Beschreibung des Oberamts Horb/Kapitel B 6

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Bierlingen,
Gemeinde III. Klasse mit 811 Einw., wor. 1 Evang., a. Bierlingen, 799 Einw., Pfarrdorf, b. Lohmühle, Hof, 10 Einw., c. Neuhaus, Hof, 2 Einw. – Kath. Pfarrei; die Evang. sind nach Mühlen eingepfarrt.


Auf der Hochebene zwischen den Thälern des Neckars, der Starzel und der Eyach liegt frei und hoch mit ausgedehnter und schöner Fernsicht der freundliche, von Ost nach West in die Länge gedehnte Ort, der mit wenigen Abweichungen gleichsam nur eine Straße bildet; die Entfernung von der westlich gelegenen Oberamtsstadt beträgt 21/2 Stunden. Die aus Holz erbauten, mit steinernen Unterstöcken versehenen Gebäude sind durchgängig mit Ziegeln gedeckt und mit wenigen Ausnahmen von mittlerer Größe.

Die in der Mitte des Orts gelegene Pfarrkirche zu St. Martin ist im einfachen gothischen Style mit spitzbogigen Eingängen und Fenstern am Langhaus und an dem mit Streben versehenen Chor erbaut; leider wurde aus den Fenstern das Maßwerk herausgenommen. Der sehr ansehnliche, weithin sichtbare, viereckige Thurm ist in seinen vier untern Geschossen noch alt und mit Schießscharten, im vierten Stockwerk aber mit schön gefüllten gothischen Fenstern versehen. An der südwestlichen Ecke des Thurms steht: Do man zalt 1478 Jar wart diser Durn gebuwen. Dem Thurme wurde im Jahr 1859/60 ein fünftes, mit einem Umgang versehenes Stockwerk aufgesetzt, dessen vier Giebelseiten mit Krappen und Giebelblumen geziert sind; aus den Giebelseiten strebt ein schlankes spitzes Zeltdach empor. Von dem Thurme genießt man eine ausgezeichnete Rundsicht über das Gäu und den Schönbuch, ferner über den Schwarzwald (vom Feldberg | bis zu den Höhen hinter Wildbad) und an die Alp (vom Ober-Hohenberg bis an den Hohenstauffen). Von den auf dem Thurme hängenden drei Glocken ist nur die mittlere aus älterer Zeit, sie trägt die Umschrift: Zur Ehre Gottes leit man mich .... Miller von Strasburg gos mich. 1598. Das flach gedeckte Innere des Langhauses hat nichts Bemerkenswerthes, dagegen ist der um zwei Stufen höher gelegte Chor, zu dem ein spitzer Triumphbogen führt, mit einem Netzgewölbe versehen, dessen schön profilirte Gurten von vergoldeten Apostelbrustbildern ausgehen und in zwei Schlußsteinen (Rosetten) zusammenlaufen. An der nördlichen Chorwand sind vier aus Erz gegossene Grabplatten mit folgenden Darstellungen und Inschriften angebracht: 1. ein Krucifix, vor dem auf der einen Seite ein Herr v. Ow mit seinen männlichen Kindern, auf der andern Seite dessen Ehefrau mit den weiblichen Kindern, betend knien. Auch die Wappen der v. Ow und der v. Wernau sind neben den beiden Eltern angebracht. Die Aufschrift lautet: Anno dominy 1562 Auff den 25 tag Juny starb der Edel und vest Ehret von Ow seines Alters im 48 Jar ain Inhaber veldorf, aldorf, des Neuenhaus und Bürlingen, hat mit seiner Hausfraw Magdalena v. Ow geb. von wernaw In 22 Jahren elich erboren und erzilet finff syn vnd fyr tochtern wie obgemelt figur anzaygt welcher sellen und allen Christgläubigen sellen Gott der allmächtig sein Gnad Barmherzygkayt vnd die ewige Ruw verleyhen wölle. Amen. 2. Ein Krucifix, vor dem ein Herr v. Ow und dessen Gemahlin knien, mit der Unterschrift: Anno domini 1569 d. 5. Novembris starb der Edel u. vest Melchior v. Ow gewesener Landvogt der Markgrafschaft Hochberg seines Alters in den 52 Jar dem Gott gnädig und barmherzig sei. Amen. 3. Ein Krucifix, unter dem auf der einen Seite ein Herr v. Ow neben seinem Wappen und auf der andern Seite seine drei Frauen ebenfalls neben ihren Wappen knien. Die Unterschrift lautet: Anno dom. 1584 Sonntags sexagesimo d. 5. Februarii Stilo novo starb der Edel und vest Christoff v. Ow dem Gott der Allmächtig gnädig u. barmherzig u. ein freundliche Aufferstehung verleihen wölle. Amen. Anno dom. 1567 d. ersten tag May Starb die Edel Tuethafft Fraw Barbara v. Ow geb. v. hohen Stöffeln seine erste Hausfraw. Anno dom. 1677 d. 25. tag Octobris starb die Edel und Tugenthafft fraw Magdalen v. Ow geb. v. Nevhausen seine andere Ehliche Hausfraw. Die dritte auf der Grabtafel angebrachte Frau war eine Bertha von Neuhausen, welche zur Zeit der Errichtung des Denkmals noch nicht gestorben war. 4. Ein Krucifix, unter welchem auf der | einen Seite ein Herr v. Ow mit den männlichen Kindern, auf der andern Seite dessen Gemahlin mit den weiblichen Kindern angebracht sind. Die Inschrift lautet: Anno dom. 1585 d. 41. Marci novo stilo starb der Edel u. vest Carl v. Ow zwn nevenhavss u. Birrlingen dem Gott der Allmächtig gnedig u. barmherzig u. ein freliche Aufferstehung geben Well. Amen.

Unter den vorhandenen Grabsteinen aus neuerer Zeit ist einer mit folgender Aufschrift erwähnenswerth: Joseph Otto v. Ow geb. zu Felldorf d. 14. Hornung 1718 war verehlicht mit Maria Claudia v. Speth Zwiefalten. Ist Priester geworden 1768. Hat seine Ritter-Rathstelle allerst resignirt 1769 war Pfarr zu Schlingen von 1772–1777. Sodann Pfarr zu Birlingen und starb als Pfarrher d. 31 Mai 1788.

Die Unterhaltung der Kirche, wie auch des Begräbnißplatzes und der daselbst stehenden Kapelle zu St. Michael hat die Stiftung.

Die Kapelle auf dem Begräbnißplatz ist im frühgothischen Styl erbaut und hat schmale gedoppelte Spitzbogenfenster mit schönem Maßwerk. Auf der westlichen Giebelseite sitzt ein hölzerner Dachreiter. Innen ist die Kirche freundlich, weiß getüncht und enthält einen neu gefaßten gothischen Altar mit alten Figuren, die Mutter Gottes mit dem Jesuskinde, rechts der heil. Bernhard, links die heil. Theresia.

Der Ort hatte früher Thore; 1424 wird das „Lindenthor“ am Ende der Hauptstraße genannt.

Das gut unterhaltene Pfarrhaus, welches Eigenthum der Stiftung ist, liegt in der Nähe der Kirche.

Das 1832 erbaute Rathhaus enthält außer den Gelassen für den Gemeinderath noch zwei Lehrzimmer. Der Schulmeister und der Lehrgehilfe wohnen in einem besonderen, der Stiftung gehörigen Gebäude.

Ein Backhaus mit Waschküche und Obsttrotte ist vorhanden; überdieß besteht noch ein weiteres Waschhaus.

In der Nähe des Rathhauses stehen die großartigen Kellhof-Meiereigebäude, welche zu dem auf der Markung zerstreut liegenden Gute des Freiherrn v. Ow gehören; das Gut besteht aus 180 Morgen Äckern und 54 Morgen Wiesen und steht in Selbstverwaltung der Gutsherrschaft. Ein schöner Viehstand von 50 Stücken (Simmenthaler Kreuzung) ist hier aufgestellt.

Nachdem vor einigen Jahren mehrere Brunnen gegraben wurden, liefern jetzt neun Pumpbrunnen gutes Trinkwasser, doch nicht | immer hinreichend; überdieß sind im Ort zwei Weiher (Wetten) angelegt.

Die im allgemeinen kräftigen und gesunden Einwohner sichern sich bei einfacher Lebensweise ihr gutes Auskommen theils durch Feldbau und Viehzucht, theils durch Taglohn-Arbeiten bei den landwirthschaftlichen Betrieben der auf der Markung liegenden gutsherrlichen Güter; einzelne arbeiten auch als Maurer, Zimmerleute, Steinhauer etc. im Ort und in der Umgegend. Überdieß sind die gewöhnlichen Handwerke für das örtliche Bedürfniß vertreten. Auch bestehen zwei Schildwirthschaften, beide mit Bierbrauerei, vier Krämer und eine Ziegelhütte (Erblehen von dem Freiherrn von Ow, nun abgelöst).

Die Vermögensumstände sind im allgemeinen recht gut und haben sich in neuerer Zeit durch die Erlöse aus den Hopfen und anderen Einnahmen wesentlich gehoben. Der vermöglichste Bürger besitzt etwa 40 Morgen, der sogenannte Mittelmann 15–20 Morgen und die minderbemittelte Klasse 3–6 Morgen. Ohne Grundbesitz ist Niemand im Ort und Armenunterstützungen sind nicht zu reichen. Die Volkstracht verschwindet täglich mehr und nur bei feierlichen Veranlassungen tragen die Jungfrauen noch sogenannte Schappeln, zwei hinabhängende Zöpfe mit rothseidenem Bande durchflochten, das bis zu den Beinen hinabreicht, weiße Hemdärmel und Schürze, nebst dem vielgefalteten Wiflingrock, der früher nicht über die Knie hinabreichte. Zu dieser in der ganzen Gegend üblichen Tracht kam ehemals noch der reiche dreieckige Fürstecker, unter der Brust zum Zusammenhalten des rothen Mieders mit einer Kette überschnürt. Die Weiber trugen enganliegende blaue Pletschhauben, hinten goldgestickt und vorn mit Spitzen, die blaue Jacke und den Wiflingrock hellblau oder roth eingefaßt. Alle Mannspersonen trugen kurze gelbe Lederhosen und Schuhe, rothe Weste mit vielen Kugelknöpfen; die Ledigen eine Pelzmütze, oben flach mit grünem Sammt und Goldtrottel und im Winter eine blaue Jacke mit vielen blanken und breiten Flachknöpfen; die Verheiratheten an Festtagen den großen schwarzen Dreispitzhut, und einen blauen, roth gefütterten Tuchrock ohne Kragen und Taille und mit den unvermeidlichen Flachknöpfen. An Werktagen diente auch im Winter der Zwilchkittel und Zwilchrock.

Die Markung, welche zu den mittelgroßen des Bezirks gehört, bildet eine flachwellige Hochebene und hat im allgemeinen einen fruchtbaren, größtentheils aus Diluviallehm, theilweise auch aus den Zersetzungen | des Hauptmuschelkalks und der Lettenkohlengruppe bestehenden Boden, der sich für den Anbau der gewöhnlichen Feldfrüchte, namentlich des Weizens sehr gut eignet. Einige Muschelkalkdolomitbrüche sind nördlich vom Ort angelegt.

Die Landwirthschaft wird gut betrieben, und der Einfluß, den das Beispiel des rationellen Betriebs der gutsherrlichen Güter ausübt, läßt sich nicht verkennen.

Verbesserte Ackergeräthe, wie der Flander und der Hohenheimer Pflug, die eiserne Egge, die Repssämaschine etc. haben Eingang gefunden und als Düngungsmitteln werden, außer den gewöhnlichen, auch die Jauche, der Gips und Compost angewendet. Beim Ackerbau ist die Dreifelderwirthschaft mit vollständig angeblümter Brache üblich: man baut von den gewöhnlichen Cerealien vorzugsweise Weizen und Gerste, weniger Haber und sehr wenig Dinkel; in der Brache zieht man Kartoffeln, Futterkräuter, besonders viel Luzerne, Erbsen, Linsen, Ackerbohnen, Wicken, Reps, Hanf und Mohn. Der Ertrag eines Morgens wird zu 4–5 Scheffel Weizen, 8–12 Scheffel Dinkel, 5–7 Scheffel Gerste angegeben. Die geringsten Ackerpreise sind gegenwärtig 5–600 fl., die mittleren 800–1000 fl. und die höchsten 12–1500 fl.

Von den Getreidefrüchten werden über den eigenen Bedarf jährlich etwa 1500–2000 Scheffel meist an Schäufler verkauft.

Die durchgängig zweimähdigen, nicht wässerbaren Wiesen ertragen etwa 30 Centner Heu und 12 Centner Öhmd per Morgen; das Futter ist etwas minder gut als das von den im Thal gelegenen Wiesen. Die Wiesenpreise sind denen der Äcker gleich.

Die Obstzucht ist nicht bedeutend, jedoch im Zunehmen, und die an den Straßen gepflanzten Bäume werden von einem besondern Wärter gepflegt. Man zieht die gewöhnlichen Mostsorten, von denen die später blühenden am besten gedeihen. Auch Zwetschgen werden ziemlich viele gezogen. Eine Baumschule ist vorhanden.

Pferdezucht besteht nicht, dagegen ist die Rindviehzucht, welche sich mit einer Kreuzung von einem tüchtigen Landschlag und Simmenthaler Race beschäftigt, in gutem Zustande; es wird ziemlich viel Mastvieh nach Straßburg abgesetzt. Zur Nachzucht sind drei Farren aufgestellt, die ein Bürger Namens der Gemeinde hält.

Die Schafzucht wird von dem Freiherrn v. Ow in großer Ausdehnung getrieben; es laufen etwa 400 Stück Bastarde auf der Markung, die auch im Ort Überwinterung finden. Der Abstoß der | Schafe geht nach Straßburg und der Absatz der Wolle geschieht auf bedeutenderen Wollmärkten.

Die Zucht der Schweine ist nicht ausgedehnt, indem die meisten Ferkel von Außen bezogen und größtentheils für den eigenen Bedarf gemästet werden.

Geflügel (Gänse und Hühner) zieht man ziemlich viel für das eigene Bedürfniß.

Die Bienenzucht wird von einigen Ortsbürgern mit Glück betrieben, übrigens von dem gewonnenen Honig und Wachs nur wenig nach außen verkauft.

Zur Vermittlung des Verkehrs sind Vicinalstraßen nach Wachendorf, Neuhaus, Felldorf und Börstingen angelegt.

Die Gemeinde ist im Besitz von 332 Morgen gut bestockter Waldungen, die einen jährlichen Ertrag von 170 Klaftern und 17.000 Stück Wellen liefern; hievon erhält jeder Bürger gegen ein Klafter und 100 St. Wellen. Überdieß sind etwa 30 Morgen Allmanden vorhanden, die den Ortsbürgern gegen eine Abgabe zur Benützung überlassen werden.

Im Ort stand 1433 eine Burg, wovon in dem Kellhofbau des Freiherrn v. Ow noch ein Thurmrest übrig ist, dessen eine Seite vor 20 Jahren ausgebrochen wurde, um das damals noch vorhandene 20′ hohe Burgverließ anderweitig benützen zu können.

Nahe (südlich) bei Neuhaus stand in dem nun ausgestockten Wald „Großholz“ eine römische Niederlassung, 8 Morgen umfassend, die in neuester Zeit der Freiherr v. Ow-Wachendorf sorgfältig ausgraben ließ. Die Nachforschungen förderten die Grundreste eines großartigen, viereckigen Gebäudes, von dem jede Seite 112′ hält, zu Tage. Diese Überreste zeigen noch deutlich die frühere Eintheilung des Gebäudes in Gelasse und Souterrains. Die aus Muschelkalk und Kalktuff aufgeführten Mauern sind 2–3′ dick und haben immer noch eine Höhe von 6–8′. Unfern (südlich) dieses Gebäudes stand ein zweites, dessen Seiten je 70′ lang sind. Das Ganze war mit einer im Viereck angelegten Mauer umfriedigt, die ohne Zweifel den Hofraum umschloß. Diese Umfassungsmauer ist von den vier Seiten des Hauptgebäudes je 100′ entfernt. In den Trümmern des Wohnplatzes fand man Sandsteinsäulen, einen Gußboden, eine Anzahl römische Ziegel, Bruchstücke von Heizröhren, Gefässen, theilweise von Siegelerde, Nägel etc.; von Bronce: einen Merkur, ein Schwein, einen Löffel, ein Glöckchen, mehrere römische Münzen, darunter eine Faustina von Silber etc. Im Rücken (westlich) dieser Fundstelle sind noch einige | zum Theil sehr tiefe Schanzgräben sichtbar und (nördlich) an dem Wohnplatze zieht die römische Heerstraße von Hochmössingen nach Rottenburg vorüber; 10 Minuten westlich liegt an derselben ein künstlich aufgeworfener Hügel.

Auf dem sogenannten Weilergraben, 1/8 Stunde südlich von Bierlingen finden sich ebenfalls Grundreste römischer Gebäude.

Erdfälle kommen auf der Markung namentlich bei Neuhaus mehrere vor.

Die älteste Schreibweise ist Pirningen, Birningen. Kaiser Ludwig der Fromme (814–40) schenkte an das Kloster Reichenau den hiesigen Kelnhof (curtis Pirninga in pago Nagoltgowe), wie wir aus der erhaltenen Bestätigung des K. Arnulf vom 18. Nov. 889 wissen. Im Jahr 845 werden bestimmte Einkünfte des genannten Klosters aus diesem Orte in der Para erwähnt (de Pirningen 10 modii leguminum, 100 casei, 1 ovis, 4 haspae de filis, 5 de canafo, 1 cadus de melle Wirt. Urk.-Buch 1, 124, 189).

Im 14. Jahrhundert gab es ein Geschlecht „v. Birningen“. 1283 zeugt Petrus de B. mit den Nachbarn Hugo nobilis de Isenburch, Ludewicus de Owen et Fridericus frater, als die von Stöffeln Güter zu Echtertingen an Bebenhausen vergaben. (Mone Zeitschr. 3, 433.)

1291 verkauft Peter von Bierlingen Güter zu Entringen an Bebenhausen.

1370 besiegeln Marq. v. Ow von Stauffenberg und Hans v. Ow von Hirningen einen Übergabsbrief an die obere Clausen in Rotenburg wegen 5 Malter Roggen aus einem Gut „das Großholz“ zu Bierlingen (v. Ow’sches Archiv).

1397 verkauft Eberh. Sölr, zu Öningen gesessen, an Märklin v. Ow, des jungen Märklins seligen Sohn v. Ow, etliche Korngilten zu Bierlingen. (v. Ow’sches Arch.)

Das Dorf überhaupt war damals in gräflich hohenzollerischem Besitz, aber zum Pfand gegeben. Die Söhne der geb. Hohenberger Gräfin Adelheid, Graf Friedrich von Hohenzollern der Schwarzgraf und dessen Bruder Graf Tägli von Zollern, versetzten nämlich mit ihrer Mutter den 17. Oct. das „Dorf Birningen“ mit aller Zugehör an den Truchseßen Cunz von Ringingen um 300 Gulden und 900 Pfund Heller. (v. Stillfried Mon. Zoll. Nr. 398, vrgl. auch Nr. 414).

Die Einlösung fand nicht Statt; dagegen erscheint jetzt das | Dorf (nicht aber die Burg und der Kelhof mit dem Kirchensatz, Zehnten etc.) als Lehen; am 13. Decbr. 1410 belehnte Württemberg die Truchseßen mit Bierlingen. (Scheffer 40).

Von Cun und seiner Schwester Ackten wurde Bierlingen 1424 getheilt und kam die obere Hälfte des Ortes, „darin die Kirche steht“, an die Megenzer von Felldorf, die am 4. Juni 1433 von Württemberg belehnt wurden, die untere „unter der Straß, die durch das Dorf geht und zu dem Lindenthor“ an die Herrn v. Ow, welche am 25. Juli desselben Jahres und sofort gleichfalls von Württemberg das, was Lehen war, empfingen.

1433 am Oswaldstag verkaufte nämlich um 1031 Gulden Adelhaid die Truchsässin von Ringingen, des Ruf von Gomaringen Wittwe und ihr Sohn Fritz zu Gomaringen dem Steffan v. Ow, zu Wachendorf gesessen, ihren Halbtheil von Birningen dem Dorf, den sie von ihrem verstorbenen Bruder Conlin Truchsessen ererbt, das Dorf als Lehen von Württemberg und dazu ihren eigenen Besitz an der Burg, Burgstall, Burggesäß, Leuth, Gut, Zins, Steuer, Umgelt, Hofstätt, Vogtey, Zwing und Bann, Wun und Waid, Mühlstatt, den halben Zehnten etc. etc.

Noch 1526 belehnte Kaiser Karl V. als Herzog von Würtemberg den Philip Megenzer v. Veldorf mit dem obern halben Dorf Bierlingen, wobei bemerkt wird, daß dessen Kirche und der Kirchensatz mit dem Kelhof daselbst und der Mühle von dem württembergischen Lehen ausgenommen seien. Im Jahr 1555, am Dienstag nach Johann dem Täufer, verkauften dann die Brüder Hans Joachim, Hans Veit und Wolf Dieterich die Megenzer v. Velldorf zu Wurmlingen um 7500 Gulden ihrem Vetter und Schwager Erhard v. Ow zu Velldorf auch ihren Halbantheil samt dem Kirchensatz des Hailigen und der Pfründ des Dorfs Bürningen, auch ihren Halbtheil des Zehnten daselbst, zu Sulzauw, Imnau und Hefendorf, samt Zinsen, Gütern, Scheuern und aller Nutzung mit der Obrigkeit, Herrlichkeit und Gerechtigkeit etc. (v. Ow’sches Archiv.)

Durch den Vertrag Württembergs mit der Reichsritterschaft vom 18. Septbr. 1754 verblieb die Kollektation dem Ritterkanton Neckar-Schwarzwald, was der Vertrag vom 30. Octbr. 1769 bestätigte, wie denn auch die Freiherrn v. Ow durch ihr Obervogteiamt Wachendorf den Blutbann zu Bierlingen übten.

Im Jahr 1805 kam der Ort unter württembergische Staatshoheit.

Der Kirchensatz, Zugehörde des Kelnhofes, wurde seit 1433 in | allen Lehenbriefen von der Herrschaft Württemberg nur einmal, 1452, als – um ablösbare 121/2 fl. – zur Hälfte zu Lehen versetzt, sonst immer als der v. Ow eigen erklärt, wie er denn auch (laut brüderlicher Theilung von 1751 „eigenthümlich“) heut zu Tage den Freiherrn v. Ow-Wachendorf samt der Pfarr-, Lehrer- und Meßner-Ernennung zusteht. Mit deren Konsens wurden aus der Kirche, einer bedeutenden Mutterkirche, verschiedene Pfarreien abgetrennt (Börstingen 1750, Felldorf 1801, Höfendorf 1764, Imnau 1783, Mühringen 1710). (v. Ow’sches Archiv.)

Jetzt besteht noch das Filial Sulzau.

Ritterschaftliche Gutsbesitzer sind die Freiherrn v. Ow-Wachendorf.

Zu der Gemeinde gehören:

b. Lohmühle, 1/2 Stunde nordwestlich vom Ort, am Neckar zwischen Börstinger Markung gelegen; sie enthält 3 Mahlgänge und einen Gerbgang nebst Ölmühle und Hanfreibe. Die Mühle wurde seit 1433 von den Herrn v. Ow dem Geschlechte Lohmiller zu Lehen, und vor 30 Jahren um 1800 fl. zu aigen gegeben. Oberlehensherrn darüber waren im Jahr 1424 die Hern v. Zimmern. 1502 war sie mit ihrer besonderen Markung und hoher Obrigkeit derer v. Ow Eigenthum. (v. Ow’sches Archiv.)

c. Neuhaus liegt frei und angenehm 1/2 Stunde südlich von Bierlingen. Ein schönes Wohngebäude und mehrere Ökonomiegebäude schließen in Verbindung mit einer Ringmauer einen sehr ansehnlichen Hofraum ein, zu dem ein großer und ein kleinerer rundbogiger Eingang führen; über dem letzteren sind die Wappen der Herren v. Ow und v. Neuhaus mit der Jahreszahl 1594 angebracht. Von dem ehemaligen Schloß ist innerhalb des gegenwärtigen Hofraums ein Theil des Burggrabens noch sichtbar; auch die alte Umfriedigungsmauer, die einen Umgang und auf den Ecken starke Thürme hatte, ist theilweise noch vorhanden; von letzteren haben sich noch deutliche Überreste erhalten. Die ehemalige Kirche ist im Laufe dieses Jahrhunderts abgebrochen worden. In der Mitte des Hofraums steht ein im Renaissancestyl gehaltener Zugbrunnen (jetzt Pumpbrunnen), der die Jahreszahl 1695 trägt; überdieß sind zwei ansehnliche Weiher in der Nähe des Hofs angelegt.

Schloß und Hofgut sind württembergisches Mannlehen.

Das Gut besteht in 180 Morgen Äckern, 60 Morgen Wiesen und 27 Morgen Wald und gehört dem Freiherrn v. Ow-Felldorf. Derselbe hat es an den Freiherrn v. Ow-Wachendorf verpachtet; es | wird in 9 Rotationen rationell bewirthschaftet, auch sind daselbst 60 Stuck Rindvieh (Simmenthaler Race) und 160 Stück Bastardschafe aufgestellt.

Nach einer Urkunde von 1540 hat Hans v. Ow, welcher 1526 die Wittwe Rosina, Gräfin von Zollern, geb. Markgräfin von Baden ehlichte, diese Veste, „ein Behausung und Maierhof auch Anderes in dem Hof N. mit großen Kosten von neuem gebauen.“ 1555 den 31. Juli verkaufte und vertauschte er dem Vetter Erhart v. Ow zu Feldorf Sitz, Haus und Schloß Neuhaus mit seinem Halbentheil des Dorfs Bierlingen und beider Zugehörden, Obrigkeiten, Äckern, Waid, Zehnten, Gilten, Lehenschaft des Hailigen und der Pfrund mit dem Maierhof an dem Neuenhaus etc., gegen das Bürglin, 1/3 des Dorfs u. A. zu Wachendorf nebst 6000 fl. Laut Kaufbrief war außer dem halben Dorf nichts Lehen und ebenso bezeichnet noch das Urbarium von 1592 das Schloß Neuhaus mit aller Zugehörde, Hoch und Nieder Obrigkeit als „aigen“ und „freien adelichen Sitz“.

Im Anfang des 18. Jahrhunderts erlosch hier die Linie Ow-Neuhaus, und erbten die v. Ow Felldorf, welche mit dem Gute zur Reichsritterschaft steuerten und eigene Gerichtsbarkeit übten, bis sie 1805 unter Württemberg kamen.


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