Beschreibung des Oberamts Göppingen/Kapitel B 23

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23. Gemeinde Klein-Eislingen,

evang. Pfarrdorf mit 999 Einw., wor. 8 kath., liegt im Filsthale, an der Fils und an der nach Ulm führenden Staatsstraße, östlich 3/4 St. von Göppingen und gehört in die III. Classe und in den Forstbezirk Lorch. Sämmtliche Zehenten stehen dem Staate zu, mit Ausnahme des kleinen Zehentens von 383/4 M., in welche sich die Pfarrei und der Heilige in Groß-Eislingen theilen. An den übrigen grundherrlichen Rechten des Staats hat der Ort seit 1817 für 1316 fl. 17 kr. abgelöst, worunter namentlich alle Laudemien. (S. S. 82.)

Die Lage des nur durch die Fils von Groß-Eislingen getrennten hübschen Ortes ist frei und eben. Er ist der Landstraße entlang weitläufig gebaut und hat mehrere Seitenstraßen. Eine schöne massive Brücke über die Fils im Orte wurde kürzlich vollendet. Die | Gebäude sind hübsch und meist mit steinernem Unterstock versehen. Klein-Eislingen, bis 1810 der württembergische Grenzort gegen das ulmsche Gebiet, zählt 165 Haupt- und 25 Neben-Gebäude. Die mitten im Orte stehende Kirche wurde 1698 an die Stelle des zuvor hier gestandenen, baufälligen Kirchleins mit Hülfe einer Bausteuer von der Gemeinde erbaut, welche 1746 auch die Orgel anschaffte. Die Kirche ist zwar in gutem Zustand, aber zu klein und von schlechtem Styl. Die Baulast liegt zu 2/3 dem hiesigen Heiligen, St. Bernhard, und zu 1/3 der evangel. Stiftungspflege von Groß-Eislingen und, da beide zu arm sind, den Gemeindekassen ob. Von den merkwürdigem Eingeborenen ist der 1704 geborene und 1767 zu Augsburg gestorbene, Johann Jakob Haid zu nennen, welcher sich als Kupferstecher einen Namen erworben hat. — Die Verhältnisse des Bodens und der Landwirthschaft stimmen mit jenen von Groß-Eislingen überein und auch hier steht die Bodencultur auf einer hohen Stufe. An Gewerben sind 1 Schleif-, 2 Mahl-, 2 Säg-, 3 Öl- und 4 Gyps-Mühlen, sowie eine im Kleinen betriebene Maschinenfabrik zu nennen. Diese liegen meist an dem Mühlkanal, welcher aus der Fils gespeist wird. Eine Bierbrauerei mit einem Bierkeller setzt ihr Erzeugnis im Ort selbst ab. Die 29 Weber arbeiten für die Fabriken in Göppingen und Jebenhausen um den Lohn. Die Pfarrei ist und war stets mit der Pfarrei Holzheim vereinigt. Vor der Reformation bestand sie noch nicht, wie denn der Ort namentlich noch 1524 nach Göppingen eingepfarrt war. An der Schule stehen ein Schulmeister und ein selbstständiger Gehülfe. Der Begräbnißplatz befindet sich seit neuerer Zeit außerhalb des Ortes. Ob Klein-Eislingen ebenso alt, als Groß-Eislingen, ist uns unbekannt, höchst wahrscheinlich aber, daß auch dieser Ort in älteren Zeiten zum Gebiete der Grafen von Helfenstein, deren Forsthohheit bis hierher sich erstreckte (oben S. 93 u. hienach), gehört hat. Mit der Ausbreitung der Macht der Hohenstaufen mag auch die Hohheit über Klein-Eislingen an dieses Haus gekommen seyn, nach dessen Erlöschung die Grundherren ihre vogteilichen Rechte mehr und mehr ausbreiten konnten. Als solche treffen wir am Ende hauptsächlich die von Ahelfingen und einige Göppinger Bürger, deren Rechte an die Herrschaft Württemberg, an die Stifte Boll, Faurndau und Oberhofen und an das Kl. Adelberg übergingen. Den Tausch Württembergs im J. 1454 s. Hochdorf. Am Montag nach Mariä Geburt 1492 kauft aber Graf Eberhard der ältere von den Hinterbliebenen des Göppinger Bürgers Wernher Wernzhauser „das Dorf zu Clein-Yßlingen, an Hüsern, Gärten, mit Vogtrechten aller Oberkeit, Gerichten etc.“ wieder für frei und ledig um 2800 fl., ausgenommen | den „Vorst im Holz, der gehört den Herren von Helfenstein zu.“ Das Erworbene bestand aber nur in der mit ausschließlichem Bannrecht versehenen Taferne, in einigen einzelnen Gütern, in 7 Huben, 6 Sölden und 2 Lehen, und in der Obrigkeit über diese und mehrere zuvor freie Güter. Das Stift Boll sodann besaß von alten Zeiten her ein Gut. Das Stift Faurndau kaufte 1438 von Erpf von Ahelfingen von Hohen-Ahelfingen einen Hof und die Obermühle, in welche 6 Höfe und Lehen gebannt waren, mit Vogteien und aller Gewalt, und das Stift Oberhofen kaufte 1510 von Agnes, Hansen Dirings seligen von Ombden, Wittwe, Bürgerin zu Göppingen, 3 Lehengüter um 325 fl., als frei, unvogtbar, unsteuerbar und undiensthbar. Eines dieser Güter reichte unter Anderm „XII Simri Äpfel vnd I Simri Birn, gebrochenes Obs, wann, gewonlich Obs wirt“ (d. h. wächst). Auch der Hospital Göppingen erwarb einen Hof, der noch 1700 nicht in das hiesige Gericht, sondern in jenes zu Göppingen gehörte. Das Kl. Adelberg endlich besaß 1537 Namens der Caplanei Uhingen 2 Lehen und 1 Sölde. Noch 1524 hatten alle so eben genannten Grundherren Gebot und Verbot auf ihrem Besitzthum. Diese Vielherrschaft fand erst in Folge der Reformation, welche hier bei dem Schirme Württembergs über alle hiesigen Grundherren keine Schwierigkeit haben konnte, ein Ende.

Klein-Eislingen hatte in allen Kriegen im Lande seiner Lage wegen viel zu leiden. Die Bevölkerung, welche noch nach dem dreißigjährigen Kriege (oben S. 103) kaum 200 Seelen betrug, stand ums J. 1700 auf 400, war aber schon 1800 auf 737 gestiegen.

Über die älteren kirchlichen Verhältnisse ist noch zu bemerken, daß nach dem Kellerei-Lagerbuche von 1700 „vor Alter ein kleines Capellin außerhalb Fleckens gestanden, davon noch heutzutag die gemeine Gaß, genannt die Cäpelins Gaß, ihren Namen hat. Solches Capellin ist vor vielen Jahren abgangen." Sämmtliche Zehenten standen dem Stifte Oberhofen seit 1463 zu. (S. Holzheim S. 251.)


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