwesend, 339 Fremde anwesend waren.

Nach Altersklassen fand sich die angehörende Bevölkerung der Stadtgemeinde am 3. Dez. 1846 folgendermaßen vertheilt:

männl. weibl.
unter 6 Jahren 502 491
von  vollendetem 06. bis 14. Jahr 485 482
14. 20. 311 294
20. 25. 213 239
25. 40. 590 565
40. 60. 426 446
60. 70. 106 100
70. 80. 037 038
80. 90. 001 001
90. 100. 001 00
26720 26560
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5328

Nach dem Familienstand zerfiel die angehörige Bevölkerung zu gleicher Zeit in:

Verehelichte
1574
Wittwer
95
Wittwen
138
Geschiedene
6
Unverehelichte und Kinder 
3515
5328

Ehepaare waren es hienach 787; die Familienzahl betrug 1846 922; 1852 1023. Auf 1 Familie trafen also 5,7, auf 1 Ehepaar 6,8 Angehörige.

In dem Jahrzehend 1842/52 wurden im Durchschnitt jährlich geboren: 120,6 Knaben, 108,9 Mädchen; zusammen 229,5 Kinder. Darunter waren unehelich 26,9 (13,4 Knaben, 13,5 Mädchen). Auf 1000 Einwohner treffen hienach 43,06 Geburten (1:23,22) und | unter 100 Geburten befinden sich 11,72 uneheliche (1:8,53). In dem gleichen Zeitraum sind im Durchschnitt jährlich 166,7 Personen gestorben (85,3 männliche, 81,4 weibliche) und es entfallen hienach auf 1000 Einwohner 31,28 Sterbefälle (1:31,97) und zwar auf 1000 männliche Einwohner 31,98, auf 1000 weibliche Einwohner 30,57 Gestorbene.

Auf 1000 Sterbefälle treffen 1376 Geburten und der natürliche Zuwachs zur Bevölkerung stellt sich für das Jahrzehend 1842/52 auf 628 (353 männliche, 275 weibliche), die wirkliche Zunahme jedoch nur auf 467 (243 männliche, 224 weibliche), weil 161 theils mehr hinaus- als hereingezogen sind, theils bei der Zählung vom Jahr 1846 als falsch berechneter Zuwachs in Abgang kamen.

Unter den gebornen Freudenstädtern ist zu erwähnen Ludwig Alex. Lamotte, geb. den 4. Jan. 1748, in Tübingen in der Theologie gebildet, 1780 Professor an der Karlsakademie in Stuttgart, 1794 am dortigen Gymnasium, gestorben den 30. April 1798.

Der Gesundheitszustand der Einwohner ist im Allgemeinen ein günstiger und epidemische Krankheiten kommen selten vor. Was den Charakter betrifft, so sind die Ortseinwohner im Allgemeinen gesellig, ordnungsliebend, äußerst fleißig und sparsam; in ihren Vermögensumständen stehen viele ohne Verschulden zurück, was mitunter der minder ergiebigen und im Verhältniß zur Einwohnerzahl zu kleinen Feldmarkung zuzuschreiben ist. Übrigens gibt es dennoch einzelne Reiche und ziemlich viele Vermögliche. Der ausgedehnteste Güterbesitz in Einer Hand beträgt 40 Morgen, der allgemeinste 6–10 Morgen.

Die Haupterwerbsquelle der Einwohner besteht außer Feldbau und Viehzucht in Gewerben, auch suchen minder Bemittelte ihr Auskommen durch Tagelohn und hauptsächlich durch Arbeiten in den Waldungen zu sichern.

Die größtentheils aus Waldungen bestehende sehr ausgedehnte Markung der Stadt grenzt nördlich an die Markung Baiersbronn, östlich an die Markungen Wittlensweiler und Dietersweiler, südlich an Dietersweiler, Schömberg und Reinerzau (oberer Zwieselberg) und westlich an das Großherzogthum Baden. Sie ist hauptsächlich von dem tiefeingeschnittenen Forbach-Thal, welches bei Kniebis beginnt und in der Nähe der Stadt einen großen Bogen um den Finkenberg beschreibt, durchzogen; überdieß greifen noch einige Seitenthäler des Forbachthales, wie die Anfänge des Kinzig, Lauter | und Maubachthals in dieselbe ein. Die gebauten Güter der Markung liegen, mit Ausnahme einiger an dem steilen Abhange gegen Christophsthal gelegenen, ziemlich eben und haben im Allgemeinen einen mittelfruchtbaren Boden, dessen Ertrag durch die ihm zu Theil werdende, überaus fleißige Bebauung und Düngung einigermaßen gesteigert wird. Der größere Theil der Markung besteht aus einem leichten Sandboden (Zersetzung des bunten Sandsteins,) der sich namentlich für den Kartoffelbau gut eignet; etwa 150 Morgen, in der Nähe der Ziegelhütte liegend, haben einen sogenannten weißen Boden (Verwitterung der hier anstehenden Wellenmergel), der schwerer (thoniger) ist und dem Fruchtbau mehr entspricht. Die ergiebigsten Güter liegen in der Nähe der Stadt.

Zunächst der Christophsaue besitzt die Stadtgemeinde einen sehr bedeutenden Steinbruch, der neben guten Bausteinen auch Kieselsandsteine, welche als Straßenmaterial mit großem Vortheil benützt werden, liefert. Überdieß ist hier, wie auch an andern Punkten der Markung (Schöllkopf, Abhang gegen das Lauterbad etc.) der bunte Sandstein mit Brauneisenstein führenden Schwerspathgängen durchsetzt, aus denen nicht nur der Spath gewonnen und an die Spathmühle des Kaufmanns Wagner in Freudenstadt abgesetzt, sondern auch, jedoch in geringer Ausdehnung, Eisen, das die Hüttenwerke Christophs- und Friedrichsthal ankaufen, abgebaut wird. Bauversuche auf Eisen wurden schon vielfältig unternommen, aber wegen Wasserzudrangs in die Gruben meist bald wieder aufgegeben.

Die vorhandene Ziegelhütte gewinnt ihr Material nicht aus eigentlichen Lehmgruben, sondern auf nahe gelegenen Äckern, welche etwa 2′ tief abgebaut und nachher der Landwirthschaft wieder übergeben werden.

Der Ackerbau wird sehr fleißig, jedoch nicht nach einem geregelten Bausystem, sondern mehr willkürlich betrieben, auch kommen verbesserte Ackergeräthschaften theilweise in Anwendung.

Zur Besserung des Bodens wird außer dem gewöhnlichen Stalldünger und der Jauche auch noch das Brennen (Motten) der Felder, das Überführen mit Mergeln, die Asche, die Hallerde, die Abfälle von den chemischen Präparaten zu Ödenwald und etwas Compost angewendet, überhaupt der Düngergewinnung sehr viel Fleiß und Sorgfalt gewidmet.

Von den Cerealien kommen vorzugsweise Dinkel und Hafer, weniger Roggen, Gerste und Weizen zum Anbau; Wurzelgewächse, besonders Kartoffeln, gedeihen am besten, während Gemüse und feinere Culturpflanzen wegen des rauhen Klima’s theils gar nicht, theils nur | spät zur Reife kommen. Überdieß zieht man Futterkräuter, in neuerer Zeit Riesenmöhren, Flachs und Hanf; Kraut und Blätterkohl wird viel in Ländern gebaut. Auf den Morgen rechnet man Aussaat 9 Simri Dinkel, 9 Simri Hafer, 4 Simri Roggen, 4–5 Simri Gerste und ebensoviel Weizen; der durchschnittliche Ertrag wird zu 8–9 Scheffel Dinkel, 7 Scheffel Hafer, 4–5 Scheffel Roggen, 5–6 Scheffel Gerste und 7 Scheffel Weizen angegeben. Die Preise eines Morgens Acker, welche früher höher standen, bewegen sich gegenwärtig von 200–400 fl. Die Felderzeugnisse reichen zur Befriedigung des Bedürfnisses der Ortseinwohner nicht hin, daher noch vieles Getreide von Außen gekauft wird.

Von verhältnißmäßig größerer Bedeutung als der Ackerbau ist der Wiesenbau, welcher in großer Ausdehnung betrieben wird und gutes, reichliches Futter liefert. Die Wiesen, die etwa zur Hälfte bewässert werden können, sind 2mähdig, die um die Stadt gelegenen, welche man mittelst des Abwassers aus der Stadt bewässert erlauben sogar einen dritten Schnitt und liefern durchschnittlich 60 bis 70 Centner Futter per Morgen, von den weniger guten wird der Ertrag zu 40 Centner und von den geringsten zu 30 Centner angegeben. Von dem erzeugten Futter wird viel nach außen abgesetzt. Die höchsten Preise der Wiesen betragen 700 fl., die mittleren 400 fl. und die geringsten 200 fl. für den Morgen.

Die Obstzucht ist bei den minder günstigen climatischen Verhältnissen unbedeutend, obgleich man sich die Emporbringung derselben angelegen seyn läßt; so wurden z. B. im Jahr 1836 ein öder Platz unter der Leitung des Schullehrers Brucklacher von den Schulkindern meist mit Kirschbäumen, vermischt mit Apfel- und Birnbäumen, angepflanzt, von denen namentlich die Kirschbäume ein gutes Fortkommen zeigen. Auch ist eine im Jahr 1818 angelegte Saat- und Pflanzschule vorhanden, aus der die Kinder alljährlich mehrere tausend Jungstämme unentgeldlich beziehen. Als besondere Erwerbsquelle ist die Rindviehzucht anzusehen, welche sich meist mit einer etwas kleinen Landrace, zum Theil auch mit Schweizervieh beschäftigt, indem neben einer beträchtlichen Milchgewinnung noch ein namhafter Handel, mit Vieh, vorzugsweise in das Großherzogthum Baden getrieben wird. Zur Erhaltung und Verbesserung des Viehstandes sind 7 tüchtige Zuchtstiere vorhanden, die ein Ortsbürger unter Aufsicht der Gemeindebehörde anschafft und unterhält, wofür ihm die Gemeinde neben der Nutznießung von 7 Morgen Wiesen jährlich 200 fl. reicht. Viehaustrieb in die Gemeindewaldungen findet noch statt.

| Pferdezucht wird nicht betrieben, dagegen ist die Haltung der Pferde nicht ganz unbeträchtlich.

Die Zucht der Schweine (bayrische und englische Race) ist im Zunehmen, so daß die meisten Ferkel im Ort selbst gezogen werden; der Handel mit Schweinen ist von keinem Belang. Mutterschweine sind etwa 30 vorhanden.

Die Bienenzucht ist unbedeutend.

Die Fischerei in dem Forellen führenden Forbach hat der Staat, welcher sie um eine geringe Summe alljährlich verpachtet.

Was die Gewerbsindustrie betrifft, so ist derselben bereits im Allgemeinen Theil übersichtlich gedacht worden. Nach der neuesten speciellen Aufnahme vom Jahr 1852 zählte die Stadt, abgesehen von den Staats-Eisenwerken, welche etwa 130 Arbeiter beschäftigen:

I. Fabrikationsanstalten.

Es bestehen 3 Anstalten für die Fabrikation verschiedener Gespinnste, nämlich eine mechanische Baumwollespinnerei mit 1200 Spindeln, welche 40 männliche und weibliche Arbeiter beschäftigt.

Zwei dergleichen Fabriken mit zusammen 510 Spindeln fertigen Leinengarn und beschäftigen 24 Arbeiter, worunter nur 3 männliche.

Für gewerbsweise betriebene Weberei in Leinen und Halbleinen sind 20 Webestühle mit 33 Arbeitern, sodann für Wolle und Halbwolle 67 Stühle mit 81 Arbeitern in Thätigkeit.

Eine Stückbleicherei und eine Färbereianstalt beschäftigen je 2 Arbeiter.

In den vorhandenen 3 Ziegeleien arbeiten 7 Gehilfen und eine Pottaschensiederei nimmt 3 Arbeiter in Anspruch. Ebenso beschäftigt 1 Theerofen 2 Arbeiter. 20 Bierbrauereien nehmen 20 Arbeiter und 40 Branntweinbrennereien 19 dergleichen in Anspruch und eine Bürstenfabrik beschäftigt 58 Arbeiter.

II. Mechanische Künstler und Handwerker.
Meister Gehilfen Meister Gehilfen
Bäcker 30 25   Kürschner 1 1
Conditoren 3 Sattler 4 2
Metzger 30 19 Seiler 4
Seifensieder 3 Schneider 22 18
Gerber 1 Knopfmacher 1 1
Schuhmacher 52 45 Putzmacherinnen 7 2
Seckler 3 Hutmacher 3 1
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Tuchmacher u. -scheerer 4 2   Schlosser und Nagel-
Färber 6      schmiede 132 57
Zimmerleute 16 12 Gürtler 1
Schreiner 20 5 Kupferschmiede 7 3
Wagner 8 Zinngießer 1
Küfer u. Kübler 12 Flaschner 3 2
Dreher 3 1 Nadler 2
Korbmacher 1 Uhrmacher 3
Steinhauer u. Maurer 22 73 Gold- u. Silberarbeiter 1
Pflästerer 4 1 Barbiere 3 3
Kaminfeger 1 1 Buchdrucker 1 3
Hafner 6 2 Buchbinder 3 1
Glaser 8 3 Gärtner 1
Grobschmiede 10 8 Strumpfstricker 2 1
III. Handels-Gewerbe.

18 Kaufleute mit 24 dabei beschäftigten Personen, 8 Krämer und Händler mit 8 Personen, Frachtfahrer und Lohnkutscher 52 mit 64 dabei beschäftigten Personen.

Apotheken sind zwei, zusammen mit 2 Gehilfen vorhanden.

Sodann zählt die Stadt 19 Schild- und Speise- und 20 Gassenwirthschaften.

An Mühlen, durch Wasserkraft getrieben, befinden sich auf der Markung 6 mit 47 Mahlgängen, bei welchen 17 Personen beschäftigt sind. Sodann 3 Walkmühlen mit 3 Arbeitern, 1 Lohmühle mit 1 Arbeiter, 7 Sägmühlen mit 15 Arbeitern, 2 andere Mühlwerke mit 5 Arbeitern.

Handel und Verkehr. Der Handel besteht hauptsächlich in dem Absatz der Fabrikate des Bezirks; von besonderer Erheblichkeit ist der Handel mit Holz, namentlich Langholz, das sowohl in die Umgegend als in das Großherzogthum Baden guten Absatz findet. Die Durchfuhr beschränkt sich auf Obst, Wein, Holz und Colonialwaaren.

Die Stadt hat das Recht, den 2. Februar, den 1. Mai, den 25. Juli und den 29. September je einen Vieh- und Krämermarkt abzuhalten; überdieß bestehen jeden Dienstag und Samstag Wochenmärkte, auf denen mit Viktualien sehr lebhaft gehandelt wird. Die Fruchtschranne gehört zu den bedeutenderen des Landes und setzt jährlich etwa 20.000 Scheffel Getreide um. Die Früchte werden meist durch Händler aus dem Gäu und durch einzelne Spekulanten aus dem Badischen beigeführt; sie finden ihren Absatz an die Einwohner | von Freudenstadt, in das Murgthal und in badische Grenzorte. Das Kornhaus ist an einen Ortsbürger um 1300 fl. jährlich verpachtet.

Der Verkehr von Reisenden ist den Sommer über wegen der benachbarten badischen Bäder Rippoldsau, Petersthal, Griesbach und Antogast noch ziemlich lebhaft, hat aber im Allgemeinen seit der Einrichtung der Eisenbahn von Stuttgart nach Bruchsal sehr nachgelassen, wie denn auch die aus dem Innern des Landes nach Straßburg Reisenden die Route über Freudenstadt nur selten mehr einschlagen.

Außer der durch die Stadt führenden Stuttgart-Straßburger Poststraße, welche von Freudenstadt aus auf den Kniebis in den Jahren 1832–35 neu und zweckmäßig hergestellt wurde, sind Landstraßen einerseits seit 1821 von Freudenstadt durch das Murgthal nach Schönmünzach und weiter über Gernsbach nach Rastatt, anderseits über Loßburg nach Alpirsbach angelegt; von letzterer gehen Vicinalstraßen sowohl über Schömberg nach Reinerzau, als nach Hintersteinwald, welch letztere neuerer Zeit bis in die Berneck und Reinerzau fortgesetzt wurde. Von der Stuttgarter Landstraße geht bei der Ziegelhütte eine nach Dietersweiler und Glatten führende Vicinalstraße ab, welche die Markung von Freudenstadt noch eine kurze Strecke berührt. Die in Freudenstadt bestehende Postexpedition mit Stall steht derzeit durch Postwagen in unmittelbarer Verbindung mit Stuttgart (täglich), mit Rottweil, Alpirsbach, Schönmünzach, Gernsbach und Muckensturm (badische Eisenbahnstation), Wildbad, Petersthal mit Influenz auf die badischen Eisenbahnstation Appenweiher und nach Rippoldsau. Auch besteht eine Verbindung durch fahrende Landboten, welche im Jahr 1835 von der Amtsversammlung aufgestellt wurden, mit Stuttgart, Tübingen, Reutlingen, Rottweil, Neuenbürg, Karlsruhe und Straßburg in Verbindung. Zwischen der Stadt und den Amtsorten gehen jede Woche zweimal 14 Amtsboten.

Das Pflastergeld bezieht der Staat, welcher es um 150–160 fl. jährlich verpachtet.

Kirchliche und Lehranstalten. An der Stadtpfarrkirche sind ein Stadtpfarrer, der zugleich das Decanatamt bekleidet, und ein Diakon angestellt. Zu der Kirchengemeinde gehört außer der Stadt noch Christophsthal, Kniebis, Langenhard und die Ziegelhütte. Das Nominationsrecht der Geistlichen übt der Staat aus. Zu den Jahren 1602–1604 hatte Joh. Leban[9], die Seelsorge. Im Jahr 1604 | wurde ein Pfarrer und ein Diaconus förmlich angestellt; der erste Stadtpfarrer war Andreas Veringer, durch seine frühere Wirksamkeit in Österreich und Ungarn besonders hiezu geeignet; er war geboren zu Herrenberg 1553, Prediger zu Chemnitz in Ungarn 1590, zu Feldsberg in Österreich 1595, Stadtpfarrer zu Rosenfeld 1601, Stadtpfarrer in Freudenstadt 1604–1608, und starb 1609 als Consistorialrath und Abt zu Alpirsbach[10]. Die Reihe der Superintendenten oder Dekane beginnt mit Joh. Gerh. Ramsler (von 1672–97); früher standen die Kirchendiener unter der Superintendenz Herrenberg.

Als Lehranstalten befinden sich in Freudenstadt:

1) Eine lateinische Schule, an der ein Präceptor unterrichtet. Der erste Präceptor war Joh. Matthiä von 1604–1609 (s. Binder, Kirchen- und Lehrämter Württembergs I. Theil, S. 462).

2) Eine im Jahr 1837 auf Kosten der Stadt nebst einem Staatsbeitrag gegründete Realschule, an der nur ein Lehrer unterrichtet.

3) Die Elementarschule für die lateinische und Realschule mit einem Lehrer.

4) An den Volksschulen, bestehend aus einer Mittelschule, einer Knaben-, einer Mädchen- und einer Elementarschule sind 4 Schullehrer, 5 Unterlehrer und 2 Lehrgehilfen thätig.

5) Eine Gewerbeschule zur Heranbildung der Lehrlinge und Gesellen.

6) Eine Industrieschule mit 2 Lehrerinnen besteht seit 1817.

7) Eine Kleinkinderschule, an der eine Lehrerin angestellt ist, wurde erst in neuerer Zeit errichtet.

Mit der lateinischen und Realschule ist eine Turnanstalt verbunden.

Für Zwecke der Wohlthätigkeit, namentlich für Austheilung von Brod, zu Abschaffung des Kinderbettels und von Geschenken, um dem Bettel der Handwerksburschen zu steuern, bestehen Privatvereine; ferner versorgt ein Frauenverein arme Wöchnerinnen und Kinder mit den nöthigsten Bedürfnissen. Auch von dem Bezirks-Wohlthätigkeits-Verein, der in der Stadt seinen Sitz hat, werden die Ortsarmen bedacht.

Für litterarische und gesellige Unterhaltung sorgen 2 Lesevereine, für musikalische hat sich ein Liederkranz gebildet.

| Der Gemeindehaushalt (vergl. Tab. III.) ist geordnet, Gemeindeschaden wird seit dem Jahr 1833 nicht mehr umgelegt. Das Gemeindevermögen besteht vorzugsweise in Waldungen, welche die Stadt durch den Waldabfindungsvertrag vom 24. Juli 1833 von der Staatsfinanz-Verwaltung als freies Eigenthum erworben hat. Vor dem Jahr 1833 besaß die Stadt nur etwa 400 Morgen Waldungen, die Stadtgemeinde und die Ortsbürger waren aber zu Holz, Streu, Weiden in den Staatswaldungen berechtigt. Diese Berechtigungen wurden laut obigen Vertrags mit 70971/4 Morgen Waldungen von Seiten des Staats abgelöst, dagegen mußte die Gemeinde die Gegenleistung an Hafer, welche den Berechtigten oblag, in 20fachem Betrag mit 6684 fl. zur Ablösung bringen. Im Jahr 1847 kaufte die Gemeinde 28 Morgen Waldungen auf der Markung Dietersweiler, wogegen sie in demselben Jahre 83 Morgen Wald ausstocken ließ (s. unten), so daß die Stadt gegenwärtig etwa 7500 Morgen Waldungen besitzt welche meist mit Weißtannen und Fichten gut bestockt sind und unter der Leitung eines von Seiten der Gemeinde angestellten Forstmanns (Stadtförster) in einem Umtrieb von 120 Jahren rationell bewirthschaftet werden. Die jährliche Nutzung wird auf 5500 Klafter angegeben; hievon hat jeder Bürger 4 Klafter anzusprechen, welche ihm aus dem städtischen Holzgarten, über den ein besonderer Verwalter gesetzt ist, gegen Ersatz der Aufbereitungs- und Beifuhrkosten abgegeben werden. Viele Bürger beziehen übrigens ihre Holzgabe nicht in Natura, sondern lassen sich hiefür den Geldbetrag von 12–16 fl. jährlich bezahlen und versehen sich dagegen mit Brennmaterial mittelst Lese- und Stockholzes, das sie unentgeldlich in den Gemeindewaldungen holen dürfen. Außer den Holzgaben an die Bürger und dem Bedarf von etwa 125 Klafter Brennholz für Rathhaus, Schulen etc. gewähren die Waldungen, nach Abzug der Cultur- und Beaufsichtigungskosten, der Gemeindekasse jährlich noch eine reine Rente von 12–15.000 fl. Die Nebennutzungen bestehen in Weide, Waldstreu u. Gras; in der Gewinnung von Sand, Mergel, Erz, Schwerspath, Harz etc. etc.

Die im Jahr 1847 ausgereuteten 83 Morgen Gemeindewaldungen, welche an die Feldmarkung grenzten, wurden an die Bürger verkauft und von diesen in Feld umgewandelt, wodurch namentlich den Unbemittelten ein kleiner Vortheil erwachsen ist, indem sie ihre Theilchen auf Credit erhielten.

Unter dem Vermögen der Stiftungspflege (s. Tab. III.) befinden sich etwa 3000 fl., deren jährliche Zinsen zur Unterstützung der Ortsarmen verwendet werden; von diesen Armenstiftungen verdienen jene | der Erben des Kaufmann Karl Kiereker und des Freiherrn Johannes von Müller besonderer Erwähnung.

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Was die Umgebungen der Stadt betrifft, so fehlt es nicht an Spaziergängen und schönen Aussichtspunkten. Schon in der Nähe der Stadt, namentlich an der östlichen Seite derselben, genießt man eine freundliche, weit ausgedehnte Aussicht über einen Theil des östlichen Schwarzwaldsaumes, in dessen Hintergrunde der blaue Steilabfall der Alp sichtbar ist. Wendet man sich auf die westliche Seite der Stadt, so wird man durch einen Blick in das freundliche, tiefeingeschnittene Christophsthal auf’s Angenehmste überrascht. Wie ein lichtgrünes Band zieht sich die schmale Thalsole zwischen den schwarzgrünen Nadelwaldungen hin, einen schönen Bogen um den der Stadt gegenüber liegenden Finkenberg beschreibend, der muntere Forbach, der hier so manches Rad in Bewegung setzt und dem gewerbethätigen Menschen allerseits Hilfe leistet, schlängelt sich raschen Laufs an den vielen Fabriken, Eisenwerken etc. vorbei, die eine ungemein regsame Belebtheit in das von Natur so stille Thal gebracht haben. Das ununterbrochene Schlagen der Groß- und Kleinhämmer dringt bis zu der Stadt und die Nacht über sehen die Feuer sprühenden Kamine der Hochöfen und Hammerwerke kleinen Vulkanen ähnlich, was namentlich auf den Fremden einen imposanten Eindruck macht. Ersteigt man den südlich der Stadt sich mäßig erhebenden Kienberg, so erschließt sich hier dem Auge ein Panorama, das sich gegen Westen und Nordwesten über weitgedehnte, beinahe unübersehbare Waldmassen, und über die Höhen des Kniebis, Roßbühl, Hornisgründe etc. erstreckt; gegen Norden und Nordosten schweift der Blick über die Murgthal-Gegend und einen großen Theil der Oberamts-Bezirke Nagold und Calw, gegen Osten und Südosten schließt die Kette der schwäbischen Alp (von dem Dreifaltigkeitsberg bis zum Hohenstaufen) die überaus anziehende Aussicht. Als eine besondere Merkwürdigkeit verdient angeführt zu werden, daß man früher von dem Kienberg nur die Spitze des Thurms zu Dornstetten sehen konnte, gegenwärtig aber die ganze Stadt übersieht. Von schönen Spaziergängen nennen wir den Weg in das romantisch gelegene, nur 1/2 Stunde entfernte Lauterbad, ein Ausflug durch das Christophsthal und Friedrichsthal in das Murgthal und für Freunde des Waldes den sogenannten Teichelesweg. Ein angenehmer Spaziergang führt in die nur 10 Minuten von der Stadt entfernte Christophsaue, einem Wirthschaftsgebäude mit Bierbrauerei und bescheidener Gartenanlage; auf dem Wege dahin, wie auch bei der Wirthschaft | selbst, genießt man eine sehr freundliche Aussicht in das Christophsthal. Will man sich weiter ergehen, so gewährt eine Partie nach dem 13/4 Stunden entlegenen Bad Rippoldsau viele Annehmlichkeiten.

Auf dem 1/2 Stunde südlich der Stadt gelegenen Schöllkopf, einer rings mit Wald umgebenen, gegenwärtig meist als Weide benützten freien Fläche, stand früher eine Glashütte, die schon 1477 vorkommt; später trat an die Stelle derselben ein Bauernhof (Schöllkopfhof), dessen Eigenthümer in kirchlicher Beziehung der Pfarrei Schömberg zugetheilt waren, der sie auch den Zehenten und überdieß von jedem gefallenen Kalbe den sog. Kälberpfennig (1 Pfennig), von jedem Füllen den Füllenpfennig (3 Pfennige), den Gartenpfennig etc. zu entrichten hatten. Die letzten Besitzer des Hofs, welche ihn im Jahr 1565 noch inne hatten, hießen Zinser; von diesen kam das 82 Morgen und 11/2 Viertel große Schöllkopfgut an die Landesherrschaft und wurde unter der Regierung des Herzogs Johann Friedrich im J. 1610 mit allen Gerechtigkeiten und Lasten an die Gemeinde Freudenstadt um 1200 fl. verkauft. Mit diesem Verkauf kam der Hof, welcher früher zu dem Amte Dornstetten gehörte, in den Verband von Freudenstadt. Bei einem Einfall der Franzosen wurde derselbe zerstört und nicht wieder aufgebaut. Vor Zeiten wurde auf dem Schöllkopf Eisen abgebaut und gegenwärtig gewinnt man noch zuweilen Schwerspath daselbst. Ein verfallener Schacht, das sogenannte Steckenloch, hat seine Benennung von einem Forstbeiknecht Steck, der nächtlicher Weile im Jahr 1792 hier ermordet und in diesen alten Schacht geworfen wurde, in welchem man ihn erst 4 Tage nach der That auffand.


Geschichte der Stadt.
Noch gegen das Ende des 16. Jahrhunderts war da, wo jetzt Freudenstadt steht, ein dichter Tannenwald, von welchem Herzog Friedrich I. 2500 Morgen ausrotten ließ, um Raum für eine Stadt und die nöthigen Grundstücke für ihre Bewohner zu erhalten. Den Anlaß zur Gründung dieser Stadt, welche unfern des Kniebispasses auf der Grenze Württembergs gleichsam den Schlüssel zu diesem Lande von der Seite von Straßburg bildet, gab die Aufnahme der Protestanten, welche durch den Erzherzog Ferdinand aus Österreich, Kärnthen und Steiermark vertrieben wurden, um so mehr, als sich unter diesen Flüchtlingen viele tüchtige Bergleute befanden, welche der Herzog bei dem von ihm neu eröffneten Bergbau im Vorbachthale zu gebrauchen beschloß. Der Bauplan wurde unter seiner eigenen Leitung entworfen. Die Stadt sollte in lagerähnlichem Aufbau ein Viereck | bilden mit breiten und schnurgeraden Straßen und jede Hofstatt 60 Fuß lang, 40 breit und von der andern 4 Fuß entfernt sein. Die Namen der Thore, der öffentlichen Plätze und der Straßen zeichnete Friedrich selbst in den Plan ein. Die Ansiedler erhielten die Bauplätze und das Bauholz unentgeldlich und wurden mit verschiedenen Privilegien versehen, wie denn überhaupt die dem St. Christophsthal eingeräumten Rechte und Freiheiten auf die werdende Stadt übertragen wurden. Die Laboranten in Christophsthal konnten gegen Erlegung eines Ducaten sich in das Bürgerrecht der letzteren aufnehmen lassen und in den Genuß aller bürgerlichen Rechte eintreten, so wie sie andererseits auch alle Lasten mit Frohnen und Wachen leisten mußten. (Vergl. Christophsthal.) Den 22. März 1599 begann der Bau (Steinhofer Wirt. Chron. I, 426), der Herzog selbst sah öfters nach und ermunterte, auf einem Baumstrunk sitzend, die Arbeiter zum Fleiß. So erhob sich schnell eine Stadt, welche 1602 schon die vier Seiten des großen Marktes fertig hatte und 80 Häuser, 1609 aber 350 Bürger und über 2000 Einwohner zählte. Bald war auch ein bereits am 13. Juli 1602 eingeweihter Galgen errichtet. Wegen ihres glücklichen Gedeihens wurde die Stadt noch unter ihrem Gründer[11] die „Freudenstadt“ genannt. Der Herzog wollte die neue Stadt auch mit Mauern, Wall und Graben umgeben, aber sein Tod hinderte ihn daran, und so blieb für die Stadt, welche Herzog Friedrichs Sohn, Herzog Johann Friedrich, hauptsächlich als Handelsort empor zu bringen bemüht war, lange Zeit ein starker hölzerner Zaun ohne Thore die einzige Umfriedigung, außerhalb welcher dieselbe ein Kranz von Gärten umgab. „Dem Lande incorporirt“ wurde Freudenstadt durch Landtagsabschied vom 17. Aug. 1618 (Landesgrundverfassung 383). Friedrichs Enkel, Herzog Eberhard III., beschloß aus der Stadt eine Festung zu machen; 1659 forderte er hiezu von den Landständen einen Geldbeitrag; diese jedoch schlugen ihm sein Begehren ab, weil sie dazu nicht verbunden seyen, es ihnen auch an den erforderlichen Mitteln fehle. Vergebens ließ der Herzog ihnen vorstellen, die Kosten seyen nicht so groß, desto größer aber der Nutzen, welchen das Land von einer solchen Hauptfestung ziehen würde, indem es von ihr „mehreren Schutz, Rettung und Defension“ zu gewarten habe und im Nothfall Herrschaft und Unterthanen sich dahin flüchten und, was | ihnen an zeitlicher Habe lieb sei, retiriren könnten; die Landstände beharrten gleichwohl auf ihrer Weigerung. Im J. 1661 begann daher der Herzog allein die Ausführung seines Planes; die Festung sollte ein reguläres Achteck mit einer Hauptbastion an jeder Ecke bilden und auf dem benachbarten Kienberg eine Citadelle mit einem Schloß und bedecktem Gang erbaut werden. Die Aufsicht beim Bau führt der Expeditionsrath Johann Christoph Walther und Baumeister Matthäus Weiß. Nachdem man aber damit schon ziemlich weit vorgeschritten war und über 100.000 fl., wozu die Landstände nur 50.000 fl. beitrugen, darauf verwendet hatte, wurde 1674 das Bauen eingestellt, weil der Oberstlieutenant Kieser, nach vorgenommener Besichtigung, erklärte, der Ort sey für den beabsichtigten Zweck, namentlich wegen der nahen Berge, ganz untauglich. Die angelegten Werke zerfielen nach und nach. Sein Interesse für Freudenstadt bezeugte aber Herzog Eberhard III. noch dadurch, daß er im Codizill von 1674 der hiesigen Kirche 1000 fl. zu ihrer und des Pfarrhauses Erhaltung und Ausbesserung vermachte (Reyscher Sammlung 2, 423).

Unter den Unglücksfällen der Stadt ist hervorzuheben, daß in den Jahren 1610 und 1611 die Pest über die Hälfte der Einwohner hinwegraffte.

Am 24. Mai 1632 brach im Barben-Wirthshaus ein Feuer aus, welches wegen des heftigen Windes in 21/2 Stunden 141 Gebäude verzehrte, wobei mehrere Menschen beschädigt wurden und einer umkam. Nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 überfiel die Stadt eine Kroatenschaar, welche sie nicht nur ausplünderte und verbrannte, sondern auch die Einwohner ohne Unterschied des Standes, Geschlechts und Alters niederhieb, so daß die Stadt, zumal da die Pest auch im Jahr 1635 434 Menschen tödtete, über ein Jahr lang öd und verlassen da lag. Auch 1639 erlitt sie durch die französischen und weimarischen Truppen eine Plünderung. Als damals der Stadtpfarrer, Georg Stöffler, sich weigerte, den Plünderern das Behältniß zu entdecken, worin die Kirchengefässe aufbewahrt wurden, wollten ihn diese aufhängen, schenkten ihm jedoch, auf Bitten eines Kapuziners, das Leben; seitdem wurde jeder durchreisende Kapuziner in Kost und Wohnung freigehalten.

Die Parcellen der Gemeinde Freudenstadt sind: 1) Christophsthal mit dem K. Eisenwerk; dieser in dem engen, tiefeingeschnittenen Forbach-Thale liegende Weiler besteht aus den K. Hammerwerken, Beamtenwohnungen, Fabriken, Mühlwerken und Arbeiterwohnungen, welche sich theils mit unbedeutenden theils namhaften Unterbrechungen gruppenweise zerstreut, in einer Länge von etwa 1/2 Stunde an dem | geschäftigen Forbache lagern. Wir beginnen die Aufzählung mit der Häusergruppe bei dem an der ehemaligen Kniebisstraße gelegenen Wirthschaftsgebäude, das Thalwirthshaus genannt, welches an Georgi 1676 von der Herrschaft an Georg Springer um 700 fl. verkauft wurde; bald darauf, am Charfreitag, brannte das Haus ab und das gegenwärtige wurde an dessen Stelle erbaut. Hochzeiten, Taufen und Jahrstäge mußten bis zum Jahr 1806 von den Laboranten in dieser Herberge gehalten werden, wobei ganz genaue Vorschriften sowohl für den Wirth, als die Laboranten gegeben waren, wie es bei diesen Veranlassungen, besonders auch bei dem Jahrstage gehalten werden solle. Unterhalb des Wirthschaftsgebäudes stehen 2 Sägemühlen und die vordere Mühle mit 3 Mahlgängen und einem Gerbgang und oberhalb desselben die mittlere Mühle mit drei Mahlgängen und einem Gerbgang, wie auch eine Sägmühle. Weiter thalaufwärts im Forbachthale steht die hintere Mühle mit 3 Mahlgängen und einem Gerbgang, ihr folgen 2 Sägmühlen und endlich die Schnacken-Mühle mit 3 Mahlgängen und einem Gerbgang, oberhalb der letzteren noch eine Sägmühle.

Die zweite Gruppe bilden mit dem Forstamtsgebäude, die um dasselbe gelegenen Wohnungen und Fabriken; ersteres, bis zum Jahr 1835 von dem K. Hüttenverwalter bewohnt, ist ein ansehnliches, wohl erhaltenes Gebäude, über dessen im Rococcogeschmack gehaltenen Eingang der heil. Christophorus und die Jahreszahl 1758 in Stein gehauen angebracht sind, vor demselben liegt, mit einer schönwüchsigen Linde geziert, ein freier Platz, an den sich der Amtsgarten anschließt. Oberhalb des Forstamtsgebäudes befindet sich die mechanische Woll- und Flachsspinnerei von Kaufmann Münster und unterhalb desselben eine Sägmühle, an die eine Schleifmühle angebaut ist. Weiter thalabwärts folgt die Schwerspath-Mühle von Wagner, mit einer an sie angebauten Sägmühle, die übrigens im Besitz eines Andern sich befindet; die Brudermühle mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang und eine Tuchwalke. Die dritte Gruppe bilden der zum K. Eisenwerk gehörige Pfannenhammer, die nahe Wohnung des Platzmeisters und ein ansehnliches Laborantenhaus; beide Gebäude wurden im Jahr 1838 neu erbaut. Etwas weiter unten liegt der 1825 erbaute Wilhelmshammer mit Walzwerk. Bei sämmtlichen Gruppen befinden sich noch mehr oder weniger Ökonomiegebäude, wie auch einzelne Wohnungen von Laboranten und Arbeitern.

Unfern der zur zweiten Gruppe zählenden Bruder-Mühle steht malerisch am Abhange des Finkenbergs der Hof, früher Stein’sches Freigut genannt, ein alterthümliches, massives Gebäude mit Staffelgiebeln, | welches ursprünglich ein von Herzog Christoph erbautes Jagdschloß (das Bärenschloß genannt) gewesen seyn soll. Vor Zeiten befand sich hier ein Asyl (Freistätte), in welchem Verbrecher und Bedrängte 48 Stunden Sicherheit fanden. Der Hof, dessen Güter größtentheils mit einer Mauer umfriedigt waren, besaß mehrere Rechte und Gerechtigkeiten; so durften z. B. die Besitzer bis zum Jahr 1808 nur 2 fl. Steuern und 45 kr. sog. Urbar-, Leih- und Losungszins in die Kellerei Freudenstadt bezahlen; dagegen hatten sie die Verbindlichkeit, fortwährend 2–3 Pferde zu halten und dieselben von dem Bergwerk zum Beistand und wozu man sonst ihrer vonnöthen haben wird, um billigen Lohn gebrauchen zu lassen. Im Jahr 1678 ist dieses Gut um 2200 fl. an Adam Ehmann verkauft worden.

Außer den Beamten und Mühlebesitzern sind die Bewohner meist Laboranten und Arbeiter, welche sich ihr Auskommen durch Lohnarbeiten sichern; zu Unterstützung der Wittwen und Waisen besteht eine Hilfskasse, welche gegenwärtig einen Fonds von etwa 12.000 fl. hat. Die schulpflichtigen Kinder von Christophsthal besuchen die Schule in Freudenstadt.

Die Christophs-Thal früher eingeräumten Rechte und Privilegien wurden im Jahr 1609 auf die Stadt übertragen, und derselben unter andern auch die Verbindlichkeit auferlegt, jedem Bergknappen und Laboranten aus dem Thale das Bürgerrecht um einen Dukaten zu ertheilen. Wie denn auch in neuerer Zeit, als den Laboranten in Christophs- und Friedrichsthal (s. Baiersbronn) zur Pflicht gemacht wurde, sich ein Bürgerrecht zu erwerben, nach einem zwischen den Vorstehern der beiden Werke und dem Gemeinderath zu Freudenstadt unterm 9. Nov. 1826 abgeschlossenen Vertrag die Laboranten nebst ihren Angehörigen um jenen Preis das Bürgerrecht hier erhalten haben.

In alter Zeit führte das Thal den allgemeinen Namen: „Vorbach im großen Schwarzwald bei Dornstetten“ (wohin es ursprünglich eingepfarrt war). Der Name St. Christophsthal kam unter Herzog Christoph auf, als dieser Herzog den Bau der Bergwerke belebte.

Die Geschichte der ersten Ansiedlungen in dem Christophsthale (Forbach-Thale) liegt im Dunkeln der Vorzeit; übrigens muß diese Gegend schon sehr frühe bewohnt gewesen seyn, indem man sowohl in dem Christophsthale als auch in dem Friedrichsthale (s. unten) auf Grundmauern von Gebäuden und Glashütten stößt, deren Gründung über die Zeit hinauf geht, von der noch Urkunden vorhanden sind. Im Jahr 1267 wird zuerst der Bergwerke in Vorbach urkundlich gedacht (s. hier den allgemeinen Theil über die Geschichte des Bergbaus im Oberamtsbezirk). Herzog Friedrich I. gab dem | Christophs-Thale Marktrecht und 1599 eine Bergordnung; auch ließ er hier ein Münz- und Streckwerk anlegen, von welchem die das Bild des heil. Christoph führenden älteren Thaler theilweise ausgegangen sind (s. o.). Im J. 1608 wurde ein Messingwerk angelegt. Schon im J. 1614 bestand eine Hammerschmiede, die gute Waldsägen, das Stück zu 7 fl. 44 kr., lieferte; auch wurden zu jener Zeit im Christophs-Thale eiserne Öfen gegossen, und der Centner Eisen kostete 4 fl. Im Jahr 1630 lieferte Christophsthal 300 Centner Münzblech, Glufendraht und Grünspanböden nach Schaffhausen. Im Jahr 1630 war der Eisendrahtzug das unterste Werk im Thale; es hatte 5000 fl. gekostet, jedoch schon in zwei Jahren sich bezahlt gemacht und noch 14.000 fl. Überschuß abgeworfen. In demselben Jahr, den 27. März, machten die Laboranten einen Aufstand gegen den Inspektor Stein und wollten nicht mehr arbeiten. Unter der Regierung Herzogs Johann Friedrich wurden die Gewerke in dem Christophs-Thale fortgesetzt und erweitert, so daß sie im Jahr 1624 aus folgenden Gebäuden und Werken bestunden: ein Faktoreihaus, nebst den Wohnungen des Bergmeisters, der Geschworenen und der Laboranten, 1 Kupferhammer, 2 Messinghämmer, 1 Messingbrennhütte, 1 Drahtzug, 1 Pfannenschmiede, 1 Feilenschmiede, 1 Gallmeymühle mit 2 Leyren darauf, 1 Münz- und Streckwerk, 1 Schmelzhütte, 1 Probierhäuschen, 1 Kohl- und Rösthütte. Zu dieser Zeit standen auch längst schon am Forbach eine Mühle mit 4 Gängen und 2 Sägmühlen welche sämmtlich landesherrliche Pachtungen waren (Landbuch vom Jahr 1624). In dem 30jährigen Kriege scheinen die Werke bedeutend gelitten zu haben, dessen ungeachtet war im Jahr 1643 das Messingwerk wieder so gut im Gange, daß den 29. Juni d. J. die Saline in Sulz Befehl bekam, ihren Bedarf an Kupfer und Blech nirgendwo anders als von dem Christophs-Thal zu beziehen. Im Jahr 1632, den 30. April, brannte der obere Drahtzug mit allem Räderwerk und gegen 16 Centner Messingwaaren zusammen. Nach dem 30jährigen Kriege kamen die Eisenwerke wieder auf und verdrängten allmälig die Messing- und Kupferwerke; im Jahr 1660 wurde der erste Eisenhammer zur Fabrikation des Stabeisens an der Stelle, wo seit 1825, der Wilhelmshammer steht, mit 2 Frischfeuern erbaut; übrigens hat die Stabeisenbereitung erst gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts eine größere Ausdehnung gewonnen. Einige Jahre später wurde der obere Großhammer mit 2 Frischfeuern und ein Kleinhammer erbaut; im Jahr 1666 eine Rohrschmiede, in welcher im Jahr 1668 404 Stück Dragonerrohre, 44 Stück Scheiben- und Bürschrohre und 4 Stück Carabinerrohre verfertigt wurden; übrigens kam diese Rohrschmiede | bald wieder in Abgang. Außer derselben bestand das Werk im Jahr 1670 aus 1 Kupferhammer, 1 Drahtmühle zu Messing- und Eisendraht, einer weiteren, die Leyer genannt, zum feinsten Gold-, Silber-, Messing- und Eisendraht, 1 Blechhammer, 1 Nagelschmiede, 1 Messing-Brennhütte, einigen Hütten zur Zugutmachung der Silber- und Kupfererze, 2 großen Pochwerken und den Wohnungen der Arbeiter.

Um diese Zeit wurde auch ein Hochofen zu Fluorn bei Oberndorf erbaut, in welchem die dort vorkommenden Grunderze zu Masseln für die Hammerwerke im Christophsthal verschmolzen wurden. Von 1684–1694 waren die Werke verpachtet. Im Jahr 1690 hörte die Fabrikation des Messings auf.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts ließ der Bergbau im Christophsthale immer mehr nach, bis er endlich 1770 ganz aufhörte; dagegen wurden die Werke zur Fabrikation des Eisens bedeutender.

Nach einem Bericht des Hofraths Stahl vom 8. Mai 1749 bestanden zu der Zeit 2 Großhämmer mit 2 Feuern, nämlich der ehemalige obere Hammer und der gegenwärtige Wilhelmshammer, ein Zainhammer, eine Kleinschmiede mit Drahtzug, ein Pfannenhammer, ein Kupferhammer, eine Silberschmelze, die Faktoriewohnung, eine Steigerhütte, Kohlenscheuern und Arbeiterwohnungen. Die Faktorie wurde 1759 abgebrochen und an deren Stelle das jetzt dem Forstamt eingeräumte Gebäude errichtet.

Im Jahr 1761 wurden weiter abwärts im Thale, auf Baiersbronner Markung, ein neues Werk, nun Friedrichsthal genannt, nämlich der jetzige Königshammer mit zwei Frischfeuern und zwei Jahre später ein Hochofen erbaut, für welchen Erze von Neuhausen ob Eck, Fluorn und Dornhan herbeigeschafft wurden.

Vom Jahr 1764–1797 waren die Werke zu Friedrichsthal an verschiedene Privaten verpachtet, und zwar anfänglich um 7000 fl., zuletzt um 8500 fl.; den Pächtern war der Bezug von 13.000 Klaftern Holz aus den herrschaftlichen Waldungen zugesichert. Im Jahr 1788 wurde denselben das Klafter im Nürnberger Maaß (6′ hoch, 6′ breit und 41/2′ lang) zu 45 kr. im Wald abgegeben; für das herbeigeflößte Holz zur großen Köhlerei bei der Au bezahlten sie 1 fl. 30 kr., so daß der Zuber Kohlen höchstens auf 30 kr. zu stehen kam.

Im Jahr 1796 raubten die über den Kniebis in das Land eindringenden Franzosen auch hier und verursachten an den Eisenwerken einen Schaden von 8335 fl.

Im Jahr 1797 nahm der Staat sämmtliche Werke wieder in Selbstadministration. – Von 1762–1803 bestand das Eisenwerk in 3 Großhämmern mit 6 Feuern, 3 Kleinhämmern, 2 Pfannenschmieden | nebst einem Hochofen, einem Fluß- und Schlackenhochwerke. Im Jahr 1799 wurde der untere Pfannenhammer mit einem Aufwand von 5684 fl. an der Stelle des abgebrochenen Hammergebäudes neu erbaut. Die Werke lieferten zu jener Zeit jährlich 8000 Centner rohes Eisen, allerlei Gußwaaren, 10.000 Centner geschmiedetes Eisen, 600 Centner Pfannen und Sturz. Die Stahlfabrikation wurde damals noch nicht betrieben, indem die Rasenerze von Fluorn nur zu Gußwaaren taugliches Eisen lieferten. Seit dem Jahr 1788 verwendete man den derben Brauneisenstein von Neuenbürg und theilweise aus der nächsten Umgegend, und verbesserte damit das Eisen, das nun auch zur Stahlfabrikation sich tauglich zeigte. Im Jahr 1801 wurden Versuche gemacht, nach englischer Methode Brennstahl zu bereiten und im folgenden Jahre eine Stahlbrennerei und Feilenhauerei erbaut, auch ein Fabrikant Wengenhof berufen und die Ausführung dem Oberst v. Cammerer übertragen. Es wurde aber das gewünschte Ergebniß nicht erzielt und deßhalb der Stahlbrenner im Jahr 1803 wieder entlassen. Erst im Jahr 1805 gelang es dem Platzmeister (nachherigen Hüttenverwalter) Pulvermüller, mit Beihilfe des Großhammermeisters Christian Weber, einen Schmelzstahl auf steyrische Weise zu erzeugen, welcher zu Sensen und Sicheln verarbeitet werden konnte. In den Jahren 1804–1805 wurde ein Stahl- und Sensenhammer und ein Gebäude von 144′ Länge und 44′ Breite errichtet, in welchem ein Rohstahlhammer, ein Raffinirhammer, 5 Sensenhämmer mit 8 Feueressen und künstlichem Gebläs sich befinden. Diese Anstalten erhielten den Namen „Friedrichshammer“. Im Jahr 1806 ist im Christophsthal ein Schlackenbad von einem Privatmann errichtet worden, das aber bald wieder abgieng.

Im Jahr 1808 wurden die auf der Markung Baiersbronn gelegenen Werke von den übrigen getrennt und einer eigenen Hüttenverwaltung unter dem Namen „Friedrichsthal“ übergeben, mit welcher im Jahr 1835 die inzwischen in der abgesonderten Verwaltung von Christophsthal fortbestandenen Werke auf Freudenstadter Markung in eine Gesammtverwaltung vereinigt wurden, die nun in Friedrichsthal ihren Sitz hat. (Vergl. die Ortsbeschreibung von Baiersbronn.)

Eine weitere Parcelle von Freudenstadt ist 2) der Ort Kniebis. Von diesem, in den obern und untern Kniebis sich theilenden, an der Landstraße von Stuttgart über Freudenstadt nach Straßburg, zwei Stunden westlich von der Oberamtsstadt gelegenen, beinahe 1/2 Stunde lang sich ausdehnenden Weiler, gehört der südlich der neuen Landstraße gelegene Theil des sog. unteren Kniebis zur Gemeinde | Freudenstadt, während der nördlich derselben liegende Theil der Gemeinde Baiersbronn (s. unten) zugetheilt ist; den oberen Kniebis aber, soweit er nach der ihn durchziehenden Landesgrenze nicht zu Baden gehört, scheidet die frühere Landstraße und theilt den südlich derselben gelegenen Theil der Gemeinde Freudenstadt, den nördlichen der Gemeinde Baiersbronn zu[12]. Der untere Kniebis besteht aus vereinzelt stehenden Gebäuden, die sich theils in der Ebene des hier beginnenden Forbach-Thales, theils an einem südlich gegen dasselbe leicht geneigten Abhange lagern. Diese einzeln stehenden, an den Außenseiten verschindelten, jedoch meist mit Ziegeln gedeckten Wohnungen haben ein freundliches Aussehen und machen, obgleich sie kahl, ohne Bäume in ihrer Nähe zu haben, mitten auf Ackerfeldern liegen, dennoch keinen üblen Eindruck. Um das ehemalige Kloster (s. unten), in der schmalen Thalebene des Forbachs gelegen, dringen sich einige Gebäude, darunter auch das Gasthaus zum Ochsen, und bilden wohl die freundlichste Gruppe des Orts; das nun in eine Bauernwohnung umgewandelte Klostergebäude verräth seine ursprüngliche Bestimmung durch seinen massiven Unterstock, zu dem an der Nordseite ein spitzbogiger Eingang führt. An die Rückseite des Gebäudes lehnen sich Überreste von alten Mauern, die einem Wohngebäude angehört zu haben scheinen. Nördlich des Klosters stand die Kirche, welche im Jahr 1799, den 2. bis 3. April, von den Franzosen ausgebrannt und zerstört wurde. Die noch vorhandenen Ruinen bestehen in dem unteren Theil der westlichen Giebelseite und unbedeutenden Resten der beiden Langseiten; die Giebelseite hat zwei gut erhaltene, mit germanischem Maßwerk gefüllte Spitzbogenfenster und an der südlichen, dem ehemaligen Kloster zugekehrten Langseite ist der schön construirte, spitzbogige Eingang noch sichtbar. Das Innere der Kirchenruine ist von dem Staat, als Eigenthümer, an den Besitzer des nahe gelegenen Gasthauses zum Ochsen verpachtet, der es zu einem freundlichen Blumengärtchen umgewandelt hat. Der Kirche | gegenüber (westlich) steht das gut erhaltene Schulhaus mit Thürmchen und einer Glocke, von Heinrich Kurtz in Stuttgart gegossen, mit der Umschrift: „Gestiftet von Ihrer Kais. Hoheit der Frau Kronprinzessin Olga für die Gemeinde Kniebis im Jahr 1850“. Dieses auf den Trümmern eines zum Kloster gehörigen Gebäudes stehende Schulhaus war früher die Wohnung des Grenzzollers, da vor Badens Anschluß an den Zollverein hier ein sehr bedeutendes Zollamt war, und wurde für die Schule eingerichtet, im Jahr 1853 von dem Staat der Gemeinde unentgeldlich überlassen. An der Schule unterrichtet ein Lehrer und in dem Schulzimmer hält alle vier Wochen der Geistliche von Baiersbronn, wohin der ganze Ort eingepfarrt ist, eine Predigt. Der Begräbnißplatz liegt östlich der ehemaligen Klosterkirche. Der ehemalige, mit einer Mauer umfriedigte Klosterraum hatte zwei Thore, durch welche die Landstraße führte, die jetzt aber nebst der Mauer beinahe spurlos verschwunden sind.

Bei dem Kloster befinden sich zwei laufende Brunnen, welche vortreffliches Trinkwasser in hinreichender Menge liefern; auch fließt durch den ehemaligen Klosterhof der nahe entspringende Forbach, welcher bei dem Schneeabgang wie bei anhaltendem Regenwetter öfters stark anlauft und im Jahr 1824 eine Brücke im Ort weggerissen hat. Unterhalb des Klosters treibt der Forbach eine Mühle mit einem Mahl- und einem Gerbgang, sowie zwei Sägmühlen.

Von dem Kloster zieht sich die Staige bergan bis zu dem obern Kniebis, einem schmalen Gebirgsrücken, der sich zwischen dem Quellengebiet der Murg und den Quellengebieten der Wolf (Kinzig), der Rench und der Acher bis zu seiner höchsten Erhebung auf der Hornisgrinde hinzieht, übrigens größerntheils zu dem Großherzogthum Baden gehört.

Nächst dem entgegengesetzten höchsten Punkte an der östlichen Grenze des Landes, der „Adelegg“ im O.A. Wangen, ist der obere Kniebis der höchst gelegene Wohnort des Königreichs, bei dem Gasthaus zum Lamm 3259 württ. Fuß über die Meeresfläche sich erhebend. In Folge dieser beträchtlichen Erhebung und freien Lage ist das Klima sehr rauh, die Luft zwar gesund, übrigens stets durch Winde bewegt, die hier nicht selten orkanartig auftreten. Den Winter über, welcher sehr bald eintritt und lange andauert, fallen sehr bedeutende Schneemassen, die sich öfters so sehr anhäufen, daß die Bewohner längere Zeit nach Hause gesprochen sind[13]. Auch die | Reise über diese Gegend ist dann nicht selten beschwerlich und gefährlich, was wohl zur Gründung des Klosters Anlaß gegeben haben mag, um hier den Reisenden eine Zuflucht und Herberge darzubieten. Auch in neuerer Zeit (1835) hat ein Bürger, Anton Beiser, von dem nahe gelegenen badischen Städtchen Oppenau, dessen Markung sich bis auf die Höhe des Kniebis erstreckt, eine kleine Wirthschaft unfern der Schwedenschanze erbaut, und ihr den Namen „Zuflucht“ beigelegt. Er durchstreifte in den Winterabenden die Gegend und hat 1837 vier Menschenleben gerettet, wofür ihm von Seiten der beiden Landesherrschaften Württemberg und Baden huldvolle Belohnungen zu Theil wurden.

Der über den Kniebis seit alten Zeiten führende Paß (s. hierüber den Abschnitt röm. Alterthümer) wurde neuerdings sehr verbessert, namentlich in den Jahren 1833–35 eine neue Kunststraße von Freudenstadt auf den Kniebis bis in die Nähe der Roßbühlschanze (Schwabenschanze, Röschenschanze) angelegt, der Baden durch einen Neubau von Oppenau aus entgegen kam, so daß jetzt eine bequeme Verbindung der Gegenden diesseits und jenseits des Schwarzwaldes hergestellt ist. Von der Hauptstraße gehen auf der Höhe des Kniebis mehrere Straßen ab, und zwar 1) an dem Gasthaus zum Lamm die Straße nach Rippoldsau und Schappach etc.; 2) bei der Alexandersschanze eine Straße nach Griesbach, Petersthal etc. und 3) zwischen der Alexandersschanze und der Roßbühlschanze eine Vicinalstraße in das Baiersbronner Mittelthal.

Die Gegend auf dem Rücken des Kniebis ist kahl, öde und macht auf den Wanderer, der aus der fruchtbaren, malerischen Rheinebene, oder aus den üppigen Waldungen der Ostseite des Schwarzwaldes dieselbe betritt, einen seltsamen Eindruck. Eine dichte Moosdecke, aus der viele regellos herumliegende, zum Theil sehr große Sandsteinfelsen hervorragen, überzieht den moorgründigen, stets nassen Waldboden, der hier nur noch geringwüchsige Holzarten (vorherrschend Fichten) und häufig die Legforche (Pinus montana) nährt, welche vielfältig gekrümmt, mit den Stämmen auf dem Boden liegend, ihre mit dunklen, buschigen Nadeln besetzten Zweige in die Höhe richtet. In Folge der hier auftretenden Sümpfe und Moorgründe, fehlt es auf dem obern Kniebis an gutem Trinkwasser; das | nur aus Schöpfbrunnen gewonnene Wasser hat neben einem widerlichen Geschmack auch eine braune Farbe.

Die Bewohner des Kniebis sind im Allgemeinen gesunde, einfache, wenig bemittelte Leute, die ihr Auskommen meist durch Holzmachen und Arbeiten in den nahe gelegenen Waldungen sichern; der Feldbau spielt hier eine ganz untergeordnete Rolle, da er nicht ausgedehnt ist, und überdieß wegen des rauhen Klima’s und des unfruchtbaren Bodens (Moorgrund und magerer Sandboden) nur wenig Ertrag liefert. Ohne Flurzwang baut man hauptsächlich Kartoffeln und Hafer, wenig Gerste und Roggen, welch letzterer jedoch seltener gedeiht. In ganz günstigen Jahrgängen erträgt ein Morgen an Hafer 4 Scheffel, an Roggen 4–41/2 Scheffel und an Gerste 4–5 Scheffel; übrigens tritt auch der Fall ein, daß man kaum die Aussaat wieder erntet. Auch die Wiesen, welche durchgängig in der Thalebene des Forbachs liegen, sind von geringer Beschaffenheit und liefern per Morgen 30–40 Centner meist saures Futter. Der Rindviehstand ist verhältnißmäßig nicht unbedeutend und bildet eine besondere Erwerbsquelle der Einwohner. Das Vieh wird noch in die Waldungen getrieben.

Die Höhen des Kniebis waren schon in früheren Perioden verschanzt; aus späteren Zeiten sind noch drei Schanzen vorhanden: 1) die 1/4 Stunde von den letzten Häusern des Kniebis gelegene Alexandersschanze, welche der Herzog Karl Alexander im Jahr 1734 aufwerfen ließ; sie bestand aus drei mit einander verbundenen Redouten, die zu beiden Seiten der Straße zur Vertheidigung des Passes angelegt waren, und bildeten ein Glied der großen Fortificationslinie, welche der Herzog in den Jahren 1734–35 von Neuenbürg bis nach Hornberg den Höhen des Schwarzwaldes entlang anlegen ließ; 2) die Roßbühlschanze, auch Schwaben- oder Röschenschanze genannt, letztere Benennung erhielt sie von ihrem Erbauer, dem württemb. Major Rösch, welcher im Jahr 1796 die Anlage der Schanze leitete; sie liegt eine Stunde nordwestlich von dem Orte Kniebis, am Anfang der Oppenauer Steige und bildet eine ziemlich ausgedehnte, regelmäßige Sternschanze, die mit einem Wassergraben umgeben ist und deren Wälle noch eine Höhe von 15 Fuß haben; 3) die Schwedenschanze liegt nur einige 100 Schritte von letzterer entfernt auf der andern Seite der Landstraße, übrigens schon im badischen Gebiet, und soll nach der Sage von den Schweden im 30jährigen Kriege aufgeworfen worden seyn. Aus den erhaltenen Überresten ist noch ihre ganze Anlage zu erkennen, welche aus einem | Viereck mit Bollwerken bestand und für ungefähr 4–500 Mann Raum hatte.

Die Aussicht von dem Kniebis ist schon im Ort, namentlich vom Gasthaus zum Lamm aus, eine sehr ausgebreitete und anziehende, wird aber von der auf der Roßbühlschanze noch übertroffen; dem Auge erschließt sich hier ein Panorama, das über den ausgedehnten Schwarzwald hinweg nicht nur in das Rheinthal und an die dasselbe jenseits begrenzenden Vogesen, sondern auch bis zu den fernen Hochalpen der Schweiz, wie an den Steilabfall der schwäbischen Alp reicht (s. hierüber den Abschnitt Naturschönheiten).

Über das schon erwähnte ehemalige Kloster Kniebis ist Folgendes zu melden:

Im 13. Jahrhundert wurde auf dem Kniebisgebirge[14] eine der Jungfrau Maria geweihte Kapelle gebaut, hauptsächlich für das Bedürfniß der Reisenden, damit diese in der sonst öden Gegend ihre Andacht verrichten könnten. Ihre Mutterkirche war die Kirche zu Dornstetten und Graf Heinrich von Fürstenberg als Patron dieser Kirche gerieth mit dem Kloster Herrenalb in Streit wegen dieser Kapelle, auf welche das Kloster Anspruch machte, weil einer seiner Mönche sie eine Zeit lang versehen und bedeutende Güter dazu gekauft hatte. Die Sache kam endlich vor ein Schiedsgericht, und da dieses aussprach, das Kloster habe kein Recht auf die Kapelle und deren Verwaltung, so entsagten den 28. April 1267 Abt und Convent zu Herrenalb gegen 10 Mark Silbers allen ihren Ansprüchen darauf (A.U.). Gleich nachher beschloß der Graf die Kapelle von ihrer Mutterkirche zu trennen, weil sie von dieser zu weit entfernt liege und es ihren Geistlichen wie den Umwohnenden sehr schwer falle, im Winter sogar unmöglich werde, die Kirche in Dornstetten zu besuchen. Er wandte sich deßwegen an den Bischof von Constanz und dieser befahl dem Prior in Reichenbach und dem Constanzer Kanonikus, Eberhard von Horb, die Trennung vorzunehmen, was diese den 12. Nov. 1267 kund thun (A.U.). Der Priester in Kniebis sollte vom Grafen präsentirt werden und mit den nöthigen Helfern hier residiren. Die Grenzen der neuen Parochialkirche wurden | festgesetzt und ihr der Zehnten innerhalb derselben zugetheilt, nur den Zehnten von Metallen sollte die Kirche in Dornstetten hälftig erhalten. Graf Heinrich bestätigte diese Trennung noch in einer eigenen Urkunde den 23. Okt. 1270 (A.U.). – Im Jahr 1271 beschloßen der Priester Burkard (provisor et rector ecclesiae Stae Mariae in Kn.) und die übrigen hier befindlichen Geistlichen ein regulirtes Chorherrenstift zu gründen, wozu der Bischof von Constanz den 7. Jul. 1271 seine Einwilligung gab und Allen, welche hiezu hilfreiche Hand leisten würden, Ablaß ertheilte (A.U.). Im Jahr 1277 kamen auch Franziskaner der dritten Regel nach Kniebis, gegen welche sich Eberwein, Schultheiß in Dornstetten, besonders freigebig erwies und denen Graf Heinrich die Kirche auf dem Berg Kniebis sammt Zugehör schenkte, „zur ewigen Unterstützung für die Brüder selbst und für arme Vorbeireisende.“

1

Der Bischof von Bamberg, von dem der Graf die Kirche zu Lehen trug, bestätigte letztere Vergabung und eignete den Mönchen die Kirche; doch sollten sie dafür jährlich 1 Pfund Wachs nach Bamberg entrichten (den 2. Dez. 1278, A.U.); auch Graf Friedrich von Fürstenberg, Heinrichs Sohn, erneute und bestätigte die Schenkung seines Vaters den 2. Februar 1291 (A.U.). Der Bau ihres Klosters wurde 1287 vollendet und nun der Kirche mit drei Altären und dem Kirchhof die bischöfliche Weihe ertheilt, wobei Allen, welche dazu hilfreiche Hand leisteten oder die Kirche am Kirchweihtage und an den Tagen ihrer Schutzpatronen besuchten, Ablaß verliehen wurde. (A.U.) Das Kloster wird 1334 Kloster zum Bruder Ulrich genannt und scheint dem Propste des Stifts untergeordnet gewesen zu seyn. Am 4. August 1294 bestätigte Bischof Heinrich von Constanz dem Propst und dem Convent in Kniebis alle ihm früher von Päbsten und Bischöfen ertheilten Indulgenzen und fügte neue hinzu für Solche, welche hier den Gottesdienst besuchten, und der Erzbischof Gerhard von Mainz that den 23. Sept. 1299 dasselbe (A.U.). Stift und Kloster wurden reichlich beschenkt, besonders wegen ihrer Hospitalität gegen die Reisenden über den Kniebis. Am 7. Sept. 1341 aber traten Propst und Convent einmüthig und aus freiem Antrieb in den Benediktiner-Orden und unterwarfen sich dem Kloster Alpirsbach (Gerbert, Hist. nigr. silv. 3, 275). Ein Prior, der alle Rechte eines Konventualen zu Alpirsbach genoß, sollte künftig Vorsteher in Kniebis und neben ihm hier noch 7 Priester zu Versehung des Gottesdienstes seyn. Den Prior durfte der Konvent ein- und absetzen, doch unter dem Vorsitz des Abts von Alpirsbach, welcher denselben zu bestätigen hatte; der Prior erhielt freie Administration, | sollte jedoch, wenn die Güter des Klosters einen ansehnlichen Zuwachs erhielten, den Abt über die schicklichste Verwendung der neuen Einkünfte zu Rathe ziehen. Urkunden, welche das Kloster betreffen, mußten, ob sie nun vom Abt oder vom Konvent ausgestellt waren, von beiden besiegelt seyn. Damals, oder vielleicht schon einige Zeit vorher, scheinen sich die Chorherrn und Franziskaner vereinigt zu haben und es bestand fortan zu Kniebis nur ein Kloster Benediktiner Ordens unter einem Prior, welches jedoch das Eigenthümliche hatte, daß der Gütergenuß nicht gemeinschaftlich war, sondern jeder Konventuale seine eigene Pfründe besaß. Diese Einrichtung erwies sich aber gar nicht vortheilhaft, da Einzelne ihre Höfe auf Lebenszeit verliehen, unter sich und mit dem Konvent um ihre Güter handelten und bedeutende Vermächtnisse an ihre Verwandten machten. Als im Jahr 1374 Wolf von Eberstein und seine Genossen den Grafen Eberhard von Württemberg befehdeten, versprachen sie dem Kloster, es nicht zu beschädigen (Steinh. 2, 377). Der Schirm des Klosters kam also ohne Zweifel mit Dornstetten an Württemberg. Im Jahr 1463 brannte das Kloster ab, und Graf Eberhard im Bart ertheilte ihm einen Sammelbrief für seine Lande. Ein noch schwereres Brandunglück traf das Kloster am 3. April 1513, wo es mit allen dazu gehörigen Gebäuden, ein kleines Haus ausgenommen, vom Feuer verzehrt wurde. Als 1534 Herzog Ulrich in sein Land zurückkehrte, bat ihn der Prior Beatus Bleyß, sein Kloster bei allen guten Gebräuchen, Freiheiten und Herkommen zu schützen, weil dasselbe unlängst durch eine Feuersbrunst viel gelitten habe und nicht nur von unzähligen Reisenden zu Roß und zu Fuß, sonderlich von armen, das ganze Jahr hindurch um Futter, Mehl und andere Handreichung angesprochen werde, wovon es bisher nach Vermögen mitgetheilt habe und ferner mittheilen wolle, sondern auch weil seine Vorgänger und er schon lange Jahre her sich gegen den Herzog und dessen Voreltern als arme, demüthige Kaplane erwiesen hätten und dieß auch noch ferner thun wollten (Sattler, Herzoge 3, 20). Die Reformation wurde aber dennoch eingeführt und das Kloster ging ein.

Zu den Besitzungen des Klosters hatten gehört die Kapelle und ein Hof in Bildechingen (seit 1287. Schmid, Pfalzgr. von Tüb. Urk. 53), der Kirchensatz in Dornstetten (seit 1330), ferner Güter in Ober-Jettingen, Öschelbronn, Eutingen, Haiterbach, Rohrdorf, Rothfelden, Schwandorf und an mehreren andern Orten, auf der Westseite des Schwarzwaldes namentlich zu Appenweier und Offenburg.

Endlich sind als Zugehörungen der Gemeinde Freudenstadt noch zu erwähnen:

| 3) Langenhardt, ein 11/2 Stunden westlich von der Stadt an einem südlichen Abhange des Forbach-Thales, unfern der Landstraße gelegener Hof, gegenwärtig von 2 Familien bewohnt, deren Kinder die Schule des nur 1/4 Stunde entfernt gelegenen Kniebis besuchen. Die natürlichen und landwirthschaftlichen Verhältnisse sind denen des untern Kniebis ganz ähnlich, und

4) die auf der Markung in entgegengesetzter Richtung gelegene Ziegelhütte, als besonderer Wohnsitz von 12 Einwohnern.


  1. Literatur: G. Heid, Freudenstadt und Umgebung. Freudenstadt im Selbstverlage des Verfassers. O. J. (Vorrede von 1852). 8.
  2. Die natürliche Grenze des eigentlichen Schwarzwaldes bildet gegen Osten die Formationsgrenze zwischen dem bunten Sandstein und dem Muschelkalk, da letzterer aber den bunten Sandstein bis in die Nähe von Freudenstadt (Ziegelhütte) stellenweise überlagert, so dürfen wir die östlich der Stadt gelegene Gegend nicht zu dem eigentlichen Schwarzwalde, sondern nur zu dem allmähligen Übergang in denselben, welche das Volk mit dem Namen „Heckengäu“ bezeichnet, rechnen.
  3. Anmerk. Wann Freudenstadt der Sitz eines Forstamtes wurde, ist ungewiß; schon im Jahr 1624 hatte es einen Forstmeister, der aber, wie sein Nachfolger auf der Burg Neuneck wohnte. In der Zeit 1643 bis 1655 war diese Stelle mit der des Untervogts vereinigt, und 1655–1674 dem Untervogt in Dornstetten übertragen. Um das Jahr 1722 wurde der frühere Hornberger Forst mit dem von Freudenstadt vereinigt und der Forstmeister, welcher seinen Sitz auf der Burg Landehr bei Schiltach hatte, von da nach Freudenstadt versetzt.
  4. Herzog Friedrich legte im Jahr 1601 den 2. Mai mit allen Feierlichkeiten den Grundstein zu dem Kirchenbau in der Ecke bei dem unteren Thurm. Die Kanzel wurde erst unter seinem Nachfolger Herzog Johann Friedrich den 29. Januar 1614 mit einer Predigt durch Joh. Hippolyt Brenz, Dekan in Herrenberg, eingeweiht; sie ist gedruckt unter dem Titel: Predigt-Stul, als … in … Frewdenstatt … die Canzel eröffnet worden. Tübingen, bei Werlin 1614. 4.
  5. Im unteren Stockwerke des obern Thurms befindet sich die Sacristei; als man an dieser Stelle im Jahr 1599 eine große Tanne fällte und den Wurzelstock derselben ausgrub, sprudelte eine frische Quelle hervor.
  6. Die frühere, mit vielen Figuren und Schnitzereien verzierte Orgel war ein Kunstwerk des berühmten, blinden Orgelmachers Conrad Schott, dessen Bruder den Orgelkasten kunstreich schnitzte. Derselbe hat sich insbesondere durch das Mittelbild, die Heilung des Blinden durch Christus darstellend, den Namen eines ausgezeichneten Bildschnitzers gesichert. An dem Gehäus war das trefflich gemalte Brustbild des Orgelmachers Schott mit folgender Inschrift angebracht: || Häc ego Conradus Schottus feci organa cäcus, || His mentemque sonis offero cuncta Deo. || Dieß Orgelwerkh macht Conrad Schott, || Die Gnad hat er allain von Gott, || Wer (der) sein Lehrmaister ward allain, || Denn sonst hatt er auff Erden kain, || Niemand hat ihm solch’s demonstrieret, || Weil ihm schon ward sein Gesicht verfüret, || Im siebenden Jahr seines Alters g’schwind, || Durch großes Haubtweh ward er blind, || Nu hatt Gott ihm die Gnad auch geben, || Discibel hatt er gelehrt darneben, || Da ward sein Aug, sein Kunst, sein Lehr, || Alles in Allem Gott sein Herr, || Dem sei allain Lob, Preiß und Ehr. || Ano Domini 1604. || Dazumahl seines Alters 43 Jahr. Die alte Orgel erhielt der Verfertiger der neuen (Weigle) um einen billigen Anschlag; derselbe gab ihr eine neue geschmackvolle Fassung und verkaufte sie an die Gemeinde Hohenacker, Oberamts Ludwigsburg. Das Bildniß des etc. Schott aber blieb in Besitz Weigle’s.
  7. In das Kirchenbuch zu Freudenstadt ist nachstehender, auf den Taufstein sich beziehender Reim eingetragen: Gleichwie der Hirsch die Schlang’ verschlingt || Und drauf zum frischen Wasser springt || Und von dem Gift wird wieder rein: || So steht’s auch mit dem Menschen fein, || Dann er von Sünden wird purgirt, || Wann er in Tauff gewaschen wird. || Dann weicht alsbald das Schlangengift, || Das sie uns beigebracht mit List.
  8. Im Jahr 1726 wurde die Kirche gründlich reparirt, den 18. Juli 1767 schlug der Blitz in den unteren Thurm und den 23. Mai 1783 in den oberen. Diese Ereignisse gaben Veranlassung, die beiden Thürme im Jahr 1785 mit Blitzableitern zu versehen, dessen ungeachtet traf den untern Thurm im Jahr 1842 den 10. März abermals ein Blitzstrahl, der jedoch keine namhafte Beschädigung anrichtete.
  9. Leban war später Pfarrer in Fluorn, wo er im Jahr 1634 von den Soldaten eines Streifcorps, welche das Dorf plünderten und anzündeten, auf eine grausame Weise ermordet wurde.
  10. Von ihm ist gedruckt: Ein christliche Predig, von der newerbawten Kirchen zur Frewden-Statt, welche an stat einer LetzinPredig gehalten worden, anno 1608 den Ersten May. (zum andern mal auffgelegt). Stuttgart, bey Grieb 1609. 4. Auszug daraus unter dem Titel: Historische Beschreibung und Vorbildung der neuerbauten Kirche zu Freudenstadt. Nagold 1836. 8.)
  11. So nennt sie z. B. Herzog Friedrich selbst in einem Schreiben vom 25. Mai 1604 an die Stadt Eßlingen. Auch heißt sie so bereits in dem 1603 zu Tübingen gedruckten „Württembergischen New Jahr“ von Cellius. Als weitere Benennung kommt ursprgl. auch vor: Friedrichs Freudenstadt.
  12. In den Jahren 1604–1664 war der Kniebis nicht mehr Grenzort Württembergs, weil die Städte und Ämter Oberkirch und Oppenau innerhalb dieses Zeitraums als Pfandschaft eine Besitzung Württembergs waren. – Der Kniebis wird auch in den eigentlichen Kniebis im engeren Sinne und in den Kniebis im weiteren Sinne eingetheilt; zu dem erstern gehört der ehemalige Klosterbezirk Kniebis, mit Einschluß des gewesenen Zollhauses, des Gasthauses und seiner Markung, des sog. Jägerhäusles und eines 1/4 Stunde entlegenen Bäckerhauses (s. J. E. Müller, Statistisches Handbuch der evangel. Kirche in Württemberg, S. 172).
  13. Im Jahr 1614 fiel auf dem Kniebis ein so tiefer Schnee, daß man ihn mit keinem Spieß ergründen konnte und die Straße für Wagen und Wanderer über des Zollers Haus weggieng (s. das älteste Kirchenregister der Pfarrei Neuneck).
  14. In montanis seu silvis, quae Kniebuz vulgariter appellantur. Urk. vom 12. Nov. 1267. Die alte Form des Namens ist Kniebuoz (1267, Apr. 28), Kniebvos (1267, Sept. 16.), Knieboss (1410); die wahrscheinliche Ableitung dieses auch anderwärts vorkommenden Namens steiler Anhöhen ist von Knie und boßen (= anstoßen). Vergl. Schmeller, Bayer. Wörterbuch 2, 367.
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