Beschreibung des Oberamts Münsingen/Kapitel A 3

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III. Natürliche Beschaffenheit.


1.) Gebirge und Berge.

Das Oberamt, das, wie schon bemerkt worden, ganz der Alp angehört, ist sehr bergig. Obgleich der größte Theil auf dem Alprücken selbst liegt, so sind doch auf diesem wieder so viele Hügel und Berge aufgesetzt, daß selten eine regelmäßige Ebene gefunden wird.

Die bedeutendsten Berge und Hügel sind:

1) Die Buchhalde bey Dottingen. Sie ist 2679 Par. oder 3038 W. Fuß hoch, und der höchste bekannte Punkt des Oberamts. Die Aussicht beherrscht nicht nur einen großen Theil der Alp, sondern man erblickt auch den Bussen und bey günstiger Witterung die Schneegebirge.

2) Der Eisenrüttel, ebenfalls bey Dottingen und in der Nähe der Buchhalde. Seine Spitze ist 2510 P. oder 2847 W. Fuß hoch; der Berg ist merkwürdig als ein Hauptfundort des Basalts; seinen Namene hat er von einem Bergwerke, das vor Alters da angelegt wurde. S. u.

3) Der Sternenberg bey Gomadingen. Er erhebt sich in Kegelgestalt an der rechten Thalseite der Lauter, 2584 P. oder 2950 Würt. Fuß über die Meeresfläche und 615 W. Fuß über die Lauter. Sein Scheitel ist bewaldet, abwärts ist er mit Wiesen und gebautem Felde bedeckt. Ein merkwürdiger Wall von mächtigen Kalksteinfelsen, der nur nach Norden geöffnet ist, zieht sich um seine Stirne her, und gibt dem Berge ein vulkanartiges Aussehen. In der Mitte des Kessels entspringt, nur 60 Schuh unter der Spitze des Bergs, eine klare Quelle; am Fuße hat die Lauter ihren Ursprung. Wahrscheinlich befinden sich außer der erwähnten Quelle noch mehrere verborgene Wassersammlungen um den Berg; denn die Parnassia palustris, eine Pflanze, die sonst nur auf sumpfigem Boden| wächst, kommt häufig an demselben vor. Die Merkwürdigkeit des Berges wird durch den schönen Flözdolomit, der sich daran findet und durch das Vorkommen des Basaltes vermehrt, wovon später noch die Rede seyn wird. Die Aussicht von dem Berge ist durch seine starke Bewaldung gehemmt.

4) Der Ortbuch, eine halbe Stunde östlich von Grafeneck. Er übertrifft die vorigen, wenn nicht an Höhe, doch an Aussicht, welche einen großen Theil der Alp und von Oberschwaben beherrscht und bis auf die Tyroler- und Schweizer-Alpen reicht. Ein, nun abgebrochenes, weißes Häuschen, das der Herzog Karl dahin hatte bauen lassen, war im fernen Algäu sichtbar.

5) Das Roßhäuptlein zwischen Ödenwaldstetten und Maßhaldersbuch, ein nicht bedeutender, steiniger Hügel, der 2529 P. Fuß hoch ist, und eine weite Aussicht, eine Aussicht, die bis auf die Schneegebirge reicht, gewährt. Auf seiner Spitze steht ein großes Kreuz.

6) Der Hungerberg, oder Hunnenberg bey Münsingen. Er ist weder durch Höhe noch Aussicht, dagegen aber dadurch merkwürdig, daß er die Wasserscheide zwischen der Donau und dem Rhein bildet und dem Städtchen Münsingen all’ sein Quellwasser liefert, so wie durch die Sage, daß einst Attila darauf gelagert haben solle. Der Berg ist ganz unbewaldet, zum Theil angebaut.

7) Heroldstatt – Heerdstetten, bey Enabeuren. Unter diesem Namen begreift man einen erhabenen Bezirk, der bey einer Höhe von 2632 Par. Fuß zu den höchsten Landstrichen des Oberamts und der Alp überhaupt gehört. Wegen der weiten und freien Aussicht, die er gewährt, ist er auch zu Errichtung eines trigonometrischen Haupt-Signals gewählt worden. Man übersieht da einen großen Theil der Alp, fast ganz Oberschwaben, eine weite Strecke von Baiern und die ganze Kette der Tyroler- und Schweizer-Schneegebirge. S. II. Abthl.

8) Der Emerberg bey Emeringen, ein waldiger, halbkugelförmiger Berg, nahe an der Donau, wo man wieder| eine ausgebreitete Aussicht hat. Er gehört zum Theil zu der Markung Zwiefaltendorf.

Anderer untergeordneter Punkte wird in der topographischen Abtheilung noch erwähnt werden. Zu den höchsten Punkten gehört auch noch der Berg Stetten bey Feldstetten.

2. Thäler.
a. bewässerte Thäler.

Das Oberamt enthält mehrere Thäler, wovon aber nur drey von einiger Bedeutung sind, in welche zugleich alle übrigen einmünden. Diese Thäler, welche alle drey in das Donauthal ausmünden, und ihre Namen von den durch dieselben laufenden Flüßchen haben, sind:

1) Das Lauterthal.

Das bedeutendste Thal des Oberamts. Es beginnt mit dem Ursprung der Lauter bey Offenhausen und endet, von Nordost nach Südost streichend an der Donau unterhalb Lauterach im Oberamt Ehingen.

Das Thal macht mannichfaltige, jedoch nicht sehr bedeutende, Krümmungen. Seine Länge beträgt mit Einrechnung der Krümmungen 81/9 Würt. oder 63/5 schwäbische Reisestunden; seine Breite ist sehr verschieden, im Ganzen ist das Thal sehr enge und seine größte Breite steigt nirgends auch nur auf 1/2 Viertelstunde. Das Thal ist ziemlich tief eingeschnitten, doch, wie fast alle südlichen Thäler der Alp, minder tief, als die nördlichen, in das Neckarthal auslaufenden Thäler. Es gehört zu den sehenswerthesten Thälern des Landes, sowohl in Rücksicht auf Naturschönheiten und Merkwürdigkeiten, als insbesondere auch in Rücksicht auf die vielen Schlösser, Burgen und Ruinen, die sich darin finden, und deren man nicht weniger als 14 darin zählt, ohne die Ruinen eines Klosters und die geringen Überreste von 5 weiteren Burgen zu rechnen.

Im Allgemeinen ist der Charakter des Thals wildromantisch: majestätische Felsen – stumme Zeugen vergangener| Jahrtausende, zerfallene Burgen untergegangener Geschlechter und dunkle Waldgebirge wechseln überraschend mit friedlichen und anmuthigen Naturscenen fast bei jedem Schritte ab. Je weiter man abwärts kommt, desto merkwürdiger wird das Thal, bis es am Ende zwischen Felsen so eingeengt ist, daß neben dem Flusse auch nicht ein Fußpfad mehr Platz findet. Häufig verschieben sich die beyden Gebirgsseiten so ineinander, oder rücken sich so nahe, daß man das Thal für geschlossen hält, und oft wirklich auch nur durch eine enge Felsenpforte einen Ausgang findet. Merkwürdig ist insbesondere auch der quer über das Thal von einer Bergwand zur andern laufende und von dem Flusse durchbrochene Felsengrat bei Weiler. Die Reize und Schönheiten des Thals werden noch durch mehrere Wasserfälle, hier Giesel genannt, vermehrt, wovon einer „der hohe Giesel“ zwischen Schiltzburg und Unterwilzingen, ein anderer unterhalb Wilzingen und noch mehrere zwischen Reichenstein und der Laufenmühle, der schönste aber bey der Laufenmühle selbst sich befinden, welche ohne Zweifel wie die meisten gleichbenannten Orte von dem Falle den Namen hat.

Von Offenhausen zählt man, die Schlösser abgerechnet, 16 Orte in dem Thale, wovon 14 zu dem Münsinger Oberamt gehören.

Da auch die Lauter, wie fast alle unsere Donau-Einflüsse, auf vielen Strecken wenigstens, nur einen geringen Fall hat, und überdieß zur Wässerung benutzt wird, so ist das Thal häufig unter Wasser gesetzt, und von Schiltzburg an abwärts ist in der Regel schwer darin fortzukommen.

Große Fruchtbarkeit herrscht nicht im Thale; das Thal ist zu eng, seine Lage zu hoch, als daß es sich in dieser Beziehung auszeichnen könnte.

Seine mittlere Höhe übersteigt die – der nördlichen Thäler, namentlich des Echatz- und Ermsthals um 500 Fuß; Wiesen sind die Hauptsache darin, an Weinbau ist, wie in dem ganzen Oberamt nicht zu denken; selbst die Obstzucht ist, mit wenigen Ausnahmen, unbedeutend darin.

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Nebenthäler von dem Lauterthale.
a) Das Gächinger Thälchen.

Es zieht ziemlich flach von Gächingen her und vereinigt sich bey Gomadingen mit dem Lauterthale, wovon es eigentlich den ersten Anfang bildet.

b) Das Steingebronner Thälchen.

Es läuft, von Steingebronn herziehend, ebenfalls bey Gomadingen ein, und ist wie das vorige, von einem Bächlein bewässert und mit Wiesen bedeckt.

c) Das Grafenecker Thälchen.

Dieses Thälchen, das von dem Schlosse Grafeneck herab läuft und sich unterhalb Marbach anschließt, ist das bedeutendste, wenn gleich nicht das längste, Seitenthälchen des Lautergebiets. Mit einem lieblichen Wiesengrunde bedeckt, von der kleinen Lauter bewässert, einer gut gebahnten mit Kirsch- und Vogelbeerbäumen besetzten Straße durchzogen, und auf beiden Seiten von stillen Wäldchen begränzt, zwischen welchen das freundliche Jagdschloß äußerst lieblich herab schaut, macht es einen äußerst angenehmen Eindruck. Von Grafeneck an zieht das Thälchen in 2 Ästen weiter aufwärts, wovon der links hinziehende Ast unter dem Namen Baumthal (Bauntelteich) sich bis in die Nähe von Münsingen erstreckt, dessen Wasser bey Regengüssen dadurch abläuft.

d) Das Blankensteiner Thälchen.

auch Bruntel (Brunnenthal) genannt, ein kleines aber anziehendes Thälchen auf der rechten Lauterseite, das von einem krystallenen Bächlein bewässert, von dem Fuße der zerfallenen Burg Blankenstein nach Wasserstetten herabzieht. Die weitern Seitenthäler sind alle ohne Wasser und Anbau, wild, felsig und eng, mehr Schluchten als Thäler.

2) Das Achthal.
Es hat seine Ausmündung in das Donauthal bey Zwiefaltendorf, und zieht von da mit dem Lauterthal gleichlaufend,| über Zwiefalten nach Ehrenfels hinauf, von wo es in verschiedenen Ästen und unter verschiedenen Benennungen in dem Gebirge sich verliert. Als regelmäßiges Thal stellt es sich nur von Zwiefaltendorf bis gegen Wimsheim, in einer Länge von 2 kleinen Stunden dar. Seine mittlere Breite ist etwas stärker, als die des Lauterthals. In seiner Fortsetzung, von Wimsheim aufwärts, wird es ganz eng, unregelmäßig und wild. Diese Fortsetzung ist von dem untern Thal, dem eigentlichen Achthal, durch eine auffallende Felsenkluft bey Wimsheim, wo auch die merkwürdige Friedrichshöhle sich befindet, und durch steile Abgründe, über welche das junge Flüßchen brausend und schäumend sich hinabstürzt, geschieden. Der merkwürdigste Theil davon ist das Glasthal, das von Altehrenfels in einer Strecke von etwa 1/2 Stunde sich aufwärts zieht und durch seine wilde, abgeschiedene Felsen-Natur, durch Höhlen und Grotten und durch zwey Felsenpforten, welche es wie zwey Thore an beiden Enden schließen, sich auszeichnet. Das Thal hat seinen Namen von einer Glashütte, welche in früherer Zeit darin stand.

Die im Achthal gelegenen Orte sind: Kloster Zwiefalten, Bach und Attenhöfen, wozu dann außerhalb der Oberamts-Gränze noch Zwiefaltendorf, in der Mündung des Thals gelegen, kommt. Die untere Hälfte des Thals ist mit schönen, zum Theil jedoch sehr sumpfigen, Wiesen bedeckt; Obstbäume sieht man noch weniger als im Lauterthale.

Nebenthäler des Achthals.

Das Kesselthal ist das einzige bemerkenswerthe Seitenthälchen. Es führt seinen Namen von dem Kessel, aus welchem die zweyte Ach kommt, hat einen schönen Wiesengrund und läuft bey Zwiefalten in das Achthal ein.

3) Das Schmichenthal.

Da dieses Thal größtentheils zum Oberamt Ehingen gehört, so wird es am schicklichsten dort beschrieben werden.

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b. trockene Thäler.

Das Oberamt ist von einer Menge trockener Thäler und Einschnitte durchfurcht; wir bemerken:

1) aus dem Lautergebiet:

Das Baumthal, das oben schon genannt worden; das Ehestetter Thal, zwischen Derneck und Ehestetten; das Hayinger Thal, durch welches die Straße aus dem Lauterthale von Indelhausen nach Hayingen führt.

2) Aus dem Achgebiete:

Das Weidenthal, das von Maßhaldersbuch hinzieht; das Kohlthal bei Pfronstetten, und das Tiefenthal, über welches die Zwiefalter Landstraße von Aichelau nach Aichstetten geht.

3) Aus dem Schmichengebiet:

Das Heuthal, das von Münsingen gegen Bremelau zieht, und unterhalb Sondernach, wo endlich eine Quelle zum Vorschein kommt, in das Schmichenthal einlauft; das Böttenthal, das vom Hardt aus an Böttingen vorbey, und ebenso das Mühlthal, das von Magolsheim her und mit dem vorigen, so wie mit einem dritten, zwischen beyden herziehenden Thale vereinigt, nach den Springen- oder Gundershofer Mühlen, somit wieder in das Schmichenthal hinläuft.

3. Ebenen, Bezirke mit besondern Namen.

Bedeutende Ebenen hat das Oberamt nicht, aber abhängige und hügelige Flächen hat es mehrere von ziemlicher Ausdehnung, z. B. zwischen Justingen und Magolsheim; um Hayingen; auf der sogenannten Zwiefalter Alp, von Aichstetten bis Huldstetten – Hochflächen, die größtentheils mit Getreidefeldern bedeckt sind.

Bezirke mit eigenen Namen sind: die Zwiefalter Alp, eine politische Benennung, worunter man den vormals Kloster Zwiefaltischen Antheil an der Alp begriff, von Aichelau und Oberstetten bis gegen Zwiefalten hin.

Die Münsinger Alp, gleichfalls eine politische, auf den alten Münsinger Amtsbezirk sich beziehende Benennung.

| Die rauhe Alp, eine geographische und natürliche Benennung, deren Begriff aber, so wie der von der vordern und hintern Alp so verschieden genommen wird, daß er durchaus keine feste Bestimmung zuläßt.

Das Hardt, ein in seinem dermaligen Zustande rauher, hügeliger, übrigens durchaus nicht steiniger, sondern meist mit einer schwarzen Pflanzenerde bedeckter Bezirk, zwischen Münsingen und Feldstetten. Der Name Hardt und Herdt kommt auch anderwärts vor, und bezeichnet gemeiniglich eine harte und rauhe Gegend; das Münsinger Hardt gehört zu den kältesten und rauhesten des ganzen Königreichs, und wirkt sehr nachtheilig auf die Nachbarschaft, theils durch den lange liegen bleibenden Schnee, theils durch die immer daraus aufsteigenden Nebel. Es umfaßt einen Flächenraum von ungefähr 4600 Morgen, also von einer starken Quadratstunde, und ist von den Dörfern Auingen, Böttingen, Magolsheim, Enabeuren, Feldstetten, Zainingen, Gruorn und Trailfingen begränzt. Seine Fläche ist theils mit Wäldern, theils und hauptsächlich mit Holzwiesen oder Mähdern und Weiden bedeckt. Es ist weder ein Gebirg oder Berg, noch eine Ebene, sondern, wie schon bemerkt worden, eine hohe, hügelige Fläche, mit Berg und Thal, Ebenen und Schluchten abwechselnd. Der Bezirk ist wasserarm, und nur auf seinen beiden Gränzen, gegen Böttingen und Zainingen, findet man Quellen, den Schwendebrunnen und den Engelbrunnen, die aber beide gern versiegen. Ein dritter Brunnen findet sich außerhalb der Gränze, auf Böttinger Markung, der sogenannte Schloßbrunnen, welchen der Verein für Pferdezucht neuerlich wieder aufgegraben hat. S. Böttingen. Außer Holz und Futter liefert das Hardt viele Haselnüsse und Schnecken.

Die Mähder sind Privateigenthum von Einwohnern mehrerer angränzenden Orte, Wald und Weide aber waren hisher ungetheiltes Gemeindeeigenthum von 5 Orten, den sogenannten Hardtorten, jedoch so, daß der Bezirk eigentlich zu Münsingen gehörte und auch dahin steuerte. Die 5 Hardtorte sind: Münsingen, Auingen, Böttingen,| Trailfingen und Gruorn. Diese Orte bildeten bisher durch ihre Ortsvorsteher unter dem Vorsitze des Oberamtmanns ein gemeinschaftliches Hardtgericht, welches sich zu Münsingen, in der Hardtstadt versammelte, Streitigkeiten im Hardt entschied, den gemeinschaftlichen Holzschlag ordnete, den Anfang und die Dauer der Mähder-Heuernte festsetzte und die Zeit des offenen Weidgangs bestimmte. Die Holznutzung war so vertheilt, daß der Hardtstadt die Hälfte, den 4 Hardtflecken aber die andere Hälfte, je zu gleichen Theilen davon zukam; seit 1823 aber sind die Waldungen behufs einer bessern Bewirthschaftung unter die 5 Hardtorte für immer vertheilt. Die Mähder werden einmal abgemäht, dann von den Hardtorten beweidet.

Während der Heuernte wimmelt es von Menschen im Hardte. Die Weide ist vortrefflich, und wird hauptsächlich für das Schmalvieh benutzt. Jede Hardtgemeinde hält ihre besondere Hardtheerde Schmalrinder und Jährlinge (Reiber). Die Münsinger Heerde hat das Vorrecht, auch in dem Hardte zu übernachten, und bleibt deßwegen immer draußen, bis der ganze Weidegang beendigt ist. Das junge Vieh, welches auf diese Art sehr rauh erzogen wird, wird eben deßwegen, trotz seiner Unscheinbarkeit gern gekauft.

Es ist zu erwarten, daß bei der oben bemerkten Wäldervertheilung wenigstens die Holzcultur gewinne; andern Culturen aber ist das Weiderecht hinderlich, welches auch die Holzcultur befeindet und die Wiesen auf Eine Mahd beschränkt. Der Herzog Carl, der sich um die Cultur des Vaterlandes so mannichfaltig verdient gemacht hat, wollte gegen das Ende seiner Regierung auch noch das Hardt anbauen und Höfe darin anlegen: allein die Sache fand Schwierigkeiten und unterblieb.

Historisch ist das Hardt mit seiner Verwaltung eine merkwürdige Erscheinung, indem sich darin unläugbar noch ein Überrest der uralten Markgenossenschaft findet, womit die Cultur unsers Vaterlands begonnen hat. [1]

| In frühern Zeiten machten auch Enabeuren und Zwiefalten Ansprüche auf das Hardt. Ersterem wurde das Weiderecht von K. Ferdinand im Jahr 1532 abgesprochen; mit letzterem dauerte der Streit von 1467 bis 1726, wo das Hardtgericht dem Kloster seine Ansprüche, die den sogenannten Achenbuch, einen Hardtbezirk von einigen hundert Morgen betrafen, mit 700 fl. abkaufte.


4. Erdfälle und Höhlen.

Erdfälle findet man fast überall im Oberamt, so weit es sich über das Hochland erstreckt, und zum Theil selbst in den Niederungen, sogar in den Ortschaften selbst, wie in Feldstetten, Sontheim etc.; am häufigsten kommen sie zwischen Sontheim und Laichingen und im Hardt vor. Sie sind oft so tief, daß man ein Haus hineinstellen könnte, übrigens in der Regel trichterförmig.

Höhlen gibt es ebenfalls nicht wenige in dem Oberamte. Das Lauterthal ist voll davon, ebenso beobachtet man auch in dem obern Achthal und in andern Thälern, besonders in dem Glasthale, mehrere Höhlen, und mehr noch, als sich beobachten lassen, liegen ohne Zweifel im dunkeln Schoße des Gebirgs verborgen. Unter den bekannten sind die bedeutendsten:

1) das Sontheimer Erdloch. Diese Höhle ist nächst der Nebelhöhle die ansehnlichste in Würtemberg; wie von jener wird deßwegen auch von ihr in der Beylage ein genauer Grundriß geliefert.[2]

| Die Höhle liegt auf der Markung von Sontheim, 1/2 Stunde von dem Dorfe und eben so weit von Enabeuren, in dem obern Theil des Tiefenthals. Fremde, welche sie besuchen wollen, finden in den beyden genannten Orten Führer. Der Eingang der Höhle öffnet sich an der sogenannten Kohlhalde, ungefähr 1/3 der Höhe des Berges. Die Öffnung ist ungefähr 40 Fuß hoch und 25 Fuß breit. Einige alte Buchen am obern Rande umklammern dieselbe bogenförmig mit ihren Wurzeln, und beschatten im Sommer den Eingang. Rechts neben dieser großen Öffnung zeigt sich noch ein kleines, nur einige Fuß weites, rundes, senkrecht hinabgehendes Loch, welches sich aber sogleich wieder mit dem Schlunde vereinigt, in den die große Öffnung führt.

Von dieser Öffnung (auf beyliegendem Grundrisse bey A) geht es sehr steil abwärts auf einem steinigen Wege. Die Böschung dieser Einfahrt gegen den Horizont mag 40 – 45° betragen; die Höhe und Breite des Schlundes nimmt zu, je weiter man hinabkommt, und nach 45 – 50 Schritten sieht man sich in den Raum eines weiten Gewölbes versetzt, das gleichsam die Vorhalle der Höhle bildet, und in welches von oben herab durch die große Öffnung noch das Tageslicht fällt.

Diese Vorhalle ist 55 – 60 Schritte lang, und 20 – 25 breit. Ihr Höhe mag an 40 Fuß steigen. Der Felsen, der dieses Gewölbe bildet, ist theils glatt, von gelblich weißer Farbe, theils mit grünem Moos bewachsen, und an manchen Stellen bröcklich und verwittert. Obgleich schon hier stets eine Menge Wassers von der Decke herab tröpfelt, so zeigen sich doch noch nirgends Stalaktiten oder Tropfsteingebilde.

In der Halle öffnen sich rechts und links zwey Seitenklüfte; die erstere (a) gleicht einem Backofen, ist anfangs 4 – 5 Fuß hoch, 10 – 12 Fuß breit, und 32 Fuß tief, setzt aber wahrscheinlich in unzugängliche Tiefe weiter fort;| die zweyte (bey b) ist 8 – 10 Fuß breit, und 10 – 15 Fuß tief, und zieht sich, einem Kamin ähnlich, in die Höhe. Die Haupthöhle zieht sich nordwestwärts; das Tageslicht verschwindet, während das große Gewölbe der Vorhalle sich allmählich erniedrigt, und die Seitenwände sich zusammenziehen, so, daß die Vorhalle (bey c) unmerklich in einen Bogengang übergeht, dessen Länge bis D ungefähr 40 Schritt, die mittlere Breite 6 Schritt, und die Höhe abwechseln 8 – 12 Fuß beträgt. Bey C ist der Gang noch 12 Schritt breit und 15 Fuß hoch. Hier beginnen nun nach und nach Stalaktiten und Tropfsteinbildungen in den seltsamsten, bewunderungswürdigsten Gestalten sichtbar zu werden; so erblickt man z. B. bey d in einer Seitenkluft einen sitzenden lauernden Hund mit hohlen Augen, der wie Cerberus am Eingang in die Unterwelt Wache hält; rechts, bey e, bemerkt man eine Gruppe größerer und kleinerer Tropfsteinmassen, von länglichrunden Formen, die einem Haufen schlafender Thiere, eine darunter einem Bären ahnlich sind. An den Wänden rings umher bilden die Kalksinterungen Orgeln, Gallerien und Zierrathen, die mit denjenigen sehr viele Ähnlichkeiten haben, die man an gothischen Gebäuden findet. Verschiedene Beleuchtung bringt hier überall mit Hülfe der Einbildungskraft die abenteuerlichsten Gestalten hervor. Bey D zur Linken ist an der Wand eine Tropfsteinbildung, der die Phantasie leicht die Gestalt eines Greises mit langem weißem Barte, in betender Stellung leiht.

Bey D erweitert sich der Bogengang allmählich zu einem länglichen Gemache, das sich westwärts zieht, ungefähr 16 Schritt lang und 10 breit ist, und dessen Deckengewölbe sich ungefähr 20 – 25 Fuß vom Boden erhebt. Die Felsenwände sind mit nassem Kalksinter überzogen, und mit Kalkspathkrystallen besetzt, die im Scheine der Fackeln einen schimmernden Glanz von sich werfen; Tropfsteinformen der mannichfaltigsten Art zieren auch dieses Gemach.

Bey f kommt man an eine enge niedrige Pforte, welche durch die Felsenwand gebrochen zu seyn scheint, und| wo gerade noch eine Person hindurchzugehen Platz hat. Unmittelbar darauf folgt ein fast senkrechter, mit Kalksinter überzogener Felsen von beyläufig 8 Fuß Höhe, über welchen man hinabsteigen oder klettern muß.

Unten sieht man sich in ein kleines kellerartiges Gewölbe versetzt, (E), dessen Boden, ein feiner Thon, sehr naß und schlüpfrig ist, und dessen Höhe 15 – 18 Fuß, die Länge aber 8 – 9 Schritt und die Breite mit seinen beyden Seitenhöhlen, die in engen Verklüftungen endigen, 20 – 25 Schritt beträgt. An dem Deckengewölbe der Seitenhöhle, gegen Westen, geht, wie ein Kamin, eine Öffnung aufwärts, ohne daß ein Ende abzusehen wäre.

Von hier aus steigt der Boden wieder Berg an; die Seitenwände verengen sich wieder, und durch einen Bogengang von 5 – 6 Schritt gelangt man in das Gemach bey J. Den Gang zieren wieder die wunderbarsten Tropfsteinbilder. So sieht man bei g links am Wege eine Figur, einem aus Stein gehauenen ägyptischen Sphinx nicht unähnlich, und rechts bei h eine cylindrisch geformte Tropfsteinmasse, die das Ansehen eines mit Blumen und Laubwerk umwundenen Altars hat.

Das Gemach F erstreckt sich 24 Schritt von Ost nach West, 16 Schritt von Nord nach Süd, und wölbt sich in einer Höhe von etwa 30 – 36 Fuß. Auch hier zieht sich eine kaminähnliche Öffnung im Deckengewölbe aufwärts, deren Ende ebenfalls nicht zu erkennen ist. Von diesem Gemache, wo die Höhle einen starken Winkel bildet und sich auf einmal nach Westen wendet, geht es abwärts, in einen 18 – 20 Schritt langen Gang von F bis G, in welchem ein Chaos von Felsentrümmern und Tropfsteinmassen aufgehäuft liegt; unter letztern zeichnet sich eine von besonderer Größe aus, welche cubisch gestaltet, das Ansehen hat, als ob sie regelmäßig behauen wäre, und von den Bauern die steinerne Truche genannt wird. Der Gang erweitert sich endlich, und führt in das Gewölbe G, dessen Nebenhöhlen sich wieder nördlich und südlich ausdehnen, und welches in dieser Richtung 30| Schritt, in der entgegengesetzten aber 10 Schritt Weite hat. Seine Höhe mag an 25 – 30’ reichen. Dieses Gewölbe besitzt wieder eine Menge Tropfsteinfiguren, mit denen die Wände wie mit Stuccaturarbeit geziert sind.

Von hier kommt man wieder an eine sehr enge und niedrige Pforte (i), die sich in einen, ungefähr 12 Fuß hohen und breiten, Felsen hineinzieht, welcher von dem Deckengewölbe des Gemachs G um mehr als 15 Fuß überragt wird, und so gleichsam eine Höhle in der Höhle bildet. Das Gemach G steht mit dem folgenden, tiefer liegenden Theile der Höhle durch den ungefähr 24 Fuß breiten Raum bey H in Verbindung. Wegen der dort wild durch einander liegenden und aufgethürmten Steinmassen ist derselbe jedoch nicht zu passiren, und man muß zu der erwähnten kleinen Pforte (i) seine Zuflucht nehmen. Aber auch hier hat es seine Schwierigkeiten weiter zu kommen, indem der Weg durch einen mächtigen Felsenblock versperrt ist und hinter diesem ein 12 bis 15 Fuß tiefer Felsenabhang liegt, so daß man fast einer Leiter benöthigt ist.

Auf diesen engen und beschwerlichen Paß, den schwierigsten in der ganzen Höhle, folgt wieder ein geräumiger Gang H, 18 – 20 Schritt lang, 5 Schritt breit und 15 – 20 Fuß hoch, welcher wieder schöne Tropfsteinfiguren zeigt. Am Ende dieses Ganges betritt man ein großes Gewölbe (J), welches den Schluß der Höhle macht, und außer der Vorhalle unter allen Gemächern und Gewölben der Höhle bey weitem das geräumigste und interessanteste ist. Es scheint, als ob die Natur, um den unterirdischen Wanderer zu überraschen, das Merkwürdigste und Erhabenste der Höhle bis hieher habe aufsparen wollen, und mit stillem Staunen verweilt man in der Mitte dieser Halle, deren Wölbungen gleich einem Tempel, in kühnen Bogen emporsteigen, dessen feyerliche Stille durch nichts als durch das Geräusch der überall herabfallenden Wassertropfen unterbrochen wird, die im Scheine der Lichter wie Diamanten glänzen. An den Wänden in kleinen Seitenhöhlen| und Nischen sind überall die herrlichsten Tropfsteingebilde zu schauen. [3]

Die größte Länge dieser Halle, welche sich nordwestwärts zieht, beträgt 50, deren größte Breite 30 Schritt, und deren größte Höhe, in der mittleren kuppelähnlichen Wölbung 45 bis 50 Fuß. Der Boden senkt sich fortwährend abwärts, ist naß und sehr schlüpfrig, und besteht aus einem feinen gelblichen und röthlichen Thon (Trippel). Bey n findet sich eine Grube, der Brunnen genannt, worin ehemals Trippelerde gegraben worden seyn soll; da übrigens einmal Erz in der Höhle gesucht worden seyn soll, so könnte die Grube auch noch daher rühren. Hinter der Grube zieht sich, gleich einem Backofen, in einer Breite von 18, und in einer Höhe von 3 – 4 Fuß eine Nebenhöhle (p) einwärts, die sich immer mehr erniedrigt, und so weit sie untersucht werden konnte, 24’ lang ist. Sehr wahrscheinlich setzt diese Nebenhöhle in unzugänglicher Tiefe weiter fort.

Einige Schritte östlich von der Grube bey o befindet sich in einer Felsenecke, ungefähr 4 Fuß über dem Boden, die Tropfsteinbildung, welche vom Volke, ihrer Ähnlichkeit wegen, die Glocke genannt wird. An und neben der Glocke findet man eine unzählige Menge von Namen angeschrieben. Südwestlich, nahe an der Grube, bey M erblickt man, 14 – 15 Fuß in der Höhe, an der Felsenwand eine 6 – 8 Fuß breite und 10 Fuß hohe, dunkle Öffnung, welche man für eine bisher noch unbesuchte Fortsetzung der Höhle gehalten hat. Bey der Untersuchung mittelst einer Leiter aber fand sich’s, daß diese Sage grundlos, und daß diese Öffnung blos eine kleine Seitenhöhle oder Nische ist, die sich kaum 18 Fuß weit in den Felsen hineinzieht, und dann in einem engen Winkel schließt. In dieser Seitenhöhle aber trifft man (weil sie wegen ihrer Höhe der Zerstörungssucht| nicht ausgesetzt ist) die schönsten und reinsten Kalksinterungen und Kalkspathkrystalle von rhomboidaler und pyramidaler Absonderung an.

Die Höhle befindet sich, wie die Nebelhöhe, im Jurakalk. Von Mineralien findet man außer den angeführten nur noch etwas feinen Trippel und Mondmilch in der Höhle.[4]

Die alte Sitte, wornach die Jugend der Dörfer Enabeuren und Sontheim jährlich am Pfingstmontage ein Fest in dieser Höhle mit Musik, Gesang und Tanz, mit Essen und Trinken feyerte, hat schon seit längerer Zeit aufgehört.[5]

Was den beyliegenden Grundriß betrifft; so ist derselbe in dem nämlichen Maaßstabe, in dem der Grundriß der Nebelhöhle in der Beschreibung des Oberamts Reutlingen lithographirt wurde, aufgetragen worden. Beyde Höhlen haben in gerader Linie so ziemlich gleiche Länge, nach den bedeutenden Wendungen aber, welche die Sontheimer Höhle macht, ist diese um umgefähr 13 Fuß länger; ihre ganze Länge beträgt 670 Fuß. Dagegen ist sie größtentheils schmäler, als die Nebelhöhle und besteht oft nur in schmalen Gängen. Die Höhle senkt sich von dem Eingange an beynahe fortwährend und ihr ganzer Fall mag 120 bis 130 Fuß betragen.

2) Das Höllenloch, zwischen Feldstetten und Enabeuren, an einer Anhöhe, Nattenbuch genannt. Es ist eine unzugängliche, nach oben sich öffnende Höhle, die nur durch ein enges Loch mit der Oberfläche in Berührung steht. Nach Rösler „ließ ein in das Loch geworfener Stein eine| Minute warten, bis man seinen Klang, als ob er in einen Kessel gefallen wäre, oben vernahm.“[6]

Gegenwärtig ist die Öffnung durch große Steinmassen gesperrt; läßt man kleinere Steine zwischen denselben abwärts fallen, so ist auch noch gegenwärtig in der Tiefe ein Fallen von Felsen zu Felsen hörbar. Mehrere, minder bedeutende Höhlen befinden sich in der Nähe, hauptsächlich aber auf Westerheimer Markung.

3) Ein zweytes Höllenloch findet sich in der Nähe von Justingen, es ist aber ohne Zweifel ein künstlicher Schacht. S. Bergbau.

4) Der hohle Stein, nicht weit von Feldstetten, eine Felsenhöhle, die einen Eingang von ungefähr 8 Fuß hoch und 15 – 20 Fuß breit hat, sich aber bald in enge Klüfte zusammenzieht.

5) Das Ottilienloch, westlich von Tapfen, eine Höhle, worin der Sage nach eine gewisse Ottilie, in Tapfen ein noch jezt gewöhnlicher Taufname, vor Nachstellungen sich verborgen haben solle. Es wird darin viel Mondmilch gefunden.

Die 6) Bettelmannshöhle im Lauterthale, Derneck gegenüber; sie hat einen sehr breiten und ungefähr mannshohen Eingang, der tief in das Gebirg hineinführt. Der Boden ist mit vielen Steintrümmern bedeckt. Boden und Decke laufen ziemlich parallel fort, im Hintergrunde enthält die Höhle viel Wasser, und verengt sich immer mehr. Die Seitenwände sind gegen 60 Schritt weit, von allem Tuffstein entblößt, und stellen sich queer durchbrochen, horizontal und auf beiden Seiten entsprechend geschichtet, dar.

7) Das Gerberloch, gleichfalls im Lauterthale, am südlichen, steilen, fast senkrechten Felsenabhang der Burghalde. Seine Öffnung gleicht einem hohen gothischen Thore; sie führt zu einer ungefähr 60 – 80 Fuß langen, 15 – 20 Fuß breiten und eben so hohen Halle mit Stalaktiten geziert. Am| Ende derselben gelangt man an einen Schlund, durch den man nicht anders, als liegend, kommen kann. An dem Eingang des Gerberlochs waren noch vor wenigen Jahren eiserne, in die Felsen eingegossene, Kegel von einem Thore zu sehen. Nach der Behauptung des Volks soll die Höhle hinter dem erwähnten Schlunde sich erweitern und durch den ganzen Berg hinab, bis Indelhausen fortsetzen; ein Mann von Hayingen soll sie vor längerer Zeit untersucht und mitten in der Höhle steinerne Treppen gefunden haben, welche theils nach oben auf die Ebene, theils in die Tiefe führen. Da zu Hayingen der Sage nach ein Vehmgericht gewesen seyn und das alte Hayingen über der Höhle gestanden haben soll: so wird man leicht geneigt, in dieser Höhle einen ehemaligen geheimen Sitz jener gefürchteten Gerichte zu vermuthen.

8) Das Ochsenloch, an derselben Burghalde, bey dem Gerberloch. Der Zugang zu dieser, wie zu der ebengenannten Höhle, ist sehr schwierig, da der Eingang von beyden fast in der Mitte des steilen Felsenabhangs sich befindet. Die Höhle selbst ist noch enger und schwerer zu passiren, als das Gerberloch, überhaupt aber weniger bedeutend, als dieses. Sie scheint aber auch eine größere unterirdische Ausdehnung zu haben. – Außer diesen befinden sich noch mehrere andere Höhlen und Gewölbe in dem Lauterthale, besonders unterhalb Schiltzburg, am Pfaffenstein und weiter hin. Eine der merkwürdigsten Höhlen aber ist

9) Die Friedrichshöhle oder Wimsheimer Höhle im Achthal, unterhalb Ehrenfels, bey Wimsheim. Den neuen Namen Friedrichshöhle erhielt sie von einem Besuche des Königs Friedrich i. J. 1803, wovon eine über der Höhle von dem Minister v. Normann zum Empfang des hohen Gastes angebrachte Marmor-Tafel mit der Inschrift zeuget: Grata Tuum Numen mea Nympha salutat. Laetior unda Tibi, nunc Friederice, fluit! Der Eingang in die Höhle befindet sich in einem großen vorspringenden Felsen, er ist 10 – 12 Fuß breit und ungefähr halb so hoch, seine ganze Breite aber ist, wie| die Höhle selbst, mit Wasser angefüllt. Die Ach hat darin ihren Ursprung und strömt in solcher Fülle daraus hervor, daß sie gleich nach ihrem Erscheinen eine Mühle treibt. Wer daher die Höhle besuchen will, muß sich eines Nachens mit Lichtern bedienen. Die Höhle erweitert sich gleich hinter dem Eingang, die Tiefe des Wassers aber steigt von 4 bis auf 36 Fuß. Gleich in der ersten Halle steht in der Mitte ein Felsen, der wie eine Insel aus den Fluthen hervorragt; hinter demselben zieht die Höhle theils in engern Gängen, theils in weitern Grotten, immer aber in dichter Finsterniß fort. Befahren kann sie auf ungefähr 600 Fuß weit werden. Sie befindet sich in dem dichten Jura-Kalkstein; ihr Wasserspiegel liegt, nach der unten mitgetheilten Tabelle, 1688 P. Fuß über der Meeresfläche. Eine Abbildung davon findet sich bey dem Morgenblatt Jahrgang 1809. Nr. 43. Weiter oben im Glasthale, in den Felsen von Altehrenfels und weiter hinauf, gibt es noch mehrere ansehnliche Höhlen und Grotten, deren Wände zum Theil mit schönen Tropfsteinen überzogen sind. Auch bey Laichingen befindet sich eine sich weit hinziehende Höhle, deren Eingang aber sehr eng und beschwerlich ist.


5. Gewässer.
a. Quellen.
Ein Hauptmangel der Alpbezirke ist der Mangel an Quellwasser, der zwar in den Thälern gemeiniglich durch fließendes Wasser ersetzt wird, desto drückender aber auf dem Gebiet wird, wo die meisten Orte kein anderes Wasser haben, als was sie von den Dächern in Cisternen und Hülen sammeln, und wenn auch diese vertrocknen, wie es in dürren Sommern häufig geschieht, ihr Wasser oft Monate lang Stunden weit in Fässern herbey holen müssen. Dieß ist auch der Fall in dem Oberamtsbezirke Münsingen und war es insbesondere in den Jahren 1811, 1818, 1822, wo der Eimer Wasser in Mehrstetten z. B. mit 48 kr. bezahlt wurde. Von den Gebirgsorten haben nur folgende 12 Quellwasser: Münsingen, Hayingen,| Auingen, Böttingen, Magolsheim, Dottingen, Steingebronn, Apfelstetten, Münsdorf, Sunderbuch, Erbstetten und Emeringen; alle andern müssen sich mit Cisternen und Hülen behelfen, und Röhrbrunnen trifft man auch in jenen selten und vorzüglich nur in Münsingen und Hayingen an.

Die Cisternen erhalten ihren Zufluß in der Regel von den Dächern, und sind diese, wie gewöhnlich, Strohdächer, so erhält das Wasser eine gelbliche Farbe und einen widerlichen Geschmack. Um es vor Fäulniß und Insekten zu bewahren, wird gemeiniglich Salz hineingeworfen, durch das Hineinwerfen etlicher Scheiter Birkenholz wird ihm der widerliche Geschmack und Geruch benommen. Die Cisternen sind cylindrisch gebaut, 15 – 20 Fuß tief und oben mit einer viereckigen Einfassung von Quadern versehen.

Die Hülen, Hülben, Rösen, welche zum Tränken des Viehes dienen, sind eine Art von kleinen Seen, worin die Flüssigkeit zusammenläuft. Sie haben gemeiniglich ein sehr unreines, stinkendes und eckelhaftes Wasser, und sehen wie große Mistlachen aus, weil aller Unrath darein fließt: dessenungeachtet trinkt das Vieh das Wasser gern und bleibt gesund dabey.

Merkwürdige Quellen sind: die Quelle in der Friedrichshöhle, deren oben schon gedacht worden ist; die Kesselquelle bey Zwiefalten, aus welcher die eine Ach entspringt. Dieser merkwürdige Topf liegt in dem Seitenthälchen, das von ihm den Namen Kesselthal hat. Er wird gemeiniglich für unergründlich gehalten, bey einer Messung aber will man eine Tiefe von 80 Fuß gefunden haben. Sein Durchmesser beträgt nahe an 100 Fuß. Bey heiterer Witterung hat das Wasser in der Mitte des Topfs eine ähnliche bläuliche Farbe, wie der Blautopf bey Blaubeuren; ferner: der Lauter-Ursprung; die Buttenhäuser Quelle; der Blaubrunnen unterhalb Schiltzburg, deren noch gleich nachher bey der Lauter weiter Erwähnung geschehen wird; der Schmichen-Ursprung bey Gundershofen,| s. u. S. 44.; die Quelle auf dem Sternenberg, s. o. S. 20.

Hungerbrunnen, oder periodische Quellen gibt es mehrere im Oberamte; wie z. B. bey Bremelau, Hayingen, Zwiefalten, Steingebronn, welche meist in der Hungerzeit 1816/17 flossen.

Mineral-Quellen gibt es keine im Oberamt; eine Quelle zu Emeringen und der Blaubrunnen im Lauterthal sollen etwas Eisentheile enthalten; auch die Quelle am Eisenrüttel setzt an ihrem Ausfluß viel rothes Eisenoxyd ab. Merkwürdig ist, daß man bey dem jetzigen Wassermangel auf der Alp an verschiedenen Orten auf die Sagen von Seen und ehemaligen Flüssen stößt, wie zu Münsingen, Auingen, Enabeuren, Laichingen.

b.) Seen gibt es, einige kleine Weiher abgerechnet, keine im Oberamte. Daß es aber in frühern Zeiten da gegeben habe, beweist der Name Egelsee bei Feldstetten, Seewiesen, bey Münsingen. Künstliche Seen gab es auch bey Grafeneck und Marbach, wie man bey diesen Orten finden wird.

c.) Flüsse und Bäche.

Die drey einzigen Flüsse oder Flüßchen des Oberamts sind die der drey Hauptthäler, die Lauter, und zu beyden Seiten von dieser die Ach und die Schmichen.

1) Die Lauter, sonst auch Lauterach, das lautere Wasser genannt, entspringt hinter dem K. Gestütshof Offenhausen in dem ehemaligen Klostergarten, am Fuße des Sternenbergs, in einem merkwürdigen Felsenbecken, wo sie, nach Art der Alpflüsse, auf einmal in solcher Stärke hervorkommt, daß sie sogleich eine Mahlmühle treibt. Mit dieser Hauptquelle vereinigen sich eine halbe Stunde von ihrem Ursprung, bey Gomadingen, 3 Nebenquellen: 1) Die Gächinger Quelle, welche ihren Ursprung in dem Dorf Gächingen hat; 2) die Steingebronner Quelle, womit sich 3) die Quelle im Tiefenthälein (Tuifetle) verbindet.

Nach dieser Vereinigung läuft die Lauter durch das Lauterthal hinab, und ergießt sich unter Neuburg in die Donau,| nachdem sie sich vorher noch durch eine enge Felsenkluft durchgearbeitet hat. Die Länge ihres Laufs, welche, dem Thal nach gemessen, 81/9 W. Stunden beträgt, macht nach dem Flußbette 112/13 W. Stunden.

Schon aus dieser verschiedenen Länge des Wegs ergibt es sich, daß sie mannichfaltige Krümmungen macht. Ihr Fall ist übrigens nicht unbedeutend; er beträgt von Offenhausen bis in die Donau 531 W. Fuß, im Durchschnitt also auf 1 Stunde der Thallänge 703/8 W. Fuß. Doch ist er noch nicht halb so stark als der Fall der Echatz und noch weniger als der der Erms. Überdieß kommen auf dieses Gefälle unterhalb Schiltzburg mehrere Wasserfälle, welche allein 80 – 90 Fuß wegnehmen. Eine genauere Übersicht von dem Gefälle der Lauter und dem des Lauterthales, so wie von dem der Ach und des Achthals, liefert die folgende Tabelle, deren Höhenbestimmungen auf den mit größter Genauigkeit vorgenommenen Nivellirungen des Herrn Ober-Lieutenants Duttenhofer beruhen.

In Vergleichung mit andern Flüssen mag die Wassermasse der Lauter an deren Ende ungefähr der von der Lauchart oder der Echatz und der Erms gleichkommen.

Die Ufer sind, wie bey allen Donau-Wassern, meist flach, und was dem Auge des Unterländers immer auffällt, ohne Bekleidung, ein Umstand, der nebst dem geringen Fall, auch die ewigen Schlangen-Wendungen des Flusses begünstigt. Fünfzehn Orte liegen, wie die Karte zeigt, an den Ufern des Flusses und 14 Mahl- und 11 andere Mühlen und Werke nebst einem Druckwerk werden von seinem Wasser getrieben. Überdieß bewässert er die Wiesen des Thals und führt treffliche Forellen, Aschen und auch Krebse mit sich. Die beyderseitigen Ufer sind durch viele, aber durchaus sehr einfache, hölzerne Brücken und Stege verbunden.

Einflüsse in die Lauter.

a.) Die kleine Lauter, die von Grafeneck herkommt, und ihre Hauptquelle hinter dem Schlosse in dem Doldenbrunnen hat; unterhalb Marbach;

| b.) das Läuterlein, uneigentlich auch Bruntel (Brunnenthal) genannt, ein kleines krystallenes Wässerlein, das am Fuße von Blankenstein entspringt, und bey Wasserstetten von der rechten Seite einfließt;

c.) das Ölmühl-Bächlein, eine reiche Quelle, die an dem Galgenberg bey Buttenhausen, auf der linken Seite der Lauter, unweit des neuen Schlößchens entspringt, eine Öl- und Gypsmühle, wovon sie den Namen hat, treibt, und nach ganz kurzem Lauf sich am Ende des Dorfs mit der Lauter vereinigt;

d) der Blaubrunnen, eine üppige Quelle, welche wieder, wie beynahe alle andere Zuflüsse, auf der linken Seite, ganz nahe am Lauterufer, unterhalb Schiltzburg, unter Gebüsche entspringt, und sich sogleich mit dem Flusse vereinigt. S. 40.

Einen kleinen Zufluß erhält die Lauter noch außerhalb der Gränze des Oberamts von der Seite von Reichenstein her; im Ganzen aber sind alle Zuflüsse, den Grafenecker und Buttenhäuser abgerechnet, unbedeutend, und die Hauptkraft des Flusses liegt in seinem Ursprung zu Offenhausen.

2.) Die Ach. Sie entspringt in der Friedrichs-Höhle zu Wimsheim, S. o. S. 37. Mit der Hauptquelle verbindet sich vor der Friedrichshöhle noch eine entferntere, welche unter den Felsen im Glasthale entspringt, an Alt- und Neuehrenfels vorbeygeht, und ehe sie sich mit jener verbindet, noch eine der Wimsheimer Mühlen treibt. Ihre Länge beträgt, von dem ersten Ursprung im Glasthal an gerechnet, nach den Krümmungen des Thals, 21/2 Würt. oder 2 starke Reisestunden 33.040’ und nach den eigenen Krümmungen ihres Laufs 38.660 Fuß. Ihr Fall in die Donau von der Quelle im Glasthal beträgt – 220 Fuß; von der Friedrichshöhle an – 140 Fuß. Von diesem Falle kommen aber allein auf die Felsenschlucht bey Wimsheim über 100 Fuß, so daß der Fall von Gossenzugen bis Zwiefaltendorf, ungefähr 11/2 W. Stunden, nur noch 57 Fuß macht. Die Ach macht daher auch zwischen Bach und Zwiefaltendorf, wo ihr Lauf sehr gehemmt ist, und noch bey dem Dorf um 36 Fuß höher als die Donau liegt, viele Krümmungen| und vertheilt sich noch vor ihrer Vereinigung mit der Donau in mehrere Äste.
Gefälle der Lauter.
Benennung der Höhenpunkte. Entfernung von einem Punkt zum andern. Höhen über der Donau Fall des Flusses v. einem Punkte zum andern Mittlerer Fall des Flusses auf 1000’
nach der Flußbahn. nach der Thalkrümmung. nach der Flußbahn. nach der Thalkrümmung.
W. Fuß. W. F. W. F. W. F. W. F. W. F.
Offenhausen. Lauter-Quelle. 540
Gomadingen. 10.700 8.000 506 34 3,2 4,2
Marbach; Einfluß
des Dolderbrunnens
12.600 11.200 461 45 3,6 4,0
Tapfen; unter der Brücke. 6.100 4.000 441 20 3,3 5,0
Wasserstetten; Einfluß
der Brunntel.
10.000 6.500 423 18 1,8 2,3
Buttenhausen; Brücke. 17.400 12.400 374 49 2,8 3,9
Hundersingen; Mühle. 16.800 10.700 354 20 1,2 1,9
Bichishausen; Mühle. 6.100 4.600 340 14 2,3 3,0
Wittsteig; Mühle. 12.600 9.400 284 56 4,4 6,0
Indelhausen; Brücke. 18.300 12.800 261 23 1,3 1,8
Anhausen. 4.700 3.900 235 26 5,5 6,7
Unter-Wilzingen. 26.100 19.300 152 83 3,2 4,3
Lauffenmühle. 10.200 8.500 54 98 9,6 11,5
Lauterach; unter der Brücke. 5.900 5.200 26 28 4,7 5,4
Gefälle der Zwiefalter Ach.
Ursprung der Ach in
der Friedrichshöhle.
140
Gossenzugen; Mühle. 6.250 6.050 93 37 5,9 6,2
Zwiefalten. 5.500 5.200 75 18 3,3 3,5
Bach, Brücke. 5.700 5.300 45 30 5,3 5,7
Zwiefaltendorf; Wasserspiegel der
Ach vor dem Eintritt in das Dorf.
12.560 8.600 36 9 0,7 1,0
|
Einflüsse in die Ach.

Die Zwiefalter Ach, auch der Kesselbach genannt, welche in dem Kesselthale, nahe bey Zwiefalten, in dem oben beschriebenen Topfe entspringt und einen kleinen Zufluß aus dem Dobelthale erhält. Sie vereinigt sich mit der Wimsheimer Ach in dem Kloster Zwiefalten.

Nach dieser Vereinigung erhält die Ach nur noch 2 schwache Zuflüsse bey Bach, wovon der eine jedoch eine Ölmühle treibt. Die Wassermasse der Ach kommt bey dem Ausflusse ziemlich der von der Lauter gleich. Die Ufer sind auch bey ihr flach und kahl. An derselben liegen, außer Ehrenfels und Wimsheim, wie die Karte zeigt, 5 Orte, wovon aber der fünfte – Zwiefaltendorf, nicht mehr zum Oberamt gehört. Das Flüßchen treibt, Zwiefaltendorf nicht gerechnet, 5 Mahlmühlen und 9 andere Mühlen und Werke. Wie die Lauter führt es gute Forellen, Gruppen etc.

3) Die Schmichen, auch Schmieh, Schmicha, Schmieha genannt. Sie entspringt oberhalb Gundershofen, bey den, ohne Zweifel von dem Ursprung sogenannten, Springenmühlen, in einem engen tiefen Thale, wo sie aus Felsenklüften, welche aus dichtem geschichtetem Jurakalk bestehen, hervorkommt und sogleich die genannten Mühlen treibt. Nur eine kurze Strecke des Flüßchens mit den beyden Orten Gundershofen und Hütten gehört zu dem Oberamt Münsingen, auf seinem ganzen übrigen Laufe gehört es Ehingen an, wohin deßwegen auch seine nähere Beschreibung verschoben bleibt.

Außer den angeführten 3 Flüßchen und ihren kleinen Einflüssen findet sich auch nicht ein Bächlein in dem ganzen, weitläufigen Oberamte.


6.) Höhe und Abdachung.
Die Erhebung des Oberamtsbezirkes über die Meeresfläche ist sehr verschieden, sie steigt von ungefähr 1890 W. Fuß bis auf 3038 Fuß; der niedrigste Ort ist Bach im Achthal, der höchste ist Oberstetten und diesem gleich sind Feldstetten und Sontheim. Auch die Thäler haben schon| eine hohe Lage, selbst der niedrigste Punkt, das Donaubecken, in das alle Wasser ablaufen, ist da, wo es die Oberamtsgränze berührt, noch 400 Fuß höher als der Bodensee, und 1020 Fuß höher als der Neckar bey Canstatt. Hundersingen, das ungefähr in der Mitte des Lauterthals liegt, ist gerade 500 Fuß höher, als Urach, wo schon kein Wein mehr wächst. Über die Höhe einzelner Punkte gibt folgende Zusammenstellung eine vergleichende Übersicht, wobey die mit B. bezeichneten Punkte von Herrn Prof. v. Bohnenberger trigonometrisch, die mit S. und R. bezeichneten von Herrn Prof. Schübler und Herrn Forst-Candidat Rogg barometrisch bestimmt, und die mit D. bezeichneten nach den Nivellirungen des Herrn Ober-Lieutnants Duttenhofer von Canstatt bis an den Bodensee berechnet sind.
Buchhalde bey Dottingen, B. 2679   P. F. 3038   W. F.
Enabeurer Kirchlesberg, S. 2632 2984
Stetten, Berg bey Feldstetten, S. 2599 2947
Sternenberg bey Offenhausen, S. 2584 2928
Roßhäuptlein bey Ödenwaldstetten, R. 2529 2867
Eisenrüttel bey Dottingen, S. 2510 2846
Quelle am Eisenrüttel, S. 2418 2742
Maßhaldersbuch, R. 2487 2820
Ziegelwäldchen bey Münsingen, S. 2421 2745
Anhöhe zwischen Suppingen und
  Feldstetten, auf der Landstraße, S.
2443 2770
Oberstetten bey der Kirche, R. 2405 2727
Feldstetten, Erdfläche, S. 2405 2727
Sontheim, Erdfläche, S. 2400 2721
Enabeuren, oben bey der Kirche, S. 2396 2717
Tigerfeld, beym Hirch, R. 2347 2661
Aichstetten, Fläche der Wette, R. 2323 2634
Bremelau bey der Kirche, mittlere
 Höhe des Orts, S.
2307 2616
Dottingen, am Hirsch, S. 2306 2615
Aichelau bey der Kirche, R. 2264 2567
Sontheimer Höhle, Decke am Eingang, S. 2242 2542
Münsingen, bey der Post, S. 2190 2483
Kohlstetten, S. 2187 2480
Hayingen, Fläche der Wette, R. 2079 2357
|
Offenhausen, Lauterquelle, D. 2018   P. F. 2288   W. F.
Gomadingen, Lauter unter
 der Brücke, D.
1983 2248
Ursprung der Schmichen, S. 1936 2195
Gundershofen, S. 1890 2143
Tapfen, D. 1930 2189
Buttenhausen, Lauter, D. 1871 2122
Hundersingen, D. 1854 2102
Unterwilzingen, D. 1676 1900
Friedrichshöhle, Wasserfläche, D. 1691 1918
Zwiefalten, Lauter,
 oben am Kloster-Garten, D.
1634 1853
Bach, Lauter, unter der Brücke, D. 1608 1823
Zwiefaltendorf, D. 1600 1814
Lauterach, unter der Brücke, D. 1564 1774
Donau, beym Einfluß der Ach, D. 1568 1778
Donau, beym Einfluß der Lauter, D. 1542 1748

Die Hauptabdachung des Oberamts geht gegen die Donau, alles Wasser fließt in die Donau, nur ein schmaler Streifen der nördlichen Gränze des Oberamts, bey Dottingen und Münsingen, liegt noch im Neckar- und Rhein-Gebiete.

Die Wasserscheide zieht nämlich aus dem Oberamt Urach von Sirchingen über die Berge bey Dottingen, zwischen Rietheim und Dottingen, herüber nach dem Hungerberg bey Münsingen, wo sie aber das Oberamt gleich wieder verläßt. Die Markung von Dottingen wird von ihr durchschnitten, jedoch so, daß der größere Theil davon mit dem Orte selbst im Donaugebiet liegen bleibt. Übrigens verlieren sich die Spuren der Wasserscheide oft gänzlich, so daß man gar nicht sagen kann, nach welcher Seite das Wasser abfließt, wie bey Kohlstetten, Feldstetten, weil alles Wasser in dem klüftigen Boden versinkt und die Scheidelinie im Innern des Gebirgs liegt.


7.) Boden und Gebirgsarten.
Der Boden ist im Allgemeinen ziemlich derselbe, wie er bey Reutlingen beschrieben worden, auf der Alp überall mit Kalksteinen wie übersäet. Bey Bernloch und in dem ganzen kesselartigen Bezirk umher ist er feucht und sauer;| Feldstetten hat viel Moorboden. Selten geht der gute Grund tief, bald stößt man auf Felsen oder auch, wie zu Bernloch, auf Letten oder auf Kalksand. Große Strecken sind oft mit Steinhügeln besetzt, und alles Anbaues unfähig.

Die herrschende Gebirgsart ist durchaus die des Jurakalks, der übrigens unter verschiedenen Abänderungen vorkommt. Zu den merkwürdigen Abänderungen gehört sein Übergang in Marmor, wovon nachher noch die Rede seyn wird, sodann seine verschiedene Schichtung und Spaltung in Platten und Quadern. In der ersten Gestalt als Steinplatten findet man ihn bey Feldstetten, Tapfen und auf der Zwiefalter Alp, bey Huldstetten und Tigerfeld. Bis jetzt hat man jedoch noch keine Schichten gefunden, die den Erfordernissen zu Steindruck-Platten vollkommen entsprächen. In quaderartiger Gestalt, wie eine von Quadern aufgeführte Mauer, beobachtet man ihn hauptsächlich bey Zwiefalten, Bach und in der Schlucht zwischen Indelhausen und Hayingen. Die merkwürdigste Abänderung aber ist die des sogenannten Flözdolomits.[8] In dieser Abänderung kommt er am Sternenberg und im Lauterthale, bey Gundelfingen und weiter unten, hauptsächlich aber bey Justingen und gegen das Schmichenthal, so wie bey Gauingen, auf der Höhe von Zwiefalten, vor, wo sich ein großer Steinbruch darin befindet.

Sandsteine gibt es nicht in dem Oberamte, wenn man nicht, wie es häufig geschieht, den ebengenannten Flözdolomit damit verwechseln will, der um seiner Ähnlichkeit willen auch häufig wilder Sandstein genannt wird. Dagegen kommt in dem Lauterthale unterhalb Schiltzburg, auch in dem Schmichenthal, bey Hütten und weiter hinab, und ebenso in dem Achthale bey Zwiefalten der Kalktuff vor. Zwiefalten selbst steht auf Tuffsteinen, und ist zum Theil| davon gebaut. Die merkwürdigste geognostische Erscheinung aber ist der Basalt, der in Würtemberg von den Mineralogen zuerst in unserm Oberamte beobachtet worden und dessen Vorkommen um so merkwürdiger ist, als neuere Beobachtungen seine vulkanische Natur fast unwiderleglich darthun. Er kommt in dem Oberamte an zwey Orten, an dem Eisenrüttel bey Dottingen und an dem Sternenberg bey Offenhausen, vor. An dem Eisenrüttel, wo er vor 25 Jahren zuerst von dem Professor Rösler und dem Bergrath Wiedemann beobachtet worden ist,[9] kommt er in großen Blöcken mit häufig eingewachsener basaltischer Hornblende, zuweilen auch mit Hyalith, vor. Da, wo er zuerst hervorsteht, nach Herrn Prof. Schübler 2418 P. Fuß über der Meeresfläche und 92 Fuß unter der Spitze des Berges, sprudelt eine nie versiegbare Quelle hervor. Nicht so häufig als am Eisenrüttel kommt der Basalt am Sternenberg vor, der später als Basalthügel von dem jetzigen Herrn Oberfinanzrath Nördlinger erkannt und in den Denkwürdigkeiten der Naturforscher Schwabens beschrieben worden ist; man findet ihn in Bruchstücken mit eingewachsenen Olivinkörnern, hauptsächlich in dem oben bezeichneten, kraterartigen Becken, und auch hier ist mit seinem Vorkommen wieder eine nie versiegende Quelle verbunden. Siehe o. S. 20.

Die Basaltarten dieser beyden Berge sind außer ihren verschiedenen Gemengtheilen auch in Farbe und specifischen Gewicht verschieden, der Basalt des Eisenrüttels ist sehr fest und hat eine dunkle oft dem Schwarzen sich nähernde Farbe, sein spec. Gew. beträgt 3,093 – 3,103; Der Basalt des Sternenbergs hat eine weniger dunkle, mehr schwärzlich graue Farbe und ein spec. Gewicht von 2,892 bis 2,969, beides nach den Untersuchungen von Hrn. Prof. Schübler, dessen neuere, höchst merkwürdige Beobachtungen von Basalthügeln auch außerhalb der Oberamtsgränze, wodurch die früher schon von Herrn Trig. Diezel und später von H. Buchhalter Weber und Andern| dem K. Stat. Top. Bureau mitgetheilten Beobachtungen vollkommen bestätigt werden, in den Würt. Jahrbüchern 1824. II. Heft beschrieben sind.


8. Klima.

Eine scharfe und stark bewegte Luft, häufige Stürme, kühle und oft kalte Sommernächte, Beständigkeit und Strenge des Winters und Veränderlichkeit und jäher Temperaturwechsel des Frühjahrs sind das Ausgezeichnete von dem Klima unsers Bezirks. Unstreitig gehört das Oberamt seinem größten Theile nach zu den rauhesten Gegenden des Landes. Der Winter tritt frühe ein, der Schnee geht spät ab, Nebel und Reifen dauern bis in den Sommer hinein, selten gibt es einen Monat, wo nicht eingeheizt wird, und oft findet der Mähder in der Heuernte Eis auf dem Gras. Das Schädlichste, und schädlicher als Hagelschlag, ist später Schneeabgang, weil dadurch die Wintersaat aufgerieben wird und oft ganze Felder wieder umgeackert werden müssen. Gemeiniglich wird deßwegen auch das bessere oder schlechtere Klima von den Alpbewohnern ganz nach dem Schneeabgang bemessen: drey oder vier Tage früher oder später werden von ihnen hoch angeschlagen. Die Zwiefalter Alp ist im Allgemeinen wärmer und um mehrere Tage früher, als die Münsinger Alp; Justingen, Sontheim sind wieder früher und ernten um 5 bis 6 Tage bälder als Laichingen und Feldstetten. Am meisten leiden von dem Klima die beyden letzten Orte; nur Zainingen und Donnstetten im Oberamt Urach sind noch übler daran.

Die Thäler machen von der geschilderten Beschaffenheit des Klimas nur wenig Ausnahme, wegen ihrer engen und waldigen Natur hauptsächlich nur die, daß sie mehr von Reifen leiden, und oft weniger Sonnenschein haben.

Die Erntezeit tritt in der Regel bey den Winterfrüchten in der zweyten Hälfte des Augusts, bey den Sommerfrüchten in der Mitte Septembers ein; jene zieht sich aber oft auch bis in den September, und diese bis in den Oktober hinaus,| und häufig fällt der Schnee noch auf die geschnittene und ungeschnittene Frucht. [10]

Die Alp wird häufig von Hochgewittern heimgesucht und mehrere Gegenden des Oberamts-Bezirks sind dem Wetterschlag sehr ausgesetzt; darunter gehören vornehmlich Oberstetten, Justingen, Magolsheim und Enabeuren; früher gehörte auch Laichingen hierher, das von 1762 bis 1792 je im dritten Jahre gänzlichen Wetterschlag hatte. Die Gewitter nehmen gewöhnlich ihren Zug von Westen nach Osten; der benachbarte Ferenberg bey Dottingen und die Erpfinger Reute sind Wetterscheiden, durch erstern wird insbesondere Münsingen geschützt.

Von der angezeigten Beschaffenheit des Klimas kommen zwar alle Getreidearten und auch noch etwas Obst fort, der Weinbau aber verträgt sich durchaus nicht.


9. Natur-Erzeugnisse.
1. Mineralreich.
a.) Metalle. Eisenerz ist das einzige Metall, das man in dem Oberamte findet, es kommt als Bohnerz an mehreren Orten, namentlich auf der Münsinger Markung, bey Aichelau, Ehrenfels, Geisingen, Dottingen, am letztern Orte allen Umständen nach auch in Flözen vor. In vorzüglicher Menge findet sich das Bohnerz an dem Mutterbühl| bey Geisingen. An einigen Orten findet man auch Schwefelkies, z. B. bey Grafeneck.

b) Steine. Marmor von verschiedenen Abänderungen findet man in vielen Gegenden des Oberamts; in der Sammlung von Naturproducten Würtembergs zu Tübingen und in Privat-Sammlungen finden sich aus dem Oberamte:

weißer Marmor von Bremelau;

gelblich weißer, von Hundersingen, Tapfen, Grafeneck, Mehrstetten, Enabeuren, Sontheim;

gelblich weißer, mit rothen, marmorirten Flecken und Bändern von Böttingen;

gelblich weißer und blau geädert und gelblich brauner mit kleinen weißen Flecken, von Magolsheim;

gelblich rother, zum Theil mit blauen Flecken von Steingebronn, Magolsheim, Feldstetten, Wasserstetten;

rother mit gelblich marmorirten Flecken, von Marbach, Apfelstetten, Mehrstetten, Böttingen;

braunrother, von Tapfen, Feldstetten.

Von dem Böttinger Marmor ist der große Marmorsaal und die Marmortreppe in dem K. Residenzschlosse zu Stuttgart gebaut.

Schöne Dendriten finden sich in dem Kalkstein bey Grafeneck, Feldstetten u. a. O.

Bau- und Werksteine fehlen, man behilft sich mit den Kalksteinen, dem Flözdolomit, und den Tuffsteinen.

Feuersteine findet man auf dem Felde bey Enabeuren, Feldstetten und Sontheim; von andern selteneren Mineralien finden sich:

splittriger Hornstein bei Gomadingen im Kalkstein eingewachsen;

Olivin, auf dem Eisenrüttel bey Dottingen und auf dem Sternenberg, in Körnern, eingewachsen in Basalt;

Basaltische Hornblende, gewöhnlich in geschobenen Säulen krystallisirt, häufig in dem Basal des Eisenrüttels.

Hyalith wurde bis jetzt nur als große Seltenheit auf dem Basalt des Eisenrüttels aufgewachsen gefunden;| Kalkspath, in dem Jurakalk an mehreren Orten in großen Massen, aber nicht so hart, daß er eine Politur aufnähme, bey Tapfen.

Kalktuff, Basalt s. o. Gebirgsarten.

c) Erden. Thon findet man fast überall, Hafner- und Ziegelthon namentlich zu Offenhausen, Steingebronn, Münsingen, Ober-Wilzingen, im Hardt und zu Justingen, für den technischen Gebrauch jedoch, wenigstens für den – der Töpfer, nirgends sehr vorzüglich, am besten noch zu Offenhausen und Justingen; die bessere Hafner-Erde wird außerhalb des Oberamts von den Münsinger Hafnern bis auf den lutherischen Bergen geholt.

Mergel gibt es ebenfalls an mehreren Orten, besonders zu Sontheim.

Bergmilch, Mondmilch kommt häufig in dem Sontheimer Erdloch, in den Höhlen des Lauterthals bey Tapfen, Schiltzburg etc. vor. In dem Sontheimer Erdloch soll sich auch nach ältern Angaben Bergöhl finden, was jedoch neuere Beobachtungen nicht bestätigen.

d) Versteinerungen. Man findet vorzüglich die im dichten Jurakalk vorkommenden Arten; Gegenden, welche sich durch viele Versteinerungen auszeichneten, sind übrigens bis jetzt keine bekannt.

2) Pflanzenreich.
a.) Holz. Die – bey dem Oberamt Reutlingen angegebenen Hölzer, sowohl Baumhölzer, als Sträucher kommen sämmtlich auch im Oberamt Münsingen vor, nur mit dem Unterschied, daß man etwas mehr Nadelholz, sowohl Roth- als Weißtannen als Forchen und hier und da auch Lerchen findet. Dieß ist der Fall hauptsächlich an dem südlichen Abhange der Alp, um Zwiefalten herum. Auch bey Grafeneck findet man Nadelholzwälder, sie sind aber, wie noch andere umher künstlich, und wurden theils von dem Herzog Karl, theils schon von Herzog Christoph i. J. 1560 gepflanzt. Die Eichen sind zwar auf der Alp seltener, doch kommen sie fast überall und selbst in| rauhern Gegenden vor, insbesondere aber zeichnen sich Laichingen, Bernloch durch schöne Eichwälder aus. In dem sauren und sumpfigen Boden um Bernloch, Feldstetten und fast überall an der unentschiedenen Wasserscheide hin findet man auch viele Birken. Sehr häufig, hauptsächlich an den Straßen und in der Nähe der Orte findet man die Esche, welche um des Futters willen, wozu ihre Blätter für das Vieh benutzt werden, gepflanzt wird. Dagegen sind Erlen, Weiden auch an den Flüssen selten und letztere werden zu Verfertigung von Körben auswärts geholt.

b.) Krautartige Pflanzen von Merkwürdigkeit. Bey der Aufzählung dieser Pflanzen richten wir unser Augenmerk zunächst und hauptsächlich auf die sogenannten ökonomischen; wir bemerken:

Enzian, Gentiana lutea, bey Kohlstetten, Offenhausen und fast überall; Fallkraut, Arnica montana, hauptsächlich im Hardt, wo es in solcher Menge vorkommt, daß der Boden im Sommer wie mit einem gelben Tuche bedeckt scheint. Wermuth, Artemisia Absynthium, nicht nur auf öden Plätzen bey Hayingen etc., sondern auch in außerordentlicher Menge hägerweise im Lauterthale. Ebendaselbst, und in den angränzenden Bergen: Baldrian, Valeriana officinalis; Garbenkraut, Schafgarbe, Achillea Millefolium; Schwalbenwurzel, Asclepias Vincetoxicum; Quendel, Thymian, Thymus Serpyllum; Tausendguldenkraut, Gentiana Centaurium; Lungenkraut, Pulmonaria officinalis. Von Giftpflanzen kommen hauptsächlich vor und werden wie die ebengenannten Pflanzen gesammelt, Bilsenkraut, Hyosciamus niger; Schierling, Conium maculatum und Cicuta virosa; die erstere kommt häufig bei Münsingen, Auingen, Böttingen vor; Fingerhut, Digitalis purpurea und ambigua. Seidelbast, Kellerhals, Daphne Mezereum; Bingelkraut, Mercurialis perennis; stinkende Nieswurz, Helleborus foetidus, Tollkirsche, Atropa Belladonna, die letztere kommt in den Wäldern des Oberamts, besonders bey Dottingen, Offenhausen etc. häufiger, als irgendwo, vor.

Auf den Wiesen des Oberamts kommt ferner häufig vor: die Traubenhyazinthe, Hyacinthus botryoides; auf den Weiden: Anemone Pulsatilla; auf Äckern unter dem Getreide: Caucalis grandiflora, Rhinanthus Crista galli, letzterer besonders um Buttenhausen; in den Wäldern: Anemone nemorosa und ranunculoides, Vinca minor, Orobus vernus, Fumaria bulbosa, Galanthus nivalis etc.

| Von seltnern Pflanzen finden sich namentlich die Hippuris vulg., Sumpf-Tannenwedel, bey Münsingen. Valeriana tripteris und das Thlaspi montanum in den Umgebungen der Friedrichshöhle; die Dentaria bulbifera häufig auf dem Basaltboden des Eisenrüttels in einem Buchenwald, die Anthemis tinctoria und Turritis hirsuta im Getreide auf den Anhöhen um Feldstetten, die Arabis arenosa am Ursprung der Schmichen bey Gundershofen. In der Gegend von Zwiefalten finden sich (nach den Mittheilungen des Herrn Apoth. Blumenstetter) unter Andern: Astrantia minor, eine sehr seltene Pflanze; Convallaria polygonatum; Impatiens noli tangere; Staphylea pinnata; Menyanthes trifoliata; Stachys germanica; Melittis melissophyllum; Orobanche major; Actaea spicata; Aconytum Cycoctonum; Serapias rubra, Cypripedium Calceolus und auch Anchusa officinalis.

Unter den nutzbaren Unkräutern, die in Menge vorkommen und zum Verkauf gesammelt werden, muß noch das Schniergras, Queckgras, Triticum repens, genannt werden.

Himbeere, Braunbeere, besonders aber Erdbeere, gibt es in Menge. Von den letztern trifft man oft noch im September Früchte an. Eine auffallende Erscheinung des Bodens sind die sogenannten Hexenringe, welche auf hohen, öden Plätzen und Weiden, besonders um Münsingen, beobachtet werden. Es sind Ringe auf dem Rasen, welche sich durch ein dunkles, fast ins Schwärzliche gehendes Grün unterscheiden, gemeiniglich 1/2 bis 11/2 Fuß breit und genau kreisförmig sind, mit einem Durchmesser von 6 bis 8 und mehr Fuß.

3) Thierreich.

Das Wild, das vormals besonders von Grafeneck aus, wo es gehegt wurde, dem Oberamts-Bezirk so großen Schaden zufügte, hat sich unter der jetzigen Regierung, wie überall im Königreiche, sehr vermindert. Schwarzwild wird gar nicht mehr angetroffen; das Hochwild ist selten. Füchse, Dächse und andere kleinere, wilde Thiere findet man hauptsächlich in den Felsen des Lauterthals.

Von Federwild kommen vor: Der Uhu, der größte unserer Vögel, hauptsächlich in den einsamen Felsen des Glasthales und in den Ruinen von Hohen-Gundelfingen| und andern Burgen im Lauterthal; der Reiger vornehmlich um Grafeneck und Marbach, jedoch jetzt nicht mehr so häufig als ehemals, wo ein See bey Grafeneck der Reigersee hieß und ein Wald daselbst noch der Reigerwald genannt wird; wilde Tauben, die große und kleine Holztaube und die Turteltaube in Wäldern; Rebhühner fast überall; Haselhühner, zuweilen oberhalb des Glasthals.

Wie es ehemals in den Wäldern und Gebirgsthälern des Oberamts ausgesehen haben mag, davon zeugen noch die oben erwähnten Namen: Bärenthal, Wolfsthal. Noch im Jahr 1652 wurden eigene Commun-Wolfsschützen aufgestellt, und im Jahr 1662 führten die Alporte allgemein Klage über die langen und beschwerlichen Wolfsjagden.

Von Fischen findet man hauptsächlich die Forelle, sowohl die Goldforelle, als die gewöhnliche Forelle, sodann Äschen, Pfellen, Weißfische und Gruppen. Hier und da kommt auch ein Hecht von der Donau herein. In der Lauter bey Marbach gab es ehemals auch Edelkrebse, jetzt scheinen sie verschwunden zu seyn.

Schnecken, die gewöhnliche große Weinbergschnecke gibt es überall in Menge, besonders auch im Hardt. Sie werden häufig gesammelt und verkauft. S. u.



  1. Vergl. Eichhorn deutsche Staats- und Rechtsgeschichte. Bd. I § 14 und 84.
  2. Schon früher sind mehrere Beschreibungen von dem Sontheimer Erdloch erschienen: die erste in den Sel. Phys. Oeconom. X. Stück, S. 381. Stuttgart 1753. Die zweite in der Schwäb. Chronik 1791. S. 65. Die dritte aus den beyden vorigen zusammengestellt, in Röslers Beiträgen zur Naturgeschichte d. H. W. III. Heft, S. 21 und ff. mit einem Grundrisse; eine vierte in Höslins Beschreibung der Alp. Sie machen aber alle eine neue und genaue Beschreibung nicht überflüssig, die wir als Auszug aus einer ganz ausführlichen Schilderung des Herrn Trigonometers Diezel liefern, welcher auch die Höhle aufgenommen und gezeichnet hat, wobey er zu genauerer Bestimmung ihrer Richtungen die Boussole gebrauchte.
  3. Das von Herrn Diezel beobachtete starke Träufeln war ohne Zweifel Folge der Jahreszeit; denn außer derselben ist es sehr gering.
  4. Die Temperatur der Höhle fand Herr Diezel, am 21. März Vorm. 10 Uhr, während außen Schnee lag, + 9°5 R., Herr Prof. Schübler am 19. Oct. + 5°2 R.
  5. Diese Sitte soll von einer Procession um die Markung herrühren, und die bemerkte Belustigung in der Regel über der Höhle Statt gefunden haben; ganz ist sie noch nicht abgegangen.
  6. Beyträge zur Natur-Gesch. H. III. S. 12.
  7. Von den übrigen Lauterquellen liegt die bey Gächingen 600’, bey Steingebronn 597’, im Tuiferle 576’, der Hungerbronn 560’, über der Donau.
    Der Ursprung des Glasbachthalbaches liegt 220’ über der Donau.
  8. Über dessen Beschaffenheit, wie er hier vorkommt, wird anderwärts nähere Nachricht gegeben werden.
  9. Röslers Beyträge zur Naturgeschichte, I. Bd. III. H. S. 63 u. f.
  10. Eine merkwürdige Ausnahme von der Regel haben uns die Zwiefalter Annalen aufbewahrt. Im Jahr 1328 blühten die Bäume im Januar, der Weinstock im April, die Ernte war um Pfingsten (Anfangs Juni), die Weinlese um Jakobi; Alles gerieth im Überfluß. Dagegen hatten 3 Jahre lang vorher Mißwachs, Hunger und große Sterblichkeit geherrscht, und die Winter von 1325 und 1326 waren so kalt, daß die Thiere im Felde, die Fische im Wasser zu Grunde gingen. Zehen Jahre später, 1338, ward das Land von Heuschrecken verwüstet, welche von Osten kamen, in ihrem Fluge gleich dichten Wolken die Sonne verdunkelten und wo sie sich niederließen, Alles in eine öde Wüste verwandelten.
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