Beschreibung des Oberamts Freudenstadt/Kapitel B 32

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Röth,
Gemeinde III. Kl., mit 437 Einw., wor. 2 Kath. a. Röth, Dorf, 280 Einw. b. Schönegründ, Weil. 157 Einw. – Filial von Reichenbach; die Kath. sind nach Heiligenbronn, O.A. Horb, eingepfarrt.


Das Dorf Röth liegt 3 Stunden nördlich von der Oberamtsstadt und 1 Stunde nördlich von dem Mutterort auf 2 Vorhügeln der linken Murgthalgehänge, welche durch den zunächst am Ort in die Murg mündenden Röthenbach von einander getrennt sind. Einzelne Gebäude lagern sich in der Murgthalebene selbst auf der rechten Seite des Flusses an der Hauptstraße von Freudenstadt nach Gernsbach, mit welcher Röth durch eine Straße und mittelst einer über die Murg führenden, ansehnlichen Brücke verbunden ist. Der meist aus stattlichen Baurenwohnungen bestehende Ort hat eine sehr reizende Lage und liefert eine recht malerische Ansicht, besonders nimmt sich das hochgelegene im Jahr 1839 auf Kosten der Gemeinde erbaute Schulhaus gut aus; dasselbe trägt auf dem First ein Thürmchen mit Glocke und enthält neben dem geräumigen Schullocale noch die Wohnung des Lehrers und die Gelasse für den Gemeinderath. Die Kirche, welche im Jahr 1812 mit dem größten Theile des Dorfs abbrannte, wurde bis jetzt nicht wieder aufgebaut. Die Verstorbenen werden auf dem Begräbnißplatz in Heselbach beerdigt.

Gutes Trinkwasser liefern mehrere laufende Brunnen in Fülle. Im Ort befindet sich außer 2 Sägmühlen noch eine Mühle mit einem Mahlgang und einem Gerbgang.

Die im Allgemeinen ziemlich bemittelten, geordneten Einwohner suchen sich hauptsächlich durch Feldbau mit Viehzucht, durch Arbeiten in den Waldungen und einigen Holzhandel ihr Auskommen zu sichern; das Holz wird theils aus den nicht unbeträchtlichen Privatwaldungen, theils aus den Staatswaldungen bezogen. Auf der verhältnißmäßig großen, übrigens sehr unebenen Markung, werden nur die untersten Vorhügel (Ausläufer) der Murgthalgehänge | und die Thalsole selbst für die Landwirthschaft benützt. Der im Allgemeinen mittelfruchtbare Boden besteht, so weit er angebaut wird, meist aus den Verwitterungen der primitiven Gebirgsarten und des Todtliegenden, während der für den Waldbau benützte Boden, ein demselben zuträglicher rothsandiger (Verwitterung des bunten Sandsteins) ist.

Der ohne Flurzwang betriebene Feldbau beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Anbau von Hafer, Roggen, etwas Gerste, Kartoffeln und Blätterkohl (Kraut). Der durchschnittliche Ertrag der nicht sehr vertheilten Güter beträgt per Morgen 21/2 Scheff. Roggen, 5 Scheff. Hafer und 4–5 Scheff. Gerste; die Preise eines Morgens bewegen sich von 50–200 fl. Übrigens reichen die Felderzeugnisse zur Befriedigung der örtlichen Bedürfnisse nicht hin, daher noch ziemlich viel Getreide von Außen aufgekauft werden muß.

Die Wiesen, denen großentheils Wässerung zukommt, sind gut und liefern durchschnittlich 20 Cent. Heu und 8–10 Cent. Öhmd per Morgen. Die höchsten Preise eines Morgens Wiese betragen 500 fl., die geringsten 100 fl. Obstzucht wird nicht betrieben.

Die mit einer Landrace sich beschäftigende Rindviehzucht befindet sich in ziemlich gutem Zustande; mit Mastvieh wird einiger Handel getrieben. Die Bienenzucht ist beträchtlich.

Röth erscheint als Rouide erstmals im 12. Jahrhundert unter den Orten, an welchen das Kloster Reichenbach Güter erhielt.

Es gehörte den Pfalzgrafen von Tübingen, und kam von diesen und deren Dienstleuten im 13. und 14. Jahrhundert an das Kloster Reichenbach (Gerbert, Hist. nigr. silv. 3, 224, Kuen, Collectio 2b, 69. 46 unten). Mit hiesiger Vogtei seitens des genannten Klosters wurde den 1. Jan. 1282 Konrad Ritter von Neuneck betraut (Gerbert a. a. O. 3, 199).

Der mit der Gemeinde verbundene ansehnliche Weiler

Schönegründ ist weitläufig gebaut, 1/4 Stunde nördlich von Röth und hat an den Ausläufern der rechten Gehänge des Murgthales eine angenehme Lage. Die natürlichen, wie die landwirthschaftlichen Verhältnisse sind denen von Röth gleich.

Die schulpflichtigen Kinder besuchen die Schule in Röth und die Verstorbenen werden nach Heselbach beerdigt.

Gutes Trinkwasser ist hinreichend vorhanden, überdieß mündet der Burrbach zunächst am Ort in die Murg.

Den unteren Theil des Weilers berührt die Freudenstadt-Gernsbacher Landstraße, von der noch im Ort selbst die Landstraße nach | Besenfeld und Wildbad abgeht, so daß der Verkehr mit der Umgegend hinreichend gesichert ist.

Über den Gemeinde- und Stiftungshaushalt s. Tab. III.

Etwa 1/8 Stunde unterhalb Schönegründ befindet sich an dem rechten Murgthalabhange die verfallene Johann-Friedrichsgrube zur Königswart, ein altes Kupferbergwerk (s. b. allg. Theil).

Östlich von dem ehemaligen Bergwerk, oben an dem Abhange gegen das Murgthal stand die Burg Königswart, welche Pfalzgraf Rudolph von Tübingen im Jahr 1209 erbauen ließ; an derselben befand sich die Inschrift: Rudolfus P. C. de Tuwingen domum istam procuravit fieri anno incarnationis XPI. MCC nono, ut omnes hic venaturi sint memores et salutem animae ejus imprecentur u. s. w. Steinhofer 2, 125, Hauschronik von Zimmern (Stelle abgedr. bei Uhland in Pfeiffer Germania 1, 14). Von der allmälig abgetragenen Burg wurden die Steine zu Gebäuden in der Nachbarschaft und zur Anlage der Steige, welche von Schönegründ nach Besenfeld führt, verwendet. An dieser Steige befindet sich ein in eine Straßenmauer eingelassener, schön verzierter Stein, der von der ehemaligen Königswart dahin versetzt wurde.


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