Beschreibung des Oberamts Geislingen/Kapitel B 17

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17. Hohenstadt,

katholisches Pfarrdorf mit 403 Einwohnern, auf einem der höchsten Alppunkte des Bezirks, und mit Westerheim der höchste bewohnte Ort desselben (S. 24), 5 Stunden südwestlich von der Oberamtsstadt gelegen. Kameralamt Wiesensteig, Forstamt Kirchheim, Dekanat Eybach.

Den großen Zehnten (an sämmtliche Zehntpflichtige verpachtet) bezieht der Staat, als Rechtsnachfolger vom Stift Wiesensteig, den kleinen die Pfarrei; ebenso beziehen außer diesen beiden auch noch die Ortsstiftung und die Stiftung in Wiesensteig Gülten und Gefälle.

Der Ort genießt seiner hohen und freien Lage wegen eine herrliche Fernsicht nach der Kette der Tyroler und Schweizer Alpen, den Vogesen und den Bergen um Heidelberg, und stets frische, häufig rauhe Luft; er ist weitläufig gebaut und reinlich. Die Anzahl sämmtlicher Gebäude, von welchen etwa der zehnte Theil mit Ziegeln gedeckt ist, beträgt 100.

Die Einwohner haben einen guten Nahrungsstand; die Ortsmarkung begreift 3688 Morg., worunter 2127 Morg. Ackerfeld. Das Klima ist der hohen Lage wegen rauh, der Boden steinig; einem besseren und ergiebigeren Anbau steht auch der weitläufige Güterbesitz entgegen. In trockenen Sommern tritt in diesem Orte, welcher sich mit Hülben behilft, Wassermangel ein, und das Wasser muß über eine Stunde weit geholt werden. Von Gewittern bleibt der Ort meist verschont, indem sich die von Abend herziehenden Gewitter an dem sogenannten Hähnengarten scheiden und rechts und links abziehen, wodurch gar oft eine schädliche Dürre eintritt.

Die Gemeinde hat 700 fl. Kapitalien, 364 Morgen Waldungen, und 242 Morgen Allmanden. Alle Hausbesitzer, | mit Ausnahme von Zweien, sind Gemeinderechtsbesitzer und erhalten jährlich 2–3 Klafter Holz. Die Schafweide, eine der bedeutenderen, wird mit 800 Stück beschlagen, und die Gemeinde bezieht jährlich 900–1000 fl.; der Pförch wird gewöhnlich unter die Gemeindeberechtigten durchs Loos vertheilt.

Auf dem Feld Weiler wird Kaufmann Bäumler in Merklingen demnächst einen eigenen Hof errichten.

In der Kirche befindet sich ein Gemälde aus der altoberdeutschen Schule vom Jahr 1490 auf Goldgrund, Jesus mit den Aposteln. Die Baulast der Kirche hat der Heilige, die des Pfarrhauses der Staat. Der Heilige oder die Stiftung zur heiligen Margaretha, wahrscheinlich von der helfensteinischen Familie herrührend, hat 7200 fl. Kapitalien und einige ewige Zinsen und Fruchtgülten.

In Hohenstadt hatte die Reformation Fuß gefaßt und vor der Nördlinger Schlacht befand sich ein lutherischer Prädikant allhier. Nach jener Schlacht wurde die katholische Lehre wieder eingeführt, und die Pfarrei durch die Wiesensteiger Stiftsherrn und ihre Vikarien in den Jahren 1637 bis 1670 excurrendo versehen und erst im Jahr 1670 wurde ein Stiftsvikar als Expositus angestellt. Das Patronatrecht übte das Stift Wiesensteig aus, bis es im Jahr 1806 an die Krone Württemberg überging.

Auf der Markung des Orts streicht die durch das Feuerbuch und die Au sich ziehende Römerstraße (vergleiche S. 117), von welcher noch deutliche Spuren sichtbar sind; auch wurden in früheren Zeiten hier römische Münzen gefunden.

Nach der Stiftungsurkunde des Klosters Wiesensteig vom Jahr 861 kam im genannten Jahre auch der Ort Hohenstadt im Flingau zum Kloster (locus in pago, qui dicitur Flina, hoc est, villa illa, quae dicitur Hohenstat); damals gehörte zu der Markung von Hohenstadt auch noch der Ort Weichstetten, welcher von der Schenkung an Stift Wiesensteig ausdrücklich ausgenommen wird (in pago, qui dicitur Flina, villa, quae dicitur Hohenstat, absque loco, | qui dicitur Weisteti; der Name hat sich noch in einem hohen, aus Wald und Gütern bestehenden Bezirk auf der nördlichen Grenze von Laichingen Oberamts Münsingen erhalten).

Im Jahr 1483 verkaufte Graf Ludwig von Helfenstein († 1494) für sich und seinen Bruder Graf Friedrich, der noch nicht mündig war, die Hälfte des Dorfes, welches bisher ganz den Grafen von Helfenstein gehörte, an Ulrich von Westerstetten Ritter um 950 fl., dessen Vorfahren schon von alten Zeiten her das halbe Dorf Lutolshausen (Luizhausen, vergl. Memminger Oberamt Ulm S. 206) von Württemberg zu Lehen trugen. Graf Eberhard d. ä. von Württemberg überließ nun dem von Westerstetten im Jahr 1485 solches Lehen als Eigenthum, dagegen dieser halb Hohenstadt an Württemberg abtrat. Herzog Christoph, gab im Jahr 1564 den Grafen von Helfenstein die Anwartschaft auf die Belehnung mit diesem Lehen, in den Besitz gelangten sie aber erst im Jahr 1586 (Sattler Herzoge 6, 225). Beim Aussterben des Helfensteinischen Mannsstammes (1627) fiel daher das halbe Dorf wieder an Württemberg zurück, während die andere Hälfte anfangs zu 2/3 Churbaiern, zu 1/3 Fürstenberg, nachher Churbaiern ganz gehörte, bis auch diese Hälfte im Jahr 1806 mit der Herrschaft Wiesensteig an Württemberg kam.


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