Beschreibung des Oberamts Göppingen/Kapitel B 12

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12. Gemeinde Faurndau,

evangel. Pfarrdorf mit 700 Einw., worunter 8 Kath., liegt 3/4 St. westlich von Göppingen am linken Ufer der Fils und zunächst an der nach Ulm führenden Staatsstraße. Der Ort gehört in die III. Classe der Gemeinden; die jenseits der Fils gelegenen Theile der Markung sind dem Forstamt Lorch, die diesseitigen dem Forstamt Kirchheim zugetheilt. Den großen Zehenten bezieht der Staat, den kleinen die Ortspfarrei. Jedoch ist die Hälfte der Markung (407 M.) zehentfrei. An den übrigen grundherrlichen Rechten des Staats hat die Gemeinde seit 1817 für 1456 fl. 22 kr. demselben abgekauft. (S. auch S. 79.)

Faurndau liegt ganz eben in dem schönen Filsthal, ist aber ringsum mit Bergen umgeben und mit Wasser reichlich versehen. | Frühlings und Sommers ist die Luft feucht und daher nicht gesund. (S. oben S. 23.) Der Mühlbach, ein Arm der Fils, trennt den Ort in zwei Hälften, und der von Rechberghausen herkommende Marbach fällt bei dem Dorf in die Fils. Dies gewährt manche ökonomische Vortheile, verursacht aber auch oft verheerende Überschwemmungen. Über die Fils führt eine hölzerne Brücke zur Landstraße hinüber und durch das Dorf selbst eine lebhafte Straße nach Boll. Eine durch Gärten abgesonderte Häuserreihe längs der Fils führt den Namen „Rabenhausen,“ im gemeinen Leben „Grabenhausen.“ Der Ort hat 138 Haupt- und 20 Neben-Gebäude. Die Kirche zur h. Maria, wovon sogleich weiter die Rede seyn wird, eine ehemalige Stiftskirche, steht am westlichen Ende des Dorfes, ist massiv von lauter Quadersteinen im vorgothischen Style erbaut, und hat einen hohen, gleichfalls massiven, mit Schiefer gedeckten Thurm. Die große Glocke trägt die Jahrzahl 1455 und zeichnet sich durch ihren herrlichen und starken Klang aus. Die Kirche hat eine neue, schöne Orgel. Die Baulast liegt dem Heiligen ob. Das daneben stehende, vom Staat zu erhaltende, Pfarrhaus ist den Überschwemmungen sehr ausgesetzt. Ein Gemeindewasch- und Back-Haus ist dermalen im Bau begriffen.

In Nachstehendem geben wir eine technische, von Herrn Straßenbauinspektor, Architekt Thrän in Ulm verfaßte, Beschreibung der Kirche.

„Ein noch besser erhaltenes Baudenkmal grauer Vorzeit – und in ihrer Art so wichtig für die Geschichte der Kunst, als die colossalen Dome des deutschen Vaterlandes – ist die Pfarrkirche in Faurndau. Ihr Baustyl ist der deutsch-romanische, nach dem altchristlichen Basilikenbau. Eine vortreffliche Composition ihres Grundrisses, ungemein schöne Verhältnisse und die strenge Durchführung des Halbkreissystemes zeichnen sie besonders aus. Bestimmte Angaben über die Erbauung der Kirche fehlen aber gänzlich, da weder Pergamente, noch Zahlen oder Zeichen an Steinen ihr Alter nachweisen. Die Zeit ihrer Erbauung wird man jedoch füglich im neunten oder zehnten Jahrhundert annehmen dürfen, von der sehr einfach gehaltenen Pflanzenornamentik und wenig ausgebildeten Skulptur zu schließen, der noch jenes Schwunghafte und Zierliche fehlt, welches andere Denkmale dieses Styles in Schwaben und die Bauwerke am Niederrhein aufweisen. – Dieser Umstand möchte bei der Faurndauer Kirche jedenfalls für ein höheres Alter zeugen, als den Zeitraum von 1150 bis 1300.

Die Kirche ist dreischiffig; vom Hauptportal bis an den Chorschluß 120,5’ lang, und 52,1’ breit. Die Seitenschiffe sind je die Hälfte des Mittelschiffs. Durch den Haupteingang tritt man in die | Vorhalle der Kirche, welche zugleich den Unterbau des Thurms bildet; ihre stark hervortretenden Ecken stufen sich wieder in Pfeilerecken ab, in denen niedrige Säulen mit Blättercapitälen angeordnet sind, auf deren durchlaufendem Abacus ein Kuppelgewölbe mit Kreuzgurten ruht, dessen Radius die Diagonale der Vorhalle ist. Die Säulenstellung zwischen den Mittel- und den Seiten-Schiffen enthält auf jeder Seite 3 freistehende und 2 Halbsäulen, über welche unmittelbar auf den Capitälen 4 Halbkreisbögen gesprengt sind, auf denen die Seitenwände des Langhauses ruhen. Diese Säulen sind 12,5’ hoch, im untern Durchmesser 2,5’ dick, und wenig verjüngt. Die erste und dritte Säule und der Pilaster haben das charakteristische Capitäl mit schön gegliedertem Abacus auf einem an seinen untern Ecken abgerundeten Würfel. – Das in dieser Form bedingte Halbkreisfeld ist mit durchlaufendem Rundstab gefaßt, theils glatt gearbeitet, theils mit zierlich geschlungenen Bändern, Rosetten etc. geschmückt. Die 2 mittleren Säulen sind reicher gehalten, nähern sich aber der korinthischen Capitälform. Eine dem attischen Fuß ähnliche Gliederung bildet die Base der Säulen; an den Pilastern und den Saulenbündeln der Vorhalle finden sich noch besonders die Ausläufer des Rundstabes über den Ecken der Platte. Die Höhe des Mittelschiffes vom Boden bis an die einfache getäfelte Decke beträgt 39,2’. – Die Seitenwände sind glatt, und nur durch ein durchlaufendes Plättchen mit gekehltem Viertelstab und die Fenster des Langhauses unterbrochen. Die Seitenschiffe hatten ursprünglich keine Decken, sondern es war das Zimmerwerk des Dachstuhles sichtbar, welches in gleicher Höhe mit dem Schluß der Halbkreisbögen über den Säulen liegt. Fleißiger gearbeitete hölzerne Büge, welche auf den Capitälen der Säulen aufstehen, beweisen dieß unzweifelhaft. – In dem Raum des Mittelschiffes bis ans Sanctuarium des Chors steht noch der alte Taufstein. Wie die Bogenanfänge zeigen, sollte dieser Theil der Kirche mit Tonnengewölben versehen werden, es unterblieb dieß aber, und wurde wohl während der Ausführung eine Abänderung des Planes getroffen. – Am Schluß des Langhauses steht, einen Tritt höher als dieses, der Chor der Kirche mit seinem vollkommen quadratisch angelegten Sanctuarium, und dem halbkreisförmigen Schluß, in welchen 3 Fenster spärlich Licht einfallen lassen. Auf 20,5’ hohen Strebpfeilern mit Sockel und dem abgeschrägten, mit geschlungenen Bändern verzierten Kämpfergesims, welches auch im Chor durchläuft, ruht das Kuppelgewölbe. Die runden Säulen, welche zur Unterstützung der Kreuzgurten in den Ecken der Pfeiler besonders angeordnet sind, haben Blätter- und Figuren-Capitäle. Ganz harmonisch mit dem Chorschluß des Mittelschiffes sind in der Verlängerung | der Seitenschiffe 2 Kapellen chorartig und im Halbkreis geschlossen angebaut; diese Kapellen sind ganz ohne Fenster, und haben ihre Eingänge unmittelbar vor dem Sanctuarium. – Die Kirche hat 3 Portale. Am Hauptportal im Thurm stuft sich dessen schräge Leibung in 4 Pfeilerecken mit runden Säulen darin ab, und diese Profilirung überwölbt das Portal im Halbkreis und bildet so über dem geraden Sturz das meistens mit Fresken gezierte Feld, in welchem auch hier noch Reste eines Crucifixes mit 2 nebenstehenden Figuren zu finden sind. Die glatte hölzerne Thüre ist ohne Zweifel noch die ursprüngliche – ganz gewiß ist es aber deren Beschlag, welches rautenförmig geschlungen und mit Nägeln bevestigt ist, deren Köpfe façettirt sind, wie die ähnliche Decoration im Bogenfries des Chors. Die Seitenportale liegen sich zwischen dem Pilaster und der letzten Säule gegenüber, und hatten nur einfache Gewende und geraden Sturz. Ums ganze Portal zog sich der Rundstab des Sokels der Kirche, deren Inneres früher wohl um 3 Tritte tiefer gelegen haben mag, als das äußere Terrain. – Die architektonische Decoration des Äußern ist mit der diesem Baustyl eigenthümlichen Weise, dem Bogenfries mit seinen Lissenen in der consequentesten Anordnung, aufs Geschmackvollste und mit einer glücklichen Eintheilung für den Totaleindruck, durchgeführt. Am Gesimse des Langhauses, einer schrägen, aber reich und verschiedenartig gezierten Platte, ist dieser Fries am Einfachsten; größer, schon mit Hohlkehle und abwärts hängenden Palmetten versehen, erscheinen diese Halbkreisbögen an den Seitenschiffen und deren Kapellen. Am Chorschluß sind sie aber dreifach gegliedert, reich decorirt, und über ihnen der Fries mit den Dreischlitzen, welchen noch ein in Rundstäben schön profilirtes Gesimse krönt. Der Giebel des Langhauses hat diesen Bogenfries in steigenden Bögen, von zierlichen Säulchen getragen, welche wieder auf Köpfen, Figuren und Masken, wie auf Consolen ruhen. – Einfacher als dieser ist der Giebel des Sanctuariums gehalten. Das gleiche Verhältniß der Decoration ist auch in den steinernen Kreuzaufsätzen beider Giebel beobachtet. Die reine Steinmetzarbeit in dem röthlich-gelben Keupersandstein, aus welchem die ganze Kirche erbaut ist, erhöht noch den erhabenen Eindruck, welchen dieß Gebäude auf seinen Beschauer macht. Der Thurm ist in 3 Etagen bis zur Dachhöhe des Langhauses vollendet, und von da an durch einen von Riegelholz erbauten Aufsatz mit pyramidalischem Dach, ein Machwerk späterer Zeit, verunstaltet. Die erste Etage enthält das Hauptportal, die zweite ein rosettenartiges Fenster und die dritte eine kleine schlitzartige Öffnung in einem staffelförmig verzierten, tiefer liegenden Feld. | Die Kirche sollte eigentlich zwei Thürme erhalten, wie aus dem Grundriß [1] hervorgeht, welcher zwei rein zwecklose Räume enthält, wo in dem einen noch die Reste von massigtem Mauerwerk, Säulenbündel und Bogenanfänge zur untern Halle des Thurms als die untrüglichsten Zeugen hiefür sprechen. – Werke der Skulptur finden sich am Giebel des Mittelschiffs; – eine männliche Figur mit einem Quadersteine in der Hand (vielleicht der Stifter oder Baumeister), unmittelbar über diesem ein Vogel (Nachteule) und über dem reich decorirten Mittelfenster des Chors eine unkenntliche Thiergestalt. – Die Volkssage erwähnt einer Gruft und unterirdischer Gänge, was vielleicht auf das Vorhandenen einer Crypte [2] schließen läßt.

Wie alle auf uns gekommene Baudenkmale ältester Zeit der Rohheit oder Unwissenheit der an ihnen vorübergegangenen Geschlechter oft nur wie durch ein Wunder entgangen, und meistens theilweise zerstört worden sind, so wurde auch diese Kirche wahrscheinlich zur Zeit der Reformation auf schonungslose Weise dem neuen Cultus angepaßt, die südliche Kapelle wurde niedergerissen, und die nunmehrige, schon im verdorbenen gothischen Geschmack erbaute, Sakristei hingestellt, und in die Seitenschiffe wurden ohne alle Symmetrie Fenster eingebrochen. Was aus dieser Zeit im Innern der Kirche, welches sich wahrscheinlich in bunter Farbenpracht und namentlich im Chor mit den interessantesten Fresken dem Auge darstellte, von Malereien noch sichtbar war, wurde in neuerer Zeit noch einmal dick überstrichen und geweißnet, und der letzte Pinselstrich mit dem herkömmlichen »anno renovatum« besiegelt. Der dermalige Einbau mit Orgel, Stühlen und Emporkirche [3] endlich verbietet jede innere Totalansicht. – Ist in der neuern Zeit schon so vielen Bauwerken ihr Recht widerfahren, und sind dieselben aus Schutt und Staub neu verjüngt entstanden, so wird vielleicht auch für dieses Denkmal die Zeit nicht mehr ferne seyn, die es in seiner alten Pracht als würdigen Nebenbuhler der Werke deutscher Kunst erstehen läßt.“

Der Nahrungsstand ist ziemlich gut. Ein Morgen guten Ackers | trägt 7 – 9 Sch. Dinkel und 4 – 5 Sch. Haber. Das Erzeugniß wird im Orte selbst consumirt. Die Wiesen liefern gutes Futter. Eine gut angelegte Baumschule besteht seit neuerer Zeit, und der Obstbau wird fleißig betrieben; der kiesige Untergrund und Nachtfröste stehen aber seinem höhern Gedeihen entgegen. Der Ort hatte selbst Weinbau, und zwar bereits im J. 875. Der „Wingarten vnter dem Schwalbrunn“ gedenkt eine Urkunde von 1489; auch jenseits der Fils, auf dem Hayrain, standen 3 Morgen Weinberge noch 1562 im Bau, die aber 1700 in Wiesen verwandelt wurden. Die Pferdezucht gehört unter die besseren des Bezirkes; ungleich bedeutender aber ist die Rindviehzucht. Das Vieh ist meist gut genährt und mehr als 4/5 werden im Stalle gefüttert. Der Handel auf benachbarten Viehmärkten wird lebhaft betrieben. Auch die Schafzucht ist von Belang; es mögen hier gegen 2000 Stücke überwintert werden. Von Gewerben sind nur 1 Mahlmühle, 2 Säg-, 2 Öl-, 2 Gyps- und 1 Hanfreib-Mühle, sowie eine gute Glockengießerei und Feuerspritzenfabrik, die schon Glocken von 8 – 10 Ctr. gegossen hat, und hauptsächlich eine Papierfabrik zu nennen. Diese, im Besitze von Carl Beckh und Söhnen, arbeitet seit 1830 mit Maschinen, beschäftigt 50 – 60 Arbeiter und verbraucht etwa 6000 Ctr. Lumpen. Sie setzt viele ärmere Einwohner in Nahrung. Sie ist in einem schönen Gebäude untergebracht.

Über den Gemeinde- und Stiftungs-Haushalt gibt die Tabelle Aufschluß. [4] Die Pfarrei hat keine Filialien; das Patronat ist königlich. An der Schule stehen ein Schulmeister und ein Gehülfe. Die Schulstiftungen betrugen im J. 1828 450 fl. Auch besteht seit einigen Jahren eine Strickschule. Faurndau hat nur Schöpfbrunnen, die von der Fils gespeist werden; es wird aber auch kein süßes Wasser hier getrunken, sondern nur Mineralwasser, welches jede Haushaltung in großen Krügen theils von der Göppinger und theils von der hiesigen Quelle herbeibringen läßt. (Oben S. 9.) Der Begräbnißplatz liegt um die Kirche her und hat sich allmälig so erhöht, daß diese tief im Boden steckt.

Faurndau ist sehr alt und wahrscheinlich durch das Kloster entstanden. Sein Name „Furendaw,“ „Furndow,“ „Furnden,“ im gemeinen Leben „Faurnen,“ mag wohl von diesem Klösterlein, das unserer lieben Frau geweiht war, und zuerst Frauenau geheißen haben dürfte, | herzuleiten und durch Versetzung der Buchstaben verunstaltet worden seyn. Als königliches Kammergut treffen wir den Ort 875. In diesem Jahre, am 11. August, schenkt König Ludwig der Deutsche seinem lieben Diakonus Luitbrand »quoddam monasteriolum, quod vocatur Furentovva, consistentem in ducatu Alemanniae, cum omnibus ibidem adjacentiis vel pertinentibus, tam in mancipiis utriusque sexus, quam etiam in terris, vineis, pratis... totum et integrum, sicut ad praefatum monasteriolum pertinet.« Nach Luitbrands Tod soll aber dieses Alles »ad regiam potestatem« zurückfallen. (Neugart, Cod. dipl. I. 397.) Als Bestandtheil des Herzogthums Alemannien, wie es hier ausdrücklich bezeichnet wird, kam Faurndau in die Hände der Hohenstaufen, und als nach Erlöschung dieses Geschlechtes auch das Herzogthum Alemannien oder Schwaben aufhörte, treffen wir die v. Rechberg im Besitze. Johann von Rechberghausen trat 1345 seine Vogtrechte in Oberberken an das Kl. Adelberg ab, und erhielt dagegen von diesem hiesige Güter. Ein Zweig dieses Hauses, das schon vor 1345 die Vogtei hier besessen, schrieb sich einige Zeit von Faurndau. Namentlich that dieses Wilhelm, ein Sohn Heinrichs II. von Rechberghausen, welcher Adelheid von Randeck zur Gattin hatte und mit dieser 1365 und 1369 einige Jahrstäge nach Faurndau stiftete. Zu Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts gingen aber durch Heirath diese Rechte auf die von Zillenhardt und die von Ahelfingen über, welche sich sofort auch in die Vogtei über das Stift theilten. Ritter Ulrich von Ahelfingen verkaufte jedoch 1421 die Hälfte an Faurndau, die vormals Wolf Tachenhausen und Burkhard von Mannsberg inne gehabt hat, und wie ihm das zu seinem Theil gegen Conrad von Zillenhardts Theil gefallen ist, an das Kl. Adelberg, und dieses trat ums J. 1428 diese Rechte gegen die Kirche zu Holzmaden an den Grafen Heinrich von Württemberg ab; denn am 3. Septbr. 1428 genehmigte der Bischof von Constanz, daß der Graf diese Kirche dem Kloster übergebe »in concambium pro jurisdictione temporali et medietate dominii ville dicte Furndow, ad prefatum monasterium legitime pertinentibus.« Im Besitze der andern Hälfte der Ortsherrschaft und Vogtei blieben die v. Zillenhardt ein volles Jahrhundert, und erst an St. Martins Abend 1506 verkaufte Amelia, des edeln und vesten Jörgen v. Zillenhardt seligen eheliche Wittwe, geborne v. Eckmannshofen, „meinen Theil an dem Dorf Faurndaw, mit Gerichten, Zwingen, Zinsen, Gülten, Leuten, Vogteyen, Herrlichkeiten, Gerechtigkeiten, für frey, ledig vnd eigen,“ wie sie das Alles durch Vertrag erhalten, um 1000 fl. an Herzog Ulrich von Württemberg, der nun das Dorf dem Amte Göppingen ganz einverleibte. Mit der Ortsherrschaft waren auch mehrere grundherrliche Rechte auf | Württemberg übergegangen. Dasselbe besaß 1524 Zinse aus zehn Sölden, Lehenrechte aus dem Freihof, aus einer Mühle und 5 Lehen und Landgarben. Das Kl. Adelberg besaß 1537, wohl noch als Rest seines Besitzes von 1428 her, eine Mühle, einige Fischrechte und Lehenrechte aus einem zertrümmerten Hof und 3 Sölden, deren Inhaber mit Holzhausen reisten und steuerten. Der Besitz des Stiftes Faurndau endlich bestand zur Zeit der Reformation aus 6 Hofgütern und 4 Lehen. Johann von Rechberghausen verschaffte 1348 unserer Frau und den Heiligen des Stiftes seine eigenen Güter zu einem Seelgeräthe und ewigen Almosen.

Was Faurndau im dreißigjährigen Kriege gelitten, ist oben S. 102 bemerkt. Erst im J. 1702 konnte die Gemeinde das bis dahin in Schutt und Asche gelegene Rath- und Schul-Haus wieder aufbauen.

Von welch hohem Alter die Kirche und das damit verbunden gewesene Klösterlein ist, haben wir vorhin gesehen, und es ist bemerkenswerth, wie sehr die bei Boll erwähnte Sage, welche die Erbauung auch dieser Kirche der heiligen Berta ums J. 730 zuschreibt, hiemit übereinstimmt. König Ludwig sagt in der Urkunde von 875, das Kloster sey erbaut »in honore Sanctae Mariae... ubi etiam pignora Sanctorum Alexandri, Eventii et Theodoli requiescunt.« Am 8. Mai 895 gestattet König Arnulf, daß Luitprand dieses Kloster und die zuvor mit diesem verbundene Kapelle in Brenz dem Kl. St. Gallen schenke, (Neugart, l. c. 502.) Noch im J. 977 treffen wir das Kloster als einen Verweisungsort eines unbotmäßigen St. gallen’schen Mönches an; nun aber verliert es sich auf dritthalbhundert Jahre aus der Geschichte. Bei seinem erstmaligen Wiedersehen, im J. 1227, treffen wir dasselbe als eine Collegiat- oder Stifts-Kirche, die sich sofort von St. Gallen frei machte, (v. Arx Gesch. von St. Gallen I. 432.) Im J. 1268 ist Hainricus canonicus in Furndowe Zeuge. Dieses Stift bestand aus einem Propst und vier Chorherren. Als Pröpste treffen wir:

1295 Heinrich von Neidlingen,
1336 Meister Conrad von Gmünd,
1345 Engelhard von Rechberg (Rechberghausen).
1363 Herr Diether von Urbach,
1369 Herr Heinrich Kayservischer,
          Hans von Uhlbach,
1399 Herr Heinrich von Hailfingen,
1431 Johannes Meßner,
1456 Conrad Maiger von Riexingen,
1474 Joh. Fabri,
1477 Joh. Balz,
1490 Joh. Waiblinger, |
1500 Joh. Harzesser,
1505 Bernh. Heinkeller,
1512 Wernher Hopp. Den letzten Propst s. hienach.

Im J. 1345 erneuern Propst, Chorherren und das Capitel, mit Rath und gutem Willen Herrn Johansen von Rechberghausen, der des Gotteshauses Vogt und Schirmer sey, ihre Rechte und Gewohnheiten, die ihnen die freie Wahl des Propstes und der Chorherren zulassen und dem Heiligenpfleger alljährliche Rechnungsablegung zur Pflicht machen. Aber lange Zeit waren die Pfründen so geringe, daß die Stiftsherren unmöglich davon leben konnten, und erst später verbesserten sie sich so weit, daß sie wieder hier Residenz halten konnten (Cleß a. a. O. III. 229), welches vom J. 1460 an geschah. Die Schirm und die Vogtei übten, wie bereits oben bemerkt, die Ortsherren aus; 1413 – 1421 war noch Ulrich von Ahelfingen alleiniger Vogt und Schirmer; von da bis 1506 theilten sich Württemberg und Zillenhardt darein. Am 9. Sept. 1536 verzichteten jedoch der Propst und die vier Chorherren gegen Herzog Ulrich auf „die Gerechtigkeit, fürder zu wählen“ und übergaben ihm zugleich ihre Renten, Gülten und Zinse. Somit wurde nun die Reformation hier durchgeführt. Der Propst, Johannes Schönleben, erhielt 80 fl. in Geld, 35 Sch. Frucht und Holz als Leibgeding und Wohnung in einem Stiftshause in Göppingen. Auf die Vorstellung des Untervogts: „dieweil er ein alter, seins Leibs belebter, Gesell, der gern Wein trinkt vnd Alles mit ihme vffgebet,“ bekam er 1537 einen Eimer Wein Zulage. – Die jährlichen Einkünfte wurden im J. 1636 zu 3000 fl. geschätzt, und flossen auch mehreren Zehent-, Lehen- und andern grundherrlichen Rechten. Mehrere Güter besaß das Stift sogar mit aller Obrigkeit. Zur Zeit, als die Erzherzogin Claudia Göppingen besaß (oben S. 101), war die Absicht, dieses Stift in ähnlicher Weise wieder zu besetzen, wie jenes zu Oberhofen; was aber nicht zur Ausführung kam.

Neben den Stiftsgeistlichen standen frühe schon ein eigener Pfarrer und ein Frühmesser an der Kirche, welche das Stift selbst zu präsentiren hatte. Renhardus plebanus in Furndo kommt 1323 vor. Der nachmalige Propst Hans v. Ulbach nennt sich 1369 „Decan zu den Ziten vnd Pfarrer zu Furndow.“ Wilhelm von Rechberg von Faurndau verschafft 1365 dem Pfarrer 1 Sch. Haber und dem Frühmesser 4 Hühner jährlich, und befreit das Haus des Letztern von Steuern und Diensten. Um dem Stifte aufzuhelfen, gestattete aber am 5. Juni 1467 der Bischof, daß »plebanatus et primaria ejusdem ecclesie de eorum« (des Stifts) »collatione et jure patronatus existentes,« dem Stift einverleibt und »a jugo et oneribus capitularibus capituli ruralis in Geppingen, ad que hactenus | astricti fuere,« befreit werden. Der Propst soll die Pfarrei versehen und sich hiefür einen Hülfspriester halten. Alsbald nach der Reformation wurde wieder ein eigener Pfarrer bestellt, der aber während des Interims von dem früheren Chorherrn Jakob Ackermann verdrängt ward; von diesem sagten seine Pfarrkinder am 15. Juni 1549: „so er ihnen predigen wöll, könne er ihnen nichts anzeigen, auch das Evangelium teutsch nit wohl lesen, halten ihn für einen schlechten einfeltigen Menschen, der solichs nie gebraucht, oder einige Lust oder Willen dazu gehabt.“ Im Juni 1551 wurde Meister Michael Brodhag zum Pfarrer ernannt. Von 1635 – 1654 war die Pfarrei unbesetzt. Bis 1641 versah sie ein Diakonus von Göppingen, bis 1650 der Pfarrer von Uhingen und bis 1654 der von Wangen; erst am 26. Mai 1654, als die Einwohner sich wieder vermehrt hatten, wurde sie wieder besetzt. Filialien hatte sie nie. Die Zehenten standen, zur einen Hälfte von den v. Rechberghausen und zur andern von den v. Zillenhardt her, dem Stifte Faurndau zu, mit Ausnahme des Weinzehenten auf dem Hörrain oder Hayrain, welcher zu 5/8 der Ortsherrschaft, zu 2/8 dem Kl. Adelberg und zu 1/8 dem Stift Faurndau gehörte. Auf der Markung von Faurndau lagen einige nun abgegangene Höfe. Der eine hieß Hörhof oder Körhof und lag wohl auf dem vorerwähnten Hörrain. Heinrich von Rechberghausen belehnt 1414 den Eßlinger Bürger Hans Nallinger mit „dem Hof zu Köre,“ und soll er dieses Lehen verdienen wie es ein Mann zu thun schuldig ist. Hans Ungelter verkaufte den Hof 1487 an Junker Hans von Liebenstein und dieser ihn im J. 1494 an das Stift Faurndau. Der andere war der sogenannte Freihof, am Fußwege nach Jebenhausen und 1/2 Stunde von Faurndau gelegen. Nach dem Kellerei-Lagerbuch von 1477 bestand dieser „Fryhof“ aus einem Maierhof, in welchen 9 Sölden zinsten, aus einigen Häusern und dem „Schwallbrunnen,“ auch der „Surbrunn Lengenwang“ genannt, wo bereits 1524 ein Bad und ein Wirthshaus standen. Auf die Bitte des württembergischen Forstmeisters Bernhard Moser von Filseck wurde am 27. Dec. 1610 gestattet, daß er und seine Nachfolger auf diesem seinem Freihofe eine beschränkte Polizeigewalt, von 1 – 3tägiger Custodi und bis auf 2 Pfd. Helfer Strafe ausübe. Damals war das Haus mit einer Mauer, woran Eckthürme, umgeben. Nahe dabei stand das Badhaus Lengenbad und daneben der überwölbte Sauerbrunnen. Die Bad- und Wirthschafts-Gebäude kaufte bald darauf die Herrschaft und versetzte sie 1620 – 1630 an die Sauerbrunnenquelle in Göppingen (oben S. 132); der Hof selbst aber, dessen Areal 1/15 der Markung von Faurndau begriff, kam in verschiedene Hände und wurde vor etwa 150 Jahren zertrümmert. Die Mauern des Hofes | sind noch zu sehen und das Wasser wird noch gerne getrunken. (S. oben S. 9.)

Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wurden hier mehrere goldene und silberne Münzen aus dem 14. und 15. Jahrhundert gefunden. (Schwäb. Magazin 1776. St. 691 etc.)


  1. S. denselben und die Ansicht auf der beiliegenden OA.-Karte.
  2. D. h. eine unterirdische Capelle. Es ist außer Zweifel, daß hier eine Gruft war. Sie mag von den Herren von Rechberg angelegt worden seyn, wovon eine Linie im Orte saß. In der Kirche standen mehrere Rechbergsche Grabsteine, wovon einige erst in neuerer Zeit in die Familiengruft nach Donzdorf gebracht worden sind. M.
  3. Nach Akten wurde erst 1714 eine Emporkirche gebaut. Auch wurde jetzt erst der Boden mit Dielen belegt und das bisherige Schieferdach durch ein Ziegeldach ersetzt. M.
  4. Ein Streit über die Holzgerechtsame wurde schon 1608 dahin entschieden, daß dieselben Zugehörungen der Höfe, Lehen und Söldgüter und nicht Gemeindetheile seyen; daß die Zahl 64 der Lehenholztheile niemals überschritten und daher diejenigen Einwohner von Faurndau, welche keine Lehen besitzen, an den Holzgerechtsamen keinen Theil haben sollen.
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