Beschreibung des Oberamts Heidenheim/Kapitel B 11

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel B 10 Beschreibung des Oberamts Heidenheim Kapitel B 12 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
11. Gemeinde Hausen ob Lonthal
oder auch, von einer weit sichtbaren Waldlücke, durch welche die Staatsstraße von Heidenheim nach Ulm führt, Hausen an der Lücke genannt, bestehend aus dem kleinen evangel. Pfarrdorf dieses Namens mit 124 Einw. Dieser Ort bildet erst seit 1831 eine eigene bürgerliche Gemeinde, nachdem er längere Zeit eine Parzelle von Herbrechtingen gewesen war. Bemerkenswerth ist, daß die Bevölkerung binnen 20 Jahren von 84 auf 124 gestiegen ist. – Die Markung (1190 M.) stößt an die von Dettingen und Heuchlingen, und ist auf drei Seiten vom Oberamt Ulm umgeben. Ein Theil des meistens trockenen Hungerbrunnenthals durchschneidet den kleinen Bezirk, der, obgleich weniger hoch gelegen und rauh als die nordwestlichen Nachbarmarkungen, doch windig und ziemlich wasserarm ist und einen steinigten Boden hat, der an Ergiebigkeit der Umgegend nachsteht. Die Feldgüter, sowie die Waldungen sind fast das ausschließliche Eigenthum | von 6 Bauern, während die übrigen 12 Bürger (sogenannte Söldner) ihre Güter meist auf Dettinger, Heuchlinger und Bissinger Markung haben. Die 678 M. betragenden Äcker werden, mit Ausnahme von 59 M., flürlich gebaut, und ertragen vorzugsweise Dinkel und Gerste, von jenem 6–7, von dieser 31/2–4 Scheffel p. Morgen. Besser als in der Nachbarschaft gedeihen hier die Erbsen. Flachs wird für den eigenen Bedarf, wenig für den Verkauf gebaut. Brachanbau wird, weil die Güter größer und minder gut sind, weniger stark als in der Umgegend betrieben. Der Wiesenbau (50 M.) ist des trockenen und hitzigen Bodens wegen, wenig ergiebig und für das Bedürfniß unzureichend; er erträgt nur im nassen Sommer 12 Centr. Heu und 6 Centr. Öhmd p. M., in trockenen an ersterem kaum die Hälfte und letzteres gar nicht. Obst wird in einigen Gärten mit Fleiß und zum Theil in guter Qualität gezogen. Zu den Hofgütern gehören 3612/8 M. schöner Laubwaldungen, aus welchen viel Nutzholz gewonnen wird. – Der Feldbau wird fast ausschließlich mit Pferden betrieben, daher auf einen starken Schlag um so mehr gesehen wird, als hier eine Vorspannstation für die Frachtfuhrleute sich befindet. Die Rindviehzucht ist in einem mittelmäßigen Zustand; Waidetrieb findet nicht statt. Die Schafwaide wird mit einheimischen Schafen beschlagen und erträgt an Pacht jährl. 250 fl. Bienenzucht wurde früher mit mehr Glück als jetzt betrieben, was man dem zunehmenden Gypsen der Felder zuschreiben will. Von Gewerben ist nur eine Schildwirthschaft und eine Bierbrauerei zu nennen.

Die Einwohner sind größtentheils wohlhabend, einige reich; Arme sind nicht im Ort. Das Gemeindevermögen ist dagegen sehr unbedeutend. Von bürgerlichen Nutzungen trifft es jedes Haus 1/8 M. Acker, und ein Krautbeet. Der große Zehente gehört dem Staat, der kleine der Pfarrei. Die Herrschaft- und Jagdfrohnen, und von 7 Privaten 1 fl. 15 kr. jährl. Gebäudeabgaben sind abgelöst.

Das Dörfchen Hausen liegt hoch und eben an der Ulm-Nürnberger Staatsstraße, 41/4, geom. St. südlich von Heidenheim. Es ist ziemlich freundlich und reinlich und zählt 25 Wohnhäuser, deren größtentheils gutes Aussehen den Wohlstand der Bewohner verkündet. Die Kirche ist klein und ziemlich schlecht gebaut; 1835 wurde der alte, geschmacklose Thurm abgebrochen und an seiner Stelle ein gefälliger neuer erbaut, bei welcher Gelegenheit die oben beschriebene merkwürdige römische Inschrift zum Vorschein kam. Der Heilige besitzt 1000 fl. Kapital, und hat die Kultkosten, die Gemeinde aber die Kirchenbaulast zu bestreiten. Das Pfarrhaus wird vom Staat unterhalten. Der Begräbnißplatz befindet sich am Südende des Ortes und umgiebt die Kirche. Im J. 1821 wollte man die kleine Gemeinde mit Bissingen, Oberamts Ulm, kombiniren, allein dieselbe | protestirte, und behauptete ihr altherkömmliches Recht, „sich eines eigenen Geistlichen zu erfreuen.“ Im J. 1823 erbaute die Kommun ein neues Schul- und Rathhaus. Der Ort hat einige gute, in trockenen Jahren jedoch nicht ausreichende Quellbrunnen.

Im helfensteinischen Theilungsbriefe von 1356 kommt die Vogtei über die Kirche zu Hausen in Luntal unter dem Antheil des jüngern Grafen Ulrich vor. Im ältesten Salbuch von Heidenheim ist gesagt: „die Herrschaft ist über den ganzen Kirchensatz Vogt und Herr.“ Hofgüter besaßen allhier Kl. Anhausen, im 16., 17. Jahrhundert auch die Familie von Westerstetten.

In Folge der Leiden des 30jährigen Krieges war einige Jahre lang die Pfarrei Hausen mit der in Dettingen kombinirt.

Mit Heidenheim wurde der Ort württembergisch.



« [[Beschreibung des Oberamts Heidenheim/|]] Beschreibung des Oberamts Heidenheim Kapitel B 12 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).