Beschreibung des Oberamts Geislingen/Kapitel B 3

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3. Amstetten,
mit der Parcelle Neuhaus. Gesammt-Einwohner 313.

a) Amstetten, evangelisches Pfarrdorf, 11/2 Stunden südlich von Geislingen, mit 299 Einwohnern, liegt auf der Alp in einer Lage, welche durch mehrere, gegen Südwest und West gelegene Höhen etwas vertieft ist; für sich selbst ist der Ort fast ganz eben und gegen Nord und Ost ziemlich offen. Er ist gesund; zur rauhen Winterszeit wird er öfters von heftigen Stürmen heimgesucht.

Amstetten gehört zum Dekanat Geislingen, Kameralamt Geislingen, Forstamt Blaubeuren. Der Name wird in älteren Urkunden Amb-, Ambt-, Amptstetten geschrieben.

Eine Viertelstunde westlich vom Orte ist ein großer Buchwald, der Kalkofen, mit sehr weiter Aussicht (s. S. 25).

Den großen Zehnten bezieht die Stiftung Ulm, welcher auch der kleine Zehnten, der übrigens zur Pfarrbesoldung überlassen ist, zugehört, den Blutzehnten bezieht die Pfarrei. An Gefällen bezieht der Staat nur noch 15 fl. 18 kr., | indem die Gemeinde alles abgelöst hat. Gülten haben einzelne Bürger an die Herrschaft, die Stiftungen zu Geislingen, Ulm, Altenstadt und im Orte selbst zu liefern.

Der Ort zählt 40 Wohngebäude, welche meist einstöckig und mit Stroh gedeckt sind. Er ist zum Theil weitläufig, nur an einzelnen Stellen etwas gedrängter angelegt, übrigens reinlich. Die Kirche, in katholischen Zeiten zum heiligen Lorenz, und das Schulhaus gehören der Ortsstiftung, das Pfarrhaus dem Staat, und mit der Baulast ist es das gleiche Verhältniß.

Die Einwohner nähren sich von Ackerbau und Viehzucht auf der bedeutenden Markung von 3283 M. und sind meist wohlhabend.

Der Erlös der Schafweide, welche mit 500 Stück beschlagen wird, fließt in die Gemeindekasse. Den Pförch genießen die realberechtigten Bürger, und zwar ein Bauer sechs, ein Söldner drei Nächte jährlich; außerdem genießt jedes Gemeinderecht 2 Allmandtheile und 11/2 Kl. Holz.

Die Stiftung besitzt ein Vermögen von 32.000 fl. Die Gemeinde hat weder Vermögen noch Schulden.

In die Pfarrei ist die Ziegelhütte ob der Steige (S. 134) mit 4 Einwohnern, welche zur Schultheißerei Geislingen gehört, eingepfarrt; in früheren Zeiten, vor 1800, war solche der Pfarrei Geislingen zugetheilt.

b) Die Parzelle Neuhaus, auch Bruckenwirthshaus genannt, 1/4 Stunde von Amstetten an der Ulmer Landstraße gelegen, mit 14 Einwohnern, besteht aus 2 Wohngebäuden und 1 Scheuer, welche im Jahr 1814 erbaut wurden, und in welchen 2 Familien wohnen. Die Parzelle hat keine eigene Markung. Sie gehört zur Parochie Amstetten.

Mit Geislingen theilte Amstetten ein und dasselbe Schicksal in Beziehung auf die Herrschaften, unter denen es stund. In der letzten ulmischen Zeit gehörte das Dorf zum Amte Nellingen, früher, bis zum Jahr 1649, war es selbst ein Amtsort. Bis zu Anfang dieses Jahrhunderts war in Amstetten das Reichsstift Kaisersheim begütert, | dessen Rechtsnachfolger der Staat ist. Er hat als solcher zu beziehen an Geld 5 fl. 36 kr., Dinkel 8 Scheffel 6 Simri 3 Vierling, Haber 8 Sch. 6 S. 3 V. Kaisersheim hatte allda 1 Hof 2 Feldlehen 4 Sölden, welche nunmehr vom Lehenverbande frei sind. Ein Hof in Amstetten, genannt des Vilseggers Hof, erscheint im Jahr 1340 im Besitze des Ritters Friedrich von Überkingen, welcher ihn im genannten Jahre um 103 Pfd. Heller an Kloster Blaubeuren verkauft. An dasselbe Kloster veräußerte im Jahre 1361 Johannes von Uffenloch seine 2 Güter und 1 Söld zu Amstetten für 80 Pfd. Heller.


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