Beschreibung des Oberamts Hall/Kapitel B 5

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5. Gemeinde Enslingen
mit 9 Parcellen und 817 Einwohnern.
Sämmtliche Parcellen, mit Ausnahme von Enslingen selbst, liegen auf der linkseitigen Kocher-Hochebene, auf dem sogenannten Kocheneck. Der Bezirk bildet einen Ausläufer, der nordwestlich an das Oberamt Oehringen und nördlich an das Oberamt Künzelsau grenzt. Er ist 13/4 Stunden lang und eine breit. An Enslingen fließt der Kocher vorüber und durch dasselbe führt die Vicinalstraße | von Hall nach Künzelsau. Durch die 1835 und 1836 neu angelegte Oehringer–Crailsheimer Vicinalstraße ist Herdlingshagen einerseits mit Geislingen und dem Kocherthal, andererseits mit Westernach und Waldenburg im Oberamt Oehringen verbunden. Wiesen und Äcker sind fruchtbar; auch findet etwas Weinbau Statt. Näheres hiernach. Die Gewerbe befriedigen bloß die örtliche Nothdurft. Wohlstand herrscht mehr in den Bergorten, als in Enslingen. Als Naturmerkwürdigkeit verdienen hier die S. 8 erwähnten Versinkungen erwähnt zu werden.

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Die ganze Gemeinde ist dem Forstamt Comburg zugetheilt. Am großen Zehenten zu Enslingen stehen 3/8 Hohenlohe Langenburg, 3/8 Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst, 1/8 dem Staat und 1/8 dem Hospital Hall zu. Ebenso verhält es sich hier mit dem Wein-, Heu-, Blut- und kleinen Zehenten; zu Arnsdorf gebühren dem Staat, wegen der Johannitercommende 1/3 und Hohenlohe-Langenburg 2/3; in Braunoldwiesen, Reisachshof und Rückertshausen dem Staat ebendeßwegen 15/45, demselben wegen der Reichsstadt 8/45 und einigen haller Privaten 22/45; zu Gaisdorf wegen der Landesoberheiligenpflege dem Staat; zu Herdlingshagen 1/3 dem Staat wegen der Commende und 2/3 Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst; zu Rückertsbronn 1/2 Hohenlohe-Langenburg und 1/2 dem Hospital zu Hall (ebenso verhält es sich hier mit dem kleinen und Blutzehenten); zu Schönenberg 1/4 Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst, 1/4 Hohenlohe-Langenburg und 2/4 dem Hospital Hall (ebenso hier am kleinen und Blutzehenten). Im Übrigen gebührt der kleine und Blutzehnte: zu Arnsdorf, Braunoldswiesen, Reisachshof und Rückertshausen mit 2/3 dem Staat, 1/3 der Pfarrei Eschenthal; übrigens wurde der Blutzehente in den drei letztgenannten Orten 1841 um 152 fl. abgelöst; in Gaisdorf ganz dem Staat; zu Herdlingshagen 2/3 Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst, 1/3 der Pfarrei Eschenthal. Der Novalzehnte gehört in Enslingen und Herdlingshagen zu 1/2 dem Staat und 1/2 Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst; zu Rückertsbronn 3/4 dem Staat und 1/4 Hohenlohe-Langenburg; zu Schönenberg 3/4 dem Staat und 1/4 Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst; im Übrigen dem Staat. Was die sonstigen grundherrlichen Rechte betrifft, so ist in Herdlingshagen das Seniorat der fürstl. Häuser Hohenlohe (Hohenlohe-Oehringen) betheiligt, während sie in den andern Parcellen dem Staat, der Stadtpflege, dem Hospital und der Armenverwaltung Hall, auch Privaten, zustehen. An den Rechten des Staats hat die Gemeinde seit 1817 für 7624 fl. 42 kr. Kapital abgekauft. – Nach Enslingen sind Gaisdorf und Schönenberg, nach Geislingen Rückertsbronn, nach Eschenthal, O.A. Oehringen, die übrigen Parcellen eingepfarrt. | In Enslingen ist eine Schule. Sämmtliche Parcellen waren Bestandtheile des alten hallischen Amtes Kocheneck, mit dem sie 1803 Württemberg zufielen.

a. Enslingen, Pfarrdorf mit 370 Einw., worunter 1 Kath. und 57 Gemeinderechten, worunter 15 comburgisch, 1 commenthurisches und 41 althallische (davon 13 dem Hospital) mit 854/8 Mrg. vertheilten und 100 Mrg. unvertheilten Allmanden und Waldungen; liegt hart am Kocherfluß, über den hier eine steinerne Brücke führt, auf dem linken Ufer, zwischen Unter-Münkheim und Geislingen 11/2 Stunden nordöstlich von Hall. Nahe dabei fließt der Bach Enselbach vorbei, der mit dem Ortsnamen verwandt zu seyn scheint. Enslingen beherbergt ein Volk, das sich durch einen nüchternen, sparsamen und arbeitsamen Wandel auszeichnet und den Kampf mit dem Mangel an größerem Güterbesitz, welchen das sehr schmale Kocherthal bei einer sehr starken Bevölkerung nothwendig herbeiführen mußte, würdig zu bestehen weiß. Wiesen und Äcker sind fruchtbar. Die 545/8 Mrg. Weinberge sind durch die südliche Lage und die Vertiefung des Berges, worin sie liegen, begünstigt, liefern aber nur in bessern Jahren ein ordentliches Getränke. Eine Brauerei mit Schildwirthschafts-Gerechtigkeit und eine Mahlmühle begreifen die wenig namhafteren Gewerbe in sich. Das Patronatrecht steht abwechslungsweise den Standesherrschaften Hohenlohe-Kirchberg und Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst zu. Früher waren auch Übrigshausen und Kupfer hierher gepfarrt, wurden aber 1830 Unter-Münkheim zugewiesen. Die Baulast am Pfarrhaus haben die Patronatsherrschaften, an der Kirche und an der 1843 neuerbauten Schule aber das königl. Cameralamt Namens der Oberlandesheiligenpflege. Die Kirche ist zu klein und soll nach bereits geschlossenen Verhandlungen neugebaut werden. Das Gemeindevermögen ist durch einen Wald von 70 Mrg. und 20 Mrg. Wiesen, die Enslingen allein besitzt, nicht unansehnlich. Im Wappen führt die Gemeinde eine Traube. In neuerer Zeit wurde der Friedhof außerhalb Etters verlegt.

Hall, Comburg und die Johannitercommende waren Dorfherren und jedes hatte auf seinen Gütern die Vogtei und niedere Obrigkeit. Schon 1102 kommt ein Lehen zu „Nensilingen“ von Graf Heinrich v. Rothenburg durch Heinrich v. Mulfingen an das Kloster Comburg; und 1314 besitzt Philipp Eberhard v. Eltershofen die hiesige Mühle als Lehen von Comburg. (s. Menken a. a. O. 392 u. 411.) Die verschiedenen Besitzungen Halls zu Enslingen kamen: 1517 und 1518 von Simon Berler; 1521 von Comburg; 1536 von Hieronymus v. Vellberg die Güter und Gefälle, welche 1361, 1372 und 1382 und 1458 Hug und Volkart v. Vellberg erworben hatten; 1516 von Caspar Eberhards | Erben; 1539 von Apollonia, Werners v. Stetten Wittwe; 1564 von Graf Ludwig Casimir von Hohenlohe, 1580 von Conrad v. Vellberg, und 1589 von Martin Friedrich und Erasmus Schlez an die Reichsstadt. Die comburgischen Besitzungen dagegen verkauft 1445 Jerg v. Eltershofen an das Kloster, von welchem sie an die Senft, Schlez und v. Crailsheim übergingen und auf Absterben Carl Fortunat Senfts v. Suhlburg 1640 nebst einem Antheil am Zehenten, deßgleichen auf den Tod des Christoph v. Crailsheim 1647 und des Obersten Friedrich Schlez, 1656 Comburg wieder heimfielen. Die commenthur’schen Besitzungen endlich kamen 1560 an die Johannitercommende Hall.

Die Pfarrei ist neueren Ursprungs; eine Capelle aber stand hier schon frühe; bereits 1392 verkauft Walther v. Tullau dem Heiligen sein Eigenthum an einem Gütlein zu Schöneberg, welches zuvor Catharine v. Tullau, eine Klosterfrau zu Unter-Limpurg, inne gehabt; 1418 verleiht der Heilige die (im dreißigjährigen Krieg abgegangene) Badstube. Im J. 1405 aber geben Prior und Convent zu Goldbach auf der Gemeinde Ansuchen zu, eine Capelle und ewige Meß zum heil. Bischof Pricius aufzurichten und neu zu stiften, welche sie von ihrem Eigen begabt und begutet hat und soll das Patronatrecht dem Kloster zuständig seyn und ein jeder Caplan solcher Capelle, welche ein Filial der Pfarre Münkheim ist, seine Residenz allda haben und jährlich eine Jahrzeit halten. Unter der Dotation sind mehrere Güter zu Enslingen und Gaisdorf und der halbe Theil am großen und kleinen Zehenten zu Schöneberg. So blieb Enslingen Filial von Unter-Münkheim. Im J. 1543 entließ aber Hohenlohe den bisherigen Frühmeßcaplan und bestellte einen evangelischen „Diaconus,“ der dem Pfarrer in Unter-Münkheim „in der Nothdurft behilflich seyn solle:" (Wibel a. a. O. I. 344.) Von dem Kloster Goldbach ging das Patronatrecht auf Hohenlohe über. Die Kirche war früher ein Wallfahrtsort zu den 7 Nothhelfern.

Ein Theil des Zehentens, welchen die hohenlohenschen Standesherrschaften besitzen, war hohenlohensches Lehen der Senfte, mit welchem sie 1347 von Graf Kraft III. von Hohenlohe belehnt wurden; 1473 wurde Eitel Eberhardt v. Eltershofen damit, nebst den Zehnten zu Eltershofen, Hohenstein und Anhausen von Graf Albrecht v. Hohenlohe zu rechtem Mannlehen belehnt. (Vgl. Unter-Münkheim.) Das 1/8 des Staats rührt, wie zuvor bemerkt, von Comburg her. Sein 1/8 erwarb der Hospital Hall 1576 von Sebastian, Hans und Albrecht, Gebrüdern von Crailsheim.

Auch Enslingen hatte seine eigene Edlen, deren Burg oberhalb der Weinberge unterhalb Schöneberg gestanden seyn soll. Von | dieser Burg sind keine Spuren mehr sichtbar, dagegen finden wir die v. Enslingen durch ein paar Jahrhunderte hindurch in Urkunden. Namentlich 1261 Cunradus de Ensilingen (Wibel a. a. O. II. S. 67), 1278 Johannes (ebenda S. 92); 1329 Conrad (ebenda S. 188); 1350 Conrad; 1379 und 1386 Walther und 1383 Adelheid; 1418 Hans v. Enslingen als limpurgischen Vasallen und Besitzer eines Theils von Schloß Vellberg; 1422 Krafft v. Enslingen, dessen Mutter Wilhelms v. Rechberg Wittwe und seine Schwester Anna v. Bachenstein; 1427 Krafft und Ulrich v. Enslingen hohenlohensche Vasallen (Wibel a. a O. I. S. 126) ; 1428 Hans, Krafft, Catharine und Margareth v. Enslingen; 1431 Claus hohenlohenschen Vasallen (Hanselmann, diplom. Beweis S. 496); 1432 stirbt Hans ohne männl. Erben als Besitzer eines Theils v. Vellberg; 1455 und 1466 Krafft; 1479 Claus, genannt Hurdelbach. Der letzte des Geschlechts soll 1534 in einem Soldatengelag ermordet worden seyn.

Bemerkenswerth ist ein Vorfall, welcher beweist, zu welchen ärgerlichen Auftritten der Streit um die obrigkeitlichen Rechte führten. Als 1692 hier ein comburgscher Hintersaß starb, ließ ihn Hall hier begraben; am andern Tage verlangte Comburg die Ausfolge des Leichnams, was verweigert wurde. Nun schickte der Bischof von Würzburg, als Comburgs Schutzherr, 20 Reiter, welche die Leiche ausgruben und mit Gewalt wegführten.

Oberhalb Enslingen lag noch 1454 der Hof Bernspach.

b. Arnsdorf, Weiler mit 57 Einwohnern, worunter 1 Kath., 7 hallischen Gemeinderechten und 13 Mrg. 11/2 Vrtl. unvertheilter und 3 Mrg. 2 Vrtl. vertheilter Allmanden; liegt auf dem östlichen Ende des Kochenecks, ist eine Stunde von Enslingen entfernt und grenzt an das Oberamt Künzelsau (Braunsbach). Wie erwähnt ist Arnsdorf Filial von Eschenthal. Da das Patronatrecht daselbst 1278 durch Schenkung Walthers v. Limpurg an die Johannitercommende kam (Wibel a. a. O. II. S. 89), so ist hieraus zu folgern, daß damit auch die Zehenten zu Arnsdorf, Braunoldswiesen, Brachbach, Herdlingshagen und Rückertshausen, welche die Commende zwar 1467 verkauft, aber sogleich wieder eingelöst hatte, an dieselbe übergegangen sind. In Arnsdorf war zuletzt nur Hall begütert und berechtigt. Fünf Güter gehörten der Reichsstadt selbst. In einer Schenkungsurkunde Conrads v. Krautheim gegen das Kloster Gnadenthal kamen an dasselbe auch 1266 Güter zu Arnsdorf (Wibel a. a. O. II. S. 76), welche mit der Reformation an Hohenlohe gelangten und 1564 Graf Ludwig Casimir v. Hohenlohe an die Reichsstadt Hall abtrat, wohin Schenk Erasmus von Limpurg 1523, und Simon Berler 1524, den sogenannten Berlerhof gebracht hatte. Den letztern hatte 1402 Heinrich Eberhard mit andern Gütern zu Übrigshausen und | Kupfer an Hans Schlez, sodann 1428 Catharina Schlez, Heinrich Spieß Wittib, an Hans v. Bachenstein, und 1433 Hans Bachensteins Wittwe an Hans Götz verkauft. Ebenso verkaufte 1576 Sebastian, Hans und Albrecht v. Crailsheim zwei bedeutende Höfe an die Reichsstadt. – Die zwei andern Güter waren St. Michael in Hall gültbar. Im J. 1474 verkaufte ein Bauer sein freieigenes Gut der dortigen Brüderschaft.

Noch 1682 lag ein Weiher bei dem Orte.

c. Braunoldswiesen, früher wohl auch Burkardswiesen, dann Braunolzwiesen und Braunholzwiesen, Weiler mit 19 ev. Einw., aus einem in zwei Hälfte getheilten Gemeinderecht ohne Gemeindegüter bestehend, liegt an der äußersten nordöstlichen Grenze gegen das Oberamt Oehringen 5/4 Stunden von Enslingen. Im Jahr 1037 kommt Burchardeswisen totum (Wibel a. a. O. II. S. 10) an das damals neu fundirte Stift Oehringen: womit wahrscheinlich unser Ort gemeint ist; 1427 ist Hans v. Bachenstein zu Dettingen gesessen und Margarethe v. Enslingen seine Hausfrau im Besitze des Hofs; 1478 verkauft ihn jedoch Hans v. Bachenstein und Margaret v. Stetten seine Hausfrau an den Heiligen zu Rieden, der ihn 1486 mit andern Gütern an den Hospital zu Hall verkauft, welcher noch im Besitz ist.

d. Gaisdorf, früher auch Geiselsdorf, Geiselbrechtsdorf und Geisdorf, Weiler mit 95 evang. Einwohnern, 13 Gemeinderechten, 281/2 Mrg. unvertheilten Allmanden; liegt nördlich, 1/2 Stunde von Enslingen, auf dem Kocheneck, wohin von Enslingen aus 1836 ein neuer Weg gemacht worden ist. – In der Schenkungsurkunde Adelberts v. Bielrieth 1078 an das Kloster Comburg erscheint ein Erchinbertus de Gissendorf. Im Jahr 1386 gibt Ulrich v. Hohenlohe 1/6 am großen und kleinen Zehenten an den Heiligen zu Unter-Münkheim; 1448 eignet Kraft v. Hohenlohe dem Heiligenpfleger daselbst das Halbtheil am großen und kleinen Zehenten zu Geißelbrechtsdorf mit Ausnahme obigen 1/6 und 1448 verkauft auch Jerg v. Eltershofen seinen Antheil an diesem Zehenten an den Heiligen zu Unter-Münkheim, mit welchem sich 1513 das Kloster Goldbach, welches schon 1380 einen Antheil hatte, wegen desselben vergleicht. Die Gülten und Güter zu Gaisdorf kamen 1530 von Michael Prettelin, 1536 von Hieronymus v. Vellberg, 1571 von Bernhard Schultheis zu Gaisdorf, 1558 von Eberhard v. Stetten, 1564 von Graf Ludwig Casimir v. Hohenlohe, 1575 von Georg Druckenmüller und 1581 von Hans Schultheis zu Gaisdorf an die Reichsstadt Hall.

Im J. 1682 lagen hier zwei 1/2 Mrg. große Weiher.

e. Herdlingshagen, früher auch Hertwigshagen und Hertlishagen, | mit 27 evang. Einw., 4 Gemeinderechten, zwei hallischen und zwei senftischen (Hohenlohe-Oehringen), liegt an der oben erwähnten Vicinalstraße, 3/4 Stunden nordwestlich von Enslingen. Die Einwohner sind sehr wohlhabend. Der Bauer Küstner ist ein vorzüglicher Landwirth.

Im Jahr 1042 besitzt das Hochstift Würzburg Güter zu Geroldeshagen in pago Cochengowe durch König Heinrich III. (Mon. boic. 29 a. 357) welche, wenn sie nicht nach Hagen (Unter-Münkheim) gehören, wahrscheinlich unserem Herdlingshagen angehören; und 1521 kommen einige Gülten vom Stifte Comburg zu Hartwigshag an die Stadt Hall. Wegen des commenthurischen Zehentes wird auf Arnsdorf und wegen der fürstlich hohenlohenschen Besitzungen auf das senftische Lehen bei Unter-Münkheim verwiesen. Die Vogtgülten, welche die Stadtpflege Hall besitzt, sind vormals weinsbergisches, nun württembergisches Kronlehen, und ruhten auf einem Lehengute.

f. Reisachshof, Weiler mit 18 evang. Einw. und 3 Gemeinderechten, ohne Gemeindegüter, früher nur Hof, liegt eine halbe Viertelstunde nördlich an Herdlinshagen gegen Braunoldswiesen.

Im J. 1441 verkauft Göz v. Bachenstein und seine Ehefrau Anna Trautwein den Reisachshof an seine Schwäger Conrad, Wilhelm und Daniel Trautwein, als comburgisches Lehen; 1466 wird derselbe von Daniel Trautwein Comburg geeignet, welches ihn 1521 an Hall verkauft. Zugleich erwirbt Hall von Comburg auch die Gütlein, welche im J. 1385 Heinrich v. Oringewe an Pfaff Niclas Sporer, Pfarrherr zu Eschenthal, auf der Lauterburg zwischen Reisachshof und Rückertshausen, verkauft und letzterer 1403 dem Stift Oehringen gegen ein Leibgeding übergeben hatte. Ihren Zehentantheil erwarb die Reichsstadt 1708.

Über die vorhin erwähnte Lauterburg ließ sich nichts Näheres auffinden. Nahe dabei lag auch ein Ort Lautenbach oder Lauterbach, der schon 1528 verschwunden war.

g. Rückertsbronn, Weiler mit 48 Einw., worunter 3 Kath., besteht aus 6 hallischen Gemeinderechten, mit 133/8 Morgen vertheilten und 4 Mrg. 37 Rth. unvertheilten Allmanden; liegt nördlich 1 Stunde von Enslingen, über dem Kocherthal. Die Hälfte des Zehenten hat der Hospital Hall 1495 vom dortigen Magistrat erworben. Sämtliche Gefälle stehen dem Hospital Hall zu.

Im Jahr 1427 verkauft Hans v. Bachenstein der ältere zu Dettingen gesessen, und Margareth v. Enslingen seine Hausfrau an Hans Götz zu Enslingen, den Weiler nebst Burgstadel daselbst mit aller Zugehör; 1444 lösten die Bachenstein’schen den Weiler wieder aus und verkauften ihn 1478 an die Heiligenpflege | zu Rieden. Im Jahr 1486 sodann verkaufe der Heilige denselben mit vielen andern Gütern (worunter Braunoldswiesen, Rückertshausen u. s. w.) wieder an den Hospital zu Hall, welcher dagegen die Verpflichtung übernahm, beiden Caplanen zu Rieden jährlich 50 fl. zu zahlen.

Auch über die zuvorgedachte Burg fehlen weitere Nachrichten.

h. Rückertshausen, Weiler mit 104 evang. Einw., besteht aus 10 Gemeinderechten mit 13/8 Mrg. vertheilter und 63/8 Mrg. unvertheilter Allmanden, sämmtlich hallisch und liegt 11/2 Stunde nördlich von Enslingen. Der Hospital zu Hall besitzt hier 7 Güter.

Im Jahr 1037 kam das Stift Oehringen durch seine Gründer in den Besitz von Ruggartehuse ex toto (Wibel a. a. O. II. S. 10); 1397 verkaufte Peter v. Stetten an Eitel Eberhardt die Gefälle aus 10 Gütern zu Rückertshausen; 1436 und 1437 verkauften solche Heinrich und Jörg Eberhardt an Anna Vischlin und 1446 Heinrich Vischlin an den Heiligen zu Rieden und 1486 verkaufte sie derselbe an den Hospital zu Hall (vgl. Rückertsbronn). Ferner vermachte 1363 Hans Lecher d. ä. Bürger zu Hall an den Maria-Magdalena-Altar zu St. Michael ein Gut, und verkaufte 1407 Hans Eisenhut, Bürger zu Hall, zwei Güter an die Veldnerkapelle daselbst. Im Jahr 1523 und 1708 verkauften die Schenken v. Limpurg den größten Theil der Zehenten an den Magistrat zu Hall.

Im Jahr 1682 lag hier ein Weiher.

i. Schönenberg, Weiler mit 79 evang. Einw. und 11 Gemeinderechten, 86 Mrg. 3 Vrtl. unvertheilten Allmanden und Waldungen, sämmtlich althallisch, liegt auf der nördlichen Seite von Enslingen auf dem Bergkopf, der gegen das Kocherthal hereinragt und sehr steil gegen Enslingen abfällt. Unterhalb Schönenberg stand die Burg derer v. Enslingen. Die Gemeinderechtsbesitzer haben 30 Morgen Feldgüter, welche ziemlich unfruchtbar waren und 1811 zu einem Wald angelegt wurden, welcher jetzt im schönsten Flor steht.

Im Jahr 1344 verschafft Friedrich Egen, Priester zu Hall, an unser Frauen-Altar in der dortigen St. Catharinenkirche, seinen hiesigen Hof und 6 Morgen Weinberge zu Enslingen; 1523 verkaufen die Schenken v. Limpurg, 1542 Veit v. Rinderbach und 1558 Eberhard v. Stetten ihre Besitzungen zu Schönenberg an Hall. Welchem Geschlechte Hans v. Schönberg, der 1396 ein Gut zu Gottwolshausen besaß, angehörte, ließ sich nicht ermitteln.


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