Beschreibung des Oberamts Heilbronn/Kapitel B 16

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Untereisesheim,
evangelisches Pfarrdorf III. Classe, mit 558 Einwohnern, worunter 5 Katholiken, Filialisten von Neckarsulm, und 34 eigener Confession.


Dieses anmuthig an der Ostseite der Landstraße, welche von Heilbronn nach Wimpfen führt, gelegene Dorf hat unter den Gemeinden| des Oberamtsbezirks die kleinste Markung, nämlich nur 11625/8 Morgen in 1747 Parcellen und die geringste Einwohnerzahl. Die Markung gränzt an die von Wimpfen und Obereisesheim, und der Neckar war die Gränze gegen Kochendorf und Neckarsulm. Im Jahre 1844 wurde aber die Serpentine des Neckars hier zugebaut, um dem Flusse eine geradere Richtung zu geben. Seitdem liegt ein kleiner Theil der Markung auf dem rechten Neckarufer, das durch eine Fähre in Verbindung steht.

Dieses Dorf ist das unterste württembergische auf der linken Seite des Neckars.

Es führt in seinem Dorfsiegel ein Hufeisen (Untereisen) mit den Buchstaben U. E.

In den ältesten Zeiten kann zwischen Ober- und Untereisesheim nicht unterschieden werden, weshalb hier auf Obereisesheim verwiesen wird.

Untereisesheim hieß früher auch Nieder-Issensheim.

So verkaufte 1345 Ritter Burkhardt Sturmfeder an das Stift Wimpfen 10 Jauchart Acker „uf dem Stahelbühel zwischen Wimpfen und Nidern-Issensheim an dem Ochsenberg gelegen.“

Der Ort gehörte zur Herrschaft Weinsberg; 1354 verpfändete Engelhard von Weinsberg dem Wilhelm und Gerlach von Bekingen Güter in Groß- und Kleineisesheim für 100 fl.

Daneben macht sich frühe württembergischer Mitbesitz bemerklich.

1396 belehnte Württemberg die Edeln von Hattstatt und Hertenfels mit dem Dorfe Niedereisesheim, und bis zum Jahre 1420 finden sich im Stuttgarter Staatsarchive Reverse, nach denen diese Familie von Hattstatt belehnt geblieben ist. Darauf scheint Untereisesheim in den Besitz der Edlen von Rosenberg gekommen zu sein; im Jahre 1453 erhob Hans Mönch von Rosenberg Forderungen an die Stadt Heilbronn, weil ihm die Heilbronner im Kriege mit den Rittern zum St. Georgenschild im Jahre 1450 in sein Dorf Kleineisesheim eingefallen und seine Hintersassen geschädigt hätten.

Mit der Herrschaft Weinsberg kam Untereisesheim an Churpfalz 1412–1450. Diese belehnte mit Schloß und Gütern die Herrn von Lommersheim, unter denen Konrad von Lommersheim 1493 von dem Kloster Lichtenstern Güter in Untereisesheim sammt dem Kirchensatz erkaufte.

Als Herzog Ulrich von Württemberg 1504 die pfälzische Herrschaft Weinsberg eroberte, nahm er dem Conrad von Lommersheim | das Lehen, weil dieser als Anhänger von Churpfalz in der Reichsacht war, und übergab es dem Michael von Lommersheim.

Von 1504–1645 treten diese Edlen von Lommersheim als württembergische Vasallen für Schloß und Dorf Untereisesheim auf. Hier wohnten sie in dem Schlosse, das nahe beim Dorfe westlich von der Heerstraße, die von Heilbronn nach Wimpfen führt, stand, und durch tiefe Wassergräben geschützt war. Nur diese Gräben sieht man noch, und die Umgebung heißt man noch den Schloßgarten.

Im Jahre 1573 wurde allhier eine protestantische Pfarrei errichtet (Binder 243)[1].

Johann Sixt von Lommersheim bewarb sich 1620 beim Kaiser um den Blutbann in Untereisesheim; 1624 wollte er seine Rechte an Württemberg verkaufen, der Kauf kam jedoch nicht zu Stande, dagegen übergab er in seinem Testamente († vor 13. Febr. 1634) den Herzogen von Württemberg den Kirchensatz mit Bestellung der Pfarrei und Schule und mit der Bitte, die Einwohner bei dem evangelischen Glauben zu lassen, und Pfarrei und Schule wohl zu besetzen. Im Jahre 1623 waren einige Einwohner Wiedertäufer geworden.

1634 24. März bat Ludwig Friedrich von Lommersheim den Herzog Eberhard III. von Württemberg, ihn mit Untereisesheim und zwei Anlehen von 800 fl. und 3500 fl. zu belehnen. Zu Ende desselben Jahres fielen die Kaiserlichen ein; Untereisesheim wurde 1635–1639 ganz ruinirt, das Schloß verbrannt. Die Einwohner flüchteten sich, die meisten nach Wimpfen. Die Kirche ward verwüstet, der Pfarrer vertrieben. Ludwig Friedrich von Lommersheim hatte schon im Jahre 1634 das Schwert ergriffen, um für den Glauben seiner Väter zu fechten; am 4. Mai 1645 hielt er wieder um Belehnung an, und fiel der letzte seines Geschlechts am 4. Mai 1645 in dem Treffen bei Herbsthausen unweit Mergentheim, wo er mit vielen anderen Deutschen unter Turenne focht, der dort von den Bayern unter Mercy eine Niederlage erlitt.

Hierauf bewarb sich bei dem württembergischen Lehenhofe Johann von Werth, nachdem er General in kaiserlichen Diensten geworden | war, um das Lehen. Er erhielt auch das Schloß, welches er aber einer Schwestertochter des Johann Sixt von Lommersheim (alt auch Lammersheim) übergab.

Diese, Anna Constantia, geb. von Bellinghofen, Wittwe eines Truchsessen von Hennenberg, lebte wegen des 30jährigen Kriegs in Wimpfen und hatte an ihres Vetters Nachlaß 10.000 fl. zu fordern. In Untereisesheim waren damals nur noch 12 Unterthanen, und der Ort war den Gläubigern für 9500 fl. verpfändet. Herzog Eberhard III. übernahm diese Schuld, zahlte der Erbin noch weitere 7300 fl. Letztere begab sich nach Neckarsulm, der Ort aber wurde am 16. Mai 1655 ganz württembergisch; er wurde aber unter Württemberg nicht der Landschaft einverleibt, sondern blieb stets Kammerort.

Dem schwäbischen Rittercanton Craichgau wurde das ihm schon längst zuständige Besteuerungsrecht in Untereisesheim vorbehalten.

Nicht nur die Schlacht von Wimpfen war 1622 zum Theil auf den Feldern von Untereisesheim geschlagen worden, noch verderblicher waren die Folgen der Nördlinger Schlacht für Untereisesheim gewesen.

„Da war nichts dann Preßen, Rauben, Stehlen, Brennen, Morden, Würgen, Frauen- und Jungfrauen schänden, Frevel und Gewalt üben,“ mit diesen Worten schließt ein Eintrag ins Obereisesheimer Taufbuch zum Jahre 1639.

Auch im 18. Jahrhundert hatte Untereisesheim durch Krieg zu leiden. Im Juni 1743 schlugen die Franzosen ein Lager auf seinen Feldern, bis sie am 12. Juli 1743 über Biberach nach Heidelberg abzogen.

Ein Lehen wurde 1748 von der herzoglich württembergischen Rentkammer an Einwohner verkauft.

Außer dem Dorfe besaßen die Edlen von Lommersheim schon in älteren Zeiten einen großen Gütercomplex auf der Markung, welchen Conrad von Lommersheim statt einiger Güter zu Rheinzabern und einem Hause zu Kreuznach der Grafschaft Sponheim 1490 zu Lehen aufgetragen hatte. Diese gräflich Sponheimische Oberlehensherrlichkeit ging auf die Häuser Baden und Pfalz über, von deren Senior das Lehen verliehen wurde.

Von 1648 bis 1783 folgten in diesem Lehen den Vasallen v. Lommersheim die von Iffelbach, von welchen es durch Kauf an die Freiherrn von Raknitz gelangte.

Der hessische Kameralfiscus zu Darmstadt besitzt ebenfalls Güter, | welche vorher dem Peterstift zu Wimpfen und dem Dominicanerkloster daselbst gehört haben.

Das Obereigenthum über den v. Raknitz’schen Gütercomplex kam erst 1806 durch die Rheinbundsakte an Württemberg, sowie einige Güter und Rechte, welche dem deutschen Orden bis dahin in Untereisesheim zugestanden hatten.

Als württembergischer Rentkammerort stand Untereisesheim von 1655 bis 1780 unter dem Amte Lichtenstern und seit 1780 unter dem württembergischen Pfleghof (Staabspflege) zu Heilbronn, bis der Ort 11. November 1806 dem neuen Oberamt Heilbronn zugetheilt wurde.

Die Pfarrei, deren Patronat 1493 an Lommersheim und von dieser 1633 an Württemberg überlassen wurde und deren Corpus durch Vertrag vom Jahr 1503 ein Quantum Früchte aus der Kloster Lichtenstern’schen Pflege anzusprechen hatte, blieb 1636 bis 1700 wegen Verödung des Dorfes Untereisesheim unbesetzt, und so wurde es, wie in früheren Zeiten, ein Filial von Obereisesheim.

1700 wurde nach Ausscheidung eines Pfarrguts die Pfarrei wieder besetzt, und Untereisesheim hat seit dem wieder eigene Pfarrer, obgleich noch im Jahr 1708 die Zahl der Bürger erst 45 gewesen ist.

Nach einem Vertrage vom Jahr 1561 reichte das Kloster Lichtenstern einen Beitrag zum Kirchthurmbau.

Der Zehenten gehörte theils Württemberg, theils dem Peterstifte zu Wimpfen im Thal. Hessen-Darmstadt kam durch den Reichsdeputationsabschluß vom Februar 1803 in den Besitz dieses Stiftes, das bis dahin nach Worms gehört hatte, und verkaufte 1812 alle derartigen Gefälle im Königreich Württemberg an Bube, Merkle und Consorten zu Heilbronn und diese Gesellschaft verkaufte 1827 ihre Rechte zu Untereisesheim an die Gemeinde und an einzelne Eigenthümer der betreffenden Güter.

Aus einigen Äckern hatte der Meßner zu Obereisesheim und der zu Wimpfen am Berg den Zehenten zu beziehen.

Bis zur neuesten Ablösung hatte der Staat den großen und kleinen Fruchtzehenten und den Weinzehenten vom sogenannten Wormser Distrikt allein, sodann aus dem Kloster Lichtensterner Distrikt die Hälfte des großen Zehentens, die andere Hälfte gehörte der Pfarrei, welcher der kleine Zehenten allein zustand.

Die Grund-, Heller- und Geflügelzinse wurden schon 1819 an den Staat abgelöst.

| Die Stallfütterung ist seit 1806 eingeführt; Pferde sind selten.

Es gibt in Untereisesheim nicht so viele wohlhabende Landleute, wie in Obereisesheim; in neuerer Zeit nimmt jedoch der Wohlstand auch in Untereisesheim von Jahr zu Jahr zu.

Das Dorf ist reinlich und hat ergiebige laufende Brunnen; Pfarrhaus, Schulhaus und Rathhaus sind ziemlich neu.

Die Kirche wurde nach einem Denkstein an ihrer Südseite im Jahre 1738 neu erbaut.

Aus der älteren Kirche sind Grabsteine darinnen aufgestellt worden. Am Chor stehen vier von denen drei durch Stühle verdeckt sind, der unbedeckte wurde dem edel und vest Hans Jacob von Lommersheim, gestorben 27. Septbr. 1592 errichtet und enthält sein Wappen und die Wappen derer v. Stein; v. Rüdt und v. Sternenfels.

Neben der südlichen Kirchenthüre stehet ein noch älteres Epitaphium mit einem knieenden Ritter und vier Wappen, worunter das Lommersheimer’sche und das v. Sturmfeder’sche.

An einen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbauten viereckigen Thurm aus fünf Stockwerken bestehend, in welchem die Glocken hängen, ist die Westseite der jetzigen Kirche angebaut, und seine rundbogige Thüre bildet das Hauptportal der Kirche. Über diesem Rundbogen sind zwei Wappen (wobei das Lommersheim’sche) ausgehauen.



  1. Frühere Verhältnisse betreffend, ist zu dem Wormsischen Archidiaconats- und Decanatsregister von 1496 angemerkt: Isesheim minor S. Cunibertum ecclesiae parochialis patronum selegit. Conradus de Hasmersheim armiger ad eam praesentat. Ibidem altare B. M. V. consecratum tantum. Würdtwein Nov. subsid. 3, 310.
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