Beschreibung des Oberamts Heilbronn/Kapitel B 1

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| OAHeilbronn-160.jpg |
B.


Ortsbeschreibung,


in alphabetischer Reihe der den Oberamtsbezirk bildenden 17 politischen Gemeinden oder Schultheißereien; jedoch unter Voranstellung der Oberamtsstadt.

Die am Schluß beigefügten Tabellen gewähren übersichtliche Zusammenstellungen: I. der Bevölkerung, der Gebäude und des Viehstandes: II. des Flächenmaßes nach den verschiedenen Bestandtheilen, und III. des Steuer-Katasters, des Gemeinde- und Stiftungshaushaltes.

Die Oberamtskarte zeigt die geographische Lage der Orte.


1. Gemeinde Heilbronn,
mit den Parcellen Wartberg, Jägerhaus und Trappensee.


Gesammteinwohner 11.653 Ortsangehörige, worunter 676 Katholiken, 42 eig. Conf. und 36 Juden.
Ortsanwesende sind es nach der Zählung vom 3. Dez. 1861 14.333.

Heilbronn, die Oberamtsstadt, bis 1803 freie Reichsstadt, liegt unter 26° 52′ 56,56″ östlicher Länge und 49° 8′ 31,55″ nördlicher Breite, 123/4 geogr. Stunden von Stuttgart entfernt.

Die Stadt ist eine Gemeinde erster Classe und der ortsanwesenden Bevölkerung nach die dritte des Königreichs, denn nur Stuttgart und Ulm haben noch mehr Einwohner.

Seitdem die Stadt nicht mehr Reichsstadt ist, war sie vom Febr. 1803 an bis 1806 der Sitz einer der zwei Landvogteien in Neuwürttemberg, 1806 bis 1817 Sitz einer der 12 Landvogteien des Königreichs, und gehört jetzt zu dem Neckarkreise.

Heilbronn liegt am Neckar, welcher bei der Stadt durch zehn Fuß hohe Wöhre geschwellt ist, um mehrere Wassergassen für Mühlen zu gewinnen, so daß die Schiffe hier früher umgeladen werden | mußten, bis 1819 König Wilhelm den Wilhelmskanal mit einem Hafen erbauen ließ.

Der Neckar ist unter der Brücke 220 Schuhe breit, und gewährt mit seinen Schiffen und Flößen (unter dem Kanale auch mit vier Dampfern) eine schöne Ansicht.

Der Neckar durchströmt ein eine Stunde breites Thal, dessen Überschwemmungsgebiet Wiesen bilden; etwas höher liegen Gärten und Äcker, an den Abhängen der Hügel und Berge sind Reben, auf der Nordseite und auf den Höhen der Berge Wälder.

Die Gärten und Wiesen sind seit unvordenklichen Zeiten zehentfrei.

König Rudolph von Habsburg belehnte Albert, einen seiner Söhne, mit der Grafschaft Löwenstein und am 18. Mai 1283 auch mit dem Zehnten der Pfarrei Heilbronn. 1296 verkaufte dieser Graf Albrecht einen Theil seines Zehnten an den Grafen Ludwig von Öttingen, der 1308 wegen des Zehnthofs und dessen Besteuerung und 1370 wegen Bauens mit der Stadt Verträge abschloß.

Am 9. Junius 1451 kam die Herrschaft Löwenstein, Burg und Dorf Weiler, der Schafhof zu Breitenau und Zehnten zu Heilbronn an die Wittwe des Churfürsten Ludwig von der Pfalz.

Im Jahr 1453 heirathete Graf Ulrich V. diese Wittwe, und so kam der größte Theil des Zehntens an Württemberg.

Als 1519 Herzog Ulrich vertrieben wurde, zog die Stadt den württembergischen Zehntantheil ein; und es kam ein Theil des Zehnten an den Patricier Conrad Erer. Mit dem Herzogthum eroberte Ulrich 1534 den Zehnten wieder und der württembergische Zehnthof hatte schon zur Zeit der Reichsstadt den größten Theil des Zehntens sowohl auf der alten Heilbronner Markung, als auch auf der mit Heilbronn später vereinigten Markung des abgebrochenen Dorfes Alt-Böckingen.

In der späteren Zeit gehörte

I. der Weinzehnten
A. aus 1401 Morgen der alten Markung – Württemberg.
B. aus 426 Morgen Alt-Böckinger Markung. -
1. Württemberg
wegen des ehem. Löwenstein’schen Pfleghofs 2 Theile.
wegen des von Hans Heinrich von Ehrenberg heimgefallenen Lehens 1  "
wegen des Klosters Lichtenstern 1  " |
2. Der Würzburgischen Kammer; seit 1803 Fürst von Löwenstein-Wertheim
wegen der Ehrenberg’schen und Erer’schen Erben
3  "
3. Der Freifrau v. Degenfeld zu Rappenau
wegen der Erer’schen Erblehen
1  "
4. Der Pfarrpflege Heilbronn 1 "  
9 Theile.
II. der große Fruchtzehnten aus 2378 Morgen gehört Württemberg, welches 1/10
davon der Pfarrpflege abzugeben hatte.
III. vom kleinen Zehnten in Gerste, Erbsen, Linsen, Hirse, Rüben, Kraut
bezog im Heilbronner Bezirk Württemberg
2/3
die Pfarrpflege Heilbronn 1/3
IV. im Alt-Böckinger Distrikt aus 261 Morgen gehörte
A. am großen Fruchtzehnten
1. der Pfarrpflege als Voraus 8/80
2. Württemberg wegen des Pfleghofs 2 Theile
    wegen des Heinr. v. Ehrenberg’schen Lehens 1 Theil,
    vom Kloster Lichtenstern 1 Theil 36/80
3. Löwenstein-Wertheim von Hans Dietrich v. Ehrenberg her 2 Theile,
    wegen Melchior und Christoph Erer und Conrad Erers Kinder 1 Theil
27/80
4. Freifrau v. Degenfeld 9/80
80/80.
B. am kleinen Fruchtzehnten und aus 56 Morgen Wiesen hatten
1. die Pfarrpflege Heilbronn 4/12
2. Württemberg wie oben 4/12
3. Löwenstein wie oben 3/12
4. Freifrau v. Degenfeld 1/12.
V. Aus 158 Morgen Wiesen auf der alten Heilbronner Markung am rechten Neckarufer
hatte bis zur Ablösung Württemberg 2/3, die Heilbronner Pfarrpflege 1/3 des Heuzehntens.

So bedeutend auch der Zehnten war, der jetzt abgelöst ist, so wurde er doch nur auf dem Felde gegeben; auch der Weinzehnte wurde in dem Weinberge aus dem Bergzuber gereicht und zwar nur der 13. Theil.

| Gülten, Landacht und andere Feudallasten hafteten auf Heilbronner Gütern nicht.


Beschaffenheit der Stadt Heilbronn.

Die Stadt wird an ihrer Westseite von dem Neckar bespült und war im Mittelalter, bis die mit Pulver geladenen Geschütze in Gebrauch kamen, eine der festesten Städte Deutschlands. Schon unter den Hohenstaufen hatte sie eine Ringmauer, die unter Rudolph v. Habsburg noch mehr befestigt wurde. In hundert Fehden mit Rittern der Umgegend wurde die Stadt berennt und bald von den Pfalzgrafen am Rhein und bald von den Markgrafen von Baden und den Grafen von Württemberg ernstlich belagert, insbesondere in den Jahren 1349, 1388, 1449, aber nie vermochte ein Feind in die Stadt selbst einzudringen.

Seitdem (bald nach dem Jahr 1333) das Mühlwehr, welches damals noch oben an der südwestlichen Ecke der Stadt beim viereckigen Thurm stand, weiter abwärts an die untere Ecke der Stadt verlegt worden, ist sie auf der Westseite durch den aufgestaueten Fluß geschützt, und auf den übrigen Seiten hinderte ein 30 Schuh tiefer Stadtgraben, eingefaßt von senkrechten Quadermauern und abgetheilt durch spanische Reuter, das Eindringen, weiterhin ein abschüssiger Zwinger, und ringsherum hohe Stadtmauern aus gebuckelten Quadersteinen, welche im Jahr 1482 mit einem Gange Brustwehren und Schießscharten versehen und mit einem Ziegeldache bedeckt worden waren.

Fünf Casematten vertheidigten den Graben, welcher sein Wasser theils durch Quellen, theils vom Neckar aus erhielt; und 10 Thürme dienten zur Vertheidigung der Stadtmauern.

Die meisten dieser Thürme waren mehr als 100 Schuhe hoch und unter drei derselben waren die Hauptthore der Stadt mit Zugbrücken, Vorwerken und Schanzen versehen.

An der nordwestlichen Ecke der Stadt stand eine Citadelle, das große Bollwerk genannt, im Jahr 1632 von den Schweden unter Gustav Horn und Oberst v. Schmidtberg angelegt und 1647 von den Franzosen unter Marschall Turenne vollendet.

Weiter oben am Neckar stand das kleine Bollwerk um die Brücke zu vertheidigen und einen Angriff von der Hefenweilerinsel her abzuwehren.

So sah die Stadt noch aus, als Göthe sie auf seiner Reise nach Italien[ws 1] am 28. August 1797 besuchte, und darüber schrieb:

| „Wenn man sich einen günstigen Begriff von Heilbronn machen will, so muß man um die Stadt gehen. Die Mauern und Gräben sind ein wichtiges Denkmal der vorigen Zeit. Die Graben sind sehr tief und fast bis herauf gemauert, die Mauern hoch und aus

Quaderstücken gut gefügt. Die Steine waren als Rustica gehauen. Eine schöne Allee führt um den größten Theil des Grabens. Sie besteht aus Linden und Castanien, die als Gewölbe gehauen und gezogen sind.“

Der große Eugen ließ Heilbronn in den Jahren 1734 und 1735 noch mit vielen Verschanzungen jenseits des Neckars und des Stadtgrabens versehen, so daß die Stadt damals eine Reichsfestung war, und bis zu ihrer Mediatisirung durfte Niemand vor der Stadt wohnen.

Sogar dem Stadtschäfer wurde erst 1839 ein Wohnhaus neben dem Schafstall erbaut.

Aus diesem Grunde hat die alte Stadt sehr enge Gäßchen, im Innern nur wenige Gärten und kleine Höfe, und die meisten Häuser sind, um mehr Raum zu gewinnen, so gebaut, daß der obere Stock immer etwas über den untern hervorragt.

Die Erdgeschoße sind aus Sandsteinquadern erbaut, die oberen Stockwerke haben Riegeln, die ausgemauert sind, die Dächer sind seit 1480 alle mit gebrannten Dachplatten, jetzt einige auch mit Schiefer bedeckt.

Auch Feuersbrünste haben Heilbronn weniger gelichtet und zu Neubauten Anlaß gegeben, als viele andere Städte.

Es sind zwar von Zeit zu Zeit einzelne Gebäude abgebrannt, die Chroniken erzählen aber nur von zwei Feuersbrünsten, welche große Verwüstungen zur Folge hatten. Es wurde nämlich die Stadt am 18. und 19. September 1634 von der kaiserlichen Armee bombardirt, daß 100 Gebäude in der obern Stadt in Asche verwandelt wurden, und in der Nacht vom 6./7. Mai 1743 brannten 30 Wohngebäude und Scheunen zwischen dem Nonnengarten und Nonnenkloster ab.

Durch die Zerstörungssucht der Franzosen wurde im Dezember 1688 der Prästeneker Thurm mittelst einer Pulvermine gesprengt, und die Hafenmarktskirche durch Brände angezündet, und als Louis XIV. Mordbrenner dingen ließ, welche Belohnungen erhielten, wenn sie in deutschen Städten durch heimliches Feueranlegen großen Schaden anrichteten, so wurden auch in der Nacht vom 23./24. Junius 1696 in Heilbronn die Gebäude zwischen Markt und Kieselmarkt mit Schmelzwerk, wie es damals bei Feuerwerkern zur Zerstörung belagerter | Städte angewendet worden ist, heimlich in Brand gesetzt und in Asche gelegt.

Seit Heilbronns Mediatisirung hat sich die Stadt im Innern und Äußeren sehr verändert.

Was das Innere betrifft, so sind seit dem Jahr 1808 viele Dunglegen vor den Häusern entfernt, andere mit Bretterwänden umfaßt oder versenkt worden, in Folge eines stadträthlichen Beschlusses vom 20. September 1832 mußten alle Häuser an den Hauptstraßen und öffentlichen Plätzen verblendet werden. Nach einem Stadtrathsbeschluß vom 21. August 1834 mußten die abscheulichen Wasserspeier, welche ehedem das Wasser von den Dächern auf die Straßen gossen, entfernt und wie die Wassersteinrinnen mit Senkröhren versehen werden.

Seit 1840 werden in den Hauptstraßen unterirdische Dohlen angelegt, in welchen die Flüssigkeiten in den Neckar geleitet werden.

Was das Äußere betrifft, so wurden seit Heilbronns Mediatisirung die engen Thore mit den Vorwerken und Schanzen, die nur im Zickzack passirt werden konnten, ganz demolirt, die Stadtmauern abgebrochen, der Stadtgraben ausgefüllt und an seiner Stelle grüne Rasenplätze und Straßen angelegt, die beiden Bollwerke abgetragen und freie Plätze an deren Stelle geschaffen, auch an der Westseite der Stadt ein Quai mit Treppen erbaut, die zum Neckar hinabführen, um dort waschen, Schiffe aus- und einladen und Wasser holen zu können.

Auf der Ostseite, wo früher nicht ein einziges Thor war, wurde 1808 das Carlsthor angelegt, und vor allen vier Hauptthoren wurden Vorstädte erbaut, die bereits mehr als 200 zum Theil sehr ansehnliche Gebäude enthalten.

Das ehrwürdige Ansehen einer alten Reichsstadt hat Heilbronn verloren, insbesondere nachdem im Jahr 1804 der Sülmerthorthurm, im Jahr 1807 der Brückenthorthurm, im Jahr 1808 der Adelbergerthurm, im Jahr 1819/20 der Fleinerthorthurm, im Jahr 1844 der Lohthorthurm, 1849 der Kohlenthurm abgebrochen worden sind. (Der Prästenekerthurm war 1688 gesprengt worden, der Lettenthurm 6./7. Mai 1743 abgebrannt.)

Jetzt stehen nur noch an der Kilianskirche der Hauptthurm mit drei kleineren Glockenthürmen, der an der katholischen Kirche, der Hafenmarktsthurm, der 104 Schuh hohe Götzenthurm vom Jahr 1392 und der noch ältere Bollwerksthurm. Beide letztere haben | oben Plattform mit Zinnen und der Götzenthurm wird von Trompetenbäumen u. s. w. umrankt.

Seit 1803 erhielt Heilbronn moderne Straßen in seinen Vorstädten, größere Reinlichkeit in der alten Stadt, mehr Luft und viele Zugänge, und die hohen rauchenden Kamine der Fabriken verkünden jetzt weithin, daß Heilbronn eine Fabrikstadt geworden ist.


Öffentliche Plätze

sind: der Markt, welcher ohne die Marktstraße 11/8 Morgen 3,6 Ruthen Flächenraum hat, und der Kirchbronnenplatz, zwischen welchen die Kilianskirche liegt, der Kieselmarkt beim Fruchthaus, der Hafenmarkt, das Kirchhöfle.

Hiezu kamen in diesem Jahrhundert: der Kiliansplatz nach Abtragung eines Gartens, 1834; der Salzhausplatz, nachdem im Dezember 1839 das Salzhaus abgebrochen war; der Bollwerksplatz durch Abtragung des Bollwerks und Versetzung einer Wagenhütte an den Viehweg; der Platz, von dem 1842 das kleine Bollwerk entfernt worden ist; der obere Backhausplatz, an der Stelle eines Privatgartens.

Ein sehr großer Platz an der nördlichen, östlichen und südlichen Seite der Stadt ist durch Ausfüllung des Stadtgrabens gewonnen worden.


Beschreibung der einzelnen Gebäude.

I. Kirchen:

1) die evangelische Hauptkirche zu St. Kilian.

(Literatur: Titot, Beschreibung und Geschichte der evangelischen Hauptkirche zu Heilbronn, 1833. Intelligenzblatt von Heilbronn vom 9. Aug. 1847 Nr. 183 und Tagblatt vom 23. Nov. 1847 über die Orgel. Evangel. Kirchenblatt für Württemberg Nr. 17 vom 11. Juni 1845. Kallenbachs Beschreibung vom 1. Jan. 1846 im Heilbronner Tagblatt. Kunstblatt zum Morgenblatt v. 1827 Nr. 80, 81, v. 1828 Nr. 8, 54, 55, v. 1845 Nr. 91.)

Georg Kallenbach gibt dieser Kirche die zweite Rangklasse und stellt sie der Lorenz- und Sebaldskirche zu Nürnberg sowie den Cathedralen zu Augsburg und Regensburg zur Seite.

Sie ist 250 Schuhe lang und 72 Schuhe breit. Das Hauptschiff ist 54, das mittlere Chor 61 Schuhe hoch. Nach einer Inschrift am Thurme wurde der Grundstein anno 1013 gelegt. Es wurde aber lange Zeit daran gebaut; noch sind Ablaßbriefe dat. | Rom, 21. März 1297; dat. Hamburg, 8. Sept. 1330; dat. Rom, 25. Mai 1454 vorhanden. Auch 1488 ertheilte der Würzburger Probst. Joh. v. Allendorf und 1510 Cardinal Gurcen einen Ablaßbrief für die Förderer dieses Baues.

Das ganze Gebäude besteht aus einem dreitheiligen Chore und aus einem dreitheiligen Schiffe. Zwischen beiden sind zwei Thürme und in der Mitte ein Dachreiter eingebaut, und an der Westseite der Schiffe steht mit nördlicher und südlicher Vorhalle der große Thurm, welcher 215 württemb. Fuß hoch ist, und in Württemberg nur von fünf Thürmen (zu Neresheim, Eßlingen, Reutlingen, Zwiefalten und Ulm) übertroffen wird. Die mittleren Doppelthürme, mit glockenförmigen Kuppeln bedeckt, ausgenommen, ist alles nicht nur vollendet, sondern auch vieles daran kunstreich durchgeführt.

Das Mittelschiff (wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut) ist Überrest einer frühgothischen Basilika. Die Spitzbogen-Arkaden ruhen auf massigen runden Säulen, deren Schafte ohne Verjüngung sind. In den Mauern über den Arkaden sind kleine spitzbogig-romanische Fenster ohne Maßwerk. Der nördliche Thurm hat im obersten Geschoß auf jeder Seite zwei schöne frühgothische Fenster.

Die Seitenschiffe sind aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der Chor ist in den Jahren 1426 bis 1480 erbaut worden. So wurde die Basilika eine Hallenkirche (mit drei gleich hohen Schiffen unter Einem Dache).

Die Umfassungsmauern sind an die Außenseiten der Streben gelegt, wodurch innen zwischen diesen Streben Räume für eine Reihe von Capellen entstanden sind, die jetzt zu Sitzen benützt werden.

Die Fenster der Seitenschiffe haben gedrückte Eselsrücken mit Krone und Krabben im Maßwerk; die Fenster des Chors reiches geschmackvolles und abwechselnd gestaltetes Maßwerk, häufig mit Fischblasenformen.

Die Tragepfeiler zwischen dem Mittelchor und den Seitenchören von reicher Gliederung und ohne Unterbrechung durch Gurten oder Gesimse, tragen ein spätgothisches vielmaschiges Netzgewölbe vom Jahr 1580.

Der große Thurm ist bis zur ersten Gallerie viereckig und gothisch, der achteckige Aufsatz wurde 1507 begonnen und im Jahr 1529 der 8 Schuh hohe steinerne Mann auf die Spitze des Thurmes gesetzt.

Je weiter nach oben hin, um so mehr sind die gothischen | Formen von dem Renaissance-Style verdrängt. An den Ecken haben die Wasserspeier Drachengestalten und sind wie die übrigen Verzierungen bereits verschnörkelt. Dazwischen ist Alles mit den bizarrsten Relieffiguren überladen. Man siehet musikalische Instrumente, zwei Mönche mit Raubvogelschnäbeln, Affen und Hunde in geistlichen Gewändern, ein feistes Thier mit Krallen und einem Rosenkranzschweife. Die Feinde der damaligen Reformation, Mönch und Türke, vereinigen sich mit langen Hälsen im Rumpfe eines Raubvogels. Daneben sind die vier Embleme der Evangelisten (Adler, Löwe, Engel und Stier) zu sehen.

Man siehet diesem barocken Aufsatz deutlich an, daß der Baumeister und seine Gesellen der evangelischen Kirchen-Reformation zugethan waren.

Der Meister war Hans Schweiner aus Weinsberg, mit dem im Jahr 1507 ein Akkord geschlossen worden ist. Über die, welche früher an diesem Kirchenbau gearbeitet haben, konnte man bis jetzt nur soviel erfahren, daß Meister Burkhard Engelberger aus Hornberg im Schwarzwald, welcher am 1. Febr. 1512 in Augsburg gestorben, dabei zu Rath gezogen worden ist, daß noch früher Hans von Mingolsheim, der 1464 zu Speier in die Strasburger Steinmetzen-Ordnung getreten, den Chor erbaut hat, und daß Peter Haidner aus Heilbronn als geschickter Steinmetz vor 1487 daran gearbeitet hat.

Sehr schön in Stein ausgeführt ist das Sakramenthäuschen neben dem Hochaltar, mit dem Wappen eines Patriziers Hünderer.

Der Hochaltar selbst besteht aus Holzschnitzarbeit vom Jahr 1498 (nach Carl v. Heideloff von Tillmann Riemenschneider aus Würzburg und seinen Schülern) und enthält in der Predella den Leichnam Christi von Maria und Johannes gehalten, zur Seite je zwei lateinische Kirchenväter, im Schreine darüber Maria mit dem Christuskinde, zur Seite je zwei griechische Kirchenväter. Die Thüren dieses Altarschreins enthalten vier Basreliefs: die Anbetung des neugeborenen Erlösers durch die Engel, Christi Auferstehung, Mariens Tod und die Ausgießung des heiligen Geistes auf die Apostel darstellend. Über dem Altarschreine sind die geschnitzten Bilder Christi am Kreuze, von Maria, Magdalena und Johannes beweint, und die Spitze der gothischen Pyramide ist des Auferstandenen Bild. (Prof. Lübke in seiner Geschichte der Plastik S. 536 nennt diesen Altar eins der herrlichsten Werke deutscher Kunst und rechnet dieses | Schnitzwerk zu den Meisterschöpfungen, mit denen die nordische Kunst sich neben die gleichzeitige italienische stellen kann.)

Von Gemälden sind nur wenige sehenswerth, von Glasmalereien vom Jahr 1487 sind nur noch Bruchstücke vorhanden.

Grabmäler vom Jahr 1404 an bis in die neuere Zeit (1781 31. Dez. geschah die letzte Beerdigung in diese Kirche) sind auf dem Fußboden und an den Wänden zu sehen.

Mit Gypsstuck ist im Jahr 1579 und 1580 durch Gypser Conrad Wesner aus Stuttgart die Kanzel in sehr schlechtem Geschmack hergestellt, und die alten Säulenknäufe überschmiert worden.

Noch mehr verdarben bei Ulm und Austerlitz kriegsgefangene Östreicher und Russen, welche 1805 und 1806 in diese schöne Kirche zum großen Leidwesen der Heilbronner gesperrt worden sind, so daß viele Tage und Nächte Feuer in dem Gotteshause brannten und zwei Jahre lang kein Gottesdienst darinnen mehr abgehalten werden konnte.

Mit vielen Kosten mußten die Heilbronner ihre evangelische Hauptkirche wieder herstellen, vieles aber an Gemälden u. dgl. war auf immer verloren gegangen. 1841 und 1842 wurden 22 kleine häßliche Gebäude mit Feueressen und Lädchen, welche die Kirche verunstalteten, abgebrochen und derselben eine schönere Umfassung mit Brüstungen im Spitzbogenstyle und mit bequemen Treppen gegeben.

Eine weitere Zierde erhielt diese Kirche durch eine Orgel, welche Eberhard Friedr. Walker und Spaich zu Ludwigsburg geliefert haben, und welche mit der Empore, auf der sie stehet, mehr als 13.000 fl. gekostet hat. Sie wurde am 28. Nov. 1847 eingeweihet, enthält 3 Manuale und 1 Pedal, wodurch 50 Register mit 2079 metallenen und 810 hölzernen Pfeifen in Klang versetzt werden können. Die Höhe der Pfeifen ist 1/16 Fuß bis 32 Fuß, und die mit kegelförmigen Springventilen versehenen Windladen liefern 448 Cubikfuß Wind.

Auch das Glockengeläute dieser Kirche ist ausgezeichnet. Die meisten Glocken sind vor dem Jahr 1500 gegossen, so im Jahr 1479 von Bernhard Lachmann zu Heilbronn (dem Vater des Heilbronner Reformators) die Osanna-Glocke, 17 Centner schwer, und die mehr als 50 Centner schwere den vier Evangelisten geweihte größte Glocke, welche unten einen Durchmesser von 53/10 württemb. Schuhen hat.

Leider ist das Mittelschiff der Kirche (der Rest der alten Basilika) dadurch dunkel, weil ein einziges Dach alle drei Schiffe bedeckt, | und die Orgel so übel angebracht ist, daß die Rosette an der Westseite des Thurms keine Lichtstrahlen in das Schiff werfen kann. Doch hängen schon längst Armleuchter in den Schiffen, die von Advent bis Lichtmeß Nachmittags mit Kerzen Licht schaffen, was dieser Kirche andernseits den Vorzug gibt, daß auch Nachts Gottesdienst abgehalten werden kann, z. B. am Sylvesterabend. Den kostbarsten Leuchter aus dieser Kirche, welcher 3721/2 Loth Silber hatte, nahmen 1799 die

Franzosen hinweg.

2) Die evangelische St. Nicolaikirche steht nahe an dem Neckarsülmerthor am Kirchhöflein, letzteres jetzt ein freier mit Bäumen besetzter Platz, der ehedem zum Beerdigen gedient hat während der Belagerungen, noch in den Jahren 1634 und 1688.

Diese Kirche wurde im Spitzbogenstyl im 14. Jahrhundert erbaut. Ein Ablaßbrief des Bischofs Albert von Würzburg vom Jahr 1351 suchte den Bau derselben zu fördern, 1363 wurde ein Altar der hl. Katharina darin errichtet, 1495 weihte Georg, Bischof zu Nicopolis als würzburgischer Vicar den Heiligen Medardus, Hypolitus und Ulrich, Barbara und Appollonia fünf Altäre, und in demselben Jahre verlieh er allen, welche diese Tochterkirche besuchen, begaben und im Umgang um den Kirchhof für die Seelen beten, einen 40tägigen Ablaß.

Nachdem die Kirchen-Reformation in Heilbronn Eingang gefunden hatte, baten 1525 mehrere Zunftmeister den Rath um die Erlaubniß, durch Dr. Lachmann in der Nikolaikirche das Evangelium predigen zu lassen, was auch geschah und seit 1528 ist sie ganz dem evangelisch-lutherischen Gottesdienste gewidmet.

Die Altäre der Heiligen und alle an diese Kirche angebauten Kapellen wurden abgebrochen.

Zur Zeit des 30jährigen Kriegs wurde die Kirche zu einem Zeughause verwendet, am 21. Sept. 1706 aber wieder eingeweiht. 99 Jahre lang wurde an jedem Sonntage eine Vormittagspredigt, auch Kinderlehren und alle Leichpredigten in dieser Kirche gehalten. Der letzte an derselben angestellte Pfarrer war Heinr. Dautel, der 1835 in Stuttgart als Oberhofprediger gestorben ist.

Am 29. Sept. 1805 rückte nämlich der Marschall Soult mit einem französischen Armeecorps ein, machte die Stadt zu einem Waffenplatze, ließ eine Besatzung zurück und in dieser Kirche und in dem daneben stehenden Carmeliterkloster einen Militärspital einrichten. Nach dem Abzuge der Franzosen wurde die Kirche im Sept. 1807 ein württembergisches Zeughaus; im Nov. 1813 ein Spital für | in der Schlacht bei Hanau gefangene Franzosen und erst am 28. Sept. 1820 ward sie der Stiftungspflege Heilbronn wieder zurückgegeben.

Die verwüstete Kirche ward nun als Holzmagazin benützt, im Jan. 1850 Turnhalle und am 10. Febr. 1850 Versammlungsort der zweiten Landes-Wahl- und Volks-Versammlung des württembergischen Landes-Ausschusses.

Der im März 1851 ins Leben getretene evangelische Pfarrgemeinderath forderte zu Beisteuern auf, um diese Kirche wieder zum evangelischen Gottesdienste herzustellen. Die Beisteuern und Vermächtnisse wurden so reichlich gespendet, daß der Boden wieder geplattet, die Wände getüncht und angestrichen, die Fenster hergestellt, eine Emporbühne, Altar, Kanzel und Taufstein errichtet, und die Kirche am 7. Dez. 1851 zum drittenmale eingeweiht werden konnte.

Da die Glocke 1808 auf den Hafenmarktsthurm geschafft worden war, so wurde im Okt. 1851 eine im Jahr 1805 gegossene Glocke von 419 Pfd. von dem mittleren Kiliansthurm auf die Nikolaikirche gesetzt und eine von dem Heilbronner Orgelmacher Joh. Heinrich Schäfer gebaute Orgel konnte am Adventsfeste 1852 zum erstenmal gespielt werden.

Alle diese Einrichtungen kosteten 5000 fl.

So erhielt die evangelische Gemeinde in Heilbronn, welche bis zur Mediatisirung der Stadt drei Kirchen gehabt hatte, doch wieder eine zweite, in welcher an jedem Sonntag und Festtag Vormittags gepredigt wird.

Auch ist diese Kirche in der zuerst in Heilbronn die lutherische Lehre gepredigt worden war, auch wieder die erste der Stadt, in welcher liturgischer Gottesdienst abgehalten worden ist.

Durch die Freigebigkeit des Gust. Schäuffelen erhielt diese Kirche auch eine Gasröhrenleitung, so daß sie die erste im Lande ist, welche Nachts durch Gas beleuchtet werden kann. Auch ein Stuttgarter Künstler, Wilhelm Pilgram stiftete in den Chor derselben ein schönes Ölgemälde, Christus sein Kreuz schleppend.

1854 stifteten die Erben der Jungfer Friederike Schaumenkessel ein Ölgemälde von einem Heilbronner Künstler, Emil Orth, in diese Kirche, einen Christuskopf mit der Dornenkrone, und 1855 wurde von Dekan Koch die Copie des Bildnisses Dr. Luthers von Lucas Kranach aus Beiträgen der Zuhörer seiner Bibelstunden gestiftet, und Frauen schmückten die Fenster mit Transparentgemälden.

| 3) Die Hospitalkirche und das Catharinenspital.

Zum Theil auf der alten Stadtmauer am Neckar neben der Brücke steht ein halbtausendjähriges Gebäude mit alten und neuen Anbäuen, das im Jahr 1306 von Heilbronner Bürgern zur Ehre der heil. Katharina gestiftete Spital, welchem zuerst der Priester Heinrich von Herrenberg vorstand und das 1318 von Kaiser Ludwig Privilegien erhalten hat.

Schon 1302 hatte Anna von Gundelfingen, Wittwe Burkhards von Sturmfeder die St. Elisabethen-Pfründe gestiftet, 1344 der Spitalmeister Heinrich Brecht von Gruppenbach die Marienpfründe, 1359 machte Hans Burkheimer, 1394 Hans von Dinkelsbühl, Bürgermeister zu Heilbronn, und 1457 machte Johannes von Frauenberg Stiftungen.

Durch Kauf kam dieses Spital in den Jahren 1310 in Bökingen, 1342 in Schluchtern, 1423 in Heilbronn, 1430 in Neckargartach und Bellingen zu ansehnlichen Besitzungen. Jäger I.97.A.98.209.

Die Kirche wurde der h. Catharina und h. Elisabeth geweiht, und auch zu deren Bau Ablaß versprochen. Von dieser alten Kirche stehet nur noch der Chor mit seinen Fenstern, welche gothisches Maßwerk haben; das Schiff der Kirche mit der Pfründnerstube ward am 18. Nov. 1624 ein Raub der Flammen, und 1628 wieder im Renaissancestyl aufgebaut und der h. Dreieinigkeit geweiht, 1688 brach ein Feldprediger der französischen Armee, vom Orden der Kapuziner, in die Kirche und las den Kranken Messe. Von 1700 bis zu Heilbronns Mediatisirung im Jahr 1803 hatte die Spitalkirche einen besonderen Prediger.

Als die Nikolaikirche Spital geworden war und die Kilianskirche ein Behälter für Kriegsgefangene, hatten die Evangelischen in Heilbronn gar keine Kirche mehr; es wurde daher 1805/7 nur in der Spitalkirche gepredigt, getauft und getraut. 1863 aber erkaufte die Stadtgemeinde von der Stiftungspflege alle diese Spitalgebäude am Neckar wegen der Erbauung einer neuen Brücke und die Stiftung läßt jetzt ein Krankenhaus u. s. w. neu erbauen, welches 200,000 fl. kosten wird.

4) Die katholische Pfarrkirche zu St. Peter und Paul und das deutsche Haus haben einen Umfang von mehr als 5 Morgen.

Die Gebäude enthielten nicht allein Wohnungen des Comenthurs, seiner Beamten, Meier und seiner zahlreichen Dienerschaft, sondern auch große Vorrathshäuser, in denen Bodenerzeugnisse aufbewahrt worden sind. Denn diesem Hause gehörten auf Heilbronner

Markung 265 M. Acker, 128 M. Wiesen, 84 M. Wiesen bei | Neckargartach, zu Sontheim 34 M. Weinberg und 367 M. Wald, 140 M. Wald auf Heinriether Markung, alle Zehnten zu Sontheim, 1/3 des Neckargartacher und der große Zehnte zu Horkheim.

Es war anfangs der Sitz einer Haus-Commende, die 1785 zu einer Land-Commende der Balley Franken erhoben worden und 24. April 1808 von Württemberg in Besitz genommen worden ist, worauf es bis 1849 Caserne war. An wenige Gebäude in Württemberg knüpfen sich so viele geschichtliche Erinnerungen, als an dieses. Einst war es königliche Pfalz, Könige hielten hier Hof. Dann zogen viele Commenthure mit ihrem Gefolge von hier aus, um ihr Gelübde, gegen Ungläubige zu kämpfen, in den Kreuzzügen in Palästina zu lösen, und den Heiden Preußen zu entreißen. In diesem Gebäude ward der Heilbronner Vertrag zwischen dem schwedischen Kanzler und den deutschen evangelischen Ständen 1633 abgeschlossen. Hier hatten Marschall Turenne 1648, Prinz Eugen und Herzog Carl Alexander von Württemberg 1734, der russische Feldmarschall Lascy 1735 ihre Hauptquartiere, und Kaiser und Kurfürsten nahmen hier ihre Absteigquartiere 1704, 1712, 1734, 1744.

In der Kirche wurde am 15. August 1806 durch General Petit das Geburtsfest Napoleons celebrirt, und 1815 beteten hier Kaiser Franz und Erzherzog Carl bei dem Hochamt.

Das älteste Gebäude ist die Kapelle im Erdgeschoß des Thurms mit einem romanischen Altar. Die spitzbogige Kirche wurde 1721 im Jesuitenstyl umgebaut und dem Thurme eine Kuppel mit Laterne gegeben. Die Fresken sind von Anton Colomba. Im Hofe sind mittelalterliche Steinhäuser mit Erkern und Staffelgiebeln, an der südöstlichen Ecke ein 1512 erbautes Gebäude mit Parterreraum, dessen hohes Kreuzgewölbe mächtige Pfeiler tragen. Zwischen diesem Bau und der Kirche steht an der Deutschhofstraße ein zweistockigter eleganter Bau vom Jahr 1712 bis 1718 und für den Balleyrath wurde 1742 am Kirchbronnenbach ein schönes Wohnhaus erbaut. Der Kirchhof an der Nordseite der Kirche, bis 1778 Beerdigungsplatz der Katholiken, ist seit 1863 ein freier Platz.

In der Kirche sind mehrere Kapellen und einige Ölgemälde. Vieles alte ist verdorben, so daß man z. B. die Inschrift an dem Hofbau bei der Freitreppe, weil das Bild zerstört ist, nicht mehr deuten kann. Sie enthält in mönchsgothischer Schrift den Reim:

„Ich bin genannt Hornung,
wit und groß ist mine Zung“

In der Sakristei hängt ein im Jahr 1610 renovirtes Anniversarium, nach welchem für viele Wohlthäter, namentlich auch für | Mechtild, Hausfrau des Ritters Wolf von Wunnenstein Jahrestäge zu halten sind.

5) Kapellen waren viele in Heilbronn, welche aber abgebrochen oder, wie das Haus Nr. 7 an der großen Nägelesgasse und Nr. 30 an der Wolfgangsgasse, zu Wohnungen eingerichtet worden sind.

6) Die Beguinenhäuser sind ebenfalls Privatwohnungen. Die geistlichen Schwestern waren in Nr. 10 im Hämmerlingsgäßchen, die willigen armen Schwestern hatten ihr Regelhaus mit der St. Nicolauskapelle in Nr. 15 an der Lammgasse, bis sie 1565 aufgehoben wurden.

II. Weltliche Gebäude

A. die dem Staate jetzt gehören, sind außer dem schon genannten Deutschenhause

1) das Oberamtsgebäude am Marktplatz, zu Ende des 16. Jahrhunderts auf dem ehemaligen Judenkirchhofe im Renaissancestyle erbaut, als Nebengebäude des Rathhauses zur Aufnahme hoher Gäste, später Amtswohnung des städtischen Syndikus.

2) das Oberamts-Gerichtsgebäude an der Wilhelmsstraße, 1861 neu erbaut, hinter welchem der Gerichtsgefängnißbau seit 1856 stehet;

3) das Kameralamts-Gebäude oben bei der Kilianskirche, vor Heilbronns Mediatisirung der württembergische Zehnthof, weil in diesem Gebäude und in Gebäuden auf dem jetzigen Kiliansplatze von jeher der Zehntwein gekeltert, die Zehntfrüchte gedroschen und ufbewahrt worden sind.

Das jetzige an der Straße gelegene Hauptgebäude ist 1701 errichtet worden. Hier war das Absteigequartier der Herzoge von Württemberg.

4) Der Wilhelmskanal mit Hafen und das Kgl. Hallamt. Die im 14. Jahrhundert zur Befestigung der Stadt, und um bedeutende Wasserkräfte für Mühlen zu schaffen, errichteten drei Wehre hinderten die Schiffer des oberen Neckars, weiter abwärts zu fahren; nur für die Flöße war von jeher eine Floßgasse eingerichtet, die jetzt 84 Fuß lang, oben 143/10 Fuß und unten 151/2 Fuß breit ist. Württemberg suchte schon 1557 und 1735 vergebens für seine Schiffe eine Durchfahrt zu erhalten. Erst nachdem 1815 auf dem Wiener Congresse die freie Schifffahrt auf allen deutschen Flüssen ausgesprochen war, wurden die Zwangsstapel in Mannheim und Heilbronn durch Staatsvertrag aufgehoben und König Wilhelm beschloß am 18. Sept. 1818 eine Schleuße mit Kanal bei Heilbronn zu erbauen, den er am 17. Juli 1821 feierlich eröffnete.

Am 14./19. Nov. 1831 wurde Heilbronn zu einem Freihafen | erklärt, wodurch Einrichtungen zum Verschlusse nothwendig wurden.

Der Wilhelmskanal mit der Schleuße ist 1940 württemb. Fuß lang. Er hat auf der Sohle eine Breite von 30 Fuß, und auf dem Spiegel des 4 Fuß tiefen niedrigsten Wassers eine von 42 Fuß.

An der Ostseite des Kanals ist ein Schiffbehälter, 300 Fuß lang und 56 Fuß breit angebracht worden. Auch auf der Westseite wurde der Kanal in den Jahren 1844 und 1845 erweitert und 1850 durch Krahnen mit der Eisenbahn vereinigt.

Die Kammerschleuße hat ein Gemäuer, das auf 800 tannenen Pfählen ruht und mit Einschluß des Vor- und Hinterbodens und der unteren Kanalbrücke eine Länge von 230′ hat. Die Schleußenkammer mit Ausschluß der unteren Thorkammer ist 130′ lang, im Licht 161/2′ breit. Die Flügel des unteren Thores, je 8000 Pfd. schwer, sind 17′, die des oberen 9′ hoch und ihre Breite ist 11′.

Die Schleußenkammer enthält 24.000 Cubikfuß Wasser bei niedrigem Neckarstand und füllt sich in drei Minuten.

Der Erbauer war Oberst v. Duttenhofer, Wasserbau-Direktor, mit seinem Sohne, dem damaligen Oberlieutenant.

Die Kosten betrugen 200.000 fl.

Die Erbauung größerer Schiffe seit der direkten Schifffahrt von Heilbronn nach Holland, und der große Verkehr durch die Eisenbahn, namentlich mit Brettern, machte es nöthig, daß im Mai 1854 ein neuer großer Hafen gebaut und mit den Schienen in Verbindung gesetzt wurde, welcher nur durch Horizontalwasser des untern Neckars gespeist wird und zugleich als Winterhafen für Dampf- und andere Schiffe dient.

Das Bassin ist 600′ lang und 300′ breit und durch einen Kanal von 38′ Breite mit dem Neckar verbunden. Ein Damm schützt dasselbe, der höher als der Hochwasserstand vom 31. Oktober 1824 und so hoch als der Bahnhof ist. Auf der Ostseite wird der Winterhafen von einer 24′ hohen Hafenmauer begränzt, auf der Süd- und Westseite sind Lauer, auf der Nordseite ein Werft zur Erbauung und Ausbesserung der Schiffe, so daß schon am 23. Aug. 1855 ein hier erbautes Schiff mit 8000 Centner Ladungsfähigkeit vom Stapel laufen konnte.

Erbauer ist Oberbaurath v. Böheim, die Kosten belaufen sich auf 230.000 fl. und der Hafen konnte am 27. Sept. 1855 dem Verkehr übergeben werden.

Auch Krahnen, welche Lasten von 70 und 160 Centner tragen können, sind angebracht.

| 1861 und 1862 erhielt dieser Winterhafen noch zwei paralelle Arme, die 540 Fuß nach Westen hin sich erstrecken, und durch viele Schienen mit dem Bahnhofe verbunden sind.

Die Halle mit den Kanzleien des kgl. Oberzollamts und der Hallverwaltung 230 Fuß lang und 60 Fuß breit mit Ladschuppen wurde 1829 und 1830 an den Wilhelmskanal erbaut, 1845 ein Magazingebäude 102 Fuß lang und 44 Fuß breit, das 11.000 fl. kostete, der eiserne Krahnen dabei 4000 fl.

5) Der Eisenbahnhof wurde mit seinen Gebäuden 1847 und 1848 eingerichtet, und die regelmäßigen Fahrten von Bietigheim nach Heilbronn begannen am 25. Juli 1848. Der Güterverkehr seit 10. August 1848 nahm so zu, daß im Jahr 1850 am Wilhelmskanal ein großes Waarenmagazin und 1857 ein langer Schuppen erbaut werden mußte.

Schon 1849 wurde eine Wagen-Reparaturstätte errichtet, in der auch neue Wägen erbaut werden, insbesondere die Eisenbahnwägen des Königs.

6) Das kgl. Postamt hat seit 15. Okt. 1854 ein neues Gebäude am Bahnhof bezogen, in dem die Büreaus sind und der Postmeister wohnt; 1855/56 sind daneben ein Poststall und Wagenremisen erbaut worden.

Erst im Jahr 1650 war in Heilbronn ein Reichspostamt im Schönthalerhofe errichtet worden, früher mußten sechs Metzger Reitpferde und Reitknechte halten, welche Reisende (selbst Frauenzimmer) und Gepäcke in die nächsten Stationen förderten. 1803 war das Taxis’sche Postamt in das deutsche Haus, 1809 in das vormalige Kraichgau’sche Ritterarchiv verlegt worden, und seit 20. Mai 1849 besteht die kgl. württembergische Post.

7) Das Zuchtpolizeihaus für weibliche Gefangene ist im vormaligen Nonnenkloster zu St. Clara.

Dieses Kloster wurde zu Anfang des 14. Jahrhunderts von Flein hieher verlegt, war aber immer arm, die Gebäude sind daher einfach und unansehnlich. König Heinrich VII. ertheilte demselben 13. Aug. 1309 Steuerfreiheit; Güter erwarb das Kloster 1289 und 1291 zu Flein, 1330 in Nordheim, 1362 in Bökingen u. s. w. Die Kirchenreformation zu Heilbronn schmälerte die Einkünfte sehr, im Dez. 1631 verschenkte es König Gustav Adolph an die Stadt, die es aber im März 1634 wieder den Nonnen einräumen mußte. Ihre Beichtväter waren die Franziskaner in Heilbronn, nachher die Kapuziner in Neckarsulm. Sie hatten strenge Clausur, betrieben | einen kleinen Handel mit Wein, bereiteten ein sogenanntes „Schlagwasser“ zum äußerlichen und innerlichen Gebrauche, und fertigten auch weibliche Arbeiten, bis das Kloster aufgehoben worden ist. Im Juli 1811 verließen die Äbtissin, die Priorin, 10 Chorfrauen und 6 Laienschwestern das Kloster. Sie erhielten lebenslängliche Pensionen. Die Letzte ist 1852 gestorben.

Die Gebäude enthalten jetzt die Züchtlinge, ein Archiv, die Wohnungen der zwei katholischen Geistlichen, der Schullehrer und die katholische Schule.

Die 1380 vollendete Kirche ist 112′ lang und 34 bis 361/2′ breit und enthält jetzt Archiv und Schlafsäle.

Über der westlichen Thüre des vormaligen Siechenhauses sind Christus, der h. Franziskus und die h. Clara aus Stein gehauen, dabei die Jahreszahl 1493 und die Worte: gentem cum situ benedic alme Jesu tu. Über einer anderen Thüre stehet der h. Cyrillus mit Bischofsstab und Weihrauchfaß, dabei die Worte: O Cirille sancte defende nos ab omni tempestate.

B. Städtische Gebäude.

1) Das Rathhaus an der Nordseite des Marktes wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut. Das alte stand an derselben Stelle und brannte 1535 ab, weil in der im Erdgeschoße eingerichteten öffentlichen Badstube Feuer ausgebrochen war, wobei viele Urkunden verloren gingen (Jäger, II. 163).

1589 bis 1593 wurde der Flügel neben der Oberamtei und ein Hintergebäude erbaut, im 18. Jahrhundert erst der Anbau, in welchem sich jetzt die Rathsschreiberei befindet.

Das Hauptgebäude enthält im Erdgeschoß Gewölbe, in welchen Kaufmannswaaren gelagert werden und die Stadtwage sich befindet. Am 28. Mai 1659 fing hier eine Terpentintonne, welcher ein Licht zu nahe gebracht worden war, Feuer, wodurch Waaren im Werthe von mehr als 5000 fl. verbrannten. (Tübinger Consilia, Band II. cons. 129.)

Vorn tragen sechs Säulen fünf Bögen, auf welchen eine große Freitreppe ruhet. Die allegorischen Bilder der Liebe, Wohlthätigkeit, Stärke und Gerechtigkeit zieren die Brüstung der Treppe, sowie zwei gothische Spitzsäulen, an welchen je ein Geharnischter mit der Stadtfahne stehet.

Unter diesen Arkaden befindet sich eine 23 württemb. Schuh lange Sitzbank aus Einem Sandsteine mit den Reimen:

|

Der längste Stein bin ich bekannt
Zu Heilbronn das Wahrzeichen genannt,
An Länge 3 Zoll, 24 Schuh
An Breit’ und Dick’ 2 Schuh ich thu’,
Bin auch zur Zierd hieher geleit
Und den Wächtern zum Sitz bereit.

Die oberen Stuben im östlichen Anbau haben getäferte Decken mit Kassetten, die gegen den Rathhof mit der Jahrzahl 1596.

Der Rathsaal erhielt im Jahre 1779 seine jetzige Ausstattung und wurde 1834, 1856 und 1864 restaurirt. Die Decke und Wände haben Festons und Embleme der Rechtspflege, Künste u. s. w. aus Gyps geformt. In der Mitte der Decke ist ein gutes Ölgemälde von Hofmaler Morff aus Stuttgart. Es stellt die Gerechtigkeit mit der Wage vor, dabei die Gerechten mit Zufriedenheit und herrlichen Früchten belohnt; auf der andern Seite einen düsteren Abgrund, in welchem Verdammte zähneknirschend und gefoltert von Schlangenbissen ihr Dasein verwünschen.

Dieses Gemälde kostete 150 fl., die Stuckatur-Arbeiten 140 fl.

Merkwürdig ist das Uhrwerk, dessen drei Ziffertafeln die mittlere Façade des Gebäudes einnehmen.

Auf der untersten befinden sich die sieben Wochentage durch die Bilder der Sonne, des Mondes, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn dargestellt; im weiteren Kreise stehen die Zeichen des Thierkreises mit einer Gradeintheilung. Auf der mittleren Ziffertafel deuten zwei Zeiger die Stunde und Minute an. An beiden Seiten stehet je ein Engel, der eine bläst in seine Posaune kurz vor dem Stundenschlage, der andere zählt mit einem Scepter die einzelnen Glockenschläge, und drehet seine Sanduhr, wenn die Stundenglocke ausgeschlagen hat. Unter der Stundentafel stehen zwei vergoldete Widder einander gegenüber, die sich mit jedem Glockenschlage vorn erheben und wieder niedersinken.

Die oberste Tafel zeigt die Phasen des Mondes dadurch an, daß er sich hinter einer Wolke verbirgt, oder mehr oder weniger sichtbar ist.

Ganz oben befindet sich die Glocke, an welche Engel mit eisernen Armen abwechslungsweise die Stundenzahl anschlagen.

Unter den Widdern steht ein Hahn, der, wenn die Glocke 3, 7 und 11 geschlagen, seine Flügel schwingt und krähet.

Unter dem Uhrwerk enthält eine Tafel aus Thonschiefer folgende Reime:

|

Im Anfang Gott im höchsten Thron
schuf durchs Wort Himmel, Erd, Sonn und Mond
Ins Firmament zwey Lichter stellt,
Die uns Tag, Jahr und Monden zählt.
Darum das Werk ward angestellt,
mit gewissem Gang und schönem Gemäld
der Sonnen Circul in gewisser Zahl
durch 12 Zeichen all’ Jahr einmal.
Der mittlere Gang zu Nacht und Tagen
Stund, Viertel und Minut thut zeigen;
des Mondes Schein, so wird groß und klein,
wird zeigen die höchst Scheiben allein.
Die Bilder sind auch gestellt ins Werk
Weil jedes hat sein Augenmerk’.
Der Widder Kampf Dir klärlich deut
Daß mit der Zeit Zeit hab ein Streit.
Die Uhr der Engel schnell umwendt,
Bedeut Dein’ Stund’ am letzten End.
Dann mit dem hellen Geschrei der Hahn
ermahnt Dich, daß Du Buß sollst thun,
Des Engels groß Posaunenton
Daß bald künftig sei Gottes Sohn
Der prüfen wird zur Seeligkeit
Die an ihn glauben zu dieser Zeit.

Das Stunden- und Minutenwerk enthält am eisernen Gestelle die Worte:

Zeit verdreib heis ich
Manicha hertha Kopf verlas ich
und Dinast bleib ich
Hans Paulus macht mich. 1525.

Das übrige Werk mit den mechanischen Figuren wurde in den Jahren 1579 und 1580 von Isaac Habrecht aus Schaffhausen und seinem Gesellen Michael Müller verfertigt. Habrecht, welcher 1574 die berühmte astronomische Uhr im Strasburger Münster vollendet hatte, erhielt für die Heilbronner Uhr 400 fl. und sein Geselle Müller solle noch 40 Jahre lang hier als Uhrmacher gelebt haben.

Unter dem Hofgebäude befinden sich sieben unterirdische Gefängnisse, in welchen bis zum Jahr 1804 schwere Verbrecher verwahrt worden sind.

Das Rathhaus und seine Nebengebäude war zuweilen das Absteigequartier fürstlicher Personen. So z. B. logirten hier Kaiser | Ferdinand III. vom 26. Juni bis 12. Juli 1635, die Churfürsten von Brandenburg und von der Pfalz im Sept. 1674, Churfürst von Sachsen und sein Prinz 8 Tage lang im Juli 1690, Prinz Ludwig von Baden am 23. Juni 1693 und am 14./15. Juni 1703, der Reichsmarschall Markgraf von Bayreuth vom 14. Febr. bis 20. Mai 1707.

Im Jahr 1853 sind in dem Hofbau über zwei Treppen drei große Zimmer neu eingerichtet worden.

2) Das Stadtarchiv stehet mit der Ostseite des Hintergebäudes des Rathhauses in Verbindung. Seine 53 Schuh lange östliche Façade ist gegen den Kieselmarkt gerichtet, seine Tiefe 46 Schuh. Der Grundstein zu diesem Bau ist am 25. Mai 1765 gelegt worden.

Der Bau ist ganz von Steinen. Das Erdgeschoß und die Bel-Etage haben Kreuzgewölbe, die von starken Pfeilern getragen werden, der dritte Stock hat gegypste Decken, ein Mansardendach deckt das Gebäude. Die äußeren Thüren und Läden sind aus Gußeisen.

Ebenso musterhaft sind auch die inneren Einrichtungen. Weiß angestrichene mit goldenen Stäben gezierte Kästen, welche die Akten enthalten, können in kleinere Theile zerlegt und leicht transportirt werden. Bei jedem Kasten kann ein Brett hervorgeschoben werden, um die Akten vor sich hinlegen zu können.

Dieses Archiv hat zwar die seltensten Urkunden an das Staatsarchiv in Stuttgart abgeben müssen, enthält aber immer noch interessante Akten, z. B. viele Fehdebriefe, die Heilbronner Rathsprotokolle vom Jahr 1530 an, sehr alte Stadtrechnungen, Akten über den Bauernkrieg und 30jährigen, über die evangelische Union, und Schreiben und Unterschriften vieler Kaiser und Churfürsten, namentlich auch der Schwedenkönige Gustav Adolf und Carl XII., der Feldherren Herzog von Alba, Tilly, Gallas, Ludwig von Baden, Prinz Eugen von Savoyen, der Ritter Götz von Berlichingen, Franz von Sickingen u. s. w.

3) Der Bauhof und Hafenmarktsthurm (Franziskanerkirche.)

An der Ostseite des vormaligen Franziskanerklosters stehet noch über dem Fensterbogen: Anno Dom. 1272. Nos fratres minores hanc civitatem intravimus anno 67 postquam ordinem incepit S. Franciscus, qui annos XX. supervixit und im Kreuzgang der Kirche kann man lesen: Anno domini MCCCXIV consecrata est haec ecclesia in honorem sanctae virginis et beati Francisci.

| Der jetzige Hafenmarkt war ein Kirchhof dieser Kirche und auf der Ostseite war ein großer Garten, den die Franziskaner 1465 an die Nonnen abtreten mußten, die ihn bis 1811 benützten (Nonnengarten). Dieser und die Kirche dient jetzt zum Bauhof, soweit der Garten nicht für die neuen Gymnasiums- und Schulgebäude überbaut worden ist.

Die Franziskaner erwarben 1330 1/4 Hof zu Obergriesheim, 1372 Güter in Nordheim, und ihre Kirche hatte viele Grabsteine, z. B. der Edlen von Enzberg 1290, v. Mentzingen 1386, Marschällen v. Hohenrieth 1334, 1371 und 1443, v. Berlichingen 1130, v. Gemmingen 1481, v. Berlin 1494, v. Thalheim 1448, v. Adelsheim, und noch sind die Trümmer eines Grabmals des letzten Grafen (Heinrich) v. Löwenstein, aus der Habsburger Dynastie, und seiner Gemahlin Anna, Gräfin v. Erbach, vom Jahr 1443 zu sehen; sowie ein marmornes Epitaphium eines Münchner Bürgers, Peter Meißenhölder, von 1519.

Die Mönche kamen durch Sittenlosigkeit in schlechten Ruf, weshalb 1465 eine Reformation des Klosters nöthig wurde, und sicher hat die Rohheit dieser Bettelmönche dazu beigetragen, daß die lutherische Lehre zu Heilbronn bald Eingang fand. Sie waren daher auch heftige Gegner der Reformation. 1528 raffte eine Seuche die meisten dahin, die übrigen übergaben das Kloster dem Rath, der die Gebäude zu Schulen verwendete, die Kirche zum evangelischen Gottesdienste.

Noch im Jahr 1517 hatten die Mönche die Kirche mit Deckengemälden versehen lassen. Acht Heilige waren abgebildet, dabei das v. Adelsheim’sche Wappen.

Am westlichen Portal waren Christi Marterwerkzeuge dargestellt mit der Inschrift:

Ich leb, und weiß nicht wie lang
Ich sterb und weiß nicht wann.
Ich fahr und weiß nicht wohin,
Mich wundert, daß ich so fröhlig bin
Wenn ich bedenk den Tod und die ewig Pein
So möcht ich nicht so fröhlig seyn.

Eine Inschrift, die später weithin verbreitet worden ist.

Als König Heinrich VII. mit dem Erzbischof Peter von Mainz u. A. im Aug. 1309 in Heilbronn den Plan verabredete, seinem Sohne Johann vermittelst Heirath mit Elisabethen, König Wenzels Tochter, die böhmische Krone zuzuwenden, verkündigte am 15. Aug. | der Predigerbruder Matthäus in dieser Franziskanerkirche nach Beendigung der Predigt, welcher Heinrich VII. anwohnte, daß dessen Machtboten vom Pabste Clemens V. zurückgekommen seien und die Einladung zur Kaiserkrönung mitgebracht haben. (Stälin 3, 121.) Im Jahr 1544 starb der letzte Franziskaner in diesem Kloster.

Die Franzosen füllten 1688 die Kirche mit zusammengeraubtem Heu und Stroh und verbrannten sie am 22. Dez. 1688./1. Jan. 1689. 1728 wurde der Grundstein zu einer neuen Kirche gelegt, aber nur der Thurm gebaut, dessen oberer Theil 1726 nach dem Plane des Baumeisters Meyer aus Strasburg vollendet worden ist. Im Jahr 1808 wurde die Glocke von St. Nicolai in diesem Thurme aufgehängt und 1845 eine Schlaguhr eingerichtet. Als man auch die Kirche wieder aufbauen wollte, ward Heilbronn von Kriegsheeren besetzt, so daß man das Geld für diese verwenden mußte. So ist diese Kirche immer noch eine Ruine.

4) Die Gymnasiums- und Schulgebäude.

Schon im Jahr 1431 war ein Schulmeister angestellt und die Reformatoren Johann Lachmann und Erhard Schnepf von hier, Joh. Oecolampadius aus Weinsberg, und der Tübinger Professor Leonhard Fuchs u. A. erlernten die alten Sprachen bei Konrad Költer, welcher 1492 bis 1527 Meister war. (S. Geschichte der Heilbronner Schulen in der Einladungsschrift zum Königs-Geburtsfest 1858 von Rector Finkh.)

Nach Aufhebung des Franziskanerklosters (1544) wohnte ein lateinischer Schulmeister und sein „Geselle“ (Baccalaureus) mit Alumnen in dem Kloster, im Jahr 1581 wurden fünf Classen errichtet und am 21. Okt. 1620 eine sechste, und die Schule zu einem Gymnasium erhoben, die Alumnen aber entlassen, um Raum für die Classen zu gewinnen, denn in das Kloster wurden auch die deutschen Schulen verlegt (in denen schon 1514 die Knaben von den Mädchen, damals nur 20, getrennt worden sind).

Als am 29. Okt. 1827 das Obergymnasium mit einer Realschule ins Leben trat und 1837 eine obere Realschule, so reichte der Raum im Kloster nicht mehr hin.

Es wurde daher 1826 auf die Nordseite des Nonnengartens das Carolinum, 1840 und 1841 in die nordöstliche Ecke das Rectoratsgebäude erbaut, 1841 eine Famuluswohnung.

In dem 2. Stock des Rectoratshauses befindet sich die vormalige Stadtbibliothek und andere Sammlungen, darüber die Wohnung des Rectors.

| Im Übrigen enthalten diese neuen Gebäude und noch der nordöstliche Theil des Klosters die Lehrzimmer für zwei obere und sechs untere Classen des Gymnasiums, und eine obere und vier untere Classen der Realschule, sowie der Zimmer für eine Elementarschule, und für den Unterricht im Zeichnen, Modelliren, Rechnen u. s. w., Gewerbeschule, Fortbildungsschule.

Der übrige Theil des Klosters, worauf 1819 und 1846 ein dritter Stock aufgebaut worden ist, enthält zehn Mädchenschulen und die Miethwohnung für sechs Classen der höheren Töchterschule. Die neun Knabenschulen befinden sich jetzt in einem dreistockigten Gebäude auf der Ostseite des ehemaligen Nonnengartens, 1846 neu erbaut. (Früher war die Knabenschule nach und nach in der Hämmerlingsgasse, Schulgasse und Klostergasse).

5) Das Pensionat mit 44 bis 50 Schülern unter Aufsicht eines Ephorus und dreier Repetenten, am 1. Nov. 1851 eröffnet, befindet sich in dem 1803 aufgehobenen Carmeliter-Conventhaus.


Dieses Gebäude ist 1743 erbaut worden, wurde 1803 Kaserne, 1805 französischer Militärspital, und 1806 bis 1849 wieder Kaserne. Im Okt. 1851 wurde es um 6000 fl. an die Stiftungspflege verkauft, welche noch 15.000 fl. zur Einrichtung des Pensionats aufwendete, das immer stark besetzt ist.

6) Das Armenhaus an dem Pfühlbach, unweit der Straße nach Neckarsulm ist ein unansehnliches Gebäude.

Als viele Aussätzige von den Kreuzzügen zurückkehrten, war es das „Sundersiechenhaus“ (Haus für abzusondernde Sieche) von Kapuzinern besorgt, und das dazu gehörige Vorrathshaus, jetzt im Privatbesitz, ist das Gebäude Nr. 9 an der St. Jacobsgasse, welches dieser Gasse den Namen gab. Denn das Krankenhaus war dem St. Jacob (apud leprosos) geweihet, und hatte eine Kapelle, welche Gebäude aber wegen der Vertheidigung der Stadt im Sept. 1634 von Schweden, im Aug. 1646 von Bayern zerstört worden sind.

7) Das Paulinenhospital, nahe beim Armenhaus, in den Jahren 1831 und 1832 wegen der Cholera, deren Ausbruch man auch in Heilbronn befürchtete, erbaut und 1840/41 durch einen Flügel erweitert, ist seit 1. Okt. 1834 das Krankenhaus für Dienstboten und Arbeiter mit 50 Betten. Die Gebäude kosteten die Stadtgemeinde 15.557 fl., der Grund 450 fl.

8) Vom Bürgerspital war schon oben die Rede.

9) Das Archiv am Hafenmarkt wurde von der Stadt für die Ritterschaft des Kantons Kraichgau, der von 1619 an bis zu seiner | Auflösung in Heilbronn seinen Sitz hatte, 1784/88 erbaut. Das Gebäude, im Mansardstyl aufgeführt, ist 66 Fuß lang, 62 breit und

kostete nur 14.000 fl. Die Ritterschaft, welche ihre Versammlungen hier hielt, und Kanzleien und Archiv darinnen hatte, zahlte einen Miethzins. 1806 nahm der Staat Besitz davon, verlegte 1812 das Postamt in dieses Gebäude. Der Fürst v. Thurn und Taxis erbaute daneben noch eine Remise, und der Staat verkaufte im Okt. 1854 alle diese bisherigen Postgebäude um 22.000 fl. an die Stadt, welche das Hauptgebäude vermiethet, in dem Remisebau die Löschgeräthschaften verwahrt, und darüber die Zeichnenschule eingerichtet hat.

10) Städtische Gebäude für Gewerbe und Handel.

a. Das unansehnliche Fruchthaus (ehemals Lederhaus) dient zum Getreidemarkt, und seine Bühnen zur Aufbewahrung der Früchte.

b. Das Fleischhaus. Ein schöner im Jahr 1600 aufgeführter Arkadenbau am Kirchbronnenbach, nahe am Brückenthor, dient zu ebener Erde zum Schlachten der größeren Thiere, in der Bel-Etage war das Stadtgericht versammelt, und Hochzeitschmäuse wurden auch hier abgehalten.

c. Die Kilianshalle. Als die unteren Räume des Rathhauses bei der Stadtwage zur Aufbewahrung und Verpackung der Kaufmannsgüter nicht mehr ausreichten, miethete der Handelsverein dazu die ehemalige Zehntscheuer, welche 1834 die Stadt von dem Staate erkauft hatte.

d. Das Wollenhaus 195 Fuß lang, mit zweien 145 Fuß langen Flügeln, die einen viereckigten Hof einschließen, wurde neu erbaut, nachdem an dieser Stelle der Rest der Verschanzungen vor dem Fleinerthor 1852 abgetragen worden war, so daß seit Juni 1818 die Wollenmärkte und seit August 1853 die Ledermärkte hier abgehalten werden.

e. Das städtische Pulvermagazin im Jahr 1812 am Viehweg mit Erdwall und Blitzableiter eingerichtet, kostete 3300 fl.

f. Das Schießhaus, ein hübsches Gebäude im Rococostyl, 1769 und 1770 erbaut, dient seitdem wie die Schrift unter dem Balkone an der Groß-Gartacherstraße (aratri commodo et armorum lusui) sagt, zur Abhaltung der Viehmärkte und für das Scheibenschießen, denn hinter dem Gebäude befindet sich der Schießplatz.

In der Bel-Etage ist ein schöner Saal, reich mit Stuccaturarbeiten ausgeschmückt, mit zwei Landschaften von Holzhey. Dieser Saal wurde schon als Theater, als Tanzsaal, Speisesaal u. s. w. | verwendet. Im Febr. 1813 diente er als Quarantaine für die aus Rußland zurückgekehrten Württemberger, die hier die Kleider wechseln mußten, und gereinigt in die Garnison zogen. Die Kranken blieben hier, bis sie weiter reisen konnten.

Viele städtischen Wiesen um das Schießhaus dienen zur Weide der Metzgerhämmel, und enthalten eine große Anzahl von Äpfelbäumen, deren Obst von der Stadtpflege verkauft wird. Hier ist auch ein Turnplatz eingerichtet.

11) Gemeinnützige Anstalten.

a. Brunnen. Der Kirchbronnen, ehedem überaus reich an Wasser, ist versiegt und auch die schöne Nische über seinen 7 Röhren vom Jahre 1541 ist 1809 durch ruchlose Hände ruinirt worden. Überall in der Stadt befinden sich aber gegrabene Brunnen mit Pumpen, wovon mehr als fünfzig auf städtische Kosten unterhalten werden.

Seit 1827 wurden auch viele artesische Brunnen erbohrt, und zwei Wasserleitungen führen weither gesunde Trinkwasser in die Stadt, wo öffentliche und Privatbrunnen davon gespeist werden. Denn schon im Jahr 1558 ward der Cäcilienbrunnen gefaßt, ein massives Haus darüber erbaut und im Jahr 1588/90 wurde das meiste Wasser durch hölzerne Deichel in die Stadt geleitet. Im Jahr 1836 wurden diese durch eine 3475′ lange Leitung thönerner Röhren von Bihl ersetzt, und 1842 auch die hölzernen Deichel in der Stadt mit einem Aufwande von 10.700 fl. Die äußere Pfühlquelle ist seit 1811 durch das Carlsthor in die untere Stadt geleitet, ebenfalls in thönernen Deicheln, die von der Quelle bis zum Thor 6070 Fuß lang sind, was nur in den Jahren 1823, 1836 und 1846 bei der Erneuerung 12.600 fl. gekostet hat.

Von den öffentlichen Brunnen mit großen Wasserkästen zeichnen sich der Fortunabrunnen von 1713 mit einer Bildsäule der Heilbronnia, von Bildhauer Güldenstein zu Stuttgart im Jahr 1861, und der St. Georgsbrunnen mit dem Reiterbild dieses Heiligen auf dem Hafenmarkt, seit 1733, aus.

b. Öffentliche Badanstalten hatte Heilbronn zwei für erwachsene Personen (Bad am Kirchbronnen und an der Bad- [jetzt Bahn-] Gasse) und das Kinderbad (Nr. 12 untere Neckarstraße).

Diese Anstalten gehörten der Stadt und in jedem Bade wohnte ein Bader, der nicht nur die Bäder besorgen mußte, sondern auch rasirte, schröpfte, zur Ader ließ u. s. w. Nach der Hochzeitordnung vom Jahr 1492 mußten sich ein Tag vor der Hochzeit alle Hochzeitsgäste | baden, worauf sich die Gesellschaft in das Hochzeitshaus zu einer sogenannten gelben (Safran-) Suppe begab. Die Hochzeitsordnung vom Dec. 1699 verbot diese „Barbier-Suppe“.

Jetzt sind die warmen Bäder und seit 1851 die Schwimmschule im Neckar Privatanstalten.

c. Öffentliche Waschhäuser sind zwei vorhanden, die schon 1594 bestanden haben.

d. Städtische Backhäuser sind 1844 und 1853 errichtet worden, das eine auf dem Backhausplatz Nr. 8, das andere an der Wolfgangsgasse Nr. 25.

e. Straßenbeleuchtung. In Heilbronn traten im Jahr 1780 Blechlaternen mit Öllampen an die Stelle der bisherigen eisernen Pechpfannen. 1809 wurden Laternen mit Metallspiegeln an Ketten über die Straßen gehängt, im Spätjahr 1849 tragbares Gas bereitet und an dessen Stelle kam 1852 Leuchtgas aus Holz, seit April 1857 aus Steinkohlen, das in zwei Gasometern gesammelt und durch eiserne Röhren in die ganze Stadt geleitet wird, um die öffentlichen Plätze und Straßen und viele Privatlokale zu beleuchten.

Im Dec. 1863 hatte die Stadtgemeinde 208 Gaslaternen, und sie bezahlt für je 100 Brennstunden einer Laterne 1 fl.

An Privaten werden jährlich etwa 7 Millionen Cubikfuß à 5 fl. 30 kr. abgegeben.

f. Feuerlösch-Anstalten. Für die Feuerwehr mit den Turnern sind 13 Wagenfeuerspritzen, 21 Tragspritzen, 30 einspännige Karren mit Wasserfässern, 86 Butten, 2 Zubringsmaschinen mit vielen Schläuchen und andern Geräthschaften auf städtische Kosten angeschafft.

g. Der Friedhof liegt an der Weinsberger Staatsstraße, wo 1440 das Carmeliterkloster zur Maria am Nesselbusch gegründet worden ist. Von diesem sind nach seiner Zerstörung im Jahr 1632 nur noch wenige Trümmer und Grabsteine vorhanden an der nördlichen Mauer, darunter das steinerne Ritterbild des Arnold Geiling von Yllisheim vom Jahr 1521, das ihm sein Tochtermann Götz von Berlichingen setzen ließ.

Der nordwestliche Theil mit dem im Jahr 1545 errichteten steinernen Kreuze ist seit der Reformation Begräbnißplatz der Evangelischen. Als 1636 die Pest 2018 Menschen hinraffte, ward derselbe vergrößert. Im Jahr 1834 erkaufte die Stadt vom Staate den 51/4 Morgen großen Carmelitergarten und später noch Privatgärten | dazu, so daß der Friedhof jetzt einen Flächenraum von 111/2 Morgen hat.

Alles wurde mit einer Mauer umfaßt, die Mauern im Innern aber bis auf wenige Reste demolirt, und Wege mit Baumalleen und Beerdigungsplätze für Reihengräber und für Familien angelegt. Diese sind meistens Gartenplätze (Kepotaphien) mit Denksteinen. Dabei schonte man die vielen alten Grabsteine, so daß man hier hunderte von Monumenten des Spitzbogenstyls, der Renaissance, des Jesuiten-, Rococo- und des modernen Styles sehen kann.

In künstlerischer Hinsicht verdienen erwähnt zu werden, die Grabsteine des Bürgermeisters Johann Schübler, gestorben 1744, und des Stadtpfarrers Phil. Friedr. Kübel vom Jahr 1744 im Rococostyle, das Grabmal des Bürgermeisters Georg Heinrich von Roßkampf, gestorben 16. Juni 1794; zwei Dannecker’sche Monumente, ein Granit-Sarkophag für Peter v. Blankenhagen aus Riga, gest. 1802, und eine Hygiea en basrelief für den Dr. med. Christian Gmelin, von 1809; das Gustav Schäuffelen’sche Grabmal, eine in der Hofmann’schen Eisengießerei gegossene gothische Spitzsäule, modellirt von Professor J. Läpple hier, von 1848, mit Inschriften von Just. Kerner; das Denkmal der Familie des Fabrikinhabers F. M. Münzing von Prof. v. Wagner zu Stuttgart (Christus als Tröster en hautrelief); das Kepotaphium der Peter Bruckmann’schen Familie mit der Büste desselben von Zwergern, Bildhauer in Frankfurt; das Pilger’sche Familiengrab mit einer kolossalen Pilgerstatue von Alb. Güldenstein in Stuttgart, und betende Engel und Frauengestalten von Bildhauer Zartmann in Neckarsulm auf den Monumenten der Höring’schen, Stang’schen und Hauber’schen Familiengräber und a. m.

Diese viele Grabsteine sind von Blumenbeeten, Gesträuchen und hohen Bäumen, theils von Alleen, theils in Gruppen umgeben, so daß der Friedhof einem schönen Parke gleicht, reich an ausgezeichneten exotischen Pflanzen (Riesenfichten, Cedern vom Libanon und aus Amerika, Fichten, Lebensbäumen, Tamarisken aller Art; Trauer-Eichen, -Eschen, und -Weiden; virginischen Wachholder (den Cypressen ähnlich). So ist dieser Friedhof der schönste in Württemberg. In seiner Mitte stehet das Leichenhaus, welches massiv von Steinen und mit kanellirten dorischen Säulen von dem damaligen Stadtbaumeister Wepfer erbaut worden ist. Es enthält zwei Säle für zehn Leichen, eine Stube der Wächter, Küche, Sektionszimmer u. s. w. und wurde 1840 dem Gebrauche übergeben.

| Der † Oberamtsarzt Dr. J. Fr. Seyffer machte auf die Nothwendigkeit eines Leichenhauses für Heilbronn aufmerksam, wo viele arme Fabrikarbeiter in die größte Noth kamen, wenn sie in ihrer einzigen heizbaren Stube eine Leiche aufzubewahren hatten. Sein Tochtermann, Gustav Schäufelen, nach einem Brandunglück von seinen Mitbürgern durch eine Collekte unterstützt, gab 2000 fl. (mehr als das Doppelte) zum Baue, andere Heilbronner 1000 fl., und die Stadtkasse legte das Übrige bei. Das Haus kostete 6120 fl., die Einrichtung 300 fl.

Aus den Zinsen einer Stiftung, die nach und nach ein Capitalvermögen von 958 fl. erhalten hat, werden die Kosten für die Aufbewahrung der Leichen aus armen Familien bestritten.

Die Leichenhauskasse zahlt nach und nach an die Stadtkasse die Vorschüsse, welche diese zum Leichenhausbau gemacht hat, ab. Es sind noch ca. 2803 fl. zu ersetzen.

h. Von den vormaligen Klosterhöfen ist soviel bekannt, daß

1) die Abtei Billigheim, welcher König Rudolph 13. Sept. 1281 die von König Heinrich (VII.) ihr verliehene Steuerfreiheit bestätigt hat, einen Hof am Markte (jetzt Gasthof zum Falken) besaß, der 1593 von Churmainz um 5000 fl. an Jacob Georg Trapp verkauft worden ist (Jäger I. 48, 299, 300. II. 162);

2) dem Kloster Adelberg wurden von König Heinrich 1226 und 1234 Güter zu Heilbronn zu einer Messe für das Seelenheil seiner kaiserlichen Vorfahren geschenkt, und ein Gut zu Altbökingen tauschte das Kloster von dem zu Frauenzimmern ein. Der Hof stand in der Carlsstraße, welche bis 1826 die Adelbergergasse genannt worden ist. Württemberg erkaufte den Hof ums Jahr 1450 und erst 1838 wurde der Rest (die ehemalige Zehntscheuer) an einen Privaten verkauft (Jäger I. 44, 77, 274. II. 175);

3) das Kloster Lichtenstern besaß schon vor 1384 (Jäger I. 45, 167) einen Hof an der Ecke der Lamm- und Rappengasse. Durch Eroberung kam 1504 das Kloster an Württemberg, welches 1809 den Hof an Privatleute verkauft hat;

4) dem Kloster Lorch, wo die Hohenstaufen ihr Erbbegräbniß hatten, schenkten diese eine Mühle und einen Hof mit dem Grön (Wiese) dabei. 1314 belehnte das Kloster Heinrichen von Remchingen, Bürger zu Heilbronn, mit der Mühle u. s. w. und dessen Familie verkaufte alles 1423 an den Spital zu Heilbronn. Dieser verkaufte 1424 die Mühle an die Stadt, welche sie noch als die sogenannte Sülmermühle besitzt. 1841 verkaufte der Spital das | Spitalgrün (mit Inseln) und mit der vormaligen Bleich-Walkmühle an Gustav Schäufelen um 36.000 fl., der die Insel in einen Park umschaffen ließ, der seit 1862 durch die Kocher-Eisenbahn durchschnitten ist. Der Kanon des Klosters Lorch von 10 Pfd. Hällern ist erst in neuester Zeit abgelöst worden (Jäger I. 44, 71, 121).

5) Am reichsten in Heilbronn war das Kloster Hirschau begütert, weil die Grafen von Calw demselben 1075 die Hälfte der Markt- und Münz-Gerechtsame und den Hafen (damals am Lohthor), den Nordberg und einen Hof mit Leibeigenen geschenkt haben, der jetzt der Hirschhof heißt.

Kaiser Friedrich II. stellte 25. Juni 1215 eine Urkunde über diesen Hof aus, der längst in Privatbesitz gekommen ist.

6) Das Kloster Maulbronn hatte schon vor dem Jahre 1278 einen Hof in Heileprunne von dem König Rudolph tauschweise gegen Güter in Brezzingen (am Oberrhein) erhalten, mit welchen am 2. Aug. 1282 Adelheidis, Wittwe des Schultheißen Cunrad in Heilicprun und ihre Erben belehnt worden sind und am 17. Sept. 1287 und 13. Nov. 1289 wurden mit dem Maulbronner Hofe auf König Rudolphs Befehl wieder Güter vereinigt, welche früher dazu gehört hatten. Am 28. Febr. 1290 schenkte der Heilbronner Bürger Volmar Lemelin Weinberge zu Heilbronn zu einem ewigen Lichte.

25. März 1324 verkaufte Maulbronn einen Theil seines Hofes mit 60 Morgen Weingarten, welchen Maulbronn von Hirschau erkauft hatte, um 800 fl. an die Reichsabtei Kaisersheim, die nun die Messen in der zum Hofe gehörigen Johannes-Capelle zu lesen hatte.

Einen anderen Theil seines Hofes verkaufte Maulbronn 1331 an Walther Ludwin, Bürger zu Heilbronn, und belehnte 1335 mit dem, was noch übrig war, den Altschultheißen Lupold in Heilbronn für jährliche 60 Pfd. Häller, dessen Erben im Jahr 1368 diese Lehenstücken an die Stadt verkauften, mit Ausnahme des Nordbergs und 63 Pfd. Häller Geld, so daß von nun an ein städtischer Lehenträger die Lehen von Maulbronn empfing, bis im Jahre 1525 dieses Erblehen samt allen Gütern, welche Maulbronn noch auf Heilbronner Markung besaß, um 2000 Gulden von der Stadt abgekauft wurde.

7) Das Reichsstift Kaisersheim an der Donau erbaute sich einen Hof an der Südseite der Franziskanerkirche 1467 mit Kellern und Keltern. Es schloß Verträge mit dem Heilbronner Rath, nach welchen das Stift seine Weinberge durch Heilbronner Weingärtner bauen ließ. Diese erhielten 1/3 des Ertrags für ihre Arbeit, das | Stift 2/3 für den Zins aus dem Ankaufs-Capital und für die baaren Auslagen für Stöcke, Pfähle, Dünger u. s. w.

Ein Conventual verwaltete den Kaisersheimer Hof, bis das Stift 1803 der Krone Bayern zufiel, worauf König Max diesen Hof seinem Minister von Montgelas schenkte, der ihn 1822 an den Baron v. Heffels verkaufte. 1832 fand sich dieser über die dreitheiligen Weinberge mit den betr. Weingärtnern ab, und verkaufte Hof und Weinberge. Der Baron schloß aber noch vorher einen Vertrag mit der Stadt ab, wornach er 1000 fl. vom Kaufschillinge an diese überlassen mußte, mit der Bestimmung, daß vom Reinertrag dieser Stiftung jährlich Prämien für ärmere Weingärtner ausbezahlt werden, welche sich durch den Bau ihrer Weinberge auszeichnen.

8) Das Cistercienserkloster Schönthal hatte schon 1177 Güter zu Heilbronn und gründete 1314 einen Hof daselbst, der von der Kübel’schen Familie erkauft worden ist. 1354 schenkte ein anderer Heilbronner Bürger Conrad Ludolf und seine eheliche Hausfrau Kunigunde 100 und später noch weitere 300 Pfd. Häller in diesen Hof. 1357 wurde eine Kapelle eingeweiht mit vier Altären, der Jungfrau Maria, der h. Katharina, Agnes und allen Heiligen, wodurch die Gasse dort den Namen Allerheiligengasse erhalten hat, und auch eine zweite Kapelle hatte dieser Hof.

Der Schönthalerhof wurde durch Stiftungen in den Jahren 1361, 1394 u. s. f. immer reicher und diente der Abtei zu Aufbewahrung ihrer Vorräthe, besonders zu Kriegszeiten, in welchen sich auch der Abt und andere Mönche hieher flüchteten. Als im April 1525 der Abt hier war, wurde auch er von den rebellischen Bauern gebrandschatzt.

Noch jetzt verkündet auch eine goldene Inschrift: Anno domini MDXLVI. den 24. Dec. ist Carolus quintus, römischer Kaiser, in einer Senfte hereingetragen und im MDXLVII. Jahr zu Roß wieder hinaus geritten, als er 4 Wochen weniger 4 Tag hier gewesen.“

In diesem Hause nämlich stieg im Schmalkaldischen Kriege Carl V. mit dem Herzoge von Alva ab, und in demselben schloß der Kaiser am 3. Januar 1547 mit den Abgesandten des Herzogs Ulrich von Württemberg einen Aussöhnungsvertrag.

1570 stieg auch Kaiser Maximilian II. mit fünf Söhnen in diesem Hofe ab. 1632 schenkten die Schweden den Hof dem Grafen Kraft von Hohenlohe; aber nach der Schlacht bei Nördlingen kam er wieder in den Besitz der Abtei Schönthal, bis diese 1803 als Entschädigung | Württemberg zugetheilt worden ist. Der Theil des Schönthalerhofs an der Deutschhofstraße wurde nun die Wohnung der Landvögte, und er kam 1820 durch Tausch an die Stiftungspflege Heilbronn, die ihn an Privatleute verkaufte. Der westliche Theil war schon früher an Privaten verkauft worden.

Der Bau an der Deutschhofstraße war im Renaissancestyle aufgeführt. Die Façade war mit den Bildsäulen der Cardinaltugenden (Liebe, Gerechtigkeit u. s. w.) in Nischen zwischen den Fenstern geschmückt. Der Baumeister, welcher die Wohnung für den Landvogt einzurichten hatte, ließ aber nicht nur alle Ornamente wegschaffen, er legte auch die Fensterbänke niederer und versah sie mit Grillagen, die nur von Holz waren, so daß dadurch im Jahr 1807 Graf Gustav von Degenfeld den Tod fand, weil das Holz brach und der Graf durch das Fenster hinabstürzte.

Die Schönthalerhof-Gebäude zeigen daher nur noch weniges von ihrer alten Herrlichkeit. Auch die Inschrift:

Der Anfang unsers Lebens
vergeht in Unverstand;
der Fortgang wird vergebens
und unnüz angewandt;
Das Mittel häget Quälen
Das End’ ist Angst und Noth;
Die Rechnung kann nicht fehlen,
ihr Facit ist der Tod!

ist verschwunden.

9) Von anderen Klosterhöfen in Heilbronn, dem Amorbacher (Jäger I. 45, 46), dem Herbrechtinger (Jäger I. 44), Oberstenfelder (Urk. von 1311 und 1314) weiß man nicht mehr, wo sie standen.

Von Privathäusern sind zu erwähnen:

a. aus der Zeit des älteren Renaissance-Styls

1) das sehr alte um das Jahr 1500 umgebaute, in neueren Zeiten jedoch sehr veränderte hohe Steinhaus am Marktplatz und Kramstraße, das im Jahr 1616 der Familie Hüngerlin gehört hat. Es hat einen Erker mit Versen aus Habakuk (Cap. I. V. 13), Jeremias (Cap. 51. V. 31) in lateinischer Sprache;

2) ein Steinhaus beim Kirchbronnen, mit einem Erker, an welchem zwei Engel das Wappen der Familie Imlin (drei Bienen) halten.

| b. Aus der Rococo-Zeit

3) die seit 1828 von Kaufmann C. B. Bläß erkauften Gebäude, mit der Bleiweiß- und Essigfabrik. Das Hauptgebäude mit Mansarddach wurde am 5. Juli 1756 zu bauen angefangen, nach Planen des Bürgermeisters v. Roßkampf, nachdem zu einem Waisenhaus collectirt worden war. Die Waisen wurden 1758 aufgenommen, bis dieses Institut 1796 wieder aufgehoben wurde. Zugleich diente es zur Aufbewahrung von Irren und Züchtlingen. Auch die benachbarten Ämter des Deutschordens und der Adelichen schickten Sträflinge gegen Ersatz der Kosten in diese Anstalt, und nach dem Rathsprotokolle vom 22. Jan. 1762 gewährte damals der Rath die Bitte eines Cavaliers (dessen Namen nur dem Amtsbürgermeister bekannt wurde), seinen Sohn, der ein Verbrechen begangen hatte, mit Willkomm und Abschied gegen Kostgeld aufzunehmen.

Nach Heilbronns Mediatisirung wurde es Palais des Königs Friedrich, der hier öfters abgestiegen ist. Im Mai 1815 logirten Kaiser Franz mit seiner Gemahlin, seinem Bruder Erzherzog Carl, und mit dem Fürsten Metternich in diesem Palais.

4) Über die Apotheke zum Einhorn am Hafenmarkt schrieb Göthe unterm 28. Aug. 1797. „Ein einziges Gebäude zeichnet sich aus, das durch eine Bildsäule des Aesculap und durch Basrelief von zwei Einhörnern sich als Apotheke ankündigt.“

c. Neuere Gebäude.

Bürgermeister v. Roßkampf erbaute sich auch ein Haus mit Altan und munterte wohlhabende Bürger zu Aufführung hübscher Gebäude auf, und da auch der Rath in den 1790er Jahren das Bauen sehr begünstigte, so wurden noch im vorigen Jahrhundert der Gasthof zur Sonne (Nro. 52 Sülmerstraße), von Commissär Aug. Uhl das Haus in der Fleinerstraße Nr. 26 in gutem Style aufgeführt; aber der Revolutionskrieg machte dem Bauen wieder ein Ende.

Erst im gegenwärtigen Jahrhundert wurden in Heilbronn viele schöne Privatgebäude aufgeführt, meistens in den Vorstädten.

Darunter zeichnen sich aus das von Rauch’sche am Markte, vier Stöcke hoch, 1804/7 errichtet, außen sehr einfach, aber mit einem prachtvollen Speisesaal und Vorzimmern mit Wandgemälden von dem verst. Gallerie-Direktor Seele in Stuttgart (Ganymed, Hebe, Bacchus, Bacchantin in Lebensgröße; Minerva, ein Brustbild) und Landschaften von C. Keller in Stuttgart.

In diesen Gemächern weilten Fürsten und Generale. Unter anderen nahm hier Kaiser Alexander I. am 4. und 5. Juni 1815 | sein Absteigequartier, und hier war es, wo diesen Monarchen die Freifrau Juliane v. Krüdener, geb. v. Vietinghof, damals auf ihrem

Landgute Rappenhof bei Weinsberg ansäßig, besuchte, und denselben mit Bitten bestürmte, mit aller Macht den Kaiser Napoleon zu bekriegen, dann aber eine heilige Allianz unter allen christlichen Mächten zu schließen, was dann bekanntlich in einer Acte vom 26. Sept. 1815 geschehen ist.

Durch Malereien im pompejanischen Style ausgezeichnet ist das von dem Hofbaumeister Dr. Zanth erbaute Haus des Staatsraths v. Goppelt.

Gärten. Schon der böhmische Edelmann Leo von Rozmital, welcher in den Jahren 1465 bis 1467 Reisen in das Abendland gemacht hat, rühmet von Heilbronn: „Circa urbem horti sunt pulchri et prata amoena“, und Göthe, daß Heilbronn „in einer großen grünen Masse von Gärten liege, und daß ihn sein Weg vor dem Stuttgarter Thor durch schöne Gärten geführt habe.“

Seitdem haben die damals nach französischem Geschmacke zugeschnittenen Gärten den Anlagen nach englischen Vorbildern weichen müssen.

Nicht nur besitzen die Herrn v. Rauch, Gustav Schäufelen, J. M. Münzing Gewächshäuser; durch die Kunstgärtner, namentlich durch Philipp Pfau sind seit 1818 auch sehr viele exotische Bäume und Blumen einheimisch geworden, welche im warmen Heilbronner Thale freudig gedeihen, so z. B. Magnolien, Bignonien, Tulpenbäume, Paulownien, Gledischien, Robinien, Sophoren und insbesondere viele Nadelholzbäume aller Art.

Im Aktiengarten stehen seit 1820 riesige Bäume seltener Art, welche fürstlichen Parken zur Zierde gereichen würden. In diesem Garten stehet das Theatergebäude mit einem Saal, 52 Fuß lang und 40 Fuß breit, in welchem schon viele Versammlungen abgehalten worden sind. So gab König Wilhelm während der Kriegsübungen des 8. Armeecorps am 12. Sept. 1840 ein Souper von 306 Gedecken; beim Turnfeste im Aug. 1846 lagerten sich tausend junge Männer in diesem Garten; in Juni 1855 fand hier der Wettgesang der schwäbischen Liedervereine statt u. dgl. mehr.


Der Wartberg
auch Nordberg genannt, liegt 966 par. Fuß über dem Meer, ist 472 par. Fuß höher als der Marktplatz in Heilbronn, 497 höher als der untere Neckar daselbst und gewährt um deßwillen eine der | schönsten Aussichten in Württemberg, weil er, ein Ausläufer der Löwensteiner Berge, sich wie ein Vorgebirge, weit hinein in das Thal erstreckt, das vom Neckar und von der Sulm durchströmt wird.

Drei der württembergischen Oberamtsstädte, nämlich Heilbronn, Neckarsulm und Weinsberg liegen so nahe um den Wartberg herum, daß sich hier ihre Markungen berühren, und weiterhin sind die Städte Gundelsheim, Wimpfen, Löwenstein, Laufen, Bönnigheim und Schwaigern sichtbar, sowie mehr als 60 Dörfer und 10 Burgruinen, worunter Hornberg, wo Götz von Berlichingen starb; Löwenstein und Hohenneufen, die Wiege mächtiger Fürsten, und die Weibertreue.

Die Aussicht wird gegen Westen durch Bergkuppen bei Landau, jenseits des Rheins (24 Stunden entfernt) begränzt, und durch den Königsstuhl bei Heidelberg, gegen Norden durch den Katzenbuckel, den Riesen des Odenwaldes, gegen Süden durch Hohenneuffen (17 Stunden entfernt).

Der Freund der Kriegsgeschichte überblickt das Hügelland, über welches schon die Römer ihre Heerstraßen, durch Castelle vertheidigt, geführt haben, wo im Jahr 1140 Ghibellinen mit Welfen bei Ellhofen und Weinsberg gefochten, sich zur Zeit des Faustrechts Fürsten, Ritter und Städter herumgetummelt haben; wo seit 1525 durch Bauern zerstört, die Burgen Weiler am Steinsberg, Hornegg, die Scheuerburg, Weibertreue und Löwenstein ganz oder theilweise in Trümmern liegen; Laufen erinnert an die am 12. und 13. Mai 1534 von Herzog Ulrich gegen Östreich gelieferte Schlacht, wodurch er Württemberg wieder gewann, und Wimpfen an die Schlacht des 6. Mai 1622, in der Tilly und Cordua mit Spaniern und Neapolitanern den Markgrafen Georg Friedrich von Baden in die Flucht gejagt haben und 400 Pforzheimer für ihren Fürsten gestorben sind.

Man übersieht ferner viele Orte, die 1675, 1688 und 1689 von Ludwigs XIV. Mordbrennern in Brand gesteckt worden sind, die Höhen, auf denen 1693 70.000 Franzosen sich gelagert hatten, um den Neckar zu überschreiten, woran der tapfere Prinz Ludwig von Baden sie hinderte; man kann die Fluren beschauen, wo auch Prinz Eugen mit seiner Armee den Franzosen vom 8. Mai bis 19. Juni 1734 die Spitze geboten hat.

Den Freund der Kirchengeschichte interessiren die drei Orte in Heilbronn, bei Gundelsheim und bei Bönnigheim, wo die ersten Apostel der Deutschen dem h. Erzengel Michael Kirchen geweihet haben, und die vielen Klöster, welche nach und nach ein frommer Glaube gestiftet hat.

| Jetzt aber findet der Beschauer das fruchtbare Thal belebt durch Eisenbahnzüge, Dampfschiffe, Segelschiffe, Flöße, Lastwägen, Omnibus und Wägen, welche auf Straßen aller Art einherfahren.

Darum wird dieser Rebenberg, dessen Scheitel und nördlicher Abhang mit Wald bedeckt ist, von jeher häufig erstiegen. Als Kaiser Ferdinand II. im Sommer 1635 in Heilbronn weilte, besuchte er mit seinem Günstling, dem Grafen Max von Trautmannsdorf, den Wartberg, und schenkte demselben die eroberten württembergischen Ämter Weinsberg und Neustadt und dem Thürmer sechs Dukaten. Kaiser Franz I. bezeugte am 3. Juni 1815 sein Wohlgefallen an der schönen Aussicht, und auch die Könige Friedrich und Wilhelm haben sich schon dieser Aussicht erfreut.

Schubart sagt (in seinem Leben und Gesinnungen): „Ich bestieg noch einmal den Wartthurm und drückte mir den ganzen Zauber der Gegend tief in die Seele.“

Schiller weilte im Jahr 1793 gerne auf diesem Berge, auch Göthe bestieg ihn und spricht in seinem Briefe vom 28. Aug. 1797 von einem artigen Gebäude mit einem großen Saale, und sagt: „Alles, was man übersieht, ist fruchtbar. Die Stadt liegt in einer großen grünen Masse von Gärten. Der Anblick erweckt das Gefühl von einem ruhigen, breiten, hinreichenden Genuß.“

Im nahen Walde ist noch ein großer germanischer Grabhügel, und vorn an der Neckarseite stehet ein runder Wartthurm, 60 Schuhe, und mit dem Dache 68 Schuhe hoch und 53 im Umfange. Der Eingang ist wie bei den Warten auf dem Heuchelberg und bei Besigheim in einem oberen Stockwerk, so daß man sich ehedem einer Leiter bedienen mußte, um ein- und auszusteigen. Sehr wahrscheinlich sind alle diese Warten von den Grafen von Calw, welche auch Löwenstein, Ingersheim u. s. w. besaßen und schon im 9. Jahrhundert auch die Gaugrafen im Zabergäu und in benachbarten Gauen gewesen sind, erbaut worden, damit von diesen Warten aus durch Fahnen, Feuer, Rauch u. dgs. Zeichen gegenseitig gegeben werden konnten.

Der Nordberg mit Weinbergen und mit Leibeigenen, welche diese zu bebauen hatten, wird namentlich unter den Besitzungen genannt, welche Utha von ihrem Vater, dem Pfalzgrafen Adalbert II. von Calw erhalten und dem Kloster Hirschau zum Heil ihrer Seele geschenkt hat.

Später kam der Berg durch Kauf an die Stadt Heilbronn, welche auch einen Wächter auf dem Wartthurme anstellte, der mit den Thurmwächtern in der Stadt zu correspondiren hatte. Um | Signale deutlicher geben zu können, ward im Jahr 1498 ein großer Knopf aus Eisen, später aus Zwilch auf diesen Thurm gesetzt, welcher durch eine Helmstange auf- und niedergelassen werden kann, und am 11. Mai 1610 wurde der kupferne Knopf aufgesetzt, der jetzt noch als eine Curiosität besucht wird. Denn er hat 24 Schuhe im

Umfange und 8 Schuh im Durchmesser, so daß sich mehrere Menschen zu gleicher Zeit in demselben aufhalten können. In der Nacht vom 1./2. Jan. 1743 war der vierte Theil des Kupfers dieses Knopfes gestohlen worden. Später gestand ein in Weinsberg wegen eines Mords verhafteter Gauner – Singer Thomas genannt – der am 26. März 1745 erst nach dem 11. Stoße mit dem Rade unter dem Weinsberger Galgen sein Leben ausgehaucht hat, daß er dieses Kupfer entwendet hätte.

So lange Heilbronn noch Reichsstadt war, mußte der Wartthürmer laut Rathsbeschluß vom 6. Juli 1568 den Knopf täglich morgens in die Höhe winden, und wenn die Feldarbeiter Feierabend hatten, wieder niederlassen. Der letzte Gränzjäger, Nast, welcher sich durch Abrichtung eines Hirsches, Pferdes, Esels und Hasen seiner Zeit auch im Ausland einen Namen gemacht hatte, erbaute Hütten und Ruheplätze um den Wartthurm, und schuf einen Theil des Walds in einen Park um. Der Senat unterstützte ihn dabei, so daß im Jahr 1792 ein Wirthshaus 961/2 württemb. (100 heilbr.) Schuhe lang mit einem Tanzsaal 48 württemb. Schuhe lang und 331/2 württemb. Schuhe breit erbaut worden ist. Am 11. Nov. 1844 brannte das Haus bis auf die Mauern nieder, und es wurde in den folgenden Jahren mit einem Aufwande von mehr als 23.000 fl. höher und breiter wieder hergestellt.

Seit 70 Jahren wird diese Wirthschaft von der Stadtgemeinde verpachtet und zur Zeit der Weinlese von Hunderten besucht, um oben auf dem Berge zu tanzen und zu zechen, und der Aussicht auf die vielen Herbstgesellschaftsfeuer, Fackeln und Feuerwerke, welche die Weinberge erhellen, zu genießen.

Das Jägerhaus
steht am Rande des Stadtwaldes, eine Stunde von Heilbronn entfernt, an der Straße nach Donnbronn, Gruppenbach und Steinsfeld. Ursprünglich nur die Wohnung des Stadtjägers, war in den 1780r Jahren ein solides Gebäude mit Wirthschaftszimmern erbaut, und der angränzende Wald mit Anlagen versehen worden. Seitdem ist es ein Belustigungsort der Heilbronner, zu dem seit 1777 eine | Chaussee und seit 1782 eine steinerne Brücke über den Molkenbrunnenbach führt.

Am 29. August 1837 brannte das Wirthshaus aus, es wurde 48 Schuhe lang und 40 Schuh tief mit einem Aufwande von 4000 fl. wieder hergestellt, 1863 aber umgebaut und mit einem Saale versehen, auch in der Nähe ein massiver Stall und Scheuer aufgeführt, was alles etwa 20.000 fl. gekostet hat.

Leider ist dadurch die alte Einsiedelei, über die das Wirthshaus gebaut wurde, abgebrochen worden, Reste derselben, nämlich eine kleine Nische, über welcher ein Kreuz mit der Jahrszahl 1413 und ein Tragstein mit der Zahl 1560 vom alten Gewölbe sind nahe an der Ostseite eingemauert.

Sehenswerth ist die nahe dabei stehende Eiche, deren Stamm 16 Schuhe Umfang hat und der großartige Keupersandsteinbruch.

Die Wirthschaft des Jägerhauses und die Steinbrüche sind von der Stadtpflege verpachtet.


Der Trappensee

liegt an der Straße von Heilbronn nach dem Jägerhaus in einem quellenreichen Thälchen, und ist ein geschlossenes Gut mit einer Meierei, zu welcher ein 11/8 M. 13,2 R. großer Fischteich und 63/4 M. großer Garten gehört.

Im See steht ein zweistockigtes massives Schlößchen mit Altan und Glockenthürmchen. Eine steinerne Brücke führt zu demselben.

Der Trappensee gehörte nacheinander den Familien Orth, von Trapp, von Kinkel, von Rüdt, Pauli und jetzt einem Gastwirthe Kögel.

Der Garten zeichnete sich längst schon durch feines Obst aus und kleine Obelisken, Vasen und Inschriften aus Virgils Gedichten vom Landbau zeigen noch jetzt, daß der Garten einst der Lieblingsaufenthalt eines gebildeten Reichen gewesen ist.


Die Umgebung des Schießhauses

ward in neuerer Zeit der Platz, wo große Feste gefeiert oder Versammlungen gehalten worden sind.

Am 1. Juni 1815 ward das K. K. östreich. Marien-Theresien-Ordensfest zwischen diesem Gebäude und Böckingen gefeiert. [?] 8000 Mann Östreicher hatten sich mit 12 Kanonen in drei Linien aufgestellt; in der ersten Linie Grenadiere, in der zweiten das Regiment Erzherzog Rainer und in dritter Linie die Kürassier-Regimenter | Sommariva und Großfürst Constantin, letzteres von seinem tapferen Obersten Fürsten Alfred v. Windisch-Grätz (nachherigem Feldmarschall) commandirt. In einer zu diesem Zwecke erbauten Capelle ward ein Hochamt gehalten und der Generalissimus Fürst Carl von Schwarzenberg schlug die Tapferen zu Rittern. Darunter waren die k. k. General-Majore Prinz Gustav von Hessen-Homburg und Langenau, Oberst v. Simbschen (nachher Feld-Marschall-Lieut.), Major Anton von Puchner, ebenso der Hauptmann Carl Freiherr von Rodizki von Sipp (nachher General-Major).

Im Gefolge des Fürsten, welches aus 136 Officieren, worunter wenigstens 25 Generale, bestand, befanden sich unter Anderen: der damalige Kronprinz Ferdinand und die fünf Erzherzöge Ferdinand, Carl, Johann, Ludwig und Maximilian von Östreich, der Kronprinz Wilhelm von Württemberg, General-Major Prinz Leopold von Sachsen-Coburg (jetzt König der Belgier, damals mit dem F.-M.-L. Grafen Adalbert v. Neipperg zum Commandeur des Marien-Theresien-Ordens ernannt), die Prinzen und nachherige Könige Friedr. August von Sachsen und sein Bruder Johann, Prinz Carl von Bayern, Erbprinz Friedrich von Hessen-Homburg, Ludwig, Erbgroßherzog von Hessen-Darmstadt.

Unter den Generalen waren anwesend: der bayerische Feldmarschall Fürst Wrede mit dem General v. Rechberg, die östreichischen Generale Radezky († 1858 als Feldmarschall), v. Hardegg, v. Piccard, Graf Kinsky, Graf Max v. Auersperg, Graf Baillet de la Tour (1848 als Kriegsminister vom Pöbel hingeschlachtet), Constantin Frhr. d’Aspre (später F.-M.-Lieut.), der russische General Orlow Denissow, der sächsische General v. Wazdorf u. a. m.; meistens Männer, die sich damals schon ausgezeichnet hatten, und später noch weitere Verdienste erworben haben.

Damals erdröhnte der Boden daselbst von dem Donner der Kanonen und dem Kleingewehrfeuer der 8000 Krieger, welche Salven zu diesem Feste gaben.

Bei dem allgemeinen Gesangfest, das am 8. Junius 1840 in Heilbronn abgehalten worden ist, zogen 1500 Sänger Nachmittags auch zum Schießhause und führten daselbst gemeinsame Chorgesänge aus. –

Als in demselben Jahre die großen Kriegsübungen des achten deutschen Armeecorps in Heilbronn ihren Anfang nahmen, ließ König Wilhelm am 11. Septbr. auf dem Exerzierplatze beim Schießhause ein glänzendes Feuerwerk abbrennen, von welchem östreichische | Berichte sagten: es sei in einzelnen Parthien zauberhaft gewesen und allgemeinen Beifall hätten auch die im wundervollsten und verschiedensten Farbenglanze langsam sich niedersenkenden Sonnen der Fallschirm-Raketen gefunden.

20.000 Zuschauer, worunter viele Fürsten und Generale, hatten sich zu diesem großartigen Schauspiel eingefunden.

Vom 1. bis 4. August 1846 wurde das Turnfest in Heilbronn gefeiert, zu welchem 35 Männerturngemeinden aus 32 Städten mit ungefähr 750 erwachsenen Turnern erschienen sind, namentlich auch aus Hamburg, Dresden, Basel, Carlsruhe, Darmstadt, Frankfurt, Hanau, Heidelberg, Mainz, Mannheim, Meiningen, Pforzheim, Stuttgart und anderen Städten Württembergs, und wenigstens 400 jüngere Turner; – so zogen sie am 3. Aug. zum Heilbronner Turnplatz beim Schießhause, wo sich mehrere tausend Zuschauer versammelt hatten, um dem großartigen Preisturnen anzuwohnen.

Das zweite Liederfest des schwäbischen Sängerbundes ward am 9. Juni 1851 in Heilbronn gefeiert, bei welchem wenigstens 1000 Sänger, nachdem Vormittags der Wettgesang im Aktiengarten, die Hauptproduktion in der Kilianskirche stattgehabt hatte, beim Schießhause sich lagerten und heitere Gesänge ausführten, welchen Tausende von Zuhörern gelauscht haben.

Auch das Turnfest am 4. August 1856 ist auf dem schönen Turnplatze beim Schießhaus abgehalten worden, wobei sich Schweizer, und deutsche Turner aus Frankfurt a. M. u. a. O. einfanden.

Landwirthschaftliche Feste größerer Art wurden 8. Sept. 1825 und 10. Aug. 1826 hier auch abgehalten.


Von alten Befestigungen

auf Heilbronner Markung sind nur noch wenige Spuren vorhanden, da sie dem Anbau der Felder etc. weichen mußten.

An den Markungsgränzen der Reichsstadt zog ein Graben (Landwehr, Landgraben) hin. Nur an der westlichen Seite, da wo die Straßen nach Bökingen, Großgartach und Neckargartach sich schieden, am Bökinger Bach, stand auch ein Landthurm, der 1787 abgebrochen worden ist. In diesem Thurme wohnte ein Zoller, der am 26. April 1622 dem dürstenden Markgrafen Georg von Baden einen Trunk Wasser reichte, als dieser unglückliche Fürst der Schlacht bei Wimpfen entflohen war.

Der Wartthurm war ebenfalls von einem Wächter besetzt und am westlichen Abhang des Wartberges (Käferflug genannt) ist jetzt | noch der Unterbau eines Weinberghäuschens mit rundem Thürbogen, Schießscharten und der Jahrzahl 1534 zu sehen, welcher von einem

Wachthause herrührt (specula quondam bellica 1513 exstructa, wie eine Inschrift vom Jahr 1775 sagt).

Von Burgen der Ministerialen der königlichen Pfalz zu Heilbronn sind nur noch Spuren vorhanden.

Bürg, d. h. Burg, heißt noch ein Theil des Stadtwaldes auf dem Berge, der das Heilbronner Thal vom Weinsberger trennt, und an dem die Landstraße nach Weinsberg (Hall und Nürnberg) hinziehet. Der Besitzer hatte wahrscheinlich das Recht, Verbrecher zu strafen, welches später von der Stadt erworben worden ist. Bei der Burg stand ein hoher Galgen aus drei steinernen Säulen, der 1811 abgebrochen wurde.

Burgmal wird ein waldiger Hügel bei (Alt-) Bekingen genannt, an dem man noch jetzt den Burggraben und Wälle unterscheiden kann, sehr wahrscheinlich die Burg derjenigen Edlen von Bekingen, welche Lehensträger der Grafen von Hohenlohe und seit 1037 von Würzburg gewesen sind.

Ein auf drei Seiten von Hügeln eingeschlossener Wiesenplatz unweit des Cäcilienbronnens wird Stahlbühl genannt, also ein Dingplatz, eine Gerichtsstätte, wo der Gaugraf vom 8. Jahrhundert an unter freiem Himmel Gericht gehalten hat, bis die Gauverfassung ein Ende nahm.

In der Stadt selbst erinnert der Namen Siebeneichgasse auch noch an eine alte Gerichtsstätte. Noch im vorigen Jahrhundert sah man Wurzeln von einigen der sieben Eichen, welche hier im Mittelalter gestanden sind.

Die Befestigungen aus dem dreißigjährigen Kriege sind nach Abtragung des großen und des kleinen Bollwerks am Neckar zwischen Spital und Sülmermühle gänzlich demolirt.

Von den Erdschanzen, welche der deutsche Feldherr Louis von Baden 1693 aufwerfen ließ, sind nur noch auf dem Limberg zwei Redouten und bei Horkheim ein Brückenkopf zu sehen.

Die von Prinz Eugen von Savoyen 1734 und 1735 gemachten großartigen Befestigungen sind längst der Erde gleichgemacht.


Bürgerliche Beneficien

waren zur Zeit der Reichsstadt bedeutend an Holz aus dem Stadtwalde, Genuß von Wiesen, Schaf- und Viehweiden, neben sehr mäßiger Besteuerung.

| Derzeit bestehen die bürgerlichen Beneficien nur noch darinnen, daß jeder Bürger 1/4 Morgen Wiese am Neckar benützen darf, was jährlich 4–5 fl. Nutzen ist, wofür jedoch 1 fl. 30 kr. Recognitionsgeld zur Stadtkasse bezahlt werden müssen. Auch wird zur Zeit des Strohmangels nur Bürgern gestattet, Waldgras aus der Stadtwaldung zu holen.

Sodann sind Stiftungen von Stipendien für Studierende etc. vorhanden, die ausschließlich nur an Bürgersöhne verliehen werden dürfen.

Heilbronn hat die vielen Freiheiten und Rechte, die es als Reichsstadt nach und nach erworben hat, durch seine Mediatisirung verloren.

Durch den Reichsdeputations-Hauptschluß vom 25. Febr. 1803 wurde jedoch allen durch denselben mediatisirten Reichsstädten die Zusicherung gegeben, „daß sie die Rechte der privilegirtesten Städte der Stammlande genießen sollten“ und unterm 26. Jan. 1811 verlieh König Friedrich sieben Städten, worunter Heilbronn, das Prädikat „gute Stadt“, so daß sie für sich einen Abgeordneten zur zweiten Kammer absenden darf.

Wappen. Das Stadtwappen besteht aus einem gelben Schilde, auf dem ein schwarzer einköpfiger Adler mit ausgebreiteten Flügeln schwebt, gegen seinen linken Flügel hinschauend. Der Adler hat einen Herzschild mit drei Querfeldern, das obere roth, das mittlere weiß, das untere hellblau. So ist das Wappen auf dem Titelblatt des Cäcilienbronnen-Steinbuches vom Jahr 1594 bemalt.

Nach den Heilbronner Chroniken soll Kaiser Friedrich der Rothbart der Stadt diese drei Farben und zum Wappen den damaligen Reichsadler gegeben haben.

Ein noch auf dem Archiv vorhandenes Siegel, welches die Umschrift: SIGILLVM CIVITATIS HAILPRVNEN hat, und einen dreieckigen Schild vorstellt, enthält den einköpfigen links sehenden Adler ohne Herzschild.


Kirchliche Verhältnisse.
Die evangelischen Geistlichen sind der Prälat, der jährlich 28 Frühpredigten abzulegen hat, der Decan, welcher der erste Stadtpfarrer | ist, der zweite und dritte Stadtpfarrer und seit 1851 ein Stadtvikar.

Zur Zeit der Reichsstadt war der erste Geistliche Senior Ministerii und Superintendent über alle Geistlichen der Stadt und ihres Gebietes. Er und ein zweiter Geistlicher war bei St. Kilian, ein dritter bei St. Nicolai, ein vierter an der Spitalkirche angestellt. 1804 ward die Nicolaikirche Zeughaus, 1807 die Hospitalkirche Holzmagazin, und so predigten die vier Geistlichen nur in der Kilianskirche. Am 15. Dec. 1813 ward die Stelle eines Decans von der General-Superintendenz getrennt und die 4te Pfarrstelle aufgehoben. Der Prälat hatte keine Predigten mehr zu halten, bis am 8. Juni 1821 eine Übereinkunft zu Stande kam, wornach der Staat das bei der Mediatisirung in Anspruch genommene Seniorathaus wieder der Stiftungspflege abtrat, welche aber zur Besoldung eines Frühpredigers und ersten Stadtgeistlichen, der zugleich Superintendent des Generalats Heilbronn ist, 1165 fl. baar, 35/8 Schffl. Roggen, 18 Schffl. Dinkel und 5 Eimer Wein jährlich abzureichen hat.

Der Stadtvikar, welcher hauptsächlich in der Nicolaikirche die Frühpredigten hält, wird vom Staate besoldet, die drei Stadtpfarrer von der Stiftungspflege.

Die Patronatsverhältnisse betreffend, so standen solche mehrere hundert Jahre lange dem Bisthum Würzburg zu. Nach der Kirchenreformation ernannte der Rath zu Heilbronn die evangelischen Geistlichen, was aber einen langen Streit mit diesem Bisthum herbeiführte, bis der Vertrag vom 30. März 1596 demselben ein Ziel setzte, nach welchem die Pfarrpflege alle Jahr 620 fl. nach Würzburg zu schicken hatte, wogegen Heilbronn seine Geistliche wählen und die Gefälle und Güter der Pfarrpflege etc. administriren darf.

Seit Heilbronns Mediatisirung werden die Geistlichen vom König ernannt, und im Jahr 1854 wurde die nach Würzburg zu bezahlende Summe mit 11.780 fl. abgelöst.

Was die katholischen Geistlichen an der vormaligen Deutschhofkirche betrifft, so versahen bis zu Aufhebung des Carmeliterklosters die Patres desselben die Funktionen eines Geistlichen in dieser katholischen Kirche und als 7. Jan. 1806 der Curat derselben, Pater Cyrillus Dörr, gestorben war, so setzte die württemb. Regierung einen Stadtpfarrer, dem in neuerer Zeit auch ein Stadtvicar beigegeben worden ist, ein.

Die Baulast der evangelischen Kirchen und der beiden Pfarrhäuser | hat die evangelische Stiftungspflege, die der katholischen Kirche und des kathol. Pfarrhauses das Königl. Kameralamt.

Die Geschichte der vormaligen Klöster und ihre jetzige Verwendung ist bei der Beschreibung dieser Gebäude beigefügt worden.


Geschichte der Stadt Heilbronn.

Der älteste Name ist Heiligbronn[1], ohne Zweifel vom jetzigen Kirchbronnen so genannt, dessen Quelle in einer Waldschlucht eine Opferstätte sein mochte.

Als die Franken im Jahr 496 die Alemannen überwunden hatten, vereinigten jene einen Theil Alemanniens mit dem großen Frankenreiche. So kam die Gegend zu Ostfranken.

Die erste geschichtliche Erwähnung Heilbronns fällt in die Jahre zwischen 741–747, als der fränkische Majordomus Karlmann das Bisthum Würzburg mit der hiesigen Michaelskirche (in villa Helibrunna) begabte und nebst seinem Bruder Pipin dasselbe Bisthum, wie sonst in Franken, so auch in dem Kammerort Heilbronn mit einem Zehntheil der Königssteuer (der sogen. Osterstuophe) beschenkte. Die beiden Urkunden wurden durch Kaiser Karl den Großen, Kaiser Ludwig den Frommen und König Arnulf bestätigt und sind ihrem Inhalt nach nur in solchen späteren Bestätigungen erhalten worden, die erstere in der des Königs Ludwigs vom 19. Dec. 823 und König Arnulfs vom 21. Nov. 889, die zweite in der des Königs Arnulfs vom 1. Decbr. 889 (Württemb. Urk.-Buch 1. 101, 190, 192)[2] und König Heinrichs I. vom 8. April 923 (Mon. Boic. 28, 161.)

Bemerklich macht sich Heilbronn zur Karolingerzeit in der bereits erwähnten Eigenschaft als Kammerort und als königliche Pfalz. | Zum vorübergehenden Aufenthalt diente diese Pfalz den 18. Aug. 841 dem König Ludwig dem Deutschen. (Heilicprunno palatio regio. Dümmler, Gesch. des fränk. Reichs 1, 158).

Auf dem Grund königlicher Gunst erwuchs dem Hochstift Würzburg ein stattlicher Besitz.

Bischof Otto verpfändete seinem Domcapitel den 27. Aug. 1216 von Huben 30 Mark, von Fischwassern 5 Pfd. Heller, von der Meierei 20 Mark, von der Geldbet 30 Mark, von der Weinbet 30 Karren, vom Eigengut 15 Karren Wein und 150 Malter Früchte. Im Jahr 1222 versetzte er dasselbe (mit Ausnahme des Weinzehnten) den Heilbronnern Bürgern (so hießen damals die Edlen, welchen die Burg zu vertheidigen oblag) Conrad Lämlin, Hartung Scholl, Heinrich Bobach, Gerung von Flein und Conrad von Laufen mit Vorbehalt der Wiederlosung. Über solchen Besitz gerieth aber das Bisthum in Streit mit Kaiser Friedrich II. und dessen Sohn Heinrich (VII.), welche neben anderen Lehen schon früher auch Heilbronn vom Bisthum empfangen hatten. Im Jahr 1225 wurde dieser Streit dahin entschieden, daß König Heinrich oppidum Heilecbrunnen et villam Bochingen (Altböckingen) vom Bisthum zu Lehen tragen sollten (Würt. Urk.-Buch 3, 181).

Ein eigenes Geschlecht, das sich von Heilbronn nennt, kommt schon in Urkunden des 12. Jahrhunderts vor: Hartmut de Heilprunn, der dem Kloster Hirschau einen Weinberg in Heilbronn schenkte und Diethericus de Heilprunnen, der auf die diesem Kloster zugehörige (Sülmer) Mühle zu Heilbronn Ansprüche macht, bis er ums Jahr 1160 8 Mark S. erhielt (Cod. Hirsaug. 61b. 62b.).

Ansehnliche Einkünfte und Rechte besaßen die Grafen von Calw; dazu gehörten der Markt, der Hafen (damals vor dem Lohthor) und die Münze. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts schenkte Uta, Schwester Gottfrieds, Grafen von Calw und Pfalzgrafen bei Rhein, ihren Antheil dem Kloster Hirschau, wodurch die Benennung Hirschauerhof (die Häuser Nr. 3, 5, 7, 9, 11, 13, 15 an der Lohthorstraße) entstand. Ihr Bruder Gottfried nahm die Besitzungen dem Kloster, und übergab sie erst kurz vor seinem ums Jahr 1131 erfolgten Tode dem Wolfram von Weinsberg, daß er sie dem Gotteshaus wieder zustelle.

Graf Gottfried hatte eine Tochter, welche auch Uta hieß, Herzogin von Schauenburg hinterlassen, welche Herzog Welf VI. geehelicht hatte. Nach Gottfrieds Tode bemächtigte sich Welf dieser Besitzungen des Klosters zu Heilbronn. Als er jedoch einen Kreuzzug | antrat, gab er den dringenden Bitten seiner Gemalin nach, und stellte in einer im Jahr 1146 zu Peiting ausgefertigten Urkunde das unrechte Gut wieder dem Kloster zu. (Cod. Hirsaug. 47b.) Aus dieser Urkunde ersieht man, daß solche Besitzungen bestanden haben in dem vormaligen Salgut (salica terra), 17 Huben, 14 Leibeigenen zum Bau der Weinberge, in der Frohnbotenleistung (praestatio praeconis), Hirtenleistung, der halben Markt- und der halben Münzgerechtigkeit,[3] dem Hafen, dem Nordberg (Wartberg) und in einer ganzen Familie (Leibeigener), welche für das Hofgut nöthig war.

Ohne Zweifel gehörte dazu auch die Sülmermühle, und die Besitzungen des Klosters wurden nachher noch durch andere Schenkungen vermehrt.

Das Kloster Hirschau erlitt wegen dieser bedeutenden, von Zeit zu Zeit vermehrten (Cod. Hirs. 51a. 58a.) Besitzungen auch mancherlei Anfechtungen, so daß es nicht säumte, hohen Schutz nachzusuchen, welchen ihm auch Kaiser Friedrich II. in einer Urkunde vom 8. Juli 1215 für die Besitzungen überhaupt und namentlich auch für die hiesige[4] zugesichert hat.

Das deutsche Haus soll nach Heilbronner Chroniken bald nach der im Jahr 1190 erfolgten Stiftung des Ordens durch die Hohenstaufen auf hiesiges Reichsgut hin gestiftet worden sein. Im Jahre 1210 habe solches das Asylrecht für unvorsätzliche Todtschläger erhalten, ein Recht, welches, nachdem es oft zu Mißbräuchen Anlaß | gegeben hatte, erst am 18. Juni 1804 von der württembergischen Regierung aufgehoben wurde.[5]

Im Jahr 1279 kam ein Vertrag der Heilbronner Commende mit einem Regensburger Bürger zu Stande, 1288 war Bruder Kraft von Krautheim Commenthur, 1290 Arnold von Saunsheim, 1291 Graf Kraft von Hohenlohe und 1293 ward das Dorf Sontheim dieser Commende geschenkt (Jäger 1, 122). Am 24. Juni 1297 schenkte Ritter Diether von Sternenfels derselben das Patronatrecht der Kirche zu Kirnbach, was Pabst Bonifaz VIII. 1298 bestätigt hat.[6]

Unter dem Kaiser Friedrich II. erhielt Heilbronn ums Jahr 1220 Stadtrechte und Mauern. (Stälin, württemb. Gesch. 2, 663. Anm. 2). Es wurde mit hohen Mauern und tiefem Stadtgraben umgeben. Drei Thorthürme beschützten die Eingänge, und fünf Thürme die übrige Stadtmauer, wozu später (1392) der viereckigte Thurm, 1482 der Lohthorthurm und vier Casematten gekommen sind.

Die Mauern und Thürme wurden aus großen gebuckelten Steinen erbaut. Am alten Wasserthore war eine sogenannte hohe Krähe angebracht, deren schnabelähnliche Balken dazu dienen sollten, anstürmenden Feinden die Köpfe zu zerschmettern.

Der Neckar schützte die westliche Seite der Stadtmauern, ein wasserreicher Stadtgraben die übrigen.

Diese großartige Befestigung beweist, daß Heilbronn schon frühe viele Einwohner gehabt hat, die theils durch Grundbesitz, theils durch Handel und Gewerbe wohlhabend waren. Die starken Mauern boten erwünschten Schutz den allhier gegründeten mehreren Klosterhöfen und den 1272 angesiedelten Bettelmönchen (Minoriten).

1273 kam Rudolf von Habsburg auf den deutschen Kaiserthron, welchem Heilbronn viel zu danken hat. Er war oft in Heilbronn, 18. Jan. 1283, 27. Aug. bis 11. Sept. 1284, 18.–27. Nov. 1287, 3.–18. Dec. 1288, 4. April 1289 (Stälin 3, XII. XIII.), nahm die Stadt in Schutz, ließ die Befestigungen verstärken | und ertheilte in einer Urkunde dd. Gmünd 9. Sept. 1281 Heilbronn alle die Gesetze, Rechte und Gewohnheiten, welche die Stadt Speier hatte.[7] Auch traf er Bestimmungen über Strafrecht, Gerichtsbarkeit, und ertheilte Vorschriften wegen Fleisch, Brod und Tuch.

Im Namen des Kaisers stand ein Reichsvogt der Stadt vor. 1234 W. de Hälicbrunen minister regis (Stälin 2, 644). Ums Jahr 1251 Bertoldus de Lucebrunnen, 1294 Herr Heinrich der Landvogt, 1442 Burkhard v. Weiler, 1458 Dieterich v. Weiler, dem im Jahr 1464 die Stadt die Vogtei abgekauft hat. Doch wurde noch 1473 Hans Erer mit der Vogtei belehnt.

Der Schultheiß mit einem Gerichtsboten, an der Spitze von zwölf Rathmannen schlichtete die Civilstreitigkeiten und handhabte die niedere Polizei. Er ward aus den ehrbaren Geschlechtern (Bürgern) der Stadt genommen. 1284 kommt vor: Heinricus Scultetus, 1298 Her Bruße, 1310 Conradus dictus Ayrer, 1312 Conrad Eygerer (wahrscheinlich derselbe), 1314 Her Burkhard Wigmar, 1318/20 Conrad Fure (Feure), 1322 und 1330 Luppolt.

Nach der Urkunde von 1281 fielen von Strafen 5 Theile dem Vogt, 3 Theile dem Schultheißen und 2 Theile der Stadt zu. König Ludwig der Baier ertheilte am 24. Aug. 1322 der Stadt Heilbronn auch den Blutbann.

An der Spitze der Bürger standen bis zum Jahr 1333 Ein nachher Zwei Bürgermeister. 1314 Lupold, 1330 Heinrich Lieplich, 1338 Heinrich Wygmar, 1376 Cunz Nierer, 1384 Hans Eyerer.

Auch König Albrecht hielt sich 8.–12. März und 24.–26. Sept. 1300, 3.–6. Dec. 1301, 15. Mai und 24. und 25. Juni 1305 in Heilbronn auf und 1307 begab sich die Stadt mit 21 Städten in einen Landfriedensbund (Stälin 3, 114).

König Heinrich VII. war vom 13.–15. Aug. 1309 in Heilbronn (oben S. 182 und 183), Ludwig der Bayer am 16. Aug. 1333, K. Karl IV. am 19. April 1365, K. Ruprecht am 18. Junius 1408, K. Sigmund 14. und 15. Okt. 1414, K. Maximilian 26. Nov. 1495.

Schon sehr frühe wurde vor die Stadt ein Krankenhaus für | Aussätzige, dem heiligen Jacob (apud Leprosos) geweiht erbaut, das später sogenannte Guteleuthaus.

Am 23. April 1306 stifteten aber die „Bürger von dem Rate zu Hailpronnen für arme Lüte und elende sieche Menschen“ den Catharinenspital, der durch Schenkungen bei guter Verwaltung große Einkünfte erworben hat.

Auch die Stadtgemeinde wurde gut verwaltet. Je unabhängiger Bürgermeister und Rath wurden, um so mehr suchten sie den Wohlstand und die Macht der Stadt zu vergrößern.

Dazu trugen die Kaiser Ludwig der Baier (reg. 1314 bis 1347) und Karl IV. (reg. 1347 bis 1378) sehr vieles bei, weil sie die Reichsstädte gerne in Schutz nahmen und ihr Wohl zu fördern suchten.

Ludwig sicherte am 5. Jan. 1330 Heilbronn zu, daß die Stadt nicht über 600 Pfd. Häller jährliche Reichssteuer zahlen durfte (Stälin 3, 176) und gewährte in einer Urkunde von 1333 der Stadt die Bitte den Neckar zu wenden, wie es ihr am förderlichsten dünke. Die Stadt lag am unteren Neckar und war oft in Gefahr, im Kampfe mit Fürsten und Rittern erobert zu werden. Nun erst ward das Wehr weiter abwärts an das untere Ende der Stadt verlegt, so daß der aufgestaute Neckar die ganze Westseite beschützte, und bei Belagerungen der Stadtgraben, der nun auch Zwinger erhielt, mit Neckarwasser versorgt werden konnte. Heilbronn wurde eine starke Wasserburg.

Zugleich verstanden es die Heilbronner vortrefflich, dem Neckar Wasserkräfte für Mühlen abzugewinnen, wie sie kein anderer Ort in ganz Württemberg hat. Der Fluß wurde bei der Stadt in mehrere Arme getheilt, welche ebensoviele Mühlgassen bilden, und der Hafen wurde abwärts verlegt und erhielt einen Krahnen.

Zugleich machte die Stadt eine Erwerbung, wodurch die Stadtmarkung bis Gruppenbach und Lehrensteinsfeld ausgedehnt worden ist. Das den Grafen von Löwenstein 1310 verpfändete Reichsdorf Alt-Bökingen wurde nämlich vom Reiche nicht mehr eingelöst und Graf Nicolaus verkaufte es 1333 um 540 Pfd. Häller an Heilbronn. Die Einwohner zogen in die Stadt und erbauten die Zehen- und Schäfergasse.

Wegen Vermehrung der Einwohnerzahl und Erweiterung der Stadt ward in dieser 1351 eine Nicolaikirche erbaut. Ein Ablaßbrief des Bischofs Albert von Würzburg förderte den Bau so, daß schon 1363 ein Altar eingeweihet werden konnte. Im Jahr 1547 | brannte die Alt-Bökinger Kirche ein Blitzstrahl aus. Die Reste derselben wurden 1756 zum Waisenhausbaue verwendet.

Da Heilbronn nicht nur am floßreichen und damals nur bis hieher schiffbaren Neckar lag, sondern auch an zwei Haupthandelsstraßen Deutschlands, von Venedig und Genua über Ulm und Augsburg nach dem Niederrhein u. s. w., und von Prag über Nürnberg und Hall nach Speyer, Metz und Frankreich, so ward der Speditionshandel der Stadt ein sehr blühender, und der Handel in der Stadt selbst ward durch zwei Messen gefördert. König Rudolf hatte 1288 der Stadt erlaubt, einen dreiwöchigen Markt um Michaelis zu halten; Kaiser Ludwig gab ihr 5. Juni 1333 einen zweiten dreiwöchigen, mit denselben Rechten wie der Stadt Frankfurt, wozu später (16. Febr. 1487) noch durch Kaiser Friedrich IV. ein achttägiger Jahrmarkt hinzugekommen ist.

Es konnte nicht fehlen, daß die reichen Kaufleute und Handwerksleute, welche zumal durch ihre Geschäfte veranlaßt, sich auch sonst in fernen Ländern und in blühenden Republiken umgesehen hatten,[8] nicht länger dem Willen der Bürger (adelichen Geschlechter) unterworfen sein wollten, ohne selbst auch eine Stimme im Rathe zu haben.

Eine von China aus vorgedrungene Pest, der schwarze Tod genannt, raffte 1347 in Deutschland den zehnten Theil der Menschen hin, die Juden wurden in Heilbronn, wo bereits am 19. Okt. 1298 schon einige erschlagen worden waren, wie in anderen Städten der Vergiftung der Brunnen beschuldigt, verfolgt, erwürgt und verbrannt.[9]

Angeschlossen an ähnliche Bestrebungen in andern Städten verlangte in der Mitte des 14. Jahrhunderts der dritte Stand (Kaufleute und Handwerker), daß der Rath auch von Leuten aus seiner Mitte besetzt werde. Es entstanden blutige Unruhen. Vergebens gebot Kaiser Karl IV. in einer Urkunde d. d. Nürnberg, Lichtmeß 1361 den Heilbronnern, sich nicht wider den Rath zu setzen. Anfangs siegten die Geschlechter, nahmen Rache und ließen viele der Empörer hinrichten. Noch jetzt erinnert hieran der Namen „Kreuzacker“ (zwischen | der Straße nach Neckarsulm und dem Viehweg), auf dem noch bis 1756 sechszig steinerne Kreuze über den Gräbern der Hingerichteten standen, desgleichen der Namen „im Geschrei“, wie die Äcker auf einer Anhöhe dort heißen, auf welcher der Abschreckung wegen die Frauen und Kinder der hingerichteten Gemeinen dem blutigen Schauspiel zusehen mußten.

Wie in andern Städten entbrannte der Kampf aufs Neue; die Zünfte vertrieben viele adeliche Familien, die Heilbronn auf immer verließen, und waren erst beruhigt, als man ihnen Mitrechte einräumte, welche Kaiser Karl IV. am 28. Dez. 1372 genehmigte.

Von jetzt an wurde je Ein Bürgermeister und 13 Rathsmannen und Richter von den Bürgern (edlen Geschlechtern) und ein Bürgermeister und 13 Richter u. s. w. von den Gemeinen (Zünften) gewählt. Beide Classen von Einwohnern erhielten gleiche Rechte, die Zahl der Zünfte durfte jedoch nicht vermehrt werden.

Graf Eberhard von Württemberg der Greiner wußte sich das bisher dem Reiche zustehende Schultheißenamt als Pfand zu verschaffen, und bedrückte Heilbronn wie andere Städte. Ein für den Grafen demüthigender Friede mit Kaiser Karl IV. vom 31. Aug. 1360 hatte zur Folge, daß die Städte meist ihre alten Rechte wieder erhielten. Kaiser Karl gestattete den 13. Nov. d. J. den Heilbronnern, das von dem Reiche dem Grafen verpfändete Schultheißenamt um 1500 Pfd. Heller einzulösen (Glafey, Anecdota 429)[10] und dasselbe kam von nun an nicht mehr aus dem Besitze der Stadt, so daß sie im Jahr 1360 aus einer königlichen Stadt eine Reichsstadt wurde und sich von nun an in ihren Rechten möglichst abgeschlossen hat.

Zu den vielen Raubrittern, welche Heilbronner Kaufleute niederwarfen und so lange im Burgverließe hart behandelten, bis ein großes Lösegeld bezahlt war, gehörte Rembott von Klingenberg. Die Heilbronner brachen daher seine am Neckar liegende Burg und Kaiser Karl erließ ein Schreiben, d. d. Nürnberg Lichtmeß 1361, an die Städte Heilbronn, Wimpfen und Weinsberg, daß diese Burg nicht mehr aufgebaut werden dürfe, sondern Rembotten von Klingenberg höchstens erlaubt seie, ein „schlechtes Viehhaus von Holzwerk“ an die Stelle der Veste zu bauen. Mit Erlaubniß des Kaisers holten die Heilbronner Bausteine von den Trümmern und verwendeten sie | zu besserer Befestigung ihrer Mauern und Thürme. Noch jetzt sieht man die blaugrauen Kalksteine von Klingenberg an dem Gemäuer des viereckigten Thurms.

1363 hatte Heilbronn und andere Städte mit den Herren von Zwingenberg am Neckar eine ernstliche Fehde; eine andere 1369 mit Engelhard und Conrad von Weinsberg, und 1372 wurden die Heilbronner und andere Städter von dem Grafen Eberhard von Württemberg besiegt.

Zu diesen Kriegsdrangsalen kamen noch die Wirren, welche das kirchliche Schisma herbeiführte. Ein Pabst that den andern in den Bann, ein Bischof seinen Gegenbischof. So lag auch in Heilbronn der Gottesdienst darnieder und so kam es, daß Rath und Gemeine im Jahr 1370 sämmtliche Pfaffen der Stadt in den Thurm beim Adelberger Klosterhof legten, um von ihnen Freisprechung von der Excommunikation zu erzwingen, denn über das ganze Reich lag das Interdikt. Pabst Urban V. erlangte aber mit Hülfe des Kaisers Karls IV. nicht allein die Loslassung der freilich unschuldigen Geistlichen, der Rath mußte auch noch zur Sühne dieses Frevels eine Kapelle des heil. Jodocus erbauen, mit jährlich 50 fl. Einkünften begaben und alle Einwohner, die ein Amt bekleideten, 52 an der Zahl, mußten in Wolle gehüllt und baarfuß mit brennenden Kerzen von der Pfarrkirche bis an den Adelbergerthurm wallen, diesen mit der Hand berühren und von da wieder zur Kirche zurückkehren. Doch hielt man für klug, die Heilbronner von der Excommunikation freizusprechen.

Lästig für die Stadt waren die vielen Höfe und Güter auf der Markung, welche sich die Klöster zu verschaffen wußten, weil sie Schutz und andere Vortheile in Anspruch nahmen, aber keine Kriegssteuern und Abgaben bezahlten.

So hatte das Kloster Schönthal i. J. 1237 Güter und 1354 einen Hof erworben, welch letzterer sich nach und nach sehr ausdehnte und seine besondere der heil. Maria, Catharina und Agnes und allen Heiligen geweihte Kapelle hatte. (Jäger 1, 156, 167, 172, 177, 300.)

Das Chorherrenstift Adelberg hatte den 31. Okt. 1225 und 26. Mai 1234 Güter von König Heinrich (VII.) erhalten.

Ein Maulbronner Hof, dem Kloster Hirschau für 2500 Pfd. Heller abgekauft (Reg. Boic. 6, 130) bestand schon 1278; aus dem hiesigen Besitz dieses Klosters erwarb das zu Kaisheim 1324 60 Jaucherte Weinberg für 800 Pfd. Heller (Reg. Boic. 6, 130 | vgl. 6, 386, 7, 228) und einen andern Theil die Stadt Heilbronn 1368 um 63 Pfd. Heller jährlichen Hellerzins. Zu ihm gehörten Äcker, Weingärten, Wiesen, Holz, Weiden und Zinsen als Lehen; darunter war der halbe Nordberg (Wartberg). Die andere Hälfte des Waldes auf dem Nordberg hatte die Stadt bereits von denen von Ebersberg erkauft.

Im Jahr 1377 trat Heilbronn dem großen schwäbischen Bunde bei. Kaum war dieser Bund geschlossen, so wurde er von den Herzogen von Bayern angefallen; denn die Fürsten waren stets auf die Städte eifersüchtig und so lag Heilbronns Handel mit Nürnberg abermals darnieder, weil auf der Straße dorthin kein städtisches Handelsgut mehr sicher war.

Pfalzgraf Ruprecht und der Markgraf von Baden zogen vor Heilbronn. Man schloß die Thore und die Schützen auf den Mauern hielten sich so gut, daß die Fürsten wieder abzogen, nachdem der Pfalzgraf vorher noch hatte die Reben und Bäume umhauen und das Feld verheeren lassen. Nur das Gut der Klöster und Geistlichen verschonten die Fürsten. Als jedoch die Belagerer abgezogen waren, zerstörten die Heilbronner auch diese Güter.

Ein großes Sterben folgte, so daß in Heilbronn gegen 1600 Menschen an Beulen gestorben sein sollen. (Stälin 3, 348.)

Nun zog auch Eberhard der Greiner gegen die Städte zu Feld, und Heilbronn schickte 54 Lanzenknechte zum Städteheer, das aber am 23. August 1388 bei Döffingen von den Württembergern geschlagen wurde.

K. Wenzel brachte 1389 einen Landfrieden zu Stande und verbot alle Bündnisse. Die Fehden hörten aber noch nicht auf, mit Wimpfen und Weinsberg verbunden, mußte Heilbronn 1396 eine ernstliche mit Conz von Nydeck und seinen Gesellen ausfechten.

1398 suchte Heilbronn Schutz durch ein Bündniß mit Mainz, Trier und vielen Fürsten und Städten am Rheine, und 1399 schloß es mit Wimpfen ein Schutz- und Trutzbündniß, das ein Jahrhundert lang in ungefälschter Treue gehalten worden ist.

Die Einkünfte der Stadt waren um das Jahr 1400 schon sehr bedeutend. Nur innerhalb drei Monaten warfen das Umgeld und die Zölle 865 Pfd. Heller, das Kaufhaus 235 Pfd., der Viehzoll 96, der kleine Zoll 114, das Beedengeld 241, die Freveln, der Klagschatz von neu angenommenen Bürgern, die Spielgelder und Nachtgänge 85, das Frauenhaus 12 Pfd. Heller ab.

Heilbronn hatte auch im Auslande einen guten Namen, so daß | die Ritterschaft der vier Lande, zu Schwaben, am Rhein, zu Baiern und zu Franken am Sonntag nach Michaelis 1408 hier ein großes Turnier hielt, wobei 22 Fürsten, darunter der Pfalzgraf, Markgraf Jacob von Baden, Burggraf Johann von Nürnberg, Graf Eberhard von Württemberg, Eitelfritz Graf von Zollern, Emich Graf von Leiningen, mehrere Grafen von Hohenlohe, sodann 25 Ritter und 168 Edelknechte eingeritten sind. Die Fürsten hatten ein so großes Gefolge, daß z. B. Graf Eberhard III., der Milde, von Württemberg mit 42 Räthen, 12 Grafen und 24 Edelleuten seinen Einzug gehalten hat. Nach dem Turnieren wurde getanzt, und am Freitag ritt jeder mit seinem Turnierbriefe aus der Reichsstadt. (Jäger 1, 173–177.)

Kaiser Sigismund hielt im Okt. 1414 einen Fürsten- und Städtetag in Heilbronn und erhob von den Juden der Stadt 1200 fl. Von da reiste der Kaiser zum Concil nach Constanz, wohin Heilbronn sechs Geistliche und einen Rathsherrn abordnete.

Fortwährend wurde es aber in Fehden verwickelt, wobei gewöhnlich seine Kaufleute auf den Handelsstraßen beraubt wurden; so 1429 mit Conrad von Weinsberg (Jäger 1, 182 bis 186), 1426 mit Conz von Neideck und mit Hans von Fechenbach, 1426 bis 1429 mit Eberhard von Dottenheim zu Schüpf, Thomas von Rosenberg u. a. (Jäger 1, 186 und 187.)

Heilbronn gab 1434 dem Kaiser Sigmund zu seiner Romfahrt 790 Pfd. Heller, und mußte zugleich wegen des Krieges mit den Hussiten große Opfer an Leuten und Geld bringen.

1438 erhob sich eine sehr ernstliche Fehde mit Eberhard von Venningen und Erkinger Hofwarth zu Kirchheim a. N. und ihren Gesellen, unter denen sich Graf Emich von Leiningen mit vielen Adelichen aus der Umgegend und aus der Ferne befanden. Sie kamen im December mit mehr als 200 Pferden gegen Heilbronn angeritten und weil sie die gut vertheidigte und feste Stadt nicht nehmen konnten, so brannten sie deren Dörfer Böckingen und Frankenbach nieder, erstachen Hans Schellenberg, den Schultheißen von Böckingen, machten acht Heilbronner zu Gefangenen und schätzten sie um 70 fl. Der Schaden, den die Stadt allein in Böckingen erlitten, betrug 2700 fl. Burkhard Sturmfeder zerstörte den Sonnenbronnen. Eberhard von Neipperg lauerte bei Besigheim, Laufen und Ilsfeld mit 20 Pferden auf die Städter. Die Heilbronner, von Bundesgenossen unterstützt, wehrten sich jedoch tüchtig und nahmen bei einem Ausfall den Feinden viele Gefangene ab, darunter Hans | Stein von Steineck, der nun im Adelberger Thurm verwahrt wurde. Die Feindseligkeiten nahmen zu, als noch drei von Hirschhorn die Zahl der Feinde vermehrten. Endlich, nachdem die Fehde ein volles Jahr gedauert hatte, wurde zu Ende 1439 durch Vermittlung des Pfalzgrafen Otto Frieden geschlossen. Beide Theile gaben die Gefangenen heraus; nur Hans von Neuhausen und Hans Schilling mußten 20 fl. bezahlen, ehe sie losgelassen wurden.

Es zeugt von Heilbronns Reichthum zu jener Zeit, daß die Stadt trotz vieler Fehden doch 1433 von dem Grafen Heinrich von Löwenstein den sogenannten Grafenwald bei Stettenfels um 250 fl., im Jahr 1436 das Lad- und Eichamt um 400 fl., 1438 das Dorf Frankenbach um 4100 fl. erkaufen konnte.

Die Stadt nahm aber auch nach einer Rechnung vom Jahr 1417 in einem Vierteljahre an Umgeld 889 Pfd., an Mühlzoll 196, vom Kaufhaus 147, vom Kornmessen 150, vom Tuchzoll 50, Viehzoll 14, vom Frauenhaus 11 Pfd. ein. Die ganze Jahreseinnahme war 6294 Pfund und 366 Goldgulden, die Ausgaben 1125 Pfund und 1752 Goldgulden. Der Stadtschreiber erhielt nur 12 fl. jährlich.

Zugleich kaufte die Präsenz 1412 in Frankenbach, 1418 in Groß-Gartach Güter, und der Spital erkaufte 1423 vom Kloster Lorch dessen letzte Besitzungen in Heilbronn, 1430 den Böllingerhof u. s. w. um 1500 fl. Auch 1439 bis 1443 hatte Heilbronn in Verbindung mit anderen Städten ernste Kämpfe mit dem Adel auszufechten, so daß die Kaufleute wieder sehr in Schaden kamen (Jäger 1, 215).

1448 hatten die Städte Fehde mit denen von Helmstädt, und sehr große Ausdehnung hatten die Kämpfe der Städte mit den Fürsten und Rittern zu St. Georgenschild. Der Stadt Heilbronn schickten Erzbischof Dietrich von Mainz, der Markgraf von Baden und die Grafen von Hohenlohe noch besondere Absagebriefe zu. Jeder Theil schädigte den anderen. Bei dieser Veranlassung gerieth bei Dinkelspül Jörg von Ochsenfurt in die Gefangenschaft der Heilbronner; dieser war ein „recht Freischöff des heimlichen Gerichts“, welches nun 3200 fl. für diesen „Geleitsbruch“ von den Heilbronnern bei Strafe der heimlichen Reichsacht verlangt hat (Archiv-Urk., die Vorladung vor den freien Stuhl zu Waldorf betr.).

Als die Heilbronner, um dem belagerten Eßlingen zu Hülfe zu kommen, dem Grafen Ulrich von Württemberg 300 Ochsen hinweggetrieben und gegen 40 Mann erschlagen hatten, zogen dieser, der | Churfürst von Mainz und die Markgrafen von Baden im Juni 1450 vor Heilbronn. Sie belagerten mit 2000 Reisigen und 8000 Fußgängern die feste Stadt 10 Tage lang vergebens und zogen ab, nachdem sie in den städtischen Dörfern geraubt und gebrannt, und den Heilbronnern viele Weinberge und Früchte zerstört hatten. Erst am 29. Aug. 1454 kam es zum Frieden (Stälin 3, 486).

Vom Kaiser war Weiprecht von Helmstädt mit der Stadtsteuer belehnt worden, Heilbronn löste 1460 diese Steuer ein, indem sie ihm 6875 fl. zahlte und Kaiser Friedrich versprach die Stadtsteuer nie mehr zu verpfänden.

Um Schutz für seinen Handel auf dem Neckar und in der Pfalz zu haben, hatte sich Heilbronn am 10. Juni 1454 mit dem Pfalzgrafen verbündet, wodurch aber die Stadt in die Fehde des Pfalzgrafen mit dem Grafen von Württemberg und mit dem Markgrafen von Brandenburg verwickelt wurde. Beide hatten die Burg zu Widdern zerstört, und der Graf wollte sich 1458 Heilbronns als eines Passes über den Neckar versichern. Pfalzgraf Friederich stand bereits bei Heilbronn mit 2000 Reitern und 1200 zu Fuß, und die Heere waren nur noch durch den Pfülbach getrennt. Friederich griff aber nicht an, weil er dem Grafen noch keinen Absagebrief zugeschickt hatte. Er blieb in Heilbronn, damit der Württemberger nicht abermals die Früchte verderbe.

Im Jahr 1460 zog Luz Schott, der pfälzische Vogt zu Weinsberg, das Städtevolk aus Heilbronn und Wimpfen an sich, und empfing die Württemberger recht tapfer, so daß sie 60 Mann verloren; allein am 30. April 1460 siegten die Württemberger zwischen Wüstenhausen und Helfenberg über die Pfälzer. (Stälin 3, 522.) Heilbronn konnte es nicht verhindern, daß Graf Ulrich am 28.–30. Juni 1460 mit 10.000 Mann vor seine Thore drang und wie gebräuchlich abermals Felder und Weinberge verwüstete. (Stälin 3, 524.) Erst 1461 kam es zum Frieden mit Württemberg.

Nun machten aber die von Rosenberg von ihren Burgen Schüpf und Boxberg aus das Land weit umher unsicher. Pfalzgraf Friedrich belagerte sie und zerbrach die Raubnester 1470, wobei Heilbronn seinen Zeug und 60 Mann dazu gab. Auch 1476 bezeugte der churpfälzische Marschall Hans von Trott den Heilbronnern seine besondere Zufriedenheit über das Verhalten ihrer Söldner bei den pfälzischen Kriegszügen.

Zur Reichshülfe gegen die Türken und gegen Carl von Burgund, | gegen Mathias in Ungarn u. s. w. mußte auch Heilbronn Geld und Leute geben, und 1480 mußte es sich gegen Feinde der Pfalz rüsten, 1483 wurde Heilbronn in die Fehde der Pfalz mit allen denen, welche an den Burgen Kocherstetten und Krailsheim Theil hatten, verwickelt und die Nürnberger Straße war aufs neue unsicher. Zur Hülfe gegen die Böhmen stellte Heilbronn mit Wimpfen 81 Mann zu Fuß, 50 fl. gab es in die schwäbische Bundeskasse; ebendahin zur Hülfe gegen die Ungarn 116 fl., zum Zug gegen die Niederlande aufs Neue 200 fl., zur Hülfe gegen Frankreich 183 fl., und in die gemeinschaftliche Städtekasse 117 fl. In dem Streit mit Bayern und Böhmen wurde Heilbronn zuerst mit 145 fl., dann zu 13 zu Pferd, 83 Fußgänger und 5 Wagen angeschlagen.

Im Jahr 1469 hatte wieder eine Verfolgung der Juden statt, welche nun sämtlich aus der Stadt vertrieben wurden. (Jäger 1, 259.) Seit dieser Zeit bis zu Heilbronns Mediatisirung erhielten nur noch einzelne Erlaubniß, in der Stadt wohnen zu dürfen, und jeder Jude, der in die Stadt ging, mußte am Thore 15 kr. Leibzoll erlegen. (Erst im Mai 1831 wurde wieder zum erstenmal ein Israelite als Bürger angenommen und von da an so viele, daß sie vom November 1861 an eine besondere Gemeinde bilden konnten.)

Um das Jahr 1300 wurde das Clarissenkloster, das vor Flein stand, in die Stadt aufgenommen. Am 13. August 1309 wurde dasselbe von Kaiser Heinrich VII. mit der Steuerfreiheit begabt. (Stälin 3, 120.) Im Jahr 1811 wurde solches aufgehoben.

Um 1395 stiftete Zaisolf von Magenheim und seine Frau, eine geb. Berlin aus Heilbronn, das sogenannte Elendhaus, eine Zufluchtsstätte für arme Heimathlose, welche Stiftung später mit dem Katharinenspital vereinigt worden ist.

Die Kilianskirche wurde im 14. und 15. Jahrhundert sehr vergrößert; der 1420 bis 1480 erbaute Chor wurde 1487 durch Glasmalereien, 1498 durch Holzschnitzwerke verschönert.

Nebendem wurden viele Kapellen erbaut und Stiftungen für Kirchen und Arme gemacht. 1442 behauptete eine Frau, als sie auf der Straße nach Weinsberg an dem Bilde der Maria, in deren Schoos der Gekreuzigte lag, vorübergegangen, habe die Gottesmutter laut darüber geweint, daß man sie vernachläßige und Nesseln um sie wachsen lasse. Dieses Wunder veranlaßte so viele Wallfahrten zur Maria im Nesselbusch und so reiche Spenden, daß ein Carmeliterkloster mit einem Prior, 6 Priestern und 3 Novizen gestiftet werden konnte. Die Leitung des Klosterbaues wurde 1444 einem | der besten Baumeister jener Zeit, Hans von Mingolsheim, übertragen (wofür er 25 fl. jährlich erhielt); Bischof Gottfried von Würzburg verhieß reichlichen Ablaß für jeden Förderer des Baues und 1450 konnte man die Altäre und den Chor einweihen.

Während dieses Kloster aufblühte, ging es in dem Barfüßerkloster und im Kloster der Clarissinnen in der Stadt sehr lüderlich zu. Die Klosterleute hatten sich gegen mehrere Regeln ihrer Orden so sehr verfehlt (einige Nonnen hatten Kinder geboren), daß der Rath den Pabst Paul II. um Abhülfe bitten mußte. Der heilige Vater seufzte (ingemuit), als er den Bericht las, und gab den Äbten zu Hirschau und Maulbronn den Auftrag, diese Klöster zu visitiren, was im Franziskanerkloster am 2. Dez. 1465, im Clarakloster den 3. März 1466 geschehen ist, unter großer Widerspenstigkeit einiger Klosterleute. Das Franziskanerkloster mußte, weil es einem Bettelorden angehörte, Güter und Gefälle den Nonnen abtreten, verbrecherische Mönche wurden aus dem Kloster gejagt und andere aufgenommen.

Den Nonnen wurden 7 Schwestern aus dem Kloster Alsbach zum Vorbilde gegeben und ihnen eine strenge Beobachtung der abgelegten Gelübde eingeschärft.

Notar Nic. Straub von Heilbronn ritt nach Rom und der Pabst bestätigte diese zwei Kloster-Reformationen; die Stadt hatte aber viele Kosten. (Jäger 1, 265–273.)

An die Grafen von Württemberg war den 13. Febr. 1465 der Hof des Klosters Adelberg durch Tausch gekommen. Bald darauf machte Württemberg eine noch wichtigere Erwerbung. Alle hiesigen Reichszehnten hatte König Rudolph den 23. Mai 1283 seinem natürlichen Sohne Grafen Albrecht mit der Grafschaft Löwenstein verliehen. (Schoepflin, Hist. Zar. Bad. 5, 278.) Aber 1441 verkauften die Grafen Georg und Heinrich von Löwenstein alles an den Pfalzgrafen Ludwig.[11] Nach dem Tode desselben, 1449, kamen die Besitzungen zu Heilbronn an seine Wittwe, Margarethe von Savoyen, und als diese 1453 den Grafen Ulrich von Württemberg geheirathet hatte, an Württemberg. Der Löwenstein’sche Hof in Heilbronn hieß von nun an der Württemberger Hof. (Jäger 1, 275, 285, 286, 290. Stälin 3, 500, 504, 544.)

Heilbronn mußte die Drangsale der fortwährenden Kriege der | deutschen Fürsten u. s. w. auch am Schlusse des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts hart empfinden, und auch zu den Kriegen gegen die Feinde des deutschen Reichs Leute und Geld hergeben.

Die Vertreibung des Herzogs Ulrich von Württemberg durch die Herzoge von Bayern und den schwäbischen Bund im Jahr 1519 brachte die Stadt in Kosten und in sehr unangenehme Verhältnisse. Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand, dem Ulrich die Vertheidigung seines Schlosses Möckmühl aufgetragen hatte, mußte dieses aus Mangel an Vorräthen an die Bündischen übergeben und er selbst wurde gefangen nach Heilbronn geführt. Obgleich die Stadt stets mit Freundschaft ihm zugethan war (sie hatte ihm z. B. 1517 2000 Gulden zum Ankauf des Hornbergs geliehen, 1518 auf seine Einladung etliche des Raths zu seiner Hochzeit mit einer Tochter Arnolds von Geyling zu Illesheim abgesandt), so wollten es eben die Räthe des Bundes, daß Berlichingen in Heilbronn verwahrt bleibe, bis er eine Urphede, sich ruhig zu verhalten schwöre. Er aber verlangte, unbedingt freigelassen zu werden, und weil der Heilbronner Rath ihm seine Freiheit gerne verwilligt hätte, so schickte die Bundesregierung, die ihren Sitz in Eßlingen hatte, den Stadtschreiber dieser Stadt, Gröninger, nach Heilbronn, damit dieser die weitere Prozedur gegen den Ritter vornehme. So kam es, daß Götz zu Pfingsten 1519 im viereckigten Thurm, dann mehrere Wochen in einer „lustigen“ Stube des damaligen Rathhauses verwahrt wurde und in der Herberge zur Krone, die einem Dietrich Wagemann gehört hat (den 1863 abgebrochenen Gasthof zu den drei Königen in der Kramstraße) zubringen mußte, bis er 1522 für die Landsknechte 2000 fl. Lösegeld bezahlte, seine Zehrung berichtigte, und allen Bundesverwandten Frieden gelobte.

Daß Götz selbst der Stadt, die genöthigt ward, ihn gefangen zu halten, deshalb nicht lange grollte, geht sattsam daraus hervor, daß er seinen Schwiegervater 1521 bei den Carmelitern zu Heilbronn begraben ließ (wo Arnold v. Gailings Ritterbild in Lebensgröße noch an der Kirchhofsmauer steht), daß er seine Selbstbiographie dem Heilbronner Bürgermeister Hans Hofmann gewidmet und seinen Brustharnisch dem Syndicus Stephan Feyerabend verehrt hat.

1523 hatte Heilbronn die letzte Fehde. Die Stadt mußte 3 Reiter und 54 Fußgänger zu einem Zuge gegen Thomas von Absberg stellen.

Die Kirchenreformation fand sehr frühe Eingang. Schon der | im Jahr 1520 gestorbene Pfarrer Johannes Kröner aus Scherding hielt mehr auf Predigten nach dem Evangelium als auf die Messe, und sein Schüler und Nachfolger Johannes Lachmann aus Heilbronn war bis 1548 für die Ausbreitung der lutherischen Lehre sehr thätig. Viel trug dazu bei, daß die zwei Domherrn zu Würzburg, welche die Einkünfte der St. Kilianskirche in Anspruch nehmen durften, häufig allzu junge und lasterhafte Vicarien anstellten, so daß die Einwohner ein großes Ärgerniß an solchen Meßpriestern nehmen mußten.

1528 ward in Heilbronn ein neuer Catechismus (noch vor dem des Dr. Luther) verfaßt, deutsch gesungen und das Abendmahl in beiderlei Gestalten ausgetheilt. Auf dem Reichstage 1530 zu Augsburg protestirte Heilbronn durch seinen Bürgermeister Rieser, und im Dec. 1531 bei einer Umfrage schwuren alle Bürger bis auf einen Einzigen Leib und Gut an die Durchführung der Reformation zu setzen.

Umsonst waren die Anstrengungen des Bisthums Würzburg, die Reformation zu verhindern, aber es mußte Heilbronn alle Jahre 620 fl. dorthin bezahlen, bis diese Abfindungssumme im Jahr 1855 im 19fachen Betrage für immer abgelöst werden konnte.

1525 hatte der Bauernkrieg üble Folgen für Heilbronn. Mit dem unruhigen Jacob Rohrbach aus Böckingen, der viele Bauern aus Dörfern der Umgegend aufgewiegelt hatte, vereinigten sich die aus dem Würzburgischen und Hohenlohischen unter Anführung des Wirthes Georg Mezler von Ballenberg und des Bauernschultheißen Hans Müller von Bieringen, und nachdem sie viele Adeliche zu Weinsberg durch die Spieße gejagt hatten, mußte der Rath am Osterdienstag sie auch in Heilbronn einlassen. Denn die Bürger wollten nicht länger Widerstand leisten, weil die Bauern versprachen, wenn man sie einlasse, nur die Commende und die Klöster heimzusuchen, die Bürger aber nicht. Das Deutschordenshaus wurde von den Bauern geplündert und beschädigt, und die Klöster gebrandschatzt. Das Carmeliterkloster wollten sie abbrennen, der Rath, weil auch dieses Gebäude die Vertheidigung der Stadt hinderte, ließ es abbrechen und das aus den Steinen erlöste Geld dem Kloster zustellen.

Gegenüber solch wildem Treiben entwarfen übrigens eben in Heilbronn, welche Stadt eine Art Regierungssitz für die Bauern wurde, Abgeordnete der verschiedenen Haufen den Plan einer Umgestaltung der deutschen Verfassung.

Zum Glück kam Truchseß Georg von Waldburg bald zu Hülfe | und jagte die Bauernhaufen auseinander, was mehr fruchtete, als die Ermahnungen des Rathes und des Dr. Lachmann.

Der Rath ließ einen der sechs Heilbronner Bürger, die bei dem Morden in Weinsberg gewesen, mit dem Schwerte hinrichten, ein zweiter war erstochen worden, die übrigen hatten die Flucht ergriffen. 50 Bürger, die dem Rathe ungehorsam waren, ein Fähnlein bildeten, und mit den Bauern zogen, wurden an Leib und Leben gestraft. Der Rath mußte 2000 fl. Strafe von diesen Übelthätern erheben und an den schwäbischen Bund abliefern, und einige Adeliche und das Kloster Seligenthal entschädigen (Jäger 2, 25–58), die vier Heilbronner Dörfer mußten 2200 fl. bezahlen.

1534 zog Herzog Ulrich von Württemberg und Landgraf Philipp von Hessen von Neckarsulm her, um die Kaiserlichen aus Württemberg zu vertreiben. Heilbronn mußte seine Thore verschlossen halten, weil das Heer über die Neckarbrücke ziehen wollte; aber man konnte es nicht hindern, daß es über die Heilbronner Viehbrücke bei Neckargartach setzte. Die Kaiserlichen, welche den Angriff der Hessen bei der Stadt Laufen erwartet hatten, mußten ihre feste Stellung verlassen, über den Neckar ins Dorf Laufen eilen und wurden so aufs Haupt geschlagen, daß Ulrich schnell wieder in den Besitz seines Landes kam.

1538 ließ sich Heilbronn in den schmalkaldischen Bund aufnehmen. Kaiser Karl V. rüstete sich 1544 wider alle Stände, welche gegen das Tridentiner Concil protestirt hatten und sammelte ein großes Kriegsheer in Spanien, wo die reiche Kirche viele Gelder zum Kriege gegen ihre Feinde zusammenbrachte.

So brach im Jahre 1546 der für die Protestanten verderbliche schmalkaldische Krieg in Deutschland aus. Kurfürst Joh. Friedrich von Sachsen nahm im Nov. und Dec. 1546 mit seinem Heere seinen Rückzug von Gmünd über Heilbronn nach Sinzheim. Als die Spanier bis Nördlingen vorgerückt waren, bat dort der Heilbronner Abgesandte, Stadtschreiber Gregorius Kugler, den Kaiser um Gnade, Herzog Alba stellte unterm 14. Dec. 1546 einen Salva-Guardia-Brief aus und am 24. Dec. hielt an der Spitze von 15.000 Soldaten Karl V., von der Gicht geplagt, auf einer Sänfte getragen, seinen Einzug in Heilbronn. Er stieg im Schönthaler Hof ab, wo er auch den sogenannten Heilbronner Vertrag mit den Abgesandten des Herzogs von Württemberg abschloß, und verweilte allda bis zum 18. Jan. 1547. Er setzte den Rath ab, weil er in den schmalkaldischen Bund gegen den Kaiser getreten war, und einen andern Rath | ein. Dieser mußte die Einung des schmalkaldischen Bundes aufkündigen; die Stadt mußte dem Kaiser huldigen, 20.000 fl. Strafe zahlen, die kaiserlichen Soldaten gut verpflegen und an die auswärtigen Lebensmittel u. s. w. liefern.

Mit dem Kaiser zog das Heer weiter, eine Besatzung in Heilbronn zurücklassend. Allein am 1. März 1548 kam wieder eine spanische Armee unter dem Obersten Diego de Arz, welche erst am 2. Juli wieder abzog. Diese hauste fürchterlich, die Kilianskirche wurde mit Gewalt durch Einstoßen der Thüren in Besitz genommen und zum katholischen Gottesdienste verwendet. Die Bürger hielten den evangelischen in der Kirche am Hafenmarkt, wo aber einmal ein spanischer Soldat nach dem Prediger Molter auf der Kanzel schoß, ohne ihn jedoch zu verwunden.

In den Häusern plünderten die Spanier, jagten Kranke und Greise daraus oder mißhandelten sie zu Tod, erstachen viele Männer, die Widerstand leisten wollten, und schändeten Weiber und Jungfrauen. Lange Zeit waren die Vorstellungen des Raths bei dem Kaiser vergebens, bis die Stadt am Dienstag nach Frohnleichnam 1548 das Interim annahm.

Nachdem die Spanier das Vermögen der Stadt und der Bürger auf jede Weise in Anspruch genommen hatten, mußte die Stadt auch noch ihren schmalkaldischen Bundesgenossen 7000 fl. bezahlen, und als Kriegsschadensersatz an König Ferdinand 9000 fl. und dem Bischof von Augsburg 4000 fl. Auch dem Herzog Heinrich von Braunschweig mußte Heilbronn im Jahr 1550 5000 fl. Schadloshaltung bezahlen. (Jäger 2, 94–97, 102–126.)

1541 kamen die Heilbronner Statuten im Druck heraus. Professor Zasius zu Freiburg war bei Abfassung dieses Gesetzbuchs behülflich (Jäger 2, 133–138). Die ersten waren ums Jahr 1480 erschienen, in welchem Jahre auch ein Syndicus zum erstenmal auftritt. Auch viele polizeiliche Verordnungen wurden zur Zeit Karls V. vom Heilbronner Rath erlassen. (Jäger 2, 138–163.)

Im Sept. und Okt. 1553 beriethen sich mehrere Fürsten (im sogenannten rheinischen Bunde) in Heilbronn.

Kaiser Max II. gab 1570 eine Rathsordnung, wodurch die Carolinische vom Jahr 1552 abgeändert worden ist. Schon diese hatte den Unterschied zwischen Adelichen und Gemeinen aufgehoben. Nun hatten sich die 15 Personen des kleinen Raths je nach Neujahr zu versammeln und 15 wieder zu wählen oder neue. Der neugewählte kleine Rath (die Regierung) wählte aus seiner Mitte | drei Bürgermeister (von denen jeder vier Monate das Amt führte), weitere zwei Rathsherren wurden denselben zugeordnet, und diese fünf Geheimen besorgten alle eilende geheime Sachen. Auch wählte der kleine Rath den Stadtschultheißen und 12 Richter (Stadtgericht), 13 Mitglieder des großen Raths und die Diener der Stadt (Jäger 2, 169–173).

1570 besuchte der Kaiser mit drei Söhnen die Stadt. 1575 wurde die Stadtbibliothek (jetzt Gymnasiumsbibliothek) angelegt; 1620 das Gymnasium mit 6 Classen errichtet.

Auch in Heilbronn kamen Hexenprozesse vor, bei denen die Folter die Angeschuldigten zu den seltsamsten Angaben nöthigte. In den Jahren 1586, 1588 und 1599 wurden mehrere dieser unglücklichen Weiber verbrannt, ebenso am 9. Juni 1610, 9. Juni 1611 und 13. Juni 1611 je noch eine.

Die evangelischen Fürsten, welche schon im Jahr 1594 einen Convent zu Heilbronn abgehalten hatten, hielten in der schönen Halle des Rathhaus-Nebengebäudes (jetzt Stadtpflege) von 1612 an Unionstage, den letzten 1621. Sie vermochten jedoch den Ausbruch des 30jährigen Kriegs nicht zu verhindern.

Als dieser unselige Krieg von 1618–1620 in Böhmen getobt hatte, wurde er 1620–1624 in der nahen Rheinpfalz fortgesetzt. Schon 1622 mußte Heilbronn 200 Malter Mehl für den Grafen Mansfeld verbacken, 2000 Laibe Brod an den Markgrafen Friedr. Georg von Baden liefern. Mansfeld schlug am 29. April 1622 bei Mingolsheim den Feldherrn der Ligue, Tilly. Der Markgraf aber trennte sich von Mansfeld und zog über Schwaigern und Biberach nach Ober-Eisesheim, um Tilly, der sich nach Wimpfen zurückgezogen hatte, zu verfolgen. Diesem kam Don Corduba mit spanischer Reiterei zu Hülfe, und das Auffliegen mehrerer Pulverwägen in der Wagenburg des Markgrafen brachte das dem Siege ganz nahe Heer desselben in Verwirrung. Noch am 6. Mai wurde es zerstreut. Der Markgraf selbst floh Heilbronn zu, die neutrale Stadt mußte aber dem unglücklichen Fürsten und seinen Soldaten die Thore verschließen, und viele Badener wurden von den nachsetzenden Spaniern, die bis Böckingen alles zusammenhieben, niedergemacht. (Jäger 2, 194–202.)

Zu gleicher Zeit verdorrten die Früchte auf dem Felde und in Heilbronn kam zu einer allzugroßen Hitze auch noch Wetterschlag. Gutes Silbergeld war nicht mehr zu haben, und das schlechte Geld wollte Niemand annehmen. So entstand eine große Theuerung | und Hungersnoth und von 1622 bis 1628 wüthete mehrere Male die Pest.

Der Bischof von Würzburg erneuerte nun seine Ansprüche an Heilbronn, die Stadt mußte fort und fort der kaiserlichen Besatzung unter General Ossa, der ein lothringisches Regiment commandirte, unerhörte Lieferungen machen, und der Druck, der auf der Stadt lastete, wurde so unerträglich, daß die Ankunft einer schwedischen Armee unter dem Feldmarschall Gustav Horn am 21. Dec. 1631 vor Heilbronns Thoren die Einwohner mit freudiger Hoffnung erfüllte.

Horn besetzte die Gebäude des nahe an der Stadt liegenden Carmeliterklosters, welches nach der Zerstörung von 1525 wieder aufgebaut worden war, deckte dadurch seine Soldaten, und als diese ihre Geschütze gegen die Stadt richteten, zog die kaiserliche Besatzung, 22 Fähnlein Lothringer (1100 Mann) unter dem Oberstlieutenant Guimont ab. Die Schweden besetzten am 23. Dec. Heilbronn, das jedoch gleich anfangs 4000 fl. bezahlen mußte, damit die Soldaten nicht plünderten. Die Commende, das Carmeliterkloster und das Clarissenkloster mußten große Brandschatzungen an die Schweden zahlen. Am 20. Mai 1632 schenkte der König von Schweden, Gustav Adolf, der Stadt als Ersatz für die durch die katholischen Heere erlittenen Verluste die Heilbronner Deutschordens-Commende mit Sontheim und einem Theile von Thalheim, das Clarissinnenkloster und das Carmeliterkloster.

Damit aber das Letztere nicht ferner die Vertheidigung der Stadt hindere, machten es im März die Schweden (500 Mann unter dem Oberstlieutenant von Schmidberg) dem Boden gleich und erbauten mit den Steinen das große Bollwerk an der nordwestlichen Ecke der Stadt. Die Mönche verließen Heilbronn und die Nonnen wurden am 7. Sept. in das Alexander Steiner’sche Haus, nahe beim Chor der Kilianskirche geschafft.

Den Schönthalerhof schenkte General Horn, ehe er am 25. Dec. nach Frankfurt gezogen, dem General des schwäbischen Kreises, Grafen Kraft von Hohenlohe.

Nach Gustav Adolfs Tod bei Lützen (6. Nov. 1632) leitete Graf Axel Oxenstierna, der schwedische Kanzler die Angelegenheiten, und versammelte im März 1633 im deutschen Hause die Gesandten von England, Frankreich, Dänemark und die Abgesandten des schwäbischen, fränkischen und des ober- und niederrheinischen Kreises, wo er als Director des evangelischen Bundes anerkannt und das Weitere | zu Fortsetzung des Krieges beschlossen worden ist. Am 2. Mai reiste Oxenstierna, am 3. General Horn ab.

Am 27. Aug. 1634 wurden die Schweden und Herzog Bernhard von Weimar bei Nördlingen geschlagen. In Heilbronn war Oberst v. Schmidtberg Commandant. Um die Stadt in bessern Vertheidigungsstand zu setzen, ließ er die Gebäude auf dem Hefenweiler, die Ziegelhütte, das Gutleuthaus und sonst alles vor der Stadt demoliren. Der Herzog Bernhard sammelte noch 6000 Mann bei Heilbronn, führte sie nach Frankfurt und nur 1200 Schweden unter dem Obersten Senger blieben noch in Heilbronn. Kaiser Ferdinand rückte mit Heeresmacht heran, nahm sein Hauptquartier in Sontheim und beschoß von der Fleinerhöhe aus am 19. Sept. die Stadt, in der 100 Gebäude abbrannten, welcher Schaden 200.000 fl. betragen hat. Während die Schweden am 21. Sept. über den Neckar setzten, zog Ferdinand in die rauchende Stadt ein. Die Kaiserlichen plünderten, entwaffneten die Bürger, erhoben eine Brandschatzung von 45.000 fl., so daß sich der ganze Schaden auf 60.000 fl. belief. Das Hauptheer der Kaiserlichen zog zwar bald weiter, ließ aber 6 Compagnien Fußvolk als Besatzung zurück. Heilbronn mußte wieder dem Kaiser huldigen, und die schwere Hand der Sieger fühlen. Noch ärger hauseten die Kaiserlichen in den Dörfern. Viele von diesen wurden verwüstet, die Einwohner flüchteten nach Heilbronn, wo sie in Kellern und Ställen wohnten und glücklich waren, wenn sie sich in einer Herbstbütte noch ein Lager aus Moos und Stroh machen konnten. Die Soldaten nahmen viele Lebensmittel hinweg, die Bauern konnten die Äcker nicht mehr bestellen, die Hausthiere starben vor Hunger und bald auch die Menschen, welche schlechte Nahrungsmittel zu sich nahmen. Die Schinder erlösten für crepirte Thiere Summen, die man einige Jahre zuvor nur für die besten Schlachtthiere bezahlt hatte. So kam im Jahr 1635 die Pest, die allein in Heilbronn 1500 Menschen wegraffte, an manchem Tage 40 bis 50 Personen. Selbst der Kaiser, der am 26. Juni in Heilbronn angekommen war, flüchtete am 12. Aug. sich aus der verpesteten Stadt nach Hornegg, von da nach Heuchlingen und endlich nach Ellwangen.

Die Gegend wurde menschenleer, Rudel von Wölfen rannten umher und zerrissen Menschen und Thiere.

1643 als das französisch-weimar’sche Heer unter Marschall Guebriant Laufen besetzt hatte, rückten die Bayern unter Mercy und Joh. v. Werth von Hall her, besetzten 18./28. Jan. 1644 Heilbronn | und drängten die Franzosen bis Marbach zurück. Allein schon 10./20. Aug. 1644 besetzte Mercy mit Bayern Heilbronn und vereinigte sich hier mit dem Kaiserl. General Hetzfeld. Erst Ende Sept. zogen sie an den Rhein.

Am 19./29. Jan. 1645 bezogen 16.000 Franzosen unter dem Herzoge v. Enghien ein verschanztes Lager zwischen Heilbronn und Neckarsulm. Mercy wollte nach der Mitte Juni helfen, wurde aber von Enghien bis Mergentheim zurückgedrängt. Enghien begab sich krank nach Paris, nachdem er zuvor am 4./14. Aug. sein Heer dem General Turenne übergeben hatte.

1500 Mann Kaiserliche unter dem Obersten Kaspar hatten Heilbronn besetzt, und der Vertheidigung wegen alle Gärten vor der Stadt rasirt. Am 21. Aug. kam das französisch-weimarsche Heer unter Turenne über Weinsberg heran und lagerte sich vom Stiftsberg an bis Bökingen. Turenne beschoß Heilbronn, hob aber die Belagerung Heilbronns am 4./14. Sept. auf und zog nach Hall, als die Bayern von Waiblingen her anrückten. Am 30. Sept. kam die ganze bayerische Armee (16.000 Mann mit 57 Geschützen und einem Trosse, der zwei Tage lang währte) unter Erzherzog Leopold und General-Feldmarschall Gallas nach Heilbronn, zog aber nach 8 Tagen wieder nach Hall, eine Besatzung von 400 Mann zurücklassend. Aber schon am 8. Oct. war Erzherzog Wilhelm wieder in Heilbronn, belagerte Wimpfen und nahm es mit Accord, nachdem 2666 Mal in diese Stadt gefeuert worden war.

Als sich am 15./25. August 1646 die Schweden näherten, machte sich der bayerische Commandant Royer, welcher Verstärkungen erhalten hatte, auf eine Belagerung gefaßt, und ließ das Armenleuthaus nebst Kirchlein abbrechen.

Die schwedisch-französische Armee unter den Generalen Wrangel, Königsmark, Turenne und Douglas verließ Sept. die Gegend von Heilbronn, steckte noch vorher am 21. und 22. Aug. den Heilbronner Wald an zwei Stellen an und zog nach Donauwörth. Am 1. und 2. Sept. rückten 1200 kaiserliche und bayerische Reuter in Heilbronn ein.

1647, 17./21. März räumten die Kaiserlichen und Bayern Heilbronn und die Franzosen unter Turenne zogen ein. Als der Marschall mit seinen Franzosen und mit der Weimarischen Armee nach Flandern marschiren wollte, fielen 11 Reiter-Regimenter der letzteren von ihm ab, er verfolgte sie bis zur Tauber und kehrte nach Heilbronn zurück, wo dann auch die übrigen Deutschen den | Abschied verlangten und erhielten. Turenne machte Heilbronn zu seinem Hauptquartier und verstärkte das große Bollwerk (Citadelle), das die Schweden 1632 angelegt hatten, durch weitere Verschanzungen. Sein und seines Königs Louis XIV. Wappen ließ er daran in Stein aushauen.

Unsäglich viel hatte Heilbronn durch Feinde und Freunde zu leiden, sogar noch als der westphälische Friede am 14./24. Okt. 1648 bereits geschlossen war.

Die Franzosen wollten nämlich die Stadt nicht mehr herausgeben, und der Kaiser darüber grollend, daß sie 1612–1621 der Sitz der evangelischen Union und nachher von den Schweden längere Zeit besetzt gewesen war, beeilte sich gar nicht, der in Ungnade gefallenen Reichsstadt zu helfen.

Am 9. Nov. 1648 kam Turenne aus Bayern, wohin er mit dem größten Theile seiner Armee sich kurze Zeit begeben hatte, nach Heilbronn zurück, raubte aus dem deutschen Ordenshause 2000 Rthlr. und 70 Fuder Wein, den er nach Philippsburg führen ließ, und zog nach Frankreich, nachdem er noch eine Besatzung in Heilbronn zurückgelassen hatte, das erst am 21. April 1652 von fremden Truppen ganz befreit worden ist, als zuletzt noch 460 Pfälzer abzogen. Erst am 6. und 7. Mai 1652 konnten auch die Heilbronner das Friedensfest feiern.

Während dieses langen Krieges hatte Heilbronn an Einwohnern und Wohlstand große Verluste. Obgleich 100 Gebäude durch Brand und der Vertheidigung wegen der Erde gleich gemacht waren, standen von den übrig gebliebenen viele leer.

Doch der Fleiß der Heilbronner und die Fruchtbarkeit des Bodens brachte in 22 Friedensjahren wieder vieles ein.

Am 7./17. Sept. 1667 kam in Heilbronn ein Staatsvertrag der Pfalz mit den Nachbarn über das Wildfangrecht hinsichtlich der Leibeigenen zu Stande, das sogenannte Laudum Heilbronnense.

16. Juni 1674 wurde die deutsche Armee bei Sinsheim von Turenne geschlagen und mußte sich bei Heilbronn und Wimpfen über den Neckar zurückziehen; Heilbronn erhielt 400 Kreissoldaten als Besatzung. Am 23. Sept. 1674 kamen Kurfürst Friedr. Wilhelm von Brandenburg, mit dem von der Pfalz, den Herzogen von Württemberg und Holstein und dem Landgrafen von Hessen-Homburg in Heilbronn zusammen und am 25. und 26. Sept. zogen die Brandenburger mit 70 Geschützen von Heilbronn an den Rhein, | die im Jan. 1675 wieder über Heilbronn nach Preußen marschirten, weil dort die Schweden eingefallen waren.

Die französische Besatzung zu Philippsburg machte Raubzüge in die Gegend von Heilbronn, bis am 3.–6. Mai 1676 General Caprara eine Armee in Heilbronn sammelte, Philippsburg belagerte und am 11. Sept. die Franzosen es räumen mußten.

Nach 12jährigem Frieden verheerten französische Mordbrenner im Sept. 1688 die Pfalz und am 6. Oct. zog General Montclar nach Heilbronn. Die Bürger wehrten sich anfangs, konnten es aber nicht verhindern, daß er mit 1300 Dragonern die Stadt besetzte. Montclar selbst ging nach Philippsburg und ließ den Commandanten Remonville zurück, welcher der Capitulation zuwider immer mehr Truppen an sich zog, so daß Heilbronn im Nov. 1169 Reiter, 2144 Fußgänger, viele Officiere und großen Troß verpflegen mußte. Melac, der auch in Heilbronn war, ging am 29. Nov. nach Eßlingen ab. Bereits waren 5000 Franzosen in Heilbronn, welche 36 Minen anlegten, um die Thürme und Hauptbefestigungen in die Luft zu sprengen. Das Pulver dazu war schon in Schwaigern angekommen; da näherte sich das deutsche Heer unter dem Kurfürsten von Sachsen der geängstigten Stadt. Die Franzosen plünderten am 21./31. Dec. 1688 in vielen Häusern, steckten die Barfüßerkirche mit geraubtem Heu und Stroh gefüllt, in Brand, sprengten eine Mine, wodurch am Prästenek der Thurm und ein Haus in die Luft flogen, und retirirten am 22. Dec. 1688/1. Jan. 1689 mit 20 Kanonen, 3 Glocken und 6 Geiseln und sonstiger Beute aus Heilbronn nach Sinzheim.

Die Sachsen unter General Flemming, denen bald auch Herzog Christian von Sachsen folgte, besetzten Heilbronn. 1689 29. Juli/8. Aug. bis 22. August/1. Septb. lagerte sich das churbayerische Heer unter General Serini, von Bruchsal kommend, bei Heilbronn und

verwüstete die Felder und am 7./17. Sept. sahen die Heilbronner zum ersten Male Husaren (16. Compagnien unter General Zabor und Oberst Palffi), die nach Eppingen ritten. Im Oktober kam der Kurfürst von Sachsen nach Heilbronn. Seine 18.000 Soldaten bezogen Quartiere und Lager zwischen Heilbronn und Laufen. Im Oktober kam der Markgraf von Baireuth nach Heilbronn und viele Generale. 1690 13./23. Juli kam der Churfürst von Sachsen wieder nach Heilbronn und blieb 7 Tage. Seine Armee (16.000 Mann) zog dem Rheine zu, aber am 10./20. Okt. wieder über Heilbronn nach Franken zurück. Im Nov. kam General Steinau mit 6 Compagnien | Bayern und 200 Reitern ins Quartier. 1691 sammelten sich im Mai unter dem Kurfürsten von Sachsen 40.000 Deutsche in und bei Heilbronn, bis am 13./24. Mai General von Steinau mit 16 Regimentern (20.000 Mann) und am 5./15. Juni der Churfürst mit den übrigen an den Rhein rückten. 1692 war im Juni der Markgraf von Baireuth 4 Tage in Heilbronn, wo er einige Truppen sammelte und nachrückte.

Am 17./27. Sept. wurden die Deutschen bei Ötisheim geschlagen, und der größte Theil zog sich auf Heilbronn zurück. Sie lagerten bei Sontheim, rückten wieder bis Heidelberg vor, wagten aber nicht, es zu entsetzen. Der Heilbronner Deutschordens-Commenthur Generallieut. Georg Bernh. v Heidersdorf war Commandant in Heidelberg geworden. Er übergab aber Schloß und Stadt allzubald den Franzosen, welche jenes in Ruinen verwandelten. Heidersdorf wurde deshalb in Heilbronn am 2. Juli aus dem Orden gestoßen und als General cassirt.

1693 im Mai zogen 20.000 Deutsche unter dem Markgrafen Ludwig von Baden nach Heilbronn, mußten aber bei Sinzheim umkehren, weil Marschall de Lorge mit 70.000 Franzosen anrückte, die bald darauf zwischen Klingenberg und Groß-Gartach ein Lager bezogen und 200 Geschütze aufstellten, mit denen sie im Mai und Juni das verschanzte Lager der Deutschen zwischen Heilbronn und Thalheim beschoßen. Ein Versuch der Franzosen, über den Neckar bei Klingenberg zu setzen, scheiterte an der Tapferkeit der Bayern, die sich bei Horkheim schnell verschanzten, und nachdem die Franzosen auch die Brücke bei Heilbronn vergebens zu erstürmen suchten, zogen sie sich am 30. Mai/9. Juni nach Bruchsal zurück.

Im Juli lagerten sich Hessen mit 12 Kanonen bei der kleinen Aue und zogen an den Rhein.

Bei Ober-Riexingen vereinigten sich der Dauphin und Marschall de Bouffleurs an der Spitze einer neuen Armee mit dem Marschall de Lorge, so daß die Franzosen 60.000 Mann zählten. Der Markgraf von Baden nahm im Juli eine feste Stellung zuerst zwischen Neckarsulm und Kochendorf, dann bei Sontheim und Thalheim. Nachdem die deutsche Armee durch 6000 Sachsen unter ihrem Churfürsten auf 45.000 Mann angewachsen war, schlug sie am 23. Juli/2. Aug. 7 Colonnen Franzosen bei Gruppenbach zurück, die hierauf Württemberg viel verwüsteten und plünderten.

Der Markgraf rückte im August bis Eppingen vor, und Heilbronn | ward im September wieder von 6000 Sachsen u. a. besetzt. Die Winterquartiere wurden bezogen und Heilbronn erhielt 1100 Mann und stets noch weitere Befestigungen.

1694 im März sammelte sich das deutsche Heer wieder bei Heilbronn und bezog zwischen Sontheim, Bökingen und Neckargartach ein Lager. Am 3./13. Juni marschirte es unter dem Markgrafen an den Rhein, drängte die bei Philippsburg über den Rhein gegangenen Franzosen zurück und langte am 6. Okt. wieder bei Heilbronn an.

1695 im Mai sammelte sich das deutsche Heer wieder bei Heilbronn in einem Lager 10.000 Reiter und 12.000 Fußgänger stark, und marschirte am 10. Juni in den Schwarzwald, die am 25. Mai bei Philippsburg über den Rhein gezogenen Franzosen beobachtend. 1696 im Mai sammelte sich ein Theil des deutschen Heeres abermals in einem Lager bei Heilbronn und marschirte am 31. Mai/10. Juni nach Eppingen, weil die Franzosen am 10. Mai wieder den Rhein überschritten hatten.

Mittlerweile sandte die französische Regierung heimliche Mordbrenner aus, welche viele deutschen Städte in Brand steckten. In der Nacht vom 23./24. Juni 1696 wurden 10 große Gebäude am Markt und Kieselmarkt das Opfer dieser Schändlichkeit. In Heilbronn wurden noch viele Kanonen zugerichtet, bis am 30. Okt. 1697 der Frieden zu Ryswick erfolgte.

1702 im April sammelte Markgraf Ludwig von Baden wieder bei Heilbronn 38.000 Mann und rückte mit ihnen bei Germersheim über den Rhein.

Joseph II.[ws 2] hielt sich am 21.–24. Juli 1702 in Heilbronn auf. Eintausend Maulesel trugen das Gepäcke des Kaisers und seiner Gemahlin.

1703 bezogen Pfälzer Winterquartiere in Heilbronn. Im Juni 1704 zogen 30.000 Engländer und Holländer an Heilbronn vorüber nach Württemberg. 1705 4. Juni zog die östreichische Artillerie mit 20 halben Karthaunen und 6 Mörsern durch Heilbronn dem Rheine zu, ebenso am 1. Sept. wieder Geschütze. 1707 1./10. Februar wurde auf dem Rathhaus zu Heilbronn ein Conferenztag zwischen den kaiserlichen, englischen, holländischen und niederländischen Gesandten abgehalten.

40.000 Franzosen unter dem Marschall Villars gingen am 21/22. Mai über den Rhein in’s Württembergische, am 12/22. Juni drangen von Laufen her Abtheilungen nach Horkheim, Sontheim und | Flein. Sie wollten Heilbronn wegnehmen, die Thore wurden aber geschlossen, und am 17. machten 160 Mann von der Besatzung mit vielen bewaffneten Bürgern einen so glücklichen Ausfall beim viereckigten Thurm gegen die Franzosen, daß sich diese nach Verlust von 14 Todten mit 16 Verwundeten zurückzogen, während von den Deutschen nur 1 Reiter getödtet, 2 verwundet wurden. Die Franzosen verwüsteten nun die Felder vor dem Fleinerthore, forderten die Stadt noch einmal vergebens zur Übergabe auf und zogen weiter gegen Gmünd.

Seit dem Jahr 1732 hatte Heilbronn zu 1184 Dragonern des schwäbischen Kreises 15 Reiter und zu 6760 Musketieren 84 Mann zu stellen und 1 Hauptmann und 1 Lieutenant.

1734 im polnischen Erbfolgekrieg setzten 80.000 Franzosen unter Marschall v. Berwick über den Rhein und Prinz Eugen von Savoyen mußte mit seinen 35.000 Deutschen die Ettlinger Linien aufgeben. Am 7./9. Mai trafen die Deutschen bei Heilbronn ein, und nahmen von der Neckarsulmer Straße an östlich hinter der Stadt bis Flein eine vortheilhafte Stellung ein, wodurch jedoch die Früchte verdorben wurden.

Heilbronn wurde mit vielen Verschanzungen versehen. Als das deutsche Heer nach und nach auf 70.000 Mann angewachsen war, zog Eugen mit demselben am 18./19. Juni an den Rhein. 1735 führte der russische Feldmarschall Lasci, dem Prinzen Eugen ein Hülfscorps von 12.000 Russen zu. Am 20. Dec. kam Lasci mit 1600 Mann selbst nach Heilbronn. Er zog am 25. Dec. nach Pforzheim ab, seine 1600 Russen blieben aber zwei Monate lang in Heilbronn, sprangen nackt aus ihren Quartieren in Dampfbäder am Neckar und badeten im Winter in demselben. Die russischen Ochsen verbreiteten eine mörderische Viehseuche in Heilbronn und der Gegend, und die Heilbronner wurden wie im Dec. 1729 von einem nervösen Schnupfen angesteckt, den man später im Jahr 1782 Influenza, seit 1837 die Grippe genannt hat.

Durch die Verschanzungen, Einquartierungen und Lieferungen erlitt Heilbronn in den Jahren 1734 und 1735 einen Kriegsschaden von mehr als 100.000 fl.

Im Febr. 1743 kam von den Franzosen, die vom 26. März bis 10. Mai 1742 bei Jagstfeld über den Neckar gegangen waren, und in Böhmen gefochten hatten, die Division des Generals de la Grange in einem traurigen Zustande heimkehrend, nach Heilbronn, am 4.

Febr. Gen. Fremes mit 3 Reiter-Regimentern und 32 Geschützen, | am 10. Februar die Husaren, welche den Nachzug bildeten.

Im Juni besetzte Gen. Graf Segur, der mit einer Armee Franzosen den Bayern zu Hülfe gekommen war, Wimpfen, und errichtete ein großes Magazin am Krahnen zu Heilbronn.

Von den Östreichern zurückgedrängt, lagerten sich die Franzosen im Juli bei Untereisesheim, bis sie am 12. über Biberach nach Heidelberg sich zurückzogen. Während dieser Zeit gab es am 9. Juli am Krahnen ein Scharmützel, wobei 2 Franzosen getödtet wurden und am 12. Juli wurden über den Neckar einige Kanonenschüsse gewechselt, wodurch auf beiden Seiten einige Mann fielen.

Im Dec. bezog ein Theil der Östreicher Winterquartiere in der Heilbronner Gegend.

1744 nachdem Heilbronn im April bayerische Durchmärsche gehabt hatte, sammelte der östreichische Feldmarschall Herzog Carl von Lothringen im Mai 55.000 Östreicher bei Heilbronn, wo zwischen Neckarsulm bis Thalheim Lager bezogen wurden. Ende Mai setzten die Östreicher auf drei Schiffbrücken zwischen Heilbronn und Neckarsulm über den Neckar und zogen nach Eppingen u. s. w.

Friedrich der Große fiel in Böhmen ein, der Herzog von Lothringen marschirte dorthin, die Bayern folgten ihm und 10 Regimenter Franzosen unter General Graf Segur, welche im Sept. ein Lager zwischen Böckingen und Heilbronn, später zwischen Heilbronn und Neckarsulm schlugen. Im Oktober kam die bayerische schwere Artillerie in Großgartach und Umgegend ins Quartier, und am 17. Oktbr. übernachtete Kaiser Carl Albert[ws 3] im deutschen Hause. Glücklicherweise zogen sich alle diese Truppen bald wieder ostwärts.

1745 schloß die Kaiserin mit Bayern zu Füßen Frieden, die Franzosen unter General Segur und dem Herzoge von Clermont zogen daher über den Rhein zurück, wobei Heilbronn im Mai abermals Quartiere abgeben mußte.

Maria Theresia mit ihrem Gemahl dem Kaiser Franz I. traf am 7. Okt. von der Krönung zu Frankfurt in Heilbronn ein und zu Ende des Jahrs hatten Östreicher Winterquartiere in und um Heilbronn, die im Jan. 1746 abzogen.

Anfangs Mai schlugen Östreicher unter dem Feldmarschall Fürsten Lobkowitz ein Lager zwischen Flein, Sontheim und Thalheim, bis sie am 28./29. nach Italien marschirten.

So war Heilbronn sehr häufig der Sammelplatz der deutschen | Heere, ehe sie am Rheine kämpften, oder wenn sie von dort zurückgedrängt worden sind.

Nun war wieder 47 Jahre lang Frieden, bis die Revolution in Frankreich ausbrach.

Zwar hatte Heilbronn in den 1780ger Jahren viele Durchmärsche östreichischer Truppen, welche in die Niederlande und von dort zurückmarschirten. Diese zahlten aber alles baar mit Brabanterthalern und die Bauern hatten gute Zeiten, nur daß manchmal ungarische Ochsen der Östreicher Seuchen veranlaßten, welche viel Vieh hinwegrafften.

Der Heilbronner Senat benützte die Friedenszeit trefflich. Die Erdschanzen um die Stadt wurden abgetragen, 1753 ließ Bürgermeister Christian v. Wachs auf seine Kosten die schöne Linden- und Roßkastanien-Allee anlegen, 1756 ward ein großes Waisen- und Zuchthaus erbaut, 1765 das Stadtarchiv, 1768/71 ein schönes Schießhaus, 1784/88 für den Kanton Kraichgau ein Ritterbau; 1792 ein Wirthshaus neben dem Wartthurm erbaut, und 1768 bis 1790 Chausseen nach Weinsberg, Neckarsulm, Großgartach und Sontheim u. s. w. angelegt, 1777 der Neckardamm sehr verlängert.

Im Jahr 1784 ließ der Rath einen Schlosser aus Neuwied kommen, welcher den Schmieden und anderen Feuerarbeitern zu Heilbronn den Gebrauch der Steinkohlen lehrte, die von da an in Schmiedessen, seit 1835 auch zum Heizen der Öfen zu Heilbronn angewendet werden.

1792 nahmen die Franzosen unter dem Obersten Grafen Mirabeau, die sich als Anhänger Louis XVI. im Hohenloheschen zu Legionen u. s. w. formirt hatten, in Heilbronn Quartier, und 1793 im April war das Corps unter dem Prinzen Ludwig Joh. v. Condé (6136 Mann stark) 8 Tage in Heilbronn.

Auch Östreicher zogen 1792 durch Heilbronn, namentlich das servische Freicorps, bei welchem viele Zigeuner, Griechen und Muhamedaner waren; und 1793 vom 9. Jan. bis 8. Juli zogen unter dem General Wenzel Fürst Colloredo 1200 Szeklerhusaren, 3800 andere Reiter, 20.000 Infanteristen und 64 Geschütze über Heilbronn zum Rheine.

Das Jahr 1794 brachte wieder das Condé’sche Corps und viele Östreicher nach Heilbronn, unter diesen Rothmäntel, welche sich Räubereien erlaubten.

1795 gab Heilbronn in den 11 ersten Monaten 786 Officieren, 10.000 Soldaten und 6599 Pferden Quartier, meistens zur | östreichischen Armee gehörig; aber auch gefangenen Franzosen, namentlich nach der Übergabe der Festung Mannheim, dem Gen. v. Montaigu und Obersten Müller u. a.

Juli 1796 kamen zum erstenmal wieder feindliche Franzosen nach Heilbronn. Es waren aber nur 5 Reiter, die man zufrieden stellte, als man ihnen bessere Pferde gab. 9./20. Juli mußte ein östreichischer Artillerie-Park weiter geschafft werden, wozu 1080 Paar Ochsen und 576 Pferde requirirt worden sind.

Einquartierungen waren im Jahr 1796 in Heilbronn sehr mäßig, aber die Reichs-, Kreis-, und Kriegs-Prästationen beliefen sich auf 108.662 fl., wozu die vier Dörfer 11.797 fl. beizutragen hatten; im Jahr 1797 89.618 fl. (Dörfer 9942 fl.). Erzherzog Carl reiste am 21. Sept. durch Heilbronn und viele Generale und Soldaten wurden einige Zeit einquartiert.

1799 suchte General Ney Heilbronn durch Raubzüge gegen alles Völkerrecht zu einer Zeit heim, als die Stadt bereits als Mitglied des schwäbischen Kreises den Frieden mit Frankreich theuer genug erkauft hatte, und der Krieg nur noch zwischen Östreich und Frankreich bestand. Am 28. Aug., als gerade Markt abgehalten wurde, sprengten französische Husaren durch die Stadt und schoßen den Buchdrucker Allinger vor seinem Hause todt. Der General Ney ängstigte die Stadt durch Plünderungen in einigen Häusern, legte ihr eine Brandschatzung von 400.000 Livres auf und nahm ihr 62.324 fl. wirklich ab, worauf er am 30. Aug. nach Kirchhard abzog. Aber am 7. Sept. marschirte er wieder nach Heilbronn, nahm den Bürgern ihre Waffen, hob 9 Geiseln aus und erzwang wieder 35.000 fl. und viele Lieferungen, bis er von Östreichern und Württembergern zurückgedrängt wurde. Am 31. Oktbr. kam Ney zum drittenmale nach Heilbronn und nahm der Stadt wieder 7000 fl. Er wollte auch Württemberg ausplündern, aber in Gefechten bei Löchgau, Erligheim und Bönnigheim zwangen die Östreicher und Württemberger die Franzosen an den Rhein zurück zu marschiren und Heilbronn wurde am 3. Nov. wieder von diesen Horden befreit.

Nun kamen aber deutsche Truppen ins Quartier und Schanzer mußten nach Mannheim und nach Ulm gestellt werden. Heilbronn verlor durch den Krieg allein im Jahr 1799 mehr als 200.000 fl.

1800 mußte Heilbronn vielen Östreichern Quartiere geben und Lieferungen machen, vom Juli an den Franzosen. General Moreau besiegte die Deutschen und zwang den schwäbischen Kreis 6 Millionen | Franken als Kriegscontribution zu zahlen, woran es Heilbronn den 66. Theil mit 41.949 fl. traf. Moreau legte der Stadt noch 400.000 Franken auf, erließ ihr aber auf Verwenden des Majors Bertrand (später als General und treuer Anhänger des Kaisers Napoleon berühmt), der 1799 als Kriegsgefangener in Heilbronn einquartiert gewesen war, diese Contribution, nachdem man ihn belehrt hatte, daß Heilbronn zum schwäbischen Kreise gehöre.

Am 9. Febr. 1801 ward der Lüneviller Frieden geschlossen und am 13. Mai räumten die Franzosen Heilbronn.

9. Sept. 1802 ward die Stadt von Württembergern in Besitz genommen und durch den Reichsdeputations-Hauptschluß vom 25. Febr. 1803 dem Churfürstenthum Württemberg einverleibt. Zugleich mit der Stadt wurde auch deren Gebiet einverleibt, und zwar die sogenannten vier Herrendörfer, weil die drei Bürgermeister und der Stadtschultheiß im Namen der Stadt mit diesen Dörfern als Reichslehen belehnt worden sind, nämlich Neckargartach 1341, Bökingen 1342, Flein 1385 und Frankenbach 1438 erkauft, der Böllingerhof (dem Spital gehörig), der Lautenbacherhof bei Ödheim.

Die Reichsstadt, welche stets recht gut verwaltet worden war, wurde nun der Sitz eines Landvogts und eines Oberamts, die Conscription wurde eingeführt, und Abgaben mancherlei Art, von denen der Reichsstädter ehedem ganz verschont gewesen war. War es doch im Jahr 1790 soweit gekommen, daß keine Steuer mehr nöthig war und Bürgern, welche steinerne Häuser erbauen wollten, die Steine und Sand auf Kosten der Stadtkasse an den Bauplatz geführt wurden.

Zugleich mit der Mediatisirung Heilbronns fiel der Schönthalerhof Württemberg, der Kaisersheimerhof Bayern zu. Die Klöster, welche auch der Stadt Heilbronn für ihre Kirchen und Schulen erwünscht gewesen wären, wurden nun von Württemberg eingezogen, 1804 das der Carmeliter, 1811 das Nonnenkloster.

Aber auch das Waisenhaus wurde zum Palais gemacht, 300 Morgen Wald, welchen die Bürger 1433 dem Grafen von Löwenstein abgekauft hatten, württembergische Staatsdomaine u. s. w.

Für Handel und Wandel aber wurde von nun an mehr gesorgt, freilich auf Kosten mancher ehrwürdiger Gebäude. Heilbronn war bis zu seiner Mediatisirung eine der großartigen Wasserburgen Deutschlands gewesen und galt lange als eine Reichsfestung. Nun wurde sie nach und nach modernisirt. Die vier Thorthürme mit großen Vorwerken, zwei andere Thürme mit den starken Stadtmauern, | vier Casematten, zwei Bollwerke am Neckar wurden abgebrochen und die tiefen Stadtgräben ausgefüllt.

Während der Kriege des Kaisers Napoleon hatten Ulm, Cannstatt und Heilbronn durch Quartiere, Lieferungen, Vorspanne mehr als die anderen Städte Württembergs zu leiden. In Heilbronn waren in den 11 Jahren 1805/16 526.498 Mann und 115.633 Pferde verpflegt worden (auf 1 Tag reducirt).

1805 am 28., 29., 30. Sept. rasteten hier Marschall Soult und unter ihm der Div.-General Oudinot mit 10.000 Grenadieren und andere Franzosen rückten nach. Das Carmeliterkloster und die Nicolaikirche wurden Militärspitäler, es entwickelte sich ein Spitalfieber. Nicht allein die Nicolaikirche wurde auf 40 Jahre verwüstet, auch die große Kilianskirche konnte mehrere Jahre lange nicht mehr zum Gottesdienste verwendet werden, weil die Franzosen bei Ulm gefangene Östreicher und bei Austerlitz gefangene Russen darinnen einsperrten, so daß in dieser schönen Kirche vieles verdorben wurde, und die geistliche Verwaltung große Kosten hatte, die verbrannten Kirchenstühle etc. wieder herzustellen.

Am 20. Dec. traf in Heilbronn General Augereau mit 30.000 Mann ein, welche erst am 6. und 7. Jan. 1806 weiter marschirten. Durchmärsche anderer Truppen folgten, im Jan. batavische Reiter, 1./7. Febr. 5000 Franzosen vom Ney’schen Corps. General Oudinot zog mit seinen Grenadieren aus Östreich über Heilbronn zurück. Am 16. Mai 1806 kam General Petit mit dem 21. Infanterie-Regiment in das Standquartier nach Heilbronn, und ließ am 15. Aug. eine solenne Kirchenparade an Napoleons Geburtstag halten.

Am 10. Sept. marschirten Marschall Davoust und General Goudin hier durch, desgleichen im Februar 1809 12.000 Franzosen unter General Oudinot, Albert und Jarris. Jan. 1810 Nassauer und Sachsen nach Spanien, 10.000 Franzosen vom Oudinot’schen Corps nach Mannheim, Okt. die Linienregimenter Nr. 15 und 33.

Im Febr. 1812 sammelte sich das württemb. Armee-Corps (15.800 Mann mit 3400 Pferden und 32 Kanonen) unter dem Kronprinzen bei Heilbronn, am 3. März wurde es vom Könige gemustert und marschirte nach Rußland.

Jan. 1813 kamen die Trümmer dieses schönen Corps (1600 Mann) nach Heilbronn zurück. Das Schießhaus wurde Spital und der Typhus der slavischen Völker raffte in Heilbronn mehrere Leute hin.

| Im April d. J. waren Durchmärsche der Württemberger nach Sachsen, im Sept. und Okt. kamen Verwundete von dort zurück.

Im Oct. marschirten viele Württemberger von Neustadt her über Heilbronn nach Ludwigsburg. 2. Nov. trafen 67 östreichische Jäger, am 3. Nov. bayerische Chevauxlegers in Heilbronn ein; bald folgten 3500 bei Hanau gefangene Franzosen, von denen viele verwundet waren, unter bayerischer Bedeckung, 14. Nov. 7 östreichische Cuirassier-Regimenter und das bayerische Chevauxlegers-Regiment Taxis. Ende November trafen die ersten Kosaken ein. 30. Nov. plünderten östreichische Cuirassiere einen Zinnwaarenladen am Markte.

Zum Glück für Heilbronn hatte am 2. Novbr. Württemberg dem Rheinbund entsagt und trat dem Bunde gegen Napoleon bei, denn im Dec. zog der russische General Barclay de Tolly mit 20 anderen Generalen und einem großen Corps über Heilbronn der Schweiz zu. 6000 Kosaken unter dem Hetmann Grafen Platow schlugen am 10./12. Dec. ein Lager zwischen Heilbronn und Sontheim. Auch preußische Garde und 1400 Badenser waren in Heilbronn einquartiert, und am 13. Dec. hielt Kaiser Franz auf einer Durchreise in Heilbronn an.

Die Stadt hatte an Quartieren und Lieferungen einen ungeheuern Aufwand, und mußte außerdem noch 24.472 fl. für Früchte bezahlen, die sie in Magazine nach Engen und Gengenbach zu liefern hatte.

1814 dauerten Lieferungen und im März bis Juni Einquartierungen von Russen, Würzburgern, Östreichern fort, 7./8. Juni übernachtete der östreichische Generalissismus Fürst Carl v. Schwarzenberg, aus Frankreich zurückkehrend, in Heilbronn. Im Juni Durchmärsche von heimziehenden Östreichern unter den Generalen Hardegg und Frimont, und von verwundeten Russen. Zugleich kehrten gefangene Franzosen heim. Juli kam König Friedrich nach Heilbronn, wo der siegreiche Kronprinz an der Spitze von 5000 Württembergern von seinem Vater empfangen wurde. Am 13. Juli hielt sich Kaiser Alexander in Heilbronn auf.

1815 als Napoleon wieder von Frankreich Besitz genommen hatte, zogen vom 13. April bis 8. Mai die Bayern unter dem Marschall Fürsten von Wrede über Heilbronn an den Rhein. In Wien war beschlossen worden, unter dem Fürsten v. Schwarzenberg eine große östreichische Armee in und bei Heilbronn zu sammeln. Deshalb trafen am 22. April der General Carl F. G. v. Langenau | in Heilbronn ein, am 11. Mai der Generalissimus mit seinem Generalstabs-Chef dem F.-M.-L. Grafen Radetzky. Im Ganzen waren 28 Generale, 206 Offiziere, 62 Beamte, 382 Bediente und 682 Soldaten in Heilbronn einquartiert, bis das Hauptquartier am 24. Mai nach Heidelberg vorrückte, und zugleich hielten sich viele Prinzen und Generale anderer Mächte in dem östreichischen Hauptquartiere auf.

Bei dem am 1. Juni 1815 beim Schießhause abgehaltenen Marie-Theresien-Ordensfest paradirten 10.000 Mann Östreicher

Im Juni hatten die Kaiser Franz und Alexander eine Zusammenkunft in Heilbronn und auch die Kaiserinnen, Erzherzog Carl, der König und der Kronprinz von Württemberg waren in Heilbronn und viele Östreicher, Bayern und Kosaken zogen dem Rheine zu. Als Kaiser Alexander im Rauch’schen Hause logirte, besuchte ihn die Frau von Krüdener, geb. v. Vittinghof, die auf dem benachbarten Rappenhof eine neue religiöse Gemeinde gründen wollte, und nahm ihm in Heilbronn das Gelübde ab, allem aufzubieten, den Ruhestörer Napoleon unschädlich zu machen, dann aber unter den Fürsten Europa’s eine heilige Allianz zu stiften, die allen ferneren Kriegen ein Ziel setzen sollte.

Die Alliirten siegten und im Sept. sahen die Heilbronner lange Reihen von Kanonen, welche die Östreicher erobert hatten, und im Nov. zogen 18.000 Bayern unter dem Fürsten Wrede aus Frankreich heim, denen noch andere Truppen folgten.

Die Kriegskostens-Umlagen Heilbronns vom 23. April 1813/19 beliefen sich aber auf 385.727 fl. und die Stadt hatte im Jahr 1816 mehr als 300.000 fl. Schulden, so daß im Aug. 1823 der Lautenbacherhof um 75.000 fl. verkauft werden mußte, der 1772 um 90.000 fl. erkauft worden war.

Nach dem Frieden und zwar bis 1849 hatte Heilbronn wieder wie früher eine württembergische Garnison, größere Einquartierungen aber nur aus Anlaß der Herbstmanöver der württembergischen Truppen in den Jahren 1821, 1835, 1857 und bei den bayerischen Truppendurchmärschen im Juni 1832. Im September 1840 war Heilbronn das Hauptquartier, als die großen Kriegsübungen des achten deutschen Armeecorps mit 23.200 Württembergern, Badenern und großherz. hessischen Truppen hier begannen, wobei sich mehrere Souveräne, Prinzen und Offiziere aus halb Europa einfanden.

| Auch im Sommer 1859 cantonirte das württembergische Armeecorps einige Zeit bei Heilbronn.

In den jüngsten 200 Jahren haben sich bei wenigen Städten Deutschlands mehr Heere gesammelt als in Heilbronn.

Wenn nicht die Lage Heilbronns für Handel und Gewerbe sehr günstig, der Boden der Umgegend überaus fruchtbar, und wenn nicht die Bewohner fleißig, geschickt und unternehmend wären, so würde die Last unerträglich gewesen, Heilbronn ganz verarmt sein. Immerhin waren auch in den Kriegszeiten die unter Württemberg verbesserten Straßen, Posten und viele guten Anstalten sehr nützlich; auf Kosten der Stadtkasse wurde 1809 die neue Pfühlbronnenleitung angelegt, 1809/11 eine neue Straße mit Pappelallee nach Bökingen, 1811/12 der Steinweg chaussirt.

In den Friedenszeiten wurden im Innern der engen Stadt freie Plätze an der Stelle der zwei Bollwerke, des Salzhauses und bei der Kilianskirche und am obern Backhaus geschaffen, Dohlen erbaut, Brunnen und Wasserleitungen vermehrt und verbessert, 1852 Gasleitungen eingeführt, zwei Gemeindebacköfen erbaut, das Straßenpflaster verbessert, und am Neckar ein Kai angelegt.

Um die Stadt wurden Anlagen mit Promenaden geschaffen, Vorstädte angelegt, 1832/34 der Paulinenspital gegründet, 1834 u. s. f. der schöne Friedhof.

Die abgebrannten Wirthschafts-Gebäude der Stadt wurden neu aufgebaut, nämlich 1838 das Jägerhaus, 1846/47 das am Wartthurm, 1835/36 wurde die städtische Kunstmühle errichtet, 1837/39 die Walkmühle und 1840/41 die Sülmermühle neu erbaut.

Durch freiwillige Beiträge wurde 1851 die Nicolaikirche wieder für den evangelischen Gottesdienst hergestellt.

Die Stiftungspflege verwendete große Summen auf die Verschönerung der Kilianskirche, für das Gymnasium wurde 1826/27 das Carolinum, 1840/41 das Rectorathaus erbaut, 1846/47 ein Knabenschulgebäude, während viele Schulen für Mädchen im Franziskanerkloster eingerichtet wurden.

In den 41 Jahren von 1816 bis 1857 wurden in Heilbronn aufgewendet:

 
a. für kirchliche Zwecke 51.986 fl.
b. für Unterrichts-Anstalten 111.598 fl.
c. für gewerbliche Zwecke 168.219 fl.
d. für ökonomische Zwecke 33.328 fl. |
e. für sonstige öffentliche Zwecke
   (Wartberg-Gebäude, Jägerhaus, Paulinenspital,
   Verbesserung des Rathhauses, am Schießhause)

   
       54.409 fl.
 Zusammen für Hochbauten 419.540 fl.
wozu beigetragen haben:
die Stadtkasse

   292.779 fl.
die Stiftungspflege 117.707 fl.
Wohlthäter    9.054 fl.
419.540 fl.
Straßen- und Brückenbauten 346.254 fl.
Flußbauten (Wehre und Ufer) 140.000 fl.
Brunnen und Wasserleitungen    65.103 fl.
970.897 fl.
Rechnet man zu diesen 970.897 fl. den Werth des Areals,
   welchen die Stadt für Eisenbahn, 1847, und Winterhafen abgab
   mit 15.000 fl. und 18.000 fl.

   
   33.000 fl.
und den baaren Beitrag z. Eisenbahnbau vor 1848    35.000 fl.
 so erscheint die große Summe von 1.038.897 fl.

Es konnte daher nicht fehlen, daß seit 1844 ein sogenannter Stadtschaden umgelegt werden muß, der sich nach und nach so gesteigert hat, daß er jetzt etwa 4/5 der directen Staatssteuer beträgt (1861/62 24.000 fl., 1864/65 30.000 fl.) Glücklicherweise hat auch der Nahrungsstand der Bewohner zugenommen, weil Handel und Verkehr sich eines großen Umschwungs zu erfreuen haben. Durch die Bemühungen der Regierung sind die früher für Heilbronn als Gränzstadt gegen Hessen und Baden sehr lästigen Zollschranken weit hinausgerückt worden, die Neckarschifffahrtsstraße ist viel besser, die Zwangsstapel in Mannheim, Mainz u. s. w. haben aufgehört, und die Schiffe können von Heilbronn nach Canstatt und nach Holland fahren. Nicht blos die Stadt, sondern auch die ganze Umgegend hat an Bewohnern sehr zugenommen, welche großentheils wohlhabend sind und viele Bedürfnisse in Heilbronn einkaufen.

Die Gewerbsleute in Heilbronn machen daher zum Theil gute Geschäfte, wozu der erweiterte Verkehr kommt, weil die Regierung der Stadt zwei weitere Viehmärkte mit Ledermärkten, drei Schafmärkte, einen Wollmarkt und einen Rindenmarkt ertheilt hat.

| Durch Staatsaufwand erhielt Heilbronn bedeutende Häfen und einen Freihafen, dabei gute Krahnen und große Lagerhäuser, seit 1848 kam Heilbronn durch eine Eisenbahn mit den europäischen Eisenbahnstraßen in Verbindung, seit 1862 mit Hall, dazu kamen verbesserte Postanstalten und eine Telegraphenstation.

Erst dadurch konnten Fabriken und Manufakturen neu gegründet, die älteren vergrößert werden, und wenn auch der uralte Speditionshandel fast aufgehört hat, so hat der Handel Heilbronns mit Naturprodukten (Getreide, Brettern und anderem Nutzholz, Steinen, Gyps) und mit Fabrikaten eine bedeutende Größe erreicht, die er vordem nie gehabt hat.

Hiebei muß man es rühmen, daß seit der württembergischen Herrschaft die Unterrichtsanstalten in Heilbronn außerordentlich erweitert und vorzüglich geworden sind, wie denn auch Heilbronn derjenige Ort ist, in welchem zuerst in Deutschland die pestalozzische Lehrmethode (1808) versucht worden ist.

An manchfacher Bildung fehlte es den Heilbronnern auch im vorigen Jahrhundert nicht. Der Dichter C. F. D. Schubart, welcher ums Jahr 1770 Musikunterricht in Heilbronn gab, rühmte „die Kultur der Sitten,“ W. Göthe in seinen Briefen vom 28. Aug. und 11. Sept. 1797 sprach sich lobend aus, im Aug. 1793 weilte Fr. Schiller in Heilbronn, welches er nur bald wieder verließ, weil er keine Wohnung mit einem Garten finden konnte. Er war wegen seiner Kränklichkeit nach Heilbronn gekommen, um durch Dr. med. Eberhard Gmelin berathen zu werden, welcher, der erste unter den Ärzten, schon 1787 den thierischen Magnetismus als Heilmittel anzuwenden begann.

Die Musik wird in Heilbronn seit langer Zeit mehr als in vielen anderen Städten gleicher Größe gepflegt.

In den 1790r Jahren bis 1806 hatte man es hauptsächlich dem Frhrn. Ernst v. Gemmingen, welcher als Director des Ritterkantons Kraichgau hier wohnte, zu danken, daß viele Concerte unter Ammon hier gegeben wurden, wodurch die Heilbronner schon sehr frühe mit den Compositionen von Mozart, Haydn u. s. w. bekannt wurden, 1820 leitete Heinr. Kunze den Singkranz und seit 1857 besteht der Oratorien-Verein unter Musikdirektor Ernst Maschek. Aus weiter Ferne war das Musikfest im Jahr 1840 und das Liederfest des schwäbischen Sängerbundes im Jahr 1851 zu Heilbronn besucht. –

| Aus der Reihe hiesiger Dichter, Gelehrter, Künstler und derartiger ausgezeichneter Männer sind zu erwähnen:

Joh. Vögelin, berühmter Lehrer der Mathematik, deren Lehrkanzel er in den 1520r Jahren an der Augsburger Domschule, 1528 an der Wiener Universität erhielt und neben welcher er auch Astronomie und Naturphilosophie vortrug, † gegen 1550 (Zapf, Christoph v. Stadion, Bischof v. Augsburg, 16, Kinck, Gesch. der Univ. Wien, 1, 266)

Joh. Lachmann, geb. 1490 oder 1491, Sohn des berühmten Glockengießers Bernh. Lachmann, studierte in Heidelberg, wo er mit Melanchthon ein dauerndes Freundschaftsverhältniß schloß, und wurde 1521 als Prediger in seiner Vaterstadt angestellt, als welcher er die Reformation einführte. Wegen Einführung des Interims im Jahr 1548 legte er sein Amt nieder.

Erhard Schnepf, geb. den 1. Nov. 1495, studirte gleichfalls in Heidelberg und wurde, von einer hinreißenden Beredsamkeit unterstützt, ein eifriger Beförderer der Reformation. Im Jahr 1526 wurde er Professor in Marburg und 1535 war er thätig bei der Einführung der Reformation in Württemberg. Nach Tübingen als Professor der Theologie im Jahr 1543 berufen, verlies er 1548 diese Stelle wegen des Interims und kam als Professor nach Jena, wo er den 1. Nov. 1558 starb.

Daniel Imlin, geb. den 30. Jan. 1602, studirte die Rechte, wurde Syndicus in Worms, hierauf in Straßburg, 1661 württ. Geh. Regierungsrath und Vicekanzler. Ein gelehrter Jurist, vieler Sprachen kundig, arbeitsam und fromm erwarb er sich um die Emporbringung Württembergs nach dem verheerenden 30jährigen Kriege Verdienste. Er starb den 9. Febr. 1668. (Württ. Jahrb. 1848, 283.)

Joh. Christ. Storr, geb. 3. Juni 1712, Sohn eines Predigers, studirte in Tübingen und starb zu Stuttgart als Stiftsprediger und Consistorialrath im Jahr 1773. Er machte sich durch eine Anzahl erbaulicher Schriften bekannt.

Eberhard Friedr. Frhr. v. Gemmingen, geb. den 5. Nov. 1726, in Tübingen und Göttingen gebildet, ausgezeichnet als Patriot, Staatsmann und Dichter, gestorben als Regierungspräsident zu Stuttgart den 19. Januar 1791 (Kazner’s Materialien zu einem Denkmal desselben. Frankfurt 1791. Huber’s Denkmal. Stuttg. 1793). Er gehörte der Hornberger Linie, Bürger Zweig, an und war Oheim des Hausmarschalls v. Gemmingen zu Stuttgart.

| Heinrich von Kinkel, geb. um 1745, holländischer Admiral, gestorben zu Mannheim den 10. Nov. 1821.

Friedr. Heinr. Füger, geb. 1751, Sohn eines Geistlichen, Historienmaler, gestorben den 5. Nov. 1818 zu Wien als dortiger Professor, Rath und Direktor der Maler- und Bildhauerschule.

Otto Heinr. Frhr. v. Gemmingen, geb. 1756, kurpfälzischer Kämmerer und Hofkammerrath zu Mannheim, markgräflich badischer Gesandter zu Wien, gestorben als badischer Geheimer Rath zu Heidelberg den 15. März 1836. Seiner Zeit beliebter dramatischer Dichter.

Christ. Ludw. Schübler, geb. den 21. Merz 1754, verdienter Bürgermeister in Heilbronn, gestorben in Stuttgart als Oberregierungsrath, Oberstudienrath, den 14. April 1820, Verfasser mathematischer Schriften.

Peter Bruckmann, geb. den 10. Juni 1778, geschickter Modelleur und Stempelschneider, Gründer der Heilbronner Silberwaarenfabrik, gest. den 4. Dez. 1850.

Aug. Heinr. D’Autel, geb. den 1. Nov. 1779, gestorben in Stuttgart als Oberhofprediger den 30. Sept. 1835, verdient um das Schulwesen in Württemberg.

Gustav Schübler, Sohn des obigen, geb. 15. Aug. 1787, ausgezeichnet als Botaniker, Agriculturchemiker und Meteorolog, gestorben als Professor in Tübingen den 8. Sept. 1834.

Wilh. Waiblinger, geb. den 21. Nov. 1804, früh entwickelter, aber auch früh verstorbener Dichter, gest. 17. Jan. 1830 in Rom. (Gesammelte Werke, herausg. von H. v. Canitz. 9 Bde. Hamburg 1840–41.)


Heilbronner Sagen aus den Zeiten des 30jährigen Krieges u.s.w.
1. Der Lothringer. Als General Ossa kaiserlicher Stadtcommandant in Heilbronn war, bis er am 23. Dec. 1631 die Stadt vor den Schweden räumen mußte, hatte er auch 20 lothringische Fähnlein unter seinen Truppen. Das große Bollwerk (an der Nordwestecke der Stadt) wurde besetzt, die Soldaten aber, welche dort am Stadtgraben den Posten besetzten, Nachts angegriffen und in den Graben gestürzt. Es wollte kein Kaiserlicher mehr hier Wache stehen, der Stadtcommandant zwang den Rath, durch Bürger diesen Posten besetzen zu lassen. Einen Goldarbeiterssohn traf zuerst das Loos, seine Kameraden aber, welche mit ihm geloost hatten, blieben auch in der Nähe. Da kam Nachts ein Ungethüm feuerspeiend auf den Wachposten los, dieser zögerte nicht lange und | streckte den Angreifer durch einen Schuß in den Stadtgraben nieder. Die Kameraden eilten herbei und man fand, in Pelz vermummt, einen Hauptmann der Lothringer, welcher aber nicht mehr zu sagen im Stande war, was ihn zu diesen Angriffen bewogen hatte. Man kennt daher den Grund dieser Vermummung und der Angriffe auf den Wachposten nicht.

Das Volk aber glaubte noch lange, der „Lothringer“ müsse seine Übelthaten damit büßen, daß er nach seinem Tode als Bär des Nachts beim Bollwerke umherirren, mit Ketten rasseln und Feuer speien müsse.

2. Vom „Muhkalb“ erzählt eine andere Sage, daß ebenfalls im 30jährigen Kriege 1635 bei der großen Theuerung ein Mezger beim Lohthor häufig das Fleisch von Hunden u. s. w. als Kalbfleisch verkauft habe. Eine Frau hätte ihren Argwohn gegen ihn ausgesprochen, der Mezger jedoch betheuerte, er verkaufe nur Kalbfleisch. Wenn es nicht so wäre, so wolle er nach seinem Tode als Kalb gehen. Er starb an der Seuche und das Volk ließ ihn in Gestalt eines Kalbes zur Nachtzeit herumgehen und wie ein Kalb schreien.

3. Die Leiber aus Brod. Weil man beobachtet haben wollte, daß der Neckar bei Heilbronn jährlich drei Menschen verschlinge, so solle man in alter Zeit auf die Neckarbrücke Wallfahrten am 24. Juni angestellt und und drei Laibe Brod in Menschengestalt den Fluthen übergeben haben, mit dem brünstigen Gebet, der Neckar wolle sich damit begnügen und die Menschen verschonen.


Münzstätte in Heilbronn.

Als Ausfluß der Rechte der Kaiser über die königliche Pfalz zu Heilbronn erscheint auch eine königliche Münzstätte daselbst, deren in nachstehenden Urkunden Erwähnung geschieht:

1299 schließt das Kloster Schönthal wegen seines Hofes in Heilbronn mit der Commende Heilbronn einen Vertrag, in dem ein Conradus, magister monetae vorkommt (Jäger, S. 41, Nr. 78).

1336 heißt der Münzmeister zu Heilbronn Gebin (Gebwin?).

1424 spricht Kaiser Sigismund in einem Erlasse Freitag nach Mariä Himmelfahrt von einer „silbernen Münz in unserm Namen und in unser und des Reichs Stadt Heilprunn geschlagen. (Binder, Münzkunde S. 460.)

1430 wird in einer Pergament-Urkunde des Heilbronner Spitals | als Zeuge Conrat Münzmeister, den man nennt Vetzer, genannt.

1435 wurde das königl. Lad- und Eichamt an die Stadt Heilbronn verkauft und dabei einer Abgabe von 3 Pfd. Geld Stadtwährung erwähnt. (Jäger 209, Not. 646.)

1476 schloß Markgraf Christoph zu Baden mit Heilbronn einen Vertrag wegen des Flößens, nach welchem von jedem Floß 6 Schilling Pfenning Heilbronner Währung entrichtet werden sollten.

Wahrscheinlich sind nur kleine Münzen hier geschlagen worden. Es ist übrigens nicht bekannt, was sie für ein Gepräge hatten und ebensowenig weiß man in Heilbronn, wo die Münze stand.

Maaße der Reichsstadt Heilbronn.

König Rudolf I. gab dieser Stadt im Jahr 1281 Maaße, welche bald auch in einem weiteren Umkreise angenommen worden sind. (Jäger 1, 58, 59, 82, 83. Note 192.) Sie galten noch bis zum 1. December 1806, nur daß das Flüssigkeits-Maaß am 3. Aug. 1626 dahin abgeändert worden war, daß der Eimer von da an 24 Maaß hielt, früher 20 Maaß.

Das Heilbronner Wochenblatt vom 1. April 1790 und vom 18. April 1793 enthält aus der Feder des Bürgermeisters Christ. Ludwig Schübler über die Heilbronner Maaße genaue Notizen.

Gewicht:

1 Heilbronner Pfund war um 3 Loth leichter als das Nürnberger.

3 Pfund waren gleich 48 Unzen oder 96 Loth Apothekergewicht.

Das Heilbronner Pfund war in 32 Lothe abgetheilt, und Ein Centner hatte 100 Pfunde.

Längenmaaße.

Der Heilbronner Fuß war gleich 277,05 franz. Millimeter (oder 10 Zoll 8 Linien rheinl.), 10 Heilbronner Decimalzolle und 2 Decimal-Linien sind gleich 12 württemb. Duodecimalzollen oder es verhält sich der württemb. Schuh zum Heilbronner wie 1268 zu 1235.

Die Heilbronner Meßruthe war in 16 Heilbronner Fuß abgetheilt, der Heilbronner Fuß in 12 Zoll, der Zoll in 12 Linien, die Linie in 12 Punkte oder Skrupel.

150 Heilbronner Ruthen (gleich 359° 28’ neu württemb. Meß) | gaben 1 Heilbronner Morgen Feldes oder 1 württemb. Morgen = 160 Heilbronner Ruthen und 28 Schuh.
1 Heilbronner Quadrat-Ruthe = 256 Quadrat-Schuhe,
1  "  Quadrat-Schuh = 144 Quadrat-Zoll,
1  "  Quadrat-Zoll = 144 Quadrat-Linien,
1  "  Quadrat-Linie = 144 Quadrat-Skrupel.

1 Heilbronner Morgen = 150 Heilbronner Quadrat-Ruthen à 256 Quadrat-Schuhen.

1 württemb. Morgen (oder 384 württemb. Quadrat-Ruthen) ist gleich 1611/4 Heilbronner Quadrat-Ruthen.

Die Heilbronner Elle war gleich 23 Nürnberger Zoll.

Getreidemaaße.

1 Heilbronner Malter war gleich 7 Sri. 6 Eklen und 3 147/407 Viertelein württembergisch und wurde in 8 Sri. oder 32 Ivel oder 128 Viertelein abgetheilt.

Nur beim Haber gebrauchte man das Habersimri = 1 Sri. 3 Eklen 268/407 Viertel württemb. (oder 91 Heilbronner Habermalter sind gleich 100 württemb. Scheffel).

Flüssigkeitsmaaße
.

Ein Heilbronner Eimer Helleich hatte 24 Maaß, die Trübeich war um 30 Maaß für jedes Fuder größer, die Schenkeich um 2 Maaß für jeden Eimer kleiner.

1 Heilbronner Schoppen hielt 12 medizinische Unzen oder 24 Loth.

20 Eimer oder 480 Maaß Helleich oder 1920 Schoppen wurden Ein Fuder genannt.

Der Heilbronner Eimer = 2 Imi 17/9 Schoppen württembergisch.

Ein Heilbronner Fuder war gleich 2 Eimer 8 Imi 8 Maaß 35/9 Schoppen württemb. oder 1 württemb. Eimer oder 160 württ. Maaß sind gleich 18311/23 Heilbronner Maaß; 23 württemb. Maaß = 27 Heilbronner Maaß.


Beschreibung der Amtsorte.
Um Wiederholungen zu vermeiden, wird hier bemerkt, daß die Einwohner aller Amtsorte hauptsächlich von dem Ackerbau und von der Viehzucht leben. Nur die nothwendigsten Handwerker, z. B. Schmiede, Wagner, Schneider, Schuhmacher, Mezger, Bäcker findet man auch auf dem Lande, die meisten Bestellungen bei den Handwerkern | macht der Landmann jedoch im nahen Heilbronn. Fabriken gibt es nur in Neckargartach; viele Fabrikarbeiter aber, welche in Heilbronn beschäftigt sind, wohnen in den der Oberamtsstadt nahe liegenden Orten, was leider auch auf die Sittlichkeit derselben keinen guten Einfluß hat. Handel wird nur in Böckingen, Flein, Sontheim und Großgartach getrieben, Krämer aber finden sich in jedem Orte mehrere. Es gibt wenig Hausirer, die Sammler von Lumpen und Knochen für die Heilbronner Fabriken ausgenommen. Der Wald beschäftigt einige Einwohner der Orte, welche Wälder besitzen, nur nebenher; aber in Gruppenbach, Happenbach und Donnbronn leben manche Einwohner von ihrer Beschäftigung als Holzmacher in den Waldungen des Staates und der Stadt, und vom Steinbrechen in den städtischen Steinbrüchen. Fischer gibt es nur in den Neckarorten. Die meisten Orte haben Bachmühlen, nur in Bökingen, Flein, Horkheim und Untereisesheim sind keine. Die zwei zuerst genannten Orte waren in die Stadtmühlen gebannt, was aber in den 1820ger Jahren aufgehört hat.

Bedeutenden Weinbau haben Großgartach, Flein und Sontheim, einigen Gruppenbach, Abstatt, Thalheim und Horkheim, unbedeutenden Böckingen und Neckargartach.

Die Feldgüter, welche im Neckarthal liegen, haben Löß zum Untergrund, also einen tiefgründigen Boden und durch mehr als tausendjährigen Anbau einen großen Reichthum an Humus, wozu auch die häufigen Lager großer Armeen vieles beigetragen haben. So schrieb der Heilbronner Feldmesser J. Leonh. Weingand in seine Chronik: An der Sontheimer Gränze habe sein Vater 3 Viertelmorgen mit Dinkel eingesät gehabt, als 1734 2 Monate lang viele Artilleriepferde darauf gestellt worden. „Die Bestreuungshaufen wurden 8 Schuh hoch die ganze Ackerläng. Da haben wir 16 Wagen davon in unsere Weingärt geführt und 16 verkauft. Den übrigen Dung haben wir ausgebreitet, 3 Schuh hoch, und bekamen zuerst 7 Wagen Rüben, so groß wie Invel (Viertelsimri). Der Dinkel im zweiten Jahr gab viel Stroh, aber manche Garbe keine Handvoll Ähren. Hernach wurde 12 Jahr lang Einkorn gesät, das wurde 8 Schuhe hoch; der Acker war später sehr fruchtbar und mußte erst wieder im Jahre 1793 (nach 59 Jahren) gebessert werden.“

Wie frühe schon hier der Ackerbau rationell betrieben worden ist, zeigt eine Urkunde des Heilbronner Spitals von 1405, nach welcher Güter zu Böckingen mit der Bedingung hingeliehen worden | sind, daß jährlich 1 Morgen Acker gemergelt werden müsse. Der schon im Jahr 1765 in Heilbronn eingeführte Kleebau vermehrte die Zahl der Hausthiere und somit auch den Dünger.

Es werden daher im Oberamte nicht blos die gewöhnlichen Getreidearten, Hülsenfrüchte und Futtergewächse angebaut, sondern auch viele Kartoffeln, Mohn, Cichorie, Krapp, Tabak, Zuckerrüben und andere Handelsgewächse; im Neckarthal schönes Welschkorn, im übrigen Bezirke aber Reps.

Die Frucht-, Wochen- und Viehmärkte und die Handelsleute der Oberamtsstadt bieten den Amtsorten vorzügliche Gelegenheit, ihre Produkte leicht zu verwerthen.

In Bezug auf die Rechtsgeschichte ist zu bemerken, daß viele Orte im 15. Jahrhundert ihr Recht bei dem Oberhof zu Wimpfen gesucht haben, namentlich Großgartach, Neckargartach, Biberach, Bonfeld und die beiden Eisesheim.

Galgen standen noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts (bis 1811) nicht nur auf dem Galgenberge bei Heilbronn, sondern auch bei Sontheim, Thalheim, Kirchhausen u. a. O.


  1. Alte Schreibweisen sind: Helibrunna 823 (früheste in gleichzeitiger Aufzeichnung erhaltene Erwähnung des Ortes), Heilicprunno 841, Helicbrunno 889, Heiligbrunno 889, Heilacbrunnen 923, Heiligbrunen 1037, Heilbronnen 1146, Heilecbrunen 1225, Hailebrunne 1276, Heileprunne 1278, Heilicpronn 1282, Halichbrunna 1285, Heilicprun 1287, Hailbrun 1297.
  2. Wenn noch König Karl IV. den 19. Jan. 1349 das Patronatrecht in Heilbronn dem Hochstift Würzburg schenkt (Reg. Boic. 8, 151), so ist dies bloße Erneuerung oder fand zwischenhinein eine Unterbrechung des Besitzes statt.
  3. Der Ausdruck ist moneta, womit oft bloße Münzpolicei bezeichnet wird. Auch das Amt eines Münzmeisters bezieht sich öfters blos auf die letztere. Im Jahr 1299 wird ein Conradus magister monetae genannt (Jäger 1, 41). 1336 ein Münzmeister Gewin, 1430 in einer Spital-Urkunde als Zeuge Conrat, Münzmeister. Jedenfalls bestund hier zeitweilig eine Reichsmünzstätte. Als im Jahr 1423 einige Fürsten die Heilbronner Münzen nicht annehmen wollten, erließ Kaiser Sigismund am 18. Aug. 1424 ein Schreiben, daß die silberne Münz, die in seinem Namen in Heilbronn geschlagen worden, bei seiner und des Reichs Ungnade nicht verschlagen werden dürfe. In Urkunden von 1435 über das Eichamt und von 1476 über Floßwesen ist von Münzen der Heilbronner Stadtwährung die Rede. (Jäger 1, 209. Anm. 646. 1, 258. Binder 460.)
  4. Predium quoddam in Heilebrunnin, quod inclitus dux Welph ipsi ecclesie Hirsaugiensi contulit.
  5. Übrigens hatte schon Kaiser Karl IV. am 10. Mai 1454 dem Rath in Heilbronn das Recht ertheilt, Übelthäter aus dem deutschen Ordenshaus zu nehmen (Lünig, Reichsarchiv 13, 894).
  6. Besitz- und Rechtsstand der deutschen Commende in Heilbronn zu Anfang des 18. Jahrhunderts, siehe im Archiv für Geschichte, Genealogie. Stuttg. 1846. 1, 331–334.
  7. Das Heilbronner Recht wurde selbst wieder an das benachbarte Eppingen ertheilt von König Albrecht den 12. Aug. 1303.
  8. Beispiele aus dem Gewerbsstand – geschickte Buchdrucker, welche sich im Auslande niederließen, sind Franz Renner 1471 ff., Joh. Lucilius Santritter 1480 ff., beide in Venedig.
  9. Im Jahr 1349 gab K. Karl Elisabeth, Engelhards von Hirschhorn Gemahlin und ihren Erben des reichen Nathans des Juden Haus zu Heilbronn. Urkunde in Darmstadt.
  10. Am 7. Juli 1404 erhöhte Kaiser Ruprecht noch die Pfandsumme. Chmel. Reg. Rup. Nr. 1800.
  11. Im Verkaufsbrief (Act. Pal. 1, 365 ff.) heißt es: Den zehenden an der fruchtte zu Heilbronn und die weingülte, nemblich zehendhalb fuder, die von dem winzehenden jares gefallendt.
Anmerkungen [WS]
  1. Goethe reiste 1797 nicht nach Italien sondern in die Schweiz. Siehe Goethes Tagebücher 1797 bei zeno.org.
  2. Joseph II. wurde erst 1741 geboren, es kann sich nur um Joseph I. handeln.
  3. Karl Albrecht von Bayern, Kaiser Karl VII.
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