Beschreibung des Oberamts Geislingen/Kapitel B 18

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18. Klein-Süßen,

katholisches Pfarrdorf mit 189 Einw., 21/2 Stunde nordwestlich in dem freundlichen Filsthale gelegen, und nur durch die Filsbrücke von Großsüßen getrennt. Kameralamt Geislingen, Rentamt Donzdorf, Forstamt Lorch, Dekanat Eybach.

Der große und kleine Zehnten, mit Ausnahme von Obst, Hanf, Flachs, welche die Ortspfarrei verzehntet, gehört der Herrschaft Rechberg, welche außerdem zahlreiche Grund- und andere Gefälle bezieht.

Der Ort liegt eben und an der Straße nach Heidenheim, | und zählt 52 Gebäude, worunter 27 Wohnungen; diese sind meist 2stockig und mit Ziegeln gedeckt.

Die Einwohner sind mittleren Vermögens und nähren sich vom Feldbau, die Markung hält 547 Morgen.

Die Gemeinde hat weder Schulden noch Vermögen, die Stiftung hat 1400 fl. Kapitalien, leidet aber an einem jährlichen Deficit. Die Baulast der Kirche und des Pfarrhauses hat die Gemeinde.

Klein-Süßen gehörte schon in früheren Zeiten der Familie Rechberg, welche den Ort an das St. Katharina Spital in Gmünd verkaufte. Von diesem erkauften ihn im Jahr 1575 die Freiherrn von Bubenhofen, nachdem Franz Joachim von Bubenhofen das benachbarte Schloß Ramsberg im Jahr 1550 als Erbtheil seiner Gemahlin Sophie, Marschallin von Pappenheim, erhalten hatte. Die Familie Bubenhofen, deren Stammschloß, nach welchem sie sich nannten, bei Rosenfeld (Oberamts Sulz) in Ruinen liegt, und welche erst im genannten Jahr 1550 in diese Gegend kamen, erlosch im Jahr 1814 mit dem bairischen Generalmajor, Wilhelm von Bubenhofen, und aus dessen Erbsmasse erkaufte die Familie Rechberg wiederum den Ort im Jahr 1826.

In kirchlicher Beziehung war Kleinsüßen vor der Reformation ein Filial von Großsüßen; der Kirchensatz gehörte dem Kloster Adelberg. Nachdem im Mutterort die Reformation eingeführt worden war, wurde Kleinsüßen eine Zeitlang von Ramsberg, Krumwälden, Groß-Eislingen und Salach aus pastorirt, bis im Jahr 1700 Freiherr von Bubenhofen hier eine eigene Pfarrei errichtete. Das Patronat steht jetzt der Familie Rechberg zu. Außerhalb des Orts befindet sich am Wege nach Salach eine kleine Kapelle.

In früheren Zeiten steuerte der Ort zum Kanton Kocher. Der Ortsherrschaft gehörten alle Gerechtigkeiten außer den Episcopalrechten und dem Zoll, erstere stunden dem Bisthum Constanz, letzterer dem Stift Ulm zu. An Württemberg kam Kleinsüßen im Jahr 1810.


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