Beschreibung des Oberamts Leonberg/Kapitel B 25

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Weil der Stadt. [1]
Gemeinde II. Kl. mit 1775 Einw., a. Weil, Stadt, 1760 Einw., wor. 1727 Kath. b. Planmühle, 7 ev. Einw. c. Sägmühle, 3 kath. Einw. d. Lohmühle, 5 kath. Einw. - Kath. Pfarrei. Die Evangelischen von Parc. a. sind nach Schaffhausen, O. A. Böblingen, von b. nach Malmsheim (s. o.) eingepfarrt,


Die vormalige freie Reichsstadt Weil[2] ist 31/2 Stunden südwestlich von Leonberg [unter dem 48.° 45’ 2,28" nördlicher Breite und 26° 32’ 4,27" östlicher Länge] gelegen und an einem mäßig geneigten Abhange gegen das Würm-Thal und theilweise in der Thalebene selbst, an der Mündung des Thalacker-Bachs (Roßbach) in die Würm erbaut. Die den Ort rings umgebenden, mit Thürmen besetzten Mauern und Gräben, bezeichnen noch die mittelatterliche, einst wohlbefestigte Stadt, aus deren Mitte die hochgelegene, ansehnliche Peter und Paul-Kirche mit 3 Thürmen hervorragt. Von den reinlichen, meist gepflasterten Straßen ist die ausnahmsweise macadamisirte (steinbeschlagene) Stuttgarter Straße die bedeutendste; sie führt von dem Spitalthor bis zu dem ansehnlichen, oblongen Marktplatz, auf dem 2 große steinerne, vierröhrige Brunnen stehen, von denen der eine das aus Stein gut gearbeitete Standbild Kaiser Karl’s V. trägt, auf dessen Schild der Reichsadler und die Jahrszahl 1537 angebracht ist; auf dem andern steht ein Löwe, einen Schild mit dem Reichsadler haltend. Außer diesen sind noch 6 laufende und ein Pumpbrunnen vorhanden, welche die Stadt hinreichend mit Trinkwasser versehen; überdieß fließt noch ein Theil des Thalacker-Bachs durch die Stadt, die östlichen Stadtmauern werden von der Würm bespült. Ein weiterer sehr geräumiger Platz, auf welchem die Viehmärkte abgehalten werden, liegt im unteren Theil der Stadt. In die Stadt | führen 5 Thore, und zwar: das Spital-Thor, das Königs-Thor, das Juden-Thor, das obere und das untere Thor. Die den Aposteln Petrus und Paulus geweihte, im rein germanischen Style aus buntem Sandstein massiv erbaute Pfarrkirche ist ein großartiges Gebäude, das zu den schönsten der Gegend gezählt werden darf. An dem Schiff befinden sich Strebepfeiler, deren Grundflächen Dreiecke bilden, und welche gegen oben in halbe, mit Giebel- und Kreuzblumen geschmückte, bis an das Dachfries hinauflaufende Fialen (Spitzsäulen) übergehen, so daß die Strebepfeiler gleichsam gegen Außen nur angedeutet sind, während sie, das Schiff tragend, in das Innere der Kirche hineingreifen. Zwischen diesen Strebepfeilern sind spitzbogige, ziemlich breite Fenster angebracht, welche in den Bogenfeldern fischblasenartige Füllungen haben. Der mit einem halben Achteck schließende Chor hat Strebepfeiler mit viereckigen Grundformen, die gegen oben als freie, mit prachtvollen Giebel- und Kreuzblumen geschmückte Fialen emporstreben; zwischen denselben befinden sich ebenfalls spitzbogige, gothisch gefüllte Fenster. Der südliche Eingang, die sogenannte Ehethüre, bildet gleichsam eine Vorhalle mit schön construirtem Netzgewölbe, von der ein architektonisch reich geschmücktes Portal zur Kirche führt; an der einen Seite desselben ist St. Petrus mit dem Schlüssel, an der andern St. Paulus mit dem doppelten Schwert gut in Stein ausgehauen. Eine an diesem Eingange angebrachte Inschrift lautet: „Anno dom. 1492. Innocentio nono summo pontifice, Friderico duce Austriae Rom. imperatore et Maximil. filio ejus eorundem rege, secunda feria post invocavit hujus ecclesiae renovatae primus lapis positus est." Der an der westlichen Seite stehende massive Thurm ist bis zum vierten Stockwerke viereckig und ohne allen architektonischen Schmuck, mit Ausnahme der auf den oberen Ecken desselben freistehenden Fialen; dem massigen Bau sind noch zwei weitere achteckige Stockwerke aufgesetzt, um welche steinerne, durchbrochene Brüstungen laufen. Aus dem die Bedeckung bildenden Zeltdach wächst ein kleines Thürmchen empor. An der südlichen Seite des Thurms steht: »Hainrich von Heimheim lait den ersten Stain an diesem Turn und sin Sun den andern Stain." Von den fünf Glocken ist eine 1611 von Hans Conrad Flach von Schaffhausen und zwei 1718 von Heinrich Ludwig Gosmann gegossen. Wenig übereinstimmend mit dem beschriebenen Bau sind die zwei weiteren, noch von der früheren Kirche vorhandenen, im romanischen Style des 12. Jahrhunderts erbauten Thürme, mit ihren äußerst schmalen, gedrückt spitzbogigen Fenstern und umlaufenden Rundbogenfriesen. Das Innere der Kirche ist dreischiffig; die Decke, welche früher spitzbogig gewölbt war, gegenwärtig aber flach getäfelt und geschmacklos bemalt ist, wird von gewundenen, durch spitzbogige | Scheidebögen verbundene Säulen getragen. Die von dem Bürgermeister Reeble im Roccocostyl gebaute kunstreiche Kanzel stimmt mit dem Styl der Kirche so wenig überein, als der im Chor stehende Hochaltar. Zwischen den beiden älteren Thürmen, welche die Breite der früheren Kirche noch genau bezeichnen, führt ein spitzbogiger Triumphbogen von dem Langhaus in das Chor; letzterer hat ein schön construirtes, 1847 im Styl der Kirche gut restaurirtes Netzgewölbe, an dessen Schlußsteinen in der Richtung von Westen nach Osten folgende Figuren angebracht sind: 1) Das Schweißtuch, 2) der Reichsadler, 3) Agnus Dei, 4) der heil. Petrus, 5) ein Kopf, vermuthlich der des Baumeisters der Kirche, mit der Jahrszahl 1519, 6) ein Christuskopf, zu dessen beiden Seiten an den nächsten Gurtenkreuzungen die heil. Maria und Johannes sich befinden, 7) ein Steinmetzenzeichen. An der nördlichen Wand steht ein die ganze Höhe des Chors einnehmendes, im Renaissancestyl gehaltenes Tabernakel, das sehr kunstreich aus Stein gehauen ist. In der Kirche befinden sich mehrere Grabdenkmale aus dem 14., 15. und 16. Jahrhundert, von welchen das mit folgender Umschrift bezeichnete merkwürdig ist: „Anno dom. 1388 am St. Bartholomäi-Abend ist Anshelm Reinhardt in dem Streit vor Töffingen erschlagen worden, deß Hausfraw war Adelheit Schultheißen.“ Der Grabstein eines Mönchs v. Lichtenstein († 1659), welcher zur Erhaltung der katholischen Religion in Weil der Stadt viel beigetragen haben soll, steht an der hintern Chorwand.

In dem Kirchenschatze befinden sich zwei Monstranzen, von denen die eine, im reinen germanischen Styl, von vergoldetem Silber gearbeitet ist und 9 Pfund 30 Loth wiegt; die andere, ebenfalls silberne, 9 Pfund 26 Loth schwere, ist aus neuerer Zeit und stellt eine Sonne dar. Auch ist ein ausgezeichnet schöner, im germanischen Styl gehaltener Kreuzpartikel vorhanden. Die Kirche wurde 1492 bis 1500 an der Stelle einer früher bestandenen, wahrscheinlich für die Bevölkerung zu klein gewordenen erbaut; bei dem Brand von 1648 (s. unten) wurde nicht nur der Dachstuhl des Langhauses und das Kreuzgewölbe zerstört, sondern es brannte auch der große Thurm ganz aus und verlor bei seiner Wiederherstellung 20 Fuß von seiner ehemaligen Höhe. Die Baulast der Kirche liegt der Stiftungspflege ob, bei deren Deficit die Spital- und die Stadtpflege eintreten.

Zunächst der Kirche stand früher die erst in neuester Zeit abgebrochene sogenannte Sakraments-Kapelle.

Die Spitalkirche zur heil. Maria liegt neben dem Hospital an der östlichen Stadtmauer; sie wurde am Gallustage 1364 geweiht, scheint | aber später bedeutende Veränderungen erlitten zu haben, indem ihre gegenwärtige, spät germanische Bauweise einer jüngeren Periode angehört.[3] Das Innere der Kirche hat, wie das Äußere derselben, nichts Ansprechendes; an der östlichen platten Innenwand (ein Chor fehlt) steht ein Hochaltar mit 10 gut aus Holz geschnitten Figuren, unter denen sich Maria mit dem Christuskinde und die 4 Evangelisten befinden. Im Jahr 1826 wurde die Kirche renovirt und mit einem neuen Thürmchen (Dachreiter) versehen. Die Baulast ruht auf dem Schulfonds.

Der Spital, welcher an die Kirche angebaut ist und aus mehreren namhaften, einen Hofraum umschließenden Gebäuden besteht, wurde nach einer über dem Eingang angebrachten Inschrift 1588 erbaut

Die heil. Kreuz-Kapelle liegt außerhalb des obern Thors an der Straße nach Merklingen; sie wird aus den im Opferstocke gesammelten Beiträgen unterhalten und dient jeden Freitag Abend der Privatandacht der Einwohner.

Die südöstlich der Stadt gelegene St. Michaels-Kapelle wird von der Kirchen- und Schulpflege unterhalten; an sie stößt der ummauerte Begräbnißplatz, auf welchem einzelne sehr schön gearbeitete Grabdenkmale und ein steinernes Krucifix sich befinden.

Auf dem höchsten Punkte der Stadt liegt angenehm und mit freundlicher Aussicht in das Freie das ehemalige Augustiner-Kloster, in welchem seit 1815 die Wohnungen des Stadtpfarrers, des Präceptors und der Elementarlehrer, ferner die lateinische und die deutsche Schule eingerichtet sind. Die Baulast ruht auf der Kirchen- und Schulpflege.

Das ansehnliche, gut erhaltene Rathhaus, welches auf rundbogigen Arcaden ruht, und nach der an demselben angebrachten Jahreszahl 1582 erbaut wurde, bildet die Ecke des Marktplatzes und der Stuttgarter Straße. Das ältere Rathhaus steht an der nördlichen Seite des Marktplatzes neben dem Kaufmann Gall’schen Hause.

Die Gebäude des östlich von dem Augustiner-Kloster gelegenen ehemaligen Kapuziner-Klosters, welches 1640 erbaut und, nachdem es abgebrannt, 1704 wieder hergestellt und 1715 sammt der Kapuzinerkirche eingeweiht worden war, sind in Folge der Säcularisation in Privathände übergegangen und die ehemalige Kirche ist nun in eine Scheune umgewandelt.

Früher bestand auch eine Badanstalt, welche in der Nähe des ehemaligen, nun innerhalb der Stadt gelegenen Bad-Thors sich befand. Als ansehnlichere Privathäuser sind zu nennen: das Kaufmann | Gall'sche Haus und der Gasthof zur Krone (Post), welche beide an dem Marktplatze stehen.

Die Einwohner, körperlich weniger kräftig, aber verständig, zeichnen sich durch Fleiß und speculative Betriebsamkeit aus.

Der Zahl nach ist sich die Bevölkerung in den letzten Jahrzehenten ziemlich gleich geblieben.

Die Stadtgemeinde hatte am 3. Dezember 1848 1789 Angehörige, und zwar 852 männliche, 937 weibliche. — Am 3. Dezember 1846 war die Zahl 1840 (874 männliche, 966 weibliche), welche mit Ausnahme von 41 Evangelischen sämmtlich der katholischen Kirche angehören. Am 1. November 1832 zählte man 1842 Angehörige (847 männliche, 995 weibliche). Es waren im Jahr 1846 ortsabwesend 242, Fremde anwesend 212. Die ortsanwesende Bevölkerung belief sich also damals auf 1810 (838 männliche, 972 weibliche).

Familien waren vorhanden im Jahr 1846: 429; ferner zählte man

          1832           1846
Ehen 312 324
Wittwer 55 38
Wittwen 62 61
Geschiedene 0 6 .

Auf 1 Ehe kamen also 1832 5,9; 1846 5,7 Angehörige und auf 1 Familie 1846 4,3 Angehörige.

Im Durchschnitt der 10 Jahre von 1836—46 war die Zahl der jährlich Geborenen 59,4, darunter uneheliche 6,7.

Es kommen hienach auf 1000 Einwohner 33,0 Geborene (d. h. auf 30 Einwohner 1 Geburt) und unter 100 Geburten waren 11,3 unehelich, oder diese verhalten sich zu den ehelichen wie 1:7,86, ein Verhältniß, das viel ungünstiger ist, als das vom ganzen Oberamtsbezirk (s. o.).

Gestorben sind nach dem erwähnten Durchschnitt jährlich 57,4 (28,6 männliche, 28,8 weibliche); es ergeben sich daher auf 1000 Einwohner 31,3 Sterbefälle (oder 1 Sterbefall unter 31,3 Lebenden), und zwar unter 1000 Personen männlichen Geschlechts 33,7, unter 1000 Personen weiblichen Geschlechts 29,1 Sterbefälle.

Auf 100 Gestorbene kommen 103,5 Geborene.

Der natürliche Zuwachs zur Volkszahl betrug von 1836—46 nur 20 Seelen (nämlich 31 männliche mehr, 11 weibliche weniger); der Zuwachs durch Wanderung 3 (19 männliche weniger, 22 weibliche mehr). Der Zuwachs überhaupt 23 (12 männliche, 11 weibliche).

Über Sechzigjährige lebten hier (am 3. Dezember 1846) 178 [87 männliche, 91 weibliche]; auf 1000 Einwohner kamen also 96,7 | dieser Altersklasse, während im Oberamt nur 73, im ganzen Lande 76 auf 1000 Einwohner kommen.

Schon in frühen Zeiten war Weil die Wiege ausgezeichneter Männer, und auch heutzutage gibt sich ein gewisser Grad intellectueller Begabtheit der Eingebornen in den guten Fortschritten der Schuljugend kund. Von berühmten Männern, welche in Weil der Stadt geboren wurden, nennen wir:

Heinrich Steinhöwel [d. i. Steinheil], geb. 1420, ein Verwandter des trefflichen Arztes Joh. Widmann, genannt Maichinger, promovirte in Padua in der Medizin 1442, wurde Stadtarzt in Eßlingen, später in Ulm und starb 1496. Er machte sich bekannt als Schriftsteller im Fache der Medizin (schrieb über die Pestilenz); besonderes Verdienst um die deutsche Sprache erwarb er sich aber durch Übersetzung mehrerer Schriften, z. B. Aesop’s, Boccaccio’s, einer Chronik (Serapeum 1846, 220) und hat in dieser Beziehung in der Literärgeschichte des 15. Jahrhunderte einen glänzenden Namen.

Paul Scriptoris, geboren gegen die Mitte des 15. Jahrhunderts, in Paris gebildet, Guardian des Minoriten-Klosters zu Tübingen und erster Lehrer der Mathematik daselbst, welcher durch seine Vorlesungen über dieses Fach sowohl, als über Duns Scotus großen Beifall erntete. Bald wurde er Märtyrer einer besseren theologischen Lehrart, verlor seine Guardiansstelle und starb nach öfterem Aufenthaltswechsel im Jahr 1504 in Kaisersberg, gerade als er dem Rufe zu einer theologischen Lehrstelle zu Toulouse zu folgen sich entschlossen hatte (Moser, Vitae prof. Tubing. ord. theol. 60-68).

Johannes Brenz, geb. den 24. Juni 1499, Sohn des hiesigen Stadtschultheißen, auf der Hochschule in Heidelberg gebildet, 1520 Canonicus an der Heidelberger h. Geistkirche, 1522 als Reformator und Prediger nach Schwäbisch Hall berufen, bei vielen Religionsverhandlungen, namentlich beim Augsburger Reichstag von 1530 thätig, von Herzog Ulrich von Württemberg 1537 bei Einführung der Reformation verwendet, 1552 durch Herzog Christoph Stiftsprobst zu Stuttgart, als solcher gestorben den 11. September 1570 und in der Stuttgarter Stiftskirche begraben. Ein großer Theologe, auch trefflicher Prediger, Verfasser ausgezeichneter Bibelkommentare, (Jul. Hartmann und K. Jäger, Johann Brenz. Bd. 1. 2. Hamburg 1840—42. 8°.)

Joh. Kepler, geb. den 27. Dezember 1572. Sein Vater, Heinrich Kepler, verließ nicht lange nach der Geburt dieses Sohnes seine Familie und focht unter Herzog Alba gegen die Belgier; später wurde er Wirthschaftspächter zu Ellmendingen im Badischen, zuletzt nahm er östreichische Kriegsdienste gegen die Türken. Der Sohn, ein Zögling der Klosterschulen | in Maulbronn und des Stifts in Tübingen, in Letzterem ein Schüler des Astronomen Mich. Möstlin, bildete sich zu einem der größten Mathematiker und Astronomen, dessen Entdeckungen die Astronomie großentheils ihre jetzige Ausbildung verdankt. Gestorben nach wechselvollem, durch mancherlei Drangsale getrübten Leben in kaiserlichem, zuletzt in herzoglich friedländischem Dienste, in Regensburg (wo ihm in neuerer Zeit ein Denkmal errichtet wurde) den 5. Nov. 1630 (vergl. Joh. Kepler's Leben von J. L. v. Breitschwert; Stuttgart 1831. Über die nicht begründeten Ansprüche, welche Magstadt machte, seine Vaterstadt zu seyn, siehe Schwäb. Chronik vom 24. Febr. 1848).

Jos. Ant. Gall, Sohn eines Handelsmanns und um die Stadt ungemein verdienten Bürgermeisters, geb. den 27. März 1748, auf der Universität Heidelberg für die Rechte und die Theologie und hierauf in Bruchsal für die letztere ausschließlich ausgebildet, als Katechet an der k. k. Normalschule in Wien angestellt 1774, k. k. Hofkaplan 1778, Pfarrer in Burgschleinitz 1779, Oberaufseher der Schulen Niederösterreichs 1780, Domherr und Scholasticus bei der Hauptkirche in Wien 1787, Bischof von Linz durch Kaiser Joseph II. 1789, gestorben als solcher den 18. Juni 1807. Ein aufgeklärter Theologe, Stifter des Linzer Priesterseminariums, überhaupt verdienstvoller Oberhirte. (Vergl. Provence Biographie des Herrn Jos. Ant. Gall, weiland Bischof zu Linz. Linz 1808. 8.)

Was die Vermögensumstände der Einwohner betrifft, so sind Einzelne wohlhabend, die Mehrzahl aber minder bemittelt; reiche örtliche Stiftungen reichen den Armen so viel, daß der Bettel verhindert wird. Die Hauptnahrungsquellen sind Ackerbau, Viehzucht und Gewerbe; beinahe jeder Bürger treibt neben der Landwirthschaft irgend eine Profession.

Die ziemlich ausgedehnte Markung ist sehr bergig und außer dem Würmthal noch von mehreren, minder bedeutenden Thälern durchzogen; neben diesen ungünstigen Terrainverhältnissen sind die Felder an sich zum größeren Theil ziemlich unfruchtbar, indem sie theils einen schweren Thon-, theils einen leichten, kalkhaltigen Boden haben, welch letzterem losgewordene, den Ackerbau erschwerende Muschelkalksteine in Menge beigemengt sind. Westlich der Stadt im Thale gegen Simmozheim treten die rothen Schieferletten des bunten Sandsteins in unbedeutender Ausdehnung auf und bilden dort einen schweren, thonigen Dinkelboden.

Das Klima ist gesund und wenn auch nicht gerade rauh, schaden dennoch Frühlingsfröste nicht selten den Obstbäumen und anderen Gewächsen. Hagelschlag kommt nicht häufig vor. Trotz dieser für die Landwirthschaft ziemlich ungünstigen natürlichen Verhältnisse hat sich dieselbe doch durch Fleiß und Umsicht der Einwohner auf eine | höhere Stufe erhoben. Landwirthschaftliche Verbesserungen sowohl an Geräthschaften, als in der Betriebsart, haben allgemein Eingang gefunden, und dem düngerbedürftigen Boden wird nicht nur mit dem gewöhnlichen Dünger, sondern auch mit der fleißig benutzten Jauche und bei dem künstlichen Futterbau mit Gyps kräftig nachgeholfen. Im Dreifeldersystem baut man von Getreide besonders Dinkel, Gerste, Hafer und in neuester Zeit auch Sommer- und Winter-Weizen; in der zu 2/3 angeblümten Brache werden Kartoffeln, Futterkräuter, Ackerbohnen, Erbsen, Linsen u. s. w. gezogen. Von Handelsgewächsen pflanzt man Reps, Hopfen und Hanf; letzteren jedoch nur für den eigenen Bedarf. Auf den Morgen wird ausgesät: an Dinkel 7-8 Sri., an Gerste 4 Sri., an Hafer 4 Sri., an Roggen 3 Sri. und an Weizen 3 Sri.; der durchschnittliche Ertrag per Morgen wird zu 5-6 Schfl. Dinkel, 3 Schfl. Gerste, 4 Schfl. Hafer, 21/2 Schfl. Roggen und eben so viel Weizen angegeben. Die höchsten Ackerpreise sind 700 fl., die mittleren 150 fl. und die geringsten 20 fl. per Morgen. Auf dem Fruchtmarkt, der jeden Mittwoch in der Stadt abgehalten wird (s. u.), kommt sehr viel Dinkel und Hafer zum Verkauf.

Die Wiesen, obgleich sie nicht bewässert werden können, erzeugen wegen des guten, in der Thalebene lagernden Bodens vortreffliches Futter, von dem ein großer Theil in den Schwarzwald abgesetzt wird. Der durchschnittliche Ertrag eines Morgens ist 28 Ctr. Heu und 12 Ctr. Öhmd; der höchste Preis eines Morgens Wiese beträgt 700 fl., der geringste 100 fl.

Früher wurde an südlichen Abhängen auch Weinbau getrieben, der erst zu Anfang dieses Jahrhunderts vollends abging.

Die im Zunehmen begriffene Obstzucht gewährt meist einen erfreulichen Ertrag; es werden besonders viel Luikenäpfel, überhaupt später blühende Obstsorten gezogen, weil diese weniger durch Frühlingsfröste leiden. Eine der Gemeinde gehörige Baumschule ist auf dem Begräbnißplatz angelegt.

Die Gemeinde ist im Besitz von 965 Morgen Waldungen (4855/8 M. auf der eigenen, 4793/8 M. auf Möttlinger Markung gelegen), welche mit Laub- und Nadelhölzern gut bestockt sind; sie gewähren einen jährlichen Ertrag von 545 Klaftern und 25.765 Stück Wellen, wovon jeder Bürger 3/4 Klafter und 50 Stück Wellen als Gabe erhält und das übrige zum Vortheil der Gemeindekasse gegen einen Erlös von etwa 4000 fl. verkauft wird. In den auf Möttlinger Markung liegenden Waldungen hat die Gemeinde Möttlingen das Weidrecht forstordnungsmäßig auszuüben.

Was die Viehzucht betrifft, so zählt Weil der Stadt unter den Bezirksorten | die meisten Pferde (s. Tab. I.). Die Zucht derselben kommt aber seit Aufhebung der hier bestandenen Beschälplatte zurück. Dagegen ist die Rindviehzucht, welche sich mit den Simmenthaler-, Rigi- und Allgäuer-Racen beschäftigt, in gutem Zustande und wird durch 6 von dem Spital zu haltende Farren immer noch verbessert. Der Austrieb des Viehs auf die Thalwiesen findet nur kurze Zeit im Spätjahr statt. Auf den im Ort bestehenden Jahrmärkten wird ziemlich viel mit Vieh gehandelt. Die Schafzucht beschränkt sich auf etwa 600 Bastarde, womit die Weide, welche auf den Stoppelfeldern und nur kurze Zeit auf den Wiesen stattfindet, von den Bürgern in der Art beschlagen wird, daß jeder 11/2 Stück (nämlich 1 Schaf und 1 Lamm) laufen lassen darf. Die Überwinterung geschieht im Ort und die Wolle wird theils im Ort, theils auswärts verkauft. Schweine werden in beträchtlicher Menge gezogen und hauptsächlich auf den sehr besuchten Schweinmärkten im Ort selbst zum Verkauf gebracht. Unbemittelte halten Ziegen in ziemlicher Anzahl. Die durch den Repsbau begünstigte Bienenzucht wird in 70 Stöcken mit Nutzen betrieben.

Was die Gewerbe betrifft, so sind diese hinlänglich vertreten, da beinahe jeder Bürger neben dem Feldbau irgend ein Gewerbe betreibt: von besonderer Erheblichkeit sind die Tuch- und Zeugfabriken, deren Fabrikate hauptsächlich nach Stuttgart und in das benachbarte Baden abgesetzt werden; ein Tuchmacher betreibt überdieß noch die Fabrikation des Watts, auch geben mehrere Einwohner sich mit der Zubereitung der Schafwolle für größere Fabriken ab. Teppichfabrikant Borger liefert mittelst Jacquard-Maschinen vortreffliche Waaren, welche sowohl in dem In- als in dem Auslande sehr gesucht sind. Die Gerberei wird ziemlich stark betrieben und bildet eines der Hauptgewerbe des Orts. Mehrere Schuhmacher arbeiten in das Große und beziehen mit ihrer Waare Märkte und Messen. Im Ort befinden sich zwei Mahlmühlen und zwar; die kleine Mühle mit 2 Mahlgängen und 1 Gerbgang, und die große Mühle mit 3 Mahlgängen, 1 Gerbgang und 1 Säge. Sodann bestehen 13 Schildwirthschaften, 6 Bierbrauereien und 14 Branntweinbrennereien; deßgleichen 1 Ziegelhütte, 1 Bleiche und 12 Handlungen, von denen einzelne nicht unbedeutende Geschäfte in Wolle machen, indem sie diese im Inland aufkaufen, einer Sortirung unterwerfen und so meist in das Ausland wieder absetzen.

Die Stadt ist mit einer Apotheke versehen, auch ist neben dem Amtsarzt noch ein praktizirender Arzt hier angesessen.

Als Bildungs-Anstalten sind vorhanden: eine lateinische Schule, an der ein Präceptor angestellt ist, drei Volksschulen nebst zwei Sonntagsschulen, an welchen drei Lehrer unterrichten, ferner eine Zeichnungs- | und eine Industrieschule. Ein Liederkranz besteht schon längst zur Ausbildung des Gesangs.

Die Stadt hat das Recht, jährlich 12 Viehmärkte, von denen 6 zugleich Krämermärkte sind, abzuhalten; jeden Mittwoch ist Wochenmarkt mit offener Fruchtschranne, letztere wird ziemlich besucht und hat nach 10jähriger Durchschnittsberechnung einen jährlichen Umsatz von 3479 Scheffel Frucht und 19.579 fl. 12 kr. Geld.

Es ist hier ein Poststall mit Postexpedition, da die Poststraße von Stuttgart über Leonberg nach Calw durch die Stadt führt. Außer der häufig benutzten Vicinalstraße über Magstadt nach Stuttgart befördern den Verkehr noch weiter die Vicinalstraßen über Merklingen nach Pforzheim, nach Malmsheim, nach Möttlingen, nach Simmozheim, nach Ostelsheim und über Schaffhausen nach Herrenberg. An Brücken sind zwei steinerne und eine hölzerne vorhanden. Das noch ausnahmsweise stattfindende Pflaster- und Brückengeld wirft der Stadt im Durchschnitt jährlich 370 fl. ab

Außer dem täglich hier durchgehenden Eilwagen zwischen Stuttgart und Calw fahren wöchentlich einige Mal Boten nach Calw. Der Amtsbote geht dreimal in der Woche nach Leonberg.

Der Gemeindehaushalt ist geordnet und gut beschaffen. Schon von der vormaligen Reichsstadt hatte der Staat in Folge der Mediatisirung nur 7500 fl. Schulden zu übernehmen (s. Herdegen, Württ. Staatshaushalt, S. 458). Jetzt hat die Stadt noch etwa 800 fl. Schulden; ihre Einkünfte reichen aber hin, diese zu verzinsen, ohne daß Gemeindeschaden umgelegt wird. Außer den schon gedachten Waldungen besitzt die Gemeinde als Grundeigenthum noch ein 250 Morgen großes Hofgut auf Möttlinger Markung, welches gegenwärtig um 1050 fl. verpachtet ist, ferner einzelne auf der Markung Weil der Stadt liegende Güter, deren jährlicher Pacht etwa 600 fl. beträgt; auch ist ihr Kapitalvermögen nicht unbedeutend, s. Tab. III. Das Vermögen der Stiftungspflege besteht in etwa 35.000 fl. Activkapitalien; außer den Zinsen hieraus hatte dieselbe noch von etwa 100 Morgen den großen Zehenten zu beziehen, der nun zur Ablösung angemeldet ist. Unter diesem Vermögen befinden sich namentlich 4300 fl. Kapital, von dem aus der Stadt gebürtigen Bischof Gall zur Verbesserung der Schulen gestiftet. Christoph Ruff, Kirchherr zu Flacht, stiftete im Jahr 1494 für zwei unbemittelte, die Theologie studirende Jünglinge 400 fl. Was von früheren geistlichen Pfründen noch übrig ist, wird gegenwärtig unter dem Namen Kirchenpflege (früher fünfzehen Geistlichen-Pflege) verwaltet.

Den Grund zu dem Hospital zur heil. Maria oder zu unserer lieben Frauen legte eine Bürgerin zu Weil, Helene Brodbeck, welche sich dem | geistlichen Stande widmete und beinahe ihr ganzes Vermögen zur Errichtung eines Spitals vermachte. Im Laufe der Zeit vermehrte sich dieses Vermögen theils durch Geschenke, theils durch das Beibringen der aufgenommenen Pfründner, sowie durch den Erwerb einzelner Güter, so daß der Spital erst im Jahr 1588 zu seiner eigentlichen Vollendung gedieh. Obgleich der Spital im Jahr 1649 den Ihinger Hof (s. dort) zu Bestreitung sogenannter schwedischer Satisfactionsgelder verkaufen mußte, so hat derselbe doch immer noch einen Grundbesitz von 2415/8 M. Güter und die Hälfte des Zehenten, nebst einem Kapitalvermögen von 50.000 fl. Bei einer jährlichen Einnahme von 6-7000 fl. ist der Zweck der Anstalt, unbemittelte Ortsbürger theils durch Aufnahme in Verpflegung, theils durch Beiträge an Geld etc. zu unterstützen.

Nach dem jüngsten, nun mit der Ablösung aufhörenden Zehentbesitz hatte auf hiesiger Markung der Staat und die St. Peterskirche in jeder Zelg einen besonders versteinten Bezirk, von welchem sie den großen Zehenten bezogen; von dem übrigen Feld besaßen denselben der Staat (früher Kloster Hirschau) und der Hospital Weil je zur Hälfte. Statt des kleinen Zehnten erhob der Staat Surrogatgelder. Heu- und Öhmd-Zehenten wurde nie gereicht. Grundherrliche Gefälle bezogen bisher die Kirchen- und Schulfondspflege und die Armenfondspflege.

Die Pfarrei, welche von einem Stadtpfarrer und einem Vikar versehen wird, ist die einzige katholische im Oberamtsbezirk. Das Patronatrecht hat die Krone. Früher hatte der hiesige Magistrat das Präsentations- und Ernennungsrecht, dem Prälaten von Hirschau stand es aber zu, den Pfarrer zu examiniren (was zuletzt durch Abgeordnete des herzogl. württembergischen Kirchenraths, wobei jedesmal auch der Abt von Hirschau war, geschah), worauf ihn das Consistorium in Stuttgart confirmirte. Die Seelsorge versahen außer dem Stadtpfarrer, welcher zugleich Dekan des Landcapitels Weil war, zwei Caplane (gewöhnlich Patres aus dem hiesigen Augustiner- und Kapuzinerkloster).

Als Weil noch eine Reichsstadt war, hatte Württemberg hier schon einen Pfleghof, hirschauische Kellerei und bebenhausen’sche Pfleg genannt; nachdem die Stadt an Württemberg (1803) gekommen war, ging diese Gefällverwaltung an die neuerrichtete Steuereinnehmerei über, welche im Jahr 1807 mit dem Cameralamt Merklingen vereinigt ward. Zu gleicher Zeit ging auch das Oberamt wieder ein, welches seit der württembergischen Besitznahme hier bestanden hatte; dagegen war der Stadt bis zu der im Jahr 1819 eingetretenen jetzigen Gemeindeorganisation ein dem Oberamt Leonberg untergebener, vom König bestellter Amtmann vorgesetzt.

Das Wappen der Stadt besteht aus drei Schilden; im obern ein | schwarzer Adler im goldenen Felde, im untern (heraldisch) rechten, zwei über einander gelegte Schlüssel in rothem Felde, im untern linken, ein blauer Schrägbalken mit den goldenen Buchstaben S. P. Q. R., gleichfalls im rothen Felde. [4]

Zu den Merkwürdigkeiten der Stadt gehört das Haus, in welchem Reformator Brenz geboren wurde; es steht in der Rabengasse (Brenzen’s-gasse) und gehört gegenwärtig der Wittwe des Burkhard Herrmann. Der alte Unterstock desselben wurde in neuester Zeit ganz verändert und bei dieser Veranlassung das an die Außenwand angemalte Bild von Brenz leider übertüncht.

Als weitere Merkwürdigkeit ist die große Linde, welche vor der Kirche stand und im Jahr 1804 umgehauen werden mußte, noch anzuführen; nach der Sage soll sie 1530 gepflanzt worden seyn; sie wurde, als die Stadt 1648 abbrannte, ebenfalls ein Raub des Feuers, schlug aber später wieder aus und trieb 4 Äste, von denen jeder einen besonderen Baum vorstellte. Ihr Stamm war 9 Fuß hoch und hatte 25 Fuß im Umfang.

Auf der Stadtmarkung befinden sich als einzelne Wohnsitze folgende Mühlen, welche von der Würm in Bewegung gesetzt werden:

a) Die Plan-Mühle mit 3 Mahlgängen, 1 Gerbgang und einer Hanfreibe, 1/4 Stunde nördlich von der Stadt gelegen. Sie gehörte früher dem Spital, ist aber nun an Privaten verkauft.
b) Die Säg-Mühle, mit einer Walk- und Öl-Mühle, liegt 1/4 Std. südlich von der Stadt.
c) Die Loh-Mühle, 1/8 Stunde südlich von der Stadt gelegen. Über die röm. Altertümer s. den allg. Theil.

Abgegangene Orte auf der Markung sind: 1) Bland, [5] in der Nähe der Plan-Mühle am Einfluß des Rankbachs in die Würm. [6]

| 2) Thalacker, am Thalackerbach in der Nähe des rothen Brunnens; bis zum Jahr 1810 stand daselbst eine Kapelle, dem heil. Laurentius geweiht. [7] 3) Grekkenbach, etwa 1/2 Stunde östlich der Stadt, rechts der Straße von Weil d. St. nach Stuttgart.

In der Lehmgrube nordwestlich der Stadt, am Wege nach Möttlingen, wurden schon öfters menschliche Gerippe, von denen eines ein kurzes Schwerdt (Sachs) neben sich hatte, gefunden.

Über die Geschichte der Stadt ist Folgendes anzuführen:

Weil (Wile), villa que dicitur Wile bei Haymo Vita b. Wilhelmi, geschrieben um 1100 (in Act. SS. Boll. Jul. 2, 159), gehörte zur Herrschaft der Grafen von Calw, welche hier beträchtlichen Güterbesitz hatten, aus welchem Graf Adalbert von Calw († 1099) das Kloster Hirschau mit 15 Huben beschenkte, (Cod. Hirs. ed. Stuttg. 32); nach der Bestätigungs-Urkunde K. Heinrich's IV. für Kloster Hirschau, vom 9. Oktober 1075, gab dieser Graf an das Kloster seinen hiesigen Besitz (que possidebat ad Wile cum villulis binis Grekkenbach et Blanda. Wirt. Urkundenbuch 1, 279). Mit andern Calwer Gütern mag Weil der Stadt Welfisch, dann Hohenstaufisch geworden seyn und hat sich jedenfalls frühe die Reichsunmittelbarkeit errungen, denn schon am 29. Dezemb. 1275 spricht Kaiser Rudolph von oppidum nostrum Wyle.

Königliche Hoflager waren hier den 27. September 1360 von Kaiser Karl IV., den 10. August 1418 von Kaiser Sigmund, den 27. Juni 1473 von Kaiser Friedrich IV. Der hiesige Stadtschultheiß und die Bürgerschaft erschien zum erstenmal am 3. Mai 1275 und zwar Conradus scultetus et universitas civium de Wil in einer Urkunde derselben für das Kloster Herrenalb; der gleiche Schultheiß Conrad verkaufte 1283 Güter bei Bönnigheim und ist 1284 Zeuge Gottfried’s, Graf von Tübingen-Böblingen, für den Johanniter-Orden (Stuttgarter Staats-Archiv). Im Jahr 1290 erscheint in einer Herrenalber Urkunde (Mone, Zeitschr. 2, 254) Gerlacus scultetus ceterique cives in Wile (im Jahr 1291 in einer Bebenhauser Urkunde Gerlacus scultetus, consules et universitas civium in Wile); dagegen schon 1293, Mai 8., an seiner Stelle in einer Maulbronner Urkunde „Conrad der Rote, Schultheiß von Wile", an welchen den 1. Januar 1303 genannter Graf Gottfried den Ort Gechingen verkaufte.

| Von verschiedenen Kaisern erfreute sich die Stadt namhafter Privilegien,[8] theils neu verliehener, theils blos bestätigter, wie von Kaiser Karl IV. den 27. Januar 1348, den 1. August 1355, den 5. November 1360, den 23. April 1370, von König Wenzel den 27. Juli 1376, den 28. Juli 1384 und 21. Januar 1398; von König Ruprecht den 10., 12. und 13. August 1401; von Kaiser Sigmund den 10. August 1433 und den 21. Juni 1434,[9] diesmal mit dem Beisatz, daß diese Stadt mit der Stadt Eßlingen gleiche Gnaden, Freiheiten und Rechte genießen solle; von Kaiser Friedrich IV. vom 11. Juli und 24. September 1442 und vom 10. Juni 1458; von Kaiser Karl V. den 2. Februar 1521 und den 27. März 1538; von König Ferdinand den 12. Juni 1559; von Kaiser Maximilian II. den 17. April 1566; von Kaiser Rudolph II. den 8. August 1582; von Kaiser Mathias den 10. Oktober 1613; von Kaiser Ferdinand III. den 30. Juni 1651; von Kaiser Leopold den 27. Mai 1667.

Freie Pürsch sichern der Stadt zu die Privilegien vom 12. Juni 1559, vom 17. April 1566, vom 14. Oktober 1613 und vom 30. Juni 1651. [10] Erlaubniß zur Judenaufnahme und zur Verwendung ihres Schutzgeldes für den Stadtbau ertheilte Kaiser Karl IV. den 5. November 1360. [11]

In mehreren dieser Privilegien, schon in dem vom 27. Januar 1348, durch Kaiser Karl IV., ist der Stadt versprochen, daß sie nicht verpfändet werden sollte, nachdem sie bereits im Jahr 1336 in dieser Beziehung eine unangenehme Erfahrung gemacht hatte; wenigstens verhieß den 1. August d. J. Graf Ulrich von Württemberg die ihm um 6000 Pfd. Heller verpfändete Stadt Donauwörth dem Kaiser Rudolf gegen die Stadt Weil zurückzugeben (Reg. Boic. 7, 157). Gleichwohl „verpfändete und versetzte“ noch nach gegebenem Privilegium der Nichtverpfändung derselbe Kaiser Karl IV., welcher auch sonst einmal das hiesige Schultheißen-Amt und Ungelt an Albrecht von Bönnigheim für 100 Mark Silber, Straßburger Gewichts, zum Pfand gab (laut Urkunde König Ruprecht’s vom 29. Sept. 1404. Chmel Reg. Rup. nr. 1858), den 24. August 1376 an Graf Eberhard von Württemberg, den Greiner, welcher damals seine Landeshoheit über die Reichsstädte auszudehnen trachtete, „seine und des Reichs Stadt zu Weil, mit dem Schultheißenamt und der Vogtei daselbst und mit allen | Rechten, Nutzungen, Zinsen, Steuern, Ungelten[12] und allen Zugehörungen", gleich wie er in derselben Urkunde auch das Schultheißenamt in Eßlingen, desgleichen in Gmünd und die Dörfer in der Birse bei Rottweil versetzte. Solche Verpfändungen trugen, nachdem Weil der Stadt am 3. September 1376 sich der Einigung der oberschwäbischen Städte angeschlossen hatte, viel dazu bei, den bald darauf erfolgten Städtekrieg gegen Graf Eberhard, wodurch dieser vom Genuß der erhaltenen Vortheile abgehalten wurde, anzufachen. (Sattler, Grafen, 1. Beil. Nr. 161.)

Als die Städte den 21. Mai 1377 durch den glänzenden Sieg bei Reutlingen sich selbst geholfen, gab dagegen König Wenzel den 31. Mai der Stadt Weil und anderen Reichsstädten die Versicherung, sie sollen für das Reich an Niemand verpfändet werden, und an demselben Tage, sie sollen nimmermehr in der Grafen von Württemberg noch Krafts von Hohenlohe Landvogtei oder Pflege kommen, welch letzteres Kaiser Karl IV. den 15. Juni 1377 bestätigte. Dieser Kaiser verfügte den 30. August 1378, daß der Graf von Württemberg die kaiserliche Verschreibung über die Reichspfandschaft Weil der Stadt herausgeben solle. (Sattler, Grafen 1, Beil. Nr. 165.)

Ein paar Jahrzehente darauf gelang es der Stadt, von den Rechten, über welche die deutschen Kaiser verfügt hatten, mehrere an sich zu kaufen; so erwarb sie den 21. Januar 1398 von König Wenzel die Vogtei um Erlegung von 20 Pfd. Heller, jährlich an den Landvogt in Schwaben zu bezahlen und erhielt zugleich damit die hohe Gerichtsbarkeit, zu welch beidem König Ruprecht den 14. August 1401 seine Bestätigung ertheilte. Das Schultheißenamt und das Ungelt überkamen gleichfalls die Bürger von Weil; am 29. September 1404 schlug König Ruprecht, als die Bürger genannte Pfänder schon an sich gebracht hatten, noch weitere 500 gute rheinische Gulden darauf. (Chmel Reg. Rup. Nr. 1858.)

Im Jahr 1492, Sept. 22, bekannte Kaiser Friedrich IV., daß er die seinem Thürhüter Niclas Rynhard gegebene Erlaubniß, vom Bürgermeister und Rath der Stadt Weil das ihnen verpfändete Schultheißenamt und Ungelt daselbst zu lösen, wieder abgethan, diese Ämter bei der | Stadt Weil pfandweise gelassen und ihr zugesagt habe, daß Niemanden künftig gestattet seyn solle, sie zu lösen, als nur zu kaiserlichen und des Reichs Händen. (Chmel Reg. Frid. IV. Nr. 8844.)

An Reichssteuer mußte Weil im 14. Jahrhundert 300 Pfd. Heller bezahlen (Glafey 278; Sattler, Grafen 1, 137). Auf solche verwies den 18. März 1342 Kaiser Ludwig den Grafen Ulrich von Württemberg (Sattler a. a. O.). Kaiser Sigmund († 1437) verpfändete an Burkard und Albrecht v. Homburg die jährige Stadtsteuer zu Weil und Dinkelsbühl um 800 Mark Silber, was am 4. Juli 1438 Kaiser Albrecht bestätigte. (Lichnowsky, Gesch. des Hauses Habsburg 5. Regg. Nr. 3967.)

Im Jahr 1456 kam Weil unter badischen Schirm; wenigstens erklärte Kaiser Friedrich IV. den 12. Juni 1466, da die Zeitfrist des früher von ihm der Stadt Weil bewilligten badischen Schirms verflossen sey, so verlängere er ihn auf weitere 10 Jahre (Chmel. Reg. Frid. Nr. 4520). Am 26. August 1505 nahm Herzog Ulrich die Stadt, welche ihm ein jährliches Schirmgeld von 50 fl. versprach, in seinen Schutz auf (Sattler, Herzoge 1, 88), was er im Jahr 1516 gleichfalls am 26. Aug. erneute (Sattler 1, 204), ein Verhältniß, welches sich später wieder auflöste.

Aus der Rolle, welche Weil unter den anderen schwäbischen Reichsstädten spielte, heben wir folgende Einzelheiten hervor. Im Jahr 1307, April 29, war es unter den Reichsstädten, welche König Albrecht zu dem von ihm gestifteten Landfrieden aufforderte, und im Jahr 1331, Juni 29, unter denjenigen, welche mit Willen Kaiser Ludwigs einen Landfrieden errichteten. Im Jahr 1347, Oktober 22 und Dezember 14, erscheint Weil im reichsständischen Bündniß, am letztgenannten Tage unter den Reichsständen, welche mit den Herzogen von Bayern eine Verbindung machten. Derlei Bündnisse blühten in dieser und der folgenden Zeit; im Jahr 1375, Juni 17, errichtete selbst Graf Eberhard von Württemberg mit Weil und andern Städten eine Einigung (Sattler, Grafen 1, Beil. Nr. 157), welche freilich keinen langen Bestand hatte. Weil erscheint bald darauf unter den Städten, über welche zum Theil auf Klage Graf Eberhard’s von Württemberg Acht verhängt worden war, von welcher sie am 31. Mai 1377 durch König Wenzel erlöst wurde (Reg. Boic. 9, 376). Im Jahr 1377 glücklich im Kampfe gegen Graf Eberhard von Württemberg und von dessen Landvogtei befreit, im Jahr 1382, April 9, auf’s Neue mit den Grafen im Bunde, wurde Weil nebst den andern schwäbischen Reichsstädten von genanntem Grafen am 23. August 1388 aufs Haupt geschlagen. Zwischen Weil | und Döffingen war die berühmte Wahlstatt. [13] Nach einigen Jahren treten aber wieder friedliche Beziehungen zwischen Württemberg und Weil ein. Den 23. Juli 1400 erstreckte Graf Eberhard II., der Milde, von Württemberg den Landfrieden mit Weil und andern Reichsstädten auf ein Jahr; am 6. Dezember 1417 schloß Graf Eberhard IV. mit Weil und den übrigen schwäbischen Reichsstädten ein Bündniß, dergleichen sich im 15. Jahrhundert noch öfters wiederholten (Gehres 81-83). Am 14. Februar 1488 trat Weil mit andern Städten dem Schwäbischen Bunde bei. Im Jahr 1505 begab es sich auf 10 Jahre in württembergischen Schirm.

Auf dem Reichstage hatte Weil auf der schwäbischen Bank die 23ste, beim Schwäbischen Kreis aber unter den Reichsstädten die 18te Stelle.

Der Reichs-Matricular-Anschlag betrug im Jahr 1545 und bis zur Aufhebung der Reichsstadt 60 fl.; die Kammerzieler betrugen 56 Rthslr. 35 kr. Wegen der Vogtei, welche die Stadt im Jahr 1398 erworben hatte (s. oben), zahlte sie bis zur Aufhebung des Reichs 13 Gulden oder 20 Pfd. Heller Constanzer Währung zur Landvogtei, zuletzt, als diese an das Erzhaus Österreich gekommen war, zum Landwaibelamt der Land-Vogtei Altdorf (Gehres 420).

Der Kreissteueranschlag war 18 fl. und zur Kreismannschaft stellte die Stadt zu 3 Simplen 21 Mann zu Fuß.

Der Magistrat der Stadt in reichsstädtischer Zeit bestund aus 12 Mitgliedern, nämlich zwei Bürgermeistern, welche jährlich um Georgi ihr Amt wechselten, einem Schultheißen und neun Beisitzern oder Rathsgliedern. Ihm war noch ein Consulent oder Syndicus zugeordnet, welcher zugleich die Stadtschreiberei- und Kanzleigeschäfte versah, bei dem Rathe votum consultativum, bei dem Waisengericht aber decisivum hatte. Dasjenige Collegium, welches die Bürgerschaft vorstellte, wurde der Ausschuß genannt und bestund aus 9 Gliedern. Magistrat und Ausschuß ergänzten sich selbst. Der letztere konnte und mußte bei wichtigen Gegenständen noch 20-30 Personen aus der Bürgerschaft beiziehen, welche aus den Zünften oder Brüderschaften je für den besondern Fall erwählt wurden, also nicht bleibend waren (sogenannte Bürgerdeputation). Niemals hatte die ganze Bürgerschaft das Recht, sich eigenmächtig, ohne besonderen Befehl des Magistrats, zu versammeln (Lexikon von Schwaben 2, 1074). Als eigenthümliche Bestimmung galt bis zu württembergischer Zeit, daß die Bürgersöhne, welche ein Gewerbe treiben wollten, verheirathet sein mußten.

| Im Jahr 1803 durch Reichsdeputationsschluß vom 25. Februar kam die Reichsstadt unter württembergische Herrschaft. Am 28. Juli 1803 wurde letzterer gehuldigt.

Einzelnheiten der Schicksale Weils sind folgende:

Am 23. Dezember 1292 ließ Kaiser Adolph[WS 1] von den hiesigen Bürgern, welche sich widerspenstig bewiesen, die Schuldigsten hinrichten, andere einsperren. Im Jahr 1449, im großen Städtekrieg, belagerte Markgraf Jakob von Baden den 21. Juli und die zwei folgenden Tage die Stadt Weil und verheerte die Umgegend. Hart waren die Drangsale, welche die Stadt im 30jährigen Kriege erlitt; die Pest im Gefolge des Kriegs raffte im Jahr 1635 von Pfingsten bis Weihnachten 621 Personen weg. Im Jahr 1641, am 14. Februar, wurde die Stadt von dem Oberstlieutenant von Rosen, einem der von Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar bestellten Oberbefehlshaber, eingenommen (v. Martens 421); indeß trotzte sie mit Glück den 27. und 28. Januar 1645 einer Belagerung der Sachsen-Weimar’schen Truppen (Gehres 119; über eine angebliche Beschießung am 24. April 1645 s. v. Martens 459). Aber noch in den Tagen des Abschlusses des westphälischen Friedens, als in dem übrigen Theile des jetzigen Württembergs der Krieg schon ruhte, sollte die Stadt erst noch das Härteste treffen; am 20. Oktober 1648 rückten die Franzosen unter dem Herzog von Varennes vor Weil, beschossen die Stadt am 21sten und erstürmten sie am 22sten. Darauf wurde dieselbe, mit alleiniger Ausnahme der Vorstadt, in Asche gelegt, alle in Waffen getroffenen Einwohner wurden getödtet, andere mit dem Vieh weggeführt; damals ging auch das hiesige Archiv zu Grunde. Später ist die Stadt nicht mehr völlig aufgebaut worden. Im pfälzischen Erbfolgekrieg 1688 mußte Weil den Franzosen Eintausend Reichsthaler Brandsteuer zahlen (Gehres 165). Im Spanischen Erbfolgekrieg und im französischen Revolutionskrieg sah Weil der Stadt häufige Truppendurchzüge.

In kirchlicher Beziehung stund Weil in reichsstädtischen Zeiten unter dem Hochstift Speyer.

An der Kirche bestunden in früheren Jahrhunderten eine Frühmesserei und 11 Altarpfründen (Würdtwein, Subs. 10, 337).

Am 30. September 1347 wurde die hiesige Kirche durch Papst Clemens VI. dem Kloster Hirschau, welches das Patronat hierüber hatte, incorporirt; im September 1351 gab Bischof Gerhard von Speyer eine Declaration hierüber. (Gerbert, Hist nigr. silv. 3, 283; vergl. auch die Bestätigung ebend. 295.)

Das bereits erwähnte Augustiner-Eremitenkloster war schon im Jahr 1294 gestiftet; am 8. September desselben Jahres stellten Theodericus | prior et conventus fratrum Heremitarum Ordinis S. Augustini domus in Wila dem Kloster Hirschau eine Urkunde aus, welches damals auf seinem Grund und Boden in Weil ein Bethaus nebst sonstigen Gebäuden zu errichten den Eremiten erlaubte. Das erwähnte Kloster bestund bis 1803, wo sein Gebäude zunächst zur württembergischen Steuereinnehmerei-Wohnung verwendet wurde. Kapuziner wurden im Jahr 1640 hauptsächlich durch die Bemühungen Johann Holzing’s, hiesigen Syndicus, in die Stadt verpflanzt (Gehres 130). Auch ihr Kloster wurde 1803 aufgehoben. Vor Zeiten bestand eine Frauen-Sammlung, welche wenig hervortritt; im Jahr 1308, Januar 12, verkaufte sie all ihr Gut zu Gechingen an Kloster Bebenhausen für 25 Pfd. Heller. (Münchner Codex, Fol. 174.)

Von benachbarten Klöstern waren mehrere hier begütert; das Kloster Hirschau hatte außer der Kirche (s. oben) schon seit dem 11. Jahrhundert Besitzungen; sie waren gleich anfangs so bedeutend, daß das Kloster schon damals einen eigenen Pfleger allhier hatte (frater Benno, qui ibidem – Wile – procurator rerum monasterii fuit. Haymo vita b. Wilhelmi in Act. SS. Boll. Jul. T. 2, S. 159). Später erwarb es noch zu verschiedenen Zeiten Güter, Gülten, 2 Mühlen und Anderes (vergl. Cod. Hirs. ed. Stuttg. S. 48). Kloster Bebenhausen erhielt den 2. Januar 1291 von den hiesigen Schultheißen, Rathmannen und Bürgern Erlaubniß, eine Hofstatt zu kaufen.

Das Kloster Herrenalb war schon im Jahr 1275 hier begütert; am 3. Mai d. J. wurde es von der Stadt von jeder Art Dienstbarkeit und Steuer befreit (Mone, Zeitschrift 1, 487) und ähnliche Freiheitsbriefe in Beziehung auf Steuer, Ungelt und andere Beschwerden erhielt es 1275, Dezember 29, von König Rudolph; 1295, April 13, von König Adolph; 1349, Sept. 16, von Kaiser Karl IV. (Besold 165); 1401, August 7, von König Ruprecht.

Jedes dieser 3 Klöster, Hirschau, Bebenhausen und Herrenalb, hatte hier einen Hof, weßhalb Württemberg schon seit der Reformation einen namhaften Besitz hier hatte. Zur Hirschauer Pflege gehörte namentlich die Hälfte des großen Zehenten von der ganzen Markung, sowie der Vorzehente von einem gewissen Bezirk, deßgleichen der Erbsen-, Linsen- und Wickenzehente.

Das Prediger-Kloster in Pforzheim kommt im Jahr 1373 in Besitz eines hiesigen Hauses vor. (Gehres 27.)

Die lutherische Lehre faßte zu verschiedenen Zeiten hier Fuß, aber nie nachhaltig. Im Jahr 1522 begann Diepold Gerlacher von Billigheim, Augustiner-Ordens, sich der römisch-katholischen Lehre zu widersetzen und lehrte öffentlich, daß weder Maria noch andere Heilige Fürbitter | bei Gott seyn können, daß Christus der einzige Mittler sey und daß es kein Fegfeuer gebe. Das Volk versammelte sich in großer Menge, ihn zu hören. Allein auf drohendes Mandat der österreichischen Regierung in Stuttgart, vom 26. November 1522, ward er bald abgeschafft.

Am Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts war fast die ganze Einwohnerschaft, mit alleiniger Ausnahme von 30 Bürgern (Gehres 113), lutherisch, worüber es zu umständlichen Verhandlungen auch mit dem Hof in Wien kam. Der Rath blieb jedoch katholisch und wußte die Lutheraner, trotz der Verwendung Herzog Friedrich’s von Württemberg und Markgraf Georg Friedrich’s von Baden, von den Gerichts- und Rathsstellen auszuschließen und am Ende die protestantische Lehre ganz aus der Stadt zu verbannen. Auch später wurden Versuche zur Reformation gemacht; 1633 war in der Stadt ein lutherischer „Prädikant" und auch ein deutscher Schulmeister, ja der halbe Rath lutherisch, nach der Einäscherung der Stadt im Jahr 1649 war erneute Absicht vieler Einwohner, das Augsburgische Glaubensbekenntniß einzuführen, doch zerschlug sich dieser Plan später wieder und die Stadt blieb ganz katholisch; nur die jeweiligen Beamten, welche in obigem Klosterhof angestellt waren, bekannten sich zum lutherischen Glauben.

Was die Geschichte der hiesigen Schule betrifft, so ist der älteste bekannte Lehrer magister Walterus, doctor puerorum, im Jahr 1281 Zeuge Abt Kraft’s von Hirschau für den Johanniter-Orden. (Stuttg. Staatsarchiv.)


  1. Der Name wird heutzutage oft irrig als ein Nominativ genommen und Weil die Stadt geschrieben, während er aus einem Dativ verstümmelt ist und für „ze [zu] Weil der Stadt" steht.
  2. Literatur: Gehres, Sigmund Fried., Weil’s der Stadt kleine Chronik. Stuttgart 1808. 8.
  3. In der Pfarrbeschreibung von Weil der Stadt ist die Vermuthung ausgesprochen, daß die gegenwärtige Kirche im Jahr 1648 erbaut wurde.
  4. Das älteste Wappensiegel ist einfach ein einköpfiger Reichsadler; ein solches hängt an einer Herrenalber Urkunde vom 22. November 1272, Mone, Zeitschr. 1, 479.
  5. In einer Kloster Hirschauer Urkunde von 1075 (S. 256) erscheinen villula Blanda in Gemeinschaft mit dem gleichfalls abgegangenen Orte Grekkenbach im Kloster Hirschauer Besitz, ferner in ebendemselben um 1105 vier Jaucharte in villa Blanda, um 1100 die dortige Mühle (Cod. Hirs. 48. 64. 78. 87. 88); einen hiesigen Hof verkaufte Götz, Trutwin’s von Wile Sohn, Kirchherr zu Ostelsheim, am 26. April 1344 für 450 Pfd. Heller an dasselbe Kloster.
  6. Die Plan-Mühle (Bland-Mühle) liegt am Fuß des Plammerbergs (Blandbergs), auf dessen Kuppe noch Wälle einer ehemaligen Burg sichtbar sind. Auch der Rankbach hieß Bland (molendinum juxta fluvium Blanda um 1100. Cod. Hirs. 53, Berg und Bach Bland in Urkunde des Klosters Hirschau. Stuttg. Staatsarchiv).
  7. Die Kirche dieses Orts war früher Mutterkirche, beneficium S. Laurentii in Dalacker, ubi antiquitus fuit parochialis ecclesia in Wila. Würdtw. Subsid. dipl. 10, 338. Auch im Hirschauer Codex kommt Talacker unter den Orten vor, wo das Kloster Güter erhielt (Cod. Hirs. 65. 90), und ebendaselbst seit ungefähr 1100 Herren von Talacker: Reginboto, Marcolf und Adalbert (ebendas. 38. 42, 99).
  8. Urkunden bei Lünig 14 b., 587-613.
  9. Die Urkunde Kaiser Sigmund’s vom 1. April 1418 ist nach Aschbach, Kaiser Sigmund 2, 478, unächt.
  10. In späterer Zeit durfte die Reichsstadt freie Pürschgerechtigkeit nur auf das kleine Gewild ausüben, weil die große Jagd gegen Erlassung des Brennholzzolls vertragsmäßig an Württemberg überlassen worden war.
  11. f) Glafey, Anecd. 420. Juden kommen übrigens schon 1282 hier vor, Cleß C, 678.
  12. Am 4. Juli 1360 hatte Kaiser Karl IV., um das Bauwesen in Weil der Stadt zu unterstützen, der Stadt wegen ihrer getreuen Dienste, den Theil des Ungelts überlassen, der ihm und dem Reiche gehörte und den die edeln Grafen Eberhard und Ulrich von Württemberg inne gehabt hatten (Glafey, Anecd. 334) und am 13. März 1373 hatte derselbe Kaiser der Stadt auf die nächsten 10 Jahre das Ungelt übergeben und ihr erlaubt, ebensolange einen Zoll zu setzen, die bisher steuerbaren Güter in ihrer Mark noch künftig zu besteuern.
  13. Die Namen der damals gefallenen Weil der Städter wurden, so lange Weil Reichsstadt war, jährlich am Sonntag vor Bartholomäi in der Kirche des Augustiner-Eremitenklosters von der Kanzel verlesen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. WS: richtig: König Adolph
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