Beschreibung des Oberamts Leutkirch/Diepoldshofen

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c. Gemeinde 5. Diepoldshofen,
bestehend aus 9 (11) Parzellen auf 8 Markungen, mit 547 katholischen Einwohnern. Dieser wohl arrondirte Gemeindebezirk stößt westlich an die Oberämter Wangen und Waldsee. Sein Terrain ist verschieden; das hier ziemlich erweiterte| Achthal zieht mitten hindurch, links von der Ach erhebt sich der hoch ansteigende Diepoldshofer Wald, rechts breitet sich ein niedriges, mit unzähligen kleinen, meistens bewaldeten Hügelgruppen besetztes Gelände aus. Durch dieses fließt der Rothbach (die sogenannte Gebratzhofer Roth), welcher unweit Riedlings in die Ach mündet. Weiher und Seen hat dieser Bezirk nicht. Der Boden in den Niederungen ist ziemlich sumpfig, daher die Thalwiesen meist saures Futter liefern. Das Ackerland gehört zu den mittleren der Gegend. Diepoldshofen selbst ist nicht vereinödet; im Jahr 1817 wollte die Gemeinde den Versuch machen, aber die Einzelnen konnten sich nicht vereinigen. Die Parzellen 5, 7, 8 vereinödeten von 1788–1799, Hünlishofen 1811, die übrigen sind einzelne Höfe von Alters her. Viehzucht und Feldbau sind Hauptnahrungsquellen; von Gewerben ist kein einziges erheblich, mit Ausnahme einer lebhaft betriebenen Mahlmühle. Sonst sind zu bemerken: 1 Öl-, 1 Sägmühle und 1 Schildwirthschaft. Die Bewohner haben übrigens das Lob des Fleißes; sie beschäftigen sich in den Wintermonaten stark mit Spinnen. Der Wohlstand ist ein mittlerer. Mitten durch den Bezirk führt die Straße von Leutkirch nach Wurzach. Von jeher bildete die Gemeinde (früher Gericht „oberes Thal" genannt) einen Bestandtheil der Grafschaft Zeil, und hatte keine eigene Geschichte. Ihre Bewohner sind dem Grundherrn, dem Fürsten von Zeil, falllehenbar, mit Ausnahme eines dem Fürsten von Wurzach zuständigen Lehengutes, welches von dem Frauenkloster zu Wurzach herrührt. Der Pfarrkirche und Schule zu Diepoldshofen sind nur der Hauptort selbst und die Höfe 2, 4, 9 und von Hünlishofen 2 Höfe rechts vom Rothbach zugetheilt; nach Arnach, Oberamts Waldsee, gehören 3, 5, 6 und 8, nach Willeratzhofen 7. Groß- und kleinzehentberechtigt ist die Pfarrstelle Diepoldshofen in 1, 2, 3 (theilweise), 5 (theilw.), 6 (theilw.), 9; die Pfarrei in Arnach in 3 (theilw.), 5 (theilw.), 6 (theilw.) und 8.| Die Pfarrei in Willeratzhofen in 7. Die fürstliche Rentkammer in Zeil in 4. Die Parzellen sind: 1) Diepoldshofen, kathol. Pfarrdorf mit 234 Einwohnern, im Thal der Ach, zu beiden Seiten derselben, an der Straße von Leutkirch nach Wurzach, 1¾ g. Stunde von ersterem Ort und 1½ vom Amtssitz Zeil entfernt. Die Pfarrkirche zum heil. Johannes dem Täufer ist ein sehr einfaches Gebäude, dessen Baulast dem Kirchenfond, subsidiarisch dem Dezimator und der Pfarrgemeinde obliegt. Der Kirchenfond hat 4300 fl. Kapital, und an jährlichen Einnahmen: 52 fl. 20 kr. Grundzins, Pacht etc., und 8 Schffl. Dinkel, 9 Schffl. 7 Sri. Haber Gült. Das Patronat steht dem Fürsten zu, der ein Vogtrecht von 70 fl. und 68 Vrtl. Haber bezieht. Nach der früheren Eintheilung gehörte die Pfarrei zum Landkapitel Isny. Der Schulsprengel coincidirt auch hier mit dem Pfarrsprengel; das Schulhaus wurde 1812 neu erbaut. Über die zum Theil hieher gehörige Öttle’sche Stiftung s. Schloß Zeil. – Der Ort scheint schon 1150 genannt zu werden, in welchem Jahr das Kloster St. Blasien dem Kloster Elchingen unter andern auch praedia zu Diepelzhofen übergibt (Gerbert, Hist. Silv. nigr. III. S. 76). Dipoltishofen erscheint in der, von Herzog Welf dem Kloster Weingarten ausgestellten Stiftungsurkunde von 1090, mit einem Gut, das dem Kloster daselbst gehöre, wenn anders hierunter nicht Ober- oder Unter-Diepoldshofen im Oberamt Ravensburg zu verstehen ist. Sicherer ist die Nennung unseres Diepoldshofen in dem Verzeichniß der Stiftungsgüter des Klosters Roth, welches die Bulle Papsts Eugen III. vom Jahr 1152 aufführt (Diepoldeshofen, s. Stadelh. I. S. 46). Ein Ulrich von Diepoldshofen erscheint in Urkunden des Jahres 1126 und 1179, und ein Konrad als praepositus des Klosters Weingarten (Hess. Monum. S. 75) im Jahr 1241, woraus sich das Alter des Orts, sowie das Daseyn eines ehemaligen adeligen Geschlechts daselbst ergibt. Nach alter Sage soll Diepoldshofen sogar eine Stadt gewesen seyn, und eben daher die Häuser über der Ach die Vorstadt genannt werden. Auch war hier bis gegen das Ende des 17. Jahrhunderts eine Reichspost, welche dann nach Leutkirch verlegt wurde. Durch die Drangsale des 30jährigen Kriegs kam der Ort so sehr herab, daß von 1630 bis 1671 kein eigener Pfarrer sich hier aufhalten konnte, sondern die Pfarrei von Reichenhofen aus versehen werden mußte. Erst gegen 1650 wurde die niedergebrannte Kirche und ungefähr 20 Jahre später das Pfarrhaus wieder aufgebaut. Im Jahr 1756 ließ hier Graf Franz Anton von Zeil eine Salzniederlage und Faktorie für das aus Bayern eingeführte Salz errichten. 1786 wurde das Gebäude, welches an der Wurzacher| Straße rechts der Ach lag, vergrößert; in neuerer Zeit aber abgebrochen.

2) Bodenhaus, Hof mit 12 Einwohnern, auf der Höhe über dem Diepoldshofer Wald.

3) Hünlishofen, Weiler und 2 einzelne Höfe mit 70 Einwohnern, am Rothbach. Einige hundert Schritte südwestlich liegt ein runder Hügel, der Burgbühl genannt, mit den Spuren eines alten Schlosses, von welchem keine nähere Nachricht mehr gegeben werden kann. Vielleicht, daß die Herren von Diepoldshofen hier ihren Sitz hatten. Auch war in der Nähe ein der Stadt Wurzach gehörig gewesener Weiher, welchen die Herrschaft Zeil im Jahr 1678 um 415 fl. erkaufte und in Wiesboden verwandelte.

4) Ober-Burkhardshofen, Hof mit 6 Einwohnern, mit Unter-Burkhardshofen auf Einer Markung. Auch hier stand in alten Zeiten eine Burg; und noch jetzt ist ein Grundstück in der Nähe derselben zehentfrei. Das Kloster Waldsee bezog hier einige Gefälle, die aber 1662 von Zeil ausgetauscht wurden.

5) Riedlings, Weiler mit 72 Einwohnern, nebst Weißenbauern, 2 Höfen mit 12 Einwohnern, auf einer freien Ackerfläche nahe an der Wurzacher Straße gelegen, mit einer Kapelle. Riedlings ist ein sehr alter Ort. Schon 1043 erwirbt das Kloster Petershausen durch Schenkung eines Erimbert und seiner Gattin Irmengard Güter in Ritilines im Nibelgau (Chron. Petersh. bei Ussermann Prodr. I. S. 328). Bei dem Verkauf der Petershauser Güter im Jahr 1491 an die Truchseßen von Waldburg behielt sich das Kloster die Einkünfte und Gefälle in Riedlings ausdrücklich vor, und zog sie nach Röthsee (s. Oberamts-Beschr. v. Wangen S. 254). Erst später kamen auch diese Einkünfte an das Haus Waldburg; wann und wie ? konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden.

6) Rimmeldingen, Hof mit 4 Einwohnern, an der Wurzacher Straße.

7) Stegroth, Weiler mit 41 Einwohnern, nebst Rast, Hof mit 16 Einwohnern. Stegroth liegt am Rothbach und an der Gränze des Oberamts Wangen.

8) Übendorf, Weiler mit 71 Einwohnern[1], früher auch Jebendorf geschrieben, liegt zwischen Hügeln eingedeicht, an der Gränze der Oberämter Waldsee und Wangen.

9) Unter-Burkhardshofen, Hof mit 9 Einwohnern, war früher ein Österreichisches Lehen, das der Graf Franz Anton austauschte, und zu einem Waldburgischen [216] Senioratslehen machte.[2]


  1. Eine Parzelle Schäpfen, welche die topographische Karte zwischen hier und Arnach ansetzt, findet sich in der Wirklichkeit nicht.
  2. Österreich besaß verschiedene Lehengüter in den Truchseß-Waldburgschen Gebieten, die gegen ein Lehen eingetauscht wurden, welches Österreich in der Grafschaft Tettnang von dem Hause Waldburg inne hatte, den Groß- und Kleinzehenten zu Ober-Meckenbeuren und den Reichhardshof daselbst. Jedes der Waldburgschen Häuser übernahm dann durch besondere Convention von dem Seniorat die Güter wieder zu Lehen, die es von Österreich erworben, und die in eines jeden Gebiet gelegen waren. Diese Verträge sind vom J. 1785.