Beschreibung des Oberamts Freudenstadt/Kapitel B 24

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Loßburg,
Gemeinde III. Kl. mit 986 Einw., wor. 3 Kath. a. Loßburg, Dorf mit Marktrecht, 916 Einw., Pfarrfilial von Lombach. b. Büchenberg, Weiler, 34 Einw. c. Ödenwald, Weiler, 36 Einw. – Beide Weiler sind Filialien von Schömberg; die Kath. sind nach Heiligenbronn, O.A. Horb, eingepfarrt.


Auf der Hochfläche zwischen dem Kinzig- und dem Glatt-Thale liegt an der Freudenstadt-Alpirsbacher Landstraße der ansehnliche, ziemlich nahe zusammengebaute Ort, dessen Gebäude, mit Ausnahme von einzelnen sehr ansehnlichen Bauernwohnungen, größtentheils klein, übrigens gut erhalten sind und meist ein freundliches Ansehen haben. Im Jahr 1590 den 31. August hatte ein durch Blitz verursachter Brand 30 Gebäude verzehrt. Die Ortsstraßen, wie auch mehrere im Dorf befindlichen freien Plätze sind reinlich und gut gehalten.

Die im östlichen Theile des Dorfs gelegene Kirche wurde im Jahr 1833 an der Stelle der früheren, in einem einfachen Style neu erbaut. Der massive, viereckige, mit einem Satteldach versehene Thurm, welcher aus 3 Stockwerken besteht, ist von der früheren Kirche noch übrig geblieben; sein unteres Stockwerk enthält ein Kreuzgewölbe und die auf ihm hängenden 2 Glocken tragen folgende Umschriften und zwar die größere: Maister Hans Jacob Maller zu Strasburg gos mich anno 1592; die kleinere ist von Gottlieb Jacob Rechlen in Stuttgart im Jahr 1746 gegossen worden. Das schmucklose, weiß getünchte Innere der Kirche ist hell, geräumig und hat außer einem alten Crucifix nichts Bemerkenswerthes. Die Unterhaltung steht der Stiftungspflege zu.

Der früher um die Kirche gelegene Begräbnißplatz wurde bei | dem Neubau derselben aufgegeben und außerhalb des Orts (nördlich) verlegt; auf demselben werden auch die Verstorbenen von Rodt beerdigt.

Von der früheren Kirche sind 2 Schlußsteine (vermuthlich vom Chorgewölbe), die Mutter Gottes und den heiligen Jacob, dem die Kirche geweiht war, vorstellend, in ein nahe stehendes Haus eingemauert; die Kirche enthielt überdieß ein gut construirtes Tabernakel mit der Jahrszahl 1499.

Das ansehnliche Schulhaus wurde im Jahr 1838 neu erbaut; es enthält außer den Schulgelassen noch die Wohnungen der beiden Lehrer (Schulmeister und Unterlehrer) und die Gemeinderathssstube. Außer der Industrieschule besteht eine in neuester Zeit errichtete Strohflechterei, in welcher unbemittelte Kinder Beschäftigung finden.

Ein massives Gemeindeback- und Waschhaus wurde im Jahr 1843 erbaut.

Der Ort hat 2 laufende, 1/2 Stunde weit hergeleitete Brunnen, welche auch in trockenen Jahrgängen hinlänglich Wasser liefern. Auf der Markung entspringt etwa 1/4 Stunde westlich vom Ort die große Kinzig; von ihr wird ein Arm, der sogen. Mühlbach abgeleitet und mitten durch das Dorf geführt, um ihn später mit dem der Glatt zufließenden Fischbach zu vereinigen. Hiedurch wird nicht nur die Wasserscheide zwischen der Kinzig und der Glatt oder im weiteren Sinn zwischen dem Rhein und dem Neckar auf eine künstliche Weise gestört, sondern auch die seltsame Erscheinung hervorgerufen, daß man hier in einem, auf der Wasserscheide hoch gelegenen Ort Mühlwerke trifft, und zwar im Dorf selbst 2 Mühlen mit je 2 Mahlgängen und einem Gerbgang und außerhalb desselben eine Loh- und Ölmühle mit Hanfreibe. Zunächst (westlich) am Ort bestanden früher 2 Weiher, die längst in üppigen Wiesengrund umgewandelt sind. Nach dem Landbuch von 1624 gehörte einer derselben, welcher gegen 3 Morgen im Maß hielt, dem Kloster Alpirsbach. Unten an dem Weiher bestand früher eine Badstube, welche Erblehen des Klosters Alpirsbach war, dem sie auf Lichtmeß 1 fl. zinste. Im Wiesenthal kommen mehrere sogen. Seltenbrunnen, welche nur bei sehr nasser Witterung fließen, vor.

Die im Allgemeinen körperlich kräftigen und fleißigen Einwohner sind mit Ausnahme Einzelner in nicht günstigen Vermögensumständen; ihre Hauptnahrungsquellen bestehen in Feldbau, Viehzucht und Waldarbeiten. Gelegenheit zu Verdienst geben auch die südlich vom Ort im obern bunten Sandstein angelegten Steinbrüche, aus denen die weithin bekannten und gesuchten Loßburger Platten | gewonnen werden; dieselben benützt man zum Bedecken der Dächer und Kirchhofmauern, zum Belegen von Fußböden, zu Schweinställen etc. Der größte Güterbesitz beträgt 160 Morgen Felder und etwa eben so viel Waldungen (Ochsenwirths Kübler Wittwe), der mittlere 20 Morgen; Viele haben nur 1–2 Morgen. Außer den schon angeführten Gewerben sind noch 3 Schildwirthschaften, ein Kaufmann und eine Ziegelhütte vorhanden.

Die ausgedehnte, ziemlich unebene Markung, von der übrigens ein großer Theil mit Waldungen bestockt ist, hat im Allgemeinen einen mittelfruchtbaren, theils aus rothem Sand, theils aus Thon bestehenden Boden; letzterer ist ergiebiger und kommt mehr im östlichen und südöstlichen Theil der Markung vor. Bei der hohen, freien Lage ist das Klima zwar gesund, aber etwas rauh, dagegen genießt man eine ausgebreitete Aussicht an die Alp und über einen Theil des Schwarzwaldes; am ausgedehntesten ist die Aussicht auf einer südlich vom Ort gelegenen Anhöhe (Härlin), wo sich dem Auge ein umfangreiches Panorama über den Schwarzwald bis an den Feldberg und an einen großen Theil der Alp aufschließt.

Die Landwirthschaft wird gut betrieben und verbesserte Ackergeräthschaften, wie der Flanderpflug, die eiserne Egge, die Walze etc. haben theilweise Eingang gefunden; die Düngerstätten sind meist gut eingerichtet und zur Besserung des Bodens wendet man außer den gewöhnlichen Düngungsmitteln die Hallerde, die Abfälle aus der chemischen Fabrik in Ödenwald und etwas Mergel an. Auch das Brennen der Felder ist noch üblich. Größere Güter werden im Dreifeldersystem mit zur Hälfte angeblümter Brache, die kleineren aber willkürlich bewirthschaftet; man baut vorzugsweise Hafer, ferner Dinkel, Gerste, Roggen, Erbsen, Wicken, Kartoffeln, Futterkräuter, Angersen, Kohlraben, Blätterkohl, Flachs, Hanf und etwas Reps. Bei einer Aussaat von 8 Simri Dinkel, 7 Simri Hafer, 4–5 Simri Gerste und 3 Simri Roggen erhält man einen durchschnittlichen Ertrag von 6–8 Scheffel Dinkel, 3–5 Scheffel Hafer, 3 Scheffel Gerste und 2–3 Scheffel Roggen pr. Morgen. Die höchsten Preise eines Morgens Acker betragen 150–200 fl. (früher 600 fl.), die mittleren 100–130 fl. und die geringsten 25–60 fl. Die Getreide-Erzeugnisse reichen für das Bedürfniß der Einwohner nicht hin, so daß noch ziemlich viel Früchte von Außen aufgekauft werden müssen.

Die Wiesen, von denen 2/3 bewässert werden können, sind zweimähdig und ertragen pr. Morgen durchschnittlich 25 Centner Heu und 12 Centner Öhmd. Ihre Preise, welche früher beträchtlich höher standen, bewegen sich neuerlich von 100–300 fl. pr. Morgen.

| Die Obstzucht, welche sich nur mit späten Mostsorten und etwas Zwetschgen beschäftigt, wird in ziemlicher Ausdehnung zunächst um das Dorf betrieben, liefert aber wegen der ihr nicht günstigen klimatischen Verhältnisse selten einen nur mittelmäßigen Ertrag.

Die Rindviehzucht ist in gutem Stande und beschäftigt sich hauptsächlich mit einer tüchtigen, rothscheckigen Landrace; eine von dem verstorbenen Ochsenwirth Kübler eingeführte Schweizerrace wurde in neuerer Zeit wieder verlassen. Zur Züchtung hält ein Ortsbürger gegen die Benützung von 4 Morgen Gemeindewiesen 4 taugliche Farren. Der Handel mit Vieh, namentlich mit Schmalvieh wird auf benachbarten, wie auf den 2 Ortsmärkten (den 6. Juni und den 21. September) ziemlich lebhaft betrieben. Die Pferdezucht ist unbedeutend; Schafzucht wird nicht betrieben und die Zucht der Schweine hat seit einigen Jahren abgenommen, so daß die meisten Ferkeln von Außen aufgekauft werden.

Dem 2 Stunden südöstlich von Freudenstadt und 3/4 Stunden südwestlich von Lombach gelegenen Ort ist sein Verkehr mit der Umgegend nicht nur durch die Landstraße, sondern auch durch Vicinalstraßen nach Schömberg und Wittendorf hinlänglich gesichert.

Im Jahr 1832 wurden etwa 250 Morgen Allmanden an die Bürgerschaft vertheilt, so daß jeder Bürger 2–21/2 Morgen erhielt, wofür er pr. Morgen 5 fl. zu entrichten hatte.

Gegenwärtig besitzt die Gemeinde, welche nicht nur kein Kapitalvermögen, sondern noch 3800 fl. Schulden hat, 80 Morgen Waldungen, deren Ertrag übrigens kaum zur Heizung der Schul- und Gemeinderathsgelasse hinreicht. Über den Gemeinde- und Stiftungshaushalt s. Tab. III.

Der im südlichen Theil des Orts gelegene sogenannte Schloßbuckel, im Mittelalter eine Burg, von welcher nach dem Brand von 1590 Steine Behufs des Neubaues im Dorfe benützt wurden, bildet jetzt noch einen etwa 20′ hohen Hügel mit Graben umgeben, der früher mit Wasser angefüllt war. Erst in neuerer Zeit wurden auf der Spitze des Hügels noch die Grundreste eines Thurms ausgegraben, der vermuthlich die Hauptgebäulichkeit der Burg, welche nur ein sog. Berchfried gewesen zu seyn scheint, bildete. Außer diesen Resten fand man schon öfters an und in der Nähe des Schloßbuckels alte Waffen, Hufeisen, steinerne Kugeln etc. Sowohl der Hügel als die nächste Umgebung desselben war auf einen Rost gestellt, von dem man immer noch eichene, ganz schwarz und hart gewordene Balken ausgräbt[1].

| Über wahrscheinlich römische Alterthümer in Loßburg s. diesen Abschnitt im allgem. Theil oben.

Etwa 1/4 Stunde südlich vom Ort steht nahe der Landstraße am Saume des Bärenwäldchens der sogen. Bärenstein, auch Bärenkreuz und Schweglers Kreuz genannt, unter welchen Benennungen er schon im Jahr 1560 lagerbüchlich vorkommt. Derselbe ist etwa 5′ hoch und enthält auf der südlichen Seite in halberhabener, übrigens ganz roher Arbeit einen Bären, dem durch den Kopf von unten gegen oben ein Speer geht und der durch einen Hund verfolgt wird. Auf der nördlichen Seite des Steins befindet sich eine männliche Figur, einen Speer in der Rechten, auf einem Hunde stehend; das Costüme besteht in einem ganz einfachen, hemdeartigen Gewande, das bis an die Knieen reicht und durchaus kein Abzeichen an sich trägt. Nach der Volkssage erhält der Bärenstein das Andenken eines Bauern, der einst an einem nebligen Morgen hier von einem Bären angefallen, denselben zwar mit seinem Spießstocke tödtlich verwundete, aber nebst seinem ihm treu beistehenden Hunde von der auf beide stürzenden Bestie erdrückt wurde, so daß man alle drei todt beisammen liegend fand (s. Sattler, Topogr. 595). Eine andere, ebenso unwahrscheinliche Sage ist, es sey hier ein Metzger, der ein Kalb mit seinem Hunde nach Hause treiben wollte, von einem Bären angefallen und nebst Hund und Kalb getödtet, während des Kampfes aber auch der Bär tödtlich verwundet worden. Eher dürfte sich dieser Stein auf eine hier vorgefallene Bärenjagdscene beziehen, da derselbe gerade an dem sogen. Bärenwäldchen steht; nach der Art der Arbeit zu schließen rührt das Kreuz ohne Zweifel aus der romanischen Periode.

Was die auf der Markung von Loßburg gelegenen Gemeinde-Parcellen betrifft, so besteht

b. der Weiler Büchenberg aus 5 stattlichen, geschlossenen Bauernhöfen, auf dem Bergrücken zwischen dem Kinzig- und Lohmühlebach-Thal, 1/2 Stunde westlich von Loßburg und 1/2 Stunde nordöstlich von Schömberg gelegen. Die vereinzelnt stehenden Gebäude zeichnen sich durch ihr malerisches, Wohlhäbigkeit verrathendes Ansehen aus. Gutes Trinkwasser liefern 3 laufende Brunnen, die mittelst | einer 1/2 Stunde langer Wasserleitung gespeist werden. Die Einwohner besitzen neben ihren nicht unbeträchtlichen Feldgütern bedeutende Waldungen und treiben Handel mit Holz, welches auf der Kinzig und Lauter verflößt wird.

Bei minder günstigen natürlichen Verhältnissen (rauhes Klima und etwas magerer Sandboden) wird die Landwirthschaft im Dreifeldersystem mit 2/3 angeblümter Brache möglichst gut betrieben und ein sehr tüchtiger Viehstand gehalten. Der Anbau wie der Ertrag der Felder steht auf der gleichen Stufe wie in Loßburg (s. dieses)[2].

c. Der Weiler Ödenwald liegt, rings mit Wald umgeben, 11/2 Stunden südlich von Freudenstadt, 1 Stunde westlich von Loßburg und 1/2 Stunde nördlich von Schömberg und zerfällt in 2 Gruppen, nämlich in die auf dem Flachrücken zwischen den Anfängen des Kinzig- und des Lohmühlebach-Thales gelegenen sehr ansehnlichen 2 Bauernhöfe und in die etwas tiefer an dem Lohmühlebach gelegenen Gebäude einer chemischen Fabrik. Gutes Trinkwasser liefert für die Höfe ein von dem Bauern Andreas Kilgus im Jahr 1780 errichteter und von dessen Sohn 1795 verschönerter, reich ausgestatteter laufender Brunnen, dessen Wasser 1/4 Stunde weit in Teicheln hergeleitet wird. Der Fabrikort ist ebenfalls mit Trinkwasser versehen, auch lauft an den Gebäuden der Lohmühlebach vorüber, der nicht nur in den Fabrikwerken thätig ist, sondern auch unterhalb zu einem Weiher geschwellt, eine Sägmühle in Bewegung setzt.

Der landwirthschaftliche Betrieb der Hofbauern ist weniger bedeutend, als die Nutzung ihrer beträchtlichen Waldungen, aus denen sie alljährlich mehrere Flöße auf der Kinzig und Lauter abgehen lassen. Der Wiesenbau ist ziemlich bedeutend und durch Dungmittel aus der chemischen Fabrik in sehr gutem Stand erhalten.

Die Fabrikgebäude bilden eine enge zusammen gebaute Gruppe, in deren Mitte das in einem sehr ansprechenden Schweizerstyl erbaute Wohngebäude steht. Die Fabrik wurde im Jahr 1811 von Otto Pauli aus Landau und dessen Schwager, Apotheker Merkle in Freudenstadt errichtet und besteht gegenwärtig unter der Firma Zöppritz u. Comp.; sie liefert: kohlensaures und salzsaures Ammonium, blausaures Kali, Salzsäure, Glaubersalz, Soda, Berlinerblau, Beinschwarz, Knochengallerte, Salmiakgeist, Chlorkalk, thierische Kohle und sehr viel Phosphor. Diese Fabrikate, welche wegen ihrer besondern chemischen Reinheit sich einen bedeutenden Ruf erworben haben, gehen meist in die Schweiz, auch nach Frankreich, Baden und Bayern. Die Fabrik | beschäftigt gegenwärtig etwa 50 Personen meist aus den Nachbarorten, namentlich aus Freudenstadt.

Der Verkehr und die Fortbringung der Fabrikate ist durch die am Ort vorbei führende Vicinalstraße von Freudenstadt nach Schömberg, sowie durch eine nach Loßburg führende Vicinalstraße, welche dort in die Freudenstadt-Alpirsbacher Landstraße eingeht, hinreichend gesichert.

Ursprünglich war Loßburg mit zugehöriger Herrschaft im Besitz der Grafen von Sulz. Heilica, die Erbtochter des Grafen Berthold, brachte sie ihrem Gatten Walther von Geroldseck zu; bei der Theilung nach dessen Tode den 14. September 1277 kam sie an seinen Sohn Heinrich, Grafen von Veldenz. Am 18. April 1301 aber verglichen sich Georg, Walram und Eberhard, die Söhne dieses Heinrichs, mit Johann von Geroldseck, Herrn zu Sulz, Uta von Tübingen, der Wittwe seines (im Jahr 1298 gestorbenen) Vetters Hermann von Geroldseck, und deren Sohn Walther dahin, daß jedes von ihnen 1/5 von „Loseburg, Burg und Stadt“ habe, und welches von ihnen seinen Theil verkaufen wolle, denselben zuerst seinem „Gemeinen“ anbieten solle; wenn jedoch eine Theilung verlangt würde, sollte diese nicht verweigert werden (Acta Pal. 4, 303). Im Jahr 1309 hatte an der „Veste Loseburg“ nur noch Theil Walther, Hermann’s und Uta’s Sohn, und Georg von Veldenz, von dessen Brüdern Eberhard unbeerbt gestorben und Walram geistlich geworden war. Diese zwei Theilhaber verglichen sich am 9. September 1309, daß sie die Veste die nächsten 5 Jahre gemeinschaftlich haben, nichts ohne einhelligen eigenen und der Verwandten Willen verpfänden, verkaufen oder sonst vergaben wollten, welcher Vergleich am 25. September 1314 auf ein Jahr, am 11. November 1315 auf unbestimmte Zeit verlängert wurde (Act. Pal. 4, 287 sqq. 303 sqq.). Bei den Nachkommen dieses Walthers verblieb die Herrschaft Loßburg mit Lombach, indeß die Veldenzer Linie ihre Ansprüche an die Herrschaft völlig aufgab. Unter solchen Nachkommen kam bei einer Theilung zwischen Georg und Diepold die Herrschaft den 21. Juni 1455 an Diepold (Reinhard, Gesch. des Hauses Geroldseck Urk. 179), den 5. Juli 1470 an dessen Sohn Gangolf (ebend. 208), welcher den 14. September 1501 solche nebst Lombach, Ober-Ifflingen, Schopfloch, Büchenberg, Schömberg, Weiler, Brändi und Romsgrund um 4000 fl. an das Kloster Alpirsbach verkaufte. Kaiser Maximilian I. belehnte den 24. August 1504 den Abt von Alpirsbach mit dem Blutbann in der Herrschaft Loßburg, „die mit hohen und niedern Gerichten an | das Kloster gekommen ist“, und Kaiser Karl V. erneute diese Belehnung den 15. August 1530 (Besold, Doc. 290. 313).

Neben Alpirsbach hatte übrigens auch das Kloster Reichenbach Gerechtsame (Verkündung 1477 bei Grimm, Weisthümer 1, 388).

Mit dem Kloster Alpirsbach kam Loßburg an Württemberg. Zwar hatte Graf Eberhard der Erlauchte von Württemberg († 1325) bereits einmal in einer Fehde mit Graf Georg von Veldenz Herrn von Geroldseck die Veste erobert und sie behalten gehabt, doch war solche von dem württembergischen Grafen Ulrich, obigen Eberhards Sohn, laut Zusage vom 8. April 1327 wieder herausgegeben worden (Acta Theod. Pal. 4, 313). Im Jahr 1468 war Loßburg mit Lombach und Schömberg von Gangolf von Geroldseck an Graf Eberhard von Württemberg im Bart versetzt (Steinhofer 3, 168), aber bereits 1492 wieder eingelöst gewesen.

In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hatte Loßburg – einige Jahre über – einen Amtmann, zu dessen Amtsbezirk auch Wittendorf, Lombach und Ober-Ifflingen gehörten.

Von alten Zeiten her werden in Loßburg zwei Jahrmärkte, am Pfingstdienstag und am Dienstag vor St. Lorenz, gehalten.

Vor Alters war hier eine Caplanei, und diese ein Filial von Ober-Ifflingen; Kirchensatz und Castvogtei der Caplaneipfründe gehörten dem Kloster Alpirsbach; erst 1466 wurde diese Caplanei zur Pfarrei erhoben. Vermuthlich nach dem Brande von 1590 wurde die hiesige Kirche wieder bloßes Filial des Pfarrers von Lombach, welcher alle Sonntage hier zu predigen hat.

Im Jahre 1514 zogen die Bauern der Herrschaft Loßburg, der damaligen Zeitbewegung nach, gegen das Kloster Alpirsbach zu Felde, wegen der vielen Frohnen, des Umgeldes und vieler anderer Lasten, wählten Hauptleute und Waibel und führten die alte Maas wieder ein. Doch wurden sie am 30. September d. J. zu einem Vergleich gebracht, welcher nur dem Kloster Vortheile brachte. Vermöge desselben mußten die Aufrührer 500 fl. in 3 Zielern je auf Weihnachten bezahlen und jährlich 40 fl. für die Frohn auf Gallentag; auch mußten sie sich zu der neuen Maas und zu dem Umgelde bequemen und ihre Anführer überdieß Gefängnißstrafe ausstehen (Besold, Doc. 293).


  1. Die Burgruinen verkaufte das Kloster Alpirsbach im Jahr 1632 und legte 8 fl. Urbarzins darein. Das Schloßgut zum Theil 1620, zum Theil später erst verkauft, bestand aus 291/2 Jauchert Äcker, 16 Mannsm. Wiesen, 3/4 Baumgärten, 2 Tagwerke Weiher, durch einen Damm in 2 Stücke getheilt, ein trocken gelegter Weiher bei der Burg, zwischen ihrem Graben und dem Weg. – Im Jahr 1560 bestand auch ein alter Burgstall jenseits des Grabens.
  2. Büchenberger, Rechtsalterthümer s. bei Grimm, Weisthümer 1, 394.
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